Roter Sand

Sand auf dem ganzen Boot

Die Calima ist keine Schwester von Kalinka, dem berühmten russischen Volkslied, bei uns bekannt durch die Interpretation von Ivan Rebroff, und auch keine bezaubernde Schönheit aus den Märchen aus 1001 Nacht. Die Calima ist ein Wetterlage speziell auf den Kanaren, die bei südöstlichen Winden feinen roten Sandstaub aus der Sahara zu den Inseln bringt. Die Luft wird getrübt wie bei uns bei schweren Novembernebeln, die Sonne ist nur noch schemenhaft zu erkennen, und die ansonsten so klare wunderbare Weitsicht reduziert sich auf wenige Kilometer und manchmal nur noch auf ein paar hundert Meter.

Roter Sand auf den Stufen …

Solch eine Wetterlage ist bei entsprechender Windrichtung nichts
ungewöhnliches auf Lanzarote. Aber die Calima, die sich seit ein paar Tagen hartnäckig hält, wird laut Zeitungsberichten von den Meteorologen
als eine der stärksten je gemessenen bezeichnet. Ausgerechnet dann, wenn
wir mit unserem frisch geputzten, gewachsten und abfahrbereiten weißen
Boot hier im Hafen liegen!

Nach unserem Ärger über den ganz verdreckt von der Reparatur aus der
Werft wiedergekehrten Katamaran, der mehrtägige Putzorgien brauchte, um
wieder in alter Pracht zu erstrahlen, war die Hexe herausgeputzt, alle
Gelcoatflächen poliert und mit Wachs als Schutz überzogen, die
Relingstäbe geputzt, alle Persenninge vom Dreck befreit – sie war wieder
eine weiße Schönheit. Und dann kam diese Calima.

… auf dem Vorschiff

Am Wochenende hatte es begonnen, zuerst – das kennen wir schon länger – nur ein bisschen, kein Grund zur Aufregung. Mit der Zeit wurde es immer
schlimmer, die Nachbarinsel Fuerteventura versank im Dunst, der nächste Ort mit seinen kleinen weißen Häusern war nicht mehr zu sehen, manchen
Menschen fällt das Atmen schwer, der feine rote Sandstaub ist überall, in der Luft, auf den Straßenschildern, auf den Möbeln und eben auch auf
den Booten im Hafen. Für Montag war deshalb wieder eine gründliche Bootsreinigung vorgesehen.

Am Morgen werden wir kurz nach Sonnenaufgang durch ein nicht ganz rhythmisches Schlagen auf Metall aufgeschreckt: Ein Marinero hatte wohl
den Auftrag bekommen, am letzten Steg in der Marina, unserem Liegeplatz, Rost zu klopfen an den großen Pfählen, die den Steg gezeitenunabhängig an seinem Platz halten. Und das in Luv von unserem weißen Boot! Die kleinen Rostkrümel machen üble Flecken auf dem Gelcoat und das darin enthaltene Eisen frisst sich, wenn es nicht sofort entfernt wird, in helle Kunststoffflächen ein. Nicht auszudenken, wie das Boot ausgesehen hätte, wären wir nicht an Bord gewesen!

Strömender Regen in Puerto Calero

Also hat Volker am Montag Vormittag über vier Stunden geschrubbt, gewienert, die Fenster geputzt. In weiser Voraussicht hatten wir die hellen Polster im Cockpit schon am Tag davor in die Gästekajüte gepackt. Die ehemals weißen Trampolinnetze sahen aus wie Tennisplätze. Glücklicherweise begann es, üppig zu regnen, so wurde auch der Rote Staub vom Mast gewaschen. Am Abend wehte der Südost immer noch, dazu begann es, in Strömen, wirklich in Strömen, nicht in Bächen, zu regnen. Erst heute Morgen hat der Wind auf Süd gedreht, und der Regen nachgelassen, sodass nach einer erneuten Grundreinigung, die Volker zähneknirschend aber natürlich mit der ihm eigenen Sorgfalt ausführt, die Hexe wieder im alten Glanz erstrahlt.

Dieser Beitrag wurde unter Leben an Bord veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.