Clarence und Long Island – Liebe auf den zweiten Blick

So begrüßt uns die Insel

Eigentlich hatte ich ja angekündigt, von den Schwierigkeiten bei der Einklarierung auf den Bahamas zu schreiben, aber angesichts der schönen Erfahrungen in den letzten Tagen sind die Erinnerungen an die Mühen und den Frust verblasst. Denn trotz des nervigen Papierkrams und dem damit verbundenen Amtsschimmel waren wir überrascht von der Hilfsbereitschaft und der Freundlichkeit aller Menschen, die wir getroffen haben.

Erikas Bakery

Die Madam von dem Marina-Office hat uns schon per Funk detailliert über den Einklarierungsprozess unterrichtet, ein Taxi bestellt, das uns zur „Klinik“ fahren würde, um den verlangten Covidtest zu machen, und auf der Rückfahrt an dem Laden halten, wo wir uns eine Simkarte kaufen könnten, damit wir auch wieder online sein können und uns nicht so analog hier bewegen sollen, dass wir sogar zu der Marina laufen mussten! Das Mädel bei dem Mobilfunk-Anbieter war ebenfalls ausgesprochen hilfreich, hat die Karte für uns in das Modem eingelegt, sie aktiviert, die App zur Steuerung auf mein Telefon geladen und uns alle Passwörter und Zugänge auf den Karton geschrieben.

Am Government Dock

Ein ganz großes Dankeschön geht an die Schwestern der Klinik, die uns mit Rat und vor allem mit Tat bei der online-Registrierung für die Gesundheitsbehörde unterstützt haben, denn ohne gibt es kein Testergebnis. Die Registrierung hierfür kostet 25 $, der Test 20 $, pro Kopf, versteht sich, und das Cruising-Permit fürs Boot schlappe 300 $. Nachdem ich den halben, oder eher den ganzen Abend gebraucht habe, um alle Fragen zu beantworten, und alle nötigen Dokumente hochzuladen (leider zweimal, weil kurz vor Schluss das Netz aufgegeben hat), ging das am nächsten Morgen reibungslos. Die Lady vom Zoll kam, stempelte Pässe, stellte das Cruising-Permit aus, danach waren wir offiziell und die gelbe Quarantäneflagge konnte runter vom Mast.

Barry

Endlich einklariert haben wir die Gegend erkundet, sind mit dem Dinghy zum Riff gefahren und zur gegenüberliegenden Sandinsel mit wunderschönen Muscheln und Korallen.

Fächerkoralle

Das Wasser ist von sensationeller Farbe, je nach Untergrund, türkis oder blau, die Bucht groß und nicht voll, meist waren es drei Boote, die dort geankert haben. Unter unserem Boot wohnt seit unserer Ankunft Barry, the Barracuda, manchmal fütterten wir ihn mit Fleischabfällen, Speck mochte er nicht. Wir schwimmen nur mit Maske, um ihn immer im Blick zu haben, er verfolgt jede Bewegung mit seinen großen Augen, und manchmal zeigt er die Zähne und schüttelt den Kopf, aber er kommt nicht näher, und wenn Volker auf in zu schwimmt, geht er weg.

Vor der Kneipe

Außerdem haben wir im lokalen Laden eingekauft, und abends ein Bier in der hiesigen Kneipe getrunken. Die war allerdings ein wahres Highlight! Die freundliche Taxifahrerin hatte uns auf Nachfrage von Volker (!) gezeigt, wo das lokale Pub ist, und am ersten freien Abend haben wir uns mit dem Beiboot aufgemacht, und sind die paar Schritte bis dorthin gelaufen.

Auf einer Terrasse saßen oder standen ein paar Männer mit Bierflaschen, in dem angrenzden Raum gibt es eine Theke und einen großen Kühlschrank und einen freundlichen Wirt, der auch gerne mit seinen Gästen auf der Terrasse weilt.

Man sitzt dort auf Biergartenganituren, ausrangierten Autositzbänken und wir trinken – natürlich – das lokale Bier: Kalik. Die umstehenden Männer kommen, zumeist in Arbeitskleidung, sozusagen zum After-Work-Bier. Sie sind Handwerker, Maurer, arbeiten bei der Power Plant, ein pensionierter Kapitän der lokalen Frachtschifffahrt ist auch dabei.

Unglaubliche Farben

Und alle sind so nett zu uns! Geduldig beantworten sie alle Fragen zu ihrer Insel, manchmal allerdings brauchen wir einen der Herren als Übersetzer, sie haben einen unglaublichen Dialekt hier, so wie bei uns echtes Platt oder tiefstes Oberbayrisch. Neben der Straße gehen Hühnerfamilien spazieren, bei Einbruch der Dunkelheit fliegen sie in die Bäume, wilde Ziegen finden einen Eingang zu den gepflegten Vorgärten und rauben die Blumen, eine Herde Schafe schickt ein paar „Mäh’s“ herüber.

Flügellahmer Flamingo

Zu einem weiteren Highlight fährt uns unser Dolmetscher mit seinem Auto. An einem kleinen Binnensee, ca. zwei Kilometer entfernt, wohnen Flamingos in einer großen Herde, als wir kommen, fliegen sie – bestimmt extra für uns – in großem Bogen über den See. Nur ein flügellahmer leuchtendoranger Vogel kann nicht mit, unser Fremdenführer sagt, der könne nicht mehr fliegen, und wäre leider immer allein.

Donnerstags kommt das Versorgungsschiff

Im örtlichen Laden gab es bedauerlicherweise keine Eier mehr für uns, aber der Wirt weiß sofort Abhilfe: Morgen früh um neun sollen wir zum Bootssteiger kommen, da hat er zwölf frische Eier von der Insel für uns, Volker kann noch drei reife Mangos für 5 $ erstehen, und lecker süße reife Bananen bekommen wir geschenkt.

Die Schönheit offenbart sich erst auf den zweiten Blick

Auch wenn uns die Insel auf den ersten Blick wenig attraktiv erschien, hat sie uns doch ihren versteckten Charme gezeigt, und uns den Abschied schwer gemacht. Nun segeln wir bei wenig Wind mit Gennaker nach Norden, dort wollen wir eine Nacht ankern, dann sind es nur noch 26 Meilen bis Georgetown, der Hauptstadt der Exumas.

Dieser Beitrag wurde unter Leben an Bord veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.