Kategorie: Logbuch

  • Gegenstrom

    Sonntag, 10. März 2019, Baro 1028, sonnig, Wind SW 2 – 3, auf See

    In der Bucht von Gibraltar ist was los!

    Erst um 10:50 hat der Wind soweit aufgefrischt, dass wir einen Segelversuch wagen können. Sechs Knoten aus 50 – 60 Grad reichen, damit die Hexe zumindest mit fünf Knoten Speed voran kommt. Und es ist plötzlich so schön still, nur die Heckwellen plätschern leise. Rechter Hand weichen jetzt langsam die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada den niedrigeren Hügeln um Malaga.

    Volker segelt, ich nutze die Ruhe, um noch ein Stündchen zu schlafen. Leider ist es danach mit dem Segeln vorbei, ich komme mir schon vor wie Sabine von der Atanga, die in ihrem Blog auf dem Weg von den Osterinseln nach Pitcairn auch am Tag 11 nur noch fragt: „Wo ist der Wind?“ (www.atanga.de).

    Zum Frühstück gab es Rührei zu aufgebackenen Brötchen vom Davo-Bäcker aus Cartagena, sechs kleine Brötchen hatte ich gekauft, in der Tüte waren zehn, das ist dort immer so. Da man ja sonst nicht viel zu tun hat, habe ich zum Mittag kleine Empanadas gebacken, den Teig gab es fertig ausgerollt und zugeschnitten im Supermarkt. Ich bestreiche die Teigplätzchen mit einem Hauch Philadelphia und Pesto Genovese, habe aus Resten von Tomate, Zwiebeln und Hamburger eine kleine Salsa gekocht, ebenfalls eher sparsam darauf gegeben, die kleinen runden Fladen zu netten Halbmonden geformt, mit Eigelb bestrichen und ab in den Ofen. War eine leckere Zwischenmahlzeit, jetzt halten wir es bis heute Abend aus.

    Nach dem Essen kommen wie heute Morgen die Delfine, diesmal sind sie in Spiellaune, es werden immer mehr, sicher 15 Tiere springen zwischen unseren Rümpfen hin und her, ehe sie sich nach knapp zehn Minuten wieder verabschieden. Es ist erstaunlich, welche Auswirkungen diese possierlichen Tiere haben, Unlust oder schlechte Laune sind sofort vergessen, mit einem breiten Lächeln im Gesicht schaut man ihnen zu. Kommen sie vorbei und bleiben ein bisschen, schon ist der Tag noch etwas schöner! Um !6:00 Uhr kommt schon wieder eine große Schule Delfine, sie springen und tanzen kurz mit dem Boot, dann verabschieden sie sich mit tollkühnen Schwüngen zwischen den Rümpfen, und weg sind sie.

    Danach hatte ich mich noch einmal kurz hingelegt, und als ich wieder an Deck erscheine, meint Volker: „Sollen wir nicht vor Estepona ankern heute Nacht, bis 01:00 Uhr müssten wir dort sein?Dann müssen wir uns nicht noch eine Motor-Nacht um die Ohren schlagen, fahren morgen ausgeruht nach Gibraltar, schlafen dann noch eine ganze Nacht, dann machen wir uns auf die große Strecke.“ Klar, können wir machen, es gibt einen Ankerplatz nordöstlich von der Hafeneinfahrt, da wird es auch ruhig sein, heute Nacht kommt nur etwas Nordwind, aber dagegen sind wir dort gut geschützt. Zwanzig Grad abfallen, Wind ist sowieso keiner da, so kann die Fock ein bisschen mitziehen, wir haben nämlich Strömung gegenan.

    18:15 Uhr: Schon wieder ein Kurzbesuch von bestimmt zehn Delfinen, zwei Minuten spielen, dann geht es weiter mit der Jagd nach Abendessen, vermute ich. Samy bekommt auch Abendessen, nachdem schon wieder so schön im Trampolin gekackt hat, und Pipi gemacht; wir sind nur nicht sicher, ob  er so raffiniert ist, dass er es auf mehrere Male verteilt, weil er weiß, dass er dann ein Leckerli bekommt, oder ob das halt so ist.

    Sonnenuntergang auf See, sieht auch nicht viel anders aus der der Sonnenaufgang, sagt Allegra

    Auch wir bekommen Abendessen, Filetsteak von Feinkost-Lidl Cartagena und Kartoffelpuree aus den Salzkartoffeln von gestern, dazu ein paar von den süßsauer eingelegten Zwiebeln vom Markt, lecker! Nur der versprochene Nordwind kommt nicht, und noch immer schiebt der Strom uns keineswegs, sondern verlangsamt unsere Fahrt. Die Idee des Ankerns vor Estepona haben wir aufgegeben, so wie das hier läuft würden wir nicht vor drei bis vier Uhr ankommen, und hätten morgen nochmal zwanzig Meilen mehr. So fahren wir doch die Nacht durch, sind morgen hoffentlich mit der ersten Morgendämmerung in Gibraltar. Dann schlafen wir uns eben dann aus, macht auch nix.

  • Bei leichtem Wind

    Wir sind tatsächlich wieder unterwegs! Nach vier Wochen Cartagena, mit der kurzen Unterbrechung eines Tagestörns mit unseren holländischen Freunden, haben wir heute Morgen um 10:00 Uhr abgelegt, bei leichtem Wind von achtern. Um 11:40  Uhr haben wir unseren lustigen Spinnaker gesetzt, und sogleich gleitet die Hexe übers flache Wasser. Bei acht Knoten Wind wenigstens mit fünf Knoten Fahrt, besser als motoren auf jeden Fall.

    Der Windwinkel ändert sich und wird ungünstiger für das große Vorwindsegel, der Spi kommt weg, muss natürlich wieder gepackt, also vorbereitet werden fürs nächste Mal, das ist immer mein Kampf mit den 190 Quadratmetern, erst ordnen, dann eine Fünfzimmerwohnung in einen halben qm Sack einräumen!

    Um 12:40 ist der Gennaker hochgezogen und ausgerollt, nun zieht er bei zehn Knoten Wind und beschleunigt die Hexe auf 7 – 8 Knoten Fahrt. Und das bei prallem Sonnenschein und glatter See, Segeln vom Feinsten.

    Cartagena haben wir wieder einmal sehr genossen, im Zentrum kennen wir mittlerweile alle Gassen, wissen, wo man Nähmaschinennadeln kauft, welches der beste Bäcker ist, wo man die leckersten Oliven bekommt, wir kennen die besten Tapasbars und die nettesten Cafés. Mit Heike und Klaus von der Summer Morning war ich auf dem Markt einkaufen, am Vorabend waren wir mit den beiden und mit Jane und Michael aus Australien in verschiedenen Tapasbars unterwegs. Es war wie immer ein sehr netter Abend. Gestern Abend hatten wir zum Abschied Beate und Bernhard mit Sohn Alexander an Bord, mit gegrillten Hamburgern bleiben wir – hoffentlich – in guter Erinnerung. Wir werden uns bestimmt nochmal irgendwo auf der Welt treffen, vielleicht 2020 in der Karibik?

    Nun sind wir also unterwegs Richtung Gibraltar, mal sehen, wie lange uns der Wind treu bleibt, heute Nacht soll es eher schwachwindig werden, wir schauen mal, wie weit wir kommen.

  • Der zweite Versuch: Bis Spanien hat es geklappt!

    Samy genießt die Sonne

    Zwischen 09:00 und !0:00 Uhr wollten wir ablegen, das haben wir genau geschafft, mal sehen, wie weit wir heute kommen. Zunächst können wir mit dem Code D segeln, aber schon bald müssen wir ihn wieder bergen, denn mit drei Knoten Fahrt kommen wir nie bis Gibraltar. Wir schauen alle Wetterberichte an, das sieht schon sehr nach Motorfahrt aus für heute. Dabei hatte man an der Capitainerie in LGM eine rote Flagge gesetzt, das bedeutet, dass es mindestens vier Windstärken geben soll. Aber die waren wohl noch im Bett oder anderswo, jedenfalls nicht auf dem Mittelmeer vor Sète. Auch die Nahake, die gleichzeitig mit uns ausgelaufen ist, klagt bei einem kurzen Gespräch per Funk über den fehlenden Wind, und dass sie ihren Code D nicht ausprobieren können. Dabei hat sie immerhin den besseren Windeinfallswinkel, wenn auch nicht für den Code D.

    Aber immerhin hatten wir zum ersten Mal Frühstück draußen im Cockpit bei herrlichem Sonnenschein und ein glattes Meer!

    Wir motoren bei 4 – 5 Knoten achterlichem Wind bis zum Sonnenuntergang, dann dreht der Wind auf SSW und frischt auf. Wir packen den eingerollten Code D weg, bergen das Großsegel, weil es gar nicht mehr angeströmt wird, und kochen Abendessen. Mittlerweile ist das Barometer um fünf Strich gefallen, und der vorderliche Wind nimmt immer weiter zu. Nach dem Abendessen (Gulasch mit kleinen Fertigknödelchen) sind es schon bis zu 14 Knoten, die uns entgegen strömen. Dazu baut sich natürlich auch eine unangenehme Welle auf, das hatten wir so nicht bestellt! Der entgegen kommende Wind lässt unsere Reisegeschwindigkeit auf 4,5 Knoten fallen, auch doof. Wenn das so weiter geht, wollen wir nach Cap Creus ablaufen und uns eine Ankerbucht für die Nacht suchen. Oder wir fahren weiter, und hoffen, dass die Wetterberichte doch Recht haben, denn die behaupten, hier seien es 5 – 6 Knoten Wind, während unser Windmesser 12 – 15 Koten misst.

    Vor Mitternacht werden Wind und Wellen weniger, kommt allerdings weiterhin von vorne, sodass wir motoren bis morgens um 06:00 Uhr. Wir verbringen die Nacht mit Wachen à ca. zwei Stunden, das passt ganz gut für uns. Morgens ist es leider total bewölkt, aber man merkt deutlich, dass es wärmer wird. Der Skipper ist genervt, heute Nacht konnten wir zwei Stunden segeln, aber das war es auch schon, ansonsten machen wir die Dieseltanks leer. Neues Ziel ist Valencia, das sind noch 190 Seemeilen.

    Erst nur zwei…

    Gerade eben kamen uns Delfine besuchen, zuerst nur zwei, die wunderschön um die Büge herum spielten, dann kamen noch vier, und sie blieben lange, zu unserer Freude, auf jeden Fall so lange, wie Volker mit Schrubber und Füßen ein kleines Percussion-Konzert gab.

    dann fünf Delfine
  • Adieu Barcelona

    Montag, 4. Mai 2018, Baro  1011, sonnig, warm, Wind S 3-4

    Machen doch tatsächlich die Supermärkte an einem Montag Morgen in Barcelona erst um 09:00 Uhr auf! Ich kaufe Obst, Salat und Oliven auf dem Markt, dann muss ich warten, bis endlich die Tür zum Lebensmittelgeschäft aufgeschlossen wird, denn Samy braucht noch Hundefutter für die letzte Etappe. Die Kommunikation mit Osteopathenfreundin Katie ist auch suboptimal, so steht sie erst am Tor der Marina, als wir bereits die Leinen los haben. Die Begegnung muss bis zum nächsten Mal im Sommer warten. Um 11:00 Uhr haben wir den Code D gesetzt, der Wind hat aufgefrischt, 9 – 10 Knoten, wir segeln mal wieder mit über sieben Knoten Fahrt dahin. Bis La Grande Motte sind es 167 Meilen, spätestens Dienstag Abend wollen wir dort sein.

    Adieu Barcelona

    Barcelona hat uns – wieder einmal – sehr gut gefallen. Mit Ralf und Inge waren wir auf dem großen Markt bei den Ramblas, und übereinstimmend der Meinung, dass wir viel günstiger auf unserem kleinen Markt in der Barceloneta einkaufen können, für die Hälfte des Preises. Aber natürlich ist es wunderschön anzuschauen, wie die Händler hier ihre Waren präsentieren, diese unglaubliche Vielfalt an bunten Früchten, und natürlich die Fischstände mit allem, was das Meer zu bieten hat. Durch das lange Wochenende ist es noch voller als sonst, und wir verdrücken uns schnell wieder in die verwinkelten Straßen der Altstadt. Hier gibt es doch jedes Mal etwas Neues zu entdecken, da ein Frisör mit historischen Möbeln und Geräten, da ein neuer Designer, hier eine neue Bar und die schönen Plätze und die schmalen Gassen mit den hochgebauten Häusern. „Schau mal, in der Gasse kann man sich vom Nachbarn gegenüber eine Zitrone übers Fenster leihen!“, sagt Volker über so ein ganz enges Gässchen, durch das kaum ein Kleinwagen fahren könnte.

    Wir gehen zum Park Olimpico, damit Samy ein bisschen Auslauf hat, spazieren am Strand entlang zurück zum Hafen, ich liebe am meisten die Barceloneta, das Viertel zwischen Hafen und Olimpic Park, in dem es viele kleine Läden, Tapas-Bars, Bäcker, Gemüsegeschäfte, und Cafés gibt. Hier ist immer was los, morgens und am Nachmittag sind die alten Leute unterwegs, die weißhaarigen Damen treffen sich auf einen Kaffee und eine Zigarette auf dem großen Platz, gegen Abend wird das Publikum jünger, und die Bars und Restaurants füllen sich.

    Am Sonntag hatten wir wirklich Pech mit dem Wetter, es war morgens schon grau und nicht warm, als Ralf und ich auf dem Platz einen kleinen Café trinken, aber nach dem gemeinsamen Frühstück fing es an zu regnen. Trotzdem haben wir uns aufgemacht, um uns mal die noch im Aufbau befindliche neue Marina anzuschauen, ob das denn eine Alternative zu den eher gehobenen Preisen von der One Ocean Port Marina Vell wäre. Im Moment ist sie das definitiv noch nicht, und wenn sie mal wirklich schön ausgebaut ist, liegt sie halt doch weit ab vom Zentrum. Vor allem, wenn man, wie wir, wegen des Hundes nicht mit dem Bus fahren kann. Blöd! Auf dem Heimweg zum Boot fing es dann definitiv an zu schütten, den Nachmittag konnten wir nur unter Decken mit Film auf dem Laptop verbringen, so viel Wasser fiel aus dem Himmel. Erst nach 18 Uhr verzogen sich die Wolke, Zeit für einen weiteren Spaziergang mit der Malwieder-Crew, diesmal zum großen Hafen, wo auch die königlichen Yachtclubs ihren Platz haben und an den großen Motoryachten vorbei.

    Zum Abschiedsessen bekommen wir einen Platz in einer wunderbaren kleinen Tapasbar, der Hund darf mit hinein, wir erfreuen uns ein letztes Mal vor der Heimreise an Chipirones, Berenjenas und Oliven.

  • Sailing home Teil 3: Wenig Wind

    Mittwoch, 30. Mai 2018, Baro 1012, sonnig, Wind SSW um 4, Cartagena 09:30

    Der Gang zum Lieblingsbäcker „Davo“ darf nicht fehlen am Morgen vor dem Ablegen, natürlich bekomme ich zu meinen zwei Baguettes und dem Schokocroissant mit weißer (!) Schokolade und dem Engelshaar noch zwei runde Brötchen geschenkt, dann schnell die Leinen los und raus aus dem Hafen, Segel hoch und schon läuft die Hexe wieder los. 280 Seemeilen bis Barcelona liegen vor uns, der Liegeplatz ist reserviert, bis Freitag früh sollten wir dort sein.

    Unser Weg führt uns um das Cabo de Palos an der Isla Hormiga, ein paar ins Meer geworfenen Steinhaufen mit einem Leuchtturm vorbei. Plötzlich kommt uns ein Fischerboot mit sehr großer Geschwindigkeit entgegen, und hält voll auf uns zu, ohne auch nur ein bisschen von seinem Kurs abzuweichen. Er muss doch sehen, dass wir auf Vorwindkurs sind und nicht so leicht ausweichen können! Egal, ein bisschen luven geht immer, irgendwann ist er neben uns und Volker klatscht ihm Beifall, allerdings glaube ich nicht, dass das den Schumi-Fahrer interessiert.

    Anfänglich sind wir noch mit Code D unterwegs, dann frischt der Wind auf 20 Knoten auf und wir müssen das bunte Vorsegel einrollen. Die Genua kommt raus zum Schmetterling. Glücklicherweise bleibt der Wind mit 13 – 15 Knoten, nachmittags frischt er wieder auf auf bis zu 20 Knoten, die Genua wird ein bisschen eingedreht, damit sie nicht schlägt, wenn die Hexe sich in den Wellen nach der einen oder anderen Seite dreht. Wir genießen das Segeln bei Sonnenschein.

    Nach unserem üblichen Sundowner verabschiedet sich leider auch der Wind, wir machen den Motor an, dann versucht Volker es noch einmal mit dem Code D, dann motoren wir wieder, dann wieder Code D nach dem Film um 00:30, seit 01:00 zieht die „bleierne Genua“ den Kahn.

    Zum Abendessen gibt es Krautfleckerln, wir schlagen uns die Bäuche voll, bis nichts mehr reingeht. Volker wünscht sich Abendkino, wir haben auf dem PC einen Film von Peter, den wir noch nicht angeschaut haben, „Rossini“, oder „wer mit wem schlief“. Köstlich, eine Persiflage auf die deutsche Filmemacher-Szene in dem italienischen Restaurant Rossini. mit allen, die in der deutschen Filmwelt Rang und Namen haben, Gütz George, Gudrun Landgrebe, Jan-Josef Loefers, Veronika Ferres, Heiner Lauterbach und und und… Es hat uns viel Spaß gemacht, auch wenn wir von einem blöden Fischer unterbrochen wurden, der, während er ganz bei uns in der Nähe war, in voller Fahrt von über acht Knoten fortwährend seinen Kurs geändert hat.

    Donnerstag, 31. Mai 2018, Baro unverändert 1012, Wind S 6 Knoten, auf See

    um 00:30 gehe ich ins Bett, Volker bewacht den Code D, den er aber kurze Zeit später wieder birgt. Um 02:30 werde ich wach, gehe nach oben, und löse den Skipper ab, der es sich sofort auf unserer breiten Salon-Liegewiese bequem macht. Für die Überfahrt haben wir den Tisch abgesenkt, und können dort gemütlich liegen. Das Cabo de la Nao haben wir längst passiert, um 03:45 werden wir außerhalb der 12-Meilen-Zone sein.

    Der Skipper ist um 04:30 ins die Koje gegangen, ich stelle mir einen Timer, um regelmäßig auf  dem kleinen Bildschirm Kurs, Wind und die anderen Schiffe zu überprüfen, bin aber immer vorher aktiv, weil irgendwer im Funk ruft. Um 05:50 werde ich von einem Funkanruf mit „Hexe, Hexe, this is Vehintisiete,, do you read me?“ Schnell springe ich auf und antworte, wir gehen auf den Arbeitskanal 06, und mir wird erklärt, dass die Vehintisiete Kabel repariert, und ich zwei Meilen davon wegbleiben muss. Ich hatte die beiden Schiff schon im AIS gesehen, da waren sie aber noch über 15 Meilen weg, und ich wollte erst einmal abwarten. Na, klar, nun ändere ich meinen Kurs wie versprochen auf 20°, das bringt die Hexe in dem gebotenen Abstand an den Arbeiten vorbei. Um 06:40 sind die beiden Arbeitsboote querab, und ich kann wieder auf den ursprünglichen Kurs gehen. Gerade da geht auch die Sonne strahlend über dem Wasser auf, ein wunderschöner Anblick.Das Meer ist still, der Windmesser zeigt 2,5 Knoten an, keine Chance zu segeln.

    Leider bleibt das so den ganzen Tag, am Morgen kommen einmal vier kleine Delfine und spielen kurz an unserem Bug, doch schon bald sind sie wieder verschwunden. Der eine stößt sich noch an der Rumpfspitze, als er plötzlich nach links wegschwimmt.15:30 Uhr: Samy ist gelangweilt, der Skipper auch, noch 100 Meilen bis Barcelona.

    Um 16:30 Uhr starten wir einen Segelversuch mit dem Code D, der Wind hat auf acht Knoten aufgefrischt, juchhe! Wir segeln über das spiegelglatte Meer mit über sechs Knoten. Winzig kleine Portugiesische Galeeren schwimmen vorbei, ich weiß schon, warum ich vorhin das Angebot des Skippers, schwimmen zu gehen, nicht angenommen habe, brrr!

    Zum abendlichen Sundowner kommen Delfine aus mindestens drei verschiedenen Delfinrudeln zu Besuch, immer nur für kurze Zeit, aber wegen des klaren Wassers kann man sie wunderbar sehen und filmen. Dieser Moment des Tages ist für uns etwas ganz Besonderes geworden. Ich freue mich sehr auf die kleine Stunde, in der wir einfach nur so dasitzen mit unserem alkoholfreien Bier und miteinander sprechen. Das klingt blöd, denn a) haben wir ja den ganzen Tag Zeit, und b) sind wir sowieso immer zusammen. Klar, aber normalerweise ist jeder mit irgendetwas beschäftigt, allem voran dem Schlafen, da wir es ja versetzt tun müssen, ist damit schon ein großer Teil des Tages ausgelastet. Ansonsten ist es das Lesen, Filme schneiden, Logbuch schreiben, Boot putzen, und was einem noch so an Aktivitäten einfallen mag. Nur das Angeln haben wir diesmal ausgelassen, weil es mir Leid tut, nur für mich allein so einen Fisch aus dem Wasser zu ziehen. Das holen wir mit den nächsten Gästen nach.

    Zum Abendessen hat Volker die Reste der Lasagne aufgetaut sowie, auf meinen Wunsch hin, einen Rote-Beete-Salat gemacht, wir essen bei Sonnenschein im Cockpitzelt, anschließend erfreuen  wir uns an dem Film „Fack you Göthe“ aus unser Mediathek. Um 23 Uhr verziehe ich mich ins Bett, und Volker macht freundlicherweise den Motor von dem anderen Rumpf an, damit es in der Kabine nicht so laut ist.

    Freitag, 1. Mai 2018, 02:30, Baro 1015, sternenklar, kein Wind
    auf See, Position 40°45.83 N / 001°44.29 E, unter Motor Kurs 31°

    Ich wache auf von dem Gebimmel des Raymarine-Gerätes, weil der überholende Frachter näher als zwei Meilen an uns herankommen wird. Jetzt kann der Skipper schlafen, ich übernehme die Wache. Das Meer ist womöglich noch glatter als gestern,  der nicht mehr ganz volle Mond erhellt das spiegelnde Wasser. Barcelona ist noch über siebzig Kilometer entfernt, trotzdem sieht man schon einen leichten Lichtschein am Horizont.

    08:00 Uhr, noch zehn Meilen bis Barcelona. Jetzt wird es voll auf dem Meer. Gleich zwei Fischerboote liegen auf Kollisionskurs zu uns, jetzt heißt es wirklich aufpassen, nicht nur auf die Fischer, auch große Fähren verkehren hier, Frachter, Tanker, sie alle wollen in den großen Hafen von Barcelona. Wie wir auch.

  • Und wieder auf dem Wasser

    Montag, 28. Mai 2018, Baro 1013, sonnig, Wind W um 6, La Linea 09:20 

    Heute morgen darf der Hund noch einmal auf festem Boden spazieren gehen. Die Marina Alcaidesa ist komplett eingezäunt, aber es ist so ein großes Gelände, dass es selbst für den Morgenspaziergang ausreichend ist. Segelfreund Harald von der Pohlaris hat uns Brötchen gebracht, auch ein Hörnchen war dabei, schön, dass wir uns gestern hier getroffen haben und einen so schönen Abend mit ihm und Sohn Julian erleben konnten. Wir zahlen die Liegegebühr, mit 58 Euro in der Hochsaison ist sie eher auf der günstigen Seite, und kurz nach neun Uhr sind die Leinen los. Jetzt noch zur Tankstelle in Gibraltar, dort gibt es zollfreien Diesel für 0,53 britische Pfund (oder Euro? ) pro Liter. um ca. 10.00 Uhr legen wir von der Tankstelle ab, in der Bucht kommen die Fender weg, und das Großsegel bis zum zweiten Reff hoch, wir bewundern den sonnenbeschienenen „Rock“, dann geht es ab auf Vorwindkurs nach Osten. Ziel ist Cartagena, irgendwann zwischen morgen Nachmittag und morgen Nacht sollten wir dort sein, je nach Wind und Strom.

    13:00 Uhr, der Wind bleibt, zwischen 22 und 26 Knoten, der Strom hat sich gedreht und schiebt kräftig mit, wir sind immer 8 – 10 Knoten schnell. Zwischendurch flaut der Wind ein bisschen ab, Volker denkt schon ans Ausreffen, glücklicherweise lassen wir das sein, denn ab dem Nachmittag frischt der Wind wieder auf, wir haben Spitzengeschwindigkeiten von über 15 und 16 Knoten Fahrt, hoffentlich hält alles am Boot.

    Zu meiner Enttäuschung bekomme ich über das Pactor-Modem zwar Wetterberichte rein, super schnell, und mehrfach, aber sie sind nicht zu gebrauchen, es gibt keine Windpfeile, keine Windstärken, gar nichts wird angezeigt. Lediglich das Gebiet, für das ich den Wetterbericht angefordert habe, ist in der Helligkeit unterschieden von dem Rest. Ich probiere es mit älteren Daten, da klappt alles, warum jetzt nicht? Ich habe doch gar nichts verändert! Per Mail frage ich bei Ralf und Inge nach, ob sie das Phänomen kennen, und hänge die letzte Datei an, mal sehen, ob sie es heute Abend lesen und mir helfen können.

    Ralf hat geantwortet und neue Gribfiles geschickt, die ich einlesen konnte, wunderbar. Der Wind bleibt so, wie er im Moment weht, auf jeden Fall bis zum Cabo de Gata, dort müssen wir anluven auf 47°, im Moment fahren wir eher 80°. Aber warum meine Datei „Schrott“ war, wie er es nannte, konnte er mir auch nicht sagen. Wenn das morgen nicht besser wird, muss ich alle Abfrage-Parameter überprüfen.

    Der kaputte und festgebundene Bolzen vom Großbaum scheint ein bisschen gerutscht zu sein, Volker versucht, ihn mit dem Hammer nach oben zu schlagen, aber das klappt nicht. Dazu braucht es anderes Geschütz als unseren kleinen Hammer. Der Skipper hat die Idee, dass man vielleicht den Bolzen umdrehen könnte. Aber das geht natürlich nicht auf diesem wild in den Wellen tanzenden Boot, das könnten wir höchstens morgen in Cartagena mit Hilfe von Segelfreund Bernhard probieren.

    Zum Abendessen gibt es panierte Schnitzel aus geräuchertem Bacon, Kartoffelbrei und Salat.Sehr lecker! Aber so richtig viel kann ich nicht essen bei der Schaukelei. Dann ist schon wieder Zeit für die Intermar-Funkrunde. Anfangs kann ich niemand hören, aber bei einem zweiten Versuch zehn Minuten später redet gerade Ralf mit Raimund aus Klagenfurth, und der ruft mich dann, und vermittelt zwischen Ralf und mir, weil er als feste Station natürlich über ganz andere Richtantennen verfügt als wir mit unseren Vertikalantennen.

    Um 23:00 Uhr verabschiede ich mich ins Bett, aber es dauert bestimmt eine Stunde, bis ich richtig eingeschlafen bin.

    Dienstag, 29. Mai 2018, Baro 1012, sternenklar, Wind W um 6
    auf See, Position 05:00 36°37.419 N / 002°13.656 W

    Das war schon schaukelig heute Nacht auf dem Vorwindkurs! Der Wind weht die ganze Nacht zwischen 20 und 28 Knoten und die Wellen sind sicher zwei bis drei Meter hoch. Meistens sind wir sehr schnell unterwegs, nur wenn die Strömung bremst, wird es ein bisschen langsamer, aber nie unter sechs Knoten, und wir bleiben bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von achteinhalb Knoten.

    um 02:00 starte ich den ersten Versuch, Volker abzulösen, aber er meint, er wolle noch eine Stunde weitermachen, dann würde er mich wecken. Die Nacht ist sternenklar, und der Vollmond scheint so hell, dass er das Licht der Sterne übertönt. Um 02:55 dann der Ruf: „Cornelia!“ Schnell springe ich auf, der Skipper hat den Spannungswandler eingeschaltet, um sein Handy zu laden, und plötzlich werden 50 Ampère aus der Batterie gezogen. Die Waschmaschine und die Kaffeemaschine haben sich eingeschaltet, obwohl sie vorher definitiv ausgeschaltet waren. Seltsam!

    Jetzt übernehme ich die Wache, Volker geht schlafen, aber leider erstmal nur eine Dreiviertelsunde, denn um 03:45 ändert sich plötzlich stetig mein Kurs, der Autopilot ist ausgeschaltet und reagiert erstmal nicht auf meine neuen Einstellungen, „Volker, Du musst kommen und mir helfen“, rufe ich ganz laut, und er ist auch sofort da. Ich hatte nur Befürchtungen, dass es wieder das Phänomen von Freitag Abend wäre, aber wahrscheinlich bin ich nur aus Versehen auf eine Taste an der Fernbedienung gekommen.Um 04:30 schiften wir die Genua, weg vom Vorwindkurs, wir gehen auf Kurs 62°, das bringt uns in gehörigem Abstand um das Cabo de Gata. Das heißt so, weil es tatsächlich aus einem bestimmten Winkel wie ein Katzenkopf aussieht, und es ist berühmt-berüchtigt wegen starker Winde und tückischer Wellen. Den Schiffsverkehr mit den großen Fähren und Frachtern, die zwischen Gibraltar und Süditalien, Griechenland, der Türkei und der arabischen Welt verkehren, haben wir hinter uns gelassen, jetzt heißt es eher, auf Fischerboote aufzupassen. Ich lasse das Radar mitlaufen, alle 15 Minuten stellt es sich an, und sollte mich warnen, wenn ein Echo uns in 12 Minuten näher als zwei Meilen kommt. So macht das auch das AIS, aber nicht alle Fischer haben AIS oder schalten es ein, wie wir spätestens seit Marokko wissen.

    05:50 kommt die erste zarte Helligkeit im Osten, wir sind inzwischen fast auf Kurs Richtung Cartagena, der Wind hat nachgelassen und die Wellen werden ebenfalls deutlich kleiner. Zeit für den ersten Kaffee! Um 06:30 hat jemand den Schalter umgelegt, der Wind wird immer schwächer und auch das aufgeregte Meer, das uns von Gibraltar aus begleitet hat, hat offensichtlich Baldrian genommen, alles wird still. Ich habe die Genua schon ausgerefft, aber jetzt muss ich bald den Skipper wecken, damit wir auch das Reff im Großsegel ausschütten.

  • Logbuch der Abfahrt

    Mittwoch, 23. Mai 2018, Baro 1014, bedeckt, 19°, kein Wind
    Motorstunden 192 SB, 164 BB, Log gesamt 4370

    Um kurz vor neun Uhr waren die Leinen los und wir haben abgelegt. Peter und Kathrin von der Florentine standen auf dem Steg und haben zum Abschied auf der großen Kaurimuschel einen tiefen Ton geblasen. Auch von den netten Marina-Mitarbeitern haben wir uns per Funk verabschiedet, und die Wünsche für eine „ buena travesía“, eine gute Überfahrt, entgegen genommen. Auf dem glatten Meer wurden schnell die Fender weg geräumt, das Großsegel gesetzt. Am Anfang ist es eher motorsegeln, denn der Wind ist einfach zu schwach.

    Auf der Höhe von Arrecife rollt Volker die Genua aus, der Wind hat auf 8 – 10 Knoten aufgefrischt, wir segeln! Leider reicht der Wind noch nicht aus, der Motor bleibt an. Noch 600 Meilen bis Gibraltar.

    Wer hätte das gedacht: Der Wind weht im Moment genau aus der Richtung, in die wir hinwollen und damit entgegen allen Vorhersagen. Wenn das bis Mitternacht so bleibt, wird es wohl eher Madeira werden und nicht Gibraltar. Der Tauchgang mit dem nun sauberen Unterwasserschiff und den blanken Propellern macht sich sehr positiv bemerkbar. Wir motoren bei 2200 Umdrehungen mit 5,7 Knoten genau gegen den Wind und den Kanarenstrom. Also erstmal abwarten, wo es uns hin verschlägt. Der Atlantik zeigt sich ansonsten im Moment von seiner Sonnenseite und der ewige atlantische Schwell ist maximal einen halben Meter hoch. Sehr erfreulich für uns und den Hund, denn man merkt kaum, dass man auf einem Boot ist, so ruhig ist es.

    Eine Horde Wale verabschiedet uns von der Insel
  • Der perfekte Segeltag

    Regenbogen zum Start

    Dazu braucht es ein paar Zutaten, die man als Segler selten in so einer wunderbaren Kombination wie am gestrigen Samstag bekommt (zumindest bei uns ist das schon über fünf Monate her). Beim Ablegen lag das Meer noch da wie ein ölig glatter Teppich, nur die ewige Atlantikdünung zeugte vom lebenden Ozean. Bei 2200 Umdrehungen arbeitet der Steuerbordmotor konstant und ruhig in seinem Motorabteil und der Propeller treibt die Hexe auf gute 6,2 Knoten Fahrt an.

    Nicole genießt das Segeln
    am Bug der Hexe

    Zeit zum Entspannen, zum Genießen und Zeit zum Ankommen für Nicole auf dem bewegten Meer. Starkwind am ersten Segeltag ist häufig Gift für frisch an Bord gestiegene Segelgäste.

    Nach einer Stunde setzte ein ruhiger gleichmäßiger Südwind ein, der sich im Laufe der Zeit auf konstante 14 Knoten steigerte. Der Windeinfallswinkel war mit 120-140 Grad wahrem Wind ideal für unser Leichtwindsegel, den Code D und dass dazu die Sonne noch geradezu verschwenderisch vom tiefblauen Himmel schien, war wunderbar. Das Schiff segelte ruhig und gleichmäßig mit 9-10 Knoten dahin, ab und an ein bisschen an den Schoten getrimmt, mehr gibt es nicht zu tun.

    Kielwasser bei 10 Knoten

    Nicole wünscht sich ein paar Delfine herbei und eine halbe Stunde später spielt ein Delfinrudel ums Schiff herum. Als ob das des Schönen noch nicht genug wäre, kreuzt kurz darauf eine Grindwalgruppe unseren Weg.

    Amor de mis Amores

    Nachmittags legen wir auf unserem  alt bekannten Platz in der Marina de Tenerife an. Segeln kann ja so schön sein! Einen einzigen Wermutstropfen gab es dann doch, als Cornelia beim Herabsteigen von der Bordleiter in der Sorgleine hängen bleibt, längs auf den Steg fällt und sich die Hüfte prellt. Abends fahren wir deswegen „nur“ mit dem Taxi zur Tapasbar, anstatt den Weg zu den Ramblas hinauf zu laufen. Nach dem leckeren Essen im „Amor de is Amores“ ging es hinunter gestärkt und langsam zu Fuß.

    Die aufgewühlte See

    Heute geht es mit der Hüfte, bzw. dem Gehen schon wieder viel besser. Dafür geht es wettermäßig gerade ganz wild ab. Es weht jetzt schon mit über 35 Knoten und heute Nacht soll sich der Sturm noch steigern und Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometer erreichen, in Begleitung von sintflutartigen Regenfällen.

    Sturm über Santa Cruz

    Der Unwetterwarndienst spricht bzw. schreibt von einer Art Hurrikan und die Emanuelle aus dem Hafenbüro hat der Capitania erzählt, dass der gesamte Zivilschutz aller kanarischen Inseln in Alarmbereitschaft versetzt wurde. Unseren Ausflug nach La Laguna haben wir vorzeitig beendet, weil wir klitsch-klatsch nass geworden sind. Ich denke, dass wir an einem sehr guten und sicheren Platz liegen, wir haben doppelte Festmacher-und Springleinen ausgebracht, um das Schiff zu sichern. Mehr gibt es nicht zu tun, wir sind heilfroh, dass wir jetzt nicht draußen auf dem Atlantik unterwegs sind.

  • Und wieder einmal: Olà!

    Dienstag, 26. September 2017, Baro 1019, sonnig, Wind NNW um 20 Knoten
    Cap d’Agde 08:30 – Llafranc 20:40, 95 sm

    Ehrlich gesagt bin ich gar nicht traurig, dass wir gestern Nachmittag entschieden haben, die Nacht in Cap d’Agde zu verbringen. Heute morgen sieht das alles für mich viel netter aus mit Sonne statt dicker Regenwolken, und jetzt freue ich mich richtig auf den Ritt über die See nach Spanien. 08:15 macht das Hafenbüro auf, 08:10 stehe ich schon dort und möchte den Liegeplatz bezahlen. Im Hafenbüro sieht es wild aus, dort wird renoviert und ab morgen ist das Office auch neben der Zone technique, da hätte ich ganz schön weit laufen müssen. Vorher habe ich in dem kleinen Laden Baguette, Eier und ein bisschen Obst erstanden, es kann losgehen.

    Halb neun sind die Leinen los, viertel vor neun alle Fender und Leinen weggeräumt und das Großsegel geht hoch. Nur noch schnell die Genua ausgerollt, zunächst mit einem kleinen Reff, bald aber ganz, und die Hexe sprintet los, 9, 10, 11 Knoten schnell, kein Problem. Die kurzen Wellen machen die Fahrt zwar zu einer holprigen Geschichte, aber das macht uns ja nichts aus. Mit Seekrankheit haben wir glücklicherweise nichts zu tun.

    Der Spi steht

    12:00, Baro 1018, schon 36 sm abgesegelt. Der Skipper hat geschlafen, Windgeschwindigkeiten zwischen 18 und 24 Knoten bei einem Windeinfallswinkel von 150 – 160° machen die Fahrt angenehm. Volker hat zwar schon mal über den Spi nachgedacht, aber noch ist der Wind zu böig und zu stark.

    14:00 Uhr, der Wind hat sich bei 15 Knoten stabilisiert, wir setzen unseren schönen Spinaker, der zieht uns gut nach Süden, aber weil der Wind direkt von hinten kommt, und wir aufpassen, dass wir keine Patenthalse fahren, müssen wir alle halbe Stunde schiften, halsen, um nahe an der Ideallinie zu bleiben. Nix mit chillig segeln, oder so. Immerhin schaffe ich heute zwei Prüfungsdurchgänge für meine Amateurfunkprüfung (1 x gut bestanden, einmal knapp durchgefallen!!!) und die halbe Lektion 13 (bei 19 bin ich durch…)

    Dramatischer Sonnenuntergang vor Estartit

    18:00 Uhr, Baro 1018, der Wind wird so schwach, dass wir den Spi wegnehmen müssen. Jetzt kommt das Spiel: Motor an, Wind frischt auf, Motor aus, Vorsegel ausgerollt, Wind geht weg, Motor an, Vorsegel weggerollt, und so weiter.  Dann suchen wir eine gut geschützte Ankerbucht. Die Wellen kommen aus Nord bis Nordost, also muss die Bucht dagegen Schutz bieten. Die Inseln vor Estartit wären eine Möglichkeit, sind uns aber ein zu weiter Umweg. Die Bucht bei Aiguafreda bei dem schönen Hotel scheint sehr eng, und ist voller Bojen. Wir fahren rein, bergen Segel (unter Qualen, weil die Rutscher am Mast genau das nicht tun, nämlich rutschen) und wieder raus, nee das ist nix. Mittlerweile wird es dunkel, nicht so lecker, wenn man einen Ankerplatz in unbekannten Felsbuchten sucht. Auch die nächste Bucht liegt voller Fischerboote mit ihren Bojen, da trauen wir uns garnicht erst rein. Der Bucht mit der Marina von Llafranc leuchtet verführerisch, aber bei dem Hafen darf man nicht ankern, nur südlich davon, in der kleinen Bucht vor dem Ort, da scheint ausreichend Platz zu sein, der nicht von nächtlichen Fischern okkupiert wird.

    Der Anker fällt auf 13 Meter Wassertiefe, Volker brät uns ein Steak, wir beobachten durchs Fernglas den kleinen netten Ort, Feierabend!

  • Im Gewittersturm

    Volker in luftiger Höhe

    Blöd, so ein Umweg von 28 Meilen hin und 28 Meilen wieder zurück, aber so ist es. Um 11 Uhr fällt der Anker in der schönen Bucht von Carlo Forte, Volker wird in den Mast gezogen, selbst hier, sagt er, schwankt das in 28 m Höhe noch ganz schön, obwohl kein Wind und keine Welle in die Bucht kommen. Wir befreien den Block, schicken Fotos an Outremer und nutzen die Wartezeit zu einem kleinen Schläfchen. Irgendwie gab es heute Nacht nicht so viel davon.

    Mit ausgeklügeltem Plan müsste es gehen

    Danach reparieren wir mit unseren Kenntnissen und Bordmitteln die gerissene Leine, nach ausgiebigem Studium der Wetterberichte (und einem Genuss-Bad im blauen Meer) sind wir dann der Meinung, dass wir doch versuchen werden, direkt nach Frankreich zu fahren und nicht den Umweg über  Nord-Sardinien machen, um den Donnerstag abzuwettern. Seit 14:45 sind wir wieder unterwegs, 335 Meilen ,311° liegen vor uns. 17:00 Uhr Baro 1005, 3-4 Knoten Wind aus SW, Motorfahrt; die Wellen sind erstaunlich hoch.

    Mein Abendessen ist leider kein so großer Erfolg, obwohl ich eine extra leckere Soße zu den Hühnchenflügeln mit Kartoffelgemüse gemacht habe, Volker hatte beim Anbraten schon das Gefühl, dass etwas mit dem Fleisch nicht stimmt. Hätte er es mal lieber gleich gesagt, dann hätten wir die direkt weggeworfen, und ich hätte was anderes zubereiten können. So haben wir nur die Kartoffeln mit Soße gegessen.

    Pünktlich nach dem Abwasch kommt der Wind, zuerst nur leise, 14 Knoten, dann aber richtig, Jetzt haben wir zwei Reffs im Großsegel, eine kleine Genua, damit trotzen wir den bis zu 40 Knoten wahren Wind. Vorhin hat es auch geblitzt rundherum, das ist glücklicherweise weg, mal sehen, wie lange der Zauber hier geht. Bisschen Regen ist auch dabei, ich hole die Segelkleider, aber die legt man echt nur an, wenn man draußen im Regen steht, sonst ist das zu heiß.

    Mittwoch 28. Juni 2017, auf See

    02:15 Uhr, der Wind dreht auf Südsüdwest, rundherum Gewitterblitze, glücklicherweise relativ weit weg, und sie ziehen auch nach Norden ab. Wir spielen nur mit der Größe der Genua, die zwei Reffs bleiben schön im Großsegel, der Wind bleibt, manchmal nur 14 Knoten, sonst bis 30, und immer wieder zucken die Blitze am nächtlichen Himmel.

    03:15 Uhr, Baro 1001, Wind wieder mehr Süd, die Blitze scheinen fortgezogen zu sein.

    03:00 Uhr, der Frachter Perseus Liberty passiert uns an BB, ich habe über Funk mit ihm gesprochen, und er sagt zu, dass er genügend Abstand halten wird. Jetzt sind die Blitze überall, der Himmel ist hell erleuchtet, nun hören wir auch den Donner, das Gewitter ist genau über uns und wir können nur hoffen, dass sich nicht ein Blitz in unseren Mast verirrt. Handys, IPad, Laptop und Funkgeräte sind im Backofen zum Schutz. Ich sitze völlig angespannt am Kartentisch und beobachte das Geschehen wie die berühmte Maus vor der Schlange. Wir haben Glück, das Gewitter verzieht sich, ohne unserer Hexe ein Leid zugefügt zu haben. Im AIS sind auch keine weiteren Boote mehr zu sehen, nur weit weg ein Segler namens Alix, 28 m lang, der uns in den frühen Morgenstunden in einiger Entfernung kreuzen soll. Jetzt schlafen wir beide im Salon auf dem Sofa, wachen immer mal auf, überprüfen Segelstellung, Windeinfallswinkel, ob sich ein Schiff nähert, Volker lässt bei einer Flautenperiode den Motor laufen.

    Um 07:15 Uhr, Baro 999,5, wir schütten ein Reff aus dem Großsegel aus, TWS um 14 Knoten, wir machen zwischen 8 und 10 Knoten Fahrt. Volker wäscht das Boot, der Regen der Nacht hat roten Saharasand mitgebracht.

    ALs ich um 10:30 Uhr aufwache, ist Volker schon dabei zu reffen, die Genua muss verkleinert werden, und wir binden Reff 2 wieder ins Groß. Der Wind dreht immer ungünstiger, mittlerweile fahren wir 30°, wenn wir so weiterfahren würden, kämen wir übermorgen in Genua an.

    Seit 13.:00 Uhr motoren wir, es sind nur noch 6 Knoten Wind aus WNW.

    Da kommt was auf uns zu

    Und dann fängt der aufregende Teil des Tages an. Vor uns hat sich der Horizont verdunkelt, da steht eine große graue Wolke, aus der Blitze zucken. Oh nein, nicht schon wieder! In meinen Grib-Files war für heute die Gewitterwahrscheinlichkeit als sehr gering eingestuft gewesen! Aber das war ja auch Schnee, nee Daten, von gestern. Die Wolke ist jedenfalls ein Fakt, wir können sie auch im Radar sehen, das heißt, dass da ganz viel Niederschlag drin ist. Wir versuchen, den schlimmsten Blitzteil zu meiden, indem wir nach Südwest wegfahren, um das zu umgehen. Das gelingt gut in Bezug auf die Blitze, aber der Niederschlag erwischt uns doch.

    Windhose am Horizont

    Es bilden sich überall Windhosen, das sieht spektakulär aus. „Lass uns die Segel wegpacken“, bitte ich und schnell wird das Großsegel geborgen, denn solche Gewitterwolken führen jede Menge Wind mit im Gepäck. Kaum ist das Segel unten, kommt der Regen, und mit ihm der Wind, man sieht die Wellen kommen, und den Niederschlag drauf. Bis 42 Knoten Wind zeigt der Windmesser an, meist über 35. Selbst unsere Plastik-Ente hat sich mit einem todesmutigen Sturz ins Cockpit dem Sturm entzogen. Gleich haben wir unser Cockpitzelt dicht gemacht (hoffentlich hält es das aus!), da stürmen schon die Wassermassen über die Stufen herein und mit ihnen kirschgroße Hagelkörner. Die arme Hexe! Nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei, der Wind fällt auf lockere 10 – 14 Knoten und wir können wieder bei Sonnenschein segeln.

    Eine Lücke in den Gewitterwolken?

    Leider ist das Glück von kurzer Dauer, die nächste Front kommt am Horizont und auf dem Radar. Die nächste Front reicht vom rechten bis zum linken Horizont, überall zucken Blitze in den dunklen Wolken, nicht schon wieder! Wir versuchen unsere Taktik des Umfahrens des schlimmsten Blitzbereichs, und entdecken eine Lücke, da wollen wir hindurch. Sieht zunächst auch gut aus, bis dahinter erneut Blitze zucken. Jetzt sind wir schon zu weit drin, wir müssen einfach durch und auf Hexes Schutzengel vertrauen.

    Anfang …
    … und Ende des Regenbogens

    Es donnert auch, das Gewitter scheint direkt über uns zu sein. Natürlich haben wir, diesmal noch eher, also wirklich rechtzeitig, das Groß geborgen, und laufen unter Motor durch. Auch hier klappt das gut, diese Wolke führt zwar keinen Hagel, aber dafür heftigen Regen und bis zu 46 Knoten Wind im Gepäck. Diesmal werden wir belohnt, nachdem auch diese Front hinter uns liegt, bildet sich ein wunderschöner Regenbogen, ganz leuchtend, und man kann beide Enden sehen, also einen ganzen bunten Regenbogen. Das gibt es nicht so oft. Wieder Segel gesetzt und weiter gesegelt.

    Dunkle Wolken dräuen

    Noch eine Front, wieder mit Blitzen, wieder Groß bergen, abwettern und durch.

    Mittlerweile ist es Abend geworden, langsam wird es dunkel, da erscheinen doch schon wieder Blitze am Horizont und eine deutlich sichtbare Regenwolke erscheint auf dem Radar. Eigentlich wollten wir gerade das Abendessen zubereiten, ich war dabei, die Bohnen vom tunesischen Markt zu schnippeln, die haben tatsächlich richtige Fädchen, die man ziehen muss, das kenne ich nur noch aus meiner Kindheit. Zunächst Zweifel, ob wir wirklich das Groß bergen müssen, deswegen werden wir diesmal nass beim Bergen, und dann kommen echte Wassermassen herunter, noch mehr als bei den letzten drei Malen, strömen durchs Cockpit und wieder hinaus. Jetzt ist bestimmt der letzte rote Sand weg vom Boot.

    Um 22:00 Uhr gibt es endlich Abendessen, danach mal wieder einreffen, weil der Wind auffrischt. Die Nacht verbringen wir beide wieder im Salon, um schnell auf das Wettergeschehen reagieren zu können, gut dass unsere Couch groß genug ist für zwei. Da es keine feindlichen Schiffe gibt, habe ich den Timer meines Handys auf 20 Minuten eingestellt, dazwischen kann man richtig schlafen.

    Donnerstag, 29. Juni 2017, 08:00 Uhr, Baro 1005, sonnig, leicht bewölkt, Wind NW 4-5, auf See

    Nach einer holprigen Nacht ist ein sonniger Morgen angebrochen, der Wind weht, wie angekündigt, aus Nordwest.  Zunächst um 10 Knoten, Volker hat am frühen Morgen ausgerefft, wir fahren mit Vollzeug. Um 07:30 Uhr frischt der Wind auf 17 – 18 Knoten, wir drehen die Genua ein Stück weg und binden ein Reff ins Groß. Die Wellen haben mittlerweile eine stattliche Höhe erreicht, 3 – 4 m, wenn die Hexe zu schnell wird, knallt sie nach diesen Wassertürmen in die Wellentäler, das ist nicht schön. Amwind ist nicht der Königskurs des Katamarans, da segelt sie doch relativ  unruhig in den „Löwengolfwellen“.

    Viele Frachter kreuzen unseren Weg

    Seit der Nacht steuert der Autopilot nach dem Wind, das geht sehr gut, nur manchmal reagiert die Steuerung nicht schnell genug auf Winddreher, dann müssen wir eingreifen. Wenn wir heute Abend irgendwo im Hafen oder vor Anker sind, werde ich die Dämpfung verstellen müssen, dann sollte er empfindlicher reagieren. Hier ist verkehrstechnisch deutlich mehr los, vor allem Tanker und Frachter von Barcelona nach Frankreich oder Italien kreuzen unseren Weg.

    Alles voller Salz, könnte man sammeln, für die Küche

    Gruissan haben wir als Etappenziel aufgegeben, das wäre noch eine elende Kreuzerei, So ist es schon unruhig genug, die Viermeterwellen lassen die Hexe schaukeln, im Schrank sind sogar die großen Weingläser umgefallen, glücklicherweise ohne zu zerbrechen. Keiner weiß nicht mehr, wie oft wir die Genua ein- und wieder ausgerefft haben, das Großsegel ebenfalls, bis sich gegen drei Uhr der Wind beruhigt und auf Nordost dreht. Jetzt werden wir schneller, müssen auch nicht mehr gegen die Wellen anfahren, und um 16:30 fällt der Anker in der Bucht von Roses.

    Land an der Bucht von Roses

    Der erste Versuch scheitert leider, da war soviel Lehm und Gras, dass der Anker nicht gehalten hat, aber beim 2. Mal sitzt er auf Anhieb fest. Jetzt heißt es aufräumen, weg mit den Segelkleidern, ich bereite einen kleinen Imbiss aus Melone und Schinken, Oliven und Salzstangen vor, dazu ein bis zwei Glas Wein und Bier, um sieben Uhr legen wir uns für ein kurzes Schläfchen hin – und erwachen am nächsten Morgen um sechs!

    Außer der Wassertemperatur werden keine Daten angezeigt

    Allerdings bin ich um zwei Uhr aufgewacht, und wollte, als gute Navigatrice, überprüfen, ob wir noch am gleichen Ort liegen, also ob der Anker hält. Ich mache die Navigationselektronik an, und, oh Schreck, sehe nichts. Es kommen keine Daten auf den Geräten an, keine Tiefe, kein Wind, keine Position! Mache ich etwas falsch? Ich schalte alle Geräte nochmal aus und wieder an, das gleiche Resultat. Ich suche in den Handbüchern, prüfe die Verkabelungen, probiere alles mögliche aus, die Daten wollen sich nicht zeigen. Auf dem IPad kann ich sehen, dass wir noch an der gleichen Stelle liegen, an der wir geankert haben, also gehe ich um halb fünf frustriert wieder ins Bett. Morgen früh werden wir weiter sehen.