Kategorie: Logbuch

  • Guernsey ade!

    Sonntag 28. September 2025
    St. Peter Port, Guernsey 10:00
    Baro 1020, Wind um 4 Knoten SSW, Nieselregen, schlechte Sicht
    Motoren BB 191, SB 190, Logge 7800, 27.09. 309 l roten Diesel getankt

    Um zehn Uhr legen wir ab, denn ob wir nun im Hafen weiter rumsitzen oder auf dem Wasser langsam motoren, ist ja eigentlich egal. Also sind wir unterwegs. Es ist nicht schön auf dem Wasser, zuerst fängt es an zu nieseln, dann kommt dichter Nebel. Um zwölf Uhr wird es über der Insel ein bisschen heller.

    Um 12:00 Uhr kommt der Wind, zuerst aus wechselnden Richtungen mit 9-11 Knoten, dann stabilisiert er sich bei 15 Knoten aus 10º, also Nordwind. Nachdem Volker erst leise und laut murmelnd Überlegungen angestellt hat, welches Vorsegel wir demnächst verwenden wollen, ist nun die Entscheidung einfach, wir bleiben bei der Genua. Jetzt ist auch die Strömung gekippt, wir haben keinen Gegenstrom mehr und fahren mit acht bis neun Knoten Geschwindigkeit. Das nimmt immer weiter zu, der Wind sowie die Strömung, und wir erreichen bei 20 Knoten Wind bei einem Windwinkel von 120º tatsächlich mehr als zwölf Knoten über Grund.

    Am Nachmittag ist das Barometer auf 1023 gestiegen, der Wind hat leicht abgeflaut auf 12- 15 später 10 – 11 Knoten, dafür ist der Einfallswinkel spitzer, und, obwohl die Gezeit jetzt um 20:40 gekentert ist, fahren wir immer noch mit über sieben Knoten über Grund.

    Ach Du Schreck! Wir wollen ja zu Abend essen, haben aber gar nichts aufgetaut!, Na gut, da muss noch ein bisschen gewartet werden, die Slavinken, mit Speck ummantelte Hackfleischrollen, erwärmen sich schnell in den letzten Sonnenstrahlen, um 19 Uhr gibt es diese mit Zwiebelsoße, Salzkartoffeln und Butterkarotten. Lecker wie immer.

    Die steinige bretonische Küste mit ihren Gefahrenzeichen

    22:30 Uhr: Es ist schon gigantisch, wir segeln entlang der bretonischen Küste mit ihren zahlreichen steinigen Untiefen, und halten uns schon weit draußen. Trotzdem ist es mega spannend, links, in 210º, blinkt der Leuchtturm der Ile vierge, Jungfraueninsel (?), weiß alle fünf Sekunden, in 230º blitzt das Westkardinalzeichen „Lizen Ven“, das auf die Untiefe daneben aufmerksam machen soll, und dann kommt von links auch noch ein Fischer angepest, die „Etoile d’Arvor“, der es sehr eilig hat, und offensichtlich noch nicht oder nicht mehr beim Fischen ist. Vor einer halben Stunde lag ein Nordkardinalzeichen auf unserer Route, sie alle haben bretonische Namen, dieses hier z.B. „Aman ar Ross“, was immer das bedeuten soll. Eines liegt noch vor uns, diesmal kein typisch bretonischer Name, „Grande Basse de Portsall“, ist wieder ein Westzeichen,  also neun weiße Blitze alle 15 Sekunden. Danach entfernen wir uns weiter vom Land und seinen steinigen Ausläufern, die Navigatorin kann entspannen, bis sie abgelöst wird.

    Ein schicker schneller Trimeran, “Viabilis”, ein Solo-Segler, kommt – ohne Vorfahrt zu haben – auf uns zu, die ganze Zeit auf Kollisionskurs, ich rufe ihn über Funk, erhalte zwar keine Antwort, aber er ändert seinen Kurs. Um 23:30 segeln wir ganz nah an der Segelyacht Giulia vorbei, sie fährt nur mit Vorsegel und ist daher deutlich langsamer als wir. Es kommt noch ein Boot auf uns zu, dass kein AIS hat, aber Volker hat es gesehen, und die letzte Kardinalboje ist auch vorbei, jetzt muss ich ins Bett. Volker hat am Tag zwei Stündchen geschlafen, er übernimmt jetzt die Wache.

  • Im Englischen Kanal

    Mittwoch 24. September 2025
    Baro 1025, leicht bewölkt bis bewölkt, Wind um 6 – 7  Bft.
    Nieuwport 10:35, Etmal um 10:45 175 sm

    Die Windmühlen am Hafen von Nieuwpoort

    Nach einem Besuch auf der Excess 14 „Geronimo“ von Corinna und Rainer verlassen wir den Hafen von Nieuwpoort. Unter der Genua allein geht es los Richtung Calais. Die Gezeit geht noch mit, wir er reichen immer wieder zehn bis zwölf Knoten Fahrt, das nutzen wir aus, um Strecke zu machen.

    Um 12:40 wird das Großsegel in Reff 2 gesetzt, und so hangeln wir uns entlang der Bojen in dem schmalen Fahrwasser nach Calais. Es ist eigentlich ein gemütliches Segeln, nur dass Volker (und die Hexe) diese Vorwindkurse gar nicht leiden können. Seit mittags sind auch die Wellen viel ruhiger, das ganz wilde Gewackel hat sich gelegt. Aber wir sind unglaublich schnell, selbst bei Gegenstrom surft die Hexe manchmal mit neun Knoten auf den Wellen, und als die Strömung wieder mit uns geht, sehen wir öfter mal 12 oder sogar 13 Knoten Geschwindigkeit über Grund.

    Um 19 Uhr gibt es Essen, heute Spaghetti bolognese, wieder sehr lecker. Jetzt brauchen wir auch unser Starlink, denn nun befinden wir uns außerhalb der terrestrischen Netzabdeckung des Mobilfunks. Wir haben in den Einstellungen der Starlink-App das kleine Häckchen bei der Datennutzung gesetzt, was besagt, dass wir Daten auch auf dem Meer empfangen können, pro Gigabyte für 2,65€. Perfekt!

    Sunset

    Um 22:15 schlafen meine beiden Herren, der eine hat sich ins Bett verabschiedet, der andere ist auf dem Sofa eingeschlafen, ich versuche, den Überblick zu behalten. Ich sehe ganz viele Fischer auf dem Radar, aber vorhin ist einer an uns vorbei gefahren, der hatte offensichtlich kein AIS an, den hatte ich daher nicht auf dem Schirm, nur plötzlich fuhr ein hell erleuchtetes Boot an uns vorbei.

    Mit Wind um zwanzig Knoten und leider wieder konfusen Wellenbildern geht das die Nacht durch, Volker wacht auf, ich gehe schlafen, Matthijs löst Volker ab, um 03:00 Uhr löse ich Matthijs ab, um 05:00 schickt der inzwischen erwachte Volker mich ins Bett. Um Viertel nach sieben  wache ich auf weil die Hexe auf über 15 Knoten Geschwindigkeit beschleunigt. Kurz danach kommt auch Mattijs kommt hoch, der Kaffeegeruch hat ihn bestimmt gelockt.

    Eine Fähre von Portsmouth nach Southampton kreuzt nah vorm Bug

    Der Wind bleibt wieder beständig zwischen 20 und 24 Knoten, allerdings ist nun der Windwinkel besser, ungefähr 130 Grad, wir kommen gut voran, nur die Wellen bleiben kabbelig. Aber als wir an Cherbourg vorbei sind und in die Landabdeckung kommen, wird die See plötzlich ganz ruhig. Auch der Wind hat nachgelassen, aber hier ist so viel Strom, der momentan glücklicherweise mit uns geht, dass wir trotzdem noch gut voran kommen.  

    Auf einmal ist das Leben viel einfacher, ich habe gemerkt, wie ich plötzlich entspannt war. Ich hatte mich hingelegt, um ein bisschen verlorenen Nachtschlafs nachzuholen, konnte aber nicht gut einschlafen, es wackelte so sehr und durch die kurzen Wellen war es auch laut im Boot. Doch dann dauerte es keine fünf Minuten und ich war fest eingeschlafen. Und auch nach dem Aufwachen ist es wunderbar, ich muss mich nicht bei jedem Schritt festhalten, kann auch einfach eine volle Teetasse zum Tisch tragen. Wind und Strömung lassen uns doch gut vorankommen, wir segeln zwischen sieben und neun Knoten, mit der Strömung, es fühlt sich fast so an, als ob wir bei leichtem Wellengang vor Anker lägen.

    Wir müssen auch nicht zu schnell fahren, denn wir können erst ab 18:33 Guernsey Zeit, für uns also 19:33 Uhr, in die Marina fahren, denn an der Einfahrt befindet sich eine Barre, die man nur drei Stunden vor und nach Hochwasser überfahren kann. Hauptsache, wir sitzen bis 20 Uhr im Pub!

  • Morgens früh um sechs fährt die kleine Hex

    Dienstag 23. September 2025
    Ijmuiden 06:00 – 22:15 Nieuwpoort, 108 sm
    Baro 1025, mäßig bewölkt, nicht ganz so kühl

    Der Versuch zu bezahlen

    Pünktlich um sechs Uhr verlassen wir die Seaport Marina, ohne das Liegegeld bezahlt zu haben. Das war nicht unsere Absicht, sondern der Technik der neuen IMarina-App geschuldet. Brav habe ich nach Ankunft den QR-Code an unserem Liegeplatz gescannt, dann landet man auf der Seite der Marina, versuche zu bezahlen, aber da bekomme ich die Meldung, es sei momentan kein Liegeplatz für uns frei. Wir liegen aber genau an dem Platz, an dem ich den entsprechenden QR-Code scannen konnte. Und der Platz ist auch wirklich groß genug für uns. Na gut, dann werden wir die 107 € eben im nächsten Restaurant „verfressen“. (Nachtrag: Am nächsten Tag kam eine Rechnung per Mail, verstecken geht nicht mehr so gut in Zeiten von Internet und AIS, das war ja auch gar nicht unsere Intention.)

    Der Gennaker steht

    Es ist wenig Wind, 10-14 Knoten, aber genau von hinten, und es steht noch eine unangenehme Welle von dem Nordwind der letzten Wochen. Nach einer Weile motoren jedoch setzen Volker und Matthijs den Gennaker, und wir kreuzen vor dem Wind mit sieben bis acht Knoten Geschwindigkeit.

    Dann lässt der Wind immer weiter nach, von hinten kommen deutlich Regengebiete heran, das bunte Segel wird eingerollt und ein Motor schiebt uns nach Südwest. Zu einer ganz ungewöhnlichen Zeit, um zehn Uhr, frühstücken wir bereits, danach scheint wieder die Sonne und der Wind hat erneut aufgefrischt. Wir fahren zwischen 8,5 und über zehn Knoten, noch fünf Meilen bis Hoek van Holland. 

    Wellen

    So geht das den ganzen Tag, mal mehr, mal weniger Wind, mal Gennaker, mal Genua, mal Motor. An der Maasmündung und vor Vlissingen müssen wir höllisch aufpassen, es ist unglaublich viel Schiffsverkehr, große Frachter, Windmühlenplattform- und Bohrplattformversorger preschen mit über 20 Knoten heran und befinden sich auf Kollisionskurs zu unserer Hexe. Einer nach dem anderen.

    Anschließend bekommen wir eine kurze Pause, bis es vor Zeebrugge schon wieder sehr wuselig wird. Und dann frischt auch der Wind wieder auf, die Motoren werden ausgestellt und wir segeln, nur mit Großsegel sind wir manchmal deutlich über 12 Knoten schnell. Gigantisch! Zum Abendessen gibt es heute Fajitas mit leckerem Rindfleisch, Gemüse und Saucen. Mit dem vielen Wind – zum Teil über 20 Knoten – sind die Schiffsbewegungen unruhiger und das Tischdecken oder Abspülen wird zu einer Art Seiltanz für mich.

    Unser heutiges Ziel ist Nieuwoort, Volker hat schon einen Platz im Hafen reserviert. Noch ein Schreck in der Einfahrt: Ausnahmsweise stehe ich am Ruder und hätte doch beinahe das Boot auf Grund gefahren. Ich hatte es schon in den Schlick gesetzt, kam aber nochmal raus, danach musste ich auch nicht mehr steuern. (Beim nächsten Mal muss ich wahrscheinlich die Bilgen putzen oder Rost klopfen!) 

    Unser reservierter Liegeplatz beim Segelverein von Nieuwpoort ist besetzt, was nun? Es ist eine stockdunkle Nacht und die Häfen sind auch nicht gerade üppig beleuchtet. Aber Volker steuert das Boot souverän durch die verwinkelten Hafengassen, bis wir bei dem Segelclub von der Luftwaffe, dem WSKLuM, einen Platz am Kopf eines Stegs finden. Um 23:15 sind die Leinen fest, es gibt wieder ein alkoholfreies Radler als Anlegerbier, dann geht es sofort ins Bett.

  • Noch im süßen Wasser

    Montag, 22. September 2025
    Hoorn 13:30 – 21:30 Ijmuiden, 37,5 sm
    Baro 1022, leicht bewölkt, Wind 10 – 20 Knoten, kühl

    “Auf nach Hoorn!” hieß es vorgestern für uns. Um 8 Uhr stehen Ute, Wolfgang und Aljoscha vor unserem Haus, um uns abzuholen. Wolfgang hatte angeboten, uns mitzunehmen, weil er mit Familie sowieso nach Workum fahren will. Wolfgang und Aljoscha wollen morgens am Strand der Bucht von Workum kiten, und am Nachmittag werden sie ihr neu erworbenes Schmuckstück, ein zwölf Meter langes Plattbodenschiff namens „Swantje“ abholen. Wolfgang wusste, dass wir diesmal ohne eigenes Auto zum Boot kommen müssen, da wir ja den Hafen für unbestimmte Zeit verlassen werden. Für uns war das großartig und wir genossen die Fahrt im VW-Bus.

    Bei strömendem Regen verlassen wir die hessischen Gefilde, und kurz nach 13 Uhr, ohne nennenswerte Stau auf der Route, steigen wir auf dem Parkplatz vom WSV aus. Wir räumen kurz ein, dann gehe ich mit Maureen bei Lidl einkaufen, einen ganzen Einkaufswagen voll. Der Inhalt wird verstaut, Matthijs ist auch schon da, um das neue Großfall einzuziehen. 

    Dann kommen Leo und Doris Strempel vom Segelclub Saar, in dem Volker Mitglied ist, so ungefähr seit er laufen und in ein Boot steigen konnte. Die beiden machen Urlaub hier oben an der holländischen Küste und haben die Gelegenheit genutzt, einmal unseren Katamaran anzuschauen. Das hat uns natürlich sehr gefreut, auch wenn es nur ein kurzer Besuch war. Viele Freunde von dem SC Saar lesen auch fleißig unsere Blogs, dadurch sind sie immer auf dem Laufenden, wo wir uns gerade befinden.

    Am frühen Abend gönnen wir uns ein köstliches Abendessen im Clubrestaurant. Es war wieder wunderbarer. Man wird empfangen wie bei Freunden, der Service ist super freundlich. Mein Tunfisch war eine Sensation, Volker genoss sein Ribeye sehr, und die Creme brulée war eine Offenbarung, ganz ungewöhnlich begleitet von einem hinreißenden Mousse au Chocolat. Das Lokal ist wirklich ein Gewinn für den Hafen.

    Die Bösewichte

    Doch am heutigen Morgen:
    Um neun Uhr wollten wir ablegen, Segelfreund Matthijs wird uns begleiten bis irgendwo in Frankreich, pünktlich steht er, von Sabrina gebracht – vor dem Boot. Aber:
    Was für ein Schreck! Kurz davor sind – plötzlich und unerwartet – alle Heizungslüfter ausgegangen. Und sie lassen sich auch nicht mehr starten. Es wird der Fehler gesucht, in der Elektrik, an dem Motor, mit telefonischer Hilfe von Freunden, aber nix passiert. Matthijs findet einen Monteur aus Alkmaar, der auch verspricht, gleich loszufahren.

    Tatsächlich steht Kevin von Elektrostat eine Stunde später vor dem Boot, und er schafft es tatsächlich, dass nach relativ kurzer Zeit die Heizung wieder dreht und die Lüfter wieder die warme Luft ins Boot blasen. Der Temperatursensor war kaputt, der Brennereinsatz wurde ebenfalls ausgetauscht, Kevin hatte die richtigen Teile dabei. Wir sind glücklich, der Skipper auch wieder entspannt, und dann sind wir nicht mal fünf Stunden zu spät los gefahren und segelten bei schönstem achterlichem Wind Richtung Amsterdam.

    Um 17 Uhr sind wir an der Schellingwouder Brug, aber die öffnet während der Amsterdamer Rush Hour von 16 – 18 Uhr nicht für den Schiffsverkehr, also müssen wir warten, damit wir anschließend noch in die Schleuse fahren können, und dann endlich im Kanal nach Ijmuiden sein werden.

    Um 18 Uhr dreht die Brücke, wir fahren direkt in die Oranjesluis, direkt danach wird bei dem dahinter liegenden Bunkerschiff getankt. Nun werden wir wohl nicht bis 21 Uhr in Ijmuiden sein, um bei dem leckeren chinesischen Restaurant zu essen, also gibt es Hamburger an Bord, mit frisch gemachtem Kochkäse, auch lecker. 

    Während der ca. 15 Meilen langen Fahrt durch den Nordseekanal wird es langsam Abend, und als wir in die Zeesluis vor Ijmuiden fahren, ist es eine stockdunkle Nacht, wir sind nur einenTag nach Neumond. Das war spannend, denn obwohl die Schleuse 11 m breit ist, blieb an jeder Seite neben den Fendern nur wenig Platz. 

    Weiter geht es an den unbeleuchteten Bojen vorbei in die Seaport Marina, wo um 21:30 die Leinen fest sind. Es waren nur 35,7 sm mit zwei Schleusen, aber nun ist es auch genug, und nach einem alkoholfreien Radler fallen wir alle drei müde ins Bett. Morgen früh um sechs soll es weitergehen.

  • Auf der Insel

    Mittwoch, 11. Juni 2025
    Ijmuiden 09:45 – 21:10 Vlieland, 68 sm
    Baro 1022, sonnig, Wölkchen, Wind zuerst 5 Knoten, die See unter 1 m

    Am Abend unserer Ankunft, vorgestern, standen Uwe und Sigrid von der Islay schon am Steg, um die Leinen anzunehmen, full Service! Obwohl es schon spät war, mussten wir dann noch ein paar Stunden das Wiedersehen feiern, und es gab ja so viel zu erzählen aus den acht Jahren, in denen wir uns nicht gesehen haben.

    Gestern hatten wir ein unerwartetes Treffen. Vor zehn Jahren sind wir hier vor Ijmuiden mit dem Segelboot von Petra rausgefahren, um die Asche von ihrem verstorbenen Mann und unserem liebsten Freund, ebenfalls Volker, dem Meer zu schenken. Seither kommt sie in Begleitung von Volkers Bruder mit Familie an Volkers Geburtstag, eben dem 10.6., nach Ijmuiden an den Strand. Diesmal konnten wir mitgehen, bei 30 Knoten Wind flog einem der Sand in den Mund, aber die Kiter hatten ihren Spaß. Natürlich haben wir anschließend auf der Hexe noch Kaffee getrunken, und ein paar Killepitsch waren auch dabei.

    Wir starten in Ijmuiden heute Morgen unter Motor und Großsegel, von 10:45 bis 11:15 darf die Genua mitziehen. An unserer rechten Seite sind endlose Sandstrände. Wir müssen aufpassen, einige Fischer, die Küstenwache, später auch mal ein mutiger Nacra-Katamaran, der wahrscheinlich für die Regatta „Texel rund“ am Wochenende üben wollte, sind nahe unserer Fahrlinie.

    Die Segel stehen

    15:15: Volker will gerade die Genua an Backbord ausrollen, da flutscht die Dirk – die Leine, die den Baum oben hält, wenn das Großsegel es nicht tut – aus der Klemme. Die muss da aber dringend wieder eingefädelt werden! Dazu hole ich Nadel und Faden,  eine Häkelnadel und Klebeband. Der Faden wird an das Ende der Leine angenäht, die Nadel an die Häkelnadel geklebt, und dann vorsichtig durch die Klemme gezogen. Das hat gut geklappt, der Baum kann wieder gesichert werden, wenn das Großsegel geborgen wird.

    Plötzlich segeln wir mit acht Knoten auf 323°, nur 20° zu weit nach Backbord, dem heutigen Etappenziel, Paal 8 vor Texel, entgegen. Wir fahren fast bis zum Verkehrstrennungsgebiet, wenden dann zurück Richtung Küste. Plötzlich ist der Wind weg, wir hängen in einer Flaute. Seitdem motoren wir, der Wind ist wieder da und kommt genau von vorne. Außerdem frischt er immer weiter auf, am Ende läuft auch noch Wind gegen Strom, da ist die See besonders ruppig. Wir haben seit 17 Uhr über 20 Knoten Wind aus NO.

    Das Etappenziel isst gestrichen, wir fahren doch durch bis Vlieland Hafen. Wir können zwar nicht in die Marina selbst, sagt der Hafenmeister, da hat er heute keinen Liegeplatz für uns, erst morgen. Aber in dem 1. Hafen an Steuerbord, den sie „derte Haven (?)“ nennen, soll es einen Steg geben, an dem wir auch nachts anlegen könnten, auf Kanal 21 wäre jemand, der uns den Platz anweist. Volker ist schon sehr nervös, dass wir dort einen ordentlichen Platz bekommen, denn an den Dalben im Gezeitenhafen können wir nicht liegen. Da wir noch im Hellen ankommen möchten, lassen wir das Kreuzen, und fahren mit – inzwischen gerefftem – Großsegel auf direktem Weg.

    Kurz nach neun sind wir angekommen, den Strom der Gezeit haben wir perfekt ausgenutzt. Volker findet schnell einen Liegeplatz an einem Plattbodenschiff, mit netten Leuten, die unsere Leinen annehmen. Nun sind wir auf „unserer“ Insel angekommen, morgen schauen wir mal, was sich alles geändert hat.

  • Das bunte Segel

    Montag, 9. Juni 2025
    Nieuwpoort 04:50 – Ijmuiden
    Baro 1023, diesig, 14°, Wind 7 kn SW

    Unser heutiger Gast ist Jan Welsch von dem Boot „Philae“. Ihn und seine Frau Ria haben wir in Puerto Calero kennengelernt, und sind seitdem in regelmäßigem Kontakt, egal wo wir uns befinden, WhatsApp macht’s möglich.

    Pünktlich um 04:35 klingelt unser Wecker, da ist die Crew in Person von Jan schon an Bord und wartet im Cockpit.  Zwanzig Minuten später sind die Leinen los und wir fahren zur Ausfahrt, setzen noch im Kanal das Großsegel, aber leider muss der Motor mit laufen, hier ist viel zu wenig Wind.

    Mit Sonnenaufgang ist der Wind aufgewacht, wir segeln noch mit Motor Unterstützung. An der Einfahrt nach Oostende ist richtig viel los, die Versorger für die Windparks fahren ein und aus auf der markierten Anfahrt, und sie haben dort Vorfahrt vor kreuzenden Yachten und Seglern. Wir sind alle drei mega aufmerksam, beobachten das CPA, den Closest Point of Approach. 

    Endlich sind wir frei davon, und fahren weiter zur nächsten Herausforderung bei der Kreuzung vor Zeebrugge. Zwischendurch können wir schon segeln, Volker hat den Gennaker raus geholt. Zunächst waren 15 Knoten Wind, und es ging richtig los, die Hexe flog mit über zehn, manchmal elf Knoten übers Meer. Vor Zeebrugge und dem Fahrwasser Richtung Antwerpen mussten wir wieder scharf aufpassen, welches der großen Schiffe unseren Weg kreuzt und wann, ob einer vor oder hinter uns durch geht. 

    Und nun kommt das nördliche Fahrwasser nach Antwerpen, auch hier kommen die dicken Pötte aus dem Verkehrstrennungsgebiet und kreuzen unseren Kurs. Naja besser gesagt, wir kreuzen deren Kurs, denn hier haben sie Vorfahrt.

    Das Gebiet um den Maasmond, die Mündung der Maas, ist gefürchtet wegen des Verkehrs, aber da hatten wir mal Glück und es war nicht soviel los. Man muss sich anmelden, wenn man mit einem Segelboot den Anfahrtsweg kreuzen will, das haben wir auch getan. Zu dem Zeitpunkt waren wir drei Segelyachten, die nah beieinander durchfahren konnten, die Kontrollstelle hat auch gut informiert, welche Frachter wie an uns vorbei kommen würden.

    Danach steht wieder der Gennaker, die letzten 25 Meilen nach Ijmuiden werden wir hoffentlich noch bei Tageslicht schaffen, auch wenn ab 20 Uhr der Gezeitenstrom gegen uns fließen wird.

    Gestern hatten wir einen Ruhetag in Nieuwpoort, haben spät gefrühstückt und sind dann mit Ria und Jan „ausgeflogen“. Zuerst waren wir in einem kleinen Bauernladen, die selber einiges, das sie verkaufen, produzieren, aber sie kaufen auch von umliegenden Höfen dazu. So gibt es eine große Auswahl an frischem Gemüse, extrem leckerem Käse, Wurst in Dosen, auch Speiseeis. Aber das beste waren die hier angebauten Erdbeeren, die wirklich wie solche schmecken müssen, süß und fruchtig. Die erste Schale war gestern schnell leer.

    Ria hat uns noch mitgenommen zu einem Fischereifest, aber – ehrlich gesagt – das war nix Besonderes, nichts, was uns alle vom Hocker gehauen hätte. Das Lustigste daran war unsere eigene Organisation. Ria und ich sind in der Nähe des Fischmarktes ausgestiegen, während die Männer sich auf Suche nach einem Parklatz machten. Das war aber leider gar nicht erfolgreich, daher fuhren sie zurück zum Hafen, haben das Auto abgestellt und sind mit dem Dinghy gekommen. 

    Ria und Jan sind dann zurück gelaufen, wir haben noch einen kleinen Ausflug in die hübsche Altstadt gemacht, anschließend sind wir mit dem Dinghy den Kanal weiter nach binnen gefahren, bis uns drei geschlossene Schleusen den Weg versperrten. Insgesamt ein schöner, interessanter und erholsamer Tag nach der langen Reise.

    Heute Abend werden wir in Ijmuiden in den Hafen gehen, Jan wieder zu Ria zurück bringen, und morgen machen wir uns auf den Weg nach Vlieland, unserer liebsten Waddenzee Insel.

  • Angekommen

    Freitag, 6. Juni 2025, im Ärmelkanal Tag 11
    Baro 1009, sonnig, kalt, Wind SW 15 – 20, später bis 25 Knoten, die See 1 – 3 m
    Etmal 156 sm, bis Samstag104, gesamt 1760, 11 Tage 15 Stunden, Schnitt 6,3 kn, um 01:35 sind wir an der Hafeneinfahrt von Nieuwpoort

    Um 08:15 Uhr muss der Schmetterling weg, das Platt-vorm-Laken Theater ist erst einmal beendet. Wir müssen uns ja außerhalb des Verkehrstrennungsgebietes bewegen oder es rechtwinklig kreuzen. Wir können also nicht immer den Idealkurs fahren, sondern müssen uns an die Regeln halten. Im AIS sehen wir auch die vielen großen Kähne, die dort wie auf einer Autobahn fahren.

    Seit 16 Uhr frischt der Wind immer weiter auf, es sind sicher 25 Knoten, in Böen auch mehr, die Hexe rockt schon wieder. Das bleibt so, und obwohl die Gezeit noch gegenan läuft, sehen wir manchmal hohe Bootsgeschwindigkeiten, 8-9 Knoten, zum Beispiel, wenn sie die Wellen runter surft.

    Als der Strom dreht, werden wir immer schneller, über 13 Knoten standen schon mal auf der Logge. Wir fahren konstant mehr als 8, meist über 10 Knoten schnell. Wellen und Gezeit führen zu enorm ruppigen Bewegungen. Um das auf den letzen Meilen zu vermeiden, möchte Volker den inneren Weg nach Nieuwpoort fahren, obwohl der ziemlich eng ist. Es sind noch 16 Seemeilen bis Nieuwpoort. 

    Als erstes fahren wir das betonnte Fahrwasser nach Calais, das ist aber auch das Fahrwasser für die großen Passagierschiffe und Fähren, die in und aus dem Hafen fahren. Nach Calais liegt noch Dunkerque auf unserem Weg, auch hier gibt es große Schiffe die uns entgegen kommen. Eines der Hauptprobleme ist, dass es hier entlang der Küste so viele verschiedene Lichter gibt, es ist also wirklich schwierig zu sehen, welches die nächste grüne Tonne ist, oder ein Gefahrenzeichen zu finden. 

    Nach Dunkerque geht das Fahrwasser noch eine Weile entlang der Küste weiter, bis wir an einer Sandbank namens Bank Hills vorbei sind, dann verlassen wir die Küste und damit den direkten Weg, weil hier zahlreiche Untiefen den Weg unpassierbar machen. Die Suche nach den richtigen Tonnen geht weiter, es gibt so viele Gefahrenzeichen, Nord, Süd, auch West und Ost, je nachdem wo die Untiefe lauert, oder Sperrgebiete im Weg liegen. 

    Um 01:35 haben wir die Strecke erfolgreich gemeistert, und fahren in die eine Seemeile lange Einfahrt nach Nieuwpoort rein. Auch diese Strecke ist eine Herausforderung, bis man das richtige Fahrwasser findet vor lauter blinkenden Bojen, und lauter Pfähle stehen unvermittelt im Weg herum. An der dritten grünen Boje biegen wir ab, richtig, dann noch zu einer roten, dann liegt rechts direkt der Steg mit unserem Liegeplatz, den der Hafenmeister uns schon vorher telefonisch zugewiesen hatte. Beim Anlanden haben wir erstmal eine Horde Möwen aufgeschreckt, die unter lautem Protest fortgeflogen sind. Leider hatten sie auch den Steg vorher bereits vollgeschissen, was Volker ziemlich aufregte. Daher hat er, nachdem alle Leinen fest waren, unseren Wasserschlauch geschnappt und den gröbsten Dreck weg gespritzt. 

    Um halb drei sind wir dann todmüde und gleichzeitig immer noch aufgedreht ins Bett gefallen, stolz auf die 1.760 Seemeilen und froh, dass sowohl wir als auch unser Boot das gut gemeistert haben. Und nach nicht einmal 30 Sekunden haben wir beide tief und fest geschlafen.

    Es war eine interessante Passage. Angefangen hatte es mit sehr viel Wind auf einem Amwindkurs mit hohen Wellen, eher ungemütlich, bis wir aus dem Umfeld von Madeira raus waren. Es folgten Tage, an denen wir mit dem Code Zero segeln konnten, auch nachts. Danach Tage mit Code Zero raus, einrollen, Genua raus, Motorfahrt, Code Zero setzen, einrollen, Genua ausrollen, Code Zero wieder raus, da capo… Nach acht Tagen entspannterem Segeln frischte der Wind auf, der Code Zero konnte endgültig schlafen gehen. Zum Schluss hielt uns das herausfordernde Segeln im englischen Kanal bei achterlichen wechselnden Winden, Wellen und Gezeitenstrom auf Trab. 

    Anfangs wollten wir ja nur nach Santa Maria auf den Azoren, dann änderte sich die Windvorhersage so, dass wir uns entschlossen haben, gleich bis zum Festland durchzusegeln. Vielleicht nur bis A Coruña, oder doch weiter bis Brest? Schließlich sind wir hier in Nieuwpoort gelandet, und somit fast am Ziel, um ein paar Tage auf Vlieland zu verbringen.

  • Es strömt

    Donnerstag, 5. Juni 2025, im Ärmelkanal, Tag 10
    Baro 1007, Wetter: englisch, bedeckt, regnerisch, kühl, Wind SSW um 4, die See 1,5 m
    Etmal nur 142 sm

    Die Nacht verlief viel ruhiger als die letzte. Für mich. Um 00:30 Uhr habe ich die Wache übernommen, und meinen gestrigen Blog zusammengestellt. Durch die südwestlichen Winde – wir fahren ja nach Nordost – war es kein schöner Winkel, den ich fahren musste. Zumal, weil nach der Hälfte der Zeit der Wind immer unsteter wurde, vor allem, was die Richtung betraf. Zum Teil konnte ich gar nicht so schnell reagieren, wie das wechselte, und das Boot halste mehrmals unbeabsichtigt. Als dann der vorher eher moderate bis flaue Wind plötzlich stärker wurde, und konstant von Steuerbord anstelle von Backbord kam, habe ich mich entschlossen, den Käpt’n zu wecken, zumal es mittlerweile 03:30 Uhr geworden war, und er eigentlich nur eine Stunde schlafen wollte. Aber erst beim dritten Weckversuch um 04:00 Uhr war es möglich, ihn aus dem Land der Träume in die Realität zu holen.

    Kelp am Hydrogenerator

    In der Wache hatte Volker. alle Hände voll zu tun. Wollte doch der Hydro-Generator plötzlich nicht mehr laden! Warum das? Volker begibt sich ans Backbord-Heck (Ich hoffe, nicht ohne vorher die Schwimmweste anzulegen und den Gurt einzupicken). Und – siehe da – es hängt eine Unmenge von Kraut an dem Schaft. Das verhindert nicht nur das Laden der Batterie, es macht zudem das Boot langsamer. Vielleicht hängt noch mehr davon am Ruder und am Skeg. 

    Als ich um 07:30 wieder die Wache übernehme, ist es bereits hell, aber grau grau grau. Also englisches Wetter! Der Kurs ist angenehmer, raumschots, nur die Gezeit, und vielleicht das Kraut unterm Boot, machen die Hexe langsamer.

    Der Übeltäter

    Volker hatte sich gerade zu einem kleinen Nickerchen hingelegt, da höre ich plötzlich ein kleines metallisches „Ping“ auf dem Kajütdach oberhalb des Kartentisches. Dort finde ich eine kleine Schraube, die irgendwo aus dem Segel heraus gefallen ist. Weil sie aber so klein ist, denke ich mir, kann es nicht ganz so schlimm sein, und lasse den Skipper schlafen. Tatsächlich war es eine Schraube von einer Lattentasche im Großsegel, die kann Volker wieder anschrauben. Klar, das bedeutet Action. Das Vorsegel wird eingeholt, das Boot in den Wind gedreht, das Großsegel ein Stück abgelassen, dann kann Volker die Schraube wieder rein drehen Nun muss die ganze Chose wieder zurück, doch vorher probieren wir noch etwas aus. Die Geschwindigkeit des Bootes passte so gar nicht zu dem Speed, den wir sonst gewöhnt sind, vielleicht haben wir doch Seegras am Ruder hängen. Wir fahren einmal mit Vollgas rückwärts, hoffen, dass jetzt alles weg ist.

    Leider hat der Wind wieder so gedreht, dass er genau von hinten kommt, wir fahren seit 16 Uhr im Schmetterling. Wir versuchen so schnell wie möglich voran zu kommen, denn um 20 Uhr kippt die Gezeitenströmung in der engen Durchfahrt zwischen Alderney und dem französischen Cap de La Hague, und würde mit mehr als drei Knoten gegen unsere Fahrt strömen, also wollen wir vor acht Uhr dort sein. 

    Inzwischen merken wir die Nächte mit den unterbrochenen Schlafzyklen, wir schlafen unter Tag immer wieder abwechselnd, und treffen uns vor allem zu Segelmannövern oder zum Essen.

    Der ewige Vorwindkurs nervt. Es ist viel anstrengenderes Steuern, weil man ständig auf der Hut sein muss, dass zum Einen die Genua nicht back steht, und man zum anderen aber auch keine Patenthalse fährt. Letzte Nacht sind dabei an dem Bullenstander, der das Großsegel in Lee fest hält, alle Gummis gerissen. 

    Und dieses Geschaukel! Wenn der Wind gegen die Strömung steht, und die Welle auch noch aus einer dritten Richtung kommt, ist es fast unmöglich, einen vernünftigen Kurs zu halten.  Und wir segeln dann so schrecklich langsam. Aber nach sechs Stungen kippt ja die Gezeit, und dann wird alles besser.

    Die richtige Segeljacke kommt wieder um Einsatz
  • Im Ärmelkanal angekommen

    Mittwoch, 4. Juni 2025, auf See Tag 9
    Baro 1014, bedeckt, dicke Wolkenfelder, Wind 3 Beaufort, die See 2-3 m
    Etmal 160, Gesamtmeilen bis 4. Juni 17:35 am Eingang vom Ärmelkanal: 1409 sm

    Die Nacht verlief eher unruhig. Wir hatten ausgemacht, dass wir uns ab jetzt im Zwei-Stunden-Rhythmus ablösen, und immer einer von uns richtig wach bleibt, keine zwanzigminütigen Schlafpausen mehr, denn jetzt kommen wir in die viel genutzten Schifffahrtswege. Die erste Wache ab 22 Uhr wollte ich übernehmen, aber nach 21 Uhr war der Wind so chaotisch, dass Volker noch nicht schlafen wollte. Also habe ich mich hingelegt, und Volker hat mich bis halb eins schlafen lassen. 

    Um halb zwei, Volker hatte gerade mal eine Stunde geschlafen, kam eine Böe mit über 20 Knoten zu uns, und wir fuhren noch unter voller Besegelung! Deswegen musste ich ihn leider wecken. Wir hatten gehofft, dass damit das Leichtwind-Theater vorbei wäre, aber Pustekuchen! Nach zehn Minuten schönster Fahrt flaute der Wind wieder ab und drehte zurück, sodass wir erneut mit achterlichem Wind fahren mussten.  Der aber wechselte dauernd in Richtung und Stärke, die Segel haben geschlagen, es war gruselig. Schlussendlich, um 02:00 haben wir alle Segel weg gepackt, und sind unter Motor weiter gefahren. Dabei war es mittlerweile 5 Uhr geworden, und am Horizont zeigte sich das erste Licht. 

    Jetzt, am Nachmittag, sind es noch 20 Seemeilen bis zum Raz de Sein, zwischen der Insel Ouessant und dem französischen Festland nahe Brest gelegen. Nach genauem Studium der Karte mit den Strömungen wird die Route geändert, wir fahren nördlich um Ouessant herum, die Strömung im Raz wäre noch zu stark gegenan, erst zwei Stunden später kippt die Gezeit.

    Der Leuchtturm vom Raz de Sein ist einer der am meisten fotografierten Leuchttürme, denn in der engen Durchfahrt herrschen starke Strömungen, wenn dann der Wind dagegen steht, entstehen die schönsten Wellen. Das Seezeichen steht auf einem Felsen im Meer, und die hohen Wellen schlagen dagegen, sodass die Gischt hoch spritzt.

    Um 17 Uhr ist mit eben dieser Insel Land in Sicht, das heißt, es ist eigentlich um 18 Uhr, denn nun hat sich die Uhrzeit umgestellt von der in Portugal herrschenden westeuropäischen Zeit WEZ auf die mitteleuropäische Zeitzone MEZ. Seitdem segeln wir auch wieder, im 2. Reff, damit das Segel nicht so schlackert, zwar fahren wir noch mit Motorunterstützung, aber immerhin sind wir damit wieder ein Segelboot und haben Vorrang vor den großen Frachtern, Tankern, etc. 

    Kollegen auf See

    Um 19 Uhr haben wir den Atlantik verlassen, und befinden uns nunmehr im English Channel. Naja, wirklich verlassen haben wir den Atlantik nicht denn der Ärmelkanal ist eigentlich ein Seitenarm des Atlantik. Er ist 560 km lang, an seiner engsten Stelle 34 km, die breiteste Stelle ist 240 km. Angrenzende Länder sind Großbritannien, Frankreich, sowie die Kanalinseln Guernsey und Jersey. Die Dover Strait zwischen Dover und Calais gehört zu den Schifffahrtswegen mit dem weltweit dichtesten Schiffsverkehr (circa 400–500 Schiffe pro Tag).

    Bei uns gab es um 20 Uhr Flammkuchen mit Speck, Lauch und Zwiebeln, seitdem segeln wir – „platt vorm Laken“ – daher im 2. Reff, damit das Segel nicht so schlägt, mit 5 – 7 Knoten Fahrt durch die Nacht.

    Nachtstimmung am Kartentisch
  • Wackelt Volkers Stuhl?

    Dienstag, 3. Juni 2025, auf See
    Baro 1014 (!), bedeckt, regnerisch, kühl, Wind WSW 15-20 kn, die See 2-3 m
    Etmal 167 sm

    In der Nacht ist das Tief durch gelaufen, das über Island wütet, wir waren gerüstet mit zwei Reffs im Großsegel, und vier in der Genua. Das haben wir noch vor der Nacht gemacht, so hatten wir keinen Stress in der Dunkelheit. Tatsächlich gab es in der Nacht Böen bis gut 30 Knoten, und wir kamen flott voran. Dank der moderaten Besegelung waren auch die Bootsbewegungen nicht unangenehm, trotz der hohem Wellen, die durchgegangen sind. Es war also alles viel entspannter, als ich befürchtet habe.

    Böen über Island

    Das Barometer ist von gestern auf heute Moren um 10 Striche gefallen, daran kann man deutlich sehen, dass das Tiefdruckgebiet über uns gekommen ist. Es ist auch jetzt noch viel Wind, um 20 Knoten, aber der Windeinfallswinkel hat sich gebessert und wir fahren mit 8-9 Knoten auf Ouessant zu, zum Eingang des English Channel. Nur die Wellen sorgen für unvorhersehbare Schiffsbewegungen, sie sind hoch, klar bei den Winden, plus die Dünung des Ozeans, insgesamt sicher bis drei Meter, es wackelt. Gut, dass wir beide nicht seekrank werden.

    Noch vor dem Eingang zum Kanal, bei dem erstenVerkehrstrennungsgebiet ist es mit den entspannten Nächten sowieso vorbei. An dem Bild von Marine Traffic kann man erkennen, was dort für ein Verkehr herrscht. Die Verkehrstrennungsgebiete müssen beachtet werden, ebenso die zahlreichen Sperrgebiete, z.B. Windkraftanlagen und Fischfarmen, und nebenbei gibt es auch einige Fischer, die ohne AIS arbeiten, damit ihre Jagdgründe geheim bleiben. Und dann gibt es noch eine Warnung vor Booten mit Flüchtlingen, die – natürlich – kein AIS bei sich haben, und versuchen, von Nordwest Frankreich nach Süd England überzusetzen.

    Aber noch sind wir auf hoher See, vertreiben uns die Zeit mit der Analyse von Wetterbeichten und der dazugehörigen Routenplanung. Wann setzen wir wieder den Code Zero, oder ist doch der Gennaker das Segel der Wahl? Oder frischt der Wind gleich wieder auf? Ab und zu hält einer von uns ein Nickerchen, Vorschlafen für die Nacht!

    Am Nachmittag hat sich eine ordentliche Welle aufgebaut, die Wogen rollen, bestimmt vier Meter hoch, von der Seite her an, heben das Boot an und dann kommt die Talfahrt, hui! Natürlich ist das mit den Bootsbewegungen eines Einrumpfers nicht zu vergleichen, aber es stellt doch schon hohe Anforderungen an mein Gleichgewichtsgefühl beim Gehen. Vor allem, wenn man irgendwelche Gegenstände in den Händen hat und sich nicht sofort abstützen kann. Inzwischen – es ist 21 Uhr – ist die Wellenhöhe deutlich zurück gegangen, das macht die Bewegungen an Bord viel leichter.

    Ich hatte mich am Nachmittag gerade zu einem kleinen Schläfchen hin gelegt, da höre ich erst ein kleines Peng, aber Volker sitzt am Kartentisch und sagt, es sei alles in Ordnung. Ich mache die Augen wieder zu, da ertönt ein richtig lauter Knall und Volker liegt auf dem Rücken am Boden. Was ist passiert? Am Kartentisch haben wir einen schwenkbaren Bürostuhl, dessen Schwenkarm an einer Säule befestigt ist, die wiederum sowohl an einer Metallplatte im Boden als auch an der Tischplatte fet gemacht ist. Nun hat aber offensichtlich an dem Metallstift, der in die Tischplatte ragt, die Schweißnaht nicht gehalten, und der Stuhl ist, samt Volker, einfach umgefallen.

    Ich bin ja nicht schadenfroh, aber all die Freunde, denen Volker die Geschichte per WhatsApp mitgeteilt hat, haben ihn damit geneckt, dass das ausgerechnet passiert ist, als er dort gesessen hat. Das ist vielleicht fünf Prozent der Zeit, normalerweise sitze dort immer ich. Und er hat doch so viel abgenommen, dass es an seinem Gewicht nun wirklich nicht gelegen haben kann. Da hatte ich wohl Glück gehabt, dass es nicht mir passiert ist.

    Was nun? Also, irgendeine Sitzgelegenheit brauchen wir da schon, ich sitze dort den halben Tag zum Navigieren, oder um Logbuch zu schreiben, oder irgendwelchen Bürokram zu erledigen, außerdem natürlich auch beim Essen. Jetzt steht dort unser kleiner faltbarer Strandstuhl. Weil der aber so niedrig ist, dass ich in die Tischkante beißen könnte, haben wir die Sitzfläche mit Polstern und Kissen erhöht, und nun geht es einigermaßen.

    Mit Polster und Kissen geht die Sitzhöhe halbwegs

    Beim Abendessen jedenfalls hat es geklappt, es gab Kotelett und Lende mit Kartoffelbrei und Karottengemüse.

    Diese Nacht wechseln wir uns richtig mit den Wachen ab, hier fahren in einer Stunde mehr Schiffe um uns herum als auf der ganzen Reise bisher.

    Dieser Tanker kam uns sehr nah, aber nachdem ich mit ihm gefunkt habe, hat er seinen Kurs geändert