Kategorie: Logbuch

  • Montag, 5. Mai 2025, der erste Tag unserer neuen Reise

    Unter schönstem Sternenhimmel verlassen wir – tatsächlich wie geplant um 5 Uhr – den Hafen von Puerto Calero.

    Am 15. Oktober haben wir das letzte Mal die Leinen gelöst, nur, um eine Spazierfahrt nach Los Lobos, der kleinen Insel vor Fuerteventura zu unternehmen. Also mehr als sechs Monate war die Hexe im Hafen von Calero angebunden. 

    Nach anfänglicher Motorfahrt frischt der Wind auf, wir können segeln. Am Wind mit ca. 70° Windeinfallswinkel, und der Wind nimmt – wie von unserem Wetterbericht bei PredictWind versprochen – zunächst zu, auf 11, später 15 Knoten und wir segeln mit 7-9 Knoten Fahrt unserem Ziel Madeira entgegen. Seit dem Leuchtturm Pechiguera, ab dem wir auf Kurs Richtung 326° anluven konnten, ist die See doch sehr ruppig, als würden wir auf einem bockigen Pferd reiten.

    Das beste Schleifpapier

    Der Abfahrt voraus gingen anstrengende Tage, vor allem für Volker und unserem Freund Jens von der „Maje“, der Volker beim Schrubben des Unterwasserschiffs geholfen hat. Vier Tage lang waren die beiden jeden Morgen vor dem Frühstück im noch kühlen Meer, natürlich mit dickem Neopren, aber trotzdem. Und die Arbeit war hart: In den Monaten, in denen die Hexe hier unbewegt im Hafen lag, hatten sich ganz viele kalkige Stellen entwickelt, die aussahen wie kleine Würmer. Die mussten alle abgeschrubbt werden, mit Spachtel oder Schleifpapier oder Schleifschwamm. Auch die Ruder und die Schwerter mussten gesäubert werden, und am Ende kamen auch noch die Propellor und die Loggen dran. Dass man sich im Wasser immer selber wegstößt, macht die Sache nicht leichter. Um auch die tieferen Rumpfstellen ohne schweren Lungenautomat auf dem Rücken erreichen zu können, hatte Volker einen Kompressor ausgeliehen, und mit einem langen Schlauch funktionierte das eben ohne die schweren Sauerstofflaschen auf dem Buckel. Insgesamt über acht Stunden haben die beiden mit dieser Schwerstarbeit verbracht, Grund genug, dass Martina nd ich jeden Morgen pünktlich um 11:30 Uhr ein üppiges Frühstück auf dem Cockpittisch gedeckt hatten.

    Außerdem musste natürlich für die Fahrt eingekauft werden, denn wir wollen zunächst mit dem temporären Crewmitglied Lukasz bis Madeira segeln, dort geht er erstmal von Bord, um das Bruttosozialprodukt zu unterstützen, vielleicht passt es ja, dass er zu einem weiteren Streckenabschnitt noch einmal zu uns stößt.

    Wir wollen ohne längeren Aufenthalt Madeira wieder verlassen, und Richtung spanische Küste bis A Coruña segeln, dann geht es weiter über die Biskaya Richtung Bretagne, anschließend in den englischen Kanal. Das Ziel ist Hoorn, dort, am Ijsselmer liegt unser Segelverein. Dann wollen wir gerne das Boot ein wenig leichter machen, und all die überflüssigen Dinge von Bord schmeißen. Naja, nicht gleich weg, erstmal nehmen wir das meiste mit nach Hause, dann wird unsere Hexe noch schneller!

    Den Literpreis hätten wir daheim ach gerne

    Es war eine kurze Nacht, denn gestern Abend waren wir noch mit unseren Freunden in der besten Tapasbar der Marina Rubicon zum Essen, und so war es doch Mitternacht, bis wir im Bett lagen. Um 04:50 hr klingelte schon der Wecker. Obwohl, ich war sowieso schon seit halb fünf wach, denn in der Nacht vor einem größeren Törn schlafe ich nie so gut. Irgendwie ist man doch immer noch ein bisschen aufgeregt, bevor es los geht.

    Nun liegen schon über 70 Meilen in unserem Kielwasser, der Wind raumt ein bisschen und nimmt ab auf 10-12 Knoten, wahrscheinlich steht bald der neue Code Zero. Morgen werden wir weiter berichten!

  • Schnelle Fahrt

    Nachtrag zum Logbuch:
    Sonntag 8. September 2024
    Auf See, Wind NO 13 – 18 Knoten, sternenklar, die See weiterhin 1,5 – 2 m
    Etmal um 05:30 210 sm: In 24 Stunden sind wir 210 sm gesegelt, das ergibt einen Schnitt von 8,75 sm/h. Damit ist auch der Kapitän zufrieden. 

    Windvorhersage

    Die Nacht verlief im Wesentlichen unspektakulär. Zunächst hat sich der Wind relativ gleichmäßig verhalten, es sind 13 – 15 Knoten bei einem Windeinfallswinkel von 110 bis 125 Grad. Nach 02:00 Uhr fiel es ihm dagegen plötzlich ein, auf 150 Grad zu drehen, dabei zwar zuzunehmen, aber die Geschwindigkeit des Bootes geht dann doch ein bisschen nach unten. Erst nach 04:00 Uhr wurde es wieder besser, wieder 13 – 15 Knoten aus 120 Grad, seit 06:00 Uhr sind es eher 105 Grad bei unveränderten 15 Knoten, da haben wir die Genua ein bisschen eingedreht. Jetzt löse ich Volker ab, er kann durchschlafen und ich werde mir immer mal wieder ein kleines Nickerchen  gönnen und meinen Timer auf 20 Minuten stellen, um kurz die Lage zu checken.

    Ab sechs Uhr beginnt das erste schüchterne Licht am Horizont zu erscheinen, um sieben wird es hell, und um 7:40 Uhr soll de Sonne aufgehen. Das wird heute bestimmt sehr schön, weil es nur ein dünnes Wolkenband im Osten direkt am Horizont gibt, ich bin gespannt. Und natürlich lässt kurz vor Sonnenaufgang der Wind nach, aus den 15 Knoten sind jetzt nur noch elf bis zwölf geworden, das bringt den Durchschnitt runter! Aber glücklicherweise wird der Windwinkel spitzer, das gleicht die fehlenden Knoten ein bisschen aus. Außerdem schläft der Skipper, und kann sich nicht darüber ärgern.

    So segeln wir in den Tag, um 11:30 kann ich die Herren überreden, mit mir zu frühstücken. Vor Lanzarote dreht der Wind nochmal ordentlich auf, zwischen Fuerteventura und unserer Insel legt er noch ‘ne Schippe drauf. 

    Um 13:30 fällt der Anker vor Playa Blanca nach 280 Seemeilen. Wir sind 32 Stunden lang gesegelt, weniger als ursprünglich geplant, und haben einen Schnitt, wie bis zum 24-Stunden-Etmal gehalten: 8,75sm/h!

    Auf der Insel:

    Inzwischen sind wir schon eine Weile wieder in Puerto Calero angekommen, nach einer Nacht vor Anker bei Papagayo. Wir sind mit Lukasz einen ganzen Tag über die Insel gefahren, um ihm die Vulkanlandschaft und die Strände und die Aussichten zu zeigen. Wir haben ganz viele Freunde wieder getroffen, und ganz viele Arbeiten am Boot durchgeführt.

    Begonnen haben die Herren mit der Erneuerung des Silikons und dem Abdichten der Luke in der hinteren Gästekabine. Es war eine schweißstreibende Sauerei, denn das alte Silikon musste heraus geschnitten und gekratzt werden, bevor die neue Schicht Silikon aufgetragen werden konnte. Aber Dank der professionell tatkräftigen Hilfe von Lukasz, der guten Idee von Freund Uli und der allgemeinen Oberaufsicht vom Skipper war auch diese Aufgabe rechtzeitig gelöst, um Lukasz “Just in Time” zum Flughafen zu bringen.

    Der Stecker vom Hydrogenerator musste neu befestigt werden, und der Mantel vom Steuerrad wurde unter lautem Fluchen mit einer runden Nähnadel wieder zusammen genäht.

    Natürlich wurde das Boot komplett gereinigt, dazu gehörte auch, die Bilgenabteile auszuräumen und auszuwischen, die Klamotten aus dem Kleiderschrank zu lüften, und die seit Ewigkeiten nicht mehr getragenen Faserpelze und Funktionskleider zu waschen.

    Volker mit Mädelsübermacht im UpperDeck

    Außerdem haben wir noch ein bisschen Hygieneartikel und haltbare Lebensmittel für die kommenden längeren Törns eingekauft und verstaut.
    Wenn wir von unserem Heimataufenthalt zurück kommen, sind wir bereit zur Abfahrt.

    Das UpperDeck haben wir auch zurück erobert.

  • Angekommen

    Teil 2 des 3. Tages:

    Wir segeln also so weiter, mit vielen Wellen und mehr als ausreichend Wind. Die Sonne lädt die Batterien kaum  noch – sie ist ja meist hinter den Wolken versteckt – und der Hydrogenerator macht schon wieder so komische Geräusche, er scheint leider auch nicht zu laden. Vielleicht sind die Kabel kaputt, jedenfalls wird der nun aus dem Wasser geholt, und wir haben aktuell keine zusätzliche Energiequelle für unser Batteriemanagement.

    Wir nehmen Kurs auf die Ensenada da Ambra im Osten der Insel. Die Bucht liegt gut geschützt gegen Nordostwind durch die Berge, die steil vom Ufer direkt in die Höhe streben. Bei Navily steht, dass an einer Stelle nahe des Ufers auf dem sandigen Untergrund zwei Auto-Chassis liegen, in denen sich der Anker verfangen kann. Wir markieren diese Stelle in unserer Karte, damit wir nicht aus Versehen dort den Anker fallen lassen.

    Bootsbewegungen am Anker während der Nacht

    Bei der wieder durch den fehlenden Mond sehr dunklen Nacht gerät die Ansteuerung in der Bucht eher unspektakulär, bis auf die unbeleuchtete Fischfarm, vor der Volker mich gerade noch rechtzeitig warnen kann.

    Angekommen sind wir um 00:30 Ortszeit, Azorenzeit 23:30, die Gesamtmeilen laut Logge betrugen 559 sm. 62 Stunden lang war die Überfahrt, das ergibt einen Durchschnitt von über neun Knoten, ein schneller Trip! Ein bisschen wackelig fand ich es wegen der sehr kurzen Welle, aber ein Windeinfallswinkel von 80° – 130° sorgt bei einem Katamaran für schnelle Fahrt, eigentlich hatten wir erwartet, am nächsten Morgen nach Sonnenaufgang anzukommen. Also insgesamt ein schöner schneller Törn. 

    Nach erholsamen Schlafstunden ohne die Weckzeit alle zwanzig Minuten für Volker wartet natürlich eine Menge Arbeit auf uns. Zuerst muss das Boot komplett entsalzen werden. Also muss ein Motor laufen, denn wir brauchen Strom, um den Wassermacher arbeiten zu lassen, damit Volker das Boot abspritzen kann, und das Salz zurück ins Meer kommt. Ich wasche derweil drinnen die Flächen ab, denn auch hier kommt ein bisschen Salzspray an, räume auf und baue das Bett im Salon wieder in den Tisch um.

    Außerdem hatte sich der Ruderquadrant des rechten Autopiloten verstellt, der muss mit viel Geduld und Geschicklichkeit im Motorraum wieder ausgerichtet werden. Am Bergesack für Großsegel war eine Naht aufgerissen, auch hier mussten wir mit viel Geduld und einem langen Faden ran, damit die Spannlatte wieder an der Persenning angenäht war.

    Danach gab es einmal Schwimmen ums Boot für mich, und zu dem Anker für Volker, durch die anschließende Dusche sind wir wieder ganz sauber und bereit für neue Abenteuer.

  • On the Sea again: Tag 3

    Donnerstag, 29. August 2022
    Auf See, Baro 1018, Wind NNO zwischen 15 und 20 kn, die See unverändert 1,5 bis 2 m,  sonnig
    08:00Uhr: Noch 138 sm bis zum Ziel, Geschwindigkeit meist über 10 Knoten, TWA um 80°

    Nachtrag von Tag 2:

    Abendessen: Sahnegeschnetzeltes mit Nudeln und Salat. Das Halbtagesetmal um 21:30  ist 104 sm, das entspricht einem Schnitt von 8,7 Knoten!

    Ein fliegender Fisch hat die Nacht leider an Deck verbracht

    Um 07:00 Uhr am nächsten Morgen sind Kaffee und diverse Tees fertig gekocht, der Skipper kann jetzt noch ein bisschen schlafen, nun ohne die zwanzigminütigen Unterbrechungen. Aber auch dabei genügt ein kurzer Blick auf den Bildschirm, ob sich feindliche Schiffe nähern. Auch nach draußen auf Wind und Segelstellung kann man schauen, aber das hat Volker sowieso im Blut, wenn sich der Wind deutlich ändern sollte, würde er sofort aufwachen.

    Tagesetmal 09:30: Unser heutiges Etmal beträgt stolze 222 sm, ergibt einen Durchschnitt von 9,25 (neuneinviertel) m/h! Noch 121 Meilen bis zum Ankerplatz vor Porto Santo.

    10:30 Uhr: Das zweite Reff kommt ins Großsegel, denn der Wind hat wieder zugenommen, und leider wird auch der Windeinfallswinkel immer spitzer. Mit dem zweiten Reff kommen wir immer noch mit neun bis elf Knoten voran, und jetzt es wird angenehmer, trotz der konfusen Wellen.

    Die ganze Nacht war nicht ein Schiff auf dem AIS zu sehen, heute morgen sind es gleich zwei, und der eine Tanker, er will nach Antwerpen, fährt weniger als eine halbe Meile vor uns durch, das ist schon nah.

    Geschafft, nun gibt es Frühstück, wie immer am Kartentisch. Das Tischdecken allerdings ist ein einziger Balance-Akt, zumindest für mich, weil die Wellen doch immer dann kommen, wenn man sie nicht braucht. Mein Sportprogramm besteht aus Gängen zur und von der Kabine, auch auf dem Weg zur Toilette wird geturnt, man muss die Bewegung der See so gut wie möglich vorahnen, um sich nicht all zu viele blaue Flecken zu holen. Am Ende könnte ich sonst nicht mal mehr im Badeanzug an den Strand gehen, ohne dass die Leute die Sittenpolizei rufen ;-).

    Am Nachmittag gegen 13:00 Uhr sieht Volker auf der Luvseite eine fette Wolke kommen. Im Radar zeigt sich dann auch, dass dort größere Regenmengen drinnen sind. Weil aber solche kleinen Squalls auch gerne viel Wind im Gepäck haben, und die Schaumkronen auf dem Meer sich vermehren, verkleinern wir noch ein bisschen das Vorsegel, das Groß ist ja schon in Reff zwei, wir sind gerüstet. Trotzdem stehe ich mit starrem Blick auf den Radarschirm, ob die Front wirklich zu uns kommt. Dahinter ist schon wieder blauer Himmel zu sehen. Für den Rest der heutigen Fahrt ist mehr als genügend Wind vorhergesagt, wir können bei der jetzigen Besegelung bleiben. Die Front ist vor uns durchgezogen, aber der Wind ist geblieben, und es stehen weitere Böenwalze auf Halde. Hoffentlich ist es an dem Ankerplatz halbwegs geschützt.

    Volker hat wieder einen schönen Film gedreht, hier zu sehen oder bei Youtube unter: 
    https://youtu.be/mcdgrH9mHaQ

  • On the Sea again: Tag 2

    Hier erst einmal Teil 2 von Tag 1

    Volker kontrolliert, ob der Hydrogenerator lädt, aber das tut er nicht. Wahrscheinlich haben wir wieder Sargasso-Gras gefangen oder so. Und leider ist es „oder so“, denn in der Schraube hängt ein Netz von einem Hochseefischer. Aus massivem Garn, mit richtig festen Maschen. Volker holt den Bootshaken, fischt ein Stück, bekommt es zu fassen, ohne dabei ins Wasser zu fallen (das ist immer meine Angst, wenn er irgendetwas am Hydrogenerator macht), und er braucht schon Kraft, um das ca. sechs Meter lange grüne Netz einzuziehen. Nun ist aber die Niederholerleine vom Hydro gerissen, der muss aus dem Wasser, die Leine wird neu verknotet. Schlussendlich kann das gute Stück, befreit von den tückischen Hinterlassenschaften der Fischer, die Arbeit wieder aufzunehmen, damit wir auch nachts genug Strom haben, um z.B. den Kühlschrank, den Gefrierschrank und die Starlink-Antenne zu betreiben.

    Zutaten

    Zum Abendessen gab es Morcela, das ist portugiesische Blutwurst, ein bisschen scharf und sehr lecker, mit einem Kartoffel-Karotten-Püree, fein!

    So segeln wir in die erste sehr dunkle Nacht, der sichelgroße Mond geht erst nach 01.00 Uhr auf. Das Radar dreht alle Viertelstunde zehn Umdrehungen, und würde uns warnen, wenn sich in einem Umkreis von drei Meilen etwas bewegt. Wir kommen jetzt gut voran, bei 13 bis 16 Knoten und einem Windeinfallswinkel von ungefähr 110 Grad ist die Hexe schnell, sie zieht uns mit zwischen 8,5 und 11 Knoten Geschwindigkeit übers Meer.

    Das Halbtagesetmal um 21:30 beträgt 96 sm, Distanz zum Ziel sind 442 sm, der Anfangswert war 538 sm, das entspricht einem Schnitt von 8 sm/h, cool!

    Tag 2: Mittwoch, 28. August 2024
    Auf See, Baro 1019, leicht bewölkt, Wind um 15 Knoten aus N, die See 1 – 2 m
    06:00 Uhr: Noch 370 sm bis zum Ziel, TWA 110° – 120°, Geschwindigkeit um 9 kn

    Die Nacht verläuft ohne größere Vorfälle.. Um 01:00 Uhr hatte der Wind mal auf über 20 Knoten aufgefrischt, das hab ich selbst in meinem Bettchen gemerkt, und bin schnell rausgekommen, um Volker beim Eindrehen der Genua zur Seite zu stehen. Ich weiß ja, dass er das alles auch alleine kann, aber zu zweit geht es einfacher.

    Sonnenaufgang

    Später hörte ich, dass Volker ein kleines bisschen ausgerefft hat, später die Genua ein bisschen flacher gedreht, aber das war es im Wesentlichen. Um sechs Uhr klingelt mein Wecker, ich gehe Volker ablösen, dass er auch mal länger am Stück schlafen kann, als nur die 20 Minuten mit dem Timer als Wecker. Im Osten ist der Himmel ein kleines bisschen heller geworden,  es beginnt die nautische Dämmerung, die „blaue Stunde“, die endet dann kurz vor dem Sonnenaufgang um 07:00 Uhr.

    Als Volker um 08:00 Uhr wach wird, hören wir kurz in die Intermar Funkrunde rein, über die Kurzwelle ging das leider wieder nicht, aber über Echolink, das geht übers Internet, konnten wir hören und sprechen. Heute waren hauptsächlich Jungs aus der Nord- und Ostsee dran, fürs Wetter war ich eh zu spät.

    Ich gehe in die Kabine, um noch eine Runde zu schlafen, bis Volker mich um zehn Uhr aus dem Bett holt, weil wir reffen müssen. Der Windwinkel ist spitzer geworden, 70° – 80° Einfallswinkel, dann steigt der scheinbare Wind auf über 20 Knoten, es wird Zeit, die Segel zu verkleinern. Das geht gut, wir sind immer noch eingespielt. Nun zickt aber wieder mal der Hydrogenerator, es hängt aber nichts in der Schraube, wie Volker sich vergewissert, er zieht auch mal den Stecker, und mittlerweile scheint es wieder zu funktionieren.

    Das Etmal um 09:30 Uhr beträgt 195 sm, das ist gut, es bedeutet weiterhin eine durchschnittliche Geschwindigkeit von über acht Knoten.

    Die Löcher wurden in die Stoßstange geschnitten

    Um 11 Uhr kommt von Larissa die Schreckensnachricht, dass irgendjemand an Volkers Auto die Stoßstange zerstört hat und irgendwelche Elektronikteile abgeschnitten. Es folgen natürlich Telefonate mit der Versicherung und den Nachbarn, Larissa fährt zum Darmstädter Polizeirevier, um Anzeige zu erstatten; was für ein unnötiges Wirrwarr wegen solcher Blödmänner (oder -männInnen, um dem gendern gerecht zu werden!). Später erfahren wir von Freund Sven, dass auch bei ihm, 10 Hausnummern weiter, genau dasselbe passiert ist. Doof!

    Um 12:00 Uhr gibt es endlich Frühstück, danach beginnt wieder der normale Bordalltag mit lesen, schreiben, ruhen, vielleicht auch stricken. Um 13:00 Uhr wird wieder ausgerefft, der Wind hat nachgelassen auf 8 – 9 Knoten, bei einem Windwinkel von 90° segeln wir nun mit 7 – 8 Knoten Fahrt dahin. Es ist sonnig, und auch die Wellen haben ein bisschen abgenommen. Nach 17 Uhr nimmt der Wind wieder zu, mit zwei Umdrehungen auf der Genua fahren wir immer noch um die 10 Knoten, das reicht.

  • On the Sea again: Die Hexe auf dem Atlantik

    Tag 1 des Törns nach Porto Santo: Dienstag, 27. August 2024

    Baro 1017,  Wind N 2-5 Bft., sonnig, warm, die See (noch) flach, später 1 m
    Log 5559, Motor SB 1034 h, BB 1032 h

    Nach umfangreichen Vorbereitungen wegen der langen Zeit in der Marina legen wir ab. Ich bringe noch den Müll raus und die Stegkarte zurück, natürlich nicht, ohne mich vorher mit einer Umarmung bei Isabell aus dem Hafenbüro zu verabschieden. Die Chefin des Hafens, Victoria, hat während unserer Abwesenheit unsere beiden Orchideen gepflegt, sie sehen wunderbar aus.

    Wir starten mit vollem Groß und Genua, aber schon nach wenigen Minuten rollen wir die Genua ein bisschen ein, entgegen der Vorhersage ist plötzlich der Wind stärker als erwartet. Kurz darauf ist es vorbei damit, in der Abdeckung der Insel geht der Wind schlafen, wir müssen gar motoren, dann ist wieder ein bisschen Wind da, und wieder weg und wieder da und wieder weg … und die Wellen sind schwabbelig.

    Erst um 13:30 Uhr bläst es, wie versprochen, sogar mit 12-20 Knoten aus Nord, das Großsegel hört auf zu schlagen, die Wellenbewegungen im Boot werden angenehmer, hoffen wir mal, dass das so bleibt, bis vor Porto Santo der Anker fällt.

    Volker hat ganz viele Videos gedreht, hier ein Zusammenschnitt:

    On the Sea again: Die Hexe wieder auf dem Atlantik

    Und wer es in höherer Auflösung sehen möchte, hier ist der Link zu Youtube:
    https://youtu.be/EA0SCYbwC9I

  • Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 3

    Samstag, 11. Mai 2024 abends, auf See,
    Ankunft in Vila do Porto, Santa Maria, Azoren 11:00 Uhr
    Baro 1025, bedeckt, Wind 6-8 kn, die See unter 1 m
    Etmal um 11 Uhr 125 sm, gesamte Strecke 469 sm

    Ich hab bisher immer Etappe 1 geschrieben, das ist natürlich falsch, weil die Etappe 1 von Lanzarote nach Madeira ging. Jetzt ist es korrigiert!

    Flaute!

    Die See ist ganz ruhig, und leider müssen wir auch motoren, aber damit haben wir gerechnet, als wir aufgebrochen sind, wir wussten, dass wir in die Flautenzone des Azorenhochs kommen würden, der Diesel muss ja auch mal verbraucht werden, sonst wird er schlecht. 

    Zum Abendessen gibt es vom Chef selbst gemachte „Semmelnknödeln“, dazu Rotkraut und Schweinelendchen in dunkler Pilzsauce, was soll ich sagen, mal wieder: „Lecker!“

    Danach folgte ein ausgiebiges Telefonat mit unserer Enkelin Zoey, Mama Allegra hatte gestern ein Video geschickt, in dem Zoey mir ihrer Schwester in einem selbst gebastelten Boot, ich würde es „Pipi-Langstrumpf-Segler“ nennen, die Leinen loswirft, und das Boot ablegt. Vielleicht eine neue Seglerin in der Familie?

    Um 08:30Uhr sehe ich, dass ein großes Passagierschiff, die „Hanseatic Nature“ direkt auf Kollisionskurs auf uns zukommt, ein Kreuzfahrtschiff der Expeditisionsklasse von Hapag Lloyd, es fährt nach Funchal, und – natürlich- weicht es, wie auch wir, nach Steuerbord aus.

    Ab 22:00 Uhr kehrt die Nachtroutine ein, zuerst schläft der Käpt’n in bisschen auf dem Sofa. Ich versuche derweil mein Glück mit der Kurzwelle. Vor Starlink habe ich immer den Wetterbericht auf langen Strecken per email von PredictWind über die Kurzwelle geholt, manchmal haben wir auch von lieben Funkerfreunden ausführliche Interpretationen der Wetterlage per email erhalten. Da wir mittlerweile mit Starlink einen viel einfacheren Zugang zum Internet haben, und somit auch zu den Seewetterberichten, wurde bei uns an Bord diese Form der Information über die Kurzwelle eher vernachlässigt. Aber was wäre, wenn das Starlink mal kaputt ist??? Leider scheint es einenFehler an meinem Pactor-Modem zu geben, denn dort blinken zwei rote Lichter, die da nicht hingehören. Ein bisschen frustriert gehe ich anschließend in die Kabine, und Volker übernimmt die Wache.

    Das Motorsegeln geht leider die ganze Nacht, der Wind ist morgens nur noch 3 Knoten. Das bleibt leider auch so, bis wir bei Santa Maria sind. Als das GPS nur noch sechs Meilen bis zum Hafen anzeigt, bergen wir auch das Großsegel. Laut Hafenmeister Lloyd ist unser Platz am Kopf des ersten Stegs frei, Jens und Martina von der Maje wissen Bescheid, Günther und Monika von der Hugin sollten auch eingetroffen sein. Das klingt nach einer guten Party heute Abend!

  • Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 2

    Freitag, 10. Mai 2024 abends
    Baro 1020, kleine Wölkchen am Himmel,Wind 13 kn, die See höchstens 1 m

    Sonnenuntergang, immer wieder ametwas besonderes auf See

    Sonnenuntergang war um 21:18 Uhr, jetzt, um 22:05 Uhr ist immer noch ein Lichtschein am Himmel zu sehen. Zum Abendessen gibt es Carbonara (ohne Coca-Cola), lecker wie immer, wir haben alles aufgegessen. Direkt nach dem Abspülen wird das Großsegel ausgerefft, ebenso die Genua.

    Unser blinder Passagier mag das gar nicht, wenn wir irgendetwas an den Segeln machen. Wenn es laut wird, fliegt sie immer auf, bisher hat sie jedesmal danach einen Platz gefunden. Wir würden ihr ja auch mal ein bisschen Wasser hinstellen, aber sie sitzt immer an den unmöglichsten Plätzen, und ist sehr scheu, das ist bestimmt eine Wildtaube.

    Samstag, 11. Mai 2024
    Baro 1024, Sonne-Wolken-Mix, Wind 8 – 10 Knoten, die See unter 1 m

    Ein neuer Tag

    Wir konnten die ganz Nacht durch segeln, der Wind blieb stabil nicht unter 10, eher 12 Knoten, hat auch gerade noch durchgehalten bis zum Frühstück um 11 Uhr, aber danach geht die Windgeschwindigkeit runter auf 6 Knoten, und der Windeinfallswinkel fällt unter 50°. Ab Mittag ist es flau – wie vorhergesagt – der Motor wird gestartet, und schiebt mit.

    Unsere Taube ist tatsächlich immer noch da, Volker hat ihr ein paar Brotkrümel hingeschüttet, aber die hat sie nicht angerührt. Hinten auf den schrägen Solarpaneelen können wir ihr auch kein Wasser hinstellen, das würde sofort von der schrägen Fläche ins Meer rutschen. Ich habe sie Nora getauft, weil – wie ich gelesen habe – der Name „anders“ oder „fremd“ bedeutet. Sie ist so menschenscheu, dass sie, als ich mich nur dem Solarpaneel genähert habe, sofort rückwärts gegangen ist. Wir wollen sie ja nicht wieder aufscheuchen, vielleicht hält sie ja durch bis morgen, und kann als madeirischer Flüchtling einen neuen Wohnsitz auf Santa Maria beantragen …

    Hier an Bord ist Routine, schlafen, lesen, essen, Film gucken, ab und an mal den Kurs korrigieren, solange wir gesegelt sind, jetzt fällt das weg. Volker hatte bereits alles vorbereitet, um den Code Zero zu setzen, aber der Wind, bzw. der nicht mehr vorhandene Wind, hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dabei hätten wir doch so gerne das neue Segel hochgezogen.

    Etmal um 15:00 Uhr 168 sm

  • Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 1

    Donnerstag, 9. Mai 2024
    Calheta / Madeira 15:00, 465 sm liegen vor uns
    Baro 1015, sonnig, Wind am Hafen 2 kn, am Ende der Insel 19 kn, die See ca. 1-1,5 m

    Die Palette möchte man nicht treffen!

    Nach unseren Ausflügen auf der schönen Insel Madeira legen wir heute ab in Richtung Santa Maria. Die Windprognosen sind günstig, bei einem vorhergesagten Windwinkel zwischen 60° (bis Freitag Abend) und 80° (bis Samstag Nacht), sollten wir es gut schaffen, im Hellen auf Santa Maria anzukommen. Vorräte haben wir genügend an Bord, Fleisch ist in der Kühltruhe, Gemüse und Obst im Kühlschrank, und auch Brot, Butter und Eier sollten uns nicht ausgehen.

    Zwanzig Minuten nach der Hafenausfahrt steht das Großsegel, noch müssen wir motoren in Lee der Insel. Aber kaum sind wir an der westlichen Ecke, schon sehen wir weiße Pferdchen, Schaumkronen auf dem Wasser. Dort kommt viel Wind, das Großsegel wird erst einmal auf Reff 1 eingebunden. Es werden tatsächlich bis zu 20 Knoten Wind, sehr spitz, Die Genua ist mindestens vier Umdrehungen eingerollt.

    Chillen

    Ab 17:00 Uhr lässt der Wind wieder nach, nun sind es nur noch 8-10 Knoten, zuerst wird die Genua voll ausgerollt, dann auch Reff 1 aus dem Großsegel ausgeschüttet. Als der Skipper von seiner Ausruhzeit erwacht, wird der Windwinkel so spitz, dass wir 20 Grad hätten abfallen müssen. „Nee, das ist nix, da kommen wir zu weit vom Weg ab!“ Also muss der Motor ran, und wir fahren unter Maschine gegenan. Das macht keinen Spaß, muss aber mal sein.

    Splash!

    Nach dem Abendessen, es gab Pizza, den Teig hatten wir noch aus den Resten der letzten Champagne-Friday-Feiern übrig, trotzdem lecker, überlegt es sich der Wind doch noch einmal. Seit 21:30 Uhr segeln wir wieder, das Reff im Groß ist ausgeschüttet. Mann, das ist wirklich viel angenehmer, auch bei den kurzen Wellen schlägt es längt nicht mehr so, wir segeln auf Kurs 305° mit 55° Windeinfallswinkel von Steuerbord. Nett!

    So ähnlich setzt es sich in der Nacht fort, Volker refft irgendwann die Genua zwei Umdrehungen ein, wir kommen gut vorwärts.

    Freitag, 10. Mai 2024
    Auf See, Baro 2019, Sonne-Wolken-Mix; Wind um 14 kn aus N, die See 1,5 m, Wellenperiode 7 Sekunden

    Sonnenaufgang

    Um 07:21 Uhr geht die Sonne auf, wir sind auch wach, es gibt Kaffee (für mich) und Obst und Tee für uns beide. Wir haben wieder mal einen blinden Passagier, also hoffentlich ist sie nicht wirklich blind, die kleine Ringeltaube, die es sich auf unseren Solarpaneelen gemütlich gemacht hat.

    Im AIS sehe ich das Signal von einem französischen Segelboot, das ist bestimmt die OKoume mit Regula und Thomas aus der Schweiz. Sie sind gestern ein paar Stunden vor uns los gefahren, aber es war klar, dass wir sie überholen würden, ihre RM ist ein viel kleineres Boot als unsere Hexe. Wir reden kurz über Funk, und geben den aktuellen Wetterbericht durch.

    Intermar-Konferenz bei Echolink

    Um 08:00 Uhr UTC probiere ich mein Glück mit der Intermar über Kurzwelle zu funken, aber da ist nur ein fernes Rauschen zu hören. Ich probiere es über Echolink, das ist die Internet-Version der Intermar-Funkrunde, dort verstehe ich alles glasklar, über Funk waren meine Rufe auch nicht zu hören, keiner hat reagiert. Fritz aus Schweden und der heutige Netcontrol Klaus-Dieter (wir haben vor Jahren zusammen die Prüfung zur Amateurfunk-Lizenz abgelegt) erklären im Echolink nachher noch, dass die Ausbreitungsbedingungen im Moment sehr schlecht sind. Na gut, dann probieren wir das morgen eben noch einmal.

    Kurz nach dem Frühstück frischt der Wind auf, das freut uns, denn so werden die Meilen gefressen. Aber um 12:20 Uhr muss Reff 1 ins Großsegel, der Wind hat noch weiter aufgefrischt, auf 18 Knoten, das ergibt bei unserem Kurs hoch am Wind eine scheinbare Windgeschwindigkeit von deutlich über 20 Knoten, und ab eben dieser Zahl soll Reff 1 ins Großsegel, laut der Tabelle, die wir von Outremer bekommen haben. Es fühlt sich auch gleich besser an, das Boot schwankt nur noch wie ein buckelndes Pferdchen und nicht mehr wie ein gereizter Stier beim Stierkampf. Die schlagenden Segel beim Reffen haben unsere kleine Taube offensichtlich erschreckt, sie ist ganz aufgeregt ums Vorstag herum geflogen. Mal sehen, ob sie noch einmal wieder kommt.

    15:00 Uhr: Vor 24 Stunden sind wir los gefahren, das Etmal beträgt 174 sm, die Logge zeigt nur 151 sm an, aber gemessen von unserem jetzigen Punkt auf der Seekarte sind es 174. Noch 293 sm bis Santa Maria.

    Der Skipper und sin Fru
  • Angekommen auf Madeira

    Montag 6. Mai 2024

    auf See, Baro unverändert 1015, mal bewölkt, mal sonnig, Wind zwischen 9 und 15 Knoten, Etmal 13 Uhr ca. 170 sm

    Die Nacht war angenehm, Volker hat die Genua ein bisschen ausgerefft, dann auch Reff 2 aus dem Großsegel geholt, am Morgen haben wir zusammen Reff 1 ausgeschüttet und segeln seitdem mit vollem Großsegel und einer ab und zu ein- oder wieder ausgerefften Genua Madeira entgegen.

    Schnell schnell Isabell, nee Hexe

    Der Windwinkel wird immer angenehmer, während er am frühen Morgen noch 70° war, wurde es gegen Mittag immer besser, der Wind drehte, sodass wir einen Windeinfallswinkel von 100-120° bekamen. Bei Windgeschwindigkeiten von um die 15 Knoten wird die Hexe richtig schnell. Und die See hat sich beruhigt, die ruppigen Wellen sind weg, das Segeln wird viel angenehmer.

    Volker inspiziert wieder einmal den Motorraum auf der Steuerbordseite, er findet ein bisschen Diesel, und keinen Hinweis darauf, wo der herkommt. Das Fluchen war erstaunlich leise. Das war aber noch nicht alles für heute.

    Der Hydrogenerator fängt manchmal Sargasso-Gras ein, das blockiert dann die Schraube, und wir bekommen weniger Strom. Wir merken das besonders, wenn die Sonnenpaneele auf dem Geräteträger vom Großsegel verdeckt werden, oder es zu viele Wolken gibt. So begibt sich Volker oft mehrmals am Tag auf die Backbord-Badeplatform, an der der Wassergenerator befestigt ist, hebt den Schaft mit einer dafür vorgesehenen Leine an, zuppelt das Gras raus, und lässt ihn wieder ins Wasser gleiten. Diesmal aber höre ich wieder einen der berühmten Ausdrücke, denn diese Leine zum Hoch- und Niederholen hat sich losgemacht. Volker muss also den ganzen Hydro-Generator von der Halterung abmachen und an Deck holen, um die Leine neu festbinden zu können.

    Ich bin da sowieso immer ein bisschen unruhig, weil die Wellen bei der schnellen Fahrt immer mal die Plattform überspülen, und das Boot sich natürlich auch heftig bewegt. Wenn Volker noch das schwere Ding da über die Stufen hoch trägt, das gefällt mir garnicht. Aber er knotet ganz souverän die Leine wieder an, prüft, ob alle Leinen und Kabel am richtigen Platz sind, bringt das Monster die Stufen wieder hinunter und befestigt es in der Halterung. Zum Glück sitzt der Knoten richtig, und der Arm des Generators mit der Schraube kann wieder ins Wasser gelassen werden. Voller Vorfreude gehen wir am MPPT-Controller nachschauen, ob es funktioniert, und sind arg enttäuscht, dass es dort komisch blinkt, und der Hydro nicht lädt. Bis uns auffällt, dass die Batterien voll sind, und nicht weiter geladen werden können. Später funktioniert wieder alles einwandfrei.

    Es blinkt falsch

    Waren wir zu dem Zeitpunkt noch am Überlegen, ob wir nicht ein Reff ins Großsegel binden sollten, die Genua war schon mit drei Umdrehungen verkleinert, so mussten wir doch später für ca. 20 Minuten den Motor mitlaufen lassen, weil der Wind deutlich unter zehn Knoten fiel und weiter raumte, da schaukelte selbst unsere Hexe nur noch in den Wellen und kommt sehr langsam voran. Aber seitdem läuft sie wieder gut, wir segeln mit gemütlichen 7,5 Knoten über ein flaches Meer. Es ist 23 Uhr und noch 24 Seemeilen bis Calheta.

    Am Abend um 20 Uhr bekommen wir Besuch von einer kleinen Schwalbe, sie sitzt einfach im Salon auf am Fenster, hat Volker sie nach draußen gebracht, und sie fliegt immer um unser Vorstag herum. Kurz vor dem Hafen findet er sie im Cockpit und denkt, sie sei tot, aber als er sie aufhebt, schlägt sie mit den Flügeln und hat wohl nur geschlafen. Danach hat sie sich auf den ungünstigsten Platz verzogen, unterhalb der Stufen zum Steuerstand, wir mussten andauernd aufpassen, dass wir sie am Ende nicht noch zertreten.

    Die Lichter von Madeira

    Am Dienstag, 7. Mai 2023 laufen wir um 02:20 in den Hafen von Calheta ein. Volker meistert die enge Hafeneinfahrt souverän, und auch das Anlegen am Kopf von Steiger B klappt reibungslos. Der ganze Törn war ungefähr 300 sm lang, wir haben 37 Stunden dafür gebraucht, das ergibt einen Schnitt von 8,1 Knoten, not bad!

    Als die Hexe gut vertäut liegt, bringt Volker die kleine Schwalbe an Land, und sie fliegt einfach grußlos weg. Aber heute Morgen sind drei Schwalben über uns weg geflogen, vielleicht war sie dabei …