Kategorie: Logbuch

  • Am 2. Tag wird uns auch nicht langweilig

    Sonntag, 5. Mai 2024

    leicht bis voll bewölkt, Wind zwischen 14 und 20 Knoten, die See unverändert 1,5 bis 2 m, Tagesmeilen von Start heute Mittag bis Mitternacht 73 sm

    Wir segeln weiter einfach so dahin, mal ein bisschen anluven, mal ein bisschen abfallen, bei einem Windeinfallswinkel von ca. 50° und Windgeschwindigkeiten von um 17 Knoten. Die Wellen bleiben weiterhin sehr kurz und ruppig, aber insgesamt besser als in den ersten Stunden. Ab und zu wird die Genua ein Stückchen ein- oder wieder ausgerollt, je nach Stärke des Windes. Wir wechseln uns ab mit kurzen Schläfchen, wobei ich am Nachmittag einen größeren Teil davon abbekommen habe, während Volker höchstens mal eine halbe Stunde in Morpheus’ Armen lag.

    Während der Fahrt werden unsere schönen Elefanten-Karten von Künstlerin Claudia durch “Do not forget”-Zettel abgedeckt

    Damit das nicht zu langweilig wird, höre ich gegen 20 Uhr den berühmten Schrei!

    Was ist passiert? Nun, wir haben gerade mal wieder die Genua um eine Umdrehung gerefft, und alles schien in Ordnung zu sein, da entdeckt Volker, dass an der Schot für das Vorsegel auf der Backbordseite die Ummantelung abgerissen ist. Oh, oh, wenn die Schot reißt, haben wir keinen Spaß.

    Aber Volker wäre nicht Volker, wenn ihm nicht sogleich eine Lösung des Problems einfallen würde. Schnell geht er auf die Suche nach einer anderen, mindestens ebenso langen Leine. Davon haben wir prinzipiell genügend an Bord, sie muss nur auch in dem Durchmesser in die entsprechenden Holepunkte passen. Es gibt eine sehr lange Leine, die lustigerweise auch in der gleichen Farbe ist wie die gerissene, aber sie ist ein klein wenig dünner als die alte.

    Egal, wir wenden, sodass die Genua auf der anderen Seite steht und mit der Steuerbord-Schot gehalten wird, dann löst mein schlauer Skipper mit dem Messer den Knoten der verletzten Backbord-Schot an der Kausch, die kaputte Schot müssen wir jetzt einziehen, ohne dass sie über Bord fällt und in die Motorschraube kommt. Dann hätten wir nämlich noch ein ganz anderes Problem.

    So, und jetzt bindet er die neue Schot ans Schothorn, das Vorsegel wird wieder eingerollt, das Boot zurück gewendet, und auf der richtigen Seite wird die Genua mit der neuen Leine wieder ausgerollt. Nun könnte ja alles in Butter sein, und wir kehren zufrieden an unsere Plätze im Boot zurück. Aber das Problem arbeitet weiter in Volkers Kopf, denn da die neue Schot ein bisschen dünner ist, kann sie unter Umständen durch den Holepunkt rutschen. Es dauert nicht lange, da hat er an der alten Schot die kaputte Stelle mit dem Messer abgeschnitten, geprüft, ob sie immer noch lang genug wäre, und schwupp! wiederholen wir das geniale Manöver. Um 20:40 ist alles wieder, wie es war, und der Skipper zufrieden. Ich bin voller Bewunderung für ihn, die schnelle Reaktion und das super Handling. Hut ab!

    Danach gibt es das verdiente Abendessen, Volker kocht eine Bolognese mit viel Gemüse (sehr lecker), dazu gibt es Muschelnudeln, die kann man aus einer kleinen Schüssel essen, sehr praktisch bei Wellen. Anschließend kann Volker ein bisschen schlafen, ehe ich mich für die Nacht nach unten ins Bett verziehe.

    Während meiner Wache verfolge seit einer Weile das Schiff Chassela, ein 230 m langer Frachter aus Panama, der auf Kollisionskurs zu uns fährt. Kurz vor einem direkten Treffen, dreht er ein bisschen ab, ich sehe die Steuerbord Lichter, dann ist er vorbei, Volker wach und ich im Bett.

  • Kein einfacher Start

    Samstag, 4. Mai 2024
    Calero 13:15 – Papagayo Ankerbucht 14:50, 10 sm
    Sonnig warm, Wind 18 kn aus NO, die See 1,5 m
    Log 4.541, Motorstunden Rechts 992, links 980
    Diesel getankt Rechts 120 Liter, links 115 Liter, gesamt 319,77 €

    Mit Werkzeugen sind wir gut ausgestattet

    Nachdem alle unsere Probleme gelöst scheinen, Volker, und Jan the Electrician, und Alberto, der Volvo-Specialist und Felix, der Handwerker für alle Fälle, alle haben nacheinander fast einen ganzen Tag in unserem Motorraum verbracht, haben wir uns von den vielen Freunden in Calero verabschiedet, schließlich werden wir längere Zeit weg sein.

    Im Hafen tanken wir noch, denn auf Lanzarote ist das Diesel günstig, denn hier gilt nur 7% Mehrwertsteuer. Und schon geht es los. Wir wollen die Nacht am Papagayo Strand ankern, damit wir morgen früh nur Ankerauf gehen können und nicht alle Leinen und Fender versorgen müssen, ehe es richtig los geht. Außerdem haben wir dann schon mal 10 Seemeilen weniger bis Madeira.

    Kaum ist der Anker am Papagayo-Strand gefallen, schon sind Horst und Evelyn von der Lippischen Rose mit dem Beiboot bei uns, denn wir sollen doch zur Philae von Ria und Jan zum Gin&Tonic kommen. Es werden zwei gesellige Stunden, viel Tonic, wenig Gin, aber leckere Pesto mit Schafskäse und Zwieback, ich hatte solchen Hunger!

    Der Wetterbericht für morgen ganz früh steht, wir wollen um 04:00 Uhr aufstehen, es wird ein Amwindkurs, die Wellen 1,6 m, im 7-Sekunden-Takt, das ist nicht traumhaft, aber wir werden es probieren. Morgen um spätestens 5 Uhr wollen wir auf dem Weg sein.

    Zum Abendessen gibt es Kalbsschnitzel und die letzten Spargelstangen aus der Heimat, dann wollen wir zeitig zu Bett gehen, um morgen früh ausgeschlafen zu sein.

    So, das war der langweilige Teil unseres Törns Richtung Madeira, danach wurde es dramatischer.

    ***

    1. Start:
    Papagayo 20:00 Uhr, wolkenlos, Wind NO, die See 1,5 m, wahrer Windwinkel m die 50°, 36 sm

    Wir warten aber nicht bis zum nächsten Morgen, um 20:00 Uhr segeln wir doch schon los, der Kurs ist 325 °, also NW. Wir haben noch einmal gerechnet und sind überzeugt, dass wir auch mit dem ganz frühen Start doch spät, also im Dunkeln ankommen werden. Wir müssten einen Durchschnitt von acht Knoten segeln, das erscheint uns bei dem Kurs, dem Windwinkel und der Gegenströmung utopisch. Also starten wir einfach am Abend, dann müssen wir uns zwar mit zwei Nächten herumschlagen, aber wir sollten im Hellen ankommen.

    Bis zum Leuchtturm Pechiguera, am südwestlichsten Zipfel von Lanzarote, ist es ein Amwindkurs, danach müssen wir weiter anluven auf 325°, das scheint zunächst unmöglich, aber je weiter wir aus dem Schatten der Insel herauskommen, geht auch das. Wir segeln mit Reff 1, das passt gut. Aber plötzlich, gegen 22:00 Uhr, fällt die Hexe dermaßen in die Wellen, es kracht, und man denkt, eben ist was kaputt gegangen, weil der Wind aufgefrischt hat und wir über neun Knoten schnell sind.

    Also muss Reff 2 ins Großsegel. Das geht ganz gut, wir sind ja geübt im Einreffen und Ausreffen, leider haben wir kurzfristig einen ekligen Überläufer auf die Winsch bekommen, den Volker doch mit seiner ganzen Kraft wieder herausziehen kann.

    Dann aber höre ich, am Steuer stehend, einen lauten Fluch von vorne, das versetzt mich immer in Alarmbereitschaft. Manchmal ist das berechtigt, weil wirklich irgendetwas nicht geklappt hat oder etwas kaputt gegangen ist, manchmal ist es auch nur eine vorübergehende Aufregung. Diesmal aber war das laute Gezeter allerdings mehr als berechtigt.

    Wenn unser Großsegel nicht komplett hochgezogen ist, also entweder geborgen oder gerefft ist, fällt es in ein „Lazy Bag“, eine am kompletten Baum entlang befestigte Tuchtasche, deren Außenseite der Länge nach mit Leinen über Umlenkrollen am Mast befestigt ist. Diese Leine war an der Backbord-Seite gerissen, und das gereffte Segeltuch fiel herunter. Oh Schreck! Das kann natürlich nicht so bleiben, denn das Großsegel scheuert bei der unruhigen See auf dem Dach und würde auf die Dauer kaputt gehen. Volker hat Großsegel und Lazy Bag mit Leinen am Baum befestigt, als Provisorium. Zum Reparieren müsste er in den Mast hochgezogen werden, um dort die gerissene Leine wieder zu befestigen.

    Nach kurzem Überlegen beschließen wir umzudrehen, die bisher gesegelten 17 Meilen einfach wieder zurück zum Ankerplatz zu fahren, um die Reparatur am nächsten frühen Morgen, bei Helligkeit und wenn der Wind noch schwach ist, auszuführen. Um halb ein Uhr liegen wir fest am Ankerplatz, nach einem weiteren Stöhnen, weil der blöde Anker beim ersten Versuch nicht gehalten hat, und die 60 Meter Kette wieder aufgeholt und erneut abgelassen werden mussten.

    ***

    Sonntag, 5. Mai 2024

    2. Start:
    Papagayo 12:30, leicht bewölkt, Wind NO 17 kn, See 1,7 m
    Log 4574, Motorstunden rechts 995, links 985

    Frühstück bei Peter und Irene

    Nach einem kräftigen Frühstück, zu dem uns Irene und Peter auf die Zapoli eingeladen haben, brechen wir erneut auf Richtung Madeira.

    Bei netten 16 Knoten segeln wir los, dann frischt es immer weiter auf, der Wind bläst mit über 24 Knoten aus Nord. Unseren Kurs von 325° können wir so nicht halten, zunächst fahren wir gerade mal um 300°. Volker hat Reff 2 bereits vorher in das Großsegel eingebunden, und von der Genua ist nur das berühmte Handtuch draußen. Trotzdem wird der Gang zur Toilette wieder zu einer Übung im Bergsteigen, denn das Boot bockt wie der Stier beim Rodeo.

    Ab 14 Uhr und zehn Seemeilen weiter raumt der Wind etwas und lässt vor allem nach, jetzt sind es nur noch 16-18 Knoten, und die Genua wird wieder ein Stück ausgerollt. Fortsetzung gibt es morgen.

  • Donnerstag, 7. März 2024, Teil 2

    Als wir um sechs Uhr über das Verkehrstrennungsgebiet hinaus sind, wird der Kurs angenehmer, ca. 78 Grad COG, Windeinfallswinkel (TWA) 100 Grad, undwir sind immer noch schnell, um zehn Knoten Fahrt bei 17-18 Knoten Wind. Jetzt darf die Navigatorin fast zwei Stunden schlafen, dann kommt der Skipper dran, der schafft es aber nur auf anderthalb Stunden. Schließlich ist er ja auch der Skipper, smile!

    Während der Wachphasen liest Volker auf seinem Handy, wahrscheinlich wieder etwas über Boote, und ich habe mich aufs Häkeln verlegt, Ostern kommt bald. 

    Eierwärmer

    12:00 Uhr: Der Wind hat weiter abgenommen, auf 13-15 Knoten, und der TWA wird größer, der Wind kommt also weiter von hinten. Die Hexe wird zu langsam, bei 7-8 Knoten Fahrt kommen wir erst am späteren Abend an. Also wird, nachdem die Genua sukzessive immer weiter ausgerefft worden ist, auch das Großsegel auf volle Größe hoch gezogen. Jetzt sind wir, trotz des leichteren Winds von 13 Knoten, immer noch 8-9 Knoten schnell. Das Gute dabei ist, dass auch die Wellen niedriger ausfallen, im Moment sind sie nur ca. einen Meter hoch.

    Zwischendurch kämpfe ich mit dem Plotter, denn die Anzeige von Steuerkurs und Kurs über Grund differieren um mehr als 20 Grad, ebenso wenig stimmt auch die Anzeige unserer Bootsposition mit dem Vorauskurs überein. Das Boot auf dem Bildschirm richtet sich an dem (falschen) Steuerkurs aus, während die Kurslinie den tatsächlichen Kurs über Grund anzeigt. Noch habe ich den Fehler nicht gefunden, das ist leider ziemlich frustrierend. Vielleicht hat ja einer unserer Leser die Zündende Idee.

    Pünktlich um 16 Uhr, wie in der Vorhersage angekündigt, wird der in den letzten Stunden eher schwächelnde Wind (nur 13-14 Knoten!!!) wieder stärker. Zuerst refft Volker die Genua langsam ein, dann muss das Großsegel dran glauben, denn der Windeinfallswinkel beträgt nur noch anspruchsvolle 60-70 Grad statt der gemütlichen 130 Grad. Auch die Wellen sind wieder ein bisschen höher, noch nicht ganz so arg wie am Anfang, aber ab und zu kommt mal eine salzwasserhaltige Welle über.

    Eine halbe Stunde später ist der Traum von Speed vorbei, die Windanzeige gibt sich mit 10 Knoten zufrieden. Zuerst einmal wird die Genua voll ausgerefft, und Volker droht dem Wind schon mal, dass wir, wenn er sich nicht bessert, in 20 Minuten auch das Groß wieder ausreffen werden. Doch der Wind überlegt es sich anders, mit einer starken Böe verspricht er Besserung, wir reffen die Genua wieder ein. Seglerleben halt.

    Noch 20 Meilen bis Puerto Calero!

  • Report von Donnerstag, 7. März 2024, 05:00 Uhr

    Mehr als zwei Wochen haben wir auf der wunderschönen Insel Teneriffa verbracht, und nach der Ankunft auf Lanzarote werden wir detailliert berichten. Nur so viel vorab: Teneriffa hat uns auch diesmal wieder sehr gut gefallen, und es werden sicher mehrere Blogs sein, die unsere verschiedenen Erlebnisse beschreiben. 

    Hier jetzt nur der Anfang unseres heutigen Törns, später gibt es – vielleicht – weitere Updates, je nach Lage an Bord. 

    Nach längerem Hin und Her, die Wetterberichte wurden in den letzten Tagen mehrmals täglich eingeholt, haben wir beschlossen, am Donnerstag Morgen, also heute, ganz früh, so ca. 05:00 Uhr loszufahren. Zwar werden wir durchgehend viel Wind haben, von angenehmen 14 bis zu sportlichen 25 Knoten, aber die Richtung soll gut sein, ein Windeinfallswinkel von 90 bis 110 Grad aus NNW ist vorhergesagt. Bis jetzt stimmt das. Nur die Wellen werden uns beschäftigen, schon jetzt sind es ein bis zwei Meter, ab dem frühen Nachmittag sollen sie bis zu drei Metern steil aufsteigen, allerdings mit einer längeren Periode, ca 11 Sekunden. Das macht die See weniger ruppig, selbst bei höherer Dünung.

    tatsächlich sind wir aber beide kurz nicht erst um halb fünf, sondern bereits kurz nach zwei Uhr wach und beschließen, direkt abzulegen. Natürlich erst, nachdem alles vorbereitet ist, die diversen Landleinen eingeholt oder auf Slip gelegt, die  Mooringleinen los sind, die Gangway eingeholt, ist die Hexe frei. Volker versorgt die Fender noch im Vorhafen, dann geht es hinaus aus Santa Cruz. 

    Draußen wird sofort das Großsegel in Reff 1 gesetzt, später, als wir aus der Abdeckung der ganz hohen Berge sind, kann auch die Genua ausgerollt werden, ebenfalls in Reff 1. Noch sind wir in der Abdeckung der Insel, die Windgeschwindigkeiten liegen bei ca. zehn Knoten.

    Doch das ändert sich schlagartig um kurz vor fünf, nun sind es 20-25 Knoten, und die Hexe schießt mit über 10 Knoten Fahrt dahin. Jetzt müssen wir gut aufpassen, denn wir nähern uns dem Verkehrstrennungsgebiet, das dürfen wir nur rechtwinklig queren, und wir müssen den großen Schiffen ausweichen, die dort wie auf einer Autobahn nach Norden oder nach Süden fahren.

    Hier sieht man das Verkehrstrennungsgebiet, ein großer Tanker kommt von oben, unten fährt die Aida

  • Fastnachtstage auf See

    Rosenmontag, 12. Februar 2024

    Giniginamar 12:00 – Morro Jable 15:30 18,7 sm
    Baro 1017, leicht bewölkt, Wind NO, 9-17 kn

    Heute war ein wunderbarer Segeltag, und vor lauter Freude, dass der Motor schlafen konnte und wir unseren Spaß hatten, habe ich gar kein ordentliches Logbuch geschrieben, deshalb gibt es hier mehr Bilder.

    Am Nachmittag sind wir relativ früh in der Ankerbucht vor Morro Jable angekommen, sind nach dem Ausklaren direkt mit dem Dinghy zur Marina gefahren, und haben einen ausführlichen Landgang eingelegt. Das Beiboot haben wir am äußersten Anlegesteg in der Marina fest gebunden, dann sind wir los gegangen. 9.261 Schritte haben wir gemacht, hoch und runter zur Promenade am Strand, und dann wieder hoch und runter zu unserem Dinghy.

    Vorher gab es an der Promenade einen Drink in einer kleinen Bar am Strand, zur Stärkung für den Rückweg. Und zum Abendessen auf dem Boot kam eine Schöne Melusine in den Ofen, eine Art Auflauf aus einem ganzen Blumenkohl, Hackfleisch, Kartoffeln und einer Ei-Sahne-Soße.

    Faschingsdienstag, 13. Februar 2024

    Morro Jable 04:45 – Pasito Blanco 18:15, 70 sm
    Baro 1016, Wind umlaufend, noch dunkel, aber Sterne

    Glücklicherweise war ich schon wach, als Volker um kurz nach halb sechs Uhr aufgewacht ist und sagt: „Aufstehen! Wir legen ab!“

    Ohne Zähneputzen, aber immerhin warm angezogen, sind wir kurz danach bereit zum Anker aufholen. Noch ist es stockdunkel, wir fahren ein Stück aus der Bucht heraus, dann wird das Großsegel gesetzt. Wind ist noch keiner, also müssen die Motoren arbeiten.

    In der Ferne ist ein helles Licht von einem größeren Boot zu sehen, das aber kein AIS-Signal hat. Nach einer Weile finde ich ein schwaches Echo auf dem Radar. Es ist bestimmt ein Fischer, der nicht so gerne seine Position preisgeben mag.

    Leider hat unser vorsichtiger Segelversuch keinen Erfolg, es wird eine reine Motorfahrt bei 5-8 Knoten Vorwindkurs und konfuser Welle. So geht das den ganzen Tag, bis endlich der Anker in der Bucht von Pasito Blanco fällt. Das war vom seglerischen her kein aufregender Tag, aber da wir so früh aufgestanden sind, haben wir Pasito Blanco rechtzeitig vor der Dunkelheit erreicht. Trotz langsamer Motorfahrt, unter Segeln wären wir schneller gewesen. Zum Abschluss des Tages gibt es Spaghetti Bolognese, eine Wohltat für Magen und Gemüt!

    Aschermittwoch und Valentinstag, 14. Februar 2024

    Pasito Blanco 09:40 – Anfi del Mar 16:00, 27 sm
    Baro 1014, sonnig, ganz leicht diesig, ca. 23°, Wind 8-10 Knoten

    Um kurz nach neun Uhr rufen wir auf Kanal 12 bei der Tankstelle in der Marina von Pasito Blanco an, wir wollen Diesel tanken, falls uns auf unserer Fahrt noch mehr windarme Tage treffen sollten. Ein freundlicher Marinero empfängt uns, wir füllen beide Tanks gut halbvoll auf. In der Marina liegen auch Martina und Ingo mit ihrem Boot, sie kommen auf einen kurzen Schnack an der Tankstelle vorbei.

    Nach der Ausfahrt aus der Marina werden die Segel gesetzt, und wir kreuzen in Richtung Puerto Mogan. Eine Bavaria, die den gleichen Kurs hat, überholen wir spielend in Lee, mehr Höhe als wir kann sie auch nicht fahren. Mein Skipper freut sich.

    Wir segeln wunderbar weiter bis Puerto Mogan, sind dort aber so enttäuscht von dem möglichen Ankerplatz, dass wir kurzentschlossen die Küste weiter hoch fahren, in der Hoffnung, noch eine bessere Bleibe für die Nacht zu finden. Aber die Buchten gefallen uns alle nicht, so beschließen wir, wieder zurück zu motoren, zum richtigen Segeln reicht der Wind nicht mehr aus. Der Anker fällt in der Bucht von Anfi, einem Ferienort mit gigantischen Hotel- und Appartment-Anlagen. Dort finden wir ein mexikanisches Restaurant mit leckerem Essen, mal was anderes als immer nur Tapas ….

    Und wieder einmal haben wie unsere Pläne geändert, wir gehen ab morgen Mittag für ein paar Tage in die Marina Pasito Blanco, leihen uns ein Auto und erkunden die Insel. 

  • Reparaturtag

    Sonntag, 11. Februar 2024, Puerto Calero 08:30 – Giniginamar, Fuerteventura 17:30, 58 sm
    Baro 1019, sonnig, Wind 1-2 Knoten, die See ruhig

    Um 8.30 werfen wir die Leinen los, die Reise nach La Palma startet. Zunächst geht es mangels Wind, nur unter Motor, in Richtung der Ostseite von Fuerteventura, das Meer ist spiegelglatt.

    So glatt das Meer, Lanzarote liegt achteraus

    Heute scheint Reparaturtag zu sein.

    Trotz Windmangels geht das Großsegel nach oben, denn allein schon dessen profilierte und effektive Form, in Kombination mit dem Fahrtwind, ergeben einen halben Knoten schnellere Fahrt als ohne das Segel.

    Die Reparaturstücke sind auf das Großsegel aufgeklebt

    Danach wird es Zeit, das von der Liekleine am Achterliek des Segels durchgescheuerte Segeltuch zu reparieren. Das wollten wir schon lange tun, aber da es sich um eine kosmetische und zeitaufwändige Reparatur handelt, haben wir das bisher erfolgreich, nach dem Trägheitsprinzip ;-), vor uns hergeschoben. Wir schneiden uns passende Reparaturstücke aus weichem Segeltuch zurecht, bestreichen diese einseitig, mit einem dauerelastischen Silikonkleber und kleben es so auf die hintere Kante des Segels. Da wir noch ein paar Stunden unterwegs sein werden, kann der Kleber schön antrocknen, und wir können mal wieder einen Punkt von der To-Do-Liste streichen. Wie man auf dem Foto gut erkennen kann, ist der Job gelungen. 

    Der Wind frischt ein kleines bisschen auf, die Genua wird ausgerollt, während wir mit den Vorbereitungen zum Setzen des bunten Gennakers beginnen. Wir freuen uns nach der Motorfahrt richtig auf eine entspannte Segelpartie mit Leichtwindsegel, wir ziehen den Code D hoch, die Schoten sind gelegt, jetzt muss er nur noch ausgerollt werden. Kaum waren die ersten Meter draußen, da höre ich einen schrecklichen Schrei von der Backbordseite, an der Volker stand: Die Endlosleine am Fuß der Rollanlage hatte sich voll um das Stag gewickelt, der eigentlich leichtgängige Rollmechanismus dreht sich wohl durch den vielen Wüstensand nicht mehr ganz so schnell, wie er sollte.  Mit viel Kraft, List und Tücke, und unter heftigen Flüchen, wird die Leine befreit, und das Segel wieder eingerollt. 

    Die Rollanlage

    Also rollen wir erst einmal wieder die Genua aus, und trimmen sie schön ein. Mit einem halblauten Padäng werden wir auch hier schnell in die Realität zurück geholt: Das Gummi, das die Holepunktverstellung für die Genua nach oben hält, ist gerissen. Schnell findet sich Ersatz.

    Das blaue Gummi hält den Genuaholepunkt oben

    Der Rest des Törns verläuft aber zum Glück unspektakulär. Wir setzen den Gennaker, oder besser gesagt den Code D wieder. Im Laufe der Zeit frischt der Wind immer weiter auf, bis wir mit über 8 Knoten übers Meer rauschen. Der Skipper ist glücklich. 

    Um 16:00 Uhr müssen wir halsen, unser Wegepunkt zum Ankerplatz für die heutige Nacht liegt weiter westlich an der Küste von Fuerteventura. Hier reicht auch die Genua, zumal der Wind weiter auf 15 – 17 Knoten auffrischt. Wir haben noch 14 Meilen bis zur Ankerbucht.

    Unsere Ankerplätze für die nächsten Tage sollten möglichst fern von Ortschaften liegen, da hier bis nächsten Samstag der Karneval mit Umzügen, aber vor allem mit abendlichen Vergnügungen und den entsprechend lauten Bässen gefeiert wird. Und das ist nix für die sensiblen Ohren des Skippers.

    In Giniginamar finden wir einen kleinen Ort mit einer schön geschützten Ankerbucht. Um 17:30 fällt der Anker auf 8 m Wassertiefe auf sandigem Untergrund.

    Ein weiterer wunderbarer Tag auf dem Wasser liegt hinter uns!

    Morgenstimmung in Giniginamare
  • Auf dem Weg zur zweiten Heimat, Tag 3 und 4

    Tag 3: Freitag, 19. Mai 2023

    Wie vorhergesagt wird der Wind stärker, als wir uns Madeira nähern, also wird die Genua mal wieder auf Reff 2 eingedreht. Passage Weather, und unser Wettermann Uwe bestätigt dies, spricht von einer „Acceleration Zone“, mit anschließender Flaute im Windschatten der Insel. Stimmt, um 13 Uhr wird das Großsegel auf volle Größe ausgerefft. Das geht gut bis 16 Uhr, dann sind wir in Lee der Insel, der Wind wird schwächer und raumt, bis wir fast auf Vorwindkurs sind. Nach einigen unnützen Diskussionen, die es zwischen Ehepaaren manchmal gibt, wird der Code D gesetzt, der zickt aber auch – diesmal wirklich der Gennaker – erst nach fünf Versuchen rollt er sich endlich komplett aus. Nicht lange, dann sind wir wieder bei 8-10 Knoten Wind und fahren zwischen fünf und sechs Knoten. Das wird kein schönes Etmal morgen früh! Und der Skipper schimpft, und schimpft und schimpft.

    Volker sitzt m Kartentisch und telefoniert mit Segelfreund Pascal, als der Wind von dem blöden Vorwindkurs auf einen Amwindkurs dreht und deutlich zunimmt – der Gennaker muss weg, die Genua wird ausgerollt, aber nur bis Reff 1. Gleich danach sind es über 17 Knoten scheinbar, das Großsegel wird ebenfalls auf Reff 1 verkleinert.

    Heute gibt es Abendessen aus der Dose, die zweite Portion Lasagne ist für morgen Abend reserviert. In St. Martin haben wir beim Leader Price Königin-Pastetchen und Ragout Fin gekauft, für eine schnelle Mahlzeit. Das ist ja flott warm gemacht, die Pastetchen eben mal kurz im Ofen angewärmt. Ungewöhnlich, das Ragout ist mit kleinen Klößchen angereichert, und nur wenig Fleisch drin, es hätte eigentlich gar keine Pasteten dazu gebraucht, aber es schmeckt.

    Nach dem Abendessen, ich bin mit dem Spülen noch nicht fertig, reffen wir zuerst die Genua wieder aus, zehn Minuten später kommt das Großsegel dran. Als das steht, ist Volker der Meinung, dass es das jetzt war mit den Manövern, zumindest für die Nacht hat er keine Lust mehr auf weitere. Aber cool ist das schon, bei 12 – 14 Knoten Wind aus 70 – 90 Grad sind wir zehn Knoten schnell.

     Halbtagesetmal um 21:30 Uhr 90 sm, nicht doll aber in Ordnung, bei dem unsteten Wind.

    Der scheinbare Wind ist deutlich über 15 Knoten, die Genua wird noch zwei Umdrehungen weggerefft. um 23:15 ist wieder mal das Großsegel mit Reff 1 dran, das war wohl nix, mit heute Nacht keine Manöver mehr! Mal sehen, wie lange das jetzt hält.  

    ***

    Tag 4 Samstag, 20. Mai 2023

    Nachdem das Großsegel in der Nacht in Reff 1 stand, und die Genua noch einmal aus- und wieder eingerefft war, verlief der Rest der Nacht ruhig. Das gab uns Gelegenheit zum Schlafen.

    Ich werde davon wach, dass Volker das Vor- und das Großsegel ausrefft. Eine kleine Reparatur folgt: Die Leine von Reff eins hat sich am Baum aufgescheuert, Volker schneidet das Stück auf dem Cockpitdach sitzend ab, und zieht von der üppig vorhandenen Restleine etwas nach. Fertig.

    Das Etmal ist besser als gedacht, ein bisschen schwächer als an den letzten beiden Tagen, 191 Seemeilen haben wir versegelt, noch 124 sm bis Puerto Calero.

    Volker plant das Festessen zur Ankunft, schickt mich in die Bilge, um die noch vorhandenen Zutaten zu Chili con Carne zu raus zu suchen, Ulrike bekommt eine Liste mit den fehlenden Dingen, die Gäste sind eingeladen, jetzt müssen wir nur noch ankommen.

    Der Wind ist bisher mit 14-15 Knoten gerade an der Grenze zum Gennaker setzten, er soll aber nachlassen. Wir ziehen den Gennaker schon mal am hoch, dann geht das nachher ganz schnell, wir müssen ihn nur noch ausrollen. Gestern war das ja ein bisschen schwierig, bis das Leichtwindsegel sich ausrollen ließ, aber beim Einrollen waren wir sehr vorsichtig, damit das beim nächsten Mal einfacher vonstatten geht.

    oh, oh!

    Als der Wind auf elf Knoten nachgelassen hat, und schön raum ist, wollen wir den Gennaker ausrollen, das müsste ja nur noch ein Kinderspiel sein. Dachten wir … Er ist noch nicht einmal zu einem Viertel ausgerollt, da tut es einen Schlag, das Tuch ist gerissen. Vom Schothorn aus sicher drei Meter in den Stoff hinein. Glücklicherweise lässt es sich wieder einrollen, Volker schaudert es immer noch bei dem Gedanken, was passiert wäre, wenn das bunte Segel bereits komplett ausgerollt gewesen wäre. Dann hätten wir es nicht mehr einrollen können, ich mag gar nicht daran denken, wie wir es wieder nach unten bekommen sollten. Vielleicht kann ich es in Lanzarote selbst reparieren, dann könnten wir diesen hier als Reserve fahren, der neue Gennaker ist fast schon bestellt.

    So motorsegeln wir dahin, nicht so schnell wie erhofft mit dem Leichtwindsegel. Seit 16:30 schweigt der Motor mal für eine kurze Zeit. Es ist schon ein Hin und Her mit dem Wind. Dank Uwe aus Bayern, unserem Wettermann, sind wir darauf vorbereitet, so auch gestern auf die Accelleration zone und die nachfolgende Flaute in der Nähe von Madeira. Um 17:35 macht Volker die Motoren wieder an. Irgendwann wollen wir ja auch ankommen, sonst sind die Freunde für unsere Ankunftsfeier vor uns im Hafen.

    Die atlantische Rundreise vom 23. Januar 2022 bis 21. Mai 2023

    Nun sind es noch 65 Meilen bis zu der südwestlichen Spitze von Lanzarote, dort wird unsere Atlantikrundfahrt vollständig sein, denn wir kreuzen unsere Kurslinie. Am 23. Januar 2022 haben wir in Lanzarote abgelegt, heute Nacht sind 482 Tage vergangen, oder ein Jahr und fast vier Monate, denn wir werden am 21. Mai 2023 ankommen. 

  • Auf dem Weg zur 2. Heimat, Tag 2

    Donnerstag, 18. Mai 2023, Baro 1025, viele Wolken, Wind um 20 Knoten, die See „trés agitée, also ruppig“ , Wellenhöhe ca 2 – 3 m, Frequenz unter sechs Sekunden.

    Sonnenaufgang am 2. Tag auf See

    Um 11:30 Uhr gibt es ein ausgiebiges Frühstück, bei den ununterbrochenen Bewegungen muss Energie nachgefüttert werden. Volker refft die Genua um ein paar Umdrehungen aus, der Wind hat ein ganz kleines bisschen nachgelassen, fängt sich aber bald wieder und bläst mit unverminderter Geschwindigkeit von 20 – 24 Knoten. Wir sind schnell, fahren einen Schnitt von 9,7 Knoten, oft über 10, manchmal sogar 11 Knoten. Seit der Wind kurzfristig etwas abgenommen hatte, wurde die Wellenperiode besser, statt sechs Sekunden kommen sie jetzt im sieben-Sekunden-Takt.

    Es gibt nicht viel zu tun, wir holen ein bisschen von dem fehlenden Schlaf der letzten Nacht nach, lesen, rätseln und rechnen immer wieder, wann wir denn wohl in Calero ankommen werden. Bei den im Presto-Takt heran rauschenden Wellen und der Wellenhöhe ist für mich immer noch jedes Herumlaufen eine Sisyphos-Arbeit, mit meinem nur eingeschränkt vorhandenem Gleichgewichtssinn. Wahrscheinlich komme ich mit Armmuskeln wie ein Preisboxer in Lanzarote an, weil ich mich immer wieder beim Gehen gegen die Schwerkraft abstützen muss, oder mich beim Treppensteigen nach oben ziehe. Und der drehbare Bürostuhl am Kartentisch fordert die Bauchmuskeln heraus. Volker bewegt sich ja souverän übers Boot. Deshalb hat er auch am Abend die Lasagne vorbereitet, ich musste nur noch die Nudeln, die Bolognese- und Bechamelsauce schichten, und ab ging es in den Ofen. Die Gemeinschaftsarbeit schmeckte vorzüglich.

    Der Wetterbericht von PredictWind Offshore sagt bis morgen Vormittag Wind aus Nord bis NNO voraus, wie gewohnt zwischen 18 Knoten, in Böen bis zu 25 Knoten. Die Wellen bleiben bei 2 – 3 Metern, nur die Periode soll noch ein bisschen länger werden, auf sieben bis acht Sekunden. Ab dem Zeitpunkt, da Madeira querab sein wird, soll auch der Wind nachlassen. Volker träumt schon davon, dass wir dann mit Gennaker bei der gleichen Geschwindigkeit bleiben können.. Träumen darf man ja. 

    ***

    In der Nacht zum Freitag hat Volker immer mal wieder das Vorsegel ein- oder ausgerefft, mal hat es aufgefrischt, mal war der Wind wieder weniger geworden. 

    Morgens sammelt Volker die fliegenden Fische ein, die sich leider auf unser Boot verirrt haben, er sagt dann immer: „In Frankreich isst man die, warum probierst Du es nicht?“ Aber irgendwie gehen die nicht so an mich, die sind so klein, und ich weiß gar nicht, was ich mit ihnen anstellen soll. Im Ganzen braten oder grillen, und dann abnagen? Beim Filetieren bliebe ja nix davon übrig. Oder einfach als Fischsuppe kochen?

    Um 07:00 sehe ich einen Fischer auf dem AIS, bisher waren, außer einem Frachter in 20 Meilen Entfernung, keine weiteren Schiffe zu sehen. Um 08:00 kommt doch tatsächlich ein weiterer Frachter unter libanesischer Flagge von rechts auf dem Weg nach Jeddah, Saudi Arabien, der geht aber hinter uns vorbei. Ein bisschen überfüllt hier! ;-)).

    Tagesetmal um 09:30 sind 225 Seemeilen, das gefällt meinem geschwindigkeitsliebenden Skipper.

  • Auf dem Weg zur 2. Heimat, Tag 1: Rein in die Puschen, raus aus den Puschen

    Mittwoch, 17. Mai 2023
    Vila do Porto, Santa Maria , 09:30, 760 Seemeilen direkter Weg bis Lanzarote
    Baro 1025, bedeckt, Wind im Schatten der Insel 6 kn, die See glatt, später Wind bis 24 Knoten, die See 2 m

    Geklebtes Gurtband zur Verstärkung des eingerissenen Großsegels

    Wir lösen die Festmacherleinen und  legen ab, setzen Segel, bergen Segel, weil wir eine kleine Reparatur gestern bei den großen Bootsunterhaltsarbeiten vergessen haben. Volker kümmert sich schnell drum, nach zehn Minuten ist alles wieder gut. Das Großsegel kommt wieder hoch, die Genua wird ausgerollt, nur der Wind stellt sich noch dran. Und mein Skipper! Was der immer schimpfen kann: „Guck Dir das an!  Der Wind kommt von hinten! Du hast gesagt, wir haben 130° Windeinfallswinkel!“ „Gleich motoren wir!“, und so weiter. Ich bin ja dafür zuständig, Wetterberichte einzuholen, und dem Skipper zu berichten, aber wenn die Vorhersagen gerade mal nicht eintreffen, dafür bin ich dann wirklich nicht zuständig, auch wenn Volker das gerne so darstellt, als sei es pure Bosheit von meiner Seite. 

    Glücklicherweise ändert sich die Situation um 10:30, als wir wirklich aus dem Schatten der Insel heraus sind, der Windeinfallswinkel passt, die Windgeschwindigkeit passt. Um 11:00 kommt Reff 1 in die Genua, wenig später wird das Großsegel verkleinert, es sind bis zu 20 Knoten Wind. 11:30 ist die Genua wieder ausgerefft, Volker denkt schon an den Gennaker. Der muss nämlich auch noch getrocknet werden, von dem letzten Einsatz bei der Fahrt aus der Karibik ist er immer noch nass.

     Nach einer erholsamen Stunde Schlaf für den Skipper geht es gleich wieder los, wir reffen alles aus. Inzwischen war der Wind doch wieder bis 13 Knoten angestiegen, jetzt stehen Groß und Genua in voller Schönheit, und die Geschwindigkeitsanzeige hat die Acht vor dem Komma.

    Um 14:30 setzen wir den Gennaker, der macht beim Ausrollen Zicken, d.h. eigentlich nicht der Gennaker, sondern die Furlerleine auf der Rollanlage, der Skipper schickt seine schönsten Flüche übers Meer. Nach einer halben Stunde hat der Wind auf mehr als 17 Knoten aufgefrischt, der Gennaker kommt wieder weg.

    Um 16:00 Uhr wird Reff eins ins Großsegel gebunden und die Genua um eine Umdrehung verkleinert. Der Wind bleibt bei 17-20 Knoten mit einem Windwinkel von 120-130 Grad, und die Hexe ist 9-10 Knoten schnell. Um 17:30 kommen noch zwei Umdrehungen in die Genua, wir haben inzwischen 19-20 Knoten Wind, das blöde dabei sind nur die Wellen, die in sehr kurzen Abständen kommen, und jede Bewegung zu einer Herausforderung an die Muskulatur und den Gleichgewichtssinn werden lassen. Kurz nach dem Abendessen um 20:30 wird die Genua bis Reff 2 eingerollt.

    Apropos Abendessen: Heute Abend gab es von Volker frisch gemachte Frikadellen aus dem Hackfleisch, das ich gestern bei Pingo Doce gekauft hatte. Mit ebenfalls selbst gemachtem Kartoffelbrei und Rote-Beete-Salat. Und die Hackfleischsoße für die Lasagne Morgen Abend ist auch schon fertig.

    21:45, die Windanzeige steigt im scheinbaren Wind auf über 20 Knoten, Zeit, das Großsegel ins zweite Reff zu verkleinern. Nun läuft das Boot etwas ruhiger, die Bewegungen sind nicht ganz so ruppig, so können wir gut in die Nacht fahren. Vorher hatte es auf einmal einen solchen Schlag getan, so laut, das ganze Boot erzitterte. Selbst nach dem Reffen gibt es Wellen, die komplett übergekommen ist. Gut, dass Volker die Polster im Cockpit entfernt hat.

    Das Halbtagesetmal um 21:30 zeigte stolze 103 sm an, trotz zweifachen Segelsetzens und dem leichten Wind der ersten Stunden.

    Die Nacht ist unruhig, zwischendurch frischt der Wind auch gerne mal über 30 Knoten scheinbaren Winds auf, dann piept unser Windalarm. Beim ersten Gepiepse haben wir das Vorsegel noch ein Stück verkleinert, auf die berühmte Handtuchgröße. Das Boot ist so in Ordnung. Aber die Wellen sind der Hammer! Alle 6,5 Sekunden kommt eine neue, das macht schon den Weg zur Toilette oder zum Kühlschrank zu einem Abenteuer, und beim Kochen muss man unbedingt am Herd stehen bleiben, um auf Töpfe und Pfannen aufzupassen.

    Viel geschlafen haben wir nicht in dieser Nacht. Zu laut klingt es im Boot, wenn die Wellen von der Seite anrollen und zwischen den Rümpfen explodieren, da wackelt alles und es klingt wie Donnerschläge. Ruhig zu liegen ist ebenfalls eine schwierige Aufgabe, es ist eher ein Hin-und-her-Rollen.

    Da unser Hydrogenerator leider den Geist aufgegeben hat, werden die Batterien in der Nacht nicht geladen, heute Morgen hatten der Autopilot und die Instrumente 82 Ampèrestunden verbraucht,so musste eben mal kurz der Motor mit laden. Wenn es am Tag so bewölkt ist, kommt nicht genug Licht auf die Solarpaneele. Außerdem fahren wir Richtung Süden, da bekommen die fest installierten auf den Davits nicht so viel Sonne ab.

    Um 09:30 Uhr lese ich das Etmal für die letzten 24 Stunden ab: 220 Seemeilen, eine reife Leistung für Boot und Mannschaft!

  • Back to Europe, letzter Tag

    Dienstag, 10. Mai 2023

    Baro 1025, Nebel, später ergiebiger Regen (hätten wir einen Regenwassersammler, wären unsere Tanks heute voll geworden), Wind zunächst um 5 Knoten von vorne, ab 12:30 (ein bisschen verspätet laut Wettervorhersage) 15 Knoten aus 100° von Steuerbord, die See: nur atlantische Dünung. 

    Die für gestern Abend angekündigte Königinpastete wurde gestrichen, statt dessen gab es eine frisch gekochte Kartoffelsuppe mit Mettwurst.

    

    Morgens müssen wir noch unter Motor fahren, erst ab Mittag kommt ein beständigerer Wind aus Süd mit 15 Knoten im Gepäck. Nach anderthalb Stunden, in denen Volker Mittagsschlaf machen konnte, frischt der Wind immer weiter auf, sodass ich den Skipper wecke: „Wir müssen reffen!“ Zuerst die Genua, 30 Minuten später kommt Reff 1 ins Großsegel. Damit läuft bis jetzt alles stabil, mal sehen, wie lange.

    Trotzdem muss der Motor ein bisschen mitlaufen, es it so kalt im Boot, wir machen für eine Stunde die Heizung an. Das hier ist nichts für die wärme-verwöhnten Karibiksegler! Zieht ein anderes Wolkengebilde durch, kann es sein, dass der Wind auf ein Minimum nachlässt, dann kehrt  er zurück und die Hexe rennt wieder los. Das macht Spaß, denn die See ist schön flach. Einreffen, ausreffen, bei der Genua ist es einfach, da muss nur die Elektrowinsch arbeiten, und der Skipper, wenn er nach dem Verkleinern die Genua wieder dicht holen muss.

    Der Skipper hat das Ruder fest in der Hand

    Um 20:30 Uhr legt Volker sich hin, ich warte am Kartentisch auf die tägliche Funkrunde mit Bernd und Jan um 19:00 UTC, 21:00 unserer Zeit. Bei der Ankunft morgen wird die Uhr noch einmal zwei Stunden vorgestellt, dann sind wir in der Azoren Ortszeit. Jan und Bernd kann ich heute gut verstehen, wir tauschen en paar Fakten über die jeweils erlebten Situationen des Tages aus. Bernd und Rainer hängen leider immer noch in der windarmen Zone, während es bei uns ja eher Starkwind hat. Zum Schluss verabreden wir uns noch einmal zur gleichen Stunde am morgendlichen Tag, ab dann steige ich aus, wir werden hoffentlich nicht die nächsten Abende an Bord verbringen, wir wollen mal schauen, was die Azoren so an kulinarischen Highlights aufzuweisen haben, und welche lokalen Biersorten es hier wohl gibt.

    01:10 Der Wind hat auf über 24 Knoten zugenommen, wir verkleinern – mal wieder – die Genua.

    Der kleine Kalmar hat sich verirrt

    01:40 Mittlerweile weht es mit über 26 Knoten,  Das hat bestimmt etwas mit der Düse zwischen den Inseln Pico und Sao Jorge zu tun, das ist eine Accelleration Zone, wie wir sie von den Kanaren kennen. Die beiden lang gestreckten Inseln, Pico und Sao Jorge,  liegen parallel zu einander, dazwischen wird der Wind kanalisiert. Jetzt muss Reff 2 in das Großsegel. Im Cockpit muss man – wie auf Helgoland  – mit persönlicher Schräglage gegen den Wind ankämpfen; wenn das Boot in den Wind gedreht wird, hat man am Steuerstand das Gefühl, die Haare flögen vom Kopfe.  

    Keine halbe Stunde später ist der Spuk vorbei, die stärkste Düse überwunden, Volker refft die Genua wieder aus. Das Großsegel bleibt erstmal in Reff 2, hier zwischen den Inseln ist nicht klar, wann die nächsten stärkeren Winde anfangen. Wir werden noch zwischen Sao Jorge und Terceira durch fahren, aber Terceira ist ganz rund, während Sao Jorge eben diese langgestreckte Form hat. Da wird schon Wind kommen, aber eher nicht so viel wie noch eben.

    Die Dämmerung, mal dramatisch (Volker), mal verheißend (Cornelia)

    Pustekuchen! Mit der ersten Helligkeit des neuen Tages, geht es wieder los, 27 – 28 Knoten, sogar bis 29 Knoten Wind zeigt das Display am Kartentisch an, die Genua wird wieder auf „Handtuchgröße“ verkleinert. Gut gemacht, je näher wir der Insel kommen, desto mehr frischt der Wind auf, bis 36 Knoten auf dem Display stehen.

    Nach einer Stunde sind wir aus der Starkwindzone raus, die Windgeschwindigkeiten nehmen ab. Leider zeigt sich Terceira in einem etwas einförmigen Grau, doch die fünf (!) Vulkankegel sind aus der Ferne gut zu erkennen. Rechts von der Insel ist der Himmel leicht rosa gefärbt, das macht Hoffnung auf einen nicht komplett bedeckten Tag.

    Ankunft an der Hafeneinfahrt: Mittwoch 10. Mai 2023, um 07:27 (UTC 09:27),nach2414 sm.
    Der Anker ist fest im Grund um 07:47, in der Bucht von Praia Vitoria, Terceira

    Statistik 

    • 2414 sm in
    • 13 Tagen, 19 Stunden = 331 Stunden
    • Durchschnitt Geschwindigkeit 7,3 kn
    • Distanz unter Motor 248 sm
    • Motorstunden 49 h
    • Max Wind 36 kn
    • Max Speed 17,9
    • Niedrigstes Etmal 122 sm
    • höchstes Etmal 221 sm
    • Bierkonsum noch immer 1,75 l, bald ansteigend
    • gegessene Eier 40