Sonntag, 1. Juni 2025, Tag 6 auf See Baro 1025 , bedeckt, Wind N 20 kn , die See 1,5 m Etmal 11:00 164 sm
In der Nacht musste der Motor laufen bis 06:30 Uhr, danach wurde der Windwinkel besser, wir können wieder segeln. Um 08:30 kommt Reff 1 ins Großsegel, wir haben scheinbaren Wind deutlich über 20 Knoten.
Einen kleinen Eindruck von Bord:
Die kleine Rauchschwalbe hat die Nacht leider nicht überlebt, dabei hatte sie sich auf unserem Cockpittisch in ein Handtuch verkrochen. Heute Morgen habe ich eine Möwe um uns herum fliegen sehen, und hatte schon die Befürchtung, dass auch sie als blinder Passagier mitfahren will, aber sie war offensichtlich auf der Jagd nach Essen. Ebenso wie die Herde Delfine, die kurz nach dem Reffen vorbei gekommen sind. Aber leider hatten sie keine Zeit zum Spielen, der Hunger war stärker.
Nach dem Frühstück – wie immer um 11 Uhr, nach dem Ablesen des Etmals – kommen plötzlich Wolken von Luv, die bis zu 24 Knoten Wind mit sich bringen, das ist prinzipiell gut, weil die Geschwindigkeit deutlich nach oben steigt. Aber die konfusen höheren Wellen von der Seite machen das Leben nicht eben einfacher.
Nachdem wir beide nacheinander einen kleinen Mittagsschlaf gemacht haben, wird um 15 Uhr wieder ausgerefft, der Wind hat etwas abgenommen. Es geht heute immer hin und her, so ganz stabil sind Windrichtung und -Stärke nicht.
Volker tauscht die kaputte Leine aus
Bei einem Kontrollgang ums Boot herum entdeckt Volker ein gerissenes Gummi, das sorgt dafür, dass der Block, der die Schot der Leichtwindsegel umleitet, nicht herum schlackert und an die Bordwand schlägt. Das wird ausgetauscht und eine Inspektion des Motorraum wird ebenfalls durchgeführt.
Zum Abendessen gibt es heute Spaghetti Bolognese, danach wird der um 20 Uhr aktualisierte Wetterbericht eingeholt. Für die Nacht sind um 11 Knoten Wind angesagt, Böen bis 17 kn. Der Wind kommt aus Nord, das bedeutet für uns, dass wir einen Amwindkurs fahren müssen. Die Wellen sind zwischen anderthalb und zwei Meter hoch, ein bisschen konfus, aber das kennen wir ja schon. Morgen soll der Wind etwas abnehmen, und dann gegen Mitternacht erreicht uns wahrscheinlich die Flanke eines Tiefs mit Böen bis 30 Knoten.
Samstag, 31. Mai 2025, Tag 5 auf See Baro 10122, leicht bewölkt, Wind W um 3, die See 1 m Etmal um 11:15 Uhr 155 sm
GESTERN war irgendwie ein langweiliger Tag, keine Sonne, kein Wind, dafür Langeweile.
Heute sieht die Welt besser, eben anders aus. Die Tage auf See sind ja alle irgendwie relativ gleichförmig, solange es keine Ereignisse, wie zu viel Wind, etwas geht kaputt, Beinahe-Kollisionen, oder Seetiere gibt. Aber als Segler bevorzuge ich eine gewisse Monotonie auf dem Wasser, statt der unerwünschten Ereignisse. Gleichförmigkeit an Bord bedeutet Seelenfrieden und den gibt es nirgends besser als fernab vom Land und dem Weltgeschehen.
HEUTE aber ist ein besonders schöner Tag auf dem Meer, mit positiven Ereignissen ohne Monotonie, Langeweile, Gleichklang oder Chaos.
Zunächst einmal ist das Meer super friedlich, keine chaotischen oder hohen Wellen, nur eine leichte Dünung bewegt uns und das Boot. Nach einem halb bewölkten Sonnenaufgang verziehen sich die dunklen Wolkengebilde und geben den Blick frei auf einen strahlend blauen Himmel.
Punkt sieben Uhr ist die Capitania wach geworden und mit ihr der Wind. Der Code Zero zieht uns ab da flott durchs Wasser und das Lärmen des Motors hat ein Ende. Um 9 Uhr hat Cornelia Kontakt mit Intermar über die Kurzwelle, zumindest kurzfristig, die Tage davor war im Äther nur ein Rauschen. Um Punkt 10 Uhr macht der Friseursalon auf, und ich verpasse mir einen schönen Sommerhaarschnitt und rasiere mich noch. Aussehen an Bord wird ja oft unterschätzt. Kurz danach, das Wasser ist ja noch schön warm vom motoren, öffnet pünktlich der Duschbereich und es gibt eine ausgiebige Dusche.
Nach soviel Aktivität wird es Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, Toast, gebackene Brötchen, Spiegelei, Rilette aus Fronkreisch, frisch gepresster O-Saft, paradiesische Zustände hier. Damit man doch nicht zu übermütig wird, gibt es nach dem Abwasch ‘ne Bastelstunde in schönster Harmonie mit meiner Liebsten. Der Abfluss des Waschbecken in der Gästekabine ist komplett mit Haaren zugesetzt und das nach schon 8 Jahren?
Dann kommt er angeflogen, der Vogel, die Rauchschwalbe, wie aus dem Nichts und flattert gleich mal in den Salon. So natürlich nicht, draußen darf der Piepmatz sein, aber nicht im Boot. Das Rein-Raus-Spiel wiederholt sich mehrfach, bis der Vogel endlich seinen wahren Platz an Bord gefunden hat und das Ruder übernimmt. Währenddessen rauschen wir weiter zum englischen Kanal, 8 Knoten schnell und Ouessant ist noch 680 Seemeilen entfernt.
Irgendwann ist der Vogel davon geflogen, es gibt leckere Kaffeestückchen, noch aus Madeira, da die relativ fett sind, halten sie sich auch noch am Tag 5 auf See prächtig.
Gekocht wir später auch, Gulasch, selbstgemachte Semmelknödel mit Speck und Lauch und Rotkohl.
Freitag, 30. Mai 2025, Tag 4 auf See Baro 1022, leicht bewölkt, Wind West um 12 Knoten (Das ist immer der Stand am Morgen, wenn ich anfange Logbuch zu schreiben, und ändert sich im Laufe des Tages) Etmal um 11:00 Uhr 169 sm
Mit dem Code Zero fahren wir durch die dritte Nacht, es gibt es mehr zu tun und folglich weniger Schlaf – vor allem für Volker – als bei Motorfahrt, zumal der Wind sowohl in Stärke wie in Richtung nicht ganz stabil ist. Das Meer ist ruhig, abgesehen von einer leichten Dünung bleibt die Windwelle gering. Kurz vor Sonnenaufgang löse ich Volker ab, damit er mal ohne Unterbrechung schlafen kann.
Ein winziger Tintenfisch und ein hübscher fliegender Fisch haben leider in der Nacht den tödlichen Weg auf die Hexe gefunden. Fliegende Fische hatten wir schon öfter, hier gibt es diese wunderschönen Arten mit vier Flügeln. Aber wie die kleine Sepia den Höhenflug geschafft haben soll? Wir hatten schon öfter Sepien auf dem Deck, trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, wie sie den Sprung in die Höhe bewältigen.
An Bord geht es entspannt weiter. Der Code Zero steht immer noch, nach 08:00 Uhr morgens hole ich den neuen Wetterbericht, danach diskutieren wir die möglichen Strategien, die uns die verschiedenen Modelle anbieten. Ich setze einen neuen Wegepunkt auf unsere Route, denn wir können wir leider nicht auf dem direkten Weg nach genau Ouessant fahren, dabei kämen wir entweder in Flautenzonen oder in Felder mit zuviel Wind oder Gegenwind.
Die blauen Zonen gilt es zu vermeiden
Es gibt Frühstück; wenn wir unterwegs sind, essen wir immer am Kartentisch, ich sitze auf dem Stuhl und Volker an der Ecke des Sofas, der Laptop muss weg, dafür kommt eine Tischdecke drauf, und dann wird gegessen. Abwechselnd holen wir ein bisschen Schlaf nach.
So geht der Tag weiter, der Wind dreht am Nachmittag weiter nach vorne, wir bergen den Code Zero und setzen die Genua, dann nimmt der Wind immer weiter ab, seit 17 Uhr schiebt der Motor mit. Das bleibt so, bis ich nach dem Abendessen (Kürbissuppe, köstlich!) den aktuellen Wetterbericht hole. Viel Wind für diese Nacht verspricht der auch nicht, aber kurzfristig konnten wir wieder mit dem Code Zero fahren. Wir haben scheinbaren Wind mit 8 Knoten aus 50 Grad, und fahren immerhin zwischen fünf und sechs Knoten über Grund. Leider hält der Zauber nicht lange, um 22 Uhr motoren wir wieder, mal schauen, was die Nacht so bringt.
Einen kleinen Spalt in den Wolke für einen schönen Sonnenuntergang
Volker hat ja gestern schon geschrieben, aber der Vollständigkeit halber stelle ich für den Tag 2 auch mein Logbuch in unseren Blog.
Mittwoch, 28. Mai 2025, Tag 2 auf See Baro 1027, wolkig, Wind nachts bis 24, am Vormittag um 18 Knoten NNO Etmal 11:00 232 sm (!)
Da lag ich doch um 00:30 in schönstem Tiefschlaf, als Volker mich sehr eindringlich aufforderte, wach zu werden. „Um uns herum sind lauter Lichter, was soll das?“ Weder im AIS noch im Radar war davon etwas zu sehen. Klar, die Empfindlichkeit vom Radar hatte ich herunter gestellt wegen des Echos der zahlreichen hohen Wellen, sonst hätte keiner von uns hier ein Auge zugetan, wenn der Alarm dauernd gepiepst hätte. So aber piepste es nur manchmal ohne Grund. Aber die Lichter warfen offensichtlich nicht genug Echo ab. Es war gespenstisch! Wir standen oben am Steuerrad, und rings herum blinkte es. „Das ist ein treibendes Fischernetz“, sagte Volker, „aber wo ist der Fischer hin?“ Tatsächlich war im 100 Meilen Umkreis kein AIS-Signal sichtbar. „Wir müssen da jetzt durch, das ist kilometerlang!“ Mit angehaltenem Atem fahren wir weiter, und glücklicherweise ist nichts passiert, aber das war ein schöner Schreck.
Der Rest der Nacht ist unspektakulär, mal ein bisschen ein-, dann wieder ein bisschen ausreffen. Am frühen Morgen entdeckt Volker bei einem Kontrollblick eine ganze Herde Delfine, sie spielen mit dem Boot.
Bei uns herrscht die normale Bordroutine, Logbuch schreiben, dank Starlink können wir Wetterberichte abholen, denn mein Kontakt über die Kurzwelle zu Intermar hat heute morgen leider gar nicht funktioniert. Ich versuche mich daran, wegen der fehlenden Daten über wahren Wind und Kurs diese zu errechnen, aber die Seiten im Internet sind entweder zu lasch, oder hochkompliziert, zumindest für mich, da ich die höheren Weihen der Mathematik lieber gegen musikalische oder Bühnenwerke eingetauscht habe. Aber es ärgert mich doch ein bisschen, dass ich das nicht kapiere.
Um 15:30 wird Reff 2 ausgeschüttet, auch die Genua hat nur noch ein Reff, die Wellen haben sich beruhigt und weisen nur noch eine Höhe von ca. 1,5 m auf.
Zum Abendessen gibt es Wraps, sehr sehr lecker, nur relativ schwierig zu essen, selbst bei ruhiger Fahrt.
Delfine
Donnerstag, 29. Mai 2025, auf See Baro 1022, bewölkt, Wind N 6-8 Knoten, die See glatt Etmal 12:00 154 sm
01:30 auch Reff 1 ist ausgeschüttet. Kurs 346 Grad 02:37 Motoren an, der Wind ist weg
Nachdem um 02:37 der Motoren angeschaltet war, verlief die Nacht ruhig, die Wellen sind komplett runtergegangen, und es wackelt fast nicht mehr. Das ist zwar ganz angenehm so für die Bewegung an Bord, aber wir sind ja nun ein Segelboot, und fahren unter Segeln auch deutlich schneller als mit dem Motor. Heute Abend soll der Wind auf Südwest drehen und sich langsam stabilisieren.
Im Gegensatz zu meinem frustrierenden Lernerfolg gestern mit Sinus und Cosinus für die Berechnung des wahren Windes, habe ich heute ein Erfolgserlebnis gehabt. An einigen Stellen in der Seekarte war die Detail-Ansicht gar gruselig, bunt, mit Rasterpunkten und damit völlig unübersichtlich. Und das zeigte sich nur an manchen Stellen. Es hat mich ganz wuschig gemacht. Nach längeren Recherchen habe ich endlich herausgefunden, dass man es abstellen kann, es ist ein besonderes Feature, an manchen Stellen ist der Meeresgrund so gut kartographiert, dass man es darstellen kann. Aber, herrje, darauf will ich verzichten!
mit Meeresgrund, nein!so ist es viel besser!
Um 11:30 wird das Großsegel geborgen, der Kurs, der uns am schnellsten zum Wind führen soll, geht genau gegenan, da bringt das Segel nichts, und schlägt nur bei den kleinsten Abweichungen.
Es dauert nicht lange, nach 15 Uhr ziehen Großsegel und Genua uns gen Norden, nach 16 Uhr kommt der Code Zero mal wieder an die frische Luft, der Windwinkel hat sich so geändert dass wir damit Kurs 360 Grad fahren können. Denn der Wind hat glücklicherweise doch wieder aufgefrischt, wir haben ca. 11 Knoten scheinbaren Wind aus 50 – 60 Grad, da ist diese Besegelung gerade richtig. Nach eingehendem Studium des neuen Wetterberichts werden wir das Leichtwindsegel auch – entgegen unserer Gewohnheit – nachts stehen lassen, damit wir ein bisschen voran kommen. Immerhin sind wir seit Lanzarote 10 Grad weiter im Norden gesegelt.
Heute gab es Schnitzel mit Kartoffeln und Blumenkohl mit Hollandaise Sauce, nun geht es wieder in den Bords-Schlaf-Rhythmus. Bis morgen!
Heute überlasst die Capitania mal wieder mir die Computertastatur, damit ich meine Gedanken zu Papier oder besser gesagt, zu Bildschirm, bringen kann. Erstmal eine kurze Zusammenfassung der letzten Nacht: zwei Wörter würden reichen, bäng bäng.
Hohe Wellen, kombiniert mit viel Wind, dazu der Kurs, haben doch zu einigen unsanften Aufschlägen der Rümpfe auf dem Wasser und zu einer verkürzten Nachtruhe geführt. Seit dem wolkenverhangenen Tagesanbruch segeln wir, weiterhin im 2. Reff, hoch am Wind.
So richtig Spaß macht das auch nicht, doch wir bewegen uns in die gewünschte Richtung, hin zum Tiefdruckgebiet, das weiter nordwärts auf uns wartet. Das soll uns dann planmäßig in Richtung Festland Europa, irgendwo zwischen A Coruña und Brest bringen. Dazwischen gibt es eine Flautenzone, die wir durchmotoren werden, und dann noch ein weiteres kleines Tief weiter nördlich.
Rigg-Check vor der Abfahrt
Kleiner Zeitsprung zurück! Vorgestern habe ich mit Wes noch einen gründlichen Mastcheck durchgeführt. Ich bin den Mast hoch, habe alle Beschläge, Terminals, Wanten und Verstagungen inspiziert und fotografiert. Danach haben wir uns die hochaufgelösten Bilder zusammen am großen Computerbildschirm angeschaut. Fazit, es gibt nix zu beanstanden, wir können glücklicherweise auf große Fahrt gehen. Klar gilt eine Mastinspektion immer nur für den Moment wider, in dem sie ausgeführt wird. Risse oder kleine Brüche durch Überlastung oder Materialfehler können schon beim nächsten Segeln entstehen, doch es beruhigt erstmal ungemein, wenn man nix Auffälliges findet.
Solche hübschen Schuhchen bräuchten wir für die Logge
Danach haben wir noch die Ankerwinsch zerlegt und gereinigt. Alles ist soweit technisch top in Ordnung an Bord. Obwohl, es ist ja immer was. Heute früh fällt plötzlich die Logge aus und zeigt keine Geschwindigkeit durchs mehr Wasser an. Damit fällt auch der wahre Windwinkel und die wahre Windgeschwindigkeit weg, weil das nun die Elektronik nicht mehr berechnen kann. Aber es stört uns nicht. So einen Schnickschnack hatten wir früher auch nicht an Bord, das hält uns daher nicht vom Weitersegeln ab. On Top, eine Ersatzlogge haben wir dabei, nur nicht die richtigen kleinen Kabelschuhe. Man kann ja nun auch wirklich nicht jeden Mist mit sich rumschleppen, oder?
Jetzt sieht es so aus, als ob wir gleich das 2. Reff ausschütten können, wie der Segler so schön sagt, der Wind lässt wie vorhergesehen etwas nach. Zum Ende der kommenden Nacht wird gewendet werden, dann liegt Nordost-Kurs an. Insgesamt werden wir wohl weitere 6-7 Tage segeln, bis wir wieder festes Land unter die Füße bekommen werden.
Dienstag, 27. Mai 2025 Calheta 11:10 Baro 1023, Sonne-Wolken-Mix, Wind im Süden um 9 Knoten, am westlichen Ende bis 35 Knoten, nach der Accelleration Zone um 20 Knoten, die See ca. 2,5 – 3 m Motorstunden links 1088, rechts 1093, Logge (sie geht wieder, Hurra!) 7095 nm
Heute werden uns Wes und Roisin verlassen, sie müssen zurück nach Lanzarote, es gibt noch einiges an ihrem Katamaran „Time“ zu tun, bevor auch sie auf große Segelreisen starten können.
Als erstes wird der nahe gelegene Pingo Doce geplündert, mit dem gut gefüllten Einkaufswagen fahren wir bis vor das Boot. Der Tiefkühler ist jetzt proppevoll, da geht gar nichts mehr rein, der Kühlschrank ebenso, und draußen, in unserer Gemüse-Backskiste stapeln sich Kartoffeln, Zwiebeln, weiße Rüben, Blumenkohl, Lauch, Kürbis, Blumenkohl etc. sowie unempfindlicheren Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Orangen und Zitronen.
Die Hexe bekommt auch Proviant in Form von Diesel, und um 11:11 Uhr legen wir ab.
In Lee der Insel herrscht ein zarter achterlicher Wind, doch als wir an das westliche Kap kommen, sieht Volker schon die „weißen Pferdchen“, aber diesmal sind es eher große Rösser, die da aus dem Wasser steigen. Die Wellen haben dort sicher 3,5 m Höhe, und der Wind frischt auf, in Böen bis zu 35 Knoten. Volker hat vorsichtshalber das Großsegel nur bis Reff 2 hochgezogen, die Genua ist bei dem stärksten Wind in Reff 4, und die Hexe tanzt mit 9 Knoten auf den Wellen.
Alles ist soweit gesichert an Bord, der Wassersprudler in Decken eingepackt, die Kaffeemaschine an einem sicheren Platz, alle Schranktüren und die Schubladen sind verriegelt. Nur, warum ich gestern noch die Glastüren im Cockpit geputzt habe, weiß ich auch nicht, da kam doch gleich die Spray von so ein paar vorwitzigen Wellen herein, obwohl Volker schon vorausschauend das Cockpitzelt in Luv verschlossen hat.
Frühstück gibt es unter diesen Umständen aus der Hand, das Ei konnte ich gerade noch vorher kochen, Kaffee gab es morgens schon mit Wes und Roisin.
!5:00 Uhr: Der Wind hat nachgelassen und bläst nur noch mit 15-19 Knoten aus NNO, die Genua wurde etwas ausgerefft und wir konnten ein bisschen anluven. Unser Wunschziel ist nämlich nicht mehr Santa Maria auf den Azoren, wir wollen versuchen, doch zum Englischen Kanal hochzukommen, solange der Wind noch halbwegs gut in die Richtung bläst.
Jetzt ist schon viel angenehmer als unmittelbar bei der Insel, aber die Hexe tanzt doch noch wild übers Meer. Am Ende habe ich dann so viele blaue Flecken, dass es aussieht, als habe mich ein Dilettant tätowiert. Der Wind bewegt sich immer zwischen 15 und 24 Knoten, die Genua wird zwei Umdrehung ein- und wieder ausgerefft, aber trotz der Wellen sind wir schnell unterwegs, auf der Logge stehen nach zehneinhalb Stunden 94 sm!
Zum Abendessen gibt es heute Carbonara, das geht am einfachsten zu kochen für Volker auf diesem Rodeo-Kahn hier. Das Bett ist bereitet, also der Tisch im Salon abgesenkt, mit Polstern gefüllt, hier werden wir mit Unterbrechungen die Nacht verbringen. Ab morgen Nachmittag soll es etwas ruhiger sein, wir werden sehen!
08:30 Uhr Volker will das Boot vom Salz befreien und geht nach vorne mit dem Schlauch. Ich höre drinnen nur ein leises „Nein“, und weiß, da kommt irgendetwas ganz Schlimmes! Wenn es nur eine kleine Katastrophe ist, schreit er ganz laut und entsetzt „NEIIIIN“, aber diesmal war es wirklich nur ein „Oh nein“.
Bruchauch am Pylon
An dem Metalldraht am „Martingal“ (Volker nennt das so), sind zwei Metallstränge von insgesamt 19 gebrochen. Die Arbeitsweise dieser Verspannung in Verbindung mit dem Draht und der Traverse ist ähnlich der einer Brückenkonstruktion. Der Draht läuft über einen erhöhten Pylon und dieser Pylon drückt durch den Druck und die Spannung des Drahtes die darunter liegende Traverse nach unten. Das wirkt den Zugkräften von Gennaker, Genua und anderen Vorsegeln entgegen. Die Traverse stabilisiert zudem noch die weit entfernten Bugs.
Wie das passieren konnte? Wir wissen es nicht. Klar, gestern gab es Wellen und Wind, aber es waren keine fünf Meter hohen Monsterwellen, und es war nur ein Wind von nicht mehr als sechs Beaufort. Und wir waren im 2. Reff im Großsegel, und die Genua im 3. Das Boot ging hoch und runter, ist aber in kein Wellental gekracht. Eventuell kann man von einem Materialversagen des Drahtes sprechen.
Egal wie…
Zuerst muss entschieden werden, wo wir jetzt hinfahren, wir sind ja schon weit draußen auf dem Atlantik. Denn dass wir mit dem Schaden am Draht unsere Reise wie geplant fortsetzen können, daran ist gar kein Gedanke zu verschwenden. Zuerst muss das repariert werden, das steht fest. Fahren wir nach Lagos an der portugiesischen Algarve oder zurück nach Lanzarote? Beide Strecken sind fast gleich lang. Oder vielleicht doch nur bis Madeira? Madeira und Lanzarote haben den Vorteil, dass wir mit achterlichem Wind fahren, das bringt weniger Druck auf die Struktur als ein Halbwindkurs Richtung Lagos. Obwohl das natürlich gut wäre, es ist nicht so weit von Outremer entfernt, sodass benötigte Ersatzteile einfacher geliefert werden könnten. Und es wäre kein Zurück, nur ein „Anderswohin“.
Inzwischen sind wir aber doch zurück auf dem Weg nach Madeira, wir haben den Mast mit Fallen nach Backbord und nach Steuerbord verspannt, und nun motorsegeln wir mit dem Großsegel bei achterlichem Wind vorsichtig wieder nach Süden. Welche Marina es wird, Calheta oder wieder Quinta do Lorde, wird sich in der nächsten Stunde herausstellen, Freund Uli kennt einen Mechaniker auf Madeira, der sich unseres Sorgenkindes annehmen will.
Nun hatte ich bis heute morgen gedacht, „Jetzt haben wir den ersten und anstrengendsten Teil unserer Reise hinter uns, jetzt kommt die Kür.“ Die Nacht war gut, wir sind schön gesegelt, und nun wird paar Stunden mit Motor gefahren, dann geht es ganz wunderbar mit halbem Wind auf A Coruña zu. Wir haben schon gemutmaßt, ob es vielleicht doch gleich weitergehen könnte, Richtung Concarneau. Nee, das waren nur Schimären!
Jetzt fahren wir nach Calheta, dort konnte ich einen Platz reservieren, Miguel wird kommen, und Wes und hoffentlich auch die fehlenden Teile von Outremer. Madeira ist ja schön, aber ewig wollen wir auch nicht dort bleiben. Mal sehen, was die Tage so bringen!
Also liebe Hexenblogfans, drückt bitte ganz fest die Daumen, dass jemand den passenden Draht, die passenden Walzterminals und eine starke hydraulische Pressmaschine auf Madeira hat, ansonsten haben wir ein echtes Problem.
Leider hatte der Wetterbericht von heute morgen keine Anstalten gemacht, uns mit besseren Aussichten zu versorgen, aber wir wagen es trotzdem, wir lösen die Leinen für die Überfahrt zum Festland Europa. Zwischendurch werden wir wohl durch Flautenlöcher motoren müssen, danach winkt ein angenehmerer Nordwestwind. Am Anfang allerdings wird es nicht so schön, wir werden bei stärkerem Wind ein großes Stück Richtung NNW halten müssen, statt auf Kurs nach Nordosten zu fahren.
JetztFlaute am MontaAm Mittwoch passt der Wind
Was der Wetterbericht aber nicht vorausgesagt hat, waren 25 Knoten Wind und drei Meter hohe, kurze kabbelige Wellen. Es ist uns in all der Zeit, seit wir auf dem Katamaran segeln, noch nie passiert, dass die kleine DeLonghi Kaffeemaschine umgefallen ist, aber heute haben die Wellen das geschafft.
***
Doch von Anfang an: Gestern hatten wir noch einen schönen Abend mit Johann und Christine von der schönen Fountaine Pajot verbracht, am Abend vorher waren es Uli und Alex von der Calypso, wir haben eine Französisch-Schweizer Familie kennengelernt, die uns auf einen Drink in ihr Appartement eingeladen haben, es fühlte sich schon fast an wie in Puerto Calero, wo man fast jeden kennt.
Madeira hat uns wieder gut gefallen. Die Mädels im Hafenbüro sind einfach nur klasse, sie begrüßen – wie eigentlich alle auf den portugiesischen Inseln – jeden mit einem lächelnden „Guten Tag, wie geht es?“ Und wenn man etwas wissen will, braucht oder nur so, man bekommt immer eine nette Auskunft, und sie sind sehr hilfsbereit. Wenn ich nur daran denke, dass ich für Lukasz ein Leihauto bestellen konnte, ohne dass wir überhaupt in den Hafen kommen wollten!
Das neu eröffnete HotelEin FeierabendbierWilde Felsformationen
Aber schließlich sind wir ja doch in der Marina Quinta do Lorde gelandet, und weil das Auto ja für zwei Tage bezahlt war, haben wir es nach Lukasz’s Abflug übernommen, und noch einen Großeinkauf im Continente gemacht, damit wir ausreichend für die Überfahrt versorgt sein werden. Am Abend sind wir zu einem Restaurant oberhalb von dem Nachbarort „Machico“ gefahren, dem Restaurant „O Forno“, auf Deutsch „Der Ofen“. Das war eine gute Wahl, denn dort waren nur portugiesische Gäste, im Innenraum gab es karierte Tischdecken, wie früher im Elsass in den einschlägigen Kneipen, wir saßen in einer Art Wintergarten mit blanken Tischen und einem sensationellem Blick über die Bucht und die See.
Volker hatte sich Grillhähnchen bestellt, „Frango“ auf portugiesisch, und ich wollte die hiesige Variante von Fish and Chips probieren. Vorher gab es noch „Pao com Alho“, Knoblauchbrot, aber das war lecker! Das war ein richtiger Brotteig, als Fladen über dem Holzfeuer gebacken, aufgeschnitten und mit reichlich Knoblauch und Olivenöl gefüllt, delikat.
KnoblauchbrotDer Galgen …… ist bestückt
Dann wurde ein riesiger Metallarm an unserem Tisch festgeschraubt, und wir waren schon sehr gespannt. Tatsächlich wurde daran ein Spieß mit Hähnchenteilen aufgehängt, noch ein bisschen Butter über die heißen Fleischstücke geträufelt und es schmeckte so lecker. Auch mein panierter Fisch war das Beste, was ich an Fisch in dieser Form gegessen habe, es war nicht nur einfach so paniert, sondern mit vielen Kräutern, Gewürzen, wiederum reichlich Knoblauch und Olivenöl dazu, einfach nur ein Gedicht. Und viel zuviel!
Außerdem musste auch noch ein Abfluss von der Backskisten-Entwässerung neu eingedichtet werden, dort sammelte sich immer das Wasser, weil es nicht ordentlich ablaufen konnte. Aber das war eigentlich nur eine Kleinigkeit für meinen ausgefuchsten Bootsmechaniker, ein bisschen Abschrauben, Säubern, und Silikon, schon ist auch das wieder gerichtet.
***
Um 08:00 Uhr heute morgen war es soweit, wir legen los. Um 08:30 Uhr waren wir klar, die Jungs von dem französischen „Sozialarbeiterboot“ gegenüber haben uns mit dem Loswerfen der Achterleine geholfen, und schon waren wir draußen. In Lee der Insel ist die See noch ruhig, nur der Wind bläst durch die Düsen, die von den Bergen gebildet werden, mit bis zu 27 Knoten. Aber als wir aus dem Windschatten der Insel raus kommen, fängt das Geschaukel an. Von drei Meter Welle hat auch kein Wetterbericht geschrieben.
Frühstück
Naja, wir schaukeln uns so durch, alle Türen sind fest geschlossen, alle Schubladen gesichert, es gibt Frühstück, wie immer auf den Überfahrten am Kartentisch. Gerade haben wir abgedeckt, da ertönt um 12:30 Uhr der Bilgenalarm! “Bitte nicht!“ bringe ich nur heraus, nach den Erfahrungen von der letzten Überfahrt. Volker geht zu dem Backbord Motorraum. Tatsächlich ist da Wasser zu sehen, er steigt also, trotz des Wellengangs, in die Kammer hinab, wischt alles trocken, aber es scheint, dass es nur Reste des Wassers von der letzten Reparatur waren, die durch die extremen Schiffsbewegungen aus den hintersten Ecken hervor gekommen sind.
Inzwischen hat der Wind nachgelassen auf 14 – 16 Knoten, auch die Wellen sind deutlich runter gegangen, es ist insgesamt viel angenehmer. Trotzdem fahren wir – mit zwei Reffs im Großsegel und einem in der Genua, weiterhin auf einem strengen Amwindkurs mit 6 – 7 Knoten. Heute Nacht soll auch der Wind einschlafen, dann werden wir auf den Idealkurs gehen, jetzt fahren wir 60 Grad daneben, 330° statt 30°.
Soviel für heute, morgen berichten wir weiter von unserer Überfahrt.
Am Nachmittag setzen Volker und Lukasz den Code Zero, bei 90 bis 110 Grad Windeinfallswinkel segelt die Hexe damit flott. Der restliche Tag verläuft ziemlich ereignislos, bald sind wir aus dem Gebiet mit den großen Frachtern raus, nur der etwas wechselhafte Wind beschäftigt den jeweiligen Rudergänger.
Zum Abendessen gibt es lecker Spargel mit Steak und Kartoffeln, und für die Nacht wird schließlich der Code Zero geborgen, damit auch Volker zwischendurch ruhig schlafen kann. Durch die zurückliegende Nacht sind wir mit ungerefftem Großsegel und der Genua gesegelt, bei 8-11 Knoten Wind von der Seite. Die See war sehr ruhig, der Mond halbvoll, ein schönes, ruhiges Szenario nach all der segelfreien Zeit
Dienstag, 6. Mai 2025, auf See
Der Gennaker steht
Bei dem ersten Hauch des Tageslichts setzen Volker und Lukasz wieder den golden glänzenden Code Zero, damit überholen wir spielend die Calypso, ein 12 m langer holländischer Einrumpfer, der aber wirklich sehr langsam fährt. Dass es ein niederländisches Boot ist, erkennen wir an der MMSI-Nr. und am Funk-Rufzeichen, das mit PE beginnt.
Im Laufe des Tages raumt der Wind weiter und nimmt eher ab, um 12:30 wird auf den bunten Gennaker gewechselt. Der kann stehen bleiben bis 15 Uhr, dann muss das Segel weg, und der Motor wird gestartet. Schließlich wollen wir noch vor Mitternacht in der Ensenada de Abra ankommen, einer Ankerbucht in der Nähe der Marina Quinta do Lorde.
Doch dann kam erstmal alles anders als gedacht.
Fangen wir mit dem Wetter an. Der neu eingeholte Wetterbericht sagte plötzlich für die kommende Nacht südliche Winde mit 4-5 Beaufort voraus, also würden wir in der Ankerbucht voll auf Legerwall und damit ungeschützt liegen. Ungefähr zeitgleich mit den neuen Erkenntnissen ertönte der schrille Alarm, den es nur dann gibt, wenn eine der großen automatischen Bilgenpumpen anspringt.
Ein kurzer Blick ins Backbord Motorabteil zeigt strömendes Wasser mit dem gurgelnden Geräusch der lenzenden Pumpe. Was ist da denn passiert??? Bei genauerer Inspektion stellte sich heraus, dass heißes Wasser aus dem Boiler aus einem noch unbekannten Leck strömt.
Lukasz und ich machen uns direkt auf die Suche nach der Fehlerquelle, die sich wohl darin begründet, dass der vor einiger Zeit gewechselte Heizstab nicht ausreichend fest im Gewinde eingedreht war. Wir starten mit der Reparatur: Ich stelle die Wasserzufuhr zum Boiler ab, die sich in der Bilge in unserer Kajüte befindet. Lukasz orientiert sich an den ganzen Zuleitungsschläuchen. Wir müssen einen Weg finden, den Boiler soweit zu drehen, dass wir den schlecht installierten Heizstab erreichen und rausschrauben können.
Zwischen solchen Felsen ist Odysseus den Drachen entkommen, aber wir nicht den Nationalparkwächtern
Doch mittlerweile nähern wir uns der Durchfahrt bei den Ilhas Desertas (die verlassenen Inseln) und werden kurz nach der Passage von einem Beiboot mit zwei Männern an Bord zum Halten aufgefordert. Die beiden stellen sich als Nationalparkwächter vor und behaupten, dass man da, wo wir sind, nicht fahren darf, weil es weniger als 100 Meter tief ist. Cornelia, als Navigatorin, bleibt felsenfest dabei, dass sie keinerlei Verbotseintragungen in den offiziellen Seekarten oder Büchern, vorbereitend zur Fahrtenplanung, entdecken konnte (Ich hatte nur gesehen, dass man nicht fischen darf, und wir hatten auch rechtzeitig die Angel eingeholt!). Doch die zwei Herren sagen unmissverständlich, dass wir flott Land gewinnen, bzw. weiter bis zur 100 Meter Tiefenlinie rausfahren sollten. Soviel „ freundlicher“ Aufforderung kommen wir zur Strafvermeidung natürlich nach und ändern entsprechend den Kurs.
Da liegt sie am Steg in Quinta do Lorde
Jetzt ist es auch schon fast dunkel und eine Entscheidung muss schnellstens her, wo wir die Nacht verbringen werden. Die Wahl, die eigentlich, mangels Alternativen, keine ist, fällt auf die nahgelegene,Marina Quinta do Lorde. Bis dorthin bleibt noch Zeit fürs Abendessen, es gibt Frikadellen, Kartoffelpüree und Röstgemüse.
Um 22.30 erreichen wir den Hafen nach 294 Meilen, drehen eine kleine Runde, um dann gegenüber der Tankstelle längsseits festzumachen. Jetzt heißt es, das Boot aufzklaren, es gibt noch einen Gute-Nacht-Drink, dann gehen wir endlich schlafen, wir wollen früh mit der Reparatur beginnen.
Am nächsten Morgen, also heute, werden wir früh morgens von Regenschauern und heulenden Windböen geweckt. Es kachelt aus Süd, Wasser klatscht laut polternd an die schützende Hafenmauer. Wir sind froh, nicht in der, für diese Bedingungen, ungeeigneten Ankerbucht zu liegen. Hätte es alternative, besser geschützte Ankerbuchten auf der Nordseite von Madeira gegeben? Ja, zwei, weit entfernt, und auch die sind in der Regel, dem beständigen atlantischen Schwell ausgesetzt, der aus westlichen Richtungen anrollt.
Werkzeugsieht von außen ganz normal aus, lässt sich aber zu leicht rausschrauben
Um 7.30 starten wir mit der Reparatur des Boilers. Lukasz kämpft mit den Schläuchen und elektrischen Anschlüssen und dann können wir den noch halbvollen 80-Liter-Boiler so weit drehen und sicher lagern, dass der schlecht eingedrehte Heizstab rausgeschraubt werden kann. Dabei ergießt sich abermals das noch recht heiße Restwasser in die Bilge und abermals tut die Bilgenpumpe Gott sei Dank, ihren Dienst.
Der HeizstabDia abgefallene Anode
In der Folge bricht mir noch die Opferanode vom Heizstab ab, aber nach einem kurzen Telefonat mit meiner technischen Seelsorge, unserem Freund Uli, sagt der, dass das kein Problem ist, und der Heizstab wieder eingebaut werden kann.
Mit richtig Schmackes und gutem Werkzeug gelingt das Lukasz, der auch gleich von seiner Arbeit überzeugt ist. Wir bauen den Boiler wieder an seinem Platz ein und schließen die Schläuche und Kabel wieder an. Danach dauert es nochmals eine Stunde, nd wir brauchen viel Geduld, bis das ganze System durch Wasserentnahme an allen vorhanden Wasserhähnen endlich entlüftet und wieder einsatzfähig ist.
Mittlerweile ist es fast 10 Uhr und die Capitania muss bei dem Hafenbüro einchecken und den bestellten Mietwagen für Lukas abholen. Der fliegt nämlich morgen nach Hause und will noch die Insel ansehen und eine Nacht in der Hauptstadt verbringen.
Wir beobachten bis morgen die Wetterentwicklung und werden dann entscheiden, ob wir den Kurs auf A Coruña, am spanischen Festland, oder zur Azoreninsel Santa Maria absetzen werden. Bis dahin muss ich mich echt ausruhen, die gesegelte Nacht und die mehrtägigen und mehrstündigen Tauchausflüge stecken mir in den Knochen.
Unter schönstem Sternenhimmel verlassen wir – tatsächlich wie geplant um 5 Uhr – den Hafen von Puerto Calero.
Bereit zur Abfahrt
Am 15. Oktober haben wir das letzte Mal die Leinen gelöst, nur, um eine Spazierfahrt nach Los Lobos, der kleinen Insel vor Fuerteventura zu unternehmen. Also mehr als sechs Monate war die Hexe im Hafen von Calero angebunden.
um 5 Uhr früh
Nach anfänglicher Motorfahrt frischt der Wind auf, wir können segeln. Am Wind mit ca. 70° Windeinfallswinkel, und der Wind nimmt – wie von unserem Wetterbericht bei PredictWind versprochen – zunächst zu, auf 11, später 15 Knoten und wir segeln mit 7-9 Knoten Fahrt unserem Ziel Madeira entgegen. Seit dem Leuchtturm Pechiguera, ab dem wir auf Kurs Richtung 326° anluven konnten, ist die See doch sehr ruppig, als würden wir auf einem bockigen Pferd reiten.
Das beste Schleifpapier
Der Abfahrt voraus gingen anstrengende Tage, vor allem für Volker und unserem Freund Jens von der „Maje“, der Volker beim Schrubben des Unterwasserschiffs geholfen hat. Vier Tage lang waren die beiden jeden Morgen vor dem Frühstück im noch kühlen Meer, natürlich mit dickem Neopren, aber trotzdem. Und die Arbeit war hart: In den Monaten, in denen die Hexe hier unbewegt im Hafen lag, hatten sich ganz viele kalkige Stellen entwickelt, die aussahen wie kleine Würmer. Die mussten alle abgeschrubbt werden, mit Spachtel oder Schleifpapier oder Schleifschwamm. Auch die Ruder und die Schwerter mussten gesäubert werden, und am Ende kamen auch noch die Propellor und die Loggen dran. Dass man sich im Wasser immer selber wegstößt, macht die Sache nicht leichter. Um auch die tieferen Rumpfstellen ohne schweren Lungenautomat auf dem Rücken erreichen zu können, hatte Volker einen Kompressor ausgeliehen, und mit einem langen Schlauch funktionierte das eben ohne die schweren Sauerstofflaschen auf dem Buckel. Insgesamt über acht Stunden haben die beiden mit dieser Schwerstarbeit verbracht, Grund genug, dass Martina nd ich jeden Morgen pünktlich um 11:30 Uhr ein üppiges Frühstück auf dem Cockpittisch gedeckt hatten.
Außerdem musste natürlich für die Fahrt eingekauft werden, denn wir wollen zunächst mit dem temporären Crewmitglied Lukasz bis Madeira segeln, dort geht er erstmal von Bord, um das Bruttosozialprodukt zu unterstützen, vielleicht passt es ja, dass er zu einem weiteren Streckenabschnitt noch einmal zu uns stößt.
Volker schafftLukasz genießtAde Lanzarote!
Wir wollen ohne längeren Aufenthalt Madeira wieder verlassen, und Richtung spanische Küste bis A Coruña segeln, dann geht es weiter über die Biskaya Richtung Bretagne, anschließend in den englischen Kanal. Das Ziel ist Hoorn, dort, am Ijsselmer liegt unser Segelverein. Dann wollen wir gerne das Boot ein wenig leichter machen, und all die überflüssigen Dinge von Bord schmeißen. Naja, nicht gleich weg, erstmal nehmen wir das meiste mit nach Hause, dann wird unsere Hexe noch schneller!
Den Literpreis hätten wir daheim ach gerne
Es war eine kurze Nacht, denn gestern Abend waren wir noch mit unseren Freunden in der besten Tapasbar der Marina Rubicon zum Essen, und so war es doch Mitternacht, bis wir im Bett lagen. Um 04:50 hr klingelte schon der Wecker. Obwohl, ich war sowieso schon seit halb fünf wach, denn in der Nacht vor einem größeren Törn schlafe ich nie so gut. Irgendwie ist man doch immer noch ein bisschen aufgeregt, bevor es los geht.
Nun liegen schon über 70 Meilen in unserem Kielwasser, der Wind raumt ein bisschen und nimmt ab auf 10-12 Knoten, wahrscheinlich steht bald der neue Code Zero. Morgen werden wir weiter berichten!