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  • Heimaturlaub

    imageGestern war Viertelsfest in unserer Straße. Einmal jährlich, genau seit 10 Jahren, trifft sich unser kleines Viertel zum Grillen, Trinken, Schnacken und natürlich aus ganz viel “Spaß an der Freud”. Eine feste Institution, ein an die hessischen Schulferien angepasster Termin, immer der erste Samstag nach dem Ferienende. Meistens  ist der Wettergott mit uns, gestern war viel Regen angesagt und ist auch eingetroffen. Abgehalten hat uns das nicht vom Wendehammerfest, ein größeres Festzelt und eine 40-qm-Plane, einmal quer gespannt, boten genug Raum für alle, um draußen und ennoch trocken zu feiern. Dafür hat gestern der Fußballgott, und die Darmstädter Elf, mehr als ordentliche Arbeit geleistet und drei Auswärtspunkte gegen Bayer 04 Leverkusen eingefahren. 4. Spieltag der Bundesliga und das Team hat noch kein Spiel verloren, wer hätte das gedacht?

    Nico verschläft die Heimfahrt
    Nico verschläft die Heimfahrt

    Unsere Hexe liegt derweil hoffentlich wohl behalten im rundherum von Hochhäusern umbauten Hafen, der Marina Baie des Anges. Für unseren Heimaturlaub war es garnicht so leicht, einen Liegeplatz in Südfrankreich zu organisieren. Mehr als 10 Häfen hat Cornelia angefragt. Alle bis auf den einen sind voll gebucht und das am Ende der Hochsaison! Der Hauptgrund scheint aber auf Nachfrage der zu sein, dass in Monaco und Cannes größere Bootsmessen veranstaltet werden, und dass viele Eigner aus dem Urlaub zurück auf ihrem angestammten Liegeplatz sind. Es gibt aber auch Häfen, in denen eindeutig Plätze frei sind und die Bereitschaft zur Vergabe bei den Hafen betreibern fehlt, weil sie den Geldkanal so voll haben? Die Marina von Antibes ist so ein Fall. Absage trotz freier Plätze. Fast jeder, den wir treffen, kann davon etwas erzählen. Positive Eindrücke hinterlässt man so eben nicht, aber wenn Umsatz keine Rolle mehr spielt…

    Sonnenblumen vom Darmstädter Samstagsmarkt
    Sonnenblumen vom Darmstädter Samstagsmarkt

    Wenn wir dann schon mal in good old Germany sind, werden wir die Gelegenheit nutzen, um für die seit Ewigkeiten leckende WC-Pumpe Ersatz zu bestellen. Das trügerische Pumpenteil hat irgendwo einen Mikroriss, d.h. wenn man im Hafen liegt, ist alles trocken und funktioniert einwandfrei. Bei Schräglage drückt sich irgendwo Salzwasser raus und schwappt im Bad hin und her.  Ärgert mich schon lange, das Ding, zumal es sich jedem Reparaturversuch standhaft widersetzt.

    Zwei Wochen lang werden wir jetzt zu echten Landratten, erfeuen uns am komfortablen (Haus)-Leben, treffen unsere Freunde wieder, regeln ein paar Dinge und genießen die Tage in der Heimat.

    Cornelia hat noch einen Fischi-Unterwasserfilm in der Pipeline, den sie nur noch schneiden und veröffentlichen muss.

  • Zalandos Yacht

    Und hier der fast letzte Tag der Hexe, bevor wir sie verlassen. So oder so ähnlich könnte doch leicht vorstellbar eine Überschrift in einem wohlbekannten deutschen Boulevardblatt lauten. Aber schön der Reihe nach, den Spannungsbogen ein bisschen aufgebaut, auch wenn das Ende schon mal vorweg genommen wurde.

    Eigentlich wären wir auch nicht dort gewesen, wo wir heute morgen waren, sondern noch in der Werft, die wir ausgesucht hatten, um unseren Unterwasseranstrich zu erneuern. Für Montag um halbneun hatten wir einen Krantermin bei einer großen Werft in Antibes. Dann hatten wir das Pech, oder wie sich später rausstellte, das große Glück, mit anzusehen, wie eine andere Segelyacht unplanmäßig und willkürlich vor uns gekrant wurde. Uns haben sich die Nackenhaare zu Berge gestellt, als wir sahen, wie der Krangalgen mehrmals gegen die Wanten geschlagen ist. Sowenig “Feingefühl” beim Kranen hat uns den Rest gegeben und wir sind flux geflüchtet. Ein Schaden am Mast oder stehendem Gut wäre ein Fiasko.

    Cornelia schlug wegen des schönen Wetters vor, zum Cap Ferrat zu fahren und die großzügige Bucht und die Aussicht auf die dahinterliegenden Berge zu genießen. Natürlich hatte sie auch einen “Spritz Aperol” im Hinterkopf, den wir gerne in unserer Lieblingskneipe in St. Jean trinken. Also volle Fahrt voraus, das meiste des Weges mit Motor, nur hin und iweder mit schwacher Windeskraft und Segeln. Die Bucht war uns wohlbekannt von früheren Besuchen, nur der Anker wollte im Seegras diesmal nicht recht halten. Anker runter, Anker rauf, neuer Anlauf 10 Meter weiter, gleiches negatives Ergebnis, der Anker pflügt durchs Seegras und gräbt sich nicht in den Grund. Sieben Versuche später dann hält das Grundeisen, was es verspricht, und wozu es gemacht ist. Noch eine Runde schwimmen mit der neuen Taucherbrille, die trotz Bart endlich dicht hält.

    Alle anderen genannten Programmpunkte plus ein abendliches Pizzaessen wurden nach dem “Ankerdrama” auch noch erfüllt. Am Nachbartisch, auf der Terrasse mit Meerblick, ein nettes serbisches Ehepaar, das seit 30 Jahren in der Schweiz lebt, mit denen wir uns stundenlang über Gott und die Welt und auch die Politik angeregt unterhalten haben. Ein kleines Stück Heimweg hatten wir noch zusammen, kurzer herzlicher Abschied, Motor an und 10 Minuten mit Gummiboot zur Hexe getuckert.

    Heute morgen hat dann, wie angekündigt, der Wind beständig aufgefrischt, auf Ost gedreht und fiese Wellen in die Bucht geschickt. Das war vorhergesagt und wir hatten schon die große Bucht von Villefranche im Hinterkopf. Anker auf, langsame Fahrt voraus gegenan, gegen ca. 1,5 Meter hohe Wellen. Langsam deshalb, damit das Schiff nicht so laut rumpelnd und krachend in die Wellentäler fliegt, 2-3 Knoten Fahrt sind da genug und nervenschonend. Bis zum vorgelagerten Kap und dann war es auch schon Zeit, das Vorsegel auszurollen – genug Segelfläche bei bis zu 24 Knoten Wind.
    Ich mach das mit dem Segel, Cornelia ist am Ruder. Als das Segel rausgerollt ist, dreht Cornelia langsam ab und in dem Moment ertönt ein laut hupendes Horn, eine endlos erscheinende lange weiße Wand fährt mit über 10 Knoten Speed an uns vorbei. Cornelia dreht hektisch weg von dem riesigen Motorboot.

    Um Haaresbreite sind wir der drohenden Kollison entkommen, uns zittern die Knie, wir bleiben zurück im Schwell, den der Plastikriese aufgeworfen hat. Ich fange wütend an zu schreien, strecke die Arme in die Luft, von oben schauen einige Crewmitglieder anscheinend erstaunt auf uns herab. (Das war besser als jedes HB-Männchen, sowas habe ich noch nie erlebt, Volker hat sich in seiner Wut echt heiser geschrien!)

    Unglaublich, die hätten uns fast versenkt! Ein Regelverstoß, der durch nichts zu entschuldigen ist. Wer überholt umd von hinten aufkommt, hält sich frei. Warum drängelt sich dieses Riesenschiff zwischen uns und das Cap, während an Backbord ausreichend Seeraum ist?Ich schnapp mir unser Handfunkgerät und funke den Schiffsführer der “Odessa 2” an. Dem scheint sofort sein Fehler bewusst zu sein, und er murmelt unentwegt auf englisch Entschuldigungen. Doch so leicht ist es damit nicht getan und er muss sich eine kleine Weile lang meine Flüche anhören. Schlussendlich wünschen wir uns dann einen guten Tag und eine gute Weiterfahrt.

    Nach Recherchen von Cornelia ist die “Odessa 2” bei Nobiskrug in Deutschland gebaut und gehört dem Derzeitigen Inhaber von z.B Zalando und Warner Brothers Music (und dem Nobel-Hotel “Grand Hotel St. Jean Cap Ferrat”, direkt am Ort des Unglücks. Das hätte noch gefehlt “Deutsche Superyacht versenkt deutsche Segelyacht”, so dann die Horrorüberschrift. Irgendwann ging der Schreck dann aus den Gliedern und der Anker wieder nieder.

    Diesmal vor Wind und Wellen geschützt in der malerischen Bucht von Villefranche. Ein langer Spaziergang, schöne Eindrücke und anregende Gespräche sorgten dann für die notwenidge Zerstreuung. Bleibt nur zusagen: Ende gut alles gut😍

  • Im Hafen fest zum Hafenfest

    5. September 2015, Samstag, Baro 1008-1003, sonnig, angenehm warm, Wind SW um 3 später um 5
    Marina Baie des Anges 13:00 – Nizza 14:30, 6 sm

    Da liegt der Übeltäter eine große schwarze Plastiktüte
    Da liegt der Übeltäter eine große schwarze Plastiktüte

    Nach Ausschlafen und ausgiebigem Frühstück, ich habe vom Großen Supermarkt in der Marina frisches, dunkles, knuspriges Baguette und leckeres Schokocroissant mitgebracht, geht Volker tauchen, um zu schauen, was sich da gestern unterm Schiff getan hat, denn beim Anlegen hatte er richtige Probleme. Er findet direkt eine große schwarze Plastiktüte an der Schraube, schwuppdiwupp ist wieder alles paletti! Ich hatte im Hafenbüro mit Sonia gesprochen, die unsere Reservierung für die Heimfahrzeit bearbeitet hat, und wirklich sehr nett ist. Wir sollen dann am “Quai d’Honneur” liegen, was für eine Ehre.

    Die Korsikafähre versperrt die Hafeneinfahrt
    Die Korsikafähre versperrt die Hafeneinfahrt

    Für den Abend habe ich in Nizza einen Platz reservieren können, das passt gut, denn Monika und Karl wollen zu Besuch kommen, nachdem sie Sven an den Flughafen von Nizza gebracht haben. Gemütlich segeln wir mit Vollzeug dorthin, am Flughafen vorbei, auf dem ganz viele Privatjets auf ihre Eigner warten. Kurz vor der Hafeneinfahrt kommt schon wieder die blöde Fähre von Korsika, dann blinken drei rote Lichter an der Hafeneinfahrt und niemand darf rein oder raus fahren. Das hatten wir schon mal, als wir mit Nany und Eric hierher gesegelt sind, nur war damals noch mehr Seegang und Wind und es war unangenehmer, warten zu müssen. Diesmal geht es auch gefühlt schneller, bis die Fähre drin ist, wir können auch in den Hafen einfahren, und stellen fest, dass alles schön geschmückt ist. Es ist Hafenfest!

    Blumengeschmückte Kähne promenieren am Hafen entlang
    Blumengeschmückte Kähne promenieren am Hafen entlang

    Das haben wir ja gut eingefädelt. Auf den großen Bühnen ist man den ganzen Nachmittag mit dem Soundcheck beschäftigt, die Restaurants haben schon Tische und Stühle bereit stehen, damit sie, nachdem um 16:45 Uhr die letzte Fähre abgelegt hat, sich auf der Dtraße ausbreiten können. Ab 19 Uhr soll es los gehen.

    Mit Luftballons geschmückte Kanus spielen Ball
    Mit Luftballons geschmückte Kanus spielen Ball

    Karl und Monika mussten ihr Auto auf der anderen Hafenseite abstellen, weil es hier schon keinen Parkplatz mehr gab, und leider können sie auch nicht lange bleiben, denn sie müssen bis 19 Uhr aus dem Parkhaus raus sein. In St. Tropez war morgens so viel Sturm, dass keiner aus dem Hafen raus konnte und sie auch nicht mal bis Port Grimaud segeln konnten. Also mussten sie mit dem Taxi zu ihrem Auto in Port Grimaud fahren, um Sven zum Flughafen in Nizza zu bringen, nun müssen sie wieder zurück mit dem Auto nach Port Grimaud, dann mit der Fähre nach St. Tropez, um schließlich Sonntag nach Port Grimaud zu segeln, weil sie am Montag Besuch bekommen. Ist schon fast Stress!

    Der kleine Blaue gehörte zu …
    Der kleine Blaue gehörte zu …
    … der großen Tintenfischmama
    … der großen Tintenfischmama
    Brasilianische Tänzerinnen
    Brasilianische Tänzerinnen

    Wir zwei machen uns einen schönen Abend, spazieren ein bisschen mit dem Hund vor dem Abendessen zum Park. Zurück am Hafen fängt gerade die erste Band an, die Restaurants füllen sich und an den Essenständen riecht es verführerisch. Nun haben wir jetzt aber zuviel Essen an Bord, denn wir wollten ja Karl und Monika bewirten, also kocht Volker leckeres Hähnchenrisotto, zu den Klängen der ersten Musiker, die ganz furchtbare Schlager und Schnulzen spielen.

    Akkordeon und
    Akkordeon und
    kleine Flöte
    kleine Flöte
    Die Stimmung ist ausgezeichnet
    Die Stimmung ist ausgezeichnet

    Danach kommen zwei Akkordeonisten und ein Flötenspieler mit Schlagzeuger, die machen schöne Musik, die Leute tanzen dazu, es ist eine großartige Stimmung.

    Feuerwerk beim Hafenfest in Cannes
    Feuerwerk beim Hafenfest in Cannes

    Um halb elf gibt es ein wunderschönes Feuerwerk, noch eine Band, deren Klänge sich für uns an Bord vermischen mit den Klängen der Band auf der anderen Hafenseite, das wird zuviel, wir ziehen uns in unsere Koje zurück.

    Heute, am 6. September,  segeln wir nur mit dem Vorsegel Richtung Antibes, weil wir morgen früh um 08:30 Uhr schon einen Krantermin haben. Wir wollen dort in der Bucht ankern. Im Hafen haben sie schon dreimal keinen Platz für uns gehabt, jetzt haben wir keine Lust mehr, wer weiß, wie lange es noch so schön warm ist, dass man ankern kann!

    Die grüne Regattaboje liegt direkt vor unserem Ankerplatz
    Die grüne Regattaboje liegt direkt vor unserem Ankerplatz

    Und schon wieder haben wir den richtigen Zeitpunkt ausgewählt, direkt vor unserem Ankerplatz ist die Wendeboje für die Sonntagsregatta von Antibes. Es nehmen ganz schön viele Schiffe teil und wir sehen so manches gelungene, aber auch viele verpfuschte Bojen-Manöver. Und wir genießen einen wunderschönen Abend in der Bucht von Juan-les-Pins, gleich geht die Sonne unter.

  • Die Hauptsaison…

    Futuristische Gebäude schmücken den Hafen von der Marina "Baie des Anges" (Bucht der Engel)
    Futuristische Gebäude schmücken den Hafen von der Marina “Baie des Anges” (Bucht der Engel)

    ist ganz eindeutig vorbei. Seit dem vergangenen Montag drücken die französischen Schüler die Schulbank. Die großen Fabriken produzieren wieder, die Sommerferien sind Geschichte und die Grande Nation hat dafür auch, gegenüber anderen europäischen Ländern, einen eigenen Ausdruck -“La Rentrée” . Ausspannen adieu, Alltag ahoi.

    Seit letztem Wochenende ist die eingeläutete Nebensaison für uns greifbar. Deutlich weniger Segelschiffe sind unterwegs, der vorher volle Hafen in Calvi nahezu verwaist, tagsüber wenig oder kaum Segel am Horizont. So weit so gut, viele sagen, dass jetzt die schönste Zeit des Jahres so langsam Einzug hält in den mediterranen Gefilden. Gemischte Gefühle bei uns, die sommerliche Hitze, der Trubel, die Veranstaltungen, hatte schon was für sich und für uns. Und nicht nur durch die Leere macht sich die fortgeschrittene Jahreszeit bemerkbar.

    Heute sind wir von Korsika nach Antibes gesegelt. 99 Seemeilen mit viel Wind, Gott sei Dank aus einer guten Richtung für uns, schnelle Fahrt. Nur14,5 Stunden waren wir unterwegs, dafür zum ersten Mal seit Juni in unser Ölzeug eingepackt. Frisch war der Wind, frisch war die Temperatur. 22 Grad hat das Quecksilber angezeigt, dazu der Wind, kräftig mit bis zu 24 Knoten. Die Sonne verschwindet schon vor 20 Uhr hinterm Horizont, die Wärme des Tages weicht schnell der Kühle der Nacht. Zeit für langärmlige und langbeinige Kleidungsstücke, zumindest für die dunklen Stunden des Tages. Das Stimmengewirr in den Gassen von Calvi war häufig von deutschen Sprachfetzten dominiert. Ungewohnt. Das Straßenbild dominieren Paare und Alleinreisende, Oder junge Familien mit Kleinkindern. Familien mit schulpflichtigen Kindern sind natürlich eine Seltenheit.

    Unermüdlich am Werk: Der Auto dieser Zeilen
    Unermüdlich am Werk: Der Autor dieser Zeilen

    Wir sind jetzt froh, nach dem ersten Fehlversuch gut an der Côte angekommen zu sein. Morgen gibt es Mistral mit bis zu 40 Knoten, das Meer dazu bewegt mit 4 Meter Wellenhöhe. Für Montag steht dann Nordostwind mit bis zu 7 Windstärken auf dem Programm. Es tut sich was, frühherbstliche Wetterkapriolen.

    Es grüßt aus der Marina der Engel
    die Hexencrew

  • Mit soviel Wind und hohen Wellen…

    Und die Wellen wären noch höher geworden im Laufe des Tages...
    Und die Wellen wären noch höher geworden im Laufe des Tages…

    haben wir nicht gerechnet, als wir heute morgen um 5 Uhr aus Calvi los sind, um den langen Schlag an die Côte d’Azur zu segeln. Nach dem Passieren von Cap Revelata waren wir noch nicht ganz aus der schützenden Wind- und Wellenabdeckung heraus, als schon die ersten schweren Seen die Hexe kräftig durchgerüttelt haben. Kurz darauf fand eine laut brechende Welle ihren Weg übers Deck, Wassermassen ergossen sich ins Cockpit. Gurgelnd sucht das kühle Nass seinen Weg und fließt nach einer Weile wieder dahin zurück, wo es hergekommen ist. Mit siebeneinhalb Knoten Speed springt das Schiff von Welle zu Welle, einem Rodeo gleich, der Wind heult im Rigg, noch mehr Wasser findet immer wieder den Weg aufs Deck.

    Im Osten zieht langsam die Helligkeit des neuen Tages herauf, rötlich schimmernd lässt sie nicht Gutes erahnen. In einer fernen Wolke im Nordosten zucken jede Menge Blitze herum. Das ist nur der Anfang von dem, was die Wetterküche anscheinend für uns vorbereitet hat.

    Bei Windfinder sah das nicht so dramatisch aus
    Bei Windfinder sah das nicht so dramatisch aus

    Dabei ist es irgendwie immer dasselbe. Vor so einer langen Fahrt vergleicht man alle Wetterberichte, wägt ab, ob und wann es losgehen soll, vielleicht manchmal mit der berühmten rosaroten Brille. Die müssen wohl auch wir beim Studieren der gestrigen Wetterkarten angehabt haben. Statt die schlechtmöglichste Wetterprognose von dem italienischen Anbieter Lama Rete anzunehmen, haben wir uns an den guten Prognosen verschiedener anderer Wetterdienste für unser Fahrgebiet erfreut.

    Für halb fünf den Wecker gestellt, schnell noch Nico Gassi geführt und die Segel gesetzt. Der salzige Strich durch die Rechnung kam postwendend mit den hohen Wellen. Die Konsequenz ebenfalls. Was zuviel ist, ist zuviel, mit “eingekniffenem Schwanz” drehen wir um und verschieben die Überfahrt nach Frankreich bis auf Weiteres.

    Was kann man daraus lernen? Bisher haben wir uns oft auf den Wetterbericht des italienischen Anbieters Lamma Räte verlassen (http://www.lamma.rete.toscana.it/mare/modelli/vento-e-mare). Bietet er doch auch, als einer der wenigen Wetterdienste, Vorhersagen auch für kleinräumige Gebiete im Mittelmeer an, inklusive Wellenprognose. Zudem sah es auch bei anderen Anbieter so aus, als würde sich für das Gebiet der Rhônemündung eine Mistrallage ankündigen. Diesen Aspekt haben wir unterschätzt. Das ist zwar relativ weit weg, würde aber die zum Wind überproportional hohen Wellen erklären. Und das am Anfang der Starkwindphase!

    Die Vorhersage für Samstag (brrrr)
    Die Vorhersage für Samstag (brrrr)

    Wenn man beide Faktoren betrachtet, zum einen die schlechte Vorhersage für unser Seegebiet und die negative Entwicklung im Löwengolf, hätten wir besser von dem Versuch der Überfahrt Abstand genommen. So ist es halt, Versuch macht eben nicht immer klug (oder vielleicht doch) und gut, dass wir nicht erst auf halbem Weg von der negativen Wetterentwicklung überrascht worden sind, sondern am Anfang. Der Wind pfeift durch die Takelage, alles ist aufgeklart und ein paar Stunden Schlaf sind schon nachgeholt. Wir ankern in einer hübschen Bucht vor Calvi und warten ab, was wettermäßig so passiert.

  • Pfui, Qualle

    31. August 2015, Montag, Baro 1012, sonnig, warm, Wind W um 5, nach zehn Minuten NW um 2
    Galéria 11:15 – Calvi 19:00, 15 sm

    Kühe - mit Appetit auf Pizza?
    Kühe – mit Appetit auf Pizza?

    Heute morgen war nicht nur eine Kuh auf der Straße, nein zwei Mutterkühe standen mit zwei Kälbchen direkt vor der Pizzeria. Nico hat sich die Kälbchen angeschaut: “Ob man mit denen wohl spielen kann?” Als sich dann aber eines auf ihn zubewegt hat, ist er doch lieber abgehauen, das war ihm anscheinend zu groß (im Gegensatz zu den zu kleinen Geckos auf den Îles Sanguinaires).

    Kaum sind wir – mit einem frischen Baguette – zurück an Bord, schon heißt es wieder: “Anker auf!”, denn es weht ein frischer Westwind, und den wollen wir ja nicht verpassen. Leider ist das auch wieder nur ein thermischer Wind, der hier in die Bucht hinein weht, denn nach zehn Minuten ist der Zauber vorbei und wir fahren gerade mal noch 3,5 Knoten bei vier Knoten Wind! Das bleibt den ganzen Tag so, mal ein bisschen mehr, mal gar kein Wind, aber wir haben es heute auch nicht eilig, es sind nur 15 Meilen bis Calvi und wir haben den ganzen Tag Zeit.

    An einem wunderschönen Felsen möchte Volker schnorcheln gehen, und nach Fischen schauen, er nimmt sogar extra die GoPro mit zum Filmen (wenn ich den Film geschnitten habe, kommt hier der Link hin). Leider sind an der Kante nicht so viele Fische, wir wollen es später nochmal probieren. Das machen wir auch, zwischendurch haben wir mehrere Badestopps einlegen müssen, denn bei dem leichten Wind ist es einfach zu heiß. Es waren auch keine richtigen Stopps, einer von uns ist bei leichter Fahrt an der Treppe ins Wasser gegangen und hat sich entweder ziehen lassen, oder man konnte es schaffen, genauso schnell zu schwimmen, wie das Boot fährt. Das geht aber nur bis maximal zwei Knoten Fahrt.

    Kurz vor Calvi laden einige spektakuläre Felsen zum Schnorcheln ein, es sind auch mehrere Tauchboote da, vielleicht ein Garant, dass es eine gute Unterwasserszene gibt. Und tatsächlich gibt es hier Fische, kleine, die in großen Schwärmen herumschwimmen, und größere Barsche, die sich aber nicht so gerne filmen lassen. Leider gibt es auch ein paar Quallen, einer, die direkt vor sein Gesicht geschwommen ist, kann Volker noch ausweichen, aber die hinterhältige kleine, die an seinen Waden leckt, hat er nicht gesehen. Vom Boot aus sehe ich, dass er hektische Bewegungen macht, und dann ganz schnell verschwimmt, also motore ich in seine Richtung, um ihm den Weg zu verkürzen, ich habe mir schon gedacht, dass er mit einem unnetten Unterwasserwesen Kontakt hatte. Dank Liz’ und Keins Tipp, die Stelle mit einer Kreditkarte (wir nehmen den Schaber, mit dem wir die Muscheln vom Unterwasserschiff abschaben) an der getroffenen Stelle fest zu schaben, und dann mit Rasierschaum (wenn man den nicht hat, eben mit Seife) nachzubehandeln, wird es nicht so schlimm, es brennt noch ein wenig, ist aber abends wieder weg.

    Reich verziertes Kreuz in der wunderschönen Kirsche auf der Bastion von Calvi
    Reich verziertes Kreuz in der wunderschönen Kirsche auf der Bastion von Calvi

    Wir ankern zuerst in einer kleinen Bucht, um schön mit Nico spazieren zu gehen, und fahren abends in die Bucht von Calvi, auch an die alte Stelle, wo aber jetzt deutlich weniger Ankerlieger sind.

  • Wieder auf Korsika

    30. August 2015, Sonntag, Baro 1015, sonnig, warm, Wind N um 3
    Îles Sanguinaires 11:00 – Galéria 19:00, 30 sm
    Noch vor dem Hundespaziergang reparieren wir die Schublade, die gestern Abend, dank meiner Schusseligkeit, bei plötzlichen Wellen herausgeflogen kam. Dabei hat sich leider die eine Seite der Frontverkleidung gelöst. Aber wir kriegen das hin, d.h. Volker kriegt das hin, ich kann nur mehr oder weniger nützliche Bemerkungen machen.

    Die Geckos huschen in der Morgensonne über die Steine
    Die Geckos huschen in der Morgensonne über die Steine

    Dafür darf ich danach mit Nico spazieren gehen, bis zu dem Leuchtturm auf der großen sanguinischen Insel, von dem aus man einen großartigen Blick über die Bucht von Ajaccio und das weite Meer hat. Von hier oben aus sieht man auch deutlich die Überreste eines alten Hauses, und ganz ganz viele Geckos huschen über den Weg. Nico schaut sich die fremden Wesen erstmal an, ein bisschen skeptisch, ob er sich für diese kleinen wuseligen Tiere interessieren soll oder nicht.

    Der weiße Leuchtturm der "blutigen" Inseln
    Der weiße Leuchtturm der “blutigen” Inseln

    Zurück an Bord schickt Volker mich ins Wasser, hier sind so viele Fische, schon ums Boot herum schwimmen einige, und an den naheliegenden Felsen sind noch andere Arten. Witzigerweise schwimmen über dem hellen Sand keine herum, sie lieben offensichtlich den dunkleren Untergrund.
    Dann noch ein bisschen Bootspflege, polieren, wachsen, solange die Sonne noch nicht zu heiß ist. Anschließend geht wieder mal der Anker hoch, wir legen ab, fahren vorsichtig unter Motor zwischen dem Land und den Sanguinischen hindurch, danach kreuzen wir nach Dorden.

    Als hätte man ein paar Steine im Meer verloren…
    Als hätte man ein paar Steine im Meer verloren…

    Denn hier legt sich der Wind immer an die Küste an, d.h. er kommt, wenn man nach Norden will, immer von vorne. Macht nix, dann ist es auch nicht so heiß, denn die Sonne scheint – wie immer in den letzten Wochen – mit aller Kraft.
    Wir fahren noch einmal an der Girolata vorbei (vielleicht halten wir ja nächstes Mal dort), und an den schönen Scandola-Felsen, aber danach ist wieder mal am Abend der Wind verschwunden, und wir motoren das letzte Stück, um den Hund nicht unnötig zu quälen. Als der Anker gefallen ist, haben wir auch schon alles fertig an Bord, die Schuhe, das dünne Jäckchen, Handtasche und Hundeleine liegen bereit, um mit dem Beiboot zu der kleinen Marina zu fahren.
    imageAuf der Straße zum Dorf steht eine Kuh, die scheinen hier frei laufen zu dürfen. Heute wollen wir noch einmal in das nette kleine Restaurant “Alivu” (das heißt auf korsisch “Olivenbaum”) in Galéria, wo wir am 6. August den ersten Jahrestag unserer Reise gefeiert haben, und wo man günstig und gut essen kann und wunderschön, eben unter Olivenbäumen sitzt.

  • Boot weg? Nein danke!

    Samstag, 29. August 2015, Baro 1016, sonnig mit ein paar Wolken am Morgen, warm, Wind O um 4, später mehr aus NW
    Liscia-Bucht von Porto Pollo 10:00 – Îles Sanguinaires vor Ajaccio 19:45, 65 sm

    rechts Meer, links Lagune
    rechts Meer, links Lagune

    Volker hat gestern Abend beim Hundespaziergang entdeckt, dass hinter dem endlosen Sandstrand eine kleine Lagune ist, und am Morgen gehen wir mit dem Beiboot noch einmal dahin zum fotografieren. Es ist wunderschön, der Strand ist endlos (wie wir noch mit Schrecken später feststellen werden) und hintendran ist die schönste Landschaft.

    Morgendliches Bad für den Hund
    Morgendliches Bad für den Hund

    Man hört in der Ferne leise Glocken wie von Kühen, aber es ist nichts zu sehen. Zu der frühen Zeit ist auch noch niemand am Strand, aber so ab 09:30 Uhr kommen die ersten mit Sonnenschirmen und Strandtaschen.

    Die Schuhe liegen am Strand, wo ist Volker, fragt Nico sich?
    Die Schuhe liegen am Strand, wo ist Volker, fragt Nico sich?

    Als wir an den Strand zurückkommen, ist der Schreck groß: Da hinten in der Bucht treibt unser Beiboot! Das haben wir wohl nicht hoch genug an den Strand gezogen, der fällt aber auch steil ins Wasser ab!

    Der Held krabbelt ins Beiboot
    Der Held krabbelt ins Beiboot

    Volker rennt los, und der Strand ist soooo lang, man läuft nicht so schnell in dem schweren Sand hier, der aus relativ großen Sandkörnern besteht. Als er die geschätzt kürzeste Entfernung zum Boot hat, springt er ins Wasser und krault und krault und krault… und ist bei dem Boot. Ein Held! Mit Kraft zieht er sich hinein, und kommt zurück zum Strand, um Nico und mich abzuholen. So ein Schreck am frühen Morgen!

    Wir verabschieden uns von Liz und Kevin, die werden demnächst die Ostküste von Sardinien bis nach Cagliari runter segeln. Frisch den Anker aufgeholt und die Segel gesetzt und schon bläst uns ein achterlicher Wind mit gut 16 Knoten Richtung Korsika. Es ist richtig heiß, und hier ist es natürlich auch wieder leerer auf dem Wasser. Am Cap dauert es keine zehn Minuten, dann lässt der Wind nach und verschwindet erstmal ganz, die Wellen leider nicht, wir müssen tatsächlich ein Stück motoren, ehe der Wind wieder auf neun Knoten auffrischt, allerdings leider von vorne. Das macht uns aber gar nix aus, wir segeln schön erstmal hoch am Wind in die Bucht von Propriano hinein, um festzustellen, dass der Skipper hier doch nicht ankern will – dann gewendet – wieder hinaus.

    Und dann kreuzen wir und wenden und wenden und wenden… bis kurz vor Sonnenuntergang haben wir es endlich geschafft, der Anker ist gefallen auf neun Meter Tiefe direkt vor der Insel Île de la Grande Sanguinaire. Schnell das Beiboot fertig gemacht, Abendessen für den Hund und ich fahre mit ihm zum Land. Was für eine goldische Insel! Auf dem Hügel steht der Leuchtturm, überall sind Wege, Ruinen einer alten römischen (?) Befestigung, eine kleine Kapelle. Morgen werden wir das alles besichtigen, ich steige nur noch einen Pfad weiter hoch, und sehe noch, wie ein kleines rotes Rund der Sonne im Meer versinkt, während auf der anderen Seite der riesengroße Vollmond hinter den Bergen der Insel aufgeht. Kribbel, kribbel!

    Ganz viele junge Leute laufen über die Insel, ich überlege noch, wie die alle wieder wegkommen, dann fällt mir ein, dass am Hafen noch ein großes Boot lag. Als ich runtergehe, höre ich Musik, schöne, aber fremde Klänge, die Disco-Beleuchtung ist an, und ein paar junge Menschen stehen an Deck mit Drinks in der Hand. Ich wünsche noch einen schönen Abend, steige mit Hund  in mein kleines Dingi und fahre zurück zur Hexe.

  • Die letzten Tage auf Sardinien

    27. August 2015, Donnerstag, Baro 1013, sonnig, warm, leichter Ostwind
    Capo Coda Cavallo 10:30 – Olbia 12:40 – Olbia 15:30 Baro 1010 – Caprera, 35 sm

    Der Teig ist gegangen und der Ofen ist bereit
    Der Teig ist gegangen und der Ofen ist bereit

    Heute ist Larissas Abflugtag. Nachdem wir gestern Abend nicht bis Olbia gesegelt sind, sondern es vorgezogen haben, uns noch einmal bei Johannes und Co. zum Pizzaessen einzuladen (zum letzten Mal, =(( – und das war wieder so köstlich, vielen Dank, Johannes!), mussten wir heute morgen eher früh raus. Schnell noch mit dem Nico Gassi gehen, und schon gehen der Anker und die Segel hoch. Der Wind ist leicht, aber wir schaffen es, so rechtzeitig in Olbia zu sein, dass wir noch einen kleinen Imbiss nehmen und dann Larissa mit dem Taxi zum Flughafen fahren können.

    Ade, Tavolara (i una Coca Cola?)
    Ade, Tavolara (i una Coca Cola?)

    Wir legen danach gleich wieder ab, sodass wir schon auf dem Wasser sind, als Larissas Swiss-Maschine direkt über uns fliegt. Wir haben schönen Wind, das ist auch gut so, denn hier sind wieder alle großen Motorboote unterwegs und wühlen die See auf.

    Motorboot-Fuzzis
    Motorboot-Fuzzis

    Volker ist davon auch ordentlich genervt, und will nicht in einer der Buchten der Costa Smeralda bleiben, sondern hoch ins Maddalena-Archipel. Mit dem letzten Tageslicht schaffen wir es, den Anker in der Bucht vor Caprera fallen zu lassen, morgen wollen wir die Ruinen dort besichtigen.

    Freitag, 28. August 2015, Baro 1012, sonnig, warm, Wind O um 3
    Caprera 11:00 – Porto Liscia, 12:30, 9 sm

    Der jüngere Fort-Teil
    Der jüngere Fort-Teil
    Schienen führen zum Wasser
    Schienen führen zum Wasser
    Was war das wohl mal?
    Was war das wohl mal?

    Mit dem Beiboot fahren wir zu den Ruinen des Forts von Punta Rossa. Es besteht aus zwei Teilen, die aus unterschiedlichen Epochen zu stammen scheinen. Wir laufen an den verfallenen Häusern vorbei, versuchen zu deuten, was was gewesen sein könnte. Der untere Teil stammt aus neuerer Zeit, und ist wohl noch bis nach dem zweiten Weltkrieg im Einsatz gewesen. Aber jetzt fallen die Häuser ein, und die Natur überwuchert sie.

     

    Das Waschhaus
    Das Waschhaus
    Die Küche mit Backofen
    Die Küche mit Backofen
    Ein Kanonensattel
    Ein Kanonensattel

    Interessanter ist der obere Teil des Forts, der auch wesentlich älter sein muss, die Wände sind aus geschichteten Steinen, hier waren auch die Unterkünfte der Soldaten. Eine Italienerin, die mit uns entlang läuft, erklärt ein paar Sachen, sie ist schon öfter hier gewesen. Wir finden das Waschhaus, die Küche mit dem großen Herd, viele Treppen aus solidem Granit, die irgendwohin führen, und ganz vorne, an der Punta Rosa eben, müssen einst riesige Kanonen gestanden haben, man sieht noch die Verankerungen im Boden.

    Die Segelschule segelt die Freitags-Abschluss-Regatta
    Die Segelschule segelt die Freitags-Abschluss-Regatta

    Durch die Schießscharten hat man einen großartigen Blick auf die Bucht, in der die Segelschule gerade eine Regatta segelt.

    Zurück an Bord machen wir uns auf, Liz und Kevin von der “Black Velvet“ zu treffen, sie haben in einer Mail geschrieben, sie seien in der Bucht von Liscia. Das ist keine zwei Seemeilen weg, allerdings in die falsche Richtung, aber wir Motoren mal hin. Ich lasse mir die Koordinaten geben, wo sie vor Anker liegen, und bin verblüfft: Das ist ganz  woanders! Trick der Italiener: „Liscio“ heißt „glatt“ und es scheint mehrere „glatte“ Buchten zu geben. Also, umgedreht, Segel gesetzt und die neun Meilen schön hingesegelt. Die Bucht bei Porto Pollo ist entzückend, es sind auch ein paar Segler und Motoryachten da, aber sie liegt gut geschützt und ohne Schwell.

    Viele Surfschüler üben
    Viele Surfschüler üben

    Ein Nachmittagsspaziergang führt uns zum Campingplatz, dort gibt es Mohrrüben für abendliche Gulasch. Nur eine kleine Landzunge trennt die Porto-Pollo-Bucht von der Porto-Puddu-Bucht, und auf beiden Seiten ist der schönste Sandstrand. Ganz viele Windsurfer sind auf dem Wasser, das st praktisch mit den zwei Buchten, da kann man mit Anfängern immer dort surfen, wo sie im Zweifel zum Land zurück geweht werden.

  • Anker auf!

    Der Wind weht aus West, die heftigen Böen erzeugen einen sonoren Ton, wenn sie um den Mast wehen. Die Ankerkette ist gespannt, das Schiff tänzelt daran. Unsere Meinung ist schwankend – liegen bleiben oder weiter segeln. Wetterberichte werden verglichen, Seekarten auf der Suche nach der nächsten sicheren Bucht studiert. Die Reiselust siegt, wir wollen segeln, dem Wind trotzen und die vor uns liegende Rauschefahrt genießen.

    Anker auf, fast geht alles glatt. Nur der Anker kommt falsch herum gedreht, mit den Flunken nach oben. Das Schiff ist derweil schon vor dem Wind in Fahrt. Mit der Fernbedienung für die Ankerwinsch in der Hand versuche ich, den Anker zu drehen. Leider kurz nicht aufgepasst und schon wird mein linker Handballen zwischen Kette und Winsch eingeklemmt. Ich blute und fluche. Wenigstens ist der Anker jetzt richtig herum gedreht und liegt an seinem dafür vorgesehenen Platz. Wenn immer wir uns blutige Wunden zuziehen, desinfizieren wir diese gründlich, zu groß ist die Angst oder die Gefahr, je nachdem, vor einer Infektion durch das Salzwasser. Dass Salzwasser desinfiziert, ist ein Ammenmärchen, das Gegenteil ist der Fall.

    Das Segeln danach ist eine Freude, bis zu 10 Knoten zeigt die Logge an, die 26 Seemeilen bis zur Tavolara sind in 3 Stunden abgesegelt. Das Schiff rockt und bockt, die Gischt sprizt, eine wilde und dennoch tolle Fahrt. Segeln kann soooo schön sein.

    Das Schiff im Griff - die Zukunft in Sicht
    Das Schiff im Griff …

    In der Bucht unserer Wahl angekommen, hämmern noch immer die Böen durchs Rigg. Ein Anruf bei Johannes und Hardy und kurz darauf stehen diese mit ihren Kindern, reichlich Grillfleisch und  einer Palette “Ichnusa”-Bier abholbereit am Strand.

    … die Zukunft fest im Blick
    … die Zukunft fest im Blick

    Wir freuen uns wie die berühmten Schneekönige, dass wir alle zusammen noch einen Abend verbringen können. Die Kinder sind 1-2-3 im Wasser, bis die Zähne klappern. Die “Erwachsenen” sitzen beim Sundowner auf dem Vorschiff. Was für ein Leben. Danach erkunden die Kinder im Schiffsinneren die Stauräume  und wundern sich u.a., dass wir sogar eine Nähmaschine dabei haben.

    Der Lotus ist angesteckt
    Der Lotus ist angesteckt

    Schon ist es Zeit, den Lotusgrill und die Pfanne anzuheizen. Neben zahlreichen Würstchen und Koteletts gibt es, oh Freude, auch zwei jeweils ein Kilogramm schwere Rinderkoteletts. Das passt nicht alles auf den kleinen Grill, die Rinderkoteletts garen in der großen Pfanne vor sich hin, der Grill ist maximal belegt und gibt sein Bestes.

    Was für ein Wolkenband zum Sonnenuntergang
    Was für ein Wolkenband zum Sonnenuntergang

    Das Essen ein wahres Festmahl, das Bier extra kalt, die Kinder fröhlich und der Sonnenuntergang vom Feinsten. Mit dem letzten Restlicht bringen wir die lieben Fünf zum Strand zurück und lassen danach diesen schönen Tag, ruhig, mit hochgelegten Beinen, im Cockpit ausklingen.

    Heute Morgen hat der Wind auf Ost gedreht, der viele Wind von gestern ist Geschichte, die fünf Darmstädter kommen wieder zu einem Ferientag auf der Hexe, und heute Abend soll es noch mal Pizza geben, was für köstliche Aussichten!