5 mal gehalst
4 mal den Spinnaker gesetzt und wieder geborgen
3 mal pro Tag Delfine gesehen
Keinen Mondfisch gesehen
2 mal das Großsegel ein- und ausgerefft
1 mal gegrillt (am ersten Abend, da war kein Wind)
0 mal gewendet
5 Stunden Tag/Person geschlafen
2 Sternschnuppen gesehen (Volker)
1-2 Sternschnuppen gesehen (Cornelia) (bei der zweiten war ich mir nicht sicher, ob es nicht das Erlöschen eines Sterns war) Einen unfassbaren Sternenhimmel über dem dunklen Meer gesehen (für Joachim ein Bild der Sternen-App)
Viel Zeit für uns gehabt
Höchste Geschwindigkeit sagenhafte 12,0 Knoten
häufig Surfs mit 10 Knoten
ca. 6 Knoten war unsere Durchschnittsgeschwindigkeit
15 Motorstunden wegen Windmangel
Nico zum Oberbootshund befördert
Wir freuen uns nach diesem Seestück auf weitere längere Distanzen, es hat meistens viel Spaß gemacht und wir träumen schon mal von weiter entfernten Zielen. Mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten!!!
Hier ist unser Logbuch, die Zahlen in Klammern sind unsere jeweilige Position.
Der Blick zurück nach Concarneau
31. August, Sonntag, Baro 1020, sonnig, kein Wind
Pünktlich um 08:30 Uhr haben wir die Leinen losgeworfen und die Bugspitze nach Spanien ausgerichtet, vorbei an den Isles de Glénan, Kurs 219 Grad.
10:15 liegen die Isles querab, wir ändern den Kurs leicht auf 221 Grad. Das Meer ist spiegelglatt, wir messen 0,9 bis 2,5 Knoten Wind, aber es ist ja genug Diesel im Tank, und momentan ist vor allem der Hund damit sehr froh, dass es nicht schief und anstrengend ist.
11:30 Uhr: In der Ferne sieht man noch schwach das Land, ein kleiner Delfin sagt uns auch „Tschüss“, und dann ist alles um uns herum, bis auf ein paar Wolken über dem Land, nur noch blau. Na gut, ein paar kleine weiße Fischerboote gibt es auch noch.
11:45 erreichen wir die Wassertiefe von 100 m bei 47-35-911/004-12-874, keine Schiffe um uns herum.
12:45 Uhr: (47-28-892/004-19-616): Der Spi ist oben und die Maschine schon seit einer halben Stunde aus, wir segeln bei Wind 7-9 Knoten über 6 Knoten schnell. Das erste Schiff, dem wir auf dem weiten Meer begegnen, ist ein Tanker namens Alia, (nicht „Aliiieee“), der genau auf uns zufährt, aber dann seinen Kurs ändert und hinter uns durchgeht.
15:18 Uhr (47-17-316/004-30-513): die „Jork Reliance“, ein Frachter, der nach Dünkirchen will, taucht am Horizont auf, der Wind ist immer noch NW, zwischen 5 und 9 Knoten. Die Wassertiefe ist auf 120 m gefallen. Und noch ehe die Jork reliance vorbei ist, taucht an Steuerbord die „Eems Stream“ auf, auch ein Frachter, allerdings mit Ziel „Pasajes“. Da sag mal einer, auf dem Wasser wär nix los!
Dann kam noch einer ohne Namen, aber bis jetzt nichts mehr.
18:00 Uhr (47-05-466/004-42-155) Wassertiefe 142 m, kein Wind, wir motoren.
Nico liebt den weichen bunten Spi
22:30 Uhr (46-43-409/005-05-204) bei ca. 1000 m Wassertiefe: Erneut Spi gesetzt, ein paar Fischer sind in der Umgebung, Baro wieder 1020, ein paar Wolken, Wind bis 10 Knoten aus Nord.
23:00 Uhr: zuwenig Wind, Spi wieder runter, Großsegel bis Reff 2, damit es nicht so schlägt. Ein Delphinschwarm schwimmt ums Boot und spielt damit, wir sehen die Fische mit ihren weißen Bäuchen im phosphorszierenden Wasser, genial!
Sonntag, 1. September, 01:15 Uhr (46-31-512/05-20-629) Tiefe 3200 m: Immer noch kein Wind, jedenfalls nicht genug, aber immer mal Fischschwärme, die aus dem Wasser springen, ich hab mich zuerst über die Laute erschrocken, dachte an die fliegenden Fische im „Life of Pi“. Erneut Segel gesetzt.
02:40 Uhr (46-26-693/005-26-757) Wind NNO, immer noch schwach, Motor wieder an.
03:40 Uhr (46-21-830/005-31-966). 4000 m Wasertiefe, Wind um 10 Knoten. Wachablösung.
05:30 Uhr (46-12-178/005-41-764), nix los, aber ein wunderschöner Sternenhimmel zeigt sich so langsam hinter den verschwindenden Wolken. Besonders warm ist es auch nicht, ich sitze mit Strumpfhose, Trainingshose, Skihemd, Fließjacke und Ölzeug. Aber schließlich ist ja heute der 1. September.
07:15 Uhr (46-03770/005-51-161). Wachwechsel, der Wind hat immer noch nicht zugenommen und kommt nach wie vor genau von hinten. Ein Segler hat uns gerade passiert, aber eher mit Kurs La Rochelle oder Gironde. Auch der Tanker „Stella Maris“ kommt uns nahe, aber ich funke mit ihm, er sagt, er gehe eine Meile vor uns durch.
09:15 Uhr (45-53-016/006:00:431), Wassertiefe zwischen 4.700 und 4.800 m, Großsegel und Spi stehen wieder, der Wind weht mit 13 Knoten aus NO, die oberste Lage Kleider (Ölzeug) ist schon mal weggefallen.
10:30 Uhr (45-45-335/006-06-961): Der Wind bläst jetzt so schön und beständig mit 15-16 Knoten, in Böen auch mal über 18, dass wir gut vorankommen. Volker hat sich beim Spisetzen auch noch den Daumen der rechten Hand gestaucht, das Meer fordert seinen Tribut!
12:20 Uhr (45-45-300/006-06-740) Wir haben die Hälfte! 165 Meilen seit Concarneau liegen inunsrem Kielwasser und bis A Coruña sind es noch einmal so viele. In ca. 10 Meilen werden wir die französisch/spanische Grenze erreichen, dann kommt die Tricolore runter und die spanische Gastlandflagge (hat die auch einen Namen?) kommt hoch. Strahlender Sonnenschein, Volker schläft endlich mal, denn wir haben den Spi geborgen, jetzt war es zuviel Wind dafür. Und das neue Multifunktionsgerät verliert dauernd seine Route. Mal sehen, warum. 13:30 Uhr (45-28-232/006-24-232) Baro 1017, das kommt bestimmt von dem Tief, das von Portugal ausstrahlt. Die spanische Flagge ist oben. Jetzt weiß ich auch warum: Ich hatte das interne GPS eingeschaltet, und wenn das die Position verloren hatte, obwohl das externe sie noch hatte, hat das Gerät aufgehört,die Route zu verfolgen. Jetzt geht es wieder. Und wir sind geduscht und sauber.
16:30 Uhr (45-11-220/006-44-421), Wind stabil bei 14-16 Knoten, Fock immer noch ausgebaumt. Barometer noch einen Strich gefallen auf 1016. heute ist es sehr angenehm, wir sitzen ohne Strümpfe und in leichtem T-Shirt in der Sonne, der Wind ist ausreichend stark und von hinten, das Meer tiefblau, allerdings heute eher unruhig, weswegen wohl auch die Delphine wegbleiben. Schade.
17:45 Uhr (45-02-505/00653112) immer noch sonnig, Wind unverändert mit ein bisschen stärkeren Böen. Wenn das die ganze Nacht so bleibt, sind wir bis 10:00 Uhr morgen früh in A Coruña. Nico wird sich freuen, denn unsere zahlreichen Versuche, ihn zum Pinkeln oder Häufchenmachen auf dem extra gekauften Kunstrasen zu bewegen – ich hätte sogar den Topf Basilikum geopfert,damit er auch ein Bäumchen hat – sind kläglich gescheitert,l ediglich gestern abend hat er einmal ein Riesenpipi gemacht, aber ohne Kunstrasen, nur so am Heck.
Und heute wird er auch plötzlich unruhig und will zum Bug, Volker nimmt ihn an die Leine, weil wir schon ziemlich viel Welle haben, und auch dort geht nochmal ein Riesenpipi. Wenigstens kein Harnverhalten!
21:00 Uhr (44-42-288/007-11-874). Der Wind wird mehr, wir haben die Genua gerefft, Volker hat Cordon bleu und Kartoffel-Blumenkohl-Brei gekocht, lecker, und jetzt schauen wir mal, was der Wind macht, ehe wir die Wachen für die Nacht. Verteilen. Noch weniger als 100 Meilen bis in den Hafen!
23:46 Uhr (44-23-315/007-30-275) Wir hatten um 21:30 dann doch noch ein Reff ins Großsegel gebunden und die Fock ein kleines Stückchen ausgerollt, weil der Wind mehrfach zu 25 Knoten ging, und die Wellen richtig wild wurden. Jetzt scheint er ein bisschen ruhiger zu werden, da kann Volker mal ein bisschen schlafen gehen. Noch 74 Meilen.
Montag, 2. September 01:50 Uhr (44-09-468/007-44-344). Ruhig war das nicht wirklich, zwischendrin immer weider 23, 24, 25 Knoten, und viel Welle. An Steuerbord kann man jetzt den Lichtschein mehrerer Städte wahrnehmen, wir nähern uns dem Land. Hier sind es auch nur noch (!) 2.000 Meter Wassertiefe und in fünf Meilen werden es weniger als 200 sein. Jetzt geh ich schlafen und Volker übernimmt. Noch 56 Meilen.
02:18 Uhr, 2. Reff ins Groß gebunden, weil der Wind auf über 27 Noten zugenommen hat. Und es wird in den nächsten Stunden bis 06:00 noch mehr, bis 35 Knoten sehen wir auf dem Display, und die Wellen sind dazu nicht mehr so angenehm, daher kommt auch sie Fock ganz weg.
06:00 Uhr (43-40-964/008-11-687), langsam kommen wir hinter die Landabdeckung, die Wellen werden ein bisschen niedriger. Der Wind steht es noch eine Weile durch, dann – wie abgestellt – nur noch 7 Knoten Wind. Wir rollen schnell die Fock aus, bringt aber nichts, also motoren wir tatsächlich die letzten 26 Meilen bis La Coruña.
Die Hafeneinfahrt vom La Coruña
09:00 Uhr: La Coruña taucht aus dem Dunst auf, und um
10:00 Uhr machen wir die Leinen fest. (Annette: Die Muttergottes hat auf uns aufgepasst, danke)
Die Waschmaschinen laufen schon, wir haben unsere letzte Dose Äppelwoi (Kerstin sei Dank) eteilt und wir gehen jetzt mal schlafen.
31. August, Sonntag, Baro 1020, sonnig, kein Wind
Pünktlich um 08:30 Uhr haben wir die Leinen losgeworfen und die Bugspitze nach Spanien ausgerichtet, vorbei an den Isles de Glénan, Kurs 215 Grad. Wir melden uns wieder, sobald wir wieder Netz haben, jetzt könnt Ihr uns aber weiter auf Marine Traffic verfolgen. Ahoi!
Vom Heck schauen wir auf die alte Stadtmauer von Concarneau
An dieser Stelle möchten wir uns einmal ganz ganz herzlch bei Susanne, Jürgen, Leon und Detlef bedanken. Unsere Mitsegler der vergangenen drei Wochen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass am heutigen Tag bereits 660 Seemeilen, also knapp über 1000 Kilometer, in unserem Kielwasser liegen. Diese Strecke war geprägt von zumeist starkem Gegenwind, kühlen Temperaturen und viel Regen. Gegen den Wind zu segeln bedeutet auch doppelten Weg und doppelte Belastung für Mensch und Material. Umso mehr freuen wir uns, dass wir es bis zu unserem jetzigen Ausgangsort Concarneau ohne Schäden am Schiff geschafft haben.
Der Wetterbericht für die Biscaya verspricht Ostwind mit 12-15 Knoten
Auch der Wetterbericht für die kommenden Tage stimmt uns froh, verspricht er doch einen guten Wind aus sehr günstiger Richtung für uns. Das lässt unsere Gedanken nach dem noch ca. 600 Kilometer entfernten Spanien schweifen und wir überlegen ernsthaft, morgen die Landleinen zu lösen und direkt nach La Coruña zu segeln. Weil, wie heißt es doch so schön: „Nutze den Wind, wenn er günstig ist“.
Volkers Finger geht es schon wieder besser
Der Skipper ist schon ganz hippelig und zappt sich durch die verschiedenen Wetterberichte. Die Capitania zückt das Navigationsbesteck und zirkelt schon einmal die vor uns liegende Strecke ab. Die spanischen Hafenhandbücher werden entstaubt und der Inhalt geprüft. Nur Nico weiss noch nichts von seinem“Glück“.
Aber irgendwann müssen er und wir das ja ausprobieren, sonst wird das nix mit den ganz fernen Zielen und Hund.
Wenn noch jemand spontan die Biskaya mit uns durchqueren will, bitten wir um eine kurze Nachricht, am bestem Anruf. Wir können das Ganze auch gerne ein bis zwei Tage nach hinten schieben (nur nicht mehr), weil auch die langfristige Wettervorhersage günstig ist. Concarneau ist gut angebunden, wir helfen gerne bei der Reiseplanung.
Tatsächlich wird das Wetter immer besser, je weiter wir um die Ecke kommen, zwar ist der Wind immer noch südwestlich, aber die Wellen haben sich komplett gelegt durch die vorgelagerten Inseln, und wir beschließen, nicht Camaret, den Hafen in der Mähe von Brest, anzulaufen, sondern weiterzusegeln nachAudierne, erste Biscaya-Luft zu schnuppern. Gesagt, getan, aber nicht aufgepasst. Da hat die Navigatorin mal gut gepennt!
Ich hatte vergessen, die Strecke genau zu bedenken, und in der „Seemansbibel“, dem Reeds Almanach nachzulesen. Ich habe natürlich die kürzere Strecke gewählt, anstatt um die Île de Sein herumzusteuern, stecke ich den Weg ab durch das „Raz du Sein“. Wir segeln also gemütlich dorthin, links öffnet sich eine lange weite Bucht, es ist sehr angenehmes Segeln, Volker geht auch mal eine Runde schlafen. Irgenwann werden wir immer langsamer, wir fahren mal einen Aufschießer, um das ganze Kraut am Heck loszuwerden, das hilft auch kurzfristig, aber es gibt immer mehr Strom gegenan. Ich beruhige die Herren, „Ja, da gibt es ein bisschen Gegenstrom“.
Die Wellen sehen auf den Fotos immer kleiner aus
Ein bisschen? Je weiter wir kommen, desto langsamer werden wir, die Wellen bauen sich auf, es entstehen Kreuzseen wie in der „Raz d’Alderney“. Der Name hätte mich ja schon mal stutzig machen sollen… Und in der Seemannsbibel wird auch empfohlen, die Raz nur bei Strom-Stillstand anzulaufen, anders gäbe es böse Kreuzseen…
Der Leuchtturm und die Gefahrentonne an der Pointe du Raz
Und dann wird das wieder so ein Hexenkessel, mit 2-3 Meter hohen Wellen aus allen Richtungen, allerdings ohne den Strom mitzuhaben, sondern gegenan, unsere geringste Geschwindigkeit war 0,7 Knoten! Und das bei voller Maschine und voller Besegelung!
Dann brauchen wir für die drei Seemeilen anderthalb Stunden, bis wir den Leuchtturm mit der Gefahrentonne querab haben und die Geschwindigkeit langsam wieder normal wird. Glück gehabt!
Noch eine weitere Aufregung in der Anfahrt nach Audierne, wo plötzlich im Kanal die versprochene Tiefe von 5 m nur noch 3,5 m ist, aber ein freundlicher französischer Segler gibt Signal, dass er uns überholt und den Weg zeigen will, denn der ist wirklich knifflig, man muss genau wissen, wo man nach links und wo man nach rechts abbiegen muss. Die Stadt ist aber dann der Lohn der Aufregung, sehr hübsch, eine nette Bucht mit Wald außenrum und schönen bretonischen Häusern.
Die Einfahrt navh Audierne
Der Hafenmeister, der – wie immer hier in den Häfen, wenn man sich vorher auf Kanal 9 anmeldet – uns einen Platz zuweist und freundlicherweise die Leinen annimmt, sagt, es gäbe einen französischen Reporter, der einen Fillm über die deutschen Touristen in Audierne dreht, und der würde uns gerne besuchen. Aber er braucht keine deutschen Segler als Leinwandstars, sondern nur unsere Deutschlandflagge. Volker und Detlef befestigen das lose Ende davon mit einer Wäscheklammer am Heck, weil nicht genügend Wind weht, um sie flattern zu lassen.
Die beiden Herren von dem kleinen Nachbarboot empfehlen uns ein Restaurant, reservieren sogar einen Tisch (was super war, es war der letzte freie Tisch), und wir haben sehr lecker gegessen.
Zum ersten Mal seit Tagen gibt es ein gesittetes Frühstück im Hafen (ansonsten haben wir immer direkt abgelegt, und ich habe Brote geschmiert, die dann mit ’ner Tasse Kaffee aus der Hand gegessen wurden). Ablegen um 09:00, wieder die liebliche Mündung hinaus.
Nico ist es nicht ganz geheuer
Auf See empfängt uns eine ruppige Welle, die manchmal das ganze Schiff erzittern lässt. Nico findet das auch nur bedingt gut, obwohl er in seinem neuen Körbchen relativ geschützt liegt
Heute morgen dachte ich über die Fehleinschätzungen nach, die ein Mensch so macht. Als wir in Darmstadt gepackt haben für den ersten großen Abschnitt, war es heiß und sommerlich, und wir hatten das Gefühl, wir fahren jetzt in einen endlosen Urlaub, also packt man auf jeden Fall Sommerkleidchen, Badeanzüge, einen schönen langen Rock für lauschige Abende. Natürlich auch warme Unterwäsche, für den Fall, dass mal ein kühler Segeltag dabei sein sollte. Und den Segelanzug mit Faserpelz und Regenhose und -jacke haben wir ja sowieso an Bord.
Die blaue Strumpfhose baumelt
Dass wir aber seit Hoorn jeden Tag die Strumpfhose oder die lange Unterhose, und fast jeden Tag auch den Faserpelz und die warme Jacke anziehen müssen, damit haben wir nicht gerechnet. Also baumelt täglich irgendeine ausgewaschene Strumpfhose (ich habe zur Auswahl eine blaue, eine braune und eine schwarze) im Bad und wartet auf den nächsten Einsatz.
Aber ab jetzt, wir haben gerade gewendet und versuchen, unseren Idealkurs von 178 Grad (das ist fast genau nach Süden!) zu erreichen, ab jetzt wird alles wärmer. Und der Wetterbericht verspricht auch Besserung, und ab Sonntag oder Montag, sogar Ostwind, dann könnten wir uns an den Schlag pber die Biscaya wagen. Nur gerade kommt eine neue Front auf uns zu, das sieht wieder mal nach Regen aus, aber wir sind ja Böses gewöhnt…
27. August, Mittwoch, Baro 1014, bedeckt, zuerst Nieselregen, SW 5-6
Roscoff – L’Aber Wrac’h 32 sm
Nach dem gestrigen Schock segeln wir heute trotzdem los, legen um 08:30 Uhr ab und überholen bis zum nächsten Hafen vier Segler auf einem Amwindkurs, reparieren uns AIS durch ausschalten. Volker segelt mit einem dicken Fäustling, in den der Finger mit Verband hineinpasst, er lässt uns auch nur bedingt helfen, nur, was so gar nicht geht, wie Segel zusammenlegen oder setzen, darf Detlef machen. Als wir bei über 25 Knoten Wind in L’Aber Wrac’h festmachen, sind wir froh, dass wir uns nicht verleiten ließen, noch ein bisschen weiterzusegeln, weil der Wind bis zu 34 Knoten auffrischt und die sechs Fender, die wir zwischen Boot und Steg gebunden haben, immer mehr zusammendrückt.
Nach einem kleinen Mitagssnack machen wir uns auf den Weg, die Gegend zu erkunden, und wollen, was wir gerne an fremden Orten machen, einfach den Bus nehmen, und in die nächste oder übernächste Ortschaft fahren. Nachdem dieser erst mal eine Viertelstunde Verspätung hatte (wir sind ja in Frankreich und auf dem platten Land am Ende der Saison), durfte Nico nicht mit, also haben wir die Erkundung zu Fuß fortgesetzt, waren auf dem Semaphore mit einem ultragenialen Blick über die Bucht (foto folgt, wenn wir WLAN haben zum Hochladen) nd haben ein Bier im Cafė du Port genommen.
Heute mal was für die echten Segler. Gestern sind wir mit 6 Beaufort gegen eine recht hohe ( 3-4 Meter) Antlantikdünung gekreuzt. Mit der mitlaufenden Strömung natürlich. Leute, ich kann Euch sagen, dass das absolut Spitze war, zwischen Wellenkamm und nächstem Wellenkamm waren ca. 50 Meter Abstand. Von dieser langen Dünung habe ich vorher geträumt, das ist wie langsames Bergsteigen. Das Boot steigt in gefühltem Zeitlupentempo den Berg hoch und geht dann meistens ganz sanft über den Wellenkamm. Bei Durchzug von Regenfronten kletterte die Windanzeige auch schon mal auf 8 Beaufort. Mit 2 Reffs und verkleinertem Vorsegel waren wir perfekt auf diese Bedingungen eingestellt. Unsere eigene Geschwindigkeit war dabei mit 8-9 Knoten erfreulich flott.
Kurz vor Roscoff, unserem Etappenziel für diesen Tag, haben wir uns dann leider noch eine Leine von einer Fischerboje um den Kiel gewickelt und dann mit dem ganzen Fischereigeschirr hinter uns hergeschleppt.Durch eine Halse mit anschleißendem Aufschießer kam dann Lose auf die gewickelte Leine und wir konnten diese vermaledeite Leine dann an Deck mit unserem sehr scharfen Tauchermesser durchtrennen. Dabei war ich wohl nicht angemessen vorsichtig und habe mir in der Hektik zwei tiefe Schnitte am linken Zeigefinger zugezogen. Bei der größeren Wunde konnte man auch gleich die Sehne sehen.
Cornelia hat dann die erste Hilfe mit Verband – Schmerzmittel nach Rücksprache mit Allegra – Anruf beim Hafemmeister, etc. durchgeführt. Detlef hat die Segel geborgen und das Schiff klar zum Anlegen gemacht. Ich habe nur gesteuert und angelegt und war so ein bisschen wie ein Statist in einem großen Kinofilm.
Die Sanitäter standen am Steg bereit und Cornelia und ich folgten Ihnen zum Krankenwagen. Mit Blaulicht (das hat den Sanis wohl viel Spaß gemacht) ging es dann ins Krankenhaus. Ein super netter Arzt, der ständig mit der Schwester kokettierte, Cornelia ausführlich meine Sehne zeigte, Cornelia auch das ganze Flickwerk ausführlich erläuterte, war an diesem Tag mein Retter. Aber auch hier war ich nur Statist und mein Mittun nicht gefragt. Noch ein paar Schmerzpillchen und Material, um in zwei Wochen die Fäden selbst zu ziehen und wir waren entlassen. Weder als ich mich geschnitten hatte, noch nach der Betäubung im Krankenhaus hatte ich irgendwelche Schmerzen. Nur den Finger soll ich der Sehne wegen für ein paar Tag schonen. Überhaupt haben alle Beteiligten sehr professionell gehandelt -Danke!
Danach gab es zwar keine Tapferkeitsmedaille, aber eine Dose Äppelwoi mit der Aufschrift „Bembel with Care“. Ich wandel das für mich mal ab in „Handle with Care“ und werde in Zukunft noch ein bisschen vorsichtiger sein.
Auch nach der ersten Nacht tut nichts weh und wir wollen weiter. Jetzt sind wir auf dem Weg nach L’Aber Wrac’h, meiner Meinung nach die schönste Bucht der Bretagne, die ich schon auf früheren Landreisen besucht habe.
Noch für Alle – irgendwie haben wir ein Problem mit unserem AIS, weswegen Ihr uns momentan nicht auf Marinetraffic.com verfolgen könnt. Wir arbeiten dran und jetzt geht es wieder.