Feierabend in Cap d’Agde

Mittwoch, 2. NOvember 2016, Baro 1016, sonnig mit Schleierwolken, Wind NW 3
Cap d’Agde 09:15 – Palavas-les-Flots 16:15, 25 sm

Obwohl heute wieder ein normaler Arbeitstag ist, scheint es in Cap d’Agde noch sehr ruhig. Supermarkt, Bäcker, Fleischer und Fischladen haben natürlich schon auf, aber ansonsten sind die Läden an den Eissalons, Restaurants und Boutiquen fest geschlossen. Gestern abend sind wir auf der Suche nach einer Pizzeria schließlich in einem französischen Restaurant gelandet.

Fleisch…

Fleisch…

…Muscheln…

…Muscheln…

… Nachspeise

… Nachspeise

Am Abend des Feiertags hatten fast alle Restaurants und Bars geschlossen. Wir haben sehr lecker gegessen, am großen Nachbartisch aß der Patron mit Familie und Freunden, auch hier war es der letzte Abend der Saison. Ab Mitte Februar sind sie wieder da.

Stimmung am letzten Tag

Stimmung am letzten Tag

Auf dem Nachhauseweg sind wir noch in unserer Musikbar hängen geblieben, die Stimmung war hervorragend, nicht zuletzt, weil es für das singende Paar auch der letzte Auftritt vor dem Winterurlaub war.
Der kleine Supermarkt im Strandteil von Cap d’Agde hatte gestern und vorgestern schon Ausverkauf, Schokokekse, Schokoladen, und ähnliches boten sie für 1 € feil, und die Kleiderläden boten die Sommerware zu Schnäppchenpreisen an. Wir haben uns auf die Schokokekse und die Schokoladen mit bretonischem Salzkaramel beschränkt, die Kleiderschränke an Bord der Hexe sind voll. Und Volker hat auch genügend Polierlappen, dazu nehmen wir nämlich unsere ausrangierten T-Shirts.

Wir haben uns heute von dem Käptn des großen Katamarans, an dem wir, mangels eines Stegplatzes, längsseits angelegt hatten, verabschiedet, ihm viel Erfolg mit seinem neuen Projekt gewünscht. Mit einem noch im Bau befindlichen Alukatamaran wird er Schulungen für alle Altersklassen anbieten, über die Pollution der Meere durch Plastikmüll, z.B.

Nico in Not

Nico in Not

Mit Vollzeug sind wir auf dem glatten Meer unterwegs, Halbwind bis achterlich, das verbotene Fischfanggebiet lassen wir an Steuerbord, friedlichstes Segeln im Sonnenschein, da kann auch Nico entspannen. Zur Beschäftigung bekommt er den Knochen von Volkers halbem Mittagskotelett, zuerst ist er total überfordert und will ihn vergraben. Das geht aber schlecht auf einem Segelboot, er leidet und weiß nicht, was er tun soll, bis er herausfindet, dass man den Knochen auch abnagen kann. Das scheint er tatsächlich vergessen zu haben!

Natürlich kommt die Mittagsflaute. 0,8-1 Knoten Wind. Diesmal sitzen wir es aus, wir haben es ja nicht eilig, ob wir in Sète bleiben, oder bis Port Camargue kommen, ist irrelevant. Wir beobachten die anderen Segler, “Da draußen segelt einer schief, da muss Wind sein!”, “Da hinten kommen zwei mit Spinnaker, da ist Wind!” Tatsächlich kommt hier vor Säte die leichte Brise aus einer ganz anderen Richtung, immerhin schon mit fünf Knoten aus Südost.
Der Wind kommt noch einmal zurück, bis 15:30 Uhr können wir segeln, dann ist es aus, und wir motoren die letzten drei Meilen bis zum Hafen von Palavas. Dort werden wir freundlich empfangen, und freuen uns schon auf einen Landgang.

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So viele Gebrauchtboote

Der rote Teppich lädt ein…

Der rote Teppich lädt ein…

Die bunten Fahnen wehen

Die bunten Fahnen wehen

Alle Jahre wieder, in 2016 bereits zum 17. Mal, fand der Salon Nautique in Cap d’Agde statt. Eine Gebrauchtbootmesse mit über 500 Yachten, die von Yachtmaklern und Endkunden gleichermaßen zum Verkauf angeboten werden. Die Schiffsgrößen variieren dabei ebenso wie die Preise. So wurden kleine Motorboote für wenige tausend Euro und richtig große Segel- und Motoryachten für über eine Million Euro feilgeboten. An den fünf Messetagen pilgerten über 50.000 Wassersportinteressierte über die Stege und bewunderten die Schiffe, die, sicher vertäut am Steg  denoch schwimmend in ihrem Element, auf neue Besitzer warteten.

Blöcke

Blöcke und anderes Zubehör

Taschen wie Christiane sie auch näht

Taschen wie Christiane sie auch näht

Die Schönheiten gab es auch zu bewundern

Die Schönheiten gab es auch zu bewundern

Aber nicht nur auf dem Wasser wurde den Besuchern viel dargeboten. Auch an Land gab es zahlreiche Aussteller. Außenbordmotoren, Seglerbekleidung, Yachtzubehör, Mastenbauer, Segelmacher, Elektronikspezialisten, die französische Rettungsgesellschaft, sozusagen das ganze maritime Leistungsspektrum war in Hallen oder mit kleinen Zelten vertreten.

maritimer Trödel

maritimer Trödel

Für echte Schnäppchensucher gab es zudem einen Segelzubehörflohmarkt. Wir haben die die französische Rettungsgesellschaft unterstützt und zwei großformatige Badehandtücher gekauft. Wie meinte doch die Capitania sicherlich nicht ohne Hintergedanken, “wenn ich damit im Seenotfall winke, werden wir schneller gerettet” -:)

Angeln in allen Ausführungen

Angeln in allen Ausführungen

Ja, jetzt sind wir praktisch drei Tage lang über die Stege mit den Verkaufsangeboten gebummelt und es sind tatsächlich einige Schiffe verkauft worden, und das Schild mit “à vendre” wurde gegen ein “vendu”-Schild ausgetauscht – jeden Tag ein paar mehr. Gestern Mittag haben wir erstmalig live zugeschaut, wie eine Rettungsinsel aktiviert wurde. Ich habe das gefilmt und es ist beruhigend zu sehen, wie schnell sich dieses überlebenswichtige Rettungssystem aufbläst und bereit zum Einstieg ist. Wer will, kann sich hier den Film mit dem launigen Kommentar des französischen (kettenrauchenden) Radiomoderators ansehen.

Heute um 18 Uhr hat der Gebrauchtbootsalon seine “Türen” geschlossen und morgen werden dann wohl die meisten ausgestellten Boote in ihre jeweiligen Heimathäfen zurückkehren.

Monster!

Monster!

Monster?

Monster?

Halloween hat sich übrigens auch allerorten in Frankreich durchgesetzt und wird gefeiert. Große und kleinere Monsterchen, Hexen und Draculas zogen durch die Geschäfte auf der Hatz nach Süßigkeiten. Ein sprachlicher Gleichlaut brachte mich dabei völlig aus dem Konzept. Das französische Wort für Schwester ist “soeur” lautsprachlich Sör, und das Wort für Fluch oder Zauberspruch ist “sort”, und wird nahezu gleich ausgesprochen. Nur mit einem kaum hörbaren “T” am Ende, ansonsten wie die “Schwester”. Als jetzt die kleinen Monster in die Kneipe kamen und das bei uns bekannte “Süßes oder es gibt Saures”- “douces ou sort” riefen, kam das bei mir an wie “Süßigkeiten oder Schwester.” Meine Bemerkung, das man dann die lieben Kleinen mal nach dem Aussehen ihrer Mütter befragen sollte, wenn sie sich ein Schwesterchen wünschen, sorgte für schallendes Gelächter und brachte mir die Bermerkung der Wirtin ein, dass doch alle MÄNNER gleich seien. Die sprachliche Richtigstellung erfolgte unmittelbar. Solche kleinen Fettnäpfchen, lauern wohl in jeder fremden Sprache und eins hat gestern für mich da gestanden…

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Nicht nur Fotoausstellung in Gruissan

Sonntag, 30. Oktober 2016, Baro 1021, sonnig, kein Wind, dafür 0,5 m Welle
Gruissan 09:30 – Cap d’Agde 14:30, 22 sm

Die Burg und die Flamingos spiegeln sich im Etang

Die Burg und die Flamingos spiegeln sich im Etang

Bei strahlendem Sonnenschein nehmen wir Abschied von Gruissan. Schon beim Ablegen nimmt der wenige Wind weiter ab, bei 2-3 Knoten setzen wir noch nicht mal das Großsegel. Aber eine unangenehme Welle steht in der Hafeneinfahrt und leider auch draußen, pb das wohl von dem “Medicane” kommt, ein subtropischer Wirbelsturm, der zwischen Sizilien und Malta getobt hat?
Wir jedenfalls sind ein bisschen wehmütig, denn Gruissan hat uns, trotz der Betonarchitektur am Hafen, gut gefallen. Der Ort ist nett und unaufgeregt, die Leute freundlich, die Menschen in der Capitainerie sehr kompetent und hilfsbereit. So hat uns die Hafenmeisterin gestern auf eine Fotoausstellung im Grand Palais hingewiesen. Das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen.

Plakat der Ausstellung

Plakat der Ausstellung

Neben zahlreichen Blumen-, Tier- und Landschaftsfotographien gibt es eine große Wand mit Portraits von Vendée-Globe-Skippern, und vielen anderen schönen Segelmotiven. Die Vendee Globe ist eineEinhandregatta für 60 Fuß-Yachten, die “Open 60″s und führt von Les Sables d’Olonnes in der Bretagne alle vier Jahre einmal non-Stop um die Welt. Was für echte Kerle und Mädels, eben.

Picassos erste Geliebte

Picassos erste Geliebte

Ein anderer Stand entführte uns in die Geschichte der Fotographie, zwei Männer erklären und erzählen begeistert von ihrem Hobby. Es gibt u.a. Daguerreotypien, darunter angeblich eine von Fernande Olivier, der ersten Geliebten von Picasso, handcolorierte Schwarzweiß-Bilder, zahlreiche Fotoapparate aus älterer und neuerer Zeit sowie einen Tisch, der ganz der Stereo- oder 3D-Fotographie gewwidmet war, Axel, Du hättest Deine helle Freude gehabt, an diesen wunderbaren alten Apparaturen!

3D-Betrachtungsgeräte

3D-Betrachtungsgeräte

11:50: Auf den Wellen kräuselt es sich, sollte da doch ein bisschen Wind kommen? Hoffnungsfroh setzen wir das Großsegel, rollen die Fock aus, nur um festzustellen, dass es mal gerade für 1-1,4 Knoten Fahrt reicht. Es ist zwar sehr friedlich so, weil jetzt die Hexe mur leicht von den Wellen angehoben wird, und sanft wieder runter hleitet, anders, als wenn man sie mit Motorkraft durchpflügt und auch mal in so ein Wellental kracht, aber 3 Knoten Wind reichen nicht mal für unsere Hexe zur schnelleren Fahrt. Abgesehen davon, dass das bisschen Wind genau aus Cap d’Agde kommt, wir müssten also auch noch kreuzen, und kämen nicht vor Mitternacht an.
Also Motor wieder an.

Impressionen von unterhalb der Burg

Impressionen von unterhalb der Burg

Und nochmal im Geiste zurück nach Gruissan. Nach der Fotoausstellung war es Zeit für Sonnenuntergangsfotos über dem Etang, von der Burg aus und für einen Apéritif in der Ortskneipe, immer noch warm genug, um mit vielen anderen draußen vor der Tür zu sitzen. Auch hier haben wir wieder nette Menschen getroffen und uns mit ihnen unterhalten. Volker war in guter Stimmung und großzügig mit dem Trinkgeld, am Schluss hat uns der Kellner einen Drink ausgegeben!

Zurück zum Logbuch: Auch wenn in der Ferne ein paar weiße Segel zu sehen sind, der Wind macht sich dünne, die anderen können entweder nur treiben, oder sie motoren, genau wie wir. Doch es ist angenehm warm, wenn man aus dem Fahrtwind wegbleibt, die Wellen sind niedriger geworden, Cap d’Agde strahlt uns weiß entgegen. Als wir das letzte Mal dort waren, konnten wir im Meer schwimmen und am warmen Strand liegen, das Schwimmen würde jetzt schon ein bisschen Überwindung kosten, unser Bordtermometer zeigt zwar 20 Grad Wassertemperatur an, aber ich glaube, das lügt.

13:00: Es geht doch! Es kommt ein bisschen Wind, und, schnappdiwapp, springt die Hexe bei 8-10 Knoten scheinbarem Wind sofort an und segelt mit 4,3 Knoten los. Für den Skipper ist damit die Welt wieder in Ordnung, zwar muss die lange Bux wieder angezogen werden, mein Spaghettiträgerhemd wird mir auch zu kalt, aber Volker sitzt glücklich am Steuer und wir kreuzen die letzten Meilen zur Hafeneinfahrt.
Wären wir heute morgen nicht so ungeduldig gewesen, hätten wir vielleicht den ganzen Weg segeln können…
In Cap d’Agde ist der Hafen komplett voll, hier findet eine der größten Gebrauchtbootmessen statt, aber dazu morgen mehr vom Skipper. Wir finden einen Platz an einem großenKatamaran, selbst für Strom und Wasser reicht es, morgen sehen wir weiter.

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Die Capitania

Keine Welle und ein schöner Wind – der Skipper ist glücklich

Keine Welle und ein schöner Wind – der Skipper ist glücklich

hat vorgestern kein Logbuch geführt (das stimmt so nicht, es ist nur megakurz ausgefallen, weil erst nix los war, und dann viel Wind und nach der Ankunft gab es soviele andere Dinge zu tun ;-)) und deswegen auch keinen Blog geschrieben und somit unseren treuen Lesern einen perfekten Segeltag so mir nichts, dir nichts, unterschlagen. Wie kann das sein? War es etwa Absicht, hat sich bei Cornelia der Schlendrian eingeschlichen oder war sie schlicht und einfach zu sehr mit der Schönheit des Segelns beschäftigt? Ich persönlich glaube, dass Letzteres der Fall war, auf mehrmalige Nachfrage gab es jedenfalls keine zufriedenstellenden Antworten. Ablandiger Wind, zwischen 3 und 6 Windstärken und ein direkter Anliegerkurs ohne großen Manöverstress, dazu ein tiefblauer Himmel und spiegelnder Sonne im ebenso blauen Meer. Eben ein perfekter Segeltag.

Kurz nach Sonnenuntergang über Gruissan

Kurz nach Sonnenuntergang über Gruissan

Egal wie, seit zwei Tagen sind wir im sicheren Hafen von Gruissan, der vom äußeren Erscheinungsbild sich nicht viel von Cap d’Agde, Canet en Rousillion oder Argeles unterscheidet. Praktische Betonkultur für möglichst viele Wohneinheiten, mit zahlreichen Restaurants und Modegeschäften im Parterre. Nur entgegen den Sommermonaten wirkt das Ganze jetzt reichlich ausgestorben. Die meisten der gut 1.000 Yachten im Hafenbecken liegen ebenfalls verlassen da. Scheinbar zieht es die Franzosen in ihren Herbstferien zu anderen Destinationen hin.

Olivenöl und lokale Leckereien

Olivenöl und lokale Leckereien

Wie gut, dass es in ca. einem Kilometer Entfernung noch das historisch-gewachsene Gruissan mit seiner pittoresken Altstadt gibt. Aber auch hier gilt, abends ist dort der Hund begraben. Nur am heutigen Markttag sind die Straßen bevölkert, und die zahlreichen Stände von kauflustigen Menschen umgeben. Die Capitania hat einen guten Schnapp gemacht und ein schönes Sommerkleid, das zudem noch “made in France” ist, für einen attraktiven Preis ergattert.
Nach dem Sommer ist halt vor dem Sommer und so ist sie modisch in jedem Fall schon mal gerüstet.

Prost!

Prost!

Damit der Einkaufsbummel dann auch ein wirklich perfekter wird, sind wir auf dem Rückweg bei der hiesigen Weinkooperative vorbeigebummelt. Dort gibt es unter anderem regionalen Corbière für günstige 1,75 € je Liter, der samstägliche Andrang an Weinkennern war beträchtlich. Rot, Weiß, Rosé, abgefüllt in kleine Plastikkanister zur Mehrfachverwendung. Beim Wein hat sich in Frankreich, zumindest teilweise, das Mehrwegsystem durchgesetzt, super.

Windstille heute früh

Windstille heute früh

Gerade eben hat ein schwacher Ostwind eingesetzt, wenn der sich stabilisiert, gehen wir später ein bisschen segeln.
Beste Wochenendgrüße von uns an Euch!

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Der letzte Monotörn

26. Oktober 2016, Mittwoch, Baro 1020, leicht bewölkt, Wind N 3
La Grande Motte 10:10 – Sète 14:30, 20 sm

Inschrift am Leuchtturm von Paul Valery

Inschrift am Leuchtturm von Paul Valery

Nach über 14 Tagen an Land haben wir heute morgen endlich wieder die Leinen gelöst und sind unterwegs nach Süden. Trotz des starken Winds der letzten Tage, der bis gestern morgen noch wehte, hat der eine Tag gemügt, um das Meer zu beruhigen. Es liegt glatt und friedlich voraus, ein sachter Wind weht aus Nord. Unzählige Fischerboote hoffen auf reiche Beute. Herbstzeit ist Fischzeit im Mittelmeer. Der rote Thunfisch zieht in Schwärmen vom Altlantik ins Mittelmeer. Und wir cruisen ganz entspannt mit “frisch renovierten” Segeln über die  spiegelglatte Wasseroberfläche. Es fühlt sich fast an, als würde unsere Hexe schweben, namensmäßig entsprechend.

italienische Farben…

italienische Farben…

Wir sind entspannt, der Hund ebenso, das Ziel ist nicht so wichtig, Hauptsache segeln. Irgendwann dreht der Wind weiter achterlich und kommt schließlich soweit von hinten, dass wir unseren farbenfrohen Spinnaker hissen. Leichtwindsegel müssen bunt sein unserer Meinung nach, je bunter, desto besser. So ein buntes Segel erheitert das Gemüt. Das Wort “farbenfroh” trifft es wohl am besten. Die “italienischen” Farben unseres Spinnakers erfreuen uns jedesmal, wenn wir das Segel mit dem Spifall nach oben ziehen und es sich farbenvoll entfaltet. Langsam, aner nicht zu langsam geht es unserem gewählten Tagesziel entgegen.

Schmutz im Hafenbecken

Schmutz im Hafenbecken

Um kurz vor drei Uhr ist auch der letzte Windhauch vorbei und die Hafeneinfahrt von Sète liegt passend vorm Bug. Ein Liegeplatz ist schnell gefunden. Am frühen Abend machen wir uns auf und wandern nach oben zum Leichtturm, durchstreifen anschließend die weitläufige Altstadt und flanieren schließlich am Stadtkanal entlang. Schlussendlich finden wir die kleine Kneipe nahe bei den Fischhallen wieder, die schon bei unserem letzten Besuch in Sète einen Besuch wert war. Der Wirt ist derselbe wie beim letzten Mal. Die 80er Jahre Hits, die aus den Lautsprechern dröhnen, animieren zum Mitsummen und die Getränkepreise sind mehr als moderat. Ein Ricard und ein Wein kosten gerade mal viereurofünfzig, zusammen. Günstig.

Abendhimmel

Abendhimmel

Haben wir schon vom roten Regen der letzten Tage geschrieben? Vor zwei Tagen hat Wetteronline.de von einer Saharastaubwolke über Südfrankreich gewarnt. Und mit jedem Regenschauer, gestern wie heute, wurde unser Schifflein rot beregnet. Für die nächsten Tage ist Schluss mit Regen und deswegen haben wir heute nach unserer Ankunft in Sète das ganze Boot inklusive Segel supergründlich geschrubbt. Morgen schippern wir ein bisschen weiter, je nach Wind vielleicht nach Gruissan oder nach Cap d’Agde.

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Der Herbstwind singt sein Lied

Trotz sieben Windstärken ist der Strand voll

Trotz sieben Windstärken ist der Strand voll

und das nicht leise, sondern laut. Unüberhörbar sozusagen. Seit mehr als 48 Stunden weht es mit Sturmstärke aus Südost und Böen mit bis zu vierzig Knoten pfeifen um die Masten herum. Hexentanz im Hafen ist angesagt. Kalt ist es dabei nicht, 18 bis 20 Grad zeigt die Quecksilbersäule Tag und Nacht an. Tag und Nachtgleiche eben.

img_3657Beim Sonnenauf- bzw. Untergang kann von Gleichheit keine Rede mehr sein. Erst nach 8 Uhr morgens wird die Sonne im Osten sichtbar und um 19 Uhr isrt es schon wieder duster. Aber im Moment ist der gelbe Planet eh nicht sichtbar und verbirgt sich den lieben langen Tag hinter den Wolken, und alles wirkt grau in grau. Dafür geht es am Strand umso bunter her.

img_3658Zahlreiche Wind- und Kitesurfer zeigen ihr Können. Und manch ein Könner verlässt für einige Sekunden das Wasser und fliegt mit seinem Schirm hoch durch die Luft. Nicht nur junge Menschen begeistert diese Sportart. Nahezu alle Altersklassen sind auf dem Wasser zu finden. Bedingt durch den starken Wind werden überwiegend kleine Schirme, die sog. Kites, zwischen 7 und 9 Quadratmetern verwendet. Ich bin immer wieder überrascht, dass so ein relativ kleiner Kite soviel Kraft und Vortrieb entwickeln kann.

… und ergießen sich über den Weg

… und ergießen sich über den Weg

Die Wellen schlagen gegen den Beton…

Die Wellen schlagen gegen den Beton…

Cornelia hingegen war gestern leider ein bisschen malade und lag mit Übelkeit auf dem Sofa. Auch Freund Wolfgang war vor zwei Tagen kurzfristig außer Gefecht gesetzt. Wir spekulieren ergebnisoffenn und spaßeshalber, ob es sich um ein französisches oder mitgebrachtes deutsches Virus handelt. Als Wolfgang davon betroffen war, hatten wir erst die rohverzehrten Meeresfrüchte im Verdacht, die nur er gegessen hatte. Inzwischen geht es beiden glücklicherweise wieder gut.

Die Wellen schlagen gegen den Beton…

Die Wellen schlagen gegen den Beton…

… und ergießen sich über den Weg

… und ergießen sich über den Weg

Ab Mittwoch soll sich die Wettersituation endlich grundlegend zum Besseren hin entwickeln und wir wollen segeln gehen.

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Die Vega

ist der Hauptstern im Sternbild der Leier und bedeutet, aus dem arabischen übersetzt, soviel wie “herabstürzender Adler”. Aufgrund der Veränderungen der Erdachse war die Vega vor gut 14.000 Jahre der Polarstern. Die Vega wurde von Astronomen ausgiebig untersucht und beobachtet und ist dank ihrer großen Helligkeit, der fünthellste Stern an unserem abendlichen Sternenhimmel.

verschiedene Stoffe stehen zur Verfügung

verschiedene Stoffe stehen zur Verfügung

Vega Voiles (Voiles –  französisch für Segel) ist die regionale Segelmacherei im nahegelegelegenen Grau du Roi. Zwei Mitarbeiter aus der Segelmanufaktur hatte ich bereits im Frühjahr bei der Ausfahrt mit dem Renntrimaran kennengelernt. Auf der Rückfahrt von der Côte d’Azur ist ein Mastrutscher aus dem Großsegel rausgerissen, wegen der extremen Schaukelei bei Windstille und bei unserem ersten Rückfahrtversuch von Marseille nach Land Grand Motte hat eine sog “weisse Böe” den UV-Schutzstreifen von unserem Vorsegel zerissen.

Die CAD-Maschine

Die CAD-Maschine schneidet…

Die Jungs von Vega Voiles waren schnell zur Stelle und haben die Segel abgeholt. Rechtzeitig zu unserer Rückkehr von Deutschland waren die Segel abholbereit und fachkundig repariert. Bei der Abholung gab es eine ausführliche Betriebsführung, denn Vega Voiles repariert nicht nur Segel, sondern stellt alle Segel in Grau du Roi selbst her. Das ist nun wirklich etwas besonderes in der europäischen Segelmacherlandschaft, denn fast alle Segelhersteller haben ihre Produktion ausgelagert und lassen die Segel in China anfertigen.

Ein scharfes Messet schneidet die Segel zu

…mit einem scharfen Messet die Segel zu

Vega Voiles deckt selber alle Fertigungsbereiche ab, d.h. vom aufwändig verarbeiteten Segel für den Fahrtensegler bis hin zum Hightechsegel aus Carbonfasern für den Regattafreak, alles wird am “heimischen” Computer geplant und auf der CAD-Schneidemaschine zugeschnitten, um anschließend auf dem sogenannten Segelmacherboden vernäht zu werden.

Der Segelmacherboden

Der Segelmacherboden

Der Segelmacherboden ist eine große Holzfläche mit Ausschnitten, in die der Segelmacher einsteigt, um von dort aus die Nähmaschine zu bedienen. Wer jetzt denkt, dass die Segel von Vega Voiles, weil “Made in France” teurer sind als der Chinaimport, der irrt sich. Ich habe einige Preisbeispiele erhalten und war positiv erstaunt! Gut und günstig geht anscheinend auch hier.

Der neue UV-Schutzstreifen geht in den grauen Sturmhimmel über La Grande Motte über

Der neue UV-Schutzstreifen geht in den grauen Sturmhimmel von La Grande Motte über

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Bullenrennen

im Aufbau

im Aufbau

Der Bau unseres neuen Katamarans schreitet mit großen Schritten voran. Rumpf und Deck sind zusammengesetzt. Die Motoren, einer im linken und einer im rechten Rumpf, sind schon eingebaut, unzählige Kabel sind in Rohren verlegt, zahlreiche fleißige Werftmitarbeiter wuseln auf dem neuen Schiff herum. Ausgeliefert wird Ende Januar oder Anfang Februar, nächsten Jahres. Eine spannende Zeit für uns. Keden Tag gibt es irgendetwas zu entscheiden.

Freund Wolfgang passt gerade so durch die Stäbe hindurch

Freund Wolfgang passt gerade so durch die Stäbe hindurch

Ein ganz anderes Erlebnis der besonderen Art hatten wir heute in Aigues-Mortes, dieser mittelalterlichen Stadt in der Camarque, über die wir schon mehrfach berichtet hatten. Heute gab es dort ein Spektakel, das wir so noch nicht gesehen hatten. Überall an Kreuzungen in der Innenstadt standen Absperrgitter, allerdings mit so großem Gitterabstand, dass Menschen durchschlüpfen können. Zudem hingen an allen Ecken Lautsprecher und eine aufgeregte Männerstimme kommentierte irgendein Ereignis. Anfänglich wussten wir nicht so recht, was vor sich ging. Dann wurde die Lautsprecherstimme noch eine Spur aufgeregter, dann kam  plötzlich Hufgeklapper.

Die Reiter haben den Stier in der Mitte

Die Reiter haben den Stier in der Mitte

Drei cowboyähnliche Reiter stürmen im wilden Galopp, mit einem freilaufenden Stier in der Mitte durch die historische Altstadt. Die Zuschauermenge stiebt auseinander und sucht Schutz vor dem herannahenden Reitertross. Kurze Zeit später folgen die nächsten Reiter, alle mit einem schwarzem Vollblutstier in der Mitte. Bei dem Stiertrieb dirch die Stadt handelt es sich wohl um ein langjähriges traditionelles Ereignis, das an drei Wochenenden hintereinander im Oktober stattfindet. Die Reiter stellen dabei ihr Können unter Beweis. Uns erinnerte es ein wenig an eine Cowboyshow. Manchmal hat der Stier seinen eigenen Weg gesucht und ist auf nicht rechtzeitig abgebogen, wobei besonders mutige Jugendliche mit aisgebreiteten Armen versuchen, den Stier in die richtige Richtung zu dirigieren.

Die Stadtmauer

Die Stadtmauer

Der ausgebüchste Stier

Der ausgebüchste Stier

Um 19 Uhr war das Spektakel vorbei, die Dorfbevölkerung ist zum nächsten Programmpunkt gepilgert und wir sind zurückgefahren nach La Grande Motte.

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Herbstwetterbericht

Wir sind wieder an Bord. Die achteinhalb Stunden Fahrt gingen fix vorüber. Kurz vor La Grande Motte hat sich denn auch die letzte Wolke verzogen und den Blick auf die Sonne und den blauen Himmel freigegeben. Spätsommerliche Wärme, sehr angennehm, nicht zu heiß, nicht zu kalt, gerade recht. Auf der einen Seite freuen wir uns, wieder hier zu sein, auf der anderen Seite fahren unsere Gefühle Achterbahn. Zu nahe ist noch das traurige Ereignis. Zurück zur “Normalität” geht nicht so schnell, dafür ist das Gefühl des Verlustes viel zu groß.

Ab morgen haben wir liebe Freunde an Bord. Wolfang und Ute mit Sohn Aljoscha wollen uns für ein paar Tage besuchen. Bis am Samstag Abend sollen auch die Wettergötter mitspielen. Ab dann wird uns leider ein Regentief heimsuchen. Es wird definitiv Herbst hier am Mittelmeer. Abends läuft die Heizung im Boot, der Kellner im Restaurant kokettiert mit den freien Plätzen,. Saisongeschäfte sind geschlossen und die gelben Bojen, die im Sommer den Badebereich abtrennen, sind weg.

Die herbstliche Ruhe tut gut, ist aber noch irgendwie ungewohnt. Der Sommer geht gefühlt immer viel zu schnell vorbei. Regnerisch wird es ein absolut heißer Herbst.

Es dauert nur noch wenige Tage, bis die sog. Vendée Globe Regatta startet. Ein Nonstop-Rennen mit gut 20 Meter langen Hochseeregattayachten um die Welt. Das Ganze Singlehanded. Also mit nur einem Menschen an Bord, der dann alle Funktionen, die sonst auf zahlreiche Mannschaftsmitglieder verteilt sind, selbst wahrnehmen muss.

Bei der diesjährigen Ausgabe der Vendée Globe gibt es zudem noch eine Neuerung, die dieses Extremrennen noch extremer macht. Mit den sogenannten Foils sollen sich die Schiff bei viel Wind extrem weit aus dem Wasser heben und praktisch nur noch mit dem Kiel und dem Ruder im Wasser, über die Meere rasen. Für Spannung ist also gesorgt, doch dazu beim nächsten Mal me(e)hr.

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Dunkle Wolken

 

und ein schwerer Sturm sind über La Grande Motte und das gesamte westliche Mittelmeer hinweggezogen. Das Schwarz des Himmels passt auch zu unserem momentanen Gemütszustand. Alles im Leben hat bekanntlich seine Zeit. Die Zeit der Freude, die Zeit des Glücks, aber leider auch die Zeit der Trauer. Ein lieber Freund, ein leidenschaftlicher Segler und vor allem ein guter Mensch ist unerwartet und viel zu früh in der letzten Woche verstorben.

Was uns bleibt, ist die Erinnerung an viele schöne gemeinsame Stunden und Erlebnisse mit ihm. Wir wollen zur Trauerfeier und sind gestern von La Grande Motte aus nach Hause gefahren. Diesmal ein schwerer Weg für uns und die Stunden der Nachhausefahrt haben sich auch gedehnt wie “Gummi”. Nur wenige Worte wurden gewechselt.

Die Rückfahrt zum Boot ist für den kommenden Mittwoch geplant.

Mehr gibt es im Moment nicht zu sagen.

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