Juchhe, auf See

25. Mai 2016, Mittwoch, Baro 1009, bewölkt, Wind SO um 3

Tatsächlich, alles ist erledigt, der Osteopath hat mir die Wirbel gelockert, nach einem netten Abend mit Annett und Patrick machte Volker heute morgen eine Testfahrt mit der “Wildling”, die gestern neue Schrauben bekommen hat, und direkt danach lösen wir die Leinen. An der Capitainerie müssen wir noch einmal anlegen, die Schlüssel abgeben und die letzten Tage bezahlen, dann sind wir auf See und die Hexe in ihrem Element.

Skipper mit Big Hands

Skipper mit Big Hands

Die Segel stehen, der Wind kommt leicht achterlich und wir fliegen in Richtung der südlichsten französischen Küstenorte. Tagesziel ist Canet-en-Roussillon, mal sehen, ob der Wind durchhält, ansonsten müssen wir in einen der Häfen davor oder die “Eiserne Genua”, den Motor, anwerfen.

Es ist leider bewölkt, eine fast geschlossene Wolkendecke hält die Sonne ab, Volker steuert in Ölzeug und mit Fließhandschuhen. Nico hat es sich im Cockpit in seinem Körbchen bequem gemacht, er weiß noch nicht, dass es heute ein wenig länger dauern wird, bis wir mit ihm Gassi gehen können.

Nach 15:00 Uhr wird leider der Wind schwächer, der Schnitt wird schlechter, die Ankunftszeit verschiebt sich eher Richtung 22:00 Uhr, angeblich soll heute Nachmittag wieder mehr Wind kommen. Dafür scheint jetzt die Sonne und die Handschuhe haben Pause.

Das sieht mehr nach Terroristin aus als nach Capitania…

Das sieht mehr nach Terroristin aus als nach Capitania…

Nach 16:00 Uhr brauchen wir nicht nur Handschuhe, Mütze, dicke Jacke und Schal, wir wechseln uns ab, damit wir nicht auskühlen. “Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass”, so eine alte Bauernregel, schaumermal…

Volker backt uns Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Wurst, das wärmt von innen, und um 21:25 haben wir die Leinen fest in Canet-en-Roussillon. Tagesetappe erreicht, und das in einer guten Zeit, fast 70 Seemeilen in weniger als 11 Stunden, brave Hexe.

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Schiffe im Gurt…

Die "Krake" fährt über den Parkplatz

Die “Krake” fährt über den Parkplatz

Wenn der freifahrende 100-(in Worten einhundert)-Tonnen Kran die Schiffe zwischen seinen Gestellen an “dünnen” Gurten übers Hafengelände kutschiert, sieht das beinahe so aus wie eine Krake, die ihre Beute festhält. Behutsam werden die Boote aus dem Wasser genommen, zum Lagerplatz gefahren und dort ganz vorsichitg auf Stahlgestellen abgestellt, oder eben den umgekehrten Weg.  Den ganzen Tag geht das so hier auf dem Kranplatz. Egal, ob Yachten die sozusagen frisch mit dem LKW angeliefert werden, kleine oder ganz große Boote, Segelschiffe Motorboote, Katamarane, alles was ins oder aus dem Wasser rausmuss, wird von dem gigantischen Krakenkran an die richtige Stelle verpflanzt.

Nur LKW-mäßig war heute ausnahmsweise nicht so viel los, denn die Tankstellen in Frankreich stehen weitestgehend ohne den lebensbestimmenden Brennstoff dar. Warum das so ist, ist jedem Frankreichkenner sofort klar – es wird wieder mal gestreikt. Nicht dass das ungewöhnlich ist, diesmal sind halt die Raffinerien dran. Rien de va plus – nichts geht mehr und die “Grande Nation” steht still. Ein paar Insider steuern mit ihren Autos die hiesige Bootstankstelle an und füllen den leeren Tank geschwind auf. Wer danach fragt, wann der Streik vorbei ist, erntet nur ein Schulterzucken, niemand weiß es so genau.

Beeindruckende Beton-Architektur des 20. Jahrhunderts

Beeindruckende Beton-Architektur des 20. Jahrhunderts

Auch wir haben heute morgen ein paar Tropfen fossilen Dieselkraftstoffs verbrannt, haben aber noch über 100 Liter im Dieseltank. Kalt ist es geworden seit gestern, relativ kalt natürlich. Aber mit 12 Grad um 10 Uhr morgens liegt die Quecksilbersäule deutlich unter ihrem gewohnten und möglichen jahreszeitlichen Niveau. Das gute an unserer Dieselheizung ist, dass sie auch nach wochenlanger Pause sehr willig anspringt und binnen kürzester Zeit unseren Lebensraum muggelig aufwärmt. Es gab Menschen, die vor unserem Reisebeginn gesagt haben, das man südlich von Genua keine Heizung mehr braucht, sondern eher eine Klimaanlage. Letztere haben wir noch nie vermisst und erstere doch häufig in Gebrauch.

Morgen hat die Capitania einen Termin beim Osteopathen ergattert und wir hoffen sehr, dass der blockierte Nerv im Rücken dort gekonnt gelöst wird, damit wir bald weiterschippern können. Wetterberuhigung ist angesagt, das Schiff zuppelt an den Leinen, das Meer ruft, und wir wollen es nicht zu lang warten lassen.

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Aufräumtag

Das Bücherregal

Das Bücherregal

Fast jeder kennt das, der erste Umzug aus dem elterlichen Haus, rein in die Wohngemeinschaft, oder in die kleine Einzimmerwohnung. Viel gibt es nicht, viel braucht man nicht. Alles, was einem gehört, passt in den Kombi oder maximal in den VW-Bus. Die Leichtigkeit des Seins, weniger ist mehr, leere Räume sehen ja auch besser aus als vollgestellte. Über die Jahre kommt dann doch so einiges an lieb gewonnenen Gegenständen hinzu, Dinge, die das Leben leichter machen – Gegenstände, die den einst leeren Raum voller machen.

So, oder zumindest so ähnlich, ergeht es uns. Jetzt sind wir über 18 Monate unterwegs, überwiegend zumindest, und so langsam füllen sich die Ecken und letzten Stauräume unserer Hexe. Viel freien Platz gibt es nicht mehr und vor jedem Ablegen muss einiges und immer mehr seefest verstaut werden. Das Bücherregal quillt über, unser kleines “Schuhfach” beherbergt mittlerweile über 10 Paar Schuhe und Sandalen, die Ablagen im Bad waren überfüllt mit mehreren Sonnencremeflacons, vier Zahnpastatuben, mehreren Mückensprays sowie zahlreichen Duschshampoos. Auf den Seitenablagen im Salon ging garnichts mehr. Insgesamt sieht das Gesamt-Ensemble ja auch nicht mehr so schön aus, wenn alles vollgestellt ist und es entspricht auch ganz sicher nicht dem Ansinnen des Bootsinnendesigners.

Auch im Medikamentenschrank ist es jetzt übersichtlicher

Auch im Medikamentenschrank ist es jetzt übersichtlicher

Zeit zum Handeln also, dachte die Capitania und hat in stundenlanger Kleinarbeit alles mögliche umgeräumt, umverteilt, aussortiert, weggeworfen und Schönes wieder sichtbar gemacht. Was für ein Unterschied. Klar sind die Schuhe oder Medikamente und andere Dinge nicht weniger geworden. Aber vieles ist aus dem Blickfeld verschwunden und die eigentlich sehr schöne Inneneinrichtung kommt wieder zur Geltung.

La Fête commence…

La Fête commence…

Gestern waren wir bei Outremer, der ortsansässigen Katamaranwerft, zur Übergabefeier eines neues Katamarans an ein östereiches Paar, von ebendiesem Paar eingeladen. Zusammen mit der ganzen Werftbelegschaft umd den stolzen Eignern haben wir einge schöne Stunden verbracht. Ein Cateringservice hat Spanferkel und Lamm am Spieß zubereitet, Wein gab es reichlich dazu und das freudige Ereignis wurde gebührend gefeiert. Es war ein großartiges Fest – und alle Beteiligten waren offensichtlich stolz, etwas  zu dem Gelingen des Projekts beigetragen zu haben.

Ein musikalischer Stuhl in der Kunstausstellung in der Capitainerie

Ein musikalischer Stuhl in der Kunstausstellung in der Capitainerie

Für morgen sind heiße 30 Grad vorhergesagt umd vielleicht lädt das noch kühle Nass zu einer Eröffnung der diesjährigen Badesaison ein.

Inzwischen machen wir jeden Tag die verordneten Dehnübungen, damit sich Rückennervblockade bei Cornelia löst. Ich zieh ihr, zum Beispiel, während sie auf dem Rücken liegt, die Beine lang (nicht die Hammelohren, hihi), die Capitania übt sich in anderen Schon- oder Streckhaltungen und wir hoffen, dass das Ganze auf einem guten Weg ist. Nur Bilder von dem ganzen Dehnübungsteil gibt es keine, das sieht dafür doch teilweise zu seltsam aus.

Sonnenuntergang mit der "Grande Pyramide!

Sonnenuntergang mit der “Grande Pyramide”!

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Dies und das

Katamaran-Name: "Mehr als eine"

Bezeichnender Katamaran-Name: “Mehr als eine”

Was soll man schreiben, wenn nicht ganz so viel passiert? Wenn die Tage relativ gleichförmig sind? So gleichförmig wie das Wetter, mittlerweile, endlich. Die Sonne scheint seit Samstag vom wolkenlosen Himmel, die Quecksilbersäule pendelt sich tagsüber bei komfortablen 25 Grad ein, nachts ist es mit 14 Grad angenehm kühl. Am langen Pfingstwochenende waren die umliegenden Strände und die Uferpromenaden gut gefüllt mit Erholungssuchenden.

Doch nicht alle Betriebe standen am Pfingstmontag still. Seit einigen Jahrzehnten gilt der Pfingstmontag als Tag der Solidarität in Frankreich. Wer an diesem Tag arbeitet, tut etwas Gutes – nicht für den Firmeninhaber, sondern für bedürftige Menschen in Altersheimen und Hospizen. Die Arbeitgeber leiten den Lohn des Arbeitnehmers für diesen karitativen Werktag weiter – eine gute Idee.

Abendstimmung

Abendstimmung

Gestern Abend waren wir auswärts essen, wie man so schön sagt. Auswärts betont in dem Fall nur, dass der heimische Herd oder Grill kalt bleibt. Nicht die Entfernung zum nächsten italienischen Restaurant, das liegt keine 100 Metter weg, hat dafür aber einen seltsam anmutenden Namen. Es heißt “La Cosa Nostra” und wer denkt dabei nicht an die Mafia. Als wir dann auf der Speisekarte noch eine Pizza “Vendetta”, Blutrache, entdeckten, ging beinahe die Fantasie mit uns durch. Trotz der seltsamen Namen war das Essen ausgezeichnet. Besonders hervorzuheben waren die Miesmuscheln von Cornelia in einer Sahne-Käse-Wein-Soße und mein Dessert, ein Mousse-au-Chocolat. Letzteres fast so gut wie das von Ute, aber eben nur fast.

Heute waren wir mit Nico am Strand und der hat sich ganz tapfer ins kühle Nass des Mittelmeers hineingelegt. Danach allerdings hat die Capitania unsere Mailadressen und unseren Server erfolgreich (?) aktualisiert. Leider sind dabei meine ganzen alten Mails und Mailadressen im Datennirwana verschütt gegangen. Die Capitania ratlos (Mist!), der Skipper schlecht gelaunt. Grrrrrr… Wer also in den nächsten Wochen Mails mit mir schreiben will, macht daher am besten mal den Anfang und schreibt mir eine. (Wir beantworten sie auch alle!)

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Hoch hinaus

Endlich! Am Freitag, dem 13. haben wir uns auf den Weg zum Boot gemacht, und alles ist gut gegangen. Das Boot lag noch sicher vertäut an seinem Platz, die Autobahnen waren nicht überfüllt, nach achteinhalb Stunden waren wir in La Grande Motte. Freund Wolfgang hat sich drei Tage Auszeit gegönnt und ist mit uns gefahren, jetzt, am Sonntag, ist er schon wieder unterwegs, und nimmt unser Auto mit zurück.

Köstlichkeiten der Meere

Köstlichkeiten der Meere

Auf der Hinfahrt war es etwas eng im Wagen, denn Wolfgang hatte zwei Kitefurfbretter und die entsprechende Ausrüstung dabei. Am Freitag begleitete uns der Regen und das schlechte Wetter bis zum Meer. Genügend Wind gab es schon, aber die ablandige Brise lud auch nicht so sehr zum Surfen ein, wer weiß, ob man nicht plötzlich in die Mitte der Bucht abgetrieben wird, und bei dem Wetter sind auch keine anderen Surfer oder Ausflugsboote unterwegs. Also verschieben wir das auf den nächsten Tag, am Samstag soll das Wetter deutlich besser sein, wir schauen ein bisschen die möglichen Surf-Spots an und erfreuen uns am Abend an den Köstlichkeiten des Meeres.

Wie versprochen scheint Samstag Morgen die Sonne, nach einem Frühstück im Cockpit machen wir uns auf nach Le Grau du Roi, denn dort, am östlichen Ende der Bucht ist der nordwestliche Wind günstiger, weil auflandig, das bedeutet, bei eventuellen Problemen auf dem Wasser wird der Surfer von seinem Kite an Land gezogen.

Das Aufblasen ist die härteste Arbeit, sagt Wolfgang

Das Aufblasen ist die härteste Arbeit, sagt Wolfgang

Man muss ein bisschen zum Strand laufen, dort sehen wir am Ende der Bucht einige bunte Schirme am Himmel, auch ein paar Windsurfer fegen übers Wasser, und bei der Marina Port Camargue findet eine Regatta mit Segelbooten statt. Nachdem die Jungs das ganze Gepäck, zwei Bretter, zwei Schirme, die Gurte, den Trapezgurt zum richtigen Spot geschleppt haben, muss mit einer Fußpumpe zunächst der Schirm aufgeblasen werden, vorher die Entscheidung: Nimmt man 9 qm oder doch lieber 12?

Starthilfe

Starthilfe

Dann wird der Trapezgurt angelegt, die Leinen befestigt, nun braucht der Kitesurfer nur noch einen Helfer, der ihm den Schirm hält, bis dieser genügend Druck hat und in die Luft steigt. Jetzt können wir Wolfgang bewundern, wie er – mit einigen anderen, aber nicht zu vielen – durch die Bucht fegt, und schließlich soviel Höhe geholt hat, dass er ein bisschen freies Wasser um sich herum hat und nicht immer aufpassen muss, dass er nicht einem anderen zu nahe kommt, und sich die vielen Leinen verwickeln.

Der Schirm steht!

Der Schirm steht!

Mittags kommen immer mehr Kitesurfer, nachdem Wolfgang sich richtig ausgetobt hat, suchen wir einenPlatz, an dem auch Volker es probieren kann, nur mal den Schirm steigen lassen und über dem Kopf halten, das ist schon schwierig genug für das erste Mal. Es ist anstrengend und gar nicht so leicht, wie es bei den routinierten Fahrern aussieht.

Da hat ein blauer Crog das Maul ganz schön weit aufgerissen

Da hat ein blauer Crog das Maul ganz schön weit aufgerissen

Die blauen Crogs haben es leider auch nicht mitgemacht, wenn der Schirm und Volker sich nicht richtig verstanden haben. Es gibt den einen oder anderen Absturz, bis der Kite richtig am Himmel steht. Ich bin sicher, dass Volker das ganz bald lernen wird, wenn wir mal länger an einem schönen windigen Ort verweilen. Und wer sich die ersten Versuche des tapferen Schülers, und – am Anfang des Films – den rasenden Lehrer anschauen mag, der klicke hier.

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Tolle Jolle

Coxiella Einsatzbereit!

Coxiella einsatzbereit!

Dicke Staubschichten, abgelaufener TÜV und platte Reifen am Anhänger mussten erstmal sozusagen “beseitigt“ werden, bevor der Ausflug mit unserer flotten Jolle beginnen konnte. Knapp zwei Wochen segelfreie Zeit haben ihre Spuren bei uns hinterlassen  und zwei Jahre segelfreie Zeit die ihren beim Material. Ein frischer Ostwind, reichlich Sonne und steigende Temperaturen taten den Rest. Es war mal wieder an der Zeit zu segeln, An der Zeit, die lange eingemottete Segeljolle ans Tageslicht zu ziehen und aufzuriggen. Das Meer ist weit weg, der Rhein mit seinen Altrheinarmen lockt in erreichbarer Nähe.

Nico sucht sich einen sicheren Platz

Nico sucht sich einen sicheren Platz

Unser schwimmendes Gefährt ist eine Jolle. Also ein Boot mit Segeln und aufholbarem Schwert, das qua Definition nicht gewichtsstabil, sondern formstabil ist. Was bedeutet das in der Praxis? Gewichtsstabil, wie bei unserer Hexe bedeutet, dass das Schiff nicht umkippen kann, weil ein schwerer Kiel darunter hängt. Zumindest theoretisch. Formstabil bedeutet, dass das Boot so gebaut ist, dass die Form des Rumpfes ein Umkippen verhindern soll und die Segler ihr Körpergewicht mit einsetzen müssen. So weit, so gut. Unsere “Javelin“ ist, wie schon eingangs geschrieben, eine sehr flotte und sehr arbeitsintensive Jolle mit reichlich Segelfläche und garantiertem Spaßfaktor.

Ein glücklicher Segler

Ein glücklicher Segler

Spaßfaktor deshalb, weil man damit meistens mühelos an jedem anderen Boot vorbeisegelt. Obwohl das mit dem mühelos auch wieder so eine Sache ist. Denn dafür muss man sich ganz schön bewegen. Bewegen, um nicht zu kentern und ständig an den Schoten rumtrimmen, damit es fix vorangeht.

Ein ideales Gefährt für Binnenreviere, auf denen der Wind nicht so frisch wie auf dem Meer weht, sonderrn vielfach von Bäumen oder Gebäuden gebremst wird. Auf dem Wasser war an diesen Tagen alles unterwegs was es als Wassersportgefährt so gibt. Motorboote klein und groß, Tretboote, Surfer, die landestypischen Angelkähne, jede Menge Kanuten, Gummiboote und Segelschiffe.

Eine Bratwurst tut gut nach einem anstrengenden Tag

Eine Bratwurst tut gut nach einem anstrengenden Tag

Nach drei Tagen Seesegeln, im wahrsten Sinne des Wortes, schmerzen einige Muskeln, die anscheinend lange nicht eingesetzt wurden. (Ich wusste gar nicht, dass man an den Knien so viele Muskeln haben kann, die einen Kater haben. Am letzten Tag bin ich froh, als der Steuermann sagt, wir müssten jetzt langsam zurück, weil wir abends eingeladen waren, lange hätten meine Knie und mein Po das auf den harten Planken nicht mehr mitgemacht…) Wir packen alles wieder zusammen, d.h. Segel, Schoten und Fallen abschlagen, den Mast legen, die Jolle mitsamt dem Slipwagen auf den Anhänger ziehen, alles verkehrssicher verzurren und verstauen, zum Schluss noch die Elektrik vom Anhänger am das Zugfahrzeug anschließen, insgesamt rund eine Stunde Rumwurschtelei.

Zum Klassenerhalt: Liliensekt!

Zum Klassenerhalt: Liliensekt!

Und am Ende der Tage werden wir belohnt: Zur Feier des Verbleibs der Lilien in der 1. Bundesliga grillen wir mit den lieben Nachbarn und stoßen mit Liliensekt auf den Klassenerhalt an.

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“Experiminta” in Frankfurt

Schattenspiele

Schattenspiele

Am Dienstag habe ich mir wieder einmal meine Lieblings-Nachbarskinder ausgeliehen, um ins Museum zu gehen. Eigentlich wollte ich mit Lukas und Franziska ins Mathematicum nach Gießen, weil Franziska mir mal erzählt hatte, dass Mathe ihr nicht so viel Spaß macht, und ich wollte sie davon überzeugen, dass Rechnen nicht nur langweilig sein muss.

Dann bekam ich den Tipp, dass es in Frankfurt die “Experiminta” gibt, auch ein Museum, in dem Naturwissenschaft erlebt werden kann. Für einen Nachmittag erschien mir das – schon wegen der räumlichen Nähe zu Darmstadt – eine attrative Alternative. Und es war genau die richtige Entscheidung!
Schon am Eingang zum Museum hatten wir Spaß: Deckenhohe Spiegel hängen dort, ein ganz normaler, ein konvexer und ein konkaver, so konnten wir uns lang und dünn machen, aber auch klein und dick.

Die unendlichen Weiten…

Die unendlichen Weiten…

Als Kleinfamilie hatten wir vergünstigte Eintrittspreise, und schon waren die beiden dabei, all die ausgestellten Maschinen zu erforschen. Während ich erstmal die Tafeln an den Wänden las, um den Zweck des Experiments erklärt zu bekommen, hatten sie es oft intuitiv im wahrsten Sinne des Wortes “begriffen”.
An der Kasse hatten wir den Tipp bekommen, doch gleich mal in den 1. Stock zu gehen, da sei der Flugsimulator in Betrieb. Das war ein großer Spaß für die beiden, mit einer 3D-Brille, Steuerknüppel und Gasschalter in den Händen, durch den Weltraum zu fliegen.

Die kleine Fakirin

Die kleine Fakirin

Das Prinzip des Flaschenzugs wird ganz leicht verständlich, wenn man sich, auf einem kleinen Stuhl sitzend, selbst mit einem Seil an die Decke ziehen muss, bei dem vierfach übersetzten Flaschenzug ging es viel leichter. Es gab ein Fakirbett, vor dem sie zunächst Respekt hatten, aber Franziska lag zum Schluss ganz entspannt darauf, weil sie verstanden hatte, dass man sich möglichst flach hinlegt, um das Gewicht zu verteilen. Mit dem Energie-Gokart ließen sie eine Eisenbahn fahren und eine Nähmaschine rattern. Von einem Ritt auf dem Teufelsrad haben wir Abstand genommen, nachdem wir Zeuge waren, dass man davon durchaus runterrutschen und sich wehtun kann; aber wir hatten viel Spaß dabei, ins Innere eines Auges zu steigen und die Linse groß und klein zu machen, und uns von einer Statue aus allen möglichen Blickwinkeln verfolgen zu lassen.

Eine Seifenblase kurz vorm Platzen

Eine Seifenblase kurz vorm Platzen

Wir haben den Ball um Luftstrom tanzen lassen, uns am Schattentheater erfreut, zweimal einen Code geknackt, und uns kurz vor Schluss beim Puzzeln entspannt, eine Brücke gebaut, und Monster-Seifenblasen gemacht. Was für ein schöner und informativer Nachmittag, wir haben auf jeden Fall viel erlebt, erlernt und erfahren.

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Die letzte Woche

Eine Woche ist es jetzt schon her, dass wir den langen Rückweg nach Darmstadt angetreten haben. Acht Tage weg vom Boot und weg vom Meer. Dabei sind wir noch einen Tag vor der Abreise in eine gefühlt weit zurückliegende Zeit eingetaucht. Genauer gesagt, haben wir mit Patrick und Annett, einem deutschen Seglerpaar, die mittelalterliche Stadt Aigues Mortes besichtigt. Der alte Innenstadtkern ist von einer hohen Festungsmauer umgeben und die jahrhundertalte Geschichte von Aigues Mortes ist überall spür- und sichtbar. Außerhalb des steinernen Befestigungswalls gibt es einige schiffbare Kanäle und das Panaorama erinnert uns ganz stark an Holland. Masten und Bootskörper, die so erscheinen, als würden sie durch Felder und Landschaft fahren. Die Kanäle ziehen sich wie blaue weitverzweigte Lebensadern durch die Camargue-Region und kontrastieren mit dem weithin sichtbaren Weiß der Salzberge um die Wette. Ein ausführlicher Stadtrundgang und ein leckeres Abendessen in einem gemütlichen Restaurant runden den rundum gelungenen Ausflug ab. Danke an Patrick und Annett für den Tip!

Und nach einem Zeitsprung und Ortswechsel sind wir wieder im Hier und Jetzt in Darmstadt.

Von gestern bis heute hatten wir Besuch aus dem hohen Norden der Republik. Jens und Martina von der Maje waren spontan zu Gast. Ein Besuch, über den wir uns sehr gefreutt haben, auch wenn die paar Stunden mit reichlich Klönschnack, Besuch bei unseren Nachbarn  und ein bisschen Programm zum Sightseeing viel zu schnell vorbei gegangen sind.

Morgen kommen Detlef und Ingrid, unsere Segelfreunde vom Kaarster Segelclub, zum Mittagsessen vorbei. Gut, dass Segler nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf der Straße, ein recht reisefreudiges Völkchen sind.

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Montagsboot?

Wellenspiele

Wellenspiele

In Sète haben wir einen Sozialarbeiter kennengelernt, der auf seinem Segelboot Kinder aus sozialschwachen Familien auf Segeltörns mitnimmt und diese auch zu Hause pädagogisch betreut. Ein engmaschiges Betreuungssystem wacht konstant, nicht nur bei den Segelfreizeiten, über das Wohl der Kinder. Das ist so leider nicht bei allen erlebnispädagogischen Maßnahmen der Fall und meines Erachtens der Grund, warum der Erfolg ausbleibt. Häufig fallen die Teilnehmer nach den Pädagogikmaßnahmen in ihre alten tradierten Verhaltensweisen zurück und langfristige zeigen sich keine Veränderungen. Aber das nur am Rande.

Jedenfalls kannte der nette Pädagoge einen Bootseigner, der so kreuzunglücklich mit seiner Dehler 41 ist, dass er schon langjährig prozessiert und einen eigenen Blog darüber schreibt. Das Boot wurde mit einem zu kurzen Mast geliefert, ist an mehreren Stellen undicht und der Innenausbau ist an einigen Stellen mangelhaft, kurz ein Montagsboot. Das schlimmste ist für den Eigner wohl, dass Hanse/Dehler Deutschland alle Garantieleistungen ablehnt und versucht, diese auf den Händler vor Ort abzuwälzen. Das Gerichtsurteil aus Frankreich erkennen die deutschen Bootsbauer nicht an, und so geht die Leidensgeschichte des unglücklichen Bootskäufers weiter. Das wirft auch kein gutes Licht auf den deutschen Bootsbauer.

Aber der Fairness halber, bei längerer Recherche im Internet finden sich einige solcher Bootskaufdramen im Netz, mit fast jedem Großserienbauer, aus unterschiedlichen Ländern. Ein bisschen widersprüchlich ist das schon von den Werften, da wird für viel Geld und Aufwand Werbung betrieben und im Reklamationsfall lässt man den Kunden im Stich und verliert somit nicht nur diesen, sondern durch dessen Erzählungen noch andere potenzielle Neukunden.

Wer das verstehen will? Klar gibt es häufig ein paar Dinge, die bei einem Neuschiff leider nicht so sind, wie vereinbart, es ist halt ein komplexes Sytem, so ein Boot. Diese kleinen Problempunkte sollten aber willig und zügig seitens der Werft oder vom Händler beseitigt werden. Boot gut, Kunde happy, macht Gratiswerbung für die Werft. So einfach ist es, und so sollte sein. Win-Win-Situation für alle. Es könnte halt vieles so leicht sein.

Jedenfalls meinte der Sozialpädagoge noch, dass die Dehler seines auch langsam sei und nicht so schnell wie seine Dufour. Ich war da ziemlich verdutzt, denn, um so eine Dufour fahren wir normalerweise Kreise und ich dachte, dass ich da erstmal nichts zu sage. Wir haben dann am nächsten Morgen gemeinsam abgelegt, er mit seinem und wir mit unserem Boot und raus ging es aufs Meer. An der Hafeneinfahrt hatte er schon das Vor-und Großsegel oben und wir nur das Groß. Motor aus, und selbst mit dem einen Segel schiebt sich unsere flinke Hexe ganz langsam am Gegner vorbei. Der schaut nur entgeistert und ruft noch, dass seine Elektronik nicht funktioniert, und er nicht sieht, wo der Wind herkommt. Das merkt man doch, wo der herkommt! Wir haben dann noch das Vorsegel ausgerollt und liesen ihn verdutzt zurück. Dann ging es auf Kurs La Grande Motte, der Spinnaker kam hoch und die Dufour wurde immer kleiner am Horizont.

Aprilwetter mit Hagelkörnern in Darmstadt

Aprilwetter mit Hagelkörnern in Darmstadt

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Sète

hat einen Nachteil: Es gibt nur wenig Auslauf für den Hund. Eigentlich fast gar keinen. Auf dem Weg zur Aussichtsplatform in 173 m Höhe konnten wir ihn laufen lassen, aber eher, weil er so fertig war, dass er nicht mehr weiter laufen wollte.

Judas-Baum (lest es nach…)

Judas-Baum (lest es nach…)

Aber nach den „Kunststädten” Villeneuve und La Grande Motte sind wir begeistert von einem urbanen Ort, mit Kneipen, täglichem Markt, lauten, lärmenden Straßen und einem sehr lebendigen Fischerhafen. Gestern lag morgens ein nicht so großes Kreuzfahrtschiff am Terminal, heute Abend kam die Fähre aus Sardinien, die sicher bald wieder ablegen wird.

Am ersten Tag haben wir nach der Ankunft einen Teil des Hügels erstiegen, waren am Leuchtturm, sind anschließend durch einen Teil der inneren Stadt wieder nach unten gewandert und haben dort – wie berichtet – mal köstlich, mal nicht so berauschend – unser Abendessen eingenommen.

Am nächsten Morgen habe ich mit Nico ein kleines bisschen das Viertel erkundet, bin – nach längerem Suchen – auf einen Biobäcker mit sehr leckerem Baguette und einer unfreundlichen Verkäuferin gestoßen, gegen Mittag machen wir uns auf den Weg, die Stadt und die Umgebung zu erkunden.

Rundblick

Rundblick

Eigentlich wollten wir es weder dem Hund noch uns zumuten, in der Mittagshitze auf den Berg (Hügel) zu steigen, aber irgendwie war es doch einfach so. Volker mit Hund voraus, um ab und zu im Schatten auf mich zu warten, leider immer an der Straße entlang, irgendwann haben wir es geschafft.

Auf dem Weg sehen wir eine Reihe von ziemlich geilen Häusern, manche ganz neu, andere eher alt und rekonstruiert, aber immer mit wunderschönen Grundstücken und eigentlich fast alle mit einem unverbaubaren Blick aufs Meer, oder auf den Etang de Thau, den See hintendran,

Nach einer halben Stunde schon haben wir es geschafft, wir sind oben, an dem Kreuz, das man auch vom Hafen aus sehen kann, wir legen eine kurze Pause ein, Wasser für den Hund, eine Orangina für mich, ein Eis für den Skipper.

Kerzen in der Kirche

Kerzen in der Kirche

Noch ein paar Schritte, und wir sind am „Mirador“, der Aussichtsplattform. Es gibt einen wunderbaren Rundumblick auf Meer und Land und Binnensee, eine Kirche mit unzähligen Kerzenlichtern und Dankesplatten an die Mutter Gottes, den heiligen Antonius von Padua, und anderen Heiligen, dann machen wir uns an den Abstieg.

Heiligsplättle, das tut aber in den Beinen weh! So steil fällt die Straße ab, dass wir schon nach kurzer Zeit wieder auf Meeresniveau sind. Doch tapfer wandern wir weiter, weitere Teile der Stadt wollen erkundet werden.

Watt nen geiles Ding

Watt ‘nen geiles Ding

farbenfrohes Boot am Stadtkai

farbenfrohes Boot 

Raumschiff Orion

Raumschiff Orion

Am inneren Kanal entdecken wir einen genialen Renntrimaran, einen großen Segler, ein altes Binnenschiff und „Raumschiff Orion“ auf dem Wasser.

Am Abend erkunden wir die Kneipenszene von Sète, in einem Bistro am Fischabschlag ist Party, da herrscht „Après-Ski“ auf französisch, von nebendran kommt immer mal der Kellner und bringt was zum Essen, Jungs und Mädels tanzen Polonaise – sogar durch den Biergarten – hier geht was.

Wir laufen noch ein bisschen durch die Stadt und nehmen einen letzten Drink in der Kneipe „Au bout de la rue“ (Am Ende der Straße ohne Haus am See), nebenan in dem Laden dekorieren die neuen Eigentümerinnen, mal sehen, was das wird. Heute waren es jedenfalls deutlich über 10 km und mindestens 173 x 2 Höhenmeter, die wir zurückgelegt haben.

Am Mittwoch morgen heißt die Herausforderung: „Marché“. In der ganzen Stadt ist Markt, er beginnt mit einem Blumenmarkt auf dem Platz vor dem “Hôtel de Ville“, dem französischen Stadthaus, und endet, ich weiß nicht wo. Ursprünglich wollte ich nur ein Baguette beim bekannten Biobäcker erstehen, aber dann waren da so viele Leute, die alle in die gleiche Richtung liefen (“Millionen Fliegen können nicht irren, Scheiße ist essbar“) und ich wollte mit, hatte doch schon die nette Frau in der Marina mich auf den Mittwochsmarkt aufmerksam gemacht. Und ich sollte nicht zu spät dort ankommen, denn sonst sei es zu voll.

Saucisson auf dem Markt

Saucisson auf dem Markt

geht auch als Schmuck

 Schmuck

oder Seife

oder Seife

oder …

oder …

Spargel

Spargel

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Die Straßen sind voller Menschen

Nun, es war leider schon zehn Uhr und es war definitiv zu voll. Auf jeden Fall mit dem Hund. Wir haben irgendwann beschlossen, dass wir beide diese Straßen  nicht weiter gemeinsam beschreiten können. Aber ich hatte einen wunderwollen Eindruck genossen von der Vielfältigkeit der Einkaufsmöglichkeiten auf diesem Mittwochs-Wochenmarkt in Sète, und ich habe einige Bilder davon mitgebracht.

Am Nachmittag sind wir noch einmal auf den Hügel gestiegen, damit ich einen Ausflug in das wundervolle und überschaubare Musée Paul Valéry unternehmen konnte. Paul Valéry, der letzte französische Lyriker, der von seiner Kunst leben konnte, ist 1945 in Paris gestorben, aber in Sète geboren, und hier wollte er beerdigt werden, auf dem „cimetière marin“, den er selber in einem Gedicht so veredelt hatte.

Hafen von Sète

Hafen von Sète

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Der Hafen von Estartit

Hafen von Sète

Hafen von Sète

Hafen von Sète

Hafen von Sète

Hafen von Sète

Hafen von Sète

Hafen von Sète

Hafen von Sète

Das Museum ist großartig und zeigt viele Zeitzeugen des 19. Jahrhunderts, die den Ort kannten und zum Sujet ihrer Malereien machten.

schön, wenn auch nicht furchtbar originell

schön, wenn auch nicht furchtbar originell

noch schöner

noch schöner

In der Sonderausstellung „4×4“ mit vier verschiedenen lebenden Künstlern hat es nur ein einziger in meine Gunst geschafft, aber den fand ich großartig, ich weiß leider nicht mehr den Namen.

Mein letzter Gang ging noch über den alten Friedhof Marin im Glauben, dass neben Paul Valéry auch Georges Brassens dort liegt. Schon lange, denn ich habe meine Abitursarbeit über das französische Chanson geschrieben, weiß ich, dass Brassens hier begraben liegt. Und schon lange würde ich gerne auf sein Grab eine Rose legen, als Hommage an den – für meine Begriffe – größten Chansonnier aller Zeiten.

IMG_0158Leider war mir das heute nicht vergönnt, eine nette kleine ältere Dame informierte mich auf mein Nachfragen, dass Brassens auf dem anderen Friedhof, hinter dem Hügel, liegt.

Mal sehen, vielleicht komme ich ja morgen dorthin…

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