GEGENSÄTZE

Früh sind wir losgefahren im sonnigen Villeneuve-Lobet, nachdem das Boot gut vertäut und hoffentlich sicher in seiner Box liegt. François, der im Hafen auf seinem Boot lebt und sich um vereinsamte Boote kümmert, wird drauf aufpassen. Und Sonia und Mika von der Marina bestimmt ebenfalls.

IMG_8095Auf der „Aurelia“, der italienischen Küstenautobahn, geht es bis kurz vor Genova immer am Wasser entlang, schöne kleine Orte auf der linken Seite, Weinberge, Obstplantagen. Dann verlassen wir das Meer und wenden uns den Bergen zu. In der Ferne sind sie schneebedeckt. Sofort halbiert sich die Temperatur von bis zu 12 Grad bei Genua, zunächst auf 6 Grad, dann auf 1°! Hinter Mailand steigt sie allerdings wieder und es ist eigentlich ganz schönes Wetter.

IMG_8096Im Gotthard-Tunnel dann – wie immer – in der Mitte 31°.

IMG_8100Und nach den 17 Kilometern Tunnel sind wir plötzlich im Winter Wonderland! Zwanzig Zentimeter Schnee und -2°!

IMG_8105Überm Vierwaldstättersee hängen tiefe Wolken, auch hier hat es geschneit. Mal sehen, wie das weitergeht, Larissa sagt, in Darmstadt scheint die Sonne.

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Ganz frisch noch

Selfie im Winter

Selfie im Winter

in Erinnerung ist der heutige Abend. Reisen oder segeln wir um des “Reisens“ willen? Sind es die Menschen, sind es die magischen Orte, ist es der Zauber des Meeres? Oder doch vielleicht ein Mix von alldem? Schwer zu sagen, was mehr gewichtet. Was den Reiz des vagabundierenden Lebens ausmacht. Mal schlägt das Pendel mehr zu den Menschen aus, die man so trifft. Manchmal sind es die Orte. Heute Abend waren es die Menschen, die uns begeistert haben. Im Hafen gibt es, passend, eine Hafenkneipe, keine klassiche Spelunke, eher das Abbild eines elsässischen Bistros. Theke, Billard, klassisch mit gelb-roten Kugeln, einem Flipper und einem gemauerten Flammkuchenofen mit Holzkohlenfeuer. Der Name des „Etablissement”, eher halb-englisch und irreleitend “Le Pitcher”.  Der Pitcher ist eigentlich ein Krug Bier mit 1,89 Liter Inhalt. Ein Größenmaß, das äußerst selten anzutreffen ist in französischen Bistros. Aber egal, hier vor Ort werden solche Henkelkrüge serviert und ausgeschenkt, dazu gibt es gratis gute Musik und einen deutschsprechenden Wirt aus dem Elsass. Gute Stimmung, nette Gäste und alle, die an uns vorbeigehen, interessieren sich irgendwie für Nico.

Das ist so ein bisschen Frankreich-typisch. Schweres Wort, das im Kern die Sache gut trifft. Frankreich ist, und das muss mal gesagt werden, extrem hundefreundlich, fast überall darf der Hund mit hin. Sogar in manche Supermärkte und in die Bäckereien. Heute Abend haben wir eine Landwirtin kennengelernt, die Zitronen auf drei Hektar Grund biologisch anbaut. Die meisten Früchte verkauft sie nach Paris. Dreimal im Jahr blüht der Zitronenbaum, doch nur zweimal im Jahr erntet sie. Alles Handarbeit, keine Maschinen wie beim Weinanbau. So wie früher, traditionell. Abends lebt oder wohnt die junge Frau in den Wohnanlagen der Marina Baie des Anges, erfreut sich daran und findet es nicht langweilig hier. Tagsüber ist sie von morgens an auf ihren Anbauflächen unterwegs. Krasser Gegensatz, der sich anscheinend nicht ausschließt.

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Glanzleistung

Championsleague, Uefa-Cup, Bundesliga- Fußball total. Im Süden Frankreichs und doch mittendrin. Sky und andere Anbieter machen es möglich. Borussia Mönchengladbach gewinnt, Bayern liefert Glanzleistungen und deklassiert seine Gegner. Nahezu jedes Pub, jede urfranzösiche Brasserie überträgt die Top-Events des internationalen Fußballs. Nur die Bundesliga ist hier außen vor, ganz normal. Da sind wir auf die Mithilfe von Freunden und Familie angewiesen, um die Darmstadt-Tore mitzukriegen.

So glänzt die Hexe

So glänzt die Hexe

Aber nicht nur die deutschen Teams glänzen mit ihrem  Spiel, auch unsere Hexe strahlt vom Bug zum Heck. Über sieben Stunden harte Arbeit haben ihr zu dem strahlendsten Weiß verholfen, das man sich vorstellen kann. Erstmal gab es eine gründliche Vorwäsche, die jeder Autowaschanlage zur Ehre gereicht hätte, und dann folgte stundenlange Handpolitur mit einem sanften Poliermittel. Wir haben danach die Spiegel im Bad entsorgt. Auch die böse Königin kann jetzt nur noch draußen, am glänzenden Aufbau, nach der Schönsten im Lande fragen.

Handarbeiter…

Poliererfinger

Auf der Suche nach dem perfekten Stich

Auf der Suche nach dem perfekten Stich

Das schreit nach Nadel und Faden

Das schreit nach Nadel und Faden

Zwei Tage Antibes voll ausgenutzt: Zum Bummeln, Schauen und Polieren. Das alles bei strahlendstem Sonnenschein und nächtlichem Vollmond. Die alte Stadtmauer umringt buchstäblich das historische Zentrum und Teile des Hafens, die alte Markthalle ist wirklich mittendrin in dem ältesten Stadtteil, dabei sind alle Wege angenehm kurz. Ideal für Segler.

IMG_8048Antibes ist, und das ist mehr als offensichtlich, Heimathafen von einigen hundert Motoryachten. Zwanzig Meter Bootslänge sind schon der untere Durchschnitt. Dementsprechend ist auch das Preisniveau. Ein Liegeplatz für eine 13 Meter Yacht, egal ob Segel oder Motor, kostet 13.000 Euro im Jahr. Da kommt dann Strom und Wasser noch obendrauf. Aber viele Plätze gibt es sowieso nicht als Mietplätze, die meisten sind Kaufplätze. Für die beliebte 20 Meter Motorbootklasse kostet so ein Platz 350.000 Euro für 10 Jahre. Das sind dann schon andere Preiskategorien, als es der Holland- oder Ostseesegler so gewohnt ist. Wer also möglichst viele Millionäre bewundern will, muss nur nach Antibes kommen, St. Tropez ist nichts dagegen.

Das ist keine moderne Kunst, sondern Seife

Das ist keine moderne Kunst, sondern Seife, in einem Laden in Antibes

Seit heute liegen wir wieder auf unserem Liegeplatz in der Marina Baie des Anges, mit gratis Blick auf die treppenförmig angelegten Hochhäuser. Aber wir wollen nicht meckern, ein guter Windschutz und sicherer Liegeplatz ist alles.

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Diesmal haben wir es geschafft!

Seit wir das letzte Mal in Cannes waren, wollten wir in die Chagall-Ausstellung gehen. Nun war – blöderweise – die Vernissage am Abend des Tages, als wir nach St. Raphael gesegelt sind. Das haben wir also schon mal verpasst, obwohl Volker nicht sicher war, ob wir einfach so in eine Vernissage spazieren dürften. Aber gut.

"Père Noel et sa femme" vom Bildhauer Richard Mas schmücken die Croissette

“Père Noel et sa femme” vom Bildhauer Richard Mas schmücken die Croissette

Am Sonntag sind wir ja dann von St. Tropez nach Cannes gesegelt, und ich habe schnell mal den Ausstellungsort „Malmaison“ gegoogelt, weil ich dachte: „Na, am Montag haben die bestimmt zu!“ Aber nein, das Internet mit Google beruhigt mich, sie sind auch montags von 11 – 20 Uhr geöffnet. Also spazieren Volker und ich nach Regelung der Hafengebühren – und ohne Hund – den kleinen Kilometer die Croissette entlang. Wir bleiben natürlich wieder an dem einen oder anderen Schaufenster hängen, Prada und Dior haben neue Modelle ausgestellt, es findet nicht immer unsere Zustimmung, vor allem die Preise sind wirklich jenseits von Gut und Böse…

Alternative Kunst?!

Alternative Kunst?!

Wir kommen an der „Malmaison“, wo die Ausstellung sein soll, an, und tatsächlich ist de Tür zu! Die Öffnungszeiten sind auch nicht – wie Google denkt –  von 11 – 20 Uhr, sondern von 10 – 12:30 und von 14 – 18 Uhr. Enttäuscht sind wir wieder abgezogen, es wäre ein schöner Programmpunkt für den gestern eher grauen Tag gewesen. Und der Tag ist kalt, beim nachmittäglichen Hundegang geht es nicht anders, wir kaufen für mich anstelle meiner dünnen Jacken einen warmen Daunenmantel, jetzt bin ich gut gerüstet für jegliche Art von bösem Mittelmeerwinter.

La Malmaison

La Malmaison

Heute morgen waren wir beizeiten wieder bei der “Malaison, und siehe, die Ausstellung war geöffnet, wir waren auch keinesfalls alleine dort, mehr als ein Dutzend Menschen begleiteten uns durch die Räume mit Lithographien von Marc Chagall, eine kleine kompakte Ausstellung Chagalls Schaffens von den fünfziger bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Motive sind die gleichen wie auf den Gouachen und den großen Ölbildern, was z.B. in Frankfurt im Theater hängt, Zirkusartisten, immer wieder das Liebespaar, die Pferde, die die Freiheit symbolisieren (ob die Spielzeugpferde in den Läden wohl auf diese Zeichnungen zurückgehen?), der jiddische Geiger, der zu Geburt und Tod spielt, alles schwebt ein bisschen, es tut gut, sich die Bilder anzusehen.

Auf jeden Fall haben wir schöne Bilder gesehen, und mit unserem Ticket können wir auch noch die die Dalí-Ausstellung, 350 m weiter die Croissette entlang, besuchen. Bis April 2016.

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Meuterei?!

Der Capitania stehen die Haare zu Berge

Der Capitania stehen die Haare zu Berge

22. November 2015, Sonntag, Baro 1000, sonnig, kühl, Wind NNW zunächst um 5 Beaufort
St. Tropez 10:00 – Cannes 14:30, 24 sm

Den ganzen Abend hat der Wind mit bis zu 100 Stundenkilometern hier im Hafen unser Boot schaukeln und an den Leinen ziehen lassen wie ein ungezügeltes Pferd. Erst gegen Mitternacht konnten wir uns darauf einigen, dass es jetzt nur noch ca. 40 Knoten in Böen waren. Aber seit acht Uhr heute früh lässt der Wind – ein bisschen – nach. Volker muss segeln! Ich habe gerade gar keine Lust, mir ist es zu kalt, zuviel Wind und überhaupt. Mein Vorschlag, wegen des noch immer heulenden Windes, doch morgen nach Cannes zu fahren, stößt auf taube Ohren. “Heute stimmt doch die Windrichtung noch! Und außerdem sind es ja nur noch 10 Knoten Wind.” Das stimmte, wenn auch nur kurzfristig.

Noch weht ein ordentlicher Wind

Noch weht ein ordentlicher Wind

Mit einem gekonnten Mannöver bringt Volker uns sicher aus der Box und in die Bucht von St. Tropez, schnell das Groß bis Reff 1 gesetzt, die Fock darf erstmal ganz raus, bis der Wind auf über 22 Knoten auffrischt, dann muss auch sie ein bisschen verkleinert werden. Die Wellen sind bei dieser Windrichtung tatsächlich moderat, und nach einer Stunde lässt der Wind spürbar nach. Also wird zuerst die Fock, dann das Großsegel ausgerefft, leider dreht der Wind dabei auf Nord, hoffentlich nicht weiter auf Nordost, sonst müssen wir am Ende noch kreuzen. Aber in Hoorn, unserem alten Heimathafen in den Niederlanden, ist heute auch Regatta, und auch da muss man kreuzen, und da ist es noch ein bisschen kälter. Bei uns scheint die Sonne, und wir haben eine großartige Fernsicht bis hin zu den schneebeckten Seealpen kann man schauen.

Der Klügere gibt nach, oder?

Der Klügere gibt nach, oder?

Hier ist außer uns kein Boot auf dem Wasser, in Holland wären an so einem schönen Sonntag wahrscheinlich hunderte unterwegs, getreu dem Motto: “Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n.” Und jetzt ist es doch allerschönstes Segeln geworden, ich bin wieder mit meinem Schicksal als  Skippersfrau versöhnt und erfreue mich am Sonnenschein.

La Chrétienne

La Chrétienne

Leider schläft ab der “Chrétienne”, der großen Gefahrentonne an der “Eceuil des Vieilles”, der Wind immer mehr ein. Wir versuchen es mit kreuzen, aber, bedingt durch die Strömung, treiben wir rückwärts. Volker hat es ja schon gesagt, “ab der Schnauze des Drachens”, wie sie hier die kleine Bergkette nennen, “geht eh der Wind weg”. Alle Aufregung umsonst, heute morgen…

Um 13:30 Uhr darf der Motor wieder schweigen, wir treiben bei leichtestem Wind dem fünfeinhalb Meilen entfernten Cannes entgegen. Auch hier, direkt an der Küste, ist das Mittelmeer schon wieder so tief, dass unser Tiefenmesser den Dienst verweigert und immer nur die letzte Messung anzeigt. Das kann mal 110 m sein, mal 140, aber auch schon mal nur sechs, vielleicht falls ein Fischschwarm unterm Boot durchgegangen ist?

Eingemummelt aber glücklich

Eingemummelt aber glücklich

Während ich das hier geschrieben habe, ging schon wieder der Motor an, die nächsten fünf Minuten fahren wir unter Maschine, dann hat endlich der Wind auf Ost gedreht und weht mit netten 8-10 Knoten, der Skipper zieht die Handschuhe wieder an, nimmt das Rad in die Hand und ist ganz in seinem Element.

Und noch etwas müssen wir revidieren: Hier in der Bucht von Cannes sind ganz viele Segelboote unterwegs, im westlichen Teil, vor Port La Napoule, findet eine Regatta mit Dickschiffen statt, eine weitere mit Jollen ganz im Osten, und einige Segler sind einfach so unterwegs.

Das meint der Skipper dazu:

Bei uns an Bord kann es keine Meuterei geben.

Meuterei bedeutet laut Duden, Wikipedia und ähnlichen Quellen, dass nicht nur die Dienstpflicht nicht erfüllt wird, sondern zudem noch gegen den Vorgesetzten rebelliert wird.

Da kann reinformaltextlich Cornelia gar keine Meuterei anzetteln. Weder ist sie mir gegenüber dienstverpflichtet, sie ist ja mit mir verheiratet und nicht meine Angestellte. Alle Dienste an Bord verrichtet sie, ohne dafür eine bezahlte Heuer zu erhalten 🙂 Auch bin ich nicht ihr Vorgesetzter, wenngleich sie mich gerne als ihren Skipper bezeichnet. 

Man kann es daher eher als eine sanfte Rebellion beschreiben, was sich heute hier an Bord ereignet hat. Ausgefochten und angestachelt durch und mit den Waffen einer Frau. Da kann Mann natürlich schon mal schwach werden. Heute hat sich aber die Vernunft gegenüber den Emotionen durchgesetzt. Sonst sind wir das basisdemokratischst besetzte Schiff auf der Nordhalbkugel. Weil, wie heißt es so schön: Die kluge Frau folgt ihrem Mann – wohin sie will.

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Wie lange noch?

Wir auch, manchmal

Wir auch, manchmal

Viele Menschen, viele Meinungen, doch in einer Sache sind sich alle Südfranzosen, mit denen wir gesprochen haben, einig. Das war der mildeste und ruhigste Herbst seit vielen Jahren an der Côte d’Azur. Leider drückt das “war” auch schon aus, dass es damit jetzt vorbei ist, mit dieser ruhigen Herbstphase. In Norddeutschland zieht schon der zweite schwere Herbststurm innerhalb von ein paar Tagen durch, mit Frau Holle im Gepäck, und bei uns ist es auch vorbei mit Ruhe und Beschaulichkeit, denn seit gestern Abend haben wir einen Herbststurm, der sich gewaschen hat. Es ist – leider – deutlich kühler geworden und der Wind wird immer doller.

In der Spitze gab es mehr als 54 Knoten Wind!

In der Spitze gab es mehr als 54 Knoten Wind!

Dabei war der gestrige Tag wohl zum Einstimmen auf den heutigen starken Sturm gedacht. Während wir gestern mal hin und wieder acht Windstärken auf dem Windinstrument hatten, waren heute Böen von 100 Stundenkilometern keine Seltenheit. Das zehrt an den Nerven und zerrt und ruckt heftig an den Festmacherleinen. Wir haben auch alles an Leinenmaterial ausgebracht, was an Bord ist. Zwei Vorleinen backbord, zwei Vorleinen steuerbord! Davon eine mit Ruckdämpfer, eine lange Springleine zum Steg an Backbord mit Ruckdämpfer, doppelte Springleinen an der Steuerbordseite und zwei Achterleinen an Steuerbord, abgerundet wird das Ganze mit einer gespannten Mooringleine backbord achtern, die die Aufgabe hat, das Heck vom Steg fernzuhalten. Die Hexe ist liegt da wie im Spinnennetz.

Im Winter bleiben die Schaufensterpuppen nackt…

Im Winter bleiben die Schaufensterpuppen nackt…

Direkt nach unserer Ankunft vor zwei Tagen habe ich noch einen langjährigen Hafenlieger gefragt, ob bei Sturm Schwell in den Hafen steht. “Nein, gar kein Problem, der Hafen ist prima geschützt gegen Seegang, alles total sicher”, hat er gemeint. Seit heute Morgen tanzen die Boote Samba an ihren Leinen und immer mehr Eigner sind im Laufe des Tages hierher gepilgert, um besorgt nach ihren Schätzchen zu schauen. (Bei einigen, nach denen niemand zu schauen schien, hat der Skipper auch schon mal einen Fender umgehängt, um das Heck zu schützen, oder die Vorsegelpersenning festgezurrt.)

Das Heulen des Windes, wenn so eine Hammerböe anrauscht, ist infernalisch. Die ganze Nacht durch soll das Spektakel noch so weitergehen, bevor es im Laufe des morgigen Tages abflaut, hoffentlich!

Bunte Schals werden auf dem Samstagsmarkt verkauft

Bunte Schals werden auf dem Samstagsmarkt verkauft

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Die Entdeckung der Langsamkeit

Die Gefahrentonne in der Bucht von St. Tropen mit Kormoran

Die Gefahrentonne in der Bucht von St. Tropez, mit Kormoran

Keiner, der Volker als Segler kennt, hätte ihn gestern oder heute erkannt. Unser Weg führt uns von Porquerolles über Le Lavandou nach St. Tropez. Ab Freitag soll es Starkwind mit Sturmböen geben, da wollen wir gerne in einem sicheren Hafen liegen. Aber bis dahin muss sich die Hexe mit 3-8 Knoten Wind zufrieden geben. Und der Skipper auch. Und, tatsächlich, es geht!

Da der Wind oft die Richtung wechselt, gibt es viele Mannöver, und die Sonne wärmt auch schön, das verstärkt das Wohlgefühl. Wenn der Wind sich zwischenzeitlich ganz verabschiedet, wird ein Badestopp eingelegt, allerdings sieht das etwas anders aus als im Hochsommer. Mit Neopren-Anzug, -Haube und -Schuhen angetan, steigt der Skipper ins Wasser und krault ums Boot.

Spitze: 4,9 Knoten Speed bei 4,8 Knoten Wind!

Spitze: 4,9 Knoten Speed bei 4,8 Knoten Wind!

Manchmal fällt die Windgeschwindigkeit unter zwei Knoten, dann motoren wir – unter Umständen – auch mal, ansonsten sitzen wir das einfach aus. Gut, dass wir das Unterwasserschiff mit neuem Antifouling versehen haben, so fährt die brave Hexe auch bei fünf Knoten Wind über vier Knoten, und bei vier Knoten macht sie noch mindestens drei Knoten Fahrt. Nur wenn die Logge (der Geschwindigkeitsmesser) unter zwei Knoten anzeigt, wird die “eiserne Genua”, wie der Motor manchmal auch liebevoll genannt wird, angeworfen. Dann langweilt sich der Skipper.

bisschen genervter Skipper

bisschen genervter Skipper

beschäftigter Skipper

beschäftigter Skipper

zufriedener Skipper

zufriedener Skipper

Aber wenn dann wieder ein kleines bisschen Wind kommt, packen wir den Spi wieder aus, er steht rot-weiß-grün und zieht das Boot. Dann ist der Skipper in seinem Element, er spielt mit der Leeschot, kurbelt ab und an das Großsegel dichter oder lässt es wieder raus. Gleichzeitig gibt es kleine Anweisungen: “Luvschot zwei Zentimeter raus!”, “Leebarberholer los!”, “Luvschot dichter!“, „Großsegel raus!“ Wenn alles stabil steht, nimmt der Skipper das Ruder in die Hand und steuert, auch dann ist er glücklich.

Der Spi steht tadellos - diesmal auf Halbwindkurs

Der Spi steht tadellos – diesmal auf Halbwindkurs

Das Spiel „“Spinnaker rauf – Spinnaker runter“ haben wir heute mindestens dreimal gespielt, gekurbelt, dicht geholt, rausgelassen, alles so, wie der Wind das will und der Skipper.  Also, wahrscheinlich hättet Ihr, die Ihr schon einmal mit uns gesegelt seid, Volker doch wieder erkannt.

Aber in sieben Stunden nur 22 Seemeilen segeln, ist für uns schon die Entdeckung der Langsamkeit wert. Und es hat Spaß gemacht…

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Von außen nicht ganz dicht!

Seit wir mit unserem Boot durch Wind und Welle schippern, gibt es immer mal wieder die eine oder andere Ausfallerscheinung. Irgendwas klemmt, geht kaputt oder funktioniert nicht. Bis jetzt, Gott sei Dank, alles gar kein Problem, nur kleine Kleinigkeiten, die im Nachhinein schnell erledigt sind. Da drücken wir auch ständig die Daumen und alles Mögliche, dass das weiterhin so bleibt.

Achtung: Problemecke links oben vorne!

Achtung: Problemecke links oben vorne!

Nur ein kleines Leck hält uns von Anfang an beschäftigt. Es ist auch nicht immer da, nur wenn die Wellen hoch sind, und das Vorschiff tief eintaucht und dabei viel Wasser kurzfristig im Ankerkasten steht, bevor es durch die vorgesehenen Lenzöffnungen wieder abläuft. Doch, bevor es abläuft, drücken sich anscheinend ein paar Tropfen entweder durch die Kabeldurchführung der vorderen Positionslampen oder durch den Kabeldurchbruch der elektrischen Ankerwinsch. Alle Abdichtversuche mit Dichtband, Silikon und Kunststoffpfropfen blieben bisher leider erfolglos. Das eingedrungene Wasser findet seinen Weg in die seitliche Deckenverkleidung der Vorschiffskabine und ist dort als mahnender Wasserfleck sichtbar. Zum Trocknen muss dann eben diese Verkleidung abgeschraubt, mit Süßwasser abgewaschen und getrocknet werden. Das wiederholt sich alle paar Wochen, spätestens jedoch nach einem wellenreichen Segeltag. Nervig ist es zudem, weil mir so langsam die Ideen ausgehen, an was es noch liegen könnte und wo ich noch nachdichten soll. Gerade die relevanten Stellen sind auch schlichtweg wegen Verkleidungen oder der Innenschale schlecht oder garnicht erreichbar. Meerwasser außen ist ok., im Schiff hat es jedoch nichts zu suchen. Oh Ärger!

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Insel im Meer

Adieu, Port Cros, flache See!

Adieu, Port Cros, flache See!

Gestern ging es mit leichtem Wind und langsamer Fahrt nach Porquerolles. 9 Seemeilen, knapp 17 Kilometer, direkter Weg. Mehr als 3 Stunden haben wir für dieses kurze Seestück gebraucht. Die Langsamkeit des Seins und speziell die Langsamkeit des Segelns dabei usgiebig genossen. Das Meer, oder besser gesagt, die See war entsprechend ruhig. Es stand nur eine sanfte Dünung, ein langsames gleichmäßiges Auf und Ab. Vergleichbar mit einer Fahrt auf einer endlos geraden Landstraße durch eine sanft hügelige Landschaft. Porquerolles immer in Sicht links voraus, die Küste ein wenig weiter weg an Steuerbord. Ruhiges, entspanntes Dahinsegeln. Jeder, der anfällig ist für Seekrankheit, hätte sich über die gestrigen Bedingungen gefreut und wäre von dieser Geisel der Seefahrt verschont geblieben.

Besser als Wurzelchips war der Fisch im l'Oustade in Porquerolles

Besser als Wurzelchips war der Fisch im l’Oustade in Porquerolles

Cornelia hat in der Küche rumexperimentiert und dünne Scheiben einer Jamiknolle zu (nicht wirklich) leckeren Chips frittiert. Auch ein solches Tun ist nur bei ruhigster See möglich. Zu groß wäre sonst die Gefahr durch umherspritzendes Fett und rutschende Küchenutensilien. Es fällt nicht immer leicht, auf See zu kochen, manchmal hat Mann oder Frau nicht genug Hände, um alles festzuhalten, was sich durch die Schaukelei so alles in Bewegung setzt. Die Töpfe rutschen auf dem Kocher umher, Zutaten rutschen auf der Arbeitsfläche umher, Geschirr droht zu zerbrechen. Dabei aber bitte nicht das eigene Festhalten am Handgriff vergessen, denn sonst ist der slapstickhafte Abgang – ohne Applaus – schon vorprogrammiert. Wenn es draußen heiß hergeht, bleibt daher schon mal die Küche kalt, nicht nur bei uns. Aber, wie gesagt, gestern war alles anders, ruhiger, entspannter.

Das sind Eukalyptusfruchtschalen

Das sind Eukalyptusfruchtschalen

Porquerolles lockt wie eh und je mit seinem kleinen gemütlichen Dorf, zahlreichen Buchten, dem hügeligen dichtbewaldeten Landesinneren und einem schönen Hafen mit allem, was das Seglerherz froh stimmt. Nur bei den Hafengebühren kann von froh gestimmt keine Rede sein denn die sind mit 43 Euro auf Saisonniveau, nur in den Monaten Juli und August sind sie noch höher. Dafür sind die Preise für Dauerlieger im Winter rekordverdächtig niedrig. Wer drei Monate bleibt, bezahlt nur umgerechnet 10 Euro am Tag.

Eukalyptusblüten - Spätblüher

Eukalyptusblüten – Spätblüher

Trotz des bevorstehendem Winters ist der Dorfsupermarkt geöffnet und fast komplett bestückt, sodass auch den Winter durch diesbezüglich kein Versorgungsmangel entsteht. Der Fährverkehr zum Festland verläuft ebenso regelmäßig. Ein echtes Plus für die 200 Inselbewohner und für interessierte Besucher.

Porquerolles hinterlässt, zumindest tagsüber, auch außersaisonal einen belebten Eindruck. Morgen geht es auf Schusters Rappen ins Inselinnere.

Übrigens: Bis in die 1930er Jahre gehörte Porquerolles einem belgischen Industriellen. Angeblich überredete  Madame Pompidou 1971 ihren Mann, den französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou, die Insel im Namen des Staates zu kaufen.

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Zwei ruhige Segeltage

13. November 2015, Freitag, Baro 1025, sonnig, Wind NNW 6-8 Knoten
St. Raphaël 09:50 – St. Tropez 14:00, 13,3 sm

Die ganze Welt in St. Tropez

Die ganze Welt in St. Tropez

Tatsächlich schaffen wir einen frühen Start, denn es ist Wind, zumindest ein bisschen. Schnell habe ich, nach dem gestrigen Desaster, zweimal fünf Gigabyte in einem Tabac erstanden, damit wir was in der Reserve haben. Vielleicht eine Frage des Alters, aber ich habe immer gerne von allem noch ein Reserveexemplar. Ja, bestimmt eine Frage des Alters!

Mit Spinnaker geht es gut voran, leider nur eine halbe Stunde, dann schläft der Wind ein. Wir bergen zwar nach kurzer Zeit den Spi, werfen den Motor aber noch nicht an, das sitzen wir jetzt aus! So wird das nichts mit Porquerolles oder Port Cros, wir nehmen Kurs auf St. Tropez, da können wir mit dem gerade wieder aufgefrischten Wind gut hinsegeln. Später hört die Mittagsbrise auch wieder auf, gut, dass wir es nicht darauf angelegt haben, weiterzukommen.

Grabstein mit Aussicht

Grabstein mit Aussicht

Wir machen einen Spaziergang zum Friedhof, von See her haben wir den schon oft gesehen, jetzt wollen wir ihn mal von Land aus erkunden. Wenn man noch was davon hätte nach dem Tod, könnte man durchaus sagen, hier liegt man super, mit Aussicht auf die Bucht. Aber das hilft höchstens noch den Hinterbliebenen, wenn sie hier zu den Gräbern gehen und frische Blumen bringen, denn die gibt es trotz Spätherbst in großen Mengen, fast genauso viele wie von den künstlichen, meist aus glasiertem Ton oder Porzellan gefertigten Grabschmuck-Blumen.

Wir suchen für das heutige Freundschaftsspiel Frankreich – Deutschland ein Restaurant oder eine Bar mit großem Fernseher. Die erste Halbzeit schauen wir in einer Brasserie, essen dazu Spaghetti und Quiche, zur zweiten Halbzeit gehen wir Richtung Hafen. Das italienische Restaurant, das zum Nachtclub “Hysteria” gehört, hat auch große Fernseher, dort sitzt man warm und gemütlich. In der Brasserie hat es nämlich gezogen wie Hechtsuppe, das war ungemütlich!

Schon während des Spiels bemerken wir eine Unruhe am deutschen Nachbartisch und an der Bar, und nach dem Ende wird der Fernseher laut geschaltet und die furchtbare Nachricht von der grausamen Anschlagserie in Paris wird gesendet. Da die Fernseher in den Restaurants ohne Ton liefen, hatten wir die Detonation am Ende der ersten Halbzeit nicht gehört. Jetzt kamen die Meldungen eine nach der anderen, zunächst war nur von der Bombe vor dem Stadion und der Schießerei bei dem Rockkonzert die Rede, dann kamen noch die Meldungen aus den Restaurants. Stumm verfolgten die Kellner und die Gäste die schrecklichen Ereignisse, es gab fast keine Kommentare, aber es fehlen auch bei so etwas einfach die Worte.

14. November 2015, Samstag, Baro 1022, sonnig, leicht bewölkt, Wind Nordost, 2, 3 und 4 Beaufort
St. Tropez 10:15 – Port Cros 16:30, 27 sm

Petri Heil?

Petri Heil?

Dem schmerzenden Rücken zum Trotz will Volker nach dem Frühstück nicht zum Markt, sondern segeln, macht auch Sinn, denn in den nächsten Tagen soll es eher weniger als mehr Wind geben, also eigentlich gar keinen. Jetzt hat der Wind auch schon gedreht, kommt aus Nordost – wie vorhergesagt – das heißt, wir kreuzen das erste Stück aus der Bucht von St. Tropez raus, danach geht es auf Vorwindkurs Richtung Süden. Die vier Meilen bis zum Cap Camarat segeln wir mit ausgebaumter Fock, danach wird der Spi gesetzt, bei über 10 Knoten Wind rauschen wir die Küste hinab. Ein Segelboot unter italienischer Flagge verwirrt uns, viele Leute stehen am Heck, ist da etwas passiert? Volker sagt: “Mach doch mal Kanal 16 an”, aber da spricht keiner. Als wir rasch näher kommen, sehen wir, dass die Männer nur am Heck stehen, um zu angeln. Tatsächlich holt auch einer einen Fisch raus. Das inspiriert Volker, mich wieder mal zum Angeln zu überreden, aber wir sind eigentlich immer zu schnell, um etwas zu fangen. Egal, ich krame in der Backskiste nach der von dem Amerikaner auf Gibralter geschenkten Angel, finde sie auch, und wir hängen sie raus. Mal sehen, ob sich eine Dorade dran festbeißt.

Sonnenuntergang von Port Cros

Sonnenuntergang von Port Cros

… und in Thailand

… und in Thailand

… und der Mond über Port Cros

… und der Mond über Port Cros

Tut sie natürlich nicht, und leider war der Wind auch nicht immer windig, deshalb beschließen wir, statt Porquerolles lieber Port Cros anzulaufen, da gibt es zwar keinen Strom, aber wir kommen noch im Hellen an, und die Insel ist ja immer wieder ein Traum. So still, wenn das letzte Tauchboot für die Nacht festgemacht und die letzte Fähre abgelegt hat, sind nur noch die 10 – 20 fest dort wohnenden meist beim Nationalpark angestellten Menschen hier, und am Samstag Abend 10-12 Yachten.

Die kleine Kirche ist noch offen

Die kleine Kirche ist noch offen

Alle Restaurants und die kleine Epicerie, wo man in der Saison Souvenirs und ein paar Grundnahrungsmittel bekommt, sind geschlossen, und nicht einmal der Liegeplatz kostet etwas. Vom 1. November bis 31. März liegt man hier umsonst. “Ja”, sagt die freundliche Hafenmeisterin, “jetzt darf man beim Einkaufen auf dem Festland nichts vergessen, nur das Salz kann man sich aus der Saline holen, sonst gibt es hier nichts zu kaufen.”

 

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