Zwei ruhige Segeltage

13. November 2015, Freitag, Baro 1025, sonnig, Wind NNW 6-8 Knoten
St. Raphaël 09:50 – St. Tropez 14:00, 13,3 sm

Die ganze Welt in St. Tropez

Die ganze Welt in St. Tropez

Tatsächlich schaffen wir einen frühen Start, denn es ist Wind, zumindest ein bisschen. Schnell habe ich, nach dem gestrigen Desaster, zweimal fünf Gigabyte in einem Tabac erstanden, damit wir was in der Reserve haben. Vielleicht eine Frage des Alters, aber ich habe immer gerne von allem noch ein Reserveexemplar. Ja, bestimmt eine Frage des Alters!

Mit Spinnaker geht es gut voran, leider nur eine halbe Stunde, dann schläft der Wind ein. Wir bergen zwar nach kurzer Zeit den Spi, werfen den Motor aber noch nicht an, das sitzen wir jetzt aus! So wird das nichts mit Porquerolles oder Port Cros, wir nehmen Kurs auf St. Tropez, da können wir mit dem gerade wieder aufgefrischten Wind gut hinsegeln. Später hört die Mittagsbrise auch wieder auf, gut, dass wir es nicht darauf angelegt haben, weiterzukommen.

Grabstein mit Aussicht

Grabstein mit Aussicht

Wir machen einen Spaziergang zum Friedhof, von See her haben wir den schon oft gesehen, jetzt wollen wir ihn mal von Land aus erkunden. Wenn man noch was davon hätte nach dem Tod, könnte man durchaus sagen, hier liegt man super, mit Aussicht auf die Bucht. Aber das hilft höchstens noch den Hinterbliebenen, wenn sie hier zu den Gräbern gehen und frische Blumen bringen, denn die gibt es trotz Spätherbst in großen Mengen, fast genauso viele wie von den künstlichen, meist aus glasiertem Ton oder Porzellan gefertigten Grabschmuck-Blumen.

Wir suchen für das heutige Freundschaftsspiel Frankreich – Deutschland ein Restaurant oder eine Bar mit großem Fernseher. Die erste Halbzeit schauen wir in einer Brasserie, essen dazu Spaghetti und Quiche, zur zweiten Halbzeit gehen wir Richtung Hafen. Das italienische Restaurant, das zum Nachtclub “Hysteria” gehört, hat auch große Fernseher, dort sitzt man warm und gemütlich. In der Brasserie hat es nämlich gezogen wie Hechtsuppe, das war ungemütlich!

Schon während des Spiels bemerken wir eine Unruhe am deutschen Nachbartisch und an der Bar, und nach dem Ende wird der Fernseher laut geschaltet und die furchtbare Nachricht von der grausamen Anschlagserie in Paris wird gesendet. Da die Fernseher in den Restaurants ohne Ton liefen, hatten wir die Detonation am Ende der ersten Halbzeit nicht gehört. Jetzt kamen die Meldungen eine nach der anderen, zunächst war nur von der Bombe vor dem Stadion und der Schießerei bei dem Rockkonzert die Rede, dann kamen noch die Meldungen aus den Restaurants. Stumm verfolgten die Kellner und die Gäste die schrecklichen Ereignisse, es gab fast keine Kommentare, aber es fehlen auch bei so etwas einfach die Worte.

14. November 2015, Samstag, Baro 1022, sonnig, leicht bewölkt, Wind Nordost, 2, 3 und 4 Beaufort
St. Tropez 10:15 – Port Cros 16:30, 27 sm

Petri Heil?

Petri Heil?

Dem schmerzenden Rücken zum Trotz will Volker nach dem Frühstück nicht zum Markt, sondern segeln, macht auch Sinn, denn in den nächsten Tagen soll es eher weniger als mehr Wind geben, also eigentlich gar keinen. Jetzt hat der Wind auch schon gedreht, kommt aus Nordost – wie vorhergesagt – das heißt, wir kreuzen das erste Stück aus der Bucht von St. Tropez raus, danach geht es auf Vorwindkurs Richtung Süden. Die vier Meilen bis zum Cap Camarat segeln wir mit ausgebaumter Fock, danach wird der Spi gesetzt, bei über 10 Knoten Wind rauschen wir die Küste hinab. Ein Segelboot unter italienischer Flagge verwirrt uns, viele Leute stehen am Heck, ist da etwas passiert? Volker sagt: “Mach doch mal Kanal 16 an”, aber da spricht keiner. Als wir rasch näher kommen, sehen wir, dass die Männer nur am Heck stehen, um zu angeln. Tatsächlich holt auch einer einen Fisch raus. Das inspiriert Volker, mich wieder mal zum Angeln zu überreden, aber wir sind eigentlich immer zu schnell, um etwas zu fangen. Egal, ich krame in der Backskiste nach der von dem Amerikaner auf Gibralter geschenkten Angel, finde sie auch, und wir hängen sie raus. Mal sehen, ob sich eine Dorade dran festbeißt.

Sonnenuntergang von Port Cros

Sonnenuntergang von Port Cros

… und in Thailand

… und in Thailand

… und der Mond über Port Cros

… und der Mond über Port Cros

Tut sie natürlich nicht, und leider war der Wind auch nicht immer windig, deshalb beschließen wir, statt Porquerolles lieber Port Cros anzulaufen, da gibt es zwar keinen Strom, aber wir kommen noch im Hellen an, und die Insel ist ja immer wieder ein Traum. So still, wenn das letzte Tauchboot für die Nacht festgemacht und die letzte Fähre abgelegt hat, sind nur noch die 10 – 20 fest dort wohnenden meist beim Nationalpark angestellten Menschen hier, und am Samstag Abend 10-12 Yachten.

Die kleine Kirche ist noch offen

Die kleine Kirche ist noch offen

Alle Restaurants und die kleine Epicerie, wo man in der Saison Souvenirs und ein paar Grundnahrungsmittel bekommt, sind geschlossen, und nicht einmal der Liegeplatz kostet etwas. Vom 1. November bis 31. März liegt man hier umsonst. “Ja”, sagt die freundliche Hafenmeisterin, “jetzt darf man beim Einkaufen auf dem Festland nichts vergessen, nur das Salz kann man sich aus der Saline holen, sonst gibt es hier nichts zu kaufen.”

 

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