Hafenfest in Cannes

Noch bevor die Sonne untergeht, geht das Hafenfest los

Noch bevor die Sonne untergeht, geht das Hafenfest los

Was für ein Glück, wie lieb von den Franzosen. passend zu unserer Rücklehr haben die doch glatt ein Hafenfest organisiert. Heute Morgen sind wir ganz zeitig aufgebrochen, irgendwie war ich früh wach und habe auch Cornelia mit meiner Unruhe angesteckt und geweckt. So waren wir schon vor neun Uhr beim Boot. Nach dem Zwischenstopp bei Nina und Thierry zum Abendessen im “Mas des Gres” (darüber berichten wir demnächst detailliert, die Speisekarte zum Appetit machen gibt es unter http://www.masdesgres.com/blog/) war es auch nicht mehr ganz so weit. 260 Kilomteter sind es von Isle de la Sorgue nach Cannes. Freie Fahrt, freie Autobahn, leider nur ein total ausgeglühter Tanklaster, der eine Böschung heruntergekippt ist. Das Führerhaus eingedrückt, wir wissen nicht, was mit dem Fahrer ist. Das Schreckenszenario hat mich angepackt.

In Cannes dann Sonnenschein, Meer, blauer Himmel und unser Schiff. Vertraute Umgebung. Erstmal habe ich alles, bepackt wie ein Muli, zum Schiff geschleppt, drei Gänge waren notwendig. Cornelia hat derweil das Auto gehütet, weil das im eingeschränkten Halteverbot gestanden hatte. Danach alles einrämen, verstauen, Kühlschrank einschalten und auffüllen, Sonnenschutz übers Cockpit spannen, Frisches einkaufen, Nittagessen statt Frühstück und dann ein langer Mittagsschlaf. Angekommen. Am späten Nachmittag sind wir für ein ausgiebiges Schwimmen (für Cornelia) im mittlerweile angenehm warmen Meer und zum Sonnenbaden (für Volker) an den nahegelegenen Strand gepilgert.

Die Marching Band macht sich bereit

Die Marching Band macht sich bereit

Was alles auf so ein Fahrrad passt!

Was alles auf so ein Fahrrad passt!

Jean am Bass in der ersten Band

Jean am Bass in der ersten Band

Seit 19 Uhr steppt im wahrsten Sinne des Wortes die Luzie. Das Motto des Hafenfestes sind die 50er und 60er Jahre. Rock ‘n’ Roll auf der großen Bühne, drei Livebands spielen dort. Durch die gesperrten Straßen läuft eine Marching Band, Künstlerinnen auf Stelzen mit Petticoat bekleidet, drei junge Männer mit einem Fahrrad, auf dem auch ein Klavier und ein Schlagzeug Platz gefunden haben.

Die Marching Band macht sich bereit

Die Marching Band 

Die Twistgruppe in Action…

Die Twistgruppe in Action…

… auf der Straße

… auf der Straße

Es gibt eine Tanzgruppe, die den Twist auf hohem Niveau darbietet – ein Genuss für die Zuschauer, Hochleistungssport für die Tänzer.

 

Ein Selfie geht auch, wenn nicht gepost werden muss

Ein Selfie geht auch, wenn nicht gepost werden muss

Ein Chevrolet Bel Air, der Traum vieler Männer

Ein Chevrolet Bel Air, der Traum vieler Männer

Toys for Boys

Toys for Boys

Und für die Freunde alter Autos stehen schöne amerikanische Schlitten zum Anschauen, mit charmanten “Pin-up-Girls”, die dazu posen.

Soccer im Holzofen gebacken

Soccer im Holzofen gebacken

IMG_0338Für den kleinen Hunger gibt es  “Soccer”, sieht aus wie Eierkuchen, wird salzig oder süß gegessen, oder Fish ‘n’ Chips oder Eis oder Waffeln, und die Restaurants rundum profitieren auch von der Menge.

Aus 25 Meter Höhe springt Igor in dei Nacht

Aus 25 Meter Höhe springt Igor in dei Nacht

Einer springt als brennende Fackel

Einer springt als brennende Fackel

Es gab aber auch Artisten – besser gesagt eine Turmspringergruppe, die aus bis zu 25 Meter Höhe in ein kleines, nur 2,70 Meter tiefes mit Wasser befülltes Becken gesprungen sind – atemberaubend ( Jens, dabei habe ich an Dich und deine Turmspringkünste gedacht. Das hätte Dir gefallen!). Der letzte Auftritt war um 22:45 Uhr, da ist Igor tatsächlich in dunkler Nacht aus 25 m Höhe in das kleine Becken gesprungen, Gänsehaut pur!

Ein gelungener Abend. Jetzt sitzen wir im Cockpit, wird wohl eine lange Nacht. Die letzte Band wird um 23 Uhr aufspielen, die Hexe liegt Luftlinie vielleicht 150 Meter von der Hauptbühne weg. Eine Nacht zum Feiern, Schlafen geht auch später. Und mitten in der letzten Band gibt es ein großes Feuerwerk, das aber anscheinend nichts mit dem Hafenfest zu tun hat. Danke Cannes, für die Begrüßung!

Und Künstler aller Art stellen ihre Kunst aus, skurrile Fotos, gemalte Bilder, Handwerkskunst, großartig (zum Vergrößern einfach anklicken).

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Wie die Zeit vergeht!

Geburtstag gefeiert, Ersatzteile besorgt. Persenning repariert, die Steuer geregelt. Und endlich kommt auch der Sommer im Südwesten Deutschlands an. Gestern blieb das Quecksilber noch bei külhen 18 Grad stehen und heute haben wir locker die magische 25-Grad-Marke überschritten. So muss es sein, jeder sehnt sich danach, endlich Wärme im „Norden”, Biergartenwetter. Das haben wir gleich ausgenutzt und unseren vorerst letzten Abend im “Grohe” verbracht. Das  “Grohe” ist die Darmstädter Brauhauslegende, frischgebrautes Bier, älteste Gaststätte der Stadt und ein Biergarten mitten im Stadtzentrum. Dazu das passende Essen, frisch zubereitet, ein  Besuch, der sich lohnt. Der Biergarten ist entsprechend gut besucht, man kennt sich, man sieht sich. Darmstadt, wie es leibt und lebt.

Morgen geht es für uns uns zurück zum Schiff, aber nicht, ohne einen kleinen Zwischenstopp. Eine Nacht wollen wir in der Nähe von Avignon verbringen. Bei unseren Freunden , Nina und Thierry, in deren wundervollem Hotel de Charme. Ganz nahe bei dem bezaubernden Ort “Isle sur la Sorgue”, liegt das Mas de Gres, ruhig gelegen, eingerahmt von Feldern. Ein Hotel, oder besser gesagt, ein Platz zum Wohlfühlen, zum Genießen und sich gehen lassen. Jedes Zimmer ist anders eingerichtet, immer liebevoll, mit viel Geschmack. Das Abendessen nehmen alle Hotelgäste im gemütlichen Speisesaal ein. Es gibt immer ein 3-Gänge-Menü, der Küchenchef bestimmt den täglich wechselnden Speiseplan. http://www.masdesgres.com/de/

Samstag früh geht es auf die letzten 400 Kilometer zum Meer, nach Cannes und zu unserer Hexe.

Korsika steht auf unserem Reiseplan. Einsame Buchten im Westen, Sandstrand im Osten, über 2000 Meter hohe Berge, reizvolle Orte, ein anspruchvolles Seestück warten auf uns.

Wer einmal  die Möglichkeit hat, Korsika zu entdecken, dem möchte ich die Fahrt mit der Bahn von Calvi nach Bastia ans Herz legen. Beinahe vier Stunden braucht der Zug für die ca. 120 Kilometer lange Strecke. Serpentinenartige Kurven, steile Steigungen sind nur zwei Höhepunkte dieser einzigartigen Bahntrasse.

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Wieder DA

Ein alter Flieger fliegt darüber

Ein alter Flieger fliegt über den Ankerplatz

Was für ein schöner Ankerplatz, eingerahmt von zwei Inseln, nach Osten geschützt durch die Küste und die Bucht von Cannes. Nur wenn es heftig aus Südwest weht, wollen wir dort nicht sein. Keine schützende Küste gebietet dann den Wellen und dem Wind Einhalt. Aber mühselig, jetzt im mediterranen Sommer darüber nachzudenken. Unsere Hexe hängt mitsamt ihrer Ankerkette träge über ihrem Anker.

IMG_5303Die Sonne spiegelt sich auf der unbewegten Meeresoberfläche, alles rundherum ist blau, hellblau, leicht azur, dunkelblau bei tieferem Wasser. Nur der sandige Ankergrund und die Sonne bieten eine farbliche Abwechslung ins Gelbe. Kein Windhauch bewegt die Wasseroberfläche. Manchmal dringt das Stimmengewirr der Besatzungen von anderen ankernden Schiffen zu uns und ganz selten ist ein Bootsmotor von weit entfernt vorbeifahrenden Schiffen zu hören. So eine himmlische Ruhe gibt es, nur ca. 10 Minuten von dem quirligen Cannes entfernt, unglaublich. Daran haben auch die letzten 30 Jahre nichts geändert, der gleiche Ankerplatz, die gleiche Kulisse, die gleiche Ruhe. Es gibt sie noch, Gottseidank, diese magischen Plätze, wo die Zeit anscheinend stehen geblieben ist. Man wandelt auf dem einen oder anderen Pfad der späten Jugend und ist im Hier und Jetzt zugleich, alles wohlvertraut und bekannt.

Kulissenwechsel

Das erste Essen in der Heimat: Sushi in der Heinrichstraße

Das erste Essen in der Heimat: Sushi in der Heinrichstraße

Während ich diesen Bericht schreibe, trommelt der Regen auf unser Dachfenster, nicht auf die Luke. Es ist 13 Grad kalt, draußen. Im Heizungskeller verrichtet die Gasheizung ihren Dienst, gut so. Denn wir sind seit ein paar Tagen im noch recht kühlen Darmstadt. Der Anlass: Larissa wird 20, das muss gefeiert werden. Ist es doch für sie der Start in ein neues Lebensjahrzehnt, das kommt nicht so oft vor. Aber auch für mich, bzw. uns ist es ein guter Zeitpunkt, einmal die letzten 20 Jahre Revue passieren zu lassen. Und so reden wir über ihre Geburt, ihren ersten Schultag, das erste Voltigiertraining und über viele andere (gemeinsame) Erlebnisse.

IMG_5310Die Hexe liegt  währenddessen hoffentlich wohlbehalten im gut geschützten und gesicherten Hafen von Cannes.  Aber auch fernab vom Schiff stehen mal wieder Unterhalts-, bzw. Reparaturarbeiten an. Im März ging der Reißverschluss der Vorsegelpersenning kaputt. Die Notreparatur hat nicht wirklich gut gehalten, der Reissverschluss lässt sich nicht mehr einfädeln. 18 Meter Reißverschluss müssen ausgetauscht werden. Das bedeutet, eine endlos lange Naht aufzutrennen und Garnreste zu zupfen, ein Geduldsspiel.

IMG_5326Doch jetzt ist die Segelpersenning klar, um morgen vom Fachmann, oder besser der Fachfrau, einen brandneuen und hoffentlich stabileren Reißverschluss eingenäht zu bekommen. Wir haben gemeinsam ein wetterfestes Kunststoffmodell mit großer Widerstandskraft und UV-Stabilität ausgesucht. Wenn alle vollmundigen Werbeversprechen des bekannten Herstellers zutreffen, geht zumindest an dem Reißverschluss nie wieder etwas kaputt.

In ein paar Tagen geht es dann wieder ab in den Süden, der Sonne hinterher. Verdrehte Welt, sind wir hier, sehnen wir uns nach dem Schiff. Sind wir auf unserer Hexe, vermissen wir unsere Familie und unsere Freunde. Man kann leider nicht alles haben und auch nicht alles unter einen Hut bringen. Ist halt so!

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Cornelia – allein unterwegs

Der Blick vom Bahnhof zum Hügel über Marseille

Der Blick vom Bahnhof zum Hügel über Marseille

Von zwei Allein-Ausflügen will ich berichten. Zuerst bin ich nach Cap d’Agde gefahren, um unser Auto abzuholen, und etwas näher zum Schiff zu bringen. Das sollte von Cannes aus kein Problem sein, wir haben – gemeinsam mit Nany und ihrem Ipad – Bahnverbindungen herausgesucht und verglichen, und ich habe mich dann für die schnellste entschieden, 09:30 Uhr ab Cannes Hauptbahnhof, nach gut zwei Stunden umsteigen in Marseille, mit 20 Minuten Zeit, 11:50 Uhr Abfahrt nach Agde, und um 14:25 sollte ich in dort ankommen. Dann mit dem Taxi weiter nach Cap d’Agde, weil der nächste Bus erst 16:15 Uhr fährt, dort am Hafen in das Auto steigen und die 350 Kilometer zurück nach Cannes fahren, damit ich rechtzeitig zum Abendessen wieder da bin. Soweit die Planung.

Am Abfahrtstag, der Computer ist voll geladen und im Rucksack, ich will die Zeit in der Bahn nutzen, um ein bisschen zu arbeiten. Ich liebe das, da hat man Ruhe und, wenn man Glück hat, sogar einen Tisch, und muss den Laptop nicht auf dem namengebenden Schoß haben. Beide Züge sind TERs, also so etwas wie unsere Regionalzüge, keine Intercitys und auch keine TGVs, aber die Fahrt ist relativ günstig, für über 350 Kilometer kostet die Fahrt 57 €.

Die erste Bahn ist gut besucht, ich wandere nicht ewig umher auf der Suche nach einem Großabteil mit einem freien Tisch, sondern nehme den freien Platz in einem Achter-Abteil, in dem, neben einem jungen Quotenmann neben mir, nur Frauen jeglichen Alters sitzen, mit ihren Koffern vor und um sich herum. Der junge Mann beginnt ein Telefonat mit einem Freund oder einer Freundin, sie unterhalten sich über die Ereignisse der letzten Tage und offensichtlich die Planung des heutigen, bis er plötzlich unterbricht wegen eines anderen Anrufs. Das war die Mama, die geht vor, wird auch direkt zurückgerufen, auch hier werden Vergangenes und Zukünftiges ausgetauscht. Noch mit dem Telefon am Ohr steigt er aus, allerdings ist jetzt wieder der erste Anrufer dran. Ein junges Mädchen mit einem ausgesprochen schönen Gesicht sitzt mit angezogenen Beinen und Kopfhörern, schräg in den Sitz eingeknuddelt, am Fenster, ihr gegenüber zwei Frauen eher marokkanischer Herkunft, die gerade ihr Frühstück teilen, daneben besagter junger Mann. Neben dem zusammengefalteten Mädel sitzt noch eine Frau, die allerdings bald aussteigt, daneben stehen einige Koffer, die in den Kurven ein Eigenleben entwickeln und herumrutschen. Mir gegenüber eine Frau in meinem Alter, die immer mal ihr Handy zu Rate zieht, um die anschließenden Zugverbindungen zu checken. Sie ist es auch, die verkündet, dass der Anschlusszug nach Narbonne eine Stunde Verspätung haben wird. Dann wird das auch mit dem Abendessen etwas später werden. Tatsächlich warten wir noch länger auf Marseilles Bahnhof, bis der Zug endlich einfährt. Es hatte in der Nacht heftige Gewitter mit Starkregen gegeben, der wohl auf der Bahnstrecke Bäume entwurzelt hat und Gleise unterspült.

Ein Klavier im öffentlichen Raum

Ein Klavier im öffentlichen Raum

Ich nutze die Zeit, um ein paar Bilder zu machen, und eine Kleinigkeit zu essen. Da es mir ja nicht eilt, laufe ich durch den ganzen Bahnhof, schaue in alle Läden und Gastronomie-Betriebe, überlege kurz, wegen des Wifis bei MacDonalds einen Cheeseburger zu essen, entscheide mich dann aber doch für ein Sandwich in der Sonne auf der Stadtseite. Neben der Boutique mit den provenzalischen Spezialitäten steht ein Klavier, gespendet vom Bahnhof selber, für die Reisenden zum Üben oder Spielen. Beim ersten Vorbeischlendern übt dort tatsächlich ein Kind, auf dem Rückweg spielt ein junger Mann ziemlich gut Beethovens  „An Elise“. Als ich nach meinem Mittagsnack zurück komme, haben sich zwei einander fremde junge Männer dort gefunden, sie spielen und singen aktuelle Songs in nahezu professioneller Manier. Was für eine schöne Idee, vielleicht sollte die Klavier- und die Musikindustrie auch mal darüber nachdenken, ob so ein Klavier im öffentlichen Raum nicht dem Musizieren an sich sehr zuträglich wäre. Den Reisenden in Marseille jedenfalls hat es gefallen, sowohl den Ausführenden als auch den Zuhörern.

Das ist noch nicht der richtige Zug

Das ist noch nicht der richtige Zug

Ist das…

Ist das…

…der richtige Zug!

…der richtige Zug!

Um 12:45 Uhr steht endlich eine Gleisnummer für den Zug nach Narbonne auf der Anzeige, aber es dauert noch zwanzig Minuten, bis der Zug endlich einfährt. Natürlich ist auch der nicht ganz menschenleer, aber nachdem ich zuerst einen schönen Platz am Fenster hatte, setzte sich ein Mensch neben mich, der gerne reden wollte, aber nur sehr rudimentäres Englisch sprach, französisch gar nicht. Er lebe schon sechs Jahre in Barcelona. “Ok, dann reden wir halt Spanisch“, sage ich, aber das kann er auch nicht. Die Lautsprecherdurchsage gibt an, dass wir insgesamt mit einer Verspätung von eindreiviertel Stunde reisen. Das Arbeiten ist mir auf dem Sitz mit dem Nachbarn zu eng, ich halte Ausschau und finde noch einen freien Tisch, auf dessen anderer Seite ein junger Mann in ähnlicher Haltung wie das junge Mädchen im ersten Zug versucht zu schlafen. Später liegt er auf dem Rücken und schnarcht leise.

Ich arbeite meinen Akku leer, dann sind wir eine Station vor Agde, in Sète, der junge Mann steigt hier aus. Das lässt mich ihn fragen, ob Sète eine schöne Stadt sei. Er schaut erst etwas skeptisch, dann gibt er zur Antwort: „Für Besucher schon!“  Auf dem Rückweg aus dem Mittelmeer wollen wir hier einen Halt einlegen.

Es ist 16:12 Uhr, als ich in Agde aussteige, ich beeile mich, nach draußen zu kommen, um den 16:15 Bus noch zu bekommen, da fährt der draußen gerade los, ich bin ganz erbost… Aber er fährt nur zu der Haltestelle, um die Leute einsteigen zu lassen. Also, das wäre ja ärgerlich gewesen, wenn ich den jetzt verpasst, und mit dem viel teureren Taxi hätte fahren müssen. So bin ich um 16:40 in Agde, laufe mit meinem Laptop im Rucksack zu dem Parkplatz am Hafen,  in der Hoffnung, dass der Wagen auch noch dort steht, und nicht etwa von der Hafenverwaltung abgeschleppt wurde. Nein, wurde er nicht, um fünf sitze ich im Auto, stelle das Navi ein, der Wagen springt auch direkt an und los geht es auf den Heimweg entlang der Côte, das Radio begleitet mich zuerst mit einem Beitrag über einen Romanautor, dann mit Musik und zu den zarten Klängen von Weniawskys Violinkonzert fahre ich nach Cannes rein. Gerade noch rechtzeitig zum Abendessen an der Uferpromenade.

Die Fähre und das kleine Segelboot

Die Fähre und das kleine Segelboot

Mein zweiter Alleingang führte mich am Morgen nach dem Ankern zum Hundespaziergang mit dem Beiboot nach St. Honorat. So ganz mein Freund ist der Tohatsu, der kleine Außenborder an unserem Gummiboot, noch nicht. Aber er springt doch an, und fährt mich mitsamt Nico zu dem kleinen Hafen, in dem auch gerade die Fähre angelegt hat. Daneben liegt das kleine Segelboot aus Kiel mit dem älteren Ehepaar, das ist schon sehr sportlich, wie die beiden hier leben. Ich will vorsichtig sein, und kuppel den Motor zu früh aus, versuche mit der Hand bis zum Land zu paddeln. Nee, das funktioniert nicht, nochmal den Vorwärtsgang rein, nach vorne krabbeln und versuchen, mit der Leine durch den Ring zu kommen. Dabei will Nico immer an mir vorbei und schon mal an Land. Dann ist das Boot fest, der Hund an Land, ich mache den Motor aus, suche meine Schuhe und will aussteigen. Oh, Mann! Jetzt hab ich auch noch die Schuhe vergessen!

So piekselig sind die Steine

So piekselig sind die Steine

Kurz überlege ich, zum Boot zurück zu fahren und die Schuhe zu holen, aber das ist ja Mega-Quatsch. Also steige ich mit meinen zarten Seglerfüßchen (o.k. Füßen bei Schuhgröße 44) aus, und laufe tapfer über die steinigen Wege der Mönchsinsel. Nico zeigt sich nett und bleibt in der Nähe, er zeigt auch Verständnis, dass wir nicht so richtig weit gehen, sondern unten am Wasser und Sand entlang eher schlendern als laufen.

Hundespaziergang barfuß

Hundespaziergang barfuß

Ein LKW kommt und fährt mit lautem Gerumpel vorsichtig auf die Fähre, ich warte lieber ab, bis diese abgelegt hat, denn sie macht ganz schöne Wirbel im kleinen Hafenbecken. Jetzt muss sich zeigen, ob der freundliche Tohatsu, fern von seinem Volker-Chef, auch bei der Capitania anspringt. Ein paar Versuche braucht es schon, ich gerate ins Grübeln, ob ich den Choke besser doch nochmal ziehen soll, aber ein erstes Motorattern zeigt an, dass der Tohatsu-Freund beim nächsten Versuch mitspielen will. Jawohl, das macht er auch, und bringt Hund und mich wieder sicher zur Hexe zurück.

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Hin und her

15. Juni 2015, Montag, Baro 1008, sonnig, warm, Wind SSW 2-5
Cannes 09:30 – Nizza 13:30 22 sm
Zuerst ist kaum Wind, dann 5 Knoten. Volker will zwischen die Inseln zum Ankern gehen, denn motoren wollen wir nicht. Dann kommen 12 Knoten Wind, dann Schaumkrönchen, und nachher sind es über 20 Knoten.

Eric und Nany von der Aruna wollen nach Menton, um von dort aus mit günstigen Winden, die hoffentlich bald kommen werden, nach Korsika zu segeln. Wir begleiten sie ein Stück, denn wir wollen noch ein bisschen in dieser schönen Gegend bleiben, ehe wir zu den Inseln übersetzen. Hoch am Wind fahren wir außen um St. Honorat herum, nach dem Gefahrenzeichen können wir langsam abfallen und dann geht es direkt vor den Wind mit ausgebaumter Fock. Leider bekommt Eric von der Marina in Menton eine Absage, und auch ich habe kein Glück in Cap-Ferrat, aber in Nizza sind noch zwei Plätze frei, also fahren wir dort hin.

Gewitterwolken türmen sich auf

Gewitterwolken türmen sich auf

Drei Meilen vor der Hafeneinfahrt kommt die Fähre aus Korsika, und die hat leider Vorfahrt, also müssen wir draußen abwarten, bis der Lotse an Bord gekommen, die Fähre in den Hafen gefahren ist und die Leinen fest sind. Direkt vor Nizza ist das Meer noch über 200 m tief, und dann geht es steil nach oben. Das produziert eine unruhige See bei auflandigem Wind, kurze choppige Wellen, wir lassen das Großsegel oben, damit es uns ein bisschen Stabilität verleiht. Außerdem türmen sich gerade über den Bergen riesige Gewitterwolken auf, in denen es auch blitzt und donnert.

Der Flughafen liegt direkt am Meer

Der Flughafen liegt direkt am Meer

Und vom Flughafen, der hier in Nizza direkt am Meer liegt (Start und Landung sind spektakulär), kommt das Heulen der Motoren. Schon ein bisschen gespenstig, das Ganze. Endlich sind die drei roten Lichter an der Hafeneinfahrt aus, und wir können reinfahren. Es ist unglaublich warm, deshalb bilden sich auch diese Gewitterwolken. Nico genießt die Kühle des Steinbodens im Marina-Office, als wir zum Zahlen gehen, und macht beim anschließenden. hundespaziergang schnell seine Geschäfte, damit er – nach einem kleinen Umweg an der Slipbahn für ein Hundebad – wieder ins schattige Schiff kommt.

Restaurant mit bunt gedeckten Tischen in Nizza

Restaurant mit bunt gedeckten Tischen in Nizza

Um 18:00 Uhr hat es ein bisschen abgekühlt und wir machen uns auf den Weg in die Altstadt. Wir kennen diese schon von einem früheren Besuch, aber es ist ein wunderschönes Viertel mit ganz engen Gassen, in die zudem noch die Restaurants ihre Tische und Stühle stellen. Eric möchte nicht mitten auf der Straße essen, da könnte ja jeder kommen und von seinem Teller probieren wollen.

Ein Altar in der Kirche von Nizza

Ein Altar in der Kirche von Nizza

Baron von Münchhausen?

Baron von Münchhausen?

Wir bewundern die provenzalischen Stoffe, die Süßigkeiten und die seltsamen Dinge in den Andenkenläden.

Zum Apéritif finden wir eine wunderschön auf “altes Brauhaus” dekorierte Bar, in der wir leckeres “König Ludwig Weißbier” trinken.

Ein Cowboy vor l'Opéra

Ein Cowboy vor l’Opéra

Leckere Pralinen im Schaufenster

Leckere Pralinen im Schaufenster

Dann geht es weiter mit dem Sightseeing: Wir schlendern durch die Straße direkt hinter der Uferpromenade mit ihren unzähligen Restaurants, können uns aber noch nicht entscheiden, wo wir essen wollen, laufen an der Opéra vorbei, noch bis zum Ende der Altstadt, und schließlich am Meer entlang zurück zum Hafen. Denn der liegt in Nizza nicht direkt neben der Altstadt, sondern – durch einen ziemlich hohen Hügel getrennt – in der nächsten Bucht. Dort finden wir das “blaue Schiff”, dessen Küchenkapitän aus Kalabrien kommt und essen mal lecker italienisch (mit Sepia-Nudeln, wie man sieht…).

Nudeln aller Art

Nudeln aller Art

Die Capitania mit Lätzchen beim Spaghetti-Essen

Die Capitania mit Lätzchen beim Spaghetti-Essen

Nachtischzeichnungen?

Nachtischzeichnungen?

 

 

 

 

 

 

16. Juni 2015, Dienstag, Sonne-Wolken-Mix, Baro 1012, Wind SW um 3
Nizza 10:20 – vor Anker vor St. Honorat 14:10, 16 sm

Die Optis üben vor der Hafeneinfahrt

Die Optis üben vor der Hafeneinfahrt

Große Abschiedsszene auf der Aruna, die beiden winken uns nach, hoffentlich haben sie morgen einen guten Wind, um nach Korsika zu segeln. Unsere Wege werden sich sicher noch mal kreuzen, hier an der Côte oder auf den Inseln.
Mit wenig Wind – wie immer am Morgen – segeln wir los. Nach einer halben Stunde und ein bisschen motoren, hat sich der Wind bei 7-8 Knoten stabilisiert, Volker hört auf, das Holz im Salon zu polieren und wir setzen den Spi. Das geht eine weitere halbe Stunde gut, dann dreht der Wind zu sehr auf die Nase, der Spi muss wieder runter und wir kreuzen bis zum Cap Gros. Unser Ziel sind die Îles des Lerins vvor Cannes, wir sind also wieder zurück nach Westen gesegelt. Die heutige Nacht wollen wir, bei angekündigt wenig Wind, zwischen den beiden Inseln Ste. Marguerite und St. Honorat vor Anker verbringen.

 

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Der Teufel trägt Prada???

IMG_5123So heißt der Film mit Meryll Streep, in dem sie als ehrgeizige und eher gnadenlose Chefin  einer weltbekannten Modezeitschrift auftritt. Mit einem Hang zur Extravaganz, ausgestattet mit teurer Pradakleidung, werden die Mitarbeiter von der Chefredakteurin ständig schikaniert und rumkommandiert. Ganz anders die Atmosphäre auf der Flaniermeile, der sogenannten Croisette, in Cannes.

IMG_5140 IMG_5134 IMG_5129Ein Mode- und Schmuckgeschäft reiht sich an das andere. Bulgari ist vertrteten, direkt nebendran bietet Louis Vuiton seine neuesten Taschenkreationen feil, Dior bietet Mode im 5-stelligen Euro-Bereich zum Verkauf an. Und ganz am Anfang dieser berühmten Einkaufsstraße ist die Ware von Prada zu bestaunen. Da kostet dann das Abendkleid für die Liebste schon mal 10.000 Euro. Aber angesichts der Uhren- und Schmuckpreise von Choppard ist das eigentlich schon wieder ein Schnäppchen.

IMG_5135 IMG_5130 IMG_5125Da geht dann nichts mehr unter 40.000 Euro. Wenn man Prada und den Teufel in Verbindung bringen will an der Croisette, dann höchstens in Form der bedruckten Preistafeln mit den teuflisch hohen Summen. Und deswegen muss die Kundschaft und die Ware von Sicherheitsdiensten bewacht werden, von Kerlen mit erstaunlich breiten Schultern. Und da soll einkaufen noch Spaß machen? Wir sind da mal ganz schnell und elegant vorbei geschlendert. Hatten jedenfalls unseren Spaß, u.a. weil die Kollektion von Gucci das Thema Bayern und Trachten aufgegriffen hat. Ziemlich kreativ, aber eben auch Geschmackssache, weil alles an den altbekannten Trachtenlook erinmert. Leider sind diese Photos auf der Datenautobahn verloren gegangen, oder hatte doch der ( Fehler)-Teufel seine Hand im Spiel???

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Die Rich-Dog-Reisetasche

Die Rich-Dog-Reisetasche

Auf dem Rückweg in der zweiten Reihe haben wir einen Laden mit modischem Hundeschnickschnack gefunden. Nico hat bloß die Nase gerümpft und das Bein gehoben. Das Label hieß “Rich Dog“. War jdenfalls nicht ganz sein Geschmack.

Abends gab es, mit David, einem englischen Segler-Kollegen noch einen kleinen Ausflug ins Irish-Pub und wir sind zufällig in ein Pubquiz gestolpert. Elf Teams sind gegeneinander angetreten, um ihr Wissen in verschiedenen Kategorien unter Beweis zu stellen. Da wir uns leider nicht mehr selbst als Rate-/Quizmannschaft anmelden konnten, haben wir die drei Jungs vom Nachbartisch tatkräftig mit unserem Wissen unterstützt. Nur in der Filmkategorie mussten wir  passen, der letzte Kinobesuch liegt schon mehr als ein Jahr zurück. Die drei jungen Herren sind auf dem 6. Platz gelandet, da ist noch reichlich Luft nach oben.

Ich wusste gar nicht, dass Darmstadt und Cannes verschwistert sind…

Ich wusste gar nicht, dass Darmstadt und Cannes verschwistert sind…

Heute hatten wir dann den ersten Regen seit über drei Wochen, aber das waren nur die berühmten Tropfen auf den heißen Stein. Windböen bis 40 Knoten pfiffen durch das große Hafenbecken und ließen die Schiffe munter an ihren Leinen tanzen.Die Temperaturen sind in den moderaten 20-Grad-Bereich gefallen. Da hat man gleich Lust, mal wieder etwas Deftiges zu kochen. Auf die Töpfe, fertig los: Schnitzel mit Kartoffelbrei gab es, lecker. Und danach einen schönen kleinen eisgekühlten Jägermeister. Deutscher Abend:-)

Morgen geht es dann wieder in den Pub zum Länderspiel Deutschland gegen Gibraltar, ein EM-Qualifikationsspiel. Und damit nicht alle denken, wir drehen hier nur Däumchen (was natürlich manchmal stimmt) war gestern mal wieder Reparaturtag. Die 12-Volt-Steckdose im Cockpit war durch das aggressive Meeressalz vollständig korrodiert. Es hat über eine Stunde und ganz viel WD-40, ein Schmiermittel, gebraucht um das defekte Teil instand zu setzen. Jetzt ist Wochenende, und dass es recht schön wird, in jeder Hinsicht, wünschen wir allen Freunden, Bekannten, Verwandten und auch den unbekannten Lesern unseres Blogs.

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Ein paar Tage…

werden wir in Cannes bleiben. Das hat mehrere Gründe. Wie Cornelia schon im letzten Beitrag erwähnt hat, ist Cannes so etwas wie ein Etappenziel, das wir jetzt auf eigenem Kiel erreicht, oder besser gesagt ersegelt haben. Der Blick vom Schiff auf die nächtlich-festlich erleuchtete Stadtsilhouette hat was. Der Rundgang durch die Altstadt steht ebenso noch aus wie der Besuch des Irish Pub, oder der steile Aufstieg zur Notre Dame de l’Esperance mit angrenzendem Schloss und einer Kapelle und mit dem fantastischen Ausblick über die gesamte Stadt und das Meer.

In der Markthalle gibt es Obst und Gemüse…

In der Markthalle gibt es Obst und Gemüse…

Dauraden

Dauraden

… und Fisch

… und Fisch

Heute waren wir in der riesigen Markthalle, die neben den üblichen Gemüse-, Fleisch- und Fisch-Ständen auch regionaltypisch Köstlichkeiten bietet. Trüffel-Olivenöl, handgemachtes Gebäck, eine große Auswahl an Oliven, provenzalische Kräutermischungen, vielfältige Käsesorten und getrocknete Früchte erfreuen, liebevoll dargeboten, das Auge und die eine oder andere gekaufte Spezialität später den Gaumen. Ansonsten halten wir uns heute mal ein bisschen aus der Sonne raus und schreiben und internetten im Schatten, unter unserem Sonnensegel. Die vielen Stunden in der Mittelmeersonne, in den letzten Tagen haben ihre Spuren an uns hinterlassen. Schultern und Arme, die immer der Sonne ausgesetzt sind, sind schon ein bisschen gerötet. Die Stufe der absoluten tiefen südländischen Mittelmeerbräune haben wir noch nicht ganz erreicht. Aber wir arbeiten daran.

Ein Wetterwechsel, steht vor der Tür, die Sonne sticht, ab abends soll es Gewitter mit starken Windböen geben. Schon jetzt türmen sich riesige Wolkenberge deutlich sichtbar im Hinterland auf, der Wind nimmt langsam zu. Für die nächsten Tage gibt Monaco Radio über UKW-Funk und Meteo-France im Internet Windwarnungen aus. Die Temperaturen sollen mit rund 25 Grad denoch eher im angenehm-warmen Bereich der menschlichen Wohlfühlskala bleiben. Wir liegen gut und sicher, der Hafen ist rundum gut geschützt, so schnell wollen wir “unser Etappenziel” auch gar nicht verlassen. Obwohl es noch einige dieser „Etappenziele” in unserer Reiseplanung gibt. Niemand hetzt uns, außer wir uns selbst.

Wir genießen diese Art des Lebens und des Reisens, auf die wir solange hin geplant haben. Nach den ersten zehn Monaten können wir klar und deutlich sagen, dass unsere persönliche Erwartungen, an Länder, Menschen, guten Erlebnissen und letztendlich auch an unser schwimmendes Zuhause mehr als erfüllt wurden. Für das Mittelmeer, mit seinen zum Teil schwachen Winden, müssen wir ganz klar sagen, dass ein flott segelndes Schiff nur vorteilhaft sein kann. Das erspart letztendlich viele Motorstunden und erfreut des Seglers Herz.

Der Windglider

Der Windglider

Noch eins zum Schluss: Als das Windsurfen, also Surfbrett mit Segel, als Wassersportart noch sozusagen in den “Kinderschuhen” gesteckt hat, war ich gerade mal 12 Jahre alt. Mein Bestreben war es derzeit, diese neue Sportart schnellstmöglich zu erlernen und das Zusammenspiel ziwschen Surfbrett und Segel zu perfektionieren. Auf jeden Fall, aus diesen Anfängen heraus wurde schnell ein regelrechter Boom. Viele berühmte Hersteller von Surfboards wie beispielsweise Ten Cate, Hifly, Mistral und Ostermann wuchsen wie Pilze aus dem Bodem. Außer Mistral hat es, meines Wissens nach, keiner der genannten Brettproduzenten wirtschaftlich in die heutige Zeit geschafft. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich in St. Tropez ein Surfbrett aus dieser Zeit der Firma Ostermann Modell “Windglider” in einem hervorragenden Originalzustand gesehen habe. Der Windglider wurde am Anfang der achtziger Jahre vom saarländischen Küchenbauer Fred Ostermann entwickelt und gebaut.

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Segeln an der Côte d’Azur

7. Juni 2015, Sonntag, Baro 1016, sonnig, diesig, Wind O -NO um 4, später abflauend

Nach einem faulen Tag an der Boje beschließen wir beim Frühstück, Richtung St. Tropez oder Cannes weiterzufahren. Gestern Abend hatte wir Besuch von Nanni (keine Ahnung, wie man das auf französisch schreibt, aber so klang der Name, als sie sich vorstellte) und Eric von der “Aruna”, einer J109, und Eric wollte gerne mal unser Boot anschauen. Volker war wieder ganz in seiner “Profession”, und Eric sagte am Ende der Führung: “O.k., ich kaufe das Boot.” Ich habe mich derweil gut mit Nanni unterhalten. Beim Apéritif haben wir dann erfahren, dass sie, er ist Förster, für die französischen Nationalparks gearbeitet haben, er war einige Jahre Direktor des Nationalparks von Porquerolles und Port Cros.

Aruna mit Spi

Aruna mit Spi

Leider ist der Wind, der am Anfang mit 14 Knoten wehte, schon nach kurzer Zeit immer schwächer geworden und dann ganz weggeblieben. Das gab der viel leichteren Aruna zunächst die Chance, uns tatsächlich zu überholen, aber dann hingen sie so sehr in der Flaute vor der Insel, dass sie die Segel geborgen und den Motor angeworfen haben.

Da kommt das Eisboot

Da kommt das Eisboot

Mittags haben wir uns in der wunderschönen Baie de Briande wieder getroffen, die ist auch Teil des Nationalparks; waren schwimmen und mit dem Hund spazieren. Eine sanft einsetzende Brise verlockte uns, doch noch nach St. Tropez zu segeln, bzw. wir zu motoren, und wir machen schöne Bilder von der Aruna mit Spi.

Die Elektrokästen in Cannes sehen aus wie aus "Pirates of the Carribean"

Die Elektrokästen in Cannes sehen aus wie aus “Pirates of the Carribean”

Im Hafen werden wir freundlich empfangen, der Marinero fragt, ob wir zusammen gehören, und gibt uns zwei Plätze nebeneinander. Praktisch, denn wir werden auf einen Apéritif eingeladen, treffen dabei auch die mitsegelnde Katze, die aber zu scheu ist, um sich von uns streicheln zu lassen. Am späteren Abend gehen wir noch durch die schön beleuchtete Altstadt, zuerst vorbei an der Hafenpromenade, wo die fetten Motorboote liegen, ebenfalls schön ausgeleuchtet, zum Teil mit Unterwasserbeleuchtung. Auf Deck sitzen Familien und Freunde zusammen beim Abendessen, es hat was von Fernsehen.

Das war eigentlich nur eine kleine…

Das war eigentlich nur eine kleine…

Beim Gang durchs nächtliche St. Tropez

Beim Gang durchs nächtliche St. Tropez

Von der Schaufensterpuppe bleiben nur die Hände?

Von der Schaufensterpuppe bleiben nur die Hände?

 

 

 

 

 

8. Juni 2015, Montag, Baro 1011, sonnig, sehr warm, Wind NO 2

Cooler Blick von der Zitadelle

Cooler Blick von der Zitadelle

Am Morgen besichtigen wir, zusammen mit Nany (jetzt hab ich erfahren, wie man das schreibt, und dass es von “Anne-Marie” kommt) und Eric die Zitadelle von St. Tropez, die auch ein sehr schönes und interessantes Marinemuseum beherbergt. Wir erfahren viel Wissenswertes über die Geschichte der Seefahrt in St. Tropez, über die verschiedenen Fischfangmethoden, über eine Akademie, die große Kapitäne ausgebildet hat, und zum Schluss genießen wir die Aussicht von ganz oben, aber da war leider die Batterie des Fotos leer.

Reusen für den Fischfang

Reusen für den Fischfang

Aus einer Kokosnuss geschnitzte Maske

Aus einer Kokosnuss geschnitzte Maske

Die großen Kapitäne

Die großen Kapitäne

Zurück auf dem Boot machen wir die Hexe und sie die Aruna klar, denn noch weht ein bisschen Wind, und wir wollen gerne heute nach Cannes segeln. Das geht auch zuerst ganz gut, aber um halb vier sind es nur noch zwei Knoten, die uns (eben leider kaum noch) antreiben, wieder muss der Motor ran. Der Sommer im Mittelmeer hat halt nicht soviel Wind wie die Nordsee. Dafür kann man zwischendurch einen Badestopp einlegen und im tiefen tiefen Mittelmeer schwimmen gehen.

Blaues Wasser

Blaues Wasser

Das Wasser ist blau, so blau, wir befinden uns auf ca. 500 m Wassertiefe, auch Nico wird mal kurz erfrischt, und dann geht es weiter. Leider dreht der Wind wieder mal ganz unvorteilhaft auf die Nase, da es immer noch dreizehn Seemeilen bis Cannes sind, motoren wir wieder weiter. Es ist gefühlt ein großer Schritt, mit dem eigenen Boot nach Cannes zu kommen, nachdem wir schon oft hier waren, aber eigentlich immer auf dem Landweg. Wir freuen uns sehr auf die schöne Stadt, den Hafen, die großen Hotels an der Croisette, die Isles du Lerin, St. Marguerite et St. Honorat.

Und Nany hat Geburtstag, da gibt es heute Abend schon wieder einen Grund zu feiern, wir stoßen zuerst mit Champagne an, (danke Nany und Eric) nach dem Essen trinken Volker und Eric einen Jägermeister, der hier in Frankreich nur “Jäger” heißt, wie wie gerade erfahren haben.

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Sommer, Sonne, (Traum)-Insel!

IMGP0008Cornelia: Nach den im letzten Bericht beschriebenen drei Tagen vor Anker kommt langsam das Paradies-Gefühl bei mir an. Morgens, vor oder nach dem Frühstück, schwimmen im kristallklaren Wasser, frisches Baguette zum Frühstück, von dem Hundespaziergänger mitgebracht (das Allerbeste ist, dass, Volker so gerne mit dem Schlauchboot fährt, er freiwillig morgens mit dem Hund geht, hihi). Später kommt das Sonnensegel übers Cockpit, wieder schwimmen, lesen, nachmittags ein kleiner Ausflug mit dem Schlauchboot, zur Marina oder zum Strand oder in den Wald, Abendessen, ein letzter Hundeausflug zum Land.

IMGP0010Volker: Insgesamt sechs Tage haben wir Porquerolles an drei verschiedenen Ankerplätzen genossen, die einzigartige Landschaft, die Vegetation und auch die guten Versorgungsmöglichkeiten. Wir haben unsere leeren Gasflaschen gegen volle gewechselt, die Tauchflasche befüllen lassen und genügend Grillfleisch, Wurst, Gemüse und Obst gebunkert. Denn auf der nächsten Insel gibt es fast keine Einkaufsmöglichkeiten.

Gestern hieß es dann Abschied nehmen und “Anker auf”. Viele machen dabei den Motor an, motoren langsam zum Anker hin, während dabei die elektrische Ankerwinsch die Kette und den Anker aufholt. Wir haben das ganz leise und klassisch ohne Motor vollbracht. Also zuerst das Großsegel im Wind stehend gesetzt, dann langsam die Ankerkette aufgeholt und mit backstehendem Vorsegel (das Vorsegel gegen den Wind gehalten und dadurch das Boot in die gewünschte Richtung gedreht), Fahrt aufgenommen und den Kurs auf Port Cros abgesteckt.

IMG_0196Der Wind hat in die Segel gegriffen und unsere Hexe auf sieben Knoten beschleunigt. Das blaue Meer strömt dabei geräuschvoll an unserem Rumpf entlang und bildet eine schöne Bug- und Heckwelle aus, in den sich die Sonnenstrahlen wild glitzernd spiegeln. Segeln vom Feinsten.

IMG_0209Da Port Cros aber nur zehn Seemeilen von Porquerolles entfernt ist, währt die Freude am Segeln nicht ganz so lang und wir sind schneller am Ziel als gewollt. Schnell noch die Segel geborgen und einen schönen Liegeplatz nahe an einer Felswand an einer Mooringboje gesucht und gefunden. Vor Port Cros liegen sogenannte Mooringbojen aus. Das sind durch schwere Grundgewichte und Ketten gesicherte Bojen, an denen man mit dem Schiff sicher festmachen kann. Mooringbojen haben gegenüber dem Ankern den Vorteil, dass der Meeresgrund mit seinen Pflanzen und Riffen nicht durch schleifende Ankerketten oder Anker beschädigt wird.

IMG_0208Port Cros ist ein Idyll, man wähnt sich in der Karibik, der kleine Ort mit seinen wenigen Häusern duckt sich an den Bergrand und über allem wacht das Fort. Vor dem Ort liegt die malerische Bucht, in der wir liegen.  Port Cros ist ein Paradies für Taucher und Wanderer. Man braucht ca. vier Stunden, zu Fuß, um das ganze Eiland zu umrunden. Es gibt eine kleine Inselkirche, eine ganz kleine Grundschule, vier Restaurants, teilweise mit Zimmervermietung und einen Anbieter von geführten Tauchausflügen. Zu den drei Badebuchten mit Sandstrand führen felsige Trampelpfade. Es gibt keinen Massentourismus und wenn abends die letzte Festlandfähre abgelegt hat, wird es ganz ganz ruhig auf Port Cros.

Basteln der Taucherflagge…

Basteln der Taucherflagge…

… sieht doch gut aus, oder?

… sieht doch gut aus, oder?

Die Insel und das Meer rundherum sind seit ein paar Jahren Nationalpark. Wer tauchen will, muss sich einschreiben, bekommt ein paar naturschonende Verhaltensmaßregeln an die Hand gedrückt und wird freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen die Taucherflagge “Alpha” aus dem internationalen Flaggenalphabet mit sich zu führen. (Die haben wir dann aus Segeltuch und Kleber selbst gebastelt und stolz dem Ranger gezeigt, der sie für gut befunden hat.)

IMG_5017Nico darf nur auf bestimmten Wegen mit uns und an der Leine spazieren gehen. Wahrscheinlich “muss” es, da die Insel nun den Status des Nationalparks hat, solche Regeln geben und natürlich Menschen, die diese dann überwachen. Wir haben zumindest schon drei uniformierte Leute gesehen, mit respekteinflößenden Abzeichen, auf denen “Police Environmental” (Umweltpolizei) steht. Das war früher auf Port Cros anders. Da gab es keine Beschränkungen…

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Wir liegen vor Porquerolles

Leider zu verfallen, um besichtigt zu werden, das Fort auf der Petite Langoustier

Leider zu verfallen, um besichtigt zu werden, das Fort auf der Petite Langoustier

seit drei Tagen vor Anker, und ich mache jetzt mal den Versuch, unsere direkte und die ferne Umgebung zu beschreiben. Fangen wir mal mit dem Leichteren an. Unter uns befindet sich gut fünf Meter tiefes, klares blaues Mittelmeerwasser, mit hellem Sand als Ankergrund. Von Osten über Süd bis hin nach Südwesten können wir die Insel Porquerolles erblicken. Direkt an deren Küste wechseln sich felsige Abschnitte mit sandigen Buchten ab. Daran folgend steigt das Inselinnere teilweise steil, teilweise sanft empor. Von außen betrachtet, erscheint die Insel sehr grün mit niedrig wachsenden Hartlaubbüschen und höher aufsteigendem Kiefernwald. Vereinzelt wachsen auch Eukalyptusbäume, typisch für die Côte d’Azur. Westlich von unserem Ankerplatz sehen wir fast nur Wasser, ein beinahe ungetrübter Blick über das Meer, wäre da nicht das kleine Inselchen Île du Petit Langoustier, mit seinem verfallenen Fort im Weg. Aber der Blick auf diese kleine Insel hat natürlich auch was.

Das alte Fort aus Richelieus Zeiten

Das alte Fort aus Richelieus Zeiten

Wenn wir dann unseren Blick nach Norden schweifen lassen. sehen wir das Festland mit der Halbinsel “Presqu’Île de Giens” und nachts die Lichter von Hyères. Nach Nordosten ist unsere gut geschützte Ankerbucht offen, die Sicht übers Meer sozusagen unverbaut. So sieht sie aus, unsere Umgebung. Wir haben 20 Metter Ankerkette gesteckt, der Anker hat sich komplett in den Sandgrund eingegraben, nur noch der Ankerschaft ist vom Boot aus sichtbar. Das ist gut zu wissen, wir können so auf die volle Haltekraft unseres Ankers vertrauen. So muss es sein.

knorrige Bäume an einer der schönsten Buchten von Porquerolles

knorrige Bäume an einer der schönsten Buchten von Porquerolles

Denn für ausgedehnte Landspaziergänge lassen wir unsere Hexe mutterseelenallein an ihrem Ankerplatz zurück und vertrauen auf den guten Halt des Ankers oder Grundeisens, wie Segler ihn gelegentlich auch nennen. Wenn es noch ein zutreffendes Synonym zur Beschreibung unserer Umgebung gibt, ist es das Wort “Ruhe”. Kein durch Autos, Maschinen oder sonstige Gräuschquellen erzeugter Lärm ist hörbar. Wir liegen wirklich ganz ruhig, nur manchmal hören wir, tagsüber, entfernte menschliche Stimmen vom Strand. Diese beinahe himmlische Ruhe gefällt uns sehr. Unsere beiden Solarpanele füllen am Tage unsere Batterien auf, es bleibt sogar genug Energie übrig, um die modernen Kommunikationsmittel wie IPad, Computer und Handy zu laden. Schöne neue Welt, diesmal nicht ironisch gemeint.

Volker taucht ab

Volker taucht ab

Gestern habe ich meine Tauchausrüstung ihrem Bestimmungszweck zugeführt und einen Tauchgang unter und an unserem Schiff gemacht. Den kleinen Muscheln, die fest mit unserem Rumpf, dem Kiel und dem Antrieb verwachsen waren, bin ich mit einer Spachtel und Eifer zu Leibe gerückt. Jetzt ist unser ganzes Unterwasserschiff wieder spiegelglatt und sauber, ergo das Schiff auch wieder schneller;-)

Sonnenuntergang vom Feinsten

Sonnenuntergang vom Feinsten

Abends haben wir den Sonnenuntergang hoch oben von einer Klippe aus bestaunt. Blutrot und flimmernd ging der geliebte Planet über einer Gebirgskette unter. Kurz danach erhellte der aufgehende Vollmond die Umgebung und unseren Rückweg zum Schiff.

Der Mond geht über der Bucht auf

Der Mond geht über der Bucht auf

 

 

Kurzes Fazit, ankern spart nicht nur die Hafengebühren, es ist auch inspirierend und erholsam zugleich, zumal in einer so schönen Umgebung. Porquerolles und Port Cros sind zwei sehr schöne und abwechslungsreiche Inseln direkt vor dem Festland, die es wirklich wert sind, besucht zu werden. Île Port Cros wird die nächste Insel, die wir ansteuern werden und ist nur einen Katzensprung von Porquerolles entfernt, aber erst in ein paar Tagen, wir haben es nicht eilig.

 

Der Ankerplatz vor dem Ort Porquerolles

Der Ankerplatz vor dem Ort Porquerolles

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