Der dritte Tag auf dem Atlantik

Freitag, 25. Mai 2018, Baro 1014, Sonne, kleine Wolken, Wind NW 3
auf See, Position 32°58.65 N / 009°22.52 W
Um 11:00 haben wir wieder den Code D ausgerollt, der Wind kommt aus 110 – 120° von Backbord. Die erste Segelyacht fährt in zwei Meilen Entfernung vorbei, allerdings ohne Segel, ein 13 Meter langer Einrumpfer motort Richtung Kanaren.
Der Wind bleibt beständig um die 10 Knoten, nachmittags nimmt er sogar noch zu, und wir befürchten schon, dass wir den Code D bergen müssen, wenn der wahre Wind über 15 Knoten geht, so die Regel, sollen kein Gennaker und kein Spinnaker mehr gefahren werden. Dabei läuft es gerade so schön, die Hexe fliegt mit 9 – 10 Knoten übers flache Wasser, jetzt kommt noch die langgezogene Bucht bei Rabat, und bei Tanger nähern wir uns wieder dem afrikanischen Festland, dann folgt die geschäftige Straße von Gibraltar und schon sind wir da!
Ich kämpfe seit heute morgen mit meinem SSB-Funk und versuche, den angeforderten Wetterbericht abzuholen. Aber bei keiner Station, und bei meinen Lieblingsstationen in der Schweiz probiere ich jede Frequenz, will niemand mit mir spielen und meine Mails bzw. meine Wetteranfragen für Gribfiles bearbeiten.
Sonnenuntergang lokale Zeit (UTC + 1): 20:30 Uhr.
Um 23 Uhr legt sich Cornelia hin, und um 24 Uhr legt sich auch der Wind. Ein kleines Lüftchen weht noch und füllt die Segel, der Motor läuft jetzt mit niedriger Drehzahl mit. So geht es mit gemütlichen sechs Knoten Fahrt in unsere dritte Nacht.
Noch ein kleiner Schlenker zurück. um 21 Uhr hatte Cornelia mit unserer Kurzwellenfunkanlage Kontakt zu Amateurfunkern in Österreich und nach Tarragona /Spanien, sowie zu Ralf von der SY „Mal Wieder“. Die abendliche Funkrunde ist jetzt schon eine feste Institution in unserem täglichen Bordalltag. Samys Hygieneprozedur „sanitäres Ausscheiden“ war die gleiche wie am Vortag – klasse, wie das Langfahrtseglerleben mit ihm abläuft.

Samstag, 26. Mai 2018: 03:00 Uhr komme ich, Cornelia, zurück zur Wache, Herr und Hund schlafen gemeinsam, mit gestelltem Timer-Wecker auf dem großen, zum Bett umgestellten Salonsofa. Baro unverändert 1014, ein Phänomen, leider hat der Wind nicht zugenommen und weht nur noch als laues Lüftchen von 3 – 4 Knoten aus 150 – 160° von Backbord. Noch 150 Meilen bis Gibraltar.
Wegen der gefürchteten marokkanischen Fischerboote, die ohne AIS unterwegs sind, lasse ich das Radar „verzögert“ mitlaufen, es sendet alle 15 Minuten 30 Umdrehungen aus, sollte sich uns ein Radarziel zwölf Minuten später unter zwei Meilen nähern, gibt es einen lauten, unangenehmen Ton, der uns aufwecken würde.
Nach der abendlichen Intermar-Funkrunde hat es auch geklappt mit der E-Mail-Abholung, sodass wir nunmehr einen aktuellen Wetterbericht haben. Der sagt für die Nacht und den Samstag Vormittag eher schwache südwestliche Winde voraus, aber am Nachmittag soll er wieder westlich drehen und ein bisschen zunehmen, dann können wir bestimmt wieder segeln, zumal, wenn wir dann wieder näher unter Land kommen.
Um 05:15 kommt wieder das erste schwache Licht an den östlichen Horizont, und um 05:50 wird er rosa. Leider sind Wolken über der marokkanischen Küste, sodass es kein schönes Sonnenaufggangsfoto geben wird.
07:30 Uhr: Den Sonnenaufgang hätte man fotografieren können, aber da habe ich schon wieder geschlafen, meine 28 Minuten bis zum übernächsten Radardreh. Jetzt zieht es sich leider gerade mit Wolken zu, Positionsmeldung konnte ich absetzen, Gribanfrage ebenso, gleich haben wir einen neuen Wetterbericht. Brötchen sind fertig gegangen, und können gebacken werden, mal sehen, was uns dieser Tag, der ja wahrscheinlich der vorerst letzte auf dem Atlantik ist, bringt.
Noch 128 Meilen bis Gibraltar.

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