Good morning, Barcelona!

30.03.2015, Montag, Baro 1018, leicht bewölkt, 20 Grad,
Puetro d’Andratx 12:35 – Barcelona, 0755, 119 sm, davon 13 Motorstunden

Nach Frühstück und letzten Einkäufen bringen wir Larissa und Johannes zum Bus, winken noch mal, und gehen schnell zurück aufs Boot, lösen die Leinen und ab geht’s. Ich bin vor solchen längeren Distanzen immer noch ein bisschen aufgeregt, aber es wird schon weniger. Man denkt dann drüber nach, was der Wind wohl so machen wird, wie die Wellen sind, und ob alles so klappt, wie man es sich vorgestellt hat. Aber wenn es denn soweit ist, die Leinen los sind, und sozusagen die See ruft, dann macht es Spaß, und ich freue mich auf die Zeit ohne Land.
Leider kommt der Wind zuerst mit 10 Knoten genau von vorne, und wir motorsegeln zwischen Mallorca und der kleinen vorgelagerten Isla Dragonera, die tatsächlich die Form eines Drachens hat, durch, dabei sind die Wellen kabbelig und der Wind dreht in alle Richtungen. Der Wind wird häufig durch Kap-und Küstenlinien abgelenkt. Nach dem Cap de Formentor, dem nordöstlichsten Ende der Dracheninsel, dreht der Wind auf West, wir rollen die Fock aus und segeln. Das Glück dauert aber nur knapp zehn Minuten, dann lässt der Wind auf unter vier Knoten nach, und dreht sich einmal ums ganze Schiff herum. Also muss doch wieder der Motor mitschieben. So geht die Fahrt natürlich nicht so schnell, und das Gewackel der Wellen lässt die Segel schlagen, das ist nicht so angenehm.
Nun entspannt sich eine Diskussion zwischen uns beiden über das anzusteuernde Ziel. Volker würde am liebsten soweit nordöstlich halten, wie es irgend geht, um möglichst nah an Perpignan zu sein, solange der Mistral mal pausiert. Macht natürlich auch Sinn aus seglerischer Sicht, aber: Ich dagegen bin ja mehr für die Kultur zuständig und würde gerne zumindest den Karfreitag in einer größeren spanischen Stadt verbringen, damit wir uns die großartigen Ostersonntagszüge anschauen können. Das ist hier in Spanien Kult. Alle Heiligenstandbilder, die sonst in den Kirchen verstauben, werden von Männer, die mit einer Art “Klu-Klux-Klan”-Kutte bekleidet sind, durch die Gassen getragen, dazu wird getragene Musik gespielt. So sind die Heiligen auch mal an der frischen Lift und die Gläubigen erfreut’s. Außerdem möchte ich gerne Allegra und Leonard ein bisschen spanische Städte bieten und die Aussicht auf mehrere Tage in dem langweiligen Canet-en-Roussillon lockt mich gar nicht.
Um 14:30 Uhr quittiert der Tiefenmesser seinen Dienst, er sagt, die letzte gemessene Tiefe betrug 180 Meter ( mehr kann der nicht anzeigen)demnächst geht es noch weiter runter hier mit dem Meeresboden auf über 2.000 Meter. Mallorca und auch die Dracheninsel sind gut zu erkennen, langsam setzt sich die Sonne durch die Wolken durch, aber es bleibt diesig. Ab und zu ist eine Fähre zu sehen, die fahren ja fast den gleichen Weg, brauchen dafür allerdings nur sechseinhalb Stunden. Für uns sind es jetzt noch 97 Seemeilen bis Barcelona.
Der Wind dreht immer achterlicher und die Wellen bleiben bei ca. anderthalb Meter, wir stellen die verkleinerte Fock in die Mitte zum Stabilisieren und reffen das Großsegel auf Reff 2, damit es nicht immer am Achterstag vorbei schlägt.
16:00 Uhr, Baro 1017, nun wirkt Volkers Meereszauber. Ich hab ihn gefragt, ob er sich nleicht bekleidet aufs Vorschiff legt, um die Seejungfrauen anzulocken, aber er meinte, die seien jetzt moch in der Karibik, ihnen sei das Wasser hier noch viel zu kalt… Aber die Windsbraut, ja die wolle er anlocken! Und siehe da, kaum sind zehn Minuten vergangen, dreht der Wind auf West und bläst auf einmal mit 15 Knoten, die Windsbraut hat den schönen Segler gesehen und seine Bitte erhört. Was ein Seefraugarn!
Direkt danach tauchen Delfine auf, zuerst jagen sie irgendetwas in der Ferne, aber dann kommen sie plötzlich zum Bug und spielen mit umserer dahinrauschenden Hexe. Wir hatten schon lange keine mehr gesehen. Immer wieder wundervoll! Nun sind wir schon auf über 1.000 Meter Wassertiefe.
17:38 Uhr, Baro 1014,5 der Wind frischt weiter auf, wir reffen das Vorsegel ein bisschen ein.
18:00 Uhr, Baro steht, der Wind ist auf unter sieben Knoten gefallen, wir motoren.
18:15 Uhr, Baro steht, der Wind frischt auf, wir segeln, ich koche “Krautfleckern à la Toni”. Hat nicht ganz so geschmeckt, aber es ging.
20:00 Uhr, Baro 105,5, Wind ist wieder bei 17 Knoten, Volker ist zufrieden mit dem Speed seiner Hexe. Tiefe über 1.800 Meter.
20:15 Uhr Sonnenuntergang, der Windeinfallswinkel wird immer spitzer, nicht, dass wir nachher noch kreuzen müssen….
21:50 Uhr, Baro 1018, noch 50 Meilen bis Barcelona, Wassertiefe 2.000 Meter, der Wind schläft wieder mal ein, da muss der Motor nochmal ran. In einer Stunde treffen wir die Fähre aus Barcelona, die sehe ich schon seit anderthalb Stunden auf uns zukommen, so ein AIS ist genial!
22:45 die Fähre ist keine Fähre, sondern das Kreuzfahrtschiff Costa Diadema, es fährt auch in ausreichendem Abstand an uns vorbei, nur so ein Frachter mit Namen Warnow Jupiter ( bestimmt aus Warnemünde) kommt schrecklich nah heran, der Abstand soll laut AIS nur 90 m betragen, das ist uns viel zu nah, man weiß ja nie, ob die gerade Karten spielen oder schlafen… Also rufe ich auf Kanal 16 die Warnow Jupiter, bekomme aber keine Antwort, allerdings sieht es so aus, als würde er den Kurs ändern. Da höre ich plötzlich, wie das Kreuzfahrtschiff die Warnow Jupiter über Kanal 16 ruft, und ihm sagt, dass das Segelboot zu seiner Rechten ihn auf 16 gerufen hat. Dann antwortet der Funker der Warnow Jupiter mit slawischem Akzent dem Kreuzfahrer, dass er uns mehr Raum geben wird. Wahrscheinlich ist das so einer, dem Ratten in der Bilge lieber sind als eine Frau auf einem Schiff…( vermutet Cornelia)
00:14 Uhr, Baro 1019, der Wind hat auf Ostnordost gedreht und wir segeln wieder, noch 38 sm, die Lichter der Großstadt erleuchten den Horizont.
02:00 Uhr, Baro bleibt, Volker motort seit einer halben Stunde, ich übernehme die Wache. Es bleibt schaukelig, ich will das Großsegel reffen, aber irgendwie gelingt das nicht, da nehmen wir es ganz runter. (wenn es nur Wellen und keinen Wind gibt, lassen wir gerne das Großsegel stehen, weil es die Rollbewegung des Schiffes dämpft. Manchmal schlägt es dabei jedoch so heftig hin und her, dass man seine Fläche verkleinern muss. Das schont die Nerven und das Material).
Man sieht total viele Sterne (auch den Jupiter), ich vergnüge mich zwischendurch mit meiner Sternen-App. Es ist so feucht, dass man denkt, es regnet, aber das geht ja bei dem Himmel gar nicht.
04:15 Uhr, wir wechseln wieder, damit jeder noch eine Stunde Schlaf bekommt. Das klappt für mich, aber als ich meine Wache antrete, sind so viele Schiffe um uns herum, dass wir lieber zu zweit schauen, Volker draußen und ich am AIS.
Mit Sonnenaufgang laufen wir in den Hafen von Barcelona ein, zuerst nur Öl- und andere Industrie, und dann die großartige Kulisse der Stadt. Der Sportboothafen liegt direkt bei den Ramblas, im Zentrum von Barcelona. Aber jetzt wird erst mal ausgeschlafen.

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