Zwei ruhige Segeltage

13. November 2015, Freitag, Baro 1025, sonnig, Wind NNW 6-8 Knoten
St. Raphaël 09:50 – St. Tropez 14:00, 13,3 sm

Die ganze Welt in St. Tropez
Die ganze Welt in St. Tropez

Tatsächlich schaffen wir einen frühen Start, denn es ist Wind, zumindest ein bisschen. Schnell habe ich, nach dem gestrigen Desaster, zweimal fünf Gigabyte in einem Tabac erstanden, damit wir was in der Reserve haben. Vielleicht eine Frage des Alters, aber ich habe immer gerne von allem noch ein Reserveexemplar. Ja, bestimmt eine Frage des Alters!

Mit Spinnaker geht es gut voran, leider nur eine halbe Stunde, dann schläft der Wind ein. Wir bergen zwar nach kurzer Zeit den Spi, werfen den Motor aber noch nicht an, das sitzen wir jetzt aus! So wird das nichts mit Porquerolles oder Port Cros, wir nehmen Kurs auf St. Tropez, da können wir mit dem gerade wieder aufgefrischten Wind gut hinsegeln. Später hört die Mittagsbrise auch wieder auf, gut, dass wir es nicht darauf angelegt haben, weiterzukommen.

Grabstein mit Aussicht
Grabstein mit Aussicht

Wir machen einen Spaziergang zum Friedhof, von See her haben wir den schon oft gesehen, jetzt wollen wir ihn mal von Land aus erkunden. Wenn man noch was davon hätte nach dem Tod, könnte man durchaus sagen, hier liegt man super, mit Aussicht auf die Bucht. Aber das hilft höchstens noch den Hinterbliebenen, wenn sie hier zu den Gräbern gehen und frische Blumen bringen, denn die gibt es trotz Spätherbst in großen Mengen, fast genauso viele wie von den künstlichen, meist aus glasiertem Ton oder Porzellan gefertigten Grabschmuck-Blumen.

Wir suchen für das heutige Freundschaftsspiel Frankreich – Deutschland ein Restaurant oder eine Bar mit großem Fernseher. Die erste Halbzeit schauen wir in einer Brasserie, essen dazu Spaghetti und Quiche, zur zweiten Halbzeit gehen wir Richtung Hafen. Das italienische Restaurant, das zum Nachtclub “Hysteria” gehört, hat auch große Fernseher, dort sitzt man warm und gemütlich. In der Brasserie hat es nämlich gezogen wie Hechtsuppe, das war ungemütlich!

Schon während des Spiels bemerken wir eine Unruhe am deutschen Nachbartisch und an der Bar, und nach dem Ende wird der Fernseher laut geschaltet und die furchtbare Nachricht von der grausamen Anschlagserie in Paris wird gesendet. Da die Fernseher in den Restaurants ohne Ton liefen, hatten wir die Detonation am Ende der ersten Halbzeit nicht gehört. Jetzt kamen die Meldungen eine nach der anderen, zunächst war nur von der Bombe vor dem Stadion und der Schießerei bei dem Rockkonzert die Rede, dann kamen noch die Meldungen aus den Restaurants. Stumm verfolgten die Kellner und die Gäste die schrecklichen Ereignisse, es gab fast keine Kommentare, aber es fehlen auch bei so etwas einfach die Worte.

14. November 2015, Samstag, Baro 1022, sonnig, leicht bewölkt, Wind Nordost, 2, 3 und 4 Beaufort
St. Tropez 10:15 – Port Cros 16:30, 27 sm

Petri Heil?
Petri Heil?

Dem schmerzenden Rücken zum Trotz will Volker nach dem Frühstück nicht zum Markt, sondern segeln, macht auch Sinn, denn in den nächsten Tagen soll es eher weniger als mehr Wind geben, also eigentlich gar keinen. Jetzt hat der Wind auch schon gedreht, kommt aus Nordost – wie vorhergesagt – das heißt, wir kreuzen das erste Stück aus der Bucht von St. Tropez raus, danach geht es auf Vorwindkurs Richtung Süden. Die vier Meilen bis zum Cap Camarat segeln wir mit ausgebaumter Fock, danach wird der Spi gesetzt, bei über 10 Knoten Wind rauschen wir die Küste hinab. Ein Segelboot unter italienischer Flagge verwirrt uns, viele Leute stehen am Heck, ist da etwas passiert? Volker sagt: “Mach doch mal Kanal 16 an”, aber da spricht keiner. Als wir rasch näher kommen, sehen wir, dass die Männer nur am Heck stehen, um zu angeln. Tatsächlich holt auch einer einen Fisch raus. Das inspiriert Volker, mich wieder mal zum Angeln zu überreden, aber wir sind eigentlich immer zu schnell, um etwas zu fangen. Egal, ich krame in der Backskiste nach der von dem Amerikaner auf Gibralter geschenkten Angel, finde sie auch, und wir hängen sie raus. Mal sehen, ob sich eine Dorade dran festbeißt.

Sonnenuntergang von Port Cros
Sonnenuntergang von Port Cros
… und in Thailand
… und in Thailand
… und der Mond über Port Cros
… und der Mond über Port Cros

Tut sie natürlich nicht, und leider war der Wind auch nicht immer windig, deshalb beschließen wir, statt Porquerolles lieber Port Cros anzulaufen, da gibt es zwar keinen Strom, aber wir kommen noch im Hellen an, und die Insel ist ja immer wieder ein Traum. So still, wenn das letzte Tauchboot für die Nacht festgemacht und die letzte Fähre abgelegt hat, sind nur noch die 10 – 20 fest dort wohnenden meist beim Nationalpark angestellten Menschen hier, und am Samstag Abend 10-12 Yachten.

Die kleine Kirche ist noch offen
Die kleine Kirche ist noch offen

Alle Restaurants und die kleine Epicerie, wo man in der Saison Souvenirs und ein paar Grundnahrungsmittel bekommt, sind geschlossen, und nicht einmal der Liegeplatz kostet etwas. Vom 1. November bis 31. März liegt man hier umsonst. “Ja”, sagt die freundliche Hafenmeisterin, “jetzt darf man beim Einkaufen auf dem Festland nichts vergessen, nur das Salz kann man sich aus der Saline holen, sonst gibt es hier nichts zu kaufen.”

 

St. Raphael, nicht schön, aber doch charmant

12. November 2015, Donnerstag, Baro 1022, sonnig, warm, kein Wind, nachmittags SW
Cannes 11:20 – St. Raphaël 14:00, 12 sm motort

Still und starr ruht die See
Still und starr ruht die See

Da wir nicht wissen, ob wir ungeladen zu der Vernissage der Chagall-Ausstellung gehen können, und so ein Pubquiz im MaNolan jeden Donnerstag stattfindet, werfen wir nach einem guten Frühstück die Leinen los und den Motor an und fahren – ganz ohne Wind und ohne Wellen – nach St. Raphaël. Volker meint, ich gäbe sonst eh keine Ruh, bis ich das mal gesehen habe, nämlich, dass es einfach nicht schön ist. Die Fahrt dorthin war jedenfalls ruhig, alles unter Motor, Volker hat sich ab und zu seinen Rückenübungen hingegeben, ich war mit meinen Zeit-Kreuzworträtsel beschäftigt, der Hund lag draußen bei uns im Körbchen. Entspannt motoren (nix für den Skipper!).

So einen großen Liegeplatz hatten wir noch nie
So einen großen Liegeplatz hatten wir noch nie

In St. Raphaël bekommen wir den bisher größten Liegeplatz zugewiesen, da muss die Hexe noch ein bisschen reinwachsen. In der Marina liegen viele große Boote, auf denen jetzt nicht mehr die Eigner sind – die müssen wahrscheinlich auch irgendwann einmal Geld verdienen – sondern die Mechaniker und die Bootsbauer für kleine Reparaturen und die Polstererinnen und so weiter.

Volker hatte Recht, die Stadt ist alles andere als schön, in der ersten Reihe am Meeresstrand geht es noch, da sind halt viele Restaurants, von denen jetzt allerdings die meisten geschlossen sind, aber im Centre Ville ist es laut von unendlich vielen Autos und vor allem Vespas und Motorrädern, es stinkt erbärmlich nach den Abgasen. Die Basilika hingegen ist sehr schön, es ist gerade ein Messe, sodass wir nur leise bei der Mutter Gottes eine Kerze anzünden und die Kirche ebenso leise wieder verlassen.

Die Kathedrale von St. Raphael, von außen
Die Kathedrale von St. Raphael, von außen
und von innen
und von innen

St. Raphaël geht nahtlos in Fréjus über, hier gibt es auch eine historische Altstadt, aber die muss bis zu unserem nächsten Besuch warten. Mit Volkers Hexenschuss wollen wir keine Gewaltmärsche riskieren, wir nehmen lieber einen kleinen Drink in einer der großen Bar-Brasserien, die an der Uferpromenade liegen, und jetzt bei Dunkelheit einen schönen Blick über die Bucht und die Lichter am anderen Ende gestatten.

Die letzte Dose sardisches Ichnusa-Bier
Die letzte Dose sardisches Ichnusa-Bier

Zurück beim Boot kocht Volker einen leckeren Eintopf, danach wollen wir versuchen, den RTL-Spielfilm über die Starfighter zu sehen. Das klappt auch super, leider sind aber ca. zehn Minuten vor Schluss unsere Gigabytes aufgebraucht, Pech, das Ende müssen wir uns wohl ein anderes Mal ansehen.

Das müssen wir unbedingt sehen

In diesem Beitrag geht es um Fußball und sonst nichts. Doch diesmal steht nicht der SV Darmstadt 98 im Vordergrund. Hier geht es um harte Länderspielfakten zwischen der deutschen Nationalmannschaft und der französischen Equipe. Die Begegnung dieser beiden Mannschaften ist im wahrsten Sinne des Wortes ein echter Klassiker.

Bereits seit 1931 finden regelmäßig Länderspiele zwischen Frankreich und Deutschland statt. Das erste Spiel 1931 gewann Frankreich mit 1:0. Das letzte Spiel gegen die Grande Nation gewann Deutschland mit 1:0. Das war beim Viertelfinale der letzten Fußballweltmeisterschaft 2014. In den zurückliegenden 84 Jahren trafen die beiden Nationalmannschaften insgesamt 27 mal aufeinander. Genau 21 mal war es ein sog. Freundschaftsspiel.

Am morgigen Freitag geht dieser Fußballklassiker in eine neue Runde. Die DFB-Elf spielt in Paris gegen die französische Nationalmannschaft, das 23. Freundschaftsspiel. Dazu passend findet die nächste Fuballeuropameisterschaft 2016 en France statt. Da ist das morgige Spiel doch fast so was wie eine Generalprobe. Nur ein Problem gibt es, wir würden am liebesten das Match auf neutralem Boden sehen, z.B. In einem Irish-Pub. Aber den gibt es in St. Raphaël nicht. Morgen müssen wir mal genauer recherchieren, wo im Umkreis von ein paar Meilen ein Pub ist. In einer französischen Brasserie würden wir uns nicht so recht trauen, für Jogis Jungs zu jubeln. Morgen gibt es ausnahmsweise keine Zielwahl nach Wind und Wellen, sondern nach König Fußball.

Wie kleine Gespenster

Friedenstaube an Deck
Friedenstaube an Deck

Nach einer ruhigen Nacht ging es heute frohen Mutes an das Tagwerk. Einen Punkt, den wir schon länger auf unserer kurzen To-Do-Liste stehen hatten, sollte endgültig erledigt werden. Unsere Originalpolster haben kurz nach der Abfahrt einen Schonbezug erhalten (wir berichteten). Dank flinker fleißiger Hände und einem guten Stöffchen war der Bezug mindestens so gut wie das Original. Beinahe jedenfalls, nur in einem Punkt gab es seitdem Grund zur Nachbesserung. Der Stoff auf dem langen Sofa wirft Falten, oder kurzgesagt, er krummpelt. Der Mangel  ist nur optischer Natur, aber man ist ja auch Ästhet, zumindest irgendwie und nach mehr als einem Jahr. Also sind wir dem großen Bezug mit ein paar Einschlagösen und Gummiband auf der Rückseite zu Leibe gerückt.

Kleine Gespenster…
Kleine Gespenster…

Danach haben wir noch, weil es sich angeboten hat (die Marina schenkt neuerdings dem Segler einmal pro Saison eine Waschmaschinenfüllung) alle Polsterbezüge in die große Hafenwaschmaschine gstopft. Das Ergebnis: blitzblank und fleckenfrei. Nur die Zeit, um draußen zu trocknen, hat nicht mehr ganz gereicht und deswegen wurde nochmal drinnen alles zum Fertigtrocknen aufgehängt. Das sah lustig aus im Boot: wie kleine aufgehängte Gespenster hingen die Lappen da rum.

Was uns heute sonst noch so bewegt hat: Um 11 Uhr morgens war vom gegenüberliegenden Rathaus Marschmusik mit nachfolgenden Reden zu hören. Gestern hatten wir schon den Blumenschmuck und die vielen Trikoloren bewundert. Ein Blick auf den Kalender und wir waren uns einig, dass der Anfang der neuen karnevalssession auch nicht vor unseren französischen Brüdern und Schwestern Halt macht und die fünfte Jahreszeit ausgerufen wird.

Zu wenig Wind für die Trikolore (und für uns)
Zu wenig Wind für die Trikolore (und für uns)

Nachdem aber die Nationalhymne erklang, wurde Cornelia zunehmend misstrauisch, welches Ereignis nun zelebriert wurde, und wir kamen überein, dass Karneval und Marseillaise so gar nicht zueinander passen. Dank Google und Wikipedia war das Rätsel mal wieder fix geklärt.: Heute am 11. November und nicht nur um 11 Uhr 11 feiert man in Frankreich den Waffenstillstand am Endes des 1. Weltkrieges zwischen Deutschland und Frankreich. Ein Feiertag im ganzen Land.

Blick auf den Hafen
Blick auf den Hafen

Mal wieder…

Tanzendes Paar vor dem Nobelhotel "Majestic"
Tanzendes Paar vor dem Nobelhotel “Majestic”

in Cannes. Da waren wir schon so oft, und doch freuen wir uns jedes Mal wie die berühmten Schneekönige, wenn wir in Cannes unsere Leinen festmachen. Nizza ist prächtig, riesig groß, zahlreiche Museen und Kirchen locken, Parks und Plätze laden zum Verweilen ein. Tolle Stadt, total zu empfehlen.

Aber Cannes hat dieses besondere Etwas. Ist nicht so einfach und schon garnicht direkt zu erklären oder zu begreifen.

Französische Weckmänner "Papa Noel" von Bäcker "Paul"
Französische Weckmänner “Papa Noel” vom Lieblingsbäcker “Paul”

Gäbe es eine Hitliste der von uns besuchten Städte, Cannes würde es spielend bis an die Spitze schaffen. Ein Tag dort und man hat die Innen-Stadt erfasst und auch, wenn die Füße eventuell ein wenig schmerzen, komplett erlaufen. Danach stellt sich dann so ein Gefühl  ein von Bekanntheit, Vertrautheit, so eine Art „Heimatgefühl” eben, weil man sich so schnell und so gut auskennt. Der beste Pub ist schnell gefunden, das Restaurant an der Ecke zum Lieblingsrestaurant auserkoren, der kleine Sandstrand nahe dem Zentrum schön gelegen.

"Le Petit Chaperon Rouge" oder auch "Rotkäppchen im Schaufenster
“Le Petit Chaperon Rouge” oder auch “Rotkäppchen im Schaufenster

Und dann gibt es da noch die Markthalle und den Hafen selbst, die Festung, die Altstadt, die Shoppingmeile, die Croissette, und und und. Erste Gedanken kreisen um später, um die Jahre nach dem Segelabenteuer. Können wir uns vorstellen, hier zu leben? Gedankenspiele, wahrscheinlich verfrüht.

Gestern in Villeneuve Llobet haben wir uns erst mal auf unserer Hexe eingelebt, eingerichtet und verproviantiert. Danach ging’s ab zum Strand zum ausgiebigen Bad in der Sonne, nicht im Meer. Das ist mit 18 Grad doch recht frisch. Wir saugen die mediterranen Sonnenstrahlen regelrecht in uns auf, allein, ungestört, nachsaisons leergefegt.

Adieu zu den Treppenhäusern aus der Engelsbucht
Adieu zu den Treppenhäusern aus der Engelsbucht

Am frühen Nachmittag hat sich die bis dahin platte See leicht gekräuselt. Ein Wind aus Ost kam auf, flotten Schrittes ging es zurück zum Boot und schnell wird alles see- und segelklar gemacht. Noch im Hafen gingen die Segel hoch, der Motor aus und langsam schob uns der Wind der Hafenausfahrt entgegen. Ein magischer Moment, wenn der Wind die Segel bläht, eine Wasserblasenbahn im Kielwasser zurückbleibt und unsere Hexe losschippert.

Der Skipper schaut mit kritischem Blick in die Segel
Der Skipper schaut mit kritischem Blick in die Segel

Viel gibt es von dem dreistündigen Törn nach Cannes nicht zu berichten. Eine ereignislose, gute Fahrt. Ein paar andere Segler auf dem Wasser, anhaltende Sonne, leichter Wind.

Abends ging es zur Lieblingspizzeria gegenüber vom Hafen. Pizza “Reine” für mich, überbackene Auberginen für die Capitania. Danach noch auf ein Bier ins Irish Pub.

So ein Tag so wunderschön wie heute…

Auf, ins Museum!

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Der Eingang zum Landesmuseum
Der Eingang zum Landesmuseum

“Warum gehen wir immer nur in fernen Orten ins Museum?” haben wir uns am Samstag Morgen gefragt und sind in das wieder geöffnete Hessische  Landesmuseum gegangen. Das Museum war von 2007 – 2014 wegen Umbaus geschlossen, eine lange Zeit, in der sich so mancher Darmstädter nach dem Sinn der Unternehmung fragte. Vorher war es ein hauptsächlich naturkundliches Museum, in dem wir schon so viele Sonntage mit den damals noch jungen Kindern verbracht haben, vor den ausgestopften Tieren und den Skeletten und den Schmetterlingen, die alle in großen Vitrinen ausgestellt waren, eher unprätentiös und unspektakulär. Und wir müssen zugeben: “Der Umbau und die damit verbundene Wartezeit haben sich gelohnt.”

Ritterrüstungen
Ritterrüstungen

Die naturwissenschaftliche Sammlung haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben und erstmal mit Ritterrüstungen angefangen. Das ist eine beeindruckende Sammlung, daneben gibt es auch weltliche und religiöse Schmuckstücke, Kelche, Möbelstücke und Statuen zu bewundern.

Ägyptische Grabbeigaben und Amulette
Ägyptische Grabbeigaben und Amulette

In den Kellergewölben gibt es eine “Japanische Sammlung”, eine “Ägyptische Sammlung”, zahlreiche Gebrauchs- und Kunstgegenstände aus den Jahrhunderten vor Christi Geburt. Bei den Ägyptern gab es Seth, u.a. als Gott für die Stürme zuständig (mit dem müssen wir uns gut stellen, dass er sie von uns fern hält!). Außerdem – natürlich – eine große Sammlung aus dem Jugendstil, mit Möbeln, Vasen, Gläsern, Geschirr, Besteck und Schmuck von Olbrich, Peter Behrens, van de Velde. Wunderschön und absolut sehenswert!

Martin Luther und seine Ehefrau Margarete
Lukas Cranach der Ältere: Martin Luther und seine Ehefrau Margarete

Eine Gruppe Jugendlicher saß in einem dunklen Raum und skizzierte einige der mit Spotlicht angestrahlten Figuren, die Lehrerin ging herum und gab Tipps, wie jenes Bein oder dieser Arm besser gezeichnet werden könnte. Das animierte uns offensichtlich, denn als nächstes landeten wir in der erstaunlich umfangreichen Gemäldesammlung. Hier finden sich in der Abteilung 13.-16. Jahrhundert ganze Kirchenaltäre, viele Bilder, Portraits, darunter das von Luther, und Szenen aus der Bibel, später auch Stillleben und Landschaften.

Peter Paul Rubens: Dianas Heimkehr von der Jagd
Peter Paul Rubens: Dianas Heimkehr von der Jagd

In der Sammlung des 17.-21. Jahrhunderts wurden wir von einem riesengroßen Gemälde von Rubens “Diana von der Jagd heimkehrend” überrascht. In diesem großformatigen Bild treffen die keusche Diana und ihre Nymphen auf die lüsternen Satyrn (na, das kann ja noch was werden!). Neben vielen, vielen sehenswerten Kunstwerken hängen dort auch Bilder aus Rembrandts Werkstatt, sowie die berühmte “Iphigenie” von Feuerbach, Werke von Lukas Cranach d.Ä. Es gibt kleinformatige Schätze, große “Ölschinken”, Werke der bildhauenden Kunst, ach, so viel zum Anschauen und Staunen!

Max Beckmann: San Francisco
Max Beckmann: San Francisco

Besonders das 20. Jahrhundert und der Expressionismus sind mit zahlreichen Bildern von u.a. Kirchner, Pechstein, Macke und dem letzten Bild von Max Beckmann ausgezeichnet vertreten. Diese Zeit hat besonders mir gefallen. Zwischendurch hängt immer mal ein etwas anderes Bild aus dem 21. Jahrhundert, und stört ein bisschen, aber das ist genau richtig.

Noch Affe oder schon Mensch?
Noch Affe oder schon Mensch?
Präparate eines Huhns im Ei vom Anfang bis zum Schlüpfen
Präparate eines Huhns im Ei vom Anfang bis zum Schlüpfen
Ein Dioskur: Afrikanische Steppe
Einer der Dioramen: Die afrikanische Steppe
Die kleine Druckerei für die Westentasche
Die kleine Druckerei für die Westentasche

Danach ging nur noch die naturwissenschaftliche Sammlung, die großartig aufbereitet worden ist, mit Touchscreens, auf denen man mehr über das jeweilige Tier erfahren kann, großen Dioskuren, also Klimazonen, in denen die entsprechenden Tiere angeordnet sind. Der Beuys-Block und die oberen Etagen müssen bis Dezember warten. Aber wenn Ihr, liebe Leser, mal in der Gegend seid, lasst Euch das Hessische Landesmuseum nicht entgehen!

Oh Lilien, oh Lilien, oh Lilien…
Oh Lilien, oh Lilien, oh Lilien…

Mit platten Füßen und schmerzendem Rücken steigen wir aufs Fahrrad und setzen uns zu einem Abschiedsdrink auf den Darmstädter Marktplatz. Dort wird uns doch tatsächlich noch eine Eintrittskarte für das heutige Fußballspiel der Darmstädter Lilien gegen den HSV angeboten! Volker ist glücklich, jetzt kann er mit den Nachbarn noch einmal zum Fußball, ehe wir am Sonntag wieder Richtung Süden fahren. Und es ist ja immerhin ein “Unentschieden” geworden.

Novembernebel

Herbstlaub
Herbstlaub

Nach dem Ausflug in meine Heimatstadt, einem Ausflug zu meinen Wurzeln sozusagen, denken wir in der letzten Zeit auch öfter mal darüber nach, wo wir in dem nahenden (Mittelmeer)-Winter mit unserem Boot bleiben wollen. Aus familiären Gründen werden wir den kompletten Dezember in Darmstadt verbringen. Wie es im Moment seglerisch weiter gehen soll, diese Entscheidung fällt deswegen nicht ganz so leicht. Es bleiben nur noch ein paar Wochen. Barcelona lockt, ein Liegeplatz für unsere Hexe ist verfügbar, andererseits ist Spanien einige weitere hundert Fahrkilometer von Darmstadt entfernt. Marseille ist ebenso eine großartige Stadt, fällt aber wegen der Mistralhäufigkeit in den kühleren Monaten leider aus.

Der Wetterbericht für Antibes sieht netter aus…
Der Wetterbericht für Antibes sieht netter aus…

Unser jetziger Liegeplatz dicht bei Antibes ist durch die umliegenden Appartementanlagen so wind- und wettergeschützt, dass wir die HEXE dort auch mal ein paar Wochen ohne schlechtes Gewissen oder Angst vor Schäden beruhigt liegen lassen könnten. Die Entfernung nach Darmstadt von dort sind gerade mal 950 Kilometer. Wir wissen also buchstäblich im Moment noch nicht. wohin die Reise in den nächsten Tagen und Wochen geht. Eine Überlegung, die wir anstellen, ist die, in den nächsten drei Wochen nach Elba zu segeln. Cornelia war dort vor ein paar Jahren mit einer Mädelscrew unterwegs und von der Insel begeistert. Hoffentlich nicht nur wegen der temperamentvollen Italiener, von denen die segelnden Schönheiten umworben wurden.

Egal, wohin der Wind uns weht, wir lassen es Euch wissen.

Zusatz von der Capitania:

Dichter Nebel hält sich im Akaziengarten
Dichter Nebel hält sich im Akaziengarten

Im Moment sitzen wir in dem elend grauen Darmstadt, hier hält sich ein zäher Nebel, der die Sonne von weiter oben nicht durchlässt. Der erste Nachtfrost hat so manchen Blumentopf auf der Terrasse oder an der Eingangstür gekillt. Schon seit Tagen reden die Wetterberichte über „ruhiges Herbstwetter“, und ein paar Kilometer weiter weg stimmt das auch, die schöne Herbstsonne zaubert ein Leuchten auf die bunt gefärbten Blätter des Odenwalds, nur nicht bei uns…

An Halloween waren wir mit allen Nachbarn zum traditionellen Rouladen-Essen eingeladen, es war wie immer köstlich und vor, während und nach dem Essen gab es – auch wie immer – so gute Gespräche, mit viel Zeit und Muße haben wir Annettes Gastfreundschaft genossen.

Bereit für die Halloweenparty
Bereit für die Halloweenparty
Die Ingredienzien stehen bereit…
Die Ingredienzien stehen bereit…

Die inzwischen bei uns allen schon jugendlichen oder erwachsenen Kinder hatten da ganz andere Pläne, da gab es die Halloween-Party in der Zentralstation oder man traute sich in das ganz große Spektakel auf der Burg Frankenstein, wo man schon mal von Monstern in einen Sarg gesteckt werden kann… oder man feiert einen schönen Cocktailabend, wenn die Eltern außer Haus und versorgt sind…

Über allen Wipfeln spürest Du kaum einen Hauch…
Über allen Wipfeln spürest Du kaum einen Hauch…

Der Wetterbericht für heute meint, dass sich der Nebel heute mittag auflöst, und wir dann auch mal an dem Sonnenschein teilnehmen können, mal sehen.