Am Morgen fährt Volker die Mannschaft zum Landgang, wir wollen doch mal die Hauptstadt von Martinique erkunden. Er bleibt an Bord, mit den vielen Booten auf engen Ankerplätzen ist es ihm nicht geheuer, die Hexe alleine zu lassen.
Unser erster Weg führt in die Kathedrale, eine besondere Stahlkonstruktion mit einem hölzernen Tonnengewölbe. Das Innere ist im klassizistischen Stile, die Orgel hinter dem Hauptaltar, der Raum durch hohe Fensterreihen im oberen Teil und große offene Türen schön hell.
Kinderröckchen in karibisch bunten Farben
Aber wirklich begeistert sind wir von den Märkten. In dem großen Marché couvert riecht es nach allen Essenzen der Karibik, riesige Zimtstangen werden angeboten, Kakao in dicken Stangen, alle möglichen Gewürzmischungen in kleinen Tütchen. Es gibt auch auf der Insel angebautes Obst und Gemüse, wunderbar süße Ananas, kleine Bananen und Kochbananen, Kokosnüsse, und ähnliches. Ben und Lara sind im Kaufrausch für Mitbringsel und Exotisches zum Kosten.
Der Wochenmarkt
Auch der Wochenmarkt am Ende der Stadt beeindruckt durch eine Vielfalt an Obst und Gemüse. Die noch unreifen Kokosnüsse werden geköpft, dann kann man die Kokosmilch daraus trinken. Nur das weiße Fruchtfleisch aus dem Inneren ist glitschig und schmeckt nach gar nichts.
Prost Kokosnuss
Die meisten Obstsorten sind noch nicht wirklich reif, auch hier ist es eben Februar und nicht Mai. Die Mangos sind winzig und faserig, Papayas innen komplett weiß und hart, und auch die Chirimoyas, die von außen gut aussehen, sind innen drin knochenhart. Aber Ananas, Bananen und Orangen sind süß und schmackhaft, das tröstet dann doch.
Unser Highlight aber ist nicht zu überhören: Eine Schlagzeug-Gruppe geht durch die schmalen Straßen, der Rhythmus regt zum Mittanzen an, ich habe es gefilmt, hier ein kleines Video:
Um 1500 Uhr geht eine schwere Regen- und Sturmfront durch das Bojenfeld, einige Boote kommen sich gefährlich nahe, andere fahren in ihren Panik-Ankermannövern so eng an uns vorbei, dass Volker laut gegen den Wind anschreiend, den Skippern klarmacht, dass das so nicht geht.
Lara steuert uns in die andere Bucht
Danach ist klar, dass wir hier nicht bleiben können, die Bucht ist zu voll, und wenn heute Nacht wieder eine solche unangekündigte Front durchgeht, fängt das Spiel von vorne an, und dann mitten in der Nacht, das macht auch keinen Spaß.
Volker ist auf jeden Fall not amused, sowie Regen und Wind halbwegs durch sind, gehen wir Anker auf, und segeln in die Grande Anse, wo noch vor der Dunkelheit der Anker erneut fällt und wir die Ruhe genießen können.
Seit zwei Tagen haben wir drei Generationen an Bord. Carl-Martin, ursprünglich mit seiner Frau Ursel Segelschüler von Volker, dann enger ebenfalls segelnder Freund, hatte uns ja schon auf Madeira besucht, und war mit uns auf der Hexe nach Lanzarote gesegelt. Als klar war, dass wir endlich in die Karibik segeln werden, wäre er am liebsten zu der Überfahrt mitgekommen.
Jetzt aber hat er uns auf Martinique besucht. Und damit „Vaddern“ nicht alleine die lange Flugreise über Paris antreten muss, hat Sohn Ben sich „erboten“, ihn auf dem Flug zu begleiten. Und Ben war auch nicht sehr widerspenstig, als wir ihm vorgeschlagen haben, anstatt gleich wieder heimzufliegen, doch gemeinsam mit Carl-Martin die Zeit bei uns auf dem Boot zu verbringen. Und wenn die zwei schon mal da sind, haben wir auch Bens fast erwachsene Tochter Lara, also Carl-Martins Enkeltochter, zu uns eingeladen.
Sonnenuntergang
Es ist aber auch paradiesisch hier! Die Tagestemperaturen liegen zwischen 27 und 30 Grad, das Wasser ist 26 Grad warm. Wenn wir morgens früh, und ich meine früh, meistens vor sieben Uhr schwimmen gehen, kostet es keine Überwindung, ins Meer zu springen, mit Taucherbrille und Schnorchel ausgerüstet, Ausschau nach Fischen und Schildkröten zu halten. Nur heute morgen war ich ausnahmsweise ohne Taucherbrille unterwegs, und prompt hat mich die einzige Qualle aus der weiteren Umgebung gefunden, und mir den Nacken verbrannt. So ein Miststück!
Drei Generationen beim Denken
Mittags lernt Lara ganz eifrig für den TMS, den Medizinertest, und die älteren Generationen schauen mal, ob noch etwas von dem naturwissenschaftlichen Denken funktioniert. Kann ja nicht schaden.
Heute morgen sind wir tatsächlich die acht Meilen bis zur Hauptstadt von Martinique, nach Fort-de France gesegelt, liegen jetzt hier mit vielen anderen Booten vor Anker, und wollen am Sonntag den karibischen Karnevalsumzug anschauen, der dem Carnival do Rio in nichts nachstehen soll. Die Bilder, die wir im Internet finden, lassen Großes hoffen, und auch die lokalen kleinen Läden und die Yachtausrüster. haben verkündet, dass wegen der Fastnacht in den nächsten Tagen nicht so viel gearbeitet werden wird. Wir also ein bisschen länger auf die Überholung unseres Autopiloten warten müssen.
Dann feiern wir eben einfach mit, und werden demnächst mit vielen Fotos berichten.
Seit wir hier am Ankerplatz in dieser wunderschönen Bucht liegen, haben wir Zeit. Zeit zum Reparieren, Zeit zum Edelstahl polieren, aber auch Zeit, um mal wieder einen kleinen Film zu schneiden.
Die Landschaft auf Martinique ist geprägt von der Sonne und den zahlreichen kleinen (warmen) Regenschauern, die oft mehrmals am Tag ganz plötzlich vom Himmel fallen. Grüne Berghänge zieren die Ankerbuchten, die blühenden Bäume hat der Skipper ja schon beschrieben.
Solche Mangrovenwälder findet man hier an vielen Stellen, die verschiedenen dort wachsenden Pflanzen müssen salztolerant sein, mit der hier nur leichten Gezeit zurechtkommen und sie lieben Wassertemperaturen von über 20 Grad (ich auch!).
Hier ist des Skippers Fahrt durch einen Mangrovenwald:
Die besten und einprägsamsten Erlebnisse bietet, wie schon so häufig, die Natur. Das ist auch an unserem neuen Ankerplatz in der Anse d‘Arlet so. Mit Maske, Schnorchel und Flossen ausgerüstet, kontrolliere ich, ob sich der Anker gut eingegraben hat und ob es Besonderheiten im Wasser gibt, die beim Ankeraufgehen zu Schwierigkeiten führen können. Glasklar ist das Wasser, es sind leider keine Fische zu sehen, aber der Anker sitzt perfekt eingegraben im Grund. Auf dem Rückweg zum Boot sehe ich dann doch etwas, was mein Herz höher schlagen lässt. Eine große Karettschildkröte, grast seelenruhig das Seegras am Meeresgrund. Um das vielleicht einen dreiviertel Meter große Tier nicht zu beunruhigen, treibe ich bewegungslos an der Wasseroberfläche und beobachte seine Reaktionen. So vergehen einige beeindruckende Minuten. Diese Bucht hier ist berühmt für ihre Meeresschildkröten, erzählt mir Cornelia später, die bisher bei ihren morgendlichen Schwimmrunden leider noch keine zu Gesicht bekommen hat.
Eine entzückende Bucht liegt vor uns
Es gefällt uns in dieser Bucht besonders gut, es gibt ein typisch karibisches Örtchen, die Hänge der Umgebung sind dicht bewaldet, und Scharen von Pelikanen stürzen sich senkrecht zum Fischfang ins Wasser. Bei einem kleinen Landgang entdecken wir neben bunten karibischen Holzhäusern die bunte artenreiche Pflanzenvielfalt der Karibik.
Die Früchte des Brotfruchtbaums
Es gibt Mangobäume mit noch nicht reifen Früchten zu bewundern, ein großer Brotfruchtbaum mit seinen männlichen und weiblichen Früchten zieht uns in seinen Bann, auch einen Guavenbaum sehen wir in dem kleinen Ort. Alle möglichen Arten von Palmen wachsen hier und es blüht an allen Enden und Ecken.
Der Strand ist gut bevölkert, und um das kleine strandnahe Riff mit seinen bunten Fischen ziehen viele Menschen schnorchelnd ihre Bahn. Auch wir waren dort. Man sieht Fächerkorallen, Röhrenkorallen, Hornhechte, Drückerfische, Zebrafische und viele andere Fischarten, die wir erst im Internet raussuchen müssen.
Die kleine Kirche
Im Ortsmittelpunkt steht eine kleine Kirche mit einem blauen Holzdeckengewölbe, das an das tiefe blau des atlantischen Ozeans erinnert.
Die Grundversorgung für die Einheimischen und die Touristen wird durch zwei Minisupermärkte, einen Metzger-Marktwagen, eine kleine Markthalle, in der Locals ihr selbstangebautes Obst und Gemüse feilbieten, sowie einen Bäcker gesichert.
Tagsüber bevölkern zahlreiche Tagesausflugsschiffe mit Gästen an Bord die Bucht. Nachts ist es himmlisch ruhig und nur die Grillen zirpen. Ein besonders beeindruckendes Spektakel bieten die in Massen umherfliegenden Fledermäuse, die im Widerschein der Taschenlampe sichtbar werden.
Jetzt noch ein paar Reparaturhighlights:
Bei der Arbeit
Wir mussten die Membrane des Wassermachers mit der tatkräftigen und geistigen Unterstützung von Bernhard tauschen, da zu viele messbare Teilchen, sogenannte Parts per Million, in unserem Trinkwasser waren. Zum Glück gibt es alle Ersatzteile in Le Marin im Caraibe Shop, einem technischen Zubehörhandel, der alle großen Zubehörmarken vertritt. Zudem haben wir die lose Schraube am vorderen Beam wieder fest angezogen und noch einen Bypass fürs Abwasser der Toilette erstellt, damit kann der Fäkalientank nie wieder zum Problemfall werden. Leider mussten wir auch feststellen, dass der originale Hydraulikautopilot eine undichte Stelle und sich das ganze Hydrauliköl in die Motorbilge ergossen hat. Der wird dann morgen ausgebaut, und am Dienstag geben wir das defekte Teil zur Überholung, bei Caraibe in Le Marin.
Das Fahrtenseglerleben ist ein bunter Mix aus Unterhalt am Boot, Freunde treffen und kennenlernen, die Umgebung erkunden und den immer wieder anfallenden notwendigen Reparaturen an Schiff und Zubehör.
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Darum will ich mich nochmal an eine kurze Zusammenfassung unserer Atlantiküberquerung wagen und einen Ausblick geben, wie unsere Segelreise weitergehen soll. Zum besseren Überblick will ich das gerne in mehrere Bereiche aufteilen, die unser persönliches Empfinden, das Boot und den Atlantik umfassen sollen.
Unsere Betten im Salon
Uns persönlich haben die Tage auf See sehr gut gefallen, wir haben die Zweisamkeit sehr genossen. Auch der Wachrhythmus, die Arbeit mit dem Boot und der Einklang mit unserer atlantischen Umgebung waren sehr schöne Erfahrungen und wir sind sehr froh, dass wir endlich diesen seglerischen Schritt gewagt haben. Langweilig war es uns zu keinem Zeitpunkt. Wir sind aktiv gesegelt, das Einholen der Wetterberichte, Essen kochen, Blogschreiben, den Atlantik beobachten, ein paar Telefonate und Zeit zum Schlafen, all das lässt wirklich keine Langeweile aufkommen. Und der digitale Enthaltsamkeit, wegen fehlenden Internets, hatte keine Entzugserscheinungen zur Folge, weder bei mir noch bei Cornelia.
Kleine Reparatur unterwegs
Der Katamaran passt perfekt zu uns. Wir haben uns zu jedem Zeitpunkt der Reise sicher und geborgen an Bord unserer Hexe gefühlt. Auch wenn es manchmal, windbedingt, etwas ruppiger zur Sache ging.
Ein Bad im Atlantik bei Flaute
Durch die gelungene Anordnung sämtlicher Beschläge und Winschenbei der Outremer sind diegroßen Segelflächen gut zu zweit zu händeln.
Mit denerreichten 7, 2 Knoten als durchschnittliche Reisegeschwindigkeit sind wir mehr als zufrieden. Der Topspeed des Bootes lag bei 18, 3 Knoten, die maximale Windgeschwindigkeit in einer Böe betrug 32 Knoten, die größte Wellenhöhe ca. 3 Meter
Guten-Morgen-Sonne
Wirhaben zweimal Delfine gesehen, den Buckel von einem Wal, sowie endlos viele fliegende Fische. Der Atlantik hat es gut mit uns gemeint. Wenn die Richtung der atlantischen Dünung und die Richtung der Windwelle übereinstimmen, ist dieser Ozean der perfekte Platz für Segelboote.
Allgemein:
Volker beim Kochen
Alles eingekaufte Obst und Gemüse war am letzten Segeltag aufgebraucht, wir haben 40 Dosen alkoholfreies und 3 Dosen normales Bier während der Überfahrt getrunken. Uns sind keine anderen Segelboote in Sichtweite auf der nördlichen Route begegnet. Wir haben zum ersten Mal in unserem Leben unsere Sternzeichen am Nachthimmel gesehen.
Bis April werden wir das karibische Meer erkunden und dann über die Bahamas nach Amerika weiter segeln.
Die wildesten Wolkenbilder:
und hier eine Auswahl der schönsten Sonnenuntergänge:
Friedlich läuten die Glocken der kleinen Dorfkirchen von Saint Anne zu unserem Ankerplatz. Früher als die Glocken dringt das Gekrähe mehrerer Hähne zu uns hinüber, die bereits um 5 Uhr 30 den neuen Tag, eingeläutet haben . Es ist Sonntag, unser erster Sonntag in der Karibik, unser fünfter Tag nach unserer Ankunft.
Wir haben uns eingelebt, auch wenn uns das Boot, bzw. das Zubehör auf Trab hält, und die Tage mal wieder nur so dahinfliegen. Am Morgen nach der Ankunft haben wir unser kleines Beiboot klargemacht, den Außenborder drangehangen, um pflichtgemäß die Einklarierungsprozedur zu erledigen. Doch das Motörchen wollte nicht so wie wir es wollten. Denn es lief nur langsam und verhalten und nur mit permanenten Choke. Wir sind bei Sverre, dem sympathischen Norweger von der Segelyacht Horizon, gestrandet. Sverre hat uns dann mit seinem super Beiboot nach Le Marin kutschiert, dort hat Cornelia, drei Minuten vor der behördlichen Mittagspause, in Rekordzeit alles Administrative erledigt. Dann ging es zum Lunch in eine kleine Hafenbar, und wir genossen neben dem Essen und dem ersten frisch gezapften Bier die gute Unterhaltung mit Sverre.
Dann war der Tag auch schon so gut wie vorbei, denn bereits um 19 Uhr überkam uns eine bleierne Müdigkeit, und wir fielen in einen 11 -stündigen Schlaf, den man schon fast als komatös bezeichnen kann. Pünktlich zum Sonnenaufgang, um 6 Uhr, am nächsten Morgen, waren wir endlich ausgeschlafen und munter, bereit für neue Taten.
Ich macht mich über unseren Tohatsu Außenborder her, wechselte die Zündkerze, schmierte die Gasmechanik, kontrollierte den Zündkerzenstecker, füllte frischen Sprit ein, lies den Sprit über die Ablasschraube an der Vergaserkammer ab, doch nix half, wenn ich den Cjhoke wegnahm, ging der Motor aus.Ralf meinte, dass ich nun doch denn Vergaser ausbauen müsste und gab mir dazu ein paar Tips.
Nach einem Rundblick übers Ankerfeld entdeckte Cornelia die Katamarane, Alamea und Vast mit unseren Freunden an Bord, die in der vorhergehenden Nacht ebenfalls erfolgreich ihre Atlantiküberquerung beendet haben. Bernhard und Beate, die Crew der Alamea, kamen sogleich mit dem Beiboot zum Frühstück rüber, und wir schnackten stundenlang über die zurückliegende Passage.
Atlantiküberquerer bei der Feier
Nachdem ich das Motorproblem angeschnitten hatte, meinte Bernhard, dass das nun kein Problem mehr ist, da sein Freund Wolfgang in der Formel 1, als Motorenmechaniker gearbeitet habe, und der nun zufällig mit seinem Boot ganz in der Nähe ankert. Kurze Zeit später erschien der fröhliche blondgelockte Bayer. In Windeseile war der Vergaser ausgebaut und gereinigt, und der Außenborder lief wieder wie am Schnürchen. Abends gab es dann eine große Feier bei uns an Bord, mit den Crews der Vast, der Alamea, der Wild Thing und Wolfgang, unser neuer bayrischerFreund von der Segelyacht Hubbert.
Es war eine sehr fröhliche und sehr feuchte Zusammenkunft. Am gestrigen Morgen sind wir dann etwas verknittert erwacht und mussten leider, feststellen, dass der Fäkalientank über die Belüftung am überlaufen war, was nix anderes bedeutet, als dass es irgendwo eine Verstopfung gibt. Sensible Geister hören an dieser Stelle besser mit dem Lesen des Bloqbeitrages auf, für den Rest geht es jetzt ans Eingemachte.
Wir haben also gleich in der Früh versucht, das Problem zu lösen. Zuerst ging es auf einen kurzen Tauchgang mit Schraubenzieher, um zu schauen, ob das Auslassventil unter dem Rumpf verstopft ist, war es aber nicht. Danach haben wir drinnen den Auslassschlauch vom Fäkalientank am Seeventil abgezogen und 2-3 Liter braune Fäkalbrühe hat sich in den bereitgestellten Eimer ergossen, mehr nicht. Im Fäkalientank selbst ist Platz für 80 Liter. Dann haben wir mit mehreren Dingen im Schlauch versucht, bis zur Verstopfung vorzudringen. Alle Versuche scheiterten, nach 2zwei Metern war Schluss. Also Motoren an, ankerauf, und ab mit Kat nach Le Marin zur Tankstelle, denn die haben eine Absaugstation für die Fäkalientanks.
Da wir schon mal dort waren, wollten wir auch tanken, der Platz am Absauger war noch belegt. Nachdem die ersten Liter im Tank waren, hatte die Tankstation einen kompletten Blackout. Herbei gerufene Techniker versuchten das Problem zu lösen, die Stunden gingen ins Land. Die Zapfsäulen liessen sich nicht freischalten. Irgendwann war dann Platz am Absauger frei, um dorthin zu kommen musste ich nochmal ablegen. Dabei warf der Tankwart zu früh die Leine lose, der Bug der Hexe, bewegte sich und drehte zum Steg hin. Es knallte kurz und schon hatten wir unsere erste größere Macke am Bug, eine fünf cm große Gelcoatabplatzung, oh Ärger grrrr.
Irgendwann, war die braune Brühe abgesaugt, und wir sind dann zu unserem Ankerplatz zurück getuckert. Cornelia hat noch den Durchfluss vom Fäkalientank geprüft, indem sie Wasser von oben in den Fäkalientank füllte und ich unterm Rumpf tauchend geschaut habe, ob das dort wieder rauskommt. Kurzes Fazit, die Verstopfung ist beseitigt. Was sie verursacht hat? Keine Ahnung, wir werfenkein Toilettenpapier ins Klo, eventuell ist was von dem nicht funktionierend Füllstandsmesser abgebrochen, oder ein Stück Kalk hat sich am Auslass niedergelassen.Es gibt ein generelles Outremer Einbauproblem, weil die Inspektionsluke für den Tank genau an einem Schott liegt und komplett unerreichbar ist.
Sundowner
Abends waren wir dann mit Freunden zum Sundowner in einer kleinen Bar in Saint Anne, mit herrlichem Blick über die ganze Bucht und der Ärger war fast schon wieder vergessen. Gerade wehen vom Ufer die pentatonischen Klänge einer Steeldrum zu uns rüber. Es gefällt uns hier.
Donnerstag, 10. Februar 2022
24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 175 sm (noch 91 sm bis Martinique)
Barometer 1011, Wassertemperatur 26,1 Grad,
Wind 16 – 24 kn, die See 2,5 – 3 m
Bleiern-grau liegt die See da, dunkle Wolken bedecken den Himmel, die Nacht weicht dem Tag. Romantisch-schöne Sonnenaufgänge scheinen hier wohl nicht an der Tagesordnung zu sein, selbst wenn in den frühen Morgenstunden ausnahmsweise kein Squall durchzieht (es gab aber auch schon welche, Anmerkung der Redaktion). Anscheinend trocknet die Sonne im Laufe des Tages die Wolken aus und der typische Passathimmel erfreut ab dann des Seglers Herz.
In der letzten Nacht wurden wir von Squalls und Regen verschont, es war ein friedlich-ruhiges Dahinschippern. Denn wir hatten aufgrund des kräftigen Windes, der in Böen bis 24 Knoten bereit hielt, rechtzeitig ein Reff ins Großsegel gebunden. Der Kat fuhr damit so ruhig, auch wenn wir mit der Besegelung natürlich nicht ganz so schnell in Richtung unsere Ziels voran kamen, wie wir uns das gewünscht haben. Aber eine gute Nachtruhe hat ihren Stellenwert, besonders wenn man nur zu zweit unterwegs ist.
Es ist natürlich noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen, aber so als Zwischenstand, und das soll jetzt bitte nicht überheblich rüberkommen, sind Cornelia und ich eine ausreichend große Besetzung, bzw. Besatzung, für unser Boot. Alleine wäre der Katamaran natürlich auch händelbar, jedoch bei Manövern wie dem Segel setzen/Segel bergen, im Umgang mit dem Gennaker und natürlich bei den Wachen, ist es viel angenehmer, zu zweit zu sein. Vor zwei Nächten haben ich versuchsweise, damit die Capitania weiter in ihrem Bettchen schlummern konnte, das Großsegel alleine geborgen, aber danach lag es auch auf dem Baum wie hingerotzt, null Punkte für die Ästhetik.
Seit heute früh ist der Loggestand nur noch zweistellig, jippie. Voraussichtlich kurz vor Mitternacht werden wir den Ansteuerungspunkt von Martinique erreichen und damit offiziell die Atlantiküberquerung beenden und ins karibische Meer eintauchen, das für die nächsten Monate unser seglerisches Heimatrevier sein soll. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Wir wollen möglichst viele Karibikinseln in den nächsten Wochen absegeln und entdecken. Dabei stehen u.a. dann Landausflüge mit Mietwagen oder Fremdenführer auf dem Programm. Kleinere Inseln kann man erwandern, oder vielleicht sogar mit unseren Bordfahrrädern erkunden. Wir freuen uns darauf, und wir werden natürlich in gewohnter Manier, hier auf unserem Blog, den es nun schon über 7,5 Jahre gibt, davon berichten.
Leider ist dieser Blogbeitrag gestern nicht raus gegangen, das Netz war bockig und hat trotz hundertfacher Versuche es nicht geschafft, eine Verbindung aufzubauen. Volker war schon ganz genervt, dass ich immer am Navitisch an der Funke sitze, aber das war leider auch vergebens.
Gestern Abend sind wir nun tatsächlich nach 17 Tagen, 11 Stunden und 40 Minuten in Martinique angekommen, nach 3026 Seemeilen, das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,18 Knoten pro Stunde, damit waren wir ganz zufrieden. Wir haben den Anker falllen lasse, ein Bier und ein Piccolo (danke an Doris und Eric) getrunken und sind todmüde ins Bett gefallen.
War auch nicht schlecht, mal ohne eine ganze Nacht durchzuschlafen. Und das ohne Geschaukel.
Dienstag 8. Februar 2022
24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 177 sm (noch 245 sm bis Martinique)
Barometer 1014, Wassertemperatur 25,8 Grad,
Wind 10 – 22 kn, die See 1,5 – 2 m
Gestern Abend konnte der Code D oben bleiben bis nach Sonnenuntergang. Dann allerdings kam eine große Wolkenfront, die zuviel Wind im Gepäck hatte. Eigentlich wollte Volker den Gennaker nach Durchzug der Front wieder ausrollen, aber als der beim Ausrollen Schwierigkeiten machte, und der Wind in der neuen Front auch schon wieder auf über 17 Knoten zunahm, haben wir es zunächst gelassen.
Eientlich war der Plan, mit Code D bis 0300 UTC zu segeln, wir würden uns dabei im Stunden-Takt abwechseln, ab dann sollte das große Segel weg, und entweder die Genua raus, oder wir motoren die sechs Stunden bis Sonnenaufgang, um ein bisschen Schlaf zu bekommen.
Da das nun so nicht klappt, machen wir das jetzt mit der Genua im Zwei-Stunden-Takt, ich gehe um halb elf schlafen, und bin um 0030 wieder oben, als Volker auch gerade die Genua ein Stück eingerollt hat, weil der Wind auf konstant über 17 Knoten zugenommen hat. Und wir segeln immer noch mit 7 10 Knoten Fahrt.
Und dann geht das so weiter. Alle anderthalb Stunden wird gewechselt, der Wind bleibt beständig auf 15-17 Knoten, nur in Squalls frischt er auf, so auch am Morgen um 05:30, ich höre in meinem Bettchen, wie Volker die Genua noch ein bisschen verkleinert, der Wind nimmt unvermindert zu, und von steuerbord kommt ein dicker Squall auf uns zu. Es schüttet dann auch in Strömen, wir sehen es im Radar, dort wir sehen da auch den Frachter, der fünf Meilen hinter uns vorbei fährt.
Danach gehe ich noch einmal für ein kleines Stündchen schlafen, an dessen Ende Volker ganz allein das Großsegel birgt, weil, wie auch gestern, um Sonnenaufgnag herum der Wind sich erstmal schlafen legt. Nur fette Squalls und Regenwolken sind rings um uns herum, wir motoren jetzt einfach ein Stückchen Richtung Martinique.
Um 10:00 Uhr stecken wir mitten in einer riesigen Regen- und Windwolke, sie reicht von Backbord übers Heck bis nach SBSteuerbord. Anfangs gab es einen wunderschönen Regenbogen, aber jetzt ist alles einfach nur grau und es schüttet. Gut, dss wir nur die Genua draußen haben.
Als der Wind weiter nachlässt, starten wir den Motor, duschen, nachdem wir die Wassertanks dank unseres Watermakers aufgefüllt haben, und frühstücken in Ruhe. Danach kommt ganz schnell der Code D wieder zum Einsatz, ich gehe einen Teil des fehlenden Nachtschlafs aufholen. Doch man wird sensibel für die Geräusche im Boot, noch in meinem Traum höre ich, dass der Wind immer mehr zunimmt, und wache auf. Da kommt auch schon Volkers Ruf: Cornelia komm, der Gennaker muss weg!
Wir haben zwei Standard-Wetterberichte, abgesehen von den extra auf uns zugeschnittenen meiner Funkfreunde, einmal Zygrib, der über die Winlink-Airmal-Verbindung abgefragt wird und als Modell GFS, Global Forecast System, benutzt. Hier können wir für ein ausgewähltes Gebiet verschiedene Kriterien abfragen, Wind, Böen, Wellenhöhe, Regen, Bewölkung und Gewitterwahrscheinlichkeit (CAPE). Daneben haben wir noch einen speziellen Segelwetterbericht, PredictWind mit der Offshore-Variante, der neben der Vorhersage für oben genannte Kriterien, auch für vier verschiedene Vorhersage-Modelle die optimale Route berechnet. Mit genauen Daten für Windstärke und -einfallswinkel, Wellenhöhe und -richtung an einzelnen Punkten alle paar Stunden, und auch, welchen Kurs wir wie schnell fahren könnten. Ein Super Werkzeug für die Detailplanung. Vor dem Start gibt es auch die Möglichkeit, das Programm die optimale Startzeit je nach berechnen zu lassen.
Und diese zwei Vorhersagen vergleichen wir dann immer wieder, um zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt es sinnvoll ist, den Code D zu setzen, oder wegzunehmen, und ob wir besser weiter nördlich oder doch lieber südlicher fahren sollten.
War am Anfang die Stimmung eher, naja wir fahren erstmal, es sind ja noch soviele Meilen, da kann noch alles von der Richtung her korrigiert werden, so werden die Berechnungen im Endspurt doch präziser. Sollen wir es riskieren, und den Code D bei ein bisschen zuviel Wind lieber stehen lassen, um ein paar schnelle Meilen zu machen, oder fahren wir konservativ mit der Genua, dann können wir nicht so weit vor den Wind. Was wir aber müssten.
So haben wir auch etwas zum Nachdenken und Diskutieren.
Um 19:00 Uhr UTC: Noch 200 Meilen bis Buffalo nee, Martinique.
Montag 7. Februar 2022
24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 176 sm (noch 416 sm bis Martinique)
Barometer 1013, Wassertemperatur 25,3 Grad,
Wind 6 – 14 kn, in Böen bis 24 kn, die See 1,5 – 2 m
Am Abend schon hat der Wind uns immerwährend gefoppt. Nach dem Wechselspiel gestern mit Gennaker hoch, Gennaker runter konnten wir am frühen Abend auch noch einmal schön mit dem Gennaker fahren, Volker war total euphorisch, dass wir insgesamt nur (!) 18 Tage brauchen werden, wenn das so weiterläuft, 8 10 Knoten Fahrt, juppheidi sind wir da!
Noch während wir mit unseren Abendessen-Schüsselchen draußen sitzen, den Sonnenuntergang und die Dämmerung genießen, frischt der Wind immer mehr auf, und noch vor dem Nachschlag bergen wir den Gennaker.
Nun geht es durch die Nacht mehr schlecht als recht mit der Genua, der Wind ist eigentlich zu raum, wir fahren immer so an der Grenze, d.h., der Großbaum schlägt, und überhaupt ist es sehr schaukelig.
Entsprechend unruhig ist die Nacht, bis Volker um 05:30 Uhr beschließt, dass das Großsegel runter kommt, und wir motoren, egal was mit den Dieselvorräten ist.
Am Morgen gibt es immer mal wieder Versuche, die Genua mit ziehen zu lassen, aber das funktioniert nicht.
Das Groß wird gesetzt, für kurze Zeit ziehen wir auch den Gennaker, bis von raumschots eine dunkle Wolke kommt, die eindeutig Wind mit sich führt, dann rollen wir ihn doch lieber weg, und fahren mal wieder mit der Genua weiter.
Am Nachmittag um 1500 UTC haben sich Wind und Welle soweit stabilisiert, dass wir es noch mal wagen, den Code D auszurollen, und schwupp, sind wir 1-2 Knoten schneller. Mal sehen, wie lange.
Für des Skippers Stimmung wäre es gut, es würde möglichst lange so bleiben. Es dürfte auch ein bisschen mehr sein, und vielleicht ein paar Grad nördlicher. Bei dem ewigen Ausrollen, Einrollen, Wegnehmen, Hochziehen, ist die gute Laune teilweise in den Keller gegangen, dass es klüger war, ihm aus dem Weg zu gehen ;-))
Eine Schwalbe flog uns letzte Nacht zu und da sie Schwimmhäute zwischen den Zehen hatte, vermuten wir, dass es eine Seeschwalbe war. Durch die vordere Salonluke kam der kleine Eindringling in unser Wohnzimmer, flog dort erstmal laut polternd gegen die Seitenscheiben und fand dann seinen Weg durch die offene Salontür ins beleuchtete Cockpit. Da saß dann nun das gefiederte Häufchen Elend und die eiligst dazugekommene Capitania stand verdutzt daneben. Wir haben dem Tier ein Schälchen mit Wasser gereicht und es hat sogleich begierig davon getrunken. Heute früh hatte sich der kleine Piepnmatz ganz unauffällig hinter den vollen Müllbeuteln im Cockpit versteckt, sodass wir schon gedacht haben, er sei weitergeflogen. Dem war nicht so, also gab es zuerst mal wieder eine Wasserration, die prompt angenommen wurde. Nach dem Öffnen des Cockpitzeltes flog die kleine Seeschwalbe davon, bon Voyage. Immerhin muss der Vogel über 600 Seemeilen bis zu uns zurückgelegt haben, eine respektable Distanz.
Ja mit dem Müll an Bord ist das so eine Sache, fahrende Müllsammelschiffe für Segelboote gibt es nicht und der beste Müll ist wohl der, den man vermeidet. Wir haben bei unseren Einkäufen versucht, wo es geht, Plastikmüll zu vermeiden. Reis, Hirse und Gries haben wir in Gläsern gekauft. Das Frischfleisch haben wir in mehrfach verwendbare Einmachgläser eungekocht. Zwei Personen produzieren auch nicht so viel Müll wie eine achtköpfige Mannschaft. Aber trotzdem stapeln sich nun vier Müllbeutel zu je 30 Litern. Das Thema Müll an Bord ist sicher ein Thema, das jeden Langfahrtsegler im Vorfeld und während der Überfahrt beschäftigt, zumal auf manchen Booten die Lagerkapazität für volle Müllbeutel begrenzt ist. Hoffentlich geht jeder Segelkollege mit dem Thema sensibel um und wirft nur über das über Bord, was Kompostierbar und unschädlich für den Ozean ist.
Ein anderes technisches Problem, das mich seit unserer Abfahrt beschäftigt hat, ist nun gelöst. Wir haben seit dem letzten Jahr einen Smart MPPT Controller für unsere Solarzellen. Ein Problem ist dabei im Laufe des Tages mehrfach aufgetreten, das zur Abschaltung des Gerätes geführt hat und somit sauch zum Ladestopp für die Batterien. Die Spannung am Solarpanel ist häufig über 37 Volt geklettert, dann hat der smarte Ladecontoller einfach mit dem Batterieladen aufgehört. Jetzt bedeutet smart ja sowas, wie schlau oder klug, und weil unser Gerät so schlau ist, kann ich es auch über eine App vom Handy aus konfigurieren und zahlreiche Parameter einstellen. Jeden Tag habe ich also aufs neue versucht, den Fehler zu beheben, indem ich beispielsweise die Absorptionsspannung,die Ausgleichsspannung, das Ladeintervall bei Spannungsabfall, den Re-BUlk Spannungsoffset und ähnliche mir is dahin unbekannte Parameter versucht habe anzupassen. Jedesmal und jeden Tag bin ich erfolglos an unserem (neunmal) klugen Controller gescheitert. Cornelia hat sich auch reingekniet, die ist ja durch die Amateurfunklizenz sowas wie eine Expertin, aber beide sind wir an dem klugen kleinen Kasten gescheitert. Scheitern war keine Option, da die batterien, trotz Sonne ohne Ende, von den Panelen nicht vollgeladen wurden. Am dritten Tag fnd ich dann die im nachhinein eigentlich logische Lösung. Es gibt eine Einstellung für den maximalen Ladestrom, bis 60 Ampere sind drin. Die habe ich auf maximal 18 Ampere begrenzt, die Maximalspannung am Panel beträgt jetzt nur noch 33 Volt, der Ladestrom wird nicht mehr unterbrochen. Ganz schön smart der Käptn 😉
Seit 9 Uhr heute morgen ist die Motorphase vorbei, der lange Flautenabschnitt liegt hinter uns, es weht mit erfreulichen 4-5 Beaufort aus Nordnordost. Mit 7-10 Knoten Fahrt sind wir endlich wieder, unter Vollzeug, schön segelnd unterwegs. Was für ein Unterschied zur doch eintönigen Motorerei. So langsam richten sich unsere Gedanken mehr und mehr in Richtung der Ankunft in Martinique. Zuviele Gedanken darüber wollen wir uns aber jetzt auch noch nicht machen, denn dafür genießen wir die Atlantiksegelei im hier und jetzt viel zu sehr.
Und wieder die Hardfacts:
24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 140 sm (noch 587 sm bis Martinique)
Barometer 1013, Wassertemperatur 25,3 Grad,
Wind 4 – 16 kn, die See 1,5 – 2 m