Der vorletzte Tag – Logbuch der Überfahrt Tag 17

Dienstag 8. Februar 2022
24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 177 sm (noch 245 sm bis Martinique)
Barometer 1014, Wassertemperatur 25,8 Grad,
Wind 10 – 22 kn, die See 1,5 – 2 m

Gestern Abend konnte der Code D oben bleiben bis nach Sonnenuntergang. Dann allerdings kam eine große Wolkenfront, die zuviel Wind im Gepäck hatte. Eigentlich wollte Volker den Gennaker nach Durchzug der Front wieder ausrollen, aber als der beim Ausrollen Schwierigkeiten machte, und der Wind in der neuen Front auch schon wieder auf über 17 Knoten zunahm, haben wir es zunächst gelassen.
Eientlich war der Plan, mit Code D bis 0300 UTC zu segeln, wir würden uns dabei im Stunden-Takt abwechseln, ab dann sollte das große Segel weg, und entweder die Genua raus, oder wir motoren die sechs Stunden bis Sonnenaufgang, um ein bisschen Schlaf zu bekommen.
Da das nun so nicht klappt, machen wir das jetzt mit der Genua im Zwei-Stunden-Takt, ich gehe um halb elf schlafen, und bin um 0030 wieder oben, als Volker auch gerade die Genua ein Stück eingerollt hat, weil der Wind auf konstant über 17 Knoten zugenommen hat. Und wir segeln immer noch mit 7 – 10 Knoten Fahrt.
Und dann geht das so weiter. Alle anderthalb Stunden wird gewechselt, der Wind bleibt beständig auf 15-17 Knoten, nur in Squalls frischt er auf, so auch am Morgen um 05:30, ich höre in meinem Bettchen, wie Volker die Genua noch ein bisschen verkleinert, der Wind nimmt unvermindert zu, und von steuerbord kommt ein dicker Squall auf uns zu. Es schüttet dann auch in Strömen, wir sehen es im Radar, dort wir sehen da auch den Frachter, der fünf Meilen hinter uns vorbei fährt.
Danach gehe ich noch einmal für ein kleines Stündchen schlafen, an dessen Ende Volker ganz allein das Großsegel birgt, weil, wie auch gestern, um Sonnenaufgnag herum der Wind sich erstmal schlafen legt. Nur fette Squalls und Regenwolken sind rings um uns herum, wir motoren jetzt einfach ein Stückchen Richtung Martinique.
Um 10:00 Uhr stecken wir mitten in einer riesigen Regen- und Windwolke, sie reicht von Backbord übers Heck bis nach SBSteuerbord. Anfangs gab es einen wunderschönen Regenbogen, aber jetzt ist alles einfach nur grau und es schüttet. Gut, dss wir nur die Genua draußen haben.
Als der Wind weiter nachlässt, starten wir den Motor, duschen, nachdem wir die Wassertanks dank unseres Watermakers aufgefüllt haben, und frühstücken in Ruhe. Danach kommt ganz schnell der Code D wieder zum Einsatz, ich gehe einen Teil des fehlenden Nachtschlafs aufholen. Doch man wird sensibel für die Geräusche im Boot, noch in meinem Traum höre ich, dass der Wind immer mehr zunimmt, und wache auf. Da kommt auch schon Volkers Ruf: „Cornelia komm, der Gennaker muss weg!“
Wir haben zwei Standard-Wetterberichte, abgesehen von den extra auf uns zugeschnittenen meiner Funkfreunde, einmal Zygrib, der über die Winlink-Airmal-Verbindung abgefragt wird und als Modell GFS, Global Forecast System, benutzt. Hier können wir für ein ausgewähltes Gebiet verschiedene Kriterien abfragen, Wind, Böen, Wellenhöhe, Regen, Bewölkung und Gewitterwahrscheinlichkeit (CAPE). Daneben haben wir noch einen speziellen Segelwetterbericht, PredictWind mit der Offshore-Variante, der neben der Vorhersage für oben genannte Kriterien, auch für vier verschiedene Vorhersage-Modelle die optimale Route berechnet. Mit genauen Daten für Windstärke und -einfallswinkel, Wellenhöhe und -richtung an einzelnen Punkten alle paar Stunden, und auch, welchen Kurs wir wie schnell fahren könnten. Ein Super Werkzeug für die Detailplanung. Vor dem Start gibt es auch die Möglichkeit, das Programm die optimale Startzeit je nach berechnen zu lassen.
Und diese zwei Vorhersagen vergleichen wir dann immer wieder, um zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt es sinnvoll ist, den Code D zu setzen, oder wegzunehmen, und ob wir besser weiter nördlich oder doch lieber südlicher fahren sollten.
War am Anfang die Stimmung eher, naja wir fahren erstmal, es sind ja noch soviele Meilen, da kann noch alles von der Richtung her korrigiert werden, so werden die Berechnungen im Endspurt doch präziser. Sollen wir es riskieren, und den Code D bei ein bisschen zuviel Wind lieber stehen lassen, um ein paar schnelle Meilen zu machen, oder fahren wir konservativ mit der Genua, dann können wir nicht so weit vor den Wind. Was wir aber müssten.
So haben wir auch etwas zum Nachdenken und Diskutieren.

Um 19:00 Uhr UTC: „Noch 200 Meilen bis Buffalo“ – nee, Martinique.

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2 Antworten zu Der vorletzte Tag – Logbuch der Überfahrt Tag 17

  1. Detlef sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zu Eurem gelungenen Törn.
    Schön dass Ihr gut angekommen seid.
    Gönnt Euch ein paar Tage Ruhe mit viel Sclaf.

    Gruß Ingrid und Detlef

  2. Herzlichen Glückwunsch …….genießt das Leben, waren in Gedanken jeden Tag bei euch.
    Nun kann ich beruhigt schlafen, Fred schläft schon. Er wird sich morgen früh besonders
    auf seine Morgenlektüre freuen…….ich glaub ich brauch jetzt doch noch einen
    Ankommensdrink ….. Prooooost, grüßt mir die Ferne
    Alles Liebe Uschi

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