Tag: 9. Juni 2026

  • Dienstag, 9. Juni 2026, Tag 3


    Auf See, Baro 1028, Wind NO 3-4 Beaufort, die See 1-1,5 m

    In den letzten Nachtstunden hat der Wind abgenommen auf 6-7 Knoten und geraumt, dann hat er wieder zugenommen und ist spitzer geworden, aber seit es im Osten hell wird, sind wir wieder bei 13 Knoten und Wind aus Nordost. Außerdem hat es ganz leicht zu regen begonnen, das macht Manöver ziemlich unangenehm, aber Volker freut sich, wenn das Boot ein bisschen entsalzen wird. Es regnet auch nicht mehr lange.

    Sie ist kaum zu sehen hinter den dicken Tropfen von den übergekommenen Seen

    Um kurz nach sieben Uhr bekommen wir doch tatsächlich mal wieder Besuch: Eine kleine Taube setzt sich aufs Martingall! Hoffentlich  sucht die sich bald einen Weg zurück zu den Azoren, sonst müssen wir wieder aufpassen, dass sie nicht am Tage ins Boot kommt, weil das mit der Toilette nicht so klappt … Aber die Wellen vor dem Bug waren ihr doch zu unangenehm und nach einem Power Nap hat sie uns wieder verlassen.

    Um 11:00 Uhr wird ausgerefft auf Reff 1, die Genua steht voll. Bei nunmehr um die 12-15 Knoten Wind segeln wir schnell mit über neun Knoten Fahrt.

    Ich habe den halben Tag am Laptop verbracht und mich durch sämtliche Segelwetterberichte gekämpft. Am Laptop und auf dem Handy wurden immer wieder andere Vorhersagen durchgecheckt, dann die wesentlichen Modelle wie GFS, ECMWF und PWE in PredictWind rechnen lassen, in Ventusky nachgesehen, bei Windy die Route geprüft, Volker schaut immer nochmal bei Passage Weather. Fahren wir ohne Stopp direkt weiter nach Norden, oder ist es besser, auf Santa Maria bis Donnerstag Morgen zu warten, weil dann die allgemeine Windrichtung besser passt? Tatsächlich ist es so, dass wir im Vergleich zwischen heute und Donnerstag fast zur gleichen Zeit ankommen sollten. Und wir würden fbeihnahe anderthalb Tage weniger motoren müssen. Na, wenn das keine Argumente sind, weiß ich es auch nicht.

    Das kleine grüne Boot ist die Worlddancer

    Eben haben wir ein anderes Segelboot überholt, die Worldancer 2, ein Stahlboot unter deutscher Flagge.  Volker hat mit einer weiblichen Stimme über Funk gesprochen, sie wollen auch nach Vila do Porto auf Santa Maria. 

    Zum Abendessen gibt es eine Variante der Krautfleckerln, mit kleinen Nudeln statt Kartoffeln, aber das schmeckt auch sehr lecker!

    Mit Sonnenuntergang wird der Wind immer schwächer, aber noch können wir segeln, trotz Reff 1 im Großsegel sind wir bei 80º Windeinfallswinkel mit über sieben Knoten Fahrt fast so schnell wie der Wind, der mit acht bis neun Knoten weht.

    Es ist eine dunkle Nacht, die schmale Mondsichel wird erst nach zwei Uhr früh aufgehen, vielleicht kommen wir da gerade am Ankerplatz vor Praia Formosa an. Morgen wollen wir dann einen Liegeplatz in der Marina von Vila do Porto finden, und – hoffentlich – am Donnerstag früh weiterfahren Richtung Brest.

  • Montag, 08. Juni 2026, Tag 2

    Auf See, Position um 06:30: 23 43 510 N, 019 41 339 W, um 09:40 Etmal 190 sm
    Baro 1027, bedeckt,  Wind seit 05:30 abschwächend von 18 Knoten auf rund 12-15 Knoten, die See ebenfalls von manchmal über 2 m auf rund 1,5 m

    Es ist so grau heute Morgen, das wirkt schrecklich aufs Gemüt nach all diesen sonnigen Tagen. So langsam kommt die Bordroutine der Langfahrt auf, Frühstück gibt es am Kartentisch, dann wird immer mal abwechselnd ein Nickerchen auf dem großen Sofa gemacht, nicht vergessen zu trinken. Wetterberichte müssen eingeholt und die Wirklichkeit beobachtet werden, ab und an ist es vorteilhaft, kleine Kurskorrekturen des Autopilots vorzunehmen, damit man das Boot am Laufen hält. Das geschieht direkt durch Eingabe am Plotter oder mittels einer Fernbedienung wie am heimischen Fernseher. So einen Autopilot möchte man ganz sicher nicht mehr missen.

    Der Wind lässt nach, wir reffen aus auf Reff 1. Natürlich frischt dann der Wind wieder auf, und wir gehen in Reff 2 zurück. So wird uns wenigstens nicht langweilig.

    Leider ist es den ganzen Tag bedeckt, nur einmal schleicht sich für ein paar Minuten die Sonne durch die graue Schicht. Der Wind bleibt so, wie vorhergesagt, weht zwischen 13 und 17 Knoten aus um 30º aus Nordost. Wir kommen gut voran, und meine Seebeine sind auch wieder gewachsen. Jetzt besteige ich nicht mehr das Matterhorn, sondern gehe auf grünen Hügeln spazieren, da war wohl ein bisschen was eingerostet durch die lange Zeit auf Lanzarote :-)))

    Ansonsten war der Tag sehr entspannt, die Ruhephasen wurden nur von den Reff-Aktivitäten unterbrochen, all die kleinen Dinge konnten erledigt werden, die auf meinem Laptop als „To Do“ herum schwirrten, Kontoauszüge ablegen, Rechnungen bezahlen (Igitt!), aber auch mal lesen. Heute Nachmittag  hat sich Volker mit einem Schwung auf Sofa geworfen, sehr elegant. Nur leider lag darunter mein Ebook Reader, der hat dem Druck nachgegeben und sein schwarzweißes Leben ausgehaucht. Da muss ich wohl tatsächlich mal konventionell ein richtiges Buch lesen, so mit papiernen Seiten, das ist aber viel unhandlicher …

    Wenn es dunkel wird, gibt die Solarlampe ein heimeliges Licht

    Zum Abendessen stand heute ein italienischer Abend auf dem Programm: Spaghetti Carbonara (Spliff lässt grüßen), grüner Salat, und Mineralwasser statt Coca Cola.
    Um 21:40 Uhr, nach anderthalb Tagen auf See, liegen bereits über 280 Seemeilen in unserem Kielwasser.