Unsere Website war weg. Einfach so aus dem World Wide Web in ferne Weiten entschwunden. Es hat mich viele Stunden am Rechner und noch mehr in der Telefonschleife von Ionos, unserem Provider, gekostet, bis ich gestern einen ungeheuer fähigen jungen Mann in der Leitung hatte, dessen Name ich leider nicht weiß, sonst könnte ich ihn hier lobend erwähnen. Jedenfalls hatte er mir genau zugehört, als ich ihm unser Problem geschildert habe, und er kam tatsächlich – nach einer ganzen Weile, die ich mit der Pausenmusik von Ionos verbracht habe – mit der unglaublichen Meldung zurück: „Ihre Website funktioniert wieder!“.
Ich konnte mich dann auch tatsächlich wieder im Back-End einloggen, um diese kleine Nachricht zu veröffentlichen. Nur die sogenannten Plugins funktionieren immer noch nicht, sodass die Freunde unserer Reisen keine Nachricht erhalten, dass ein neuer Beitrag ins Netz gestellt wurde. Aber ich arbeite dran. Drückt mir die Daumen!
Kurz nach 12 Uhr legen wir am Sonntag, 9. August in Workum ab. Unter Motor fahren wir an Stavoren vorbei, lassen auch den Vrauwezand links liegen. In der Mitte der Strecke legen wir eine kleine Segelprobe ein, aber der Wind reicht nicht aus, außerdem kommt er genau von vorne, und wir müssten kreuzen, das macht bei 3,5 Knoten Fahrt keinen Spaß, auch noch Umwege zu fahren. Also werden die Segel schnell wieder geborgen.
Einen Versuch war es wert
Nach unserer Segel-Einlage wird es auch auf dem Ijsselmer weniger voll, südlich von Lemmer auf der einen und Enkhuizen auf der anderen Seite des Ijssemers ist die Streckefür ist für die meisten Urlauber nicht so attraktiv, es sei denn, sie wollen nach zu dem schönen alten Fischerdorf Urk, oder eben – wie wir – nach Lelystad. Die meisten Segler mit Zielen im Markermer nehmen den Weg über das weiter nördlich gelegene Enkhuizen, und gehen dort durch die Schleuse. Und die Wochenendsegler, meist aus dem nahen Nordrhein-Westfalen fahren nun wieder nach Hause.
Wir waren am frühen Abend in der Flevo Marina in Lelystad, diese liegt noch vor der Schleuse zum Markermer,. An Steg 12B legen wir an, der hiesige Hafenmeister hatte uns dort schon einen Platz reserviert und hoffen, dass morgen früh die Arbeiten beginnen können, zumindest wurde uns das von dem Reparaturbetrieb bestätigt. Eines unserer Probleme habe ich, dank KI, selbst herausgefunden. Auf unserem Plotter haben wir hier im Ijsselmer nur AIS Signale in einem sehr begrenzten Raum, und wir haben uns gefragt, was da nun wieder kaputt oder falsch eingestellt sein kann. Aber beim Nachforschen fand ich heraus, dass so ein AIS auf dem Bildschirm nicht mehr als 100 Signale anzeigen kann, und da wird eben der Radius viel kleiner.
Die AIS-Signale sind immer nur in kleinem Umkreis zu sehen
Um 18:15 waren die Leinen fest in der großen Flevo Marina in Lelystad. Noch beim Anlegen mach ich den Mückenvorhang zu, es ist so viel kleines fliegendes Getier unterwegs, obwohl hier überall Spinnennetze mit großen fetten Spinnen hängen, die die Mücken eigentlich fangen und auffressen sollten. Volker kocht uns ein leckeres Abendessen mit eingelegter Hühnchenbrust und Risotto, und nach einem kleinen Spaziergang durch die große Marina gabt es noch einen – alkoholfreien – Sekt und schon war es Zeit fürs Bett, denn am nächsten Morgen kam Martin, der Techniker, schon früh an Bord.
Volker wird ja – wie im letzten Blog versprochen – über die Details der Arbeiten ausführlich berichten.
Regen und Besuch? Nein!!!! Beim Regen mag das ja stimmen, aber für den Besuch ist genau das Gegenteil der Fall, denn die letzten 16 Tage waren unsere Tochter Larissa nebst Mann Johannes und Hund Nana bei uns in Workum, teils an Bord, teils mit dem Camper am naheliegenden Strand.
Und was liegt da näher, als den beiden endlich mal das Windsurfen beizubringen? Eigentlich war die Intention von Larissa und Johannes, das Kitesurfen zu erlernen. Doch nach der ersten Doppelstunde gab es viele schwachwindige Tage, nix zu machen für die Kiter, aber ideal, um ins Windsurfen einzusteigen. Und da kommen unser neuer Freund Klaus und sein Kumpel Jörg ins Spiel. Denn beide haben das Windsurfen aufgegeben und sind jetzt leidenschaftliche Kiter. Ein großer Vorteil für Johannes und Larissa, denn sie können im wahrsten Sinne des Wortes, für einen Apfel und ein Ei, mehrere Windsurfsegel, fünf Carbonmasten, einige Gabelbäume und ein total schnelles Mistral Surfbrett übernehmen.
Das Segel ist bereit
Beide machen bei dem leichten Wind schnell große Fortschritte. Johannes kommt selbst bei Starkwind zurecht und gleitet sehr schnell und gekonnt übers Ijsselmeer. Und mit dem vielen Wind der letzten Woche konnten die beiden dann endlich auch die Kitesurfstunden nachholen. Doch viel Wind kann schnell auch zu viel Wind sein, und nach einem ungewollten Höhenflug strich Larissa vorläufig die Segel, oder besser gesagt den Kite. Kiten zählt zu den Risikosportarten und Vorsicht ist besser als Nachsicht. Ich habe einen Tag Starkwind auch genutzt und ein paar Stunden, in wilder Gleitfahrt am Gabelbaum hängend verbracht. Und ich muss sagen, so schnell war ich noch nie auf dem Wasser surfend unterwegs gewesen. Abends schmerzten dann zwar die Schultern, und die Arme waren gefühlt länger als zuvor, doch das war es wert. Am zweiten Tag waren mir dann die Böen zu heftig.
Vor ein paar Tagen kam die Familie Paukert, mit zwei von drei Töchtern auf einem offenen Kielboot, einer Falke, zu uns zu Besuch. Paukerts sind Segelfreunde der ersten Stunde, die wir vor 12 Jahren in Portugal kennengelernt haben. Der Kontakt und die Freundschaft haben sich über all die Jahre gehalten. Wir verbrachten zwei wunderbare Tage in großer Runde miteinander. Es gab viel zu erzählen.
Abschied von Larissa, Johannes und Nana
Seit gestern ist eine fast unheimliche Ruhe an Bord. Für Larissa und Johannes sind die Ferien zu Ende und die Paukerts machen mit dem Boot die friesischen Seen unsicher. Damit der Schritt in die Einsamkeit nicht zu schnell ist, bekamen wir gestern Abend noch zwei Überraschungsbesuche. Zuerst kam Klaus der Kiter zum versprochenen Bier, und anschließend hatten wir Horst, einen Segelfreund, mit Sohn und drei Monate altem Enkel zu Besuch, auch Horsts Vater war mit seinem süßen Hund dabei, vier Generationen bei der Hexe!
Jetzt müssen wir uns erst mal wieder um ein paar technische Probleme kümmern. Der Hauptautopilot funktioniert nicht mehr und der neue Plotter verliert sporadisch die AIS-Signale. Deswegen geht es morgen nach Lelystad in die Flevomarina. Dort sitzt ein Raymarine Servicecenter. Im nächsten Blogbeitrag werde ich die Fehler näher beschreiben und natürlich auch erzüählen, wie unser Reparaturstop verlaufen ist.
Ich war ein bisschen erschrocken, als ich im Blog nachgeschaut habe, von wann unser letzter Beitrag ist. Gähnende Leere im Blogkalender, sorry, das war keine Absicht. Die letzten drei Wochen sind wie im Flug vergangen. Die Tage in Deutschland waren angefüllt mit Enkelbesuchen und heimischer Gartenarbeit bei sommerlichen Temperaturen, einigen Abenden im Biergarten und natürlich haben wir Freunde getroffen, die wir schon wochenlang nicht mehr gesehen hatten.
Schon war es an der Zeit, mit unserer geliebten Enkeltochter Zoey in den gemeinsamen Ferien zu starten. Ferien an Bord in Workum, wohlgemerkt. Hier ist ein Paradies für Kinder und damit auch für die Eltern oder die Großeltern. Ein großer Strand ist nur einen Steinwurf entfernt, ein toller Spielplatz am Hafeneingang, Fahrradwege, Campingplatz mit Imbiss um die Ecke und vieles mehr, wird für unternehmungslustige Kinder hier geboten.
Und so kam es, dass wir jeden Tag stundenlang am Strand waren, Burgen bauten, Zoey im 24 Grad warmen flachen Wasser endlos spielen konnte und auch wir mal geschwommen sind. Am Nachmittag ging es meist mit dem Dinghy ins benachbarte süße Städtchen Hindelopen, wo Cornelia ihren Matjes und wir lecker Eis bekamen. Nach dem Abendessen an Bord ging es dann nochmals auf den Spielplatz oder für eine Fahrradrunde über den Campingplatz. Auch diese Tage zogen schneller als man gucken konnte ins Land.
Am nicht ganz so warmen Freitag packten wir eine große Picknicktasche, Badezeug und Getränke ins Dinghy und fuhren damit stadteinwärts, in Richtung Workum. Das Glück war mit uns und die Schleuse öffnete in dem Moment ihre Tore, als wir ankamen. Ein paar vor uns wartende Boote fuhren wie an der Perlenschnur aufgereiht vor uns in die Schleuse, doch für so ein kleines Wasserfahrzeug wie unser Dinghy es in der Relation ist, ist selbst in einer vollen Schleuse immer noch irgendwo ein Platz. Der Schleusenmeister kam und bekam seine 6 Euro Schleusengebühr und danach befanden wir uns schon mitten im Herzen von Workum, respektive dem Kanal, der uns durch Workum führte. Für Zoey und uns gab es soviel zu sehen, schöne traditionelle Schiffe, die festgemacht da lagen, historische Gebäude, entgegen kommende Boote und niedrige Brückendurchfahrten. Letztere versperrten uns nicht den Weg, denn wir machten uns ganz klein im Dinghy, die anderen Schiffe mussten jedoch auf die Brückenöffnung warten.
Irgendwann waren wir unter der letzten, der Eisenbahnbrücke durch und mit langsamer Gleitfahrt fuhren wir entlang der landwirtschaftlich geprägten Gegend. Bald schon näherten wir uns der weit verzweigten friesischen Seenlandschaft und einige aufkreuzende Segelboote kamen uns entgegen, andere segelten mit Rückenwind in östliche Richtung. Im Groote Gaastmeer bogen wir nach links ab und machten kurz darauf an einem großen Längsseitssteig, auf einer der zahlreichen Inseln unsere Leinen fest. Auf einem kleinen Inselrundgang erkundeten wir das Naturparadies und spielten ein bisschen Fußball. Danach war das tägliche Schwimmen angesagt, mit anschließender ausgiebiger Verköstigung der sehr hungrigen, großen und kleinen Crew. Schon war es an der Zeit für die Rückfahrt nach Workum, zum zweiten Mal ging es durch die diesmal fast leere Schleuse. Am Samstag wurde Zoey von den Eltern und Schwester für einen Campingurlaub abgeholt.
Auf dem Rückweg gab es vor der Schleuse noch ein Konzert vom Leierkastenmann
Seit Sonntag ist übrigens der Sommer hier in Holland vorbei, die maximale Tagestemperatur beträgt gerade noch magere 17 Grad.
Sonntag machten wir mit Andreas, einem Interessenten für Performance Katamarane, bei bis zu 26 Knoten Wind einen flotten Segelausflug. Mit bis zu 12 Knoten Speed flogen wir im 2. Reff über das aufgewühlte Ijsselmeer.
Petra genießt den Ausflug
Montag kam Petra zu Besuch. Dienstag sind wir bei ruhigem Wetter, mit Sonne, zum Windpark und zurückgesegelt. Was für ein Kontrastprogramm zum sonntäglichen Segelausflug. Heute fährt Petra nach Hause und Larissa, Johannes mit Hund Nana checken für einen Woche an Bord ein.