Abgehoben – Logbuch der Überfahrt Tag 11

Während wir mit dem Gennaker und wechselhaften und flauen Winden aus nordöstlicher Richtung unter einem bedeckten Himmel, langsam dahinsegeln, bietet uns die Natur, wie so häufig, ein wunderbares kleines Schauspiel.
Pfeilen gleich, zischen die schlanken, langgestreckten, grauen Fischleiber in Schwärmen aus ihrem Element, entfalten ihre silbrigen Flügelchen und landen, 25-50 Meter weiter, wieder im Wasser. Anscheinend segeln wir soeben durch ein Gebiet mit zahlreichen Schwärmen von fliegenden Fischen, die vom Boot aufgescheucht werden und mit der kleinen Luftnummer das Weite suchen. Die Flugshow der Fliegefischchen ist durchaus lustig und amüsant, besonders wenn Seitenwind im Spiel ist und die kleinen Flugkünstler etwas weniger elegant aufs Wasser platschen.
Ganz elegant gelöst haben wir die eigentlich vorhergesagte Flaute von gestern, indem wir den doch vorhandenen, guten und segelbaren Wind gnadenlos bis zu seinem letzten Atemzug heute früh um 05.30 Uhr ausgenutzt haben. Dafür hat der für heute etwas kräftigere vorhergesagte Wind noch ein paar Luftlöcher, und das Großsegel des Katamarans bei derart unstetem Winddruck und der Schaukelei in der atlantischen Dünung, einen entscheidenden, und gravierenden Nachteil. Das schwere durchgelattete und im oberen Bereich ausgestellte Großsegel, das man auch als Fathead (dicker Kopf) bezeichnet, schlägt in den Schaukelwellen so, dass das ganze Rigg erzittert und man denkt, die Segellatten könnten jeden Moment brechen. Selbst die mit Gummizug ausgestatte Baumbremse kann diesem unangenehmen kattypischen Phänomen keinen Einhalt gebieten, die beschleunigte Masse ist einfach zu groß. Erst ein erhöhter Winddruck im Groß, verbunden mit einem spitzeren Windeinfallwinkel erlöst den Segler von dieser Qual. Um dem Schlagen des Goßsegels vorzukommen, nehmen wir, wenn wir motorend bei Flaute unterwegs sind, es in der Regel weg.
Bei wenig Wind zu segeln ist eh filigraner als bei beständigem und frischerem Wind. Die Segel müssen dann unbedingt präzise getrimmt werden, um überhaupt voranzukommen, der Windeinfallswinkel ändert sich bei Flaute fast so häufig wie an einem baumumstandenen Binnensee und der idealkurs zum Ziel verkommt dabei fast. Es zählt eigentlich nur, den Kahn mit der vorhandenen Segelgarderobe irgendwie in Fahrt zu halten.. Bei frischem Wind segelt ein Boot eigentlich immer, selbst wenn die Segelstellung nicht ganz zur Windrichtung passt.
In den nächsten zwei Tagen werden uns die wechselhaften Winde weiter verfolgen, erst ab Samstag soll der Passatwind wieder einsetzen.
Es sind jetzt im Moment noch 1135 Seemeilen bis zur Ansteuerung von Martinique.

Wir sind wirklich im Süden angekommen! Ich sitze um 07:00 Uhr morgens an Deck, es ist nichts feucht oder klamm, sondern angenehm warm. Und als Beweis dafür sehe ich – ganz deutlich zu erkennen – am südlichen Horizont das Kreuz des Südens. Rechts neben dem wunderbar hellgelb erstrahlenden Antares.

Und hier noch die Fakten des Logbuchs:

Tag 11, Mittwoch 2. Februar 2022
24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 162 sm (noch 1.148 sm bis Martinique)
Barometer 1018, Wassertemperatur 24 Grad, sonnig mit einzelnen Wolken, Wind um 3 Bft., die See 1 m

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1 Antwort zu Abgehoben – Logbuch der Überfahrt Tag 11

  1. Kirsten und Birger Griesch sagt:

    Ahoi und herzlichen Glückwunsch zur Atlantiküberquerung. Danke daß Ihr so anschaulich schreiben könnt. Man kann im Kopfkino alles prima miterleben. Wir werden Euch weiter „verfolgen“ und wünschen Euch und uns noch viele schöne Erlebnisse. Weiter gute Fahrt wünschen Euch Kirsten und Birger Griesch

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