Autor: Hexymama

  • Die Dieselheizung und ein Ausflug

    Deine Spuren im Sand...
    Deine Spuren im Sand…

    Es gibt Probleme, die sollte man, oder besser gesagt wir, anpacken, wenn sie das erste mal auftreten. Konsequent wäre das schon, aber wer ist das schon immer… so ein Problem war, bzw. ist seit einiger Zeit unsere Webasto-Standheizung (länger als 6 Monate mindestens). Normal sollte diese praktische Warmluftheizung nach Betätigung des Anschaltknopfes zum Leben erwachen und dem Schiffsinneren, also unserem Lebensraum, warme Luft zuführen. Unsere Heizung hält, bzw. hielt davon nicht viel und ist normalerweise erst nach dem 2. oder 3. Versuch gestartet und auch nicht gleichmäßig gelaufen. Mit dem südlichen Winter vor der Tür, der zwar nicht soooo kalt, aber schon mal feucht ist, wollten wir, dass die Heizung tadellos funktioniert.

    Eine Fliegender Holländer, auf dem Weg zu den Kanaren?
    Eine Fliegender Holländer, auf dem Weg zu den Kanaren?

    Das Drama mit der Reparatur dieser Heizung fing mit einem harmlosen Vorspiel am Freitag Morgen an. Da ging ich mit Nico zu Sopromar, dem hiesigen Bootsausrüster mit Werkstatt usw., um in Volkers Auftrag einen Monteur zu finden, der unsere Webasto-Heizung durchcheckt und wartet und herausfindet, warum sie immer erst beim zweiten oder dritten Mal startet. Montag Morgen  tuckert ein kleines Motorboot in die Box neben der Hexe und Pedro (oder so ähnlich) begrüßt mich höflich. Er checkt professionell alle Verbindungen, ob die Pumpe richtig eingebaut ist, alle Kabel gut liegen und nimmt schließlich die Heizung selbst mit, um sie in der Werkstatt von Ruß und anderen Rückständen zu reinigen. Und wenn ein paar Teile fehlen sollten, dann seien die in spätestens zwei Tagen da, und dann könne er die Heizung wieder einbauen. Und er würde mich im Laufe des Nachmittags anrufen, und mir den Stand mitteilen. Tatsächlich ruft mich um 17 Uhr jemand an, teilt mir mit, sie hätten die Heizung sauber gemacht, aber es wäre ein Teil kaputt, das müssten sie bei Webasto bestellen und sie würden mich anrufen und mir einen Preis mitteilen. Was das defekt sei, könne er mir nicht sagen. Danach rufe ich noch mal dort an, gehe noch mal vorbei, mit dem Erfolg, dass sie mich abends um halb sieben anrufen, und sagen, sie hätten das Teil bei Webasto angefragt. Sie würden aber erst morgen eine Antwort erhalten, und dann wollten sie mich gleich wieder anrufen. Welches Ersatzteil sie angefragt haben, konnte mir der ansonsten sehr freundliche Mensch am Telefon leider nicht verraten.

    Am nächsten Morgen hole ich Volker ja sehr früh am Flughafen ab (siehe „Good morning, Portugal“), kaum in Lagos angekommen, fahren wir bei Sopromar vorbei, um zu erfahren, was mit unserem „Teil“ passiert. Beharrlich fragt Volker nach und geht schließlich mit Ricardo unsere Heizung ansehen, erfährt, dass es die Glühkerze ist, die kaputt ist. Die Beschaffung derselben scheint schwierig, weil in Portugal nur eine ganz kleine Webasto-Vertretung beheimatet ist. Aber schlussendlich haben wir das Teil in Spanien gefunden, dort mit Expressversand über Blue Water Algarve geordert, mit mehreren Telefonaten nach Madrid und Portimao, und tatsächlich kam es heute (Donnerstag) bis Mittag an. Wir haben es mit dem Leihauto bei Blue Water Algarve abgeholt . Danke für die schnelle Bestellung und Lieferung!), zu Sopromar gebracht, und um 16 Uhr legte der freundliche Monteur (übrigens aus Georgien) abermals mit seinem Motorboot an, baute die Heizung ein, und sie sprang beim ersten Mal an und lief tadellos-guter Service

    Den Ausflug zu Cabo Vincente den wir mit Alli und Löwe schon mal bei absolutem Mistwetter gemacht hatten, holten wir gestern dann bei strahlendem Sonnenschein nach (….ihr lieben zwei, da sieht auch alles gleich besser aus…). Blauer Himmel, blaues Meer, weite Sicht und wir haben Euch deshalb ganz viele Bilder mitgebracht.

    IMG_9188Angefangen haben wir bei dem Kap direkt vor Lagos, an dem wir auch schon mit der Hexe und mit dem Beiboot vorbeigefahren sind. Von hier oben hat man einen grandiosen Blick auf die zahlreichen Höhlen (“Grottas” nennen sie die Portugiesen) und übers Meer, man meint, man könne Marokko in der Ferne sehen.

    IMG_9241Weiter sind wir zu der kleinen Landzunge mit dem „Fortaleza de Sagres” gefahren, die sich vor Sagres in den Atlantik reckt, wunderschöne Wellenbilder kann man dort schießen.

    Der mysteriöse Steinkreis im Fortaleza de Sagres
    Der mysteriöse Steinkreis im Fortaleza de Sagres

    Am Eingang ist ein großer runder Steinkreis, der dort erst 1928 freigelegt wurde, und von dem sich die Archäologen und Historiker nicht sicher sind, ob er eine Windrose oder eine Sonnenuhr darstellen soll. Wegen der Nähe zu der berühmten Seefahrtsakademie Heinrich des Seefahrers liegt die Windrose schon nah.

    IMG_9270Angler ganz ohne Höhenangst stehen auf den Klippen und lassen ihre Leinen ca. 40 m ins Meer baumeln. So ein Fisch stirbt doch schon an der Luftdruckveränderung, falls er wirklich mal an die lange Angelschnur beißen sollte, was wir allerdings in der ganzen Zeit nicht beobachten konnten. Vielleicht angeln die Männer da auch nur zum Spaß und nicht zum Fischefangen, keine Ahnung!IMG_9280

    Sargres selbst gab uns keinen Anlass, es näher zu erforschen, das ist wohl nur ein Ferienort, der im Sommer den vielen Surfern eine Heimat bietet. Aber wir sind von da aus ganz unten über die allerkleinsten Straßen an der Küste entlanggefahren, waren in Tabual, sind immer mal wieder in die kleinen idyllischen Buchten abgebogen. In Salema (das ist die Schwesterstadt von Salem(b) am Bodensee?!? 🙂 ) haben wir ein paar Tapas gegessen, am Hafen, mit Blick übers Meer und auf die Felsen, großartig!

    Die Bucht bei Salema
    Die Bucht bei Salema
    und noch 'ne Bucht
    und noch ‘ne Bucht
    Kegelbahn für Riesen?
    Kegelbahn für Riesen?

    IMG_9326Nach ein paar weiteren Buchten an den sich schlängelnden Küstenstraßen, die besonders Volker viel Spaß gemacht haben, wunderten wir uns über den Auflauf an Autos. Wir fuhren wir an der internationalen Schule vorbei, wo gerade viele Schulkinder abgeholt wurden. Und im nächsten Ort sahen wir einen zwei Meter hohen Weihnachtsstern. Das war echt ein Highlight, ich habe schon so viele schöne, noch jetzt blühende Pflanzen gesehen und fotografiert, aber das war die Krönung, Volker ist sogar die Straße ein Stück zurückgefahren, damit ich fotografieren konnte.

    Es war ein wunderschöner Ausflug, wir hatten beide viel Spaß mit den kurvenreichen Straßen, den kleinen, idyllischen Buchten, auch der Zeit beim Rundgang im Fort, und mit den gefährlichen Ausblicken über den hohen Felsen.

    Und hier noch ein paar Bilder:
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  • Good morning, Portugal!

    So, der Skipper ist wieder da! Viel früher als erwartet ist die TAP ind Lissabon gelandet, aber es hat genau gepasst, so musste ich nicht einmal auf den Parkplatz fahren.
    Nach unserem köstlichen Fischessen gestern mit Paukerts war ich trotzdem vor fünf Uhr wach und saß um viertel vor sechs schon in dem geliehenen Ford Fiesta, der Hafen lag noch in völliger Dunkelheit, und auch die Algarve war stockdunkel. Erst um halb sieben zeigte sich ein erster Lichtschein im Südosten, und um 07:40 Uhr kam der große gelbe Ball am Horizont empor. Die Störche in ihren Nestern auf den Telegrafenmasten begrüßten den neuen Morgen, der sich wieder von seiner besten Seite zeigte, mit einem fast wolkenlosem Himmel und Sonnenschein.

  • Abschiede und leere Plastiktüten

    Morgens laufe ich in relativ grauem Wetter mit Nico zum Strand, um ihm ein Salzwasserbad zu verpassen. Das soll gut sein gegen Flöhe und Ungeziefer aller Art. Sein Körbchen habe ich auf dem Weg dorthin auch schon mal vorsorglich in die Waschmaschine gesteckt. Die läuft an, aber nicht durch, wie wir später feststellen werden.
    Am Strand kann ich den Hund zum Wasser locken (es wird tendenziell immer wärmer) und ich bin gerade dabei, ihn so richtig schön mit Salzwasser zu benetzen, da höre ich die Welle kommen, leider zu spät, so schnell ist sie da und ich bin nass bis an die Hüften, kann gerade noch den Hund am Halsband festhalten, dass er nicht weggeschwemmt wird: Mission completed!
    IMG_1386Das Wetter wird dabei immer besser, wir traben zurück zum Schiff, kämmen Nico, reiben ihn mit Süßwasser ab, die Hose trocknet auch, die Dusche ist heiß, das Körbchen immerhin gewaschen, beim Spülen blieb allerdings die Maschine stehen, ein Wasserrohrbruch legt die Wasserversorgung im Hafen seit Tagen lahm.
    Martina steht schon bereit für den Gang zum Markt, heute gibt es dort Frühlingszwiebeln, Pfifferlinge und frische Champignons, Bio-Tomaten und -Paprika, kleine Feigennachtische für die Kellys, bei denen ich abends zum Essen eingeladen bin und zum letzten Mal ein Einkauf bei meinem liebsten Markstand, einem alten Mann, der getrocknete Feigen und ein paar kleine Gemüse aus seinem Anbau verkauft, und immer so nett lächelt.
    Der Tag im Paradies vergeht so schnell, es ist warm und schön, man trifft sich zu einem Tee im Cockpit, Hanna, Frida und Emma sind immer präsent, Martina kommt zum Tee, Joachim und seine Frau verabschieden sich, sie wollen sich morgen auf den Weg zu den Kanaren machen, später kommen auch Ralph und Inge zum Adieu, sie wollen morgen Richtung Gibraltar aufbrechen. Ralph sieht beim Tee im Cockpit sofort, dass an unserem Tisch eine Schraube locker ist, und bringt mir ein entsprechendes Ersatzstück vorbei, vielen Dank!
    IMG_1388Beim Shoppen in Pingo Doce, Lidl und Aldi (ich musste sie alle aufsuchen bei der Jagd nach Kirschen für mein Dessert zum morgendlichen Festessen anlässlich des 1. Advent) bekam ich am Eingang immer eine Plastiktüte in die Hand gedrückt. „Nett“, dachte ich, „da hab ich mir die 2 Cent für ‘ne Tüte gespart“. Bei Pingo war ich so aufgebracht, dass die alles, was ich brauchte, nicht hatten, dass ich beim Bezahlen nicht mehr an die Tüte dachte. Bei Lidl war ich schon rücksichtsvoller und dachte, ich pack mal alles in die mir offerierte Tüte, wenn sie schon so nett sind. Als ich aber rausgehe, hält mich jemand an, und sagt, ich könne die Sachen nicht in der Tüte lassen. „Oh, verfilxt“. denke ich, „jetzt hab ich aus Versehen bei Lidl die Pingo-Tüte benutzt!“ Also pack ich alles in meine normale Tasche und will auch noch die Tüte reinstecken, aber die wird mir auch abgenommen. „Seltsam“, denke ich, als ich wieder auf mein geliehenes Fahrrad steige, „das war ja eine komische Aktion.“ Die Auflösung bekomme ich bei Aldi. Hier wird mir nicht kommentarlos eine Plastiktüte in die Hand gedrückt, sondern die Frau erklärt mir in tadellosem Englisch, dass das eine Spendentüte ist, für die armen Leute an der Algarve, und ich kann irgendwelche gut haltbaren Dinge einkaufen, ganz normal bezahlen, in die Tüte tun, und diese am Eingang abgeben. Hätten die mir das in den anderen Supermärkten auch erklärt, hätte ich dort vielleicht auch dort schon ein Kilo Nudeln oder Reis oder Kekse gespendet!

    IMG_1304Aber schließlich radel ich glücklich mit Lebkuchen und gefrorenen Früchten (fast so gut wie Kirschen im Glas) für meinen Nachtisch zurück zum Boot, bekomme ein köstliches und wie immer sehr lebendiges Abendessen bei Monika und Carsten und ihren süßen drei Mädchen. Danke!

  • Und es regnet doch wieder

    IMG_1383Gestern Nacht hat es noch ordentlich gestürmt und ganz schön viel Wasser vom Himmel geschüttet, ab und an erschienen vermummte Gestalten auf ihren Booten, um nach den Leinen zu schauen, oder noch ein Fall durchzuholen. Und das Barometer befand sich auch im freien Fall, gestern Nacht war es bis 979 gefallen, aber auch heute über Tag ist es nicht weiter als 982 gestiegen. Über Mittag zeigte sich auch mal die Sonne für vier Stunden, mit nur einzelnen Wolkenfeldern, aber jetzt schüttet es wieder aus Kübeln, wenn Ihr nachschauen wollte, dort gibt es ein kurzes Video, wie der Regen im Dunkeln an die Scheibe prasselt: Regen in Lagos

    Morgen soll es aber besser werden, verspricht der Wetterbericht:
    Wetter

     

     

     

     

     

     

    Und wer es wissen will, da hat mich doch ein Weihnachtslied erweicht: Band Aid 30, 2014

  • Südwest-Portugal-Rundfahrt

    IMG_0869Volker fliegt für ein paar Tage in die Heimat, und die Flüge, die ab Faro gehen, sind gezählt. Also buchen wir einen Flug ab Lissabon, behalten das Leihauto, mit dem wir Allegra und Leonard zum Flughafen gefahren haben. Martina von der Maje und Monika von der Namastee sind mit von der Partie, wir bringen Volker nach Lissabon zum Flughafen und machen dann eine Mädels-Rundreise durch Südwest-Portugal.
    Auf dem Weg zum Flughafen empfangen uns die ersten Regenschauer, aber auch schaurig-schöne Regenbogen, einer mit Anfang und Ende, und wir sehen, mal wieder, unzählige Störche, diesmal haben sie ihre Nester in Stromleitungen errichtet, manche sogar als Mehrfamilienhäuser.

    Ein Renovierungsobjekt
    Ein Renovierungsobjekt in Alcazér

    Nachdem wir Volker sicher in Lissabon abgeliefert haben, machen wir uns auf den Rückweg nach Süden, mit einem Café-Stop in Setúbal, einem Gang durch die Altstadt von Alcázer do Sal, mit vielen sehr verfallenen, einstmals prunkvollen Häusern, und der entzückenden Fahrt über Land nach Santiago do Cacém.

    Mehrere Storchennester, diesmal auf einer Kirche
    Mehrere Storchennester, diesmal auf einer Kirche

    Überall kann man sowohl die Storchennester als auch Unmengen von Störchen auf den Feldern sehen. Korkeichen, Pinienwälder und Eukalyptusbäume breiten sich neben den relativ gut ausgebauten Straßen aus. Einige allerdings sind durch die unterwuchernden Baumwurzeln zu argen Stolperfallen geworden. Manchmal kann man von einer Anhöhe aus das Meer sehen, oder erahnen, wenn Nebel und Regen es verdecken.
    Santiago do Cacem ist eine ziemlich große Stadt. In der Nähe des Castelo, oberhalb der schönen Altstadt hätte man normalerweise einen großartigen Blick auf die Küste, wenn sie nicht gerade im Nebel verschwinden würde. Eigentlich wollten wir hier zu Mittag essen, aber wir verschieben den Stop auf Zambujeira do Mar, der letzten Etappe, die wir noch im Hellen erreichen können.

    Die Küste vor Zambujeira do Mar
    Die Küste vor Zambujeira do Mar

    Der Blick über die Felsenküste hier ist großartig, wir stehen hoch oben, wo auch ein Angler seine lange Leine nach unten in die See hängen lässt (wir fragen uns, wie der wohl die Fische ohne Höhenschock mach oben bekommt), unten brechen die Atlantikwellen, oben bläst uns der kalte Wind ins Gesicht.
    „15 Grad wärmer und es wäre genial hier“, man kann sich richtig vorstellen, wie schön es hier im Sommer ist, wenn zu der Sonne die frische Atlantikbrise weht.
    In einem kleinen Café werden wir freundlich aufgenommen, bestellen auf portugiesisch Wasser, Sandwiches und Café und schnacken über Gott, Ulla Popken und die Welt.
    Die restliche Fahrt müssen wir leider im Halb- bis Dunkel zurücklegen, über Aljezur nach Lagos, wo wir gerade noch rechtzeitig vor dem großen Regen und Wind eintreffen, der jetzt mit bis zu 33 Knoten die Schiffe swingen und die Leinen schlagen lässt.

  • Sunny Sunday Morning

    IMG_1274Ein kleiner Nachtrag zum letzten Sonntag: Da das Wetter sich endlich von seiner besten Seite zeigte, sind die drei Großmanns nach dem sonnigen Frühstück im Cockpit zum Strand getigert, mit Hund Nico selbstverständlich, haben Frisbee gespielt, dem Hund die Stöckchen geworfen, sich am Strand gelümmelt und geschwommen.

    Allegra und Leonard haben eine im Sand befestigte Fischerboje zum Spielzeug erkoren und allen erdenklichen Blödsinn damit veranstaltet, bis die von Volker ausgeliehene Hose und später der ganze Leonard in Salzwasser gebadet waren und die beiden schließlich sich in die Wellen stürzten.

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    Und das bei ca. 17 Grad Wassertemperatur Mitte November, ohne dass es sich zu kalt anfühlte. Ein herrlicher Tag!

  • Gutes Timing

    13. November 2014, Donnerstag, Baro 1010, wind S um 4 Beaufort
    Vilamoura – Lagos 28 sm
    Punkt halb neun kommt das Taxi für Trevor und Kay, die jetzt zum Flughafen fahren, um nachhause ins kalte England zu fliegen. Wir überlegen, ob wir in Vilamoura waschen, und morgen nach Lagos kreuzen, weil für heute Nachmittag soviel Regen angesagt ist. Aber erst für heute Nachmittag, wir haben ja ein schnelles Boot, da könnten wir schon im Hafen sein. Punkt neun haben wir abgelegt, die Zugangskarten zurückgegeben, und segeln mit halbem Wind zurück Richtung Lagos. Geiler Segeltag, nicht ganz so heiß wie gestern, aber wunderschön.
    Und dann haben wir an Jens und Martina geschrieben, dass wir nach Lagos kommen, und ich dachte, sie würde meine Nummer kennen, und hab keinen Namen hingeschrieben. Dann kam eine SMS zurück, dass sie sich endlos freuen, und dass auch noch eine nette Familie hier ist, die den Weg nach Madeira noch nicht geschafft haben. Ich frage, ob es die “Kellys” oder noch eine andere Familie ist, ja, es sind die Kellys, und in Lagos ist es so schön, es gibt samstags einen Bauernmarkt und am Sonntag Livemusic im Pub. Da wird mir klar, dass Martina annimmt, ich sei Jens Schimmelpfennig, von dem sie nicht wissen, wo er im Moment ist, nun, da müssen wir sie leider enttäuschen, wir sind nur die “Hexe”. Sie empfangen uns trotzdem freundlich, und wir bekommen auch gleich den “Schietwettertee” auf der Maje, denn kaum haben wir angelegt, öffnen sich die Himmelsschleusen.

  • Deutschland in Portugal

    Am Samstag Nachmittag machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden, laufen an der Flussmündung entlang zur Kirche Sta. Maria, die ganz anders ausgestattet ist als die Kirchen, die wir bisher angeschaut haben, die fast alle über prächtige Barockaltare und goldene Säulen verfügten, aber außen schrecklich verfallendes Mauerwerk hatten. Diese hier war sehr gut erhalten und innen ganz schlicht, aber hell, es gab eine Empore, die sich rund um das ganze Kirchenschiff zog und eine schöne Decke.
    Ein paar Straßen weiter fanden wir den deutschen Bäcker, von dem man uns schon im Hafen erzählt hatte, tranken Filterkaffee, Bitburger Bier und aßen Biskuitrolle, Schwarzwälderkirschtorte und Apfelstrudel. Außerdem gab es für die Capitania Kürbiskernbrot!
    Am Samstag hatten wir uns mit der Darmstädter Vorhang-auf-Gruppe zum Abendessen verabredet, Treffpunkt sieben Uhr an der lustigen Statue des Infanten. Gerade als wir losgegangen waren, fing der Regen an, und hörte auch nicht mehr auf. Wir versuchten, unter den Vordächern der Läden Schutz zu finden und trafen, halb durchweicht, an der Bushaltestelle auf dem Infatenplatz auf eine Gruppe mit bekanntem Dialekt, ja, das mussten die Darmstädter sein. Auf der anderen Deite des Platzes stand dann auch Pippo, der Reiseleiter, völlig ohne Regenschutz im triefend nassen Hemd. Aber all das war im Restaurant schnell vergessen, wir haben Freunde getroffen, neue Bekannte gemacht, köstlich gegessen und getrunken.
    Und am Sonntag Morgen sitze ich mit Kay gemütlich im Cockpit, als Jana vorbeikommt, Jana, die schon ein paar Jahre in der Gegend mit dem Boot unterwegs ist und aus Berlin kommt, sie will wissen, ob wir uns bewusst sind, was für ein besonderer Tag heute ist. Ich sage: “Ja, Sonntag. ” Aber sie meinte das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls, und lud uns alle ein, am Abend in das Pub “O Artista” zu kommen, um es dort zu feiern. Im Endeffekt waren es viel mehr Engländer als Deutsche, die der Aufforderung gefolgt sind, sodass der Mauerfall ein bisschen in den Hintergrund geriet, aber wir hatten einen großartigen Abend mit Luis, dem Saxophonisten, der zu später Stunde, nach vielen Rock-, Pop- und Jazz-Klassikern, extra für uns eine Bach-Toccata im Stil von Jacques Loussier spielte.

  • Bis die Wolken wieder lila sind

    05. November 2014, Baro 1003, sternenklar, Wind Nord um 4 Beaufort
    Sines – Lagos, 76 sm in weniger als 10 Stunden! Top-Speed waren 11,4 Knoten!

    Ablegen in Sines um 06:00 Uhr Ortszeit, noch ist es stockfinstere Nacht, der fast volle Mond ist um halb fünf untergegangen. Jetzt darf uns keine Fischerboje in den Weg kommen, wir würden sie einfach nicht sehen. Kurz nach der Hafenausfahrt gehen wir auf Kurs 189 Grad, für die nächsten 55 Seemeilen. Langsam wird der Himmel im Osten rötlich, konkurriert noch mit den Lichtern der Orte an der Küste, aber schon bald hat er gewonnen, und es ist nur noch eine Frage von dreißig Minuten, bis der rote Feuerball der Sonne hinter den Hügeln an der Küste auftauchen wird. Die Wellen kommen aus Nordwest, also von rechts hinten und sind ca. dreimagei Meter hoch, die eine oder andere auch etwas höher. Das ist ein bisschen schaukelig, aber wir haben alles gut festgemacht, in den Fächern das Geschirr mit extra Handtüchern gesichert, sodass nichts kaputt geht.
    Trevor und Volker erfreuen sich an der See und dem guten Wind von hinten, Kay und Nico haben sich ins Bett verkrochen, und gleich sind die Wolken wieder lila und die Sonne ist da. Und das Ganze bei einem Speed zwischen acht und elf Knoten!
    08:45 Uhr, der Wind hat zugelegt auf um die zwanzig Knoten, Volker ist am Ruder und steuert uns duch die schaukelige See. Nach weniger als drei Stunden haben wir schon über zwanzig Meilen gemacht!
    Der Wind frischt noch mehr auf, und auch die Wellen haben mittlerweile eine Höhe von mindestens vier Metern erreicht, Volker ist glücklich über die Geschwindigkeit, mit der die Hexe die Wellen runtersurft. Dabei scheint auch noch die Sonne.
    13:00 Uhr, wir runden den südwestlichsten Punkt Europas, das Cabo São Vicente, langsam werden die Wellen kleiner, leider fließt der Ebbstrom gegen uns, sodass wir nicht mehr sooo schnell sind. Die Delfine haben sich heute auch nur einmal ganz kurz gezeigt, ich glaube, die springen lieber bei weniger Welle.
    Nach dem Cabo lassen die Wellen deutlich nach, der Wind allerdings nicht und so machen wir weiterhin schnelle Fahrt bei strahlendem Sonnenschein. Wenn man sich hinter der Sprayhood verkriecht, sodass der Wind und die manchmal überkommende Gischt der Wellen einem nichts anhaben können, ist es unglaublich warm.
    Heute haben wir an einem einzigen Tag so viele Segelboote auf dem Wasser gesehen, wie sonst in einer ganzen Woche nicht. Darunter so ein berühmtes Boot, wie die Whitbread-Gewinnerin “Flyer”, das Boot des legendären holländischen Skippers Corneliusz van Ritschoten, offensichtlich auf dem Weg zu den Kanaren.

    Jetzt liegen wir sicher in Lagos im Hafen, haben schon Elisabeth und Pippo aus Darmstadt zum Apéritif hier an Bord begrüßen können und freuen uns auf eine schöne neue Stadt.

  • “Frank is back to his old self”

    IMG_9030sagte Trevor, als Volker vor acht Uhr an seine Tür klopft und sagt: “We will sail in half an hour”. (Trevor nennt alle Männer “Frank”) Kay meinte zwar, dass ihr der andere Volker besser gefallen habe, aber da gab es kein Mitleid, irgendwann muss es ja auch mal weitergehen. Und so haben wir uns von den anderen Seglern verabschiedet, vielleicht treffen wir die einen oder anderen ja auch bald mal an der Südküste wieder, haben die Leinen losgemacht und segeln bei erst gutem, jetzt ein bisschen wenig Wind, aber strahlendem Sonnenschein nach Süden, vielleicht nach Sesimbra oder nach Setubal, das wird sich weisen.