Kirsten genießt das Segeln, in Berlin ist es kälter
An Bord sind – natürlich außer uns dreien – Kirsten und Birger aus Beelitz bei Potsdam. Der Skipper ist wieder gesund, man merkt es, denn da die Sonne scheint, muss die Hexe einfach mal bewegt werden, wie ein gutes Pferd, sie liegt schon viel zu lange im Hafen. Um wegfahren zu können, muss ich erst einmal die Monatsmiete für den Hafen bezahlen, sonst dürfen wir hier nicht einfach weg. Wir lassen unsere Leinen und den Hocker an Land liegen und stehen, damit uns ja keiner den wunderbaren Platz streitig macht. Denn wir wollen heute Abend ja wieder in Cartagena sein, es soll nur so ein kleines “Spaßsegeln” werden.
Der Leuchtturm von Cabo Tiñoso im Sonnenschein
Bilderbuchmäßig kreuzen wir aus dem Hafen heraus, draußen empfängt uns eine glatte See, ein schöner leichter Wind und einige große Frachtschiffe, die hier vor Anker liegen. Links sieht man die Cala Cortina, zu der wir letzten Sonntag hingewandert sind, und zur Rechten liegt Cabo Tiñoso, das wir zu dritt am Montag im Regen besucht haben.
Das ist kein Bilderrätsel, nur Petersilie in der Cockpittischpersenning
Übrigens: Das Pflanzenrätsel ist gelöst. Die drei eifrigen Blogleserinnen, die sich als Pflanzenexpertinnen ausgezeichnet haben, sind sich einig, dass es sich bei unseren rätselhaften Bäumen um riesige Gummibäume handelt. Aber niemand hat sich an das zweite Rätsel mit den zwei Keimlingen getraut!?
Isla de las Palomas
Auf unserem Weg zu Cabo Tiñoso segeln wir an der kleinen unbewohnten Isla de las Palomas vorbei, aber offensichtlich gibt es dort keine Tauben mehr, nur Möwen fliegen um die steinigen Felsen herum.
Cala Cerrada von außen……innendrin…… und beim Rausfahren
Wir kreuzen bis zu der kleinen versteckten Bucht “Cala Cerrada”, die uns Daniel, der Gitarrenbauer aus Mazarrón gezeigt hatte, sie ist wirklich sehr geschützt, nicht groß, aber wunderschön gelegen. Von hier aus segeln wir mit Spinnaker zurück nach Cartagena, plötzlich ist es viel wärmer, der Wind kommt von hinten, wir kochen und essen Suppe, hängen die Angel raus (erfolglos, was denn sonst), das war Segeln vom Feinsten.
Am Dienstag war es richtig kalt, windig und unfreundlich, Volker weiterhin krank auf der Couch, also sind Kirsten, Birger und ich in die Museen gegangen. Angefangen haben wir mit dem römischen Theater, schließlich wollten wir auch einmal auf den Brettern stehen, die die Welt bedeuten… Zunächst haben wir aber erst einmal etwas über die Geschichte Cartagenas gelernt, es gab einen Film in Form einer Fernseh-Dokumentation, den haben wir uns einfach zweimal angeschaut, das half unserem Verständnis.
So wurden die Säulen als Fundamente verbaut
Erst Ende des 20. Jahrhundert wurde das römische Theater entdeckt, da es im Laufe der Jahrhunderte mit Häusern aus den verschiedensten Epochen zugebaut wurde. Die alten Säulen wurden dabei als Fundamente für die neuen Behausungen benutzt, Steine zum Hausbau verwendet, usw. Nun kann man das Theater wieder in seinen Ausmaßen erkennen, zum Teil sind die alten Fundamente der Häuser erhalten, aber das Orchestrion und die Bühne dürfen auch betreten werden.
Die Pfauen laufen frei in den Gärten des Museums herum
Im Castillo de la Concepción lernt man noch mehr über die wechselhafte Geschichte Cartagenas, der Entstehung unter Hasdrubal, mit dem Namen Carthago Nova, später kamen die Vandalen, die Muslime, und die Römer und schlugen sich um die Stadt. Allerdings verschwand sie zwischendurch auch aus den Annalen der Geschichte, verkam bis zur Bedeutungslosigkeit, hatte nur noch 500 Einwohner unter den „allerchristlichsten Majestäten“ Ferdinand und Isabella, weil die lieber den Seeweg nach Indien gefunden hätten, als sich im Mittelmeer zu engagieren; erst im 17. Jahrhundert erlangte Cartagena wegen des geschützten Hafens und der umliegenden Silber- und anderen Minen seine Bedeutung zurück. Viele Bauten aus dieser Zeit zeugen von dem Großbürgertum, das sich etablierte. Im spanischen Bürgerkrieg war Cartagena mit Alicante die letzte Festung der Republikaner, die an General Franco fiel.
Eine Bucht bei Cabo de Palos
Heute morgen versprach der Wetterbericht für einen Tag Sonne und warme Temperaturen, der Skipper ist immer noch malad, also machen wir zu dritt, nein, natürlich zu viert mit Nico, einen Ausflug zum Mar Menor, einer Bucht, die durch die Halbinsel “La Manga” vom Mittelmeer abgetrennt wird.
Der Leuchtturm von Cabo Palo
Angefangen haben wir mit dem Cabo de Palos, der Landspitze mit Leuchtturm ganz am Anfang der Halbinsel, auf der einen Seite mit einer wilden und zerklüfteten Küste, auf der anderen Seite mit langen Sandstränden.
La Manga
Auf der langgezogenen Halbinsel selbst stehen „Bettenburgen“ neben netten Ferienhäusern; im Sommer ist hier bestimmt die Hölle los, jetzt war es ganz friedlich.
Der Hafen Tomás Maestre am Eingang zum Mar Menor
An der Brücke kurz vor den Salinen sehen wir den großen Yachthafen, aber leider geht danach die Straße nicht mehr weiter, wir müssen umkehren, um zu der anderen Seite des Mar Menor zu kommen.
… met de Nederlandse flag!Bitterballen en Spanje…Fast wie am Ijsselmer, nur die Palmen stören
Dort finden wir bei einem Spaziergang an der Uferpromenade in “Los Alcátares“ ein kleines Café, das von einem holländischen Paar bewirtschaftet wird, wo wir uns mit Toasties und Bitterballen stärken, bevor wir uns wieder zu unserem „kranken Huhn“ begeben, wie Kirsten Volker nennt, aber dem geht es besser, er kann schon wieder Wasser einfüllen und am Kochtopf stehen, smile.
Wenn es, wie versprochen, morgen grau ist und regnet, geht es mit der Kultur weiter.
Hier kann man zwischen Heiß- und Kaltgetränken wählen?!
Am Sonntag wollten wir ja eigentlich mit unseren Potsdamer Freunden in die verschiedenen Museen der Stadt Cartagena, insbesondere wollte ich in das Museum des römischen Theaters, aber es war so schönes Wetter, dass wir beschlossen haben, einen Ausflug zu machen, und zur Cala Cortina zu laufen. Kirsten und Birger aus Potsdam, unsere Freunde hier an Bord, müssen und wollen natürlich mit, Martina und Jens von der Maje kommen auch mit. Wir laufen zuerst ein längeres Stück durch Industriegebiete, aber Martina und ich haben uns ja länger nicht mehr gesehen, und so mussten wir mal locker drei Monate nachholen, so viele Wörter sind wohl selten diese Straßen entlang geströmt….
Oben bot sich ein großartiger Blick auf das Fort San Julian, eine der beiden Festungen, die die Stadt Cartagena bewachen, und rings um die Bucht gibt es noch viel mehr davon. Noch ein Stückchen weiter über Treppen und Felsen, und wir sind in der Cala Cortina.
Cala CortinaRast in der BuchtDie Sonne scheint aufs Meer
Da gibt es auch ein berühmtes Fischrestaurant, wir verkneifen uns das heute, Volker hat nämlich Bierdosen und Schokolade im Rucksack, Martina Weingummis, und so machen wir eine Rast auf den Felsen, Nico gefällt das auch, nachdem er sich mit den beiden anderen Hunden genügend angeschnüffelt hat.
Am Abend grillen wir mal wieder, wunderbares Iberico-Schwein, gutes Rind und dazu einen herzhaften Salat und Fladenbrot, das ich am Sonntag Abend noch bei einem arabischen Laden gefunden habe. Martina und Jens kommen auf einen Schnack und wir beschließen die Regatta „Nixen gegen Neptun“, Martina und ich ich gegen Volker und Jens, über den Atlantik, die Jungs haben schon Angst vor den Nixen, haha!
Heute, am Montag, war der Skipper krank. Mehrfach war er in der Nacht aufgewacht, hatte über Halsschmerzen, Husten und Ohrenschmerzen geklagt, und sich am Morgen mit Fieber krank und arbeitsunfähig gemeldet. Wir haben ihn umtüttelt, versucht, die Leiden zu lindern durch unsere mitfühlende Anwesenheit, aber er wollte lieber alleine sterben.
Also haben wir drei (oder vier, mit Nico) uns aufgemacht, um den beiden Potsdamern das Cabo Tiñoso zu zeigen. Der Weg aus der Stadt ist dank des Navis schnell geschehen, nach dem steinigen Weg nach oben sind wir froh, dass heute, an einem wolkenverhangenen Montag, nicht viel los ist, und uns nur wenige Autos auf der schmalen Straße entgegen kommen, denen wir ausweichen müssen.
Die Regenfront kommt aus Osten
Das Wetter wird leider immer schlechter, heute morgen zeigte Cartagena sich noch im Sonnenschein, aber jetzt wird es immer grauer, und bald fallen die ersten Regentropfen. Wir parken unseren Opel Corsa auf dem kleinen Parkplatz und schauen uns, schon auf dem Weg in die Festung, nach einem Ort um, wo wir uns vor dem annähernden Regen verstecken können. Wir finden auch einen Platz auf einem der heutigen Aussichtstürme, die früher offensichtlich für die Steuerung der beiden Kanonen zuständig waren.
So sah die Bucht heute aus
Zwei holländische Männer und zwei englische Paare haben sich auch dort eingefunden, gemeinsam warten wir das Ende der Regenfront ab, die da aus Osten über die Bucht schwebt. Ganz anders sah das aus, als wir vor zwei Wochen mit unserem belgischen Gitarrenbauer hier oben waren!
Das gleiche Bild gibt es, mit anderem Wetter, bei:
Mal etwas ausführlicher…
Die Obstbäume fangen an zu blühen
Auf dem Weg nach unten fotografieren wir die ersten Obstbaumblüten, machen einen Abstecher nach Mazarrón zum Mittagessen am Hafen, essen leckere Pasta, und nach einem heißen Café con Leche wird mir auch wieder warm, nicht zuletzt von der schönen Stimmung in dem ziemlich voll besetzten Restaurant am Hafen. Das Boot von Daniel liegt wieder an seinem alten Platz, er selber ist aber nicht da, vielleicht baut er schon wieder eine neue Gitarre…
Lauter ObstbaumplantagenBlick über die Ebene mit den Terrassen
Noch ein kleiner Abstecher auf dem Weg nach Cartagena, ein Hügel lockt uns mit einer unvergleichlichen Aussicht. Wir schauen über eine schier endlose Ebene mit Obstbaum- und Olivenplantagen, alten terrassierten Gegenden im Westen, und unglaublich viel Müll direkt um uns herum.
Auf dem Heimweg liegt ein riesiger Eroski-Supermarkt an der Strecke, mit ungefähr 25 verschiedenen Zauberstäben und 40 verschiedenen Föns im Angebot, daneben auch 35 verschiedene Pizzas, Butterpäckchen und Toilettenpapier. Was für eine Qual der Wahl, kein Wunder, dass wir die Hälfte der angeforderten Artikel vergessen. Wir suchen für Volker die gewünschten asiatischen Leckerbissen wie Mie-Nudeln (erfolgreich) und Ketchup Manis (leider nicht vorhanden, dafür gibt es aber bei den ausländischen Spezialitäten neben Shortbread und Kikoman-Sauce Sauerkraut und deutsches Müsli).
Unser kranker Skipper liegt danieder auf dem Sofa, als wir ankommen, Ursel’s asiatisches Spitzkohl-Rezept muntert ihn nur ein bisschen auf, und der immer wiederkehrende Regen tut sein Übriges, ab morgen wird es, angeblich, besser!
24. Januar 2015, Samstag, Baro 1020, sonnig, Wind zunächst NW, später SO, um zwei Beaufort
Aguilas 10:30 Uhr – Mazarron 16:30 Uhr, 19 Seemeilen
Wir verlassen das schöne Aguilas nach lässigem Bummeln am Morgen, zu spät, um den thermischen Wind länger mitzunehmen. Die See ist still, es weht eine leichte Brise, die um 11:00 Uhr die Richtung ändert, sodass wir einen Am-Wind-Kurs segeln müssen, aber es ist so wenig Wind, dass das eigentlich der beste Kurs ist. Dabei ist alles so ruhig und angenehm, das gefällt sogar Nico, der es sich neben Volkers warmer Mütze gemütlich gemacht hat, da muss man aufpassen, wen man streichelt!
Und wenn er dann auch noch auf der Mütze liegt, ist er ein ganz schön großer grauer Hund. Aber er genießt die Sonne, und vor allem, dass es heute nicht so schaukelt, wie auf dem Ritt nach Aguilas.
Die HEXE ist wirklich ein Phänomen, sie segelt bei 3,5 Knoten Wind immer noch 2,6 Knoten schnell. Und bei 4,3 Knoten Wind ist sie 3,4 Knoten schnell, nur muss man aufpassen wie ein Luchs, dass man auf jeden Winddreher sofort reagiert. Der Wind lässt immer weiter nach, fast müssen wir motoren, ich hole schon mal die Angel ein, leider hatten wir damit kein Glück. Doch dann:
Der Angelhaken bleibt leer…
Um 15:30 Uhr, vier Seemeilen vor der Hafeneinfahrt, legt mal wieder jemand den Schalter um, wir sehen, wie der Wind langsam auf uns zukommt, einmal komplett dreht und jetzt haben wir NNW mit 12 Knoten und die Hexe rennt los. Noch ein paar Winddreher und wir machen die Leinen fest in der neuen Marina in Mazarron. Hier liegt man wunderschön geschützt, auch als in der Nacht und am frühen Morgen ordentliche Böen durchgehen, liegt das Boot ganz ruhig im Hafenbecken, das ist so geschickt konstruiert, dass keine Wellen und kein Schwell hereinkommen.
Damenunterkörper schaukeln im Wind
Heute, am Sonntag, ist hier Wochenmarkt, ein riesiger Markt, fast einen Kilometer lang, eine Reihe mit Obst und Gemüse, Mandarinen und Tomaten von hier für 50 Cent das Kilo. Aber es gibt auch frische Erbsen zum Auspulen und die schönsten Auberginen, selbstgebackene Kuchen, Mandelhippen, Brathähnchen, Churros, Café. Ca. zwei Drittel des Marktes wird von Klamotten und anderen Non-Food-Ständen besetzt, ich erstehe eine Thermo-Strumpfhose und ein kleines Portemonnaie, damit wir nicht immer unsere ganzen Ausweise und Karten durch die Gegend schleppen.
Bevor wir in den Markt hineingingen, kam uns jemand mit einem am linken Hinterlauf geschienten Pony vorbei, und als wir aus dem Markt herauskamen, trafen wir, direkt neben der Straße auf eine Sau, die uns aus zusammengekniffenen Augen anschaute, sie hatte auch so kleine Hauer an der Seite, sodass auch Volker die Lust verlor, sie zu streicheln. Nach einem letzten kritischen Blick verschwand sie, sehr geschickt, in der Hofeinfahrt. Schwein gehabt!
22. Januar 2015, Donnerstag, Baro 1011, sonnig, Wind NW um 4 Beaufort
Heute früh war es noch kühl, und heute nachmittag eher nass
Ablegen 08:50, nachdem um sieben Uhr noch viel zuviel Wind war, hatten wir uns schon mit einem weiteren Tag in dem schönen San José abgefunden, aber eine halbe Stunde später ließ der Wind nach und wir sprangen aus den Federn. Schnell noch mit dem Hund spazieren, den Schlüssel für die Duschen beim Marinero abgeben, und schon sind die Leinen los. Ohne Frühstück, Kaffee oder Tee (den koche ich meist später), wie so oft, meistens gibt es dann was lecker Warmes zur Mittagszeit. Direkt nach der Hafeneinfahrt geht das Großsegel hoch und der Motor aus, ein perfekter Anfang. Bei dieser Windrichtung haben wir hier keine Welle und so segeln wir gemütlich unserem nächsten Ziel entgegen. Mal sehen, wo wir heute Abend landen werden und was der Tag noch so bringt.
Leider nimmt der Wind plötzlich drastisch ab, dreht um kurz nach zehn Uhr auf die Nase und schläft dann komplett ein. So ganz ohne Wind kann auch unsere sportliche Hexe nicht segeln, nun muss der Motor mithelfen.
So schräg kann Seglers Leben sein
Viertel nach zwölf kommt der Wind zurück, erst ganz langsam, Volker will schon Spinnaker setzen, dann flaut der Wind wieder ab. Um viertel vor eins ist der Wind richtig da, mit Böen bis zu 22 Knoten. Und um viertel nach eins steppt die Luzie, Halbwind mit konstant 20 – 25 Knoten, Böen über 30 Knoten. Wir reffen zuerst die Fock, dann zwei Reffs ins Großsegel, die Fock noch ein bisschen weiter eingerollt, das Großsegel ganz weg. Weißes Wasser, wohin man schaut, der Begriff vom kochenden Wasser kann so neu interpretiert werden, vereinzelt finden brechende Wellen ihren Weg ins Cockpit, unserem eigentlichen Refugium. Die Hexe segelt dabei schon ganz schön wild und ist dennoch gut auf Kurs zu halten. Doch hoffen wir in solchen (Grenz-) Situationen immer, dass an Bord alles hält und nichts kaputt geht, das Naturspektakel ist immer wieder faszinierend. Hier geht es zu dem Video:
In der Bucht vor Aguila lässt der Wind zum Glück ein bisschen nach; damit wir die Höhe gegen den Wind halten können, setzen wir das gereffte Großsegel dazu. Die Rechnung, bzw. die Navigation geht auf und um 16.30 Uhr liegt die Hafeneinfahrt vom Puerto Deportivo Juan Montiel einladend vor uns. Die ursprünglich geplante Marina Aguilas ist wegen aufwändiger Bauarbeiten gesperrt. Die neue Marina liegt sehr geschützt, hat großzügige Liegemöglichkeiten, einzig die hohe umlaufende Hafenmole vermittelt ein wenig “Knastcharakter”. Wir werden vom Marinero freundlich empfangen, er hilft uns mit den Leinen und wir haben schon wieder einen Längsseits-Liegeplatz, großartig!
Heute sind wir immer weiter an den großartigen Mondlandschaften vorbeigesegelt, es sah alles sehr schön aus, durch den Sonnenschein wirkte auch der viele Wind nicht so unangenehm, aber wir sind ganz schön froh, dass wir jetzt hier sicher im Hafen sind, auch wenn Schiffe nicht für den Hafen, sondern für die See gemacht sind.
Ablegen 10:40 Uhr, nachdem ich bezahlt habe und der Hafenmeister das Mädel an der Kasse ganz besorgt fragte, wo wir denn hinwollten. Für das Cabo de Gata seien am Nachmittag sieben Windstärken vorausgesagt, wir sollten uns das doch noch mal überlegen. Ich meinte, wir würden nur bis San José segeln, da wären wir schon am frühen Nachmittag. Sie haben mir dann noch den Wetterbericht vom Cabo ausgedruckt, in San José angerufen, wie es momentan da aussieht und mich mit meiner Versicherung entlassen, dass wir wirklich jetzt gleich lossegeln. Das Cabo de Gata ist für die Andalusier so ein kleines Kap Hoorn, und tatsächlich habe ich in vielen Hafenführern gelesen, dass dort der Wind immer besonders stark sein soll. Wir sind jetzt auf dem Weg dorthin, mit achterlichem Wind und leichter Welle ist es bei Sonnenschein sehr angenehm, der Skipper hat es sich im Bugkorb gemütlich gemacht.
Um 13:00 Uhr sind wir am Cabo de Gata, tatsächlich frischt der Wind auf bis zu 20 Knoten auf, aber das Cabo liegt wunderschön in der Sonne, wir fragen uns, ob die weißen Flecken echt sind, oder man-made.
Nach dem Kap halsen wir, und diskutieren noch ein bisschen, ob wir in San José bleiben wollen, oder weiter nach Carboneras oder nach Garrucha, aber in beiden Häfen wollten sie uns nicht, und San José liegt idyllisch in den Felsen, also fahren wir dorthin, machen um 13:45 Uhr längsseits fest, auf dem Logenplatz!
Logenplatz – längsseits
San José ist wirklich ein sehr hübscher Ort, im Moment ist natürlich nicht viel los, fast alle Restaurants sind jetzt geschlossen, aber wir wandern durch das ganze Dorf, alles weiße Häuschen mit Balkonen und Terrassen, bei denen die Geländer bunt angestrichen sind, und fast alle haben Meerblick über die große Bucht von San José.
Nico findet den Strand auch gut
Nico findet den Strand auch gut, an dem er sich zu dieser Jahreszeit frei austoben kann, während es ihm im Sommer verwehrt ist. Rundherum liegen Berge, fast ohne Vegetation, manche sehen schon aus wie Mondlandschaften. Viele Westernfilme sind hier in der Gegend gedreht worden, nicht nur die klassischen Karl-May-Filme, auch Szenen aus “Der Schuh des Manitou” und “Laurence of Arabia”.
Unser Autor Wil Offermans gehört zu den ganz eifrigen Lesern unseres Blogs und so stehen wir schon seit Beginn der Reise in regem E-Mail-Kontakt, um zu diskutieren, wann wir uns denn in Südspanien treffen werden. Gestern war es dann endlich soweit.
Die Uraufführung von “Eternal Winds” mit 585 Flötisten
Wil ist Holländer und hat es vor ein paar Jahren vorgezogen, mit seiner japanischen Frau Junko Ueda die holländische Kälte mit der andalusischen Sonne zu vertauschen. Von einem kleinen Dorf nahe Granada fliegt er in alle Welt, um als bekannter Flötist und begnadeter Flötenpädagoge Konzerte und Workshops in aller Welt zu geben. Wil ist schon seit mehreren Jahrzehnten dem Musikverlag Zimmermann verbunden, wir haben viele Notenausgaben von ihm herausgebracht, und nun ging es, neben dem freundschaftlichen Besuch, um zwei neue Ausgaben, die sehr spannend werden, eine ist die auf acht Flötisten reduzierte Notenausgabe eines Konzertes, bei dem bei der Uraufführung am 9. November 2014 585 Flötisten mitspielten, renommierte Solisten, Orchestermusiker aus allen großen Orchestern Hollands, Lehrer mit ihren Schülern, usw.
Junko ist eine der wenigen Satsuma-biwa-Spielerinnen in der westlichen Welt und singt dazu die traditionell japanische Geschichten erzählende Biwa-Musik, oder sie singt buddhistische Gesänge. Auch ist es ihr gelungen, das Traditionelle mit zeitgenössischer Musik zu verbinden.
Im Sommer veranstalten die beiden einen “International Flute Summer Course”, zu dem die großen Hoffnungen der nächsten Jahre kommen, um eine Woche von Wil zu lernen, und sich von Junko bekochen zu lassen.
Jedenfalls sollte es jetzt endlich klappen, dass wir uns hier in Spanien treffen. Klar wären wir auch gerne nach Granada gefahren, u.a. damit ich die Alhambra besichtigen kann, Volker hat diese vor ein paar Jahren schon mit den Kindern besucht, aber da hätten wir wieder ein Auto leihen müssen. Nun kamen Wil und Junko zu uns, sie sind morgens mit ihrem Auto bei null Grad bei Granada gestartet, mussten sogar durch Schneefall; dann aber, auf dem Weg zur Küste, wurde es immer wärmer und schließlich kamen sie um zwölf Uhr bei unserem Boot bei 18 Grad an. Wir verbrachten einen guten Tag, wir hatten soviel zu erzählen, und – auch kurz – ein bisschen etwas zu arbeiten. Als die beiden uns um sieben Uhr wieder verließen, waren die Stunden wie im Flug vergangen. Für sie ging es dann mit den Temperaturen wieder bergab, bei Granada war es um neun Uhr wieder null Grad!
Wen es interessiert, hier die Links zu den Seiten der beiden: http://www.wiloffermans.com http://www.junkoueda.com
Am Montag hatten wir unseren wunderbaren “Chamois-Abend“, ein Restaurant mit typisch savoyardischen Spezialitäten. Dort kann man wählen zwischen Reblochonade, Fleisch auf dem heißen Stein, verschiedenen Fondues, Raclette oder Kartoffelspezialitäten. Alles sehr gehaltvoll und immer reichlich. Dieses Jahr gab es an unserem Tisch nur zwei Ecken, die Käsefondue-Ecke und die Tartarenhut-Ecke.
Der Tartarenhut, vorher …… währenddessen …… und nachher.
Den hatten wir schon letztes Jahr entdeckt, es ist ein eiserner spitzer Hut, mit kleinen hinterhältigen Haken, der von einem dreiflammigen Rechaud erwärmt wird. An die Haken hängt man das dünn geschnittene Fleisch, vom Kalb, vom Rind und Entenbrust (mein Favorit); in die Hutkrempe kommt vorgegarter Reis, und ein bisschen Gemüse, wie Pilze oder Zwiebeln, und wenn das Fleisch an den kleinen hinterhältigen Haken baumelt, wird von ganz oben ein wenig Gemüsebrühe darübergegossen. Das gibt dem Fleisch einen wunderbaren Geschmack, und dem Reis, der dann in der Brühe gart, eine raffinierte Note.
Am Ende fand noch der eine oder die andere Platz für ein kleines Dessert oder einen Café und hochbefriedigt stapften wir zum “Petit Chalet”. Nur Volkers Backenzahn, der sich am Nachmittag schon gemeldet hatte, wollte keine Ruhe geben, und so war ihm eine eher blöde Nacht beschert.
Am Dienstag Morgen probierten wir dann, bei sämtlichen Zahnärzten in Saint-Jean-de-Maurienne einen Termin zu bekommen, die erste Nummer hatte zwar nichts frei, versprach aber einen Rückruf, falls sich etwas ergeben sollte. Die weiteren Nummern sahen überhaupt keine Chance auf einen Termin in den nächsten drei Tagen. Nach mehreren Nachfragen kam am Nachmittag der ersehnte Rückruf, und jetzt sitzt der Skipper auf dem Folterstuhl, und wird hoffentlich geheilt.
Jetzt erzähl ich dann mal aus der „Patientenperspektive und, wie schon erwähnt, hat der üble Backenzahn die letzten 24 Stunden gepocht, pulsiert und geschmerzt. Beim Liftfahren und den anschließenden Abfahrten war es, wohl bedingt durch den unterschiedlichen Luftdruck, besonders schmerzhaft. Ursache des Übels war ein entzündeter Nerv mit Eiteransammlung unter einer alten Füllung. Die junge gutaussehende bulgarische Zahnärztin bohrte gekonnt die alte Füllung raus, reinigte und desinfizierte den Nerv und verschloss das Ganze gekonnt mit einer provisorischen Füllung. Ob die Zahnärztin gut aussieht oder nicht, ist natürlich in so einer schmerzhaften Notlage absolut nicht wichtig, es sei nur erwähnt. Ihr Handwerk hat sie in Bulgarien erlernt, ebenso ihre sehr guten französischen Sprachkenntnisse. Respekt!
Am Ende bekam ich noch ein Rezept für Schmerzmittel und Antibiotikum, das wir in der nahe gelegenen Apotheke für günstige 7 Euro in Medikamente umtauschten.
Aber auch sonst macht das eine oder andere Virus oder Bakterium vor unserer Skihüttentür nicht halt. Merle kämpft gegen ein Magen-Darm-Virus und Max hat sich eine kräftige Erkältung mit Husten, Halsschmerzen und allgemeiner Schlappheit eingefangen. Die skifahrende Truppe ist jetzt so deutlich reduziert wie die diesjährige Schneehöhe.
… ist hier im Moment leider nicht. Viele Pisten sind zwar offen, einige sind künstlich beschneit, aber in dieser Wintersaison ist der weiße Untergrund schon ziemlich dünn. So ist auch der eine oder andere Kratzer in der Lauffläche unserer Skier leider unvermeidlich.
Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch, tagsüber scheint zu unser aller Freude die Sonne, abends werden die Spiele oder die Musikinstrumente ausgepackt und selbstgekochte Leckereien verwöhnen unsere Gaumen.
Ein Weihnachtsbaum, umgekehrt aufgehängt in einer Skihütte
Seit 16 Jahren ist La Toussuire “unser” bevorzugtes Skigebiet, seit 12 Jahren sind wir im Petit Chalet untergebracht. 12 Menschen passen in diese kleine gemütliche Hütte mit ihrem urigen Interieur. Ehemals, das ist aber schon lange her, war das Gebäude ein Viehstall mit Wohnmöglichkeit für den Viehhirten.
Das Skigebiet ist über die Jahre gewachsen und durch Verbindungslifte zu benachbarten Skiorten stehen insgesamt über 300 Pistenkilometer für uns Skifahrer zur Verfügung. In den überwiegend kleinen Restaurants auf der Piste gibt es nicht wie andernorts “Après Ski” mit Gaudimusik, es geht eher ruhig zu. Das angebotene Speisenrepertoire ist typisch savoyardisch – deftig mit kräftigen Käsen, Speck, und Kartoffeln. Schlange stehen an den Sessel- oder Schleppliften kennt man hier nicht, zumal wenn man, wie wir, in der “3. hessischen” Winterferienwoche herfährt.
Die Skifahrambitionen in unserer 12-er Gruppe sind unterschiedlich, der eine ist schon morgens um 9 Uhr auf der Piste, andere schlafen lieber ein bisschen länger, die ersten haben schon um 14 Uhr schwere Beine und andere fahren bis zur letzten Abfahrt weiter. Viele Abfahrten machen wir jedoch gemeinsam und das macht richtig viel Spaß.
Schnee ist halt nur eben ein anderer Zustand des Wassers und abends brennen die Backen von der vielen Sonne, genauso wie beim Segeln. Nur den Wind, den brauchen wir beim Skifahren gar nicht und folglich sind wir sehr froh, wenn keiner weht.
Jetzt geht es weiter nach Norden, es ist ganz leicht bewölkt und immerhin noch 8,5 Grad warm. Das Navi sagt, dass wir um drei Uhr in La Toussuire sein werden.
Hinter Barcelona haben ja die Laubbäume angefangen, den Kiefernwald zu durchmischen, und nach der französisch-spanischen Grenze wird die Landschaft immer weniger südlich. Palmen gibt es keine mehr, auch die Zypressen werden weniger, dafür gibt es Tannen und andere Nadelhölzer, und neben den Pappeln auch Buchen, Platanen und andere Laubbäume. Und die Berge sind voller Wälder, etwas, was wir die letzten Monate gar nicht mehr kennen, Wald.
Die Savoier Alpen versprechen mehr
An der Ardeche kommen wir in die mediterranen Voralpen, hier sind aber noch keine schneebeckten Berge zu sehen, die Gipfel sind grün.
12:00 Uhr, hinter Valence, 10 Grad, hier tauchen wieder schneebedeckte Gipfel auf, leider auch ein paar dunklere Wolken.
13:00 Uhr, Grenoble, 6 Grad, leicht bewölkt, diesig, Schneereste am Straßenrand.
13:40 Uhr, Saint-Jean-de-Maurienne, 6 Grad, leicht bewölkt
14:00 Uhr, La Toussuire, 6,5 Grad, angekommen.