Autor: Skipper Volker

  • Sommerloch …

    Das blaue Kajak ersetzt das große Boot

    in unserem Blog. Die nächsten drei Wochen werden wir in Darmstadt sein und bleiben. Es gibt wenig Berichtenswertes für unseren Segelblog. Klar können wir seitenweise davon schreiben, wie wir unseren Umzug vorbereiten und unser langjähriges angemietetes Zuhause gegen eine kleine Wohnung eintauschen werden, die, Stand heute, noch nicht ganz fertig renoviert ist. Spannende Zeiten für uns, nur mit Segeln hat das nichts zu tun. Eher mit unseren (Lebens-) Entscheidungen.  Und da sind wir uns sicher, dass wir noch ein paar Jahre reisend auf dem Wasser verbringen wollen. Soweit und genauso kurz ist das Fazit der nahezu drei vergangenen Jahre. Segeln, Reisen, an Bord leben und Entdecken ist das, was wir wollen, was wir immer schon wollten und was wir auch zukünftig wollen. So einfach, wie es klingt, ist es, zumindest meistens. Wir machen bis zum 5. August eine Sommerblogpause,  danach werden wir in gewohnter Manier von neuen Segelabenteuern berichten.

    “ursprünglich” könnte man das nennen

    Damit  für uns die momentanen Entzugserscheinungen vom großem weitem Meer und vom Schiff nicht zu stark sind, haben wir unser zweisitziges Kajak am Altrhein entstaubt und brechen hin und wieder zu kleinen Entdeckertouren auf dem insgesamt knapp 20 Kilometer langen Erfelder Altrhein auf. Die Wälder links und rechts des Flussufers stehen unter Naturschutz. Noch in den frühen achtziger Jahren waren die Flächen des heutigen Naturschutzgebietes landwirtschaftlich intensiv genutzt.

    Schwanenfamilie
    Gras im Altrhein

    Mehrere langandauernde Überflutungen durch extremes Rheinhochwasser führten zu einem Umdenkenkprozess, der darin mündete, dass auf eine weitere Nutzung der Flächen seitens der Landwirte verzichtet wurde.Seitdem steht  das gesamte Kühkopfgebiet unter Naturschutz.

    blaugefiederte Libellen

    In den zurückliegenden Jahren hat sich ein sehr ursprünglich anmutendes Landschaftsbild entwickelt durch das sich gemächlich der Altrhein schlängelt und windet. Man kann von einer Art Auenlandschaft, mit Wiesen, riesigen Pappeln und umgestürzten Bäumen als Kleinbiotopen sprechen. Der Fluss strömt mit gemessenen 1-1,8 Stundenkilometern dahin, Wasserpflanzen gibt es zahlreich, Schwäne, Kormorane und Enten bevölkern die Wasseroberflächen. Auffällig ist die große Anzahl an schönen gefärbten Prachtlibellen und Wasserläufern

    entwurzelte Bäume und schöne Libellen

    Glücklicherweise waren bei der Einrichtung des Naturschutzgebietes keine radikalen “Naturschutztalibane“ am Werk, die die Menschen aus dem Gebiet verbannen wollen. Ein sanfter (Öko-)Tourismus ist erlaubt. So profitieren Mensch, Tier und Fauna von diesem einmalig schönen Fleck Erde.

  • La Grande Motte lebt

    voll auf im Moment. Es ist Ferienzeit in Frankreich, alle Hotels sind ausgebucht, der Strand ist voll und abends flanieren fröhlich vergnügte Urlauber an der Uferpromenade entlang. Ein ganz anderes Bild bietet sich uns, so kennen wir LGM noch nicht. Mit ein bisschen Wartezeit gibt es noch Platz in den zahlreichen Restaurants, der Höhepunkt der Sommerurlaubswelle ist noch nicht erreicht, erst ab Anfang August wird es richtig voll. Dann beginnen in Frankreich die Betriebsferien und wirklich fast alle starten auf einmal in die großen Ferien. Ein Verteilung so wie bei uns in Deutschland, nach Bundesländern, gibt es bei den Sommerferien nicht – frei für alle zur gleichen Zeit ist das Motto. Für die Kinder ist es genial, 8 Wochen schulfrei ist super, wie es für die Eltern ist, die sicher nicht so viele Ferientage haben, wissen wir nicht.

    Statt Fenster haben wir heute grüne Folie

    Aber noch wird regulär gearbeitet, auch bei Outremer ist von nahender Ferienstimmung im Moment nichts zu spüren. Heute morgen gab es erst einmal ein kurze Anbordbesprechung mit Stéphane und Christoph, die für den After-Sale-Service zuständig sind und direkt danach ging es los. Zuerst wurden die letzten beiden verkratzten Luken gegen neue ausgetauscht und am Nachmittag wurde das erste große ebenfalls verkratzte Plexiglasfenster ausgebaut. Morgen soll das zweite folgen und schon mit dem Wiedereinbau der neuen Scheiben begonnen werden.

    Parallel dazu habe ich angefangen, den Kat von achtern an zu polieren, Cornelia hatte Waschtag, die Altwäscheschublade war zum Bersten voll. Heute Abend zieht eine kleine meteorologische Depression über La Grande Motte hinweg und beschert kräftige südwestliche Winde. Vorhin haben wir beim Aufbau des Nachtkunsthandwerkmarktes zugeschaut. Die Händler hatte alle Hände voll zu tun, damit die Stände, bzw. deren Inhalt nicht wegflogen.

    Die Kitesurfer profitieren von der Wetterlage und viele bunte Kiteschirme beleben den wetterbedingt dunkelgefärbten Himmel. Kleine Segelboote und Surfer wuseln dazwischen herum , größere Segelboote ziehen  ihre Bahnen am Horizont, der Eisverkäufer mit seinem Karren singt seine französischen Verkaufslieder, der Strand ist bunt gefleckt von den zahlreichen Sonnenschirmen – das sommerliche Treiben ist vielfältig und bunt.

    Fliegengitter sollen die kleinen Vampire draußen halten

    Nur die Stechfliegen, die uns in der letzten Nacht zahlreich heimgesucht haben, werden heute Abend ausgesperrt, Antimückenspray wird angewendet werden, die Fliegengitter sind doppelt ausgerollt und in der Steckdose steckt ein Fliegenkiller, hoffentlich hilft das ganze Aufgebot. (Gestern Nacht hat der Skipper 14 – nicht auf einen Streich – aber in den Mückenhimmel geschickt, da konnte man heute die Wände abwaschen…)

  • Technisches Update

    Zuerst einmal eine gute Nachricht, auf dem kurzen Segelschlag nach Gruissan hat der Mast keinen Mucks mehr von sich gegeben. Das Meer war komplett ruhig und nur an der Oberfläche gab es eine leicht windbedingte Kräuselung, hin und wieder jedoch auch Schwell von passierenden Booten, trotzdem: Kein Knarzgeräusch war mehr zu hören. Heute Mittag soll der südöstliche Wind auffrischen und wir werden zu einem zweiten Testschlag aufbrechen.

    Ein weiteres Problem wurde von Pochon, unserer Elektronikausstattungsfirma, für den Moment erfolgreich behoben. Die Instrumente zeigen wieder das an, was sie sollen, der Autopilot steuert brav das Boot. Die Fehlerquelle sitzt vermutlich in unserem Raymarine UKW-Funkgerät, trennt man nämlich das Datenkabel vom Funkgerät, funktionieren alle Instrumente fehlerfrei. Sobald man das Datenkabel wieder mit dem Gerät verbindet, fallen alle Geräte wieder aus. Der einzige Nachteil ohne diese Datenverbindung ist, dass das Funkgerät keine GPS-Positon mehr hat und somit im Seenotfall- Funkverkehr keine Schiffsposition mit übermittelt.

    Das ist im Moment mühelos zu verschmerzen, wir befinden uns in keiner kritischen Situation, zumal in der nächsten Woche das defekte Funkgerät ausgetauscht werden soll. (Außerdem könnte unser neues KW-Funkgerät den Job übernehmen.)

    Auf dem Rückweg nach LGM sind wir sowieso, es gibt eine relativ kleine 20-Punkte-Liste mit Problemen und Problemchen, die von Outremer behoben werden sollen.

    Es gibt noch ‘ne frohe Kunde in die Runde. Die Hexe macht ihrem Namen wieder alle Ehre und segelt dank des glatten und sauberen Unterwasserschiffs mit dem frischen Antifouling sportlich flott durch das blaue nasse Element. Gestern war der Windeinfallswinkel ideal, immer zwischen 100 und 130 Grad und mit dem 190 Quadratmeter großen Code D sind wir so schnell wie der Wind gesegelt. So soll das ja auch sein, das entspricht dem Leistungspotenzial des Bootes, natürlich nur bis zu einer gewissen Windgeschwindigkeit. Alles andere wäre ja zu schön.

  • Mit einem Tag Verspätung

    Die Segel sind abgeschlagen …

    sind wir heute Morgen um kurz vor neun in Canet-en-Roussillon angekommen. Der Grund für die Zeitverzögerung war, dass der neue Mastfuß vom Mastenbauer Lorima gestern noch nicht angeliefert war. Wir sind dadurch lieber ein Tag länger in Argeles geblieben, haben uns nachmittags am Strand gesonnt und sind ein paar Meter geschwommen. Ich habe meine erste Fischbeobachtungstour mit Maske und Schnorchel zu einem abgelegenen Unterwasserfelsen unternommen. Ein kleiner Sardinienschwarm, eine kleine schwarze Muräne und kleine Doraden, gab es zu bestaunen. Die Strände sind schon voll mit Urlaubern und ein ehemaliger Lehrer verkauft geröstete Erdnüsse (chou-chou auf französisch) und Kaffee am Strand. Schon von weitem hört man seine Klingel und das gesungene “Chou-chou”.

    Der Baum liegt auf stabilen Stützen …

    Zurück nach Canet – jetzt steht die Kiste mit den neuen Teilen vorm Boot und Agreement, die Riggfirma, bereitet alles fürs Mastanheben vor. Die Wanten werden gelockert, das Vorsegel abgeschlagen, innen im Schiff werden die elektrischen Kabel gelöst, der Großbaum wird vom Mast getrennt, ebenso das Großsegel, es gibt also reichlich zu tun für die Riggspezialisten. Die Schwierigkeit beim Mastanheben ist, dass der Mast exakt in der Senkrechten bleiben muss und deshalb ist es ideal, wenn kein Wind auf den Mast drückt. Leider ist die Windprognose nicht ganz so gut, zum Mittag hin soll es mit 5-6 Windstärken wehen. Noch sind aber alle optimistisch, dass das Projekt durchgeht. Eine weitere Herausforderung ist, dass der Mustfuß ist mit dem Deck fest verklebt ist und dieser Kleber erst gelöst werden muss, noch wird überlegt, wie das vonstatten gehen soll.

    … neben dem Mast

    Der Chef von der Firma, die fürs Antifouling zuständig ist, war auch schon hier. Evtl. wird die Hexe sogar heute Mittag schon aufs Trockene gehoben. Dann muss morgen noch Thomas von Pochon kommen, und die Elektronik wieder auf Vordermann bringen, und morgen Abend kommt Jörg Drexhagen von Yachtfunk.com, und baut zwei Tage lang die SSB-Anlage ein. Es ist also ganz schön was los!

    Egal wie, auf jeden Fall sollen wir spätestens am Samstag schon wieder segelklar im Wasser schwimmen, um am nächsten Montag in La Grande Motte einzutreffen. Also: Daumen drücken!

  • Ein massiver Sturm

    Flaches Wasser in der engen Durchfahrt am Cap Béar

    Unsere kleine vorgestrige Segeltour führte uns bei leichten Winden mit vollem Großsegel und dem italienisch bunten Code D nach Argeles, endlich ruhiges Segeln mit einer kleinen moderaten Welle. Handsteuern war angesagt, nicht nur die Navigationselektronik ist ausgefallen, der Autopilot verweigert ebenso den Dienst. Erinnert uns an gute alte Zeiten, unser erstes gemeinsames Schiff, die Optima 101 hatte keine Selbststeueranlage und damit sind wir weit hoch in den Norden, bis nach Schottland gesegelt. Geht natürlich alles!

    Die Fahrräder werden zusammengebaut

    Während ich hier diese Zeilen schreibe, wühlt draußen ein ungewöhnlicher starker Sommersturm das Meer auf, im Nachbarhafen wurden vor 30 Minuten Böen bis über 120 Stundenkilometern gemessen. Argeles Port ist glücklicherweise von einer nicht ganz so hübschen, aber dafür schützenden Appartmentanlage umgeben, sodass wir trotz dieses massiven Sturmes relativ ruhig liegen. Klar, haben wir mit doppelt geschorene Festmacherleinen, der Kat bietet eine enorm große Windangriffsfläche. Bei Böen über 8 Beaufort fängt der Mast an, in tiefen Tönen zu brummen, aber alles ist besser, als jetzt auf dem Meer zu sein. Dort geht schlichtweg die Post ab. Seit vier Tagen heizen wir wieder, morgens und spät abends ist es richtig richtig frisch im Boot.

    Mit Blumenstrauß im Gepäck

    Gegen den Wind, ohne Boot, dafür mit dem Fahrrad ging es heute morgen für mich zum Blumen und Kuchen kaufen, denn die Capitania hat Geburtstag.  Gestern habe ich schon ein paar kleinere und größere Geschenke für Cornelia käuflich erstanden. Nur beim Sommerkleidkauf musste sie leider zur Anprobe mit, damit das bunte Stück garantiert passt, auch wenn damit ein Teil der Überraschung futsch war.

    Cocktail und Kuchen

    Heute Nachmittag gibt es als Apéritif einen kleinen sommerlichen Cocktail, den uns Larissa und Johannes nahegebracht hat. Ich schreib mal auf, was drin ist, wie man den mischt, ist Geschmacksache: Limoncello-Likör, frische Erdbeeren, diese werden mit dem Zauberstab passiert, ein kleiner Teil Wein oder Sekt, das Ganze richtig gut kühlen, dann geht es ohne Eiswürfel – schmeckt sommerlich frisch und hat viele Vitamine! (Danach musste der Skipper ganz schnell einen kleinen Erholungsschlaf machen!) Für heute Abend hat das Geburtstagskind ein schönes Restaurant ausgewählt.

    Ab morgen Mittag soll der Sturm nachlassen und dann segeln wir die letzten 10 Seemeilen bis nach Canet-en-Roussillon. Am Dienstag wird der Mastschuh und der Mastfuß getauscht, am Mittwoch wird die Hexe vom Kran aus dem Wasser gehoben, um neues Antifouling zu streichen. Dann schau mer weiter!

  • Problemblues

    Das ist der Übeltäter, ziemlich zerstört

    Vor einer Stunde ist die Dyneemaleine gerissen, die das Großfall mit dem Großsegel verbindet – einfach so, nicht vorhersehbar, auf einem Amwindkurs. Das Großsegel rauschte führungslos nach unten und verharkte sich mit dem Stausack, dem Lazybag.

    Dabei fing gestern alles so verheißungsvoll an, mit der Rückfahrt nach Frankreich. Der Zoll und die Einwanderungerungsbehörde standen pünktlich vorm Schiff und kurz nach dem Ablegen setzte ein konstanter Ostwind ein.

    Das Kielwasser sprudelt bei der schnellen Fahrt

    Mit vollem Großsegel und unserem Leichtwindsegel, dem Code D, ging es rauschend übers blaue Meer. Die Meilen tickten nur so weg und um 21 Uhr am Abend hatten wir einen neuen Durchschnittsrekord. Einhundertfünf gesegelte Meilen in 12 Stunden, ein Schnitt von 8,75 Knoten. Mit wechselnden, immerhin segelbaren Winden ging es durch die Nacht bis mich Cornelia heute morgen laut rufend, mit nervöser Stimme aus der Freiwache weckte.

    Die Hexe von oben

    Nachdem wir die Situation evaluiert hatten, war klar, dass ich ganz hoch in den Mast muss, um das abgerissene Ende mit dem Großfall dran nach unten zu ziehen. Es waren zu dem Zeitpunkt noch knapp 300 Seemeilen bis nach Canet en Roussillon. Nur der Gedanke, dass ich bei rollendem und schwankendem Schiff und nur mit einem Fall gesichert die 27 Meter nach oben gehe, rief bei der Capitania eine kleine Panik hervor. Machen wir es kurz, wir haben es versucht, ich war fast, und die Betonung liegt auf fast, ganz oben, bis ich den Halt verloren habe und dabei einmal um den Mast geschleudert wurde, Gott sei Dank ohne mich zu verletzen. Im letzten Moment konnte ich mich an dem äußersten Ende des Wants festhalten und mit einer extra Leine sichern. Versuchsabbruch, direkt. Wir sind jetzt auf dem Rückweg nach Sardinien, bitter die nächtlich erkämpften Meilen wieder zurück zu fahren. In einer ruhigen Ankerbucht soll es wieder nach oben gehen, diesmal ohne Schlingerbewegungen. Wir hoffen dann eine provisorische Reparatur hinzubekommen, die es uns erlaubt, nach Frankreich zurück zu fahren.

    Mit all den großen und kleinen Problemen die wir so mit unserer Outremer haben, kommen wir uns so langsam wie Versuchskaninchen vor, die einen Prototyp ausprobieren und kein Serienschiff, sehr sehr ärgerlich.

    Blick vom Masttopp auf unsere schöne Ankerbucht

    Nun haben wir mit Bordmitteln den Block wieder mit dem Großfall und dem Segelkopf verbunden, probieren mal aus, ob es hält, und wenn alles gut geht, machen wir uns auf den Weg nach Frankreich, ab Freitag Abend tobt im Löwengolf der Mistral, da wollen wir irgendwo im Hafen oder einer gut geschützten Ankerbucht sein.

  • Ausflugstag

    Soviel vorweg, heute ist für mich, für uns, ein ganz besonderer Tag und an solchen Tagen muss man etwas ganz Besonderes machen. Aber erst einmal will ich mit dem Anlass herausrücken, Larissa, meine Tochter hat am heutigen Tage Geburtstag und wird junge 22 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern für Sie und ein besonderer Tag für den stolzen Vater. Auch wenn wir gerade gut 1.700 Kilometer voneinander getrennt sind.

    Gestern waren wir beim hiesigen Hafenmeister und haben mit ihm die verschiedenen Möglichkeiten besprochen, um regionale Sehenswürdigkeiten und die nahegelegene Zwei-Millionen-Einwohnerstadt Tunis besichtigen zu können. Kein Problem, er kennt einen regionalen (Fremden)-Führer, der uns Menschen, Sehenswürdigkeiten und Historie nahe bringt.

    Volker mit unseren zwei Fremdenführern Nesrin und Kefi

    Pünktlich um 9 Uhr stand Kefi Abderraout mit seiner charmanten ebenfalls 22 Jahre jungen Tochter Nesrem  und seinem Vw-Bus vor dem Hafenmeistergebäude. Schon ging es los,, auf die Autobahn in Richtung Tunis. Auf der Fahrt dorthin haben wir soviel Informationen über unser europäisches und das tunesische Leben ausgetauscht, dass mir der Kopf von all dem französischen Vokabular schon so geraucht hat. Unsere beiden Führer können auch bestes Englisch sprechen, nur zur Info. Erster Stopp war das Nationalmuseum von Bardo, die Sammlung gilt als eine der größten Mosaikensammlungen der Welt.

    Kacheln …
    Odysseus, dem Gesang der Sirenen lauschend
    Neptun

    Was man dort an historischen Mosaikbildern zu sehen bekommt, ist faszinierend, soviele abertausende kleine Steinpuzzelchen, die zusammengefügt ein einzigartiges Bild ergeben, haben uns schon sehr eindruckt.

    Einschusslöcher vom Attentat

    Nicht minder mitgefühlt haben wir, als Kefi uns ein unschönes Kapitel des Museums zeigte. An einigen Stellen sieht man Einschusslöcher in der Wand, weil genau dieses historisch einzigartige Museum das Ziel eines perfiden Anschlags war, den zwei Terroristen im Frühjahr 2015 ausübten und bei dem 20 unschuldige Menschen den Tod fanden. Die Einschüsse im Fahrstuhl, Treppengeländer, Mobiliar und in den Marmorböden wurden zur Erinnerung so belassen, wie sie sind, am Eingang des Museums gibt es eine Gedenkstätte. Soll man trotzdem Bardo besuchen? Auf jeden Fall, weder der historische Ort kann etwas für dieses feige Attentat, es gibt sowieso keine verbriefte Sicherheit, nirgendwo auf dieser Welt. Den Rest muss jeder für sich selbst entscheiden.

    I love Tunis
    Die französische Botschaft in Tunis – verrammelt wie im Krieg

    Von dort aus machten wir eine kleine Stadtrundfahrt durch die mit reichlich Verkehr gut gefüllten Straßen von Tunis. Da wollen wir beim nächsten Besuch (und wenn kein Ramadan ist) mal ein paar Tage verbringen, genauso haben wir mit Kefi und Nesrem einen Ausflug in die 500 Kilometer entfernte südliche Wüste besprochen, aber das ist Zukunftsmusik.

    Blick von Karthago über die Bucht

    Nach dem knapp zweistündigen Besuch im Museum ging es weiter nach Karthago, dem Ort, in dem Hannibal geboren wurde und von dem er aufbrach, um Rom zu erobern. Karthago und die angrenzende Gegend war die Kornkammer der Römer. Allein der Plan vom Handelshafen lässt erahnen, wie wichtig Karthago für das römische Reich war. Römische Ruinen gibt es jedenfalls dort zuhauf und einen grandiosen Blick über Tunis mit der angrenzenden Meeresbucht gratis dazu.

    Direkt nebenan steht eine große, ehemals christliche Kathedrale mit arabischen Stilelementen, die in der heutigen Zeit für Trauungen, Konzerte und regionale Veranstaltungen genutzt wird. Von außen sieht das Bauwerk vertraut aus, vom europäischen Gesichtspunkt her, innen hat es jedoch einige Überraschungen zu bieten.

    Der amerikanische Friedhof

    Von dort aus haben wir einen amerikanischen Militärfriedhof mit informativen Schautafeln über die Invasion der deutschen Wehrmacht in Nordafrika und der Gegenoffensive des Alliierten, während des zweiten Weltkrieges besucht. Hohe Verluste an Menschenleben gab es leider auf beiden Seiten in diesem Teil Nordafrikas, der Friedhof ist für einige ein stiller Ort des Gedenkens.

    Zum Abschluss ging es in die wunderschöne Stadt, Sidi Bou Said, klingt fremd, ist fremd, aber auch genau so einzigartig schön.

    Der Hafen von Sidi Bou Said
    Sidi Bou Said Altstadt
    Was für ein Blick

    Bizerte bietet viel tolle fotogene Ecken, aber Sidi Bou Said ist eine echte Perle, mit einem Ortskern zum Verlieben, mit der besten Aussicht, die eine Stadt bieten kann – hin zum Meer in eine hufeisenförmige Bucht.

    Neben all den besuchten Orten bietet Tunesien soviel an neuen Eindrücken und Impressionen, allein bei einer banalen Autofahrt, dass man irgendwann, gefühlt nicht mehr aufnahmefähig ist, so wie ich im Moment, in dem ich das hier “zu Papier“ bringe. Um 17 Uhr waren wir zurück an Bord, nicht ohne von unseren beiden liebenswerten Fremdenführern zu einem Abendessen in den nächsten Tagen zu sich nach Hause eingeladen zu werden. Da freuen wir uns schon sehr darauf und haben natürlich die Einladung sehr gerne angenommen.

    Viele weitere Bilder haben wir hochgeladen in den Ordner “Tunis” unter der Bildergalerie.

    Zum Schluss nochmal ein Appell, auf geht’s, ihr Segler, segelt nach Tunesien, taucht ein in eine andere Welt, lasst Euch von Land und Leuten genau so beeindrucken wie wir, es lohnt sich!

  • Sommer, Sonne, Sonnenschein

    Seit ein paar Tagen kennen die Lufttemperaturen nur noch eine Tendenz und die zeigt steil nach oben. Erreichte das Thermometer am Samstag noch zaghaft die 30°-Marke, klettert es seit Sonntag mit Leichtigkeit ab 11 Uhr über diesen Wert hinaus. Der Sommer scheint endgültig Einzug gehalten zu haben, heute hatten wir sagenhafte 36°. Ebenso pünktlich weht ab 11 Uhr ein Seewind, der diese heißen Temperaturen irgendwie erträglich macht.

    Das ist nur ein kleiner Teil der zu polierenden Fläche

    Heute war trotz Sommerhitze Poliertag und zumindest dabei fällt die Größe des Kat ziemlich negativ ins Gewicht. Die gesamte Steurbordrumpfseite war dran und man fühlt sich zu Beginn der Arbeit, als stünde man vor einer endlos langen weißen Kunststoffwand.

    So tief geht es an der Bordwand hinunter

    Knappe zwei Meter hoch ragt die Bordwand über das Wasser hinaus, rund 33 Quadratmeter gilt es zu steuerbordseitig zu polieren. Frisch ans Werk, wir haben insgesamt acht Liter Politur auf Vorrat gekauft, denn, wer uns kennt, weiß, dass wir Hochglanzgelcoat mögen und deshalb alle paar Monate, poliermäßig, so richtig Gas geben, oder besser gesagt Muskelkraft.

    Das Ergebnis kann sich sehen lassen

    Fünf Stunden brauche ich allein für eine Rumpfseite mit kurzen Trinkpausen, nein, keine Biertrinkpausen … (Und es gibt noch die andere Seite, und außerdem noch zwei Seiten zwischen den Rümpfen, Volker ist gut beschäftigt.)

    Die Capitania wurde geschont, die übt jeden Tag ganz fleißig für ihre Amateurfunkprüfung, für die sie sich Ende Juli angemeldet hat. Und wer Cornelia kennt, weiß, dass sie keine halben Sachen macht, Übungsaufgaben stapeln sich auf dem Kartentisch, alle möglichen Begleit- und Erklärhefte hat sie gekauft und viel Speicherplatz auf dem IPad ist mit Amateurfunkwissen belegt. Nichts wird dem Zufall überlassen, mehrere Stunden am Tag löst die Capitania Musterprüfungen, wann genau es “Daumen drücken” heißt, wird bald verraten!

    Heute Abend haben wir noch die Biervorräte aufgestockt, das bietet sich an, weil der nahe gelegene Supermarkt, deutsches Bier ohne Dosenpfand zum günstigen Preis anbietet. Was gibt es Schöneres als ein kühles Feierabendbier bei sommerlichen Biergartentemperaturen, die auch in den nächsten 7 Tagen bestand haben sollen. Prost!

  • Durchbruch!?

    Testfahrt mit den Spezialisten

    Gestern um 14 Uhr gab es eine gemeinsame Probefahrt auf unserem Schiff, mit Technikern und Ingenieuren von Outremer und einem Riggspezialisten von Agreement. Zuerst war kein Wind und keine Welle, doch kurz nach dem Verlassen des Hafens setzte ein frischer Südwind ein, der eine kleine Welle aufbaute. Zuerst war der Mast mucksmäuschenstill, kein Knarzton von aufeinander reibendem Metall war zu hören. Weder außen direkt am Mast noch im Salon. Nur der Wind war mit 12 Knoten recht frisch und die Hexe segelte emsig und flott bis zu 8 Knoten am Wind.  Nach einer Stunde waren alle Kurse zum Wind gefahren, trotz zunehmender Dünung war nichts zu hören – Versuchsabbruch.

    Wir machen uns auf den Rückweg zum drei Meilen entfernten Hafen. Anscheinend hat das Schmierfett seinen Zweck vorübergehend erfüllt. Beim Großsegelbergen haben wir, wie üblich, den Kat genau gegen den Wind gestellt und sind langsam gegen die Welle anmotort. Und dann – direkt vorne am Mast habe ich ein leises einmaliges Knacken gehört. Danach war wieder Funkstille für eine Weile, bis es wieder knackte. Kurz darauf knarzte und knackte es wieder und dann immer wieder… Der Mastfuß knarzte wieder in seinem uns bekannten Knarzrhythmus, genau so frequent und rhythmisch. Alle zwei Sekunden knarzte es, wenn das Schiff sich in den Wellen auf und ab bewegte. Jetzt waren alle Profis an Bord eifrig auf der Suche nach der Ursache. Innen wurde die Deckenverkleidung abgenommen und die Maststütze inspiziert, außen wurde alles mögliche an Einstellungen ausprobiert: Großschot los, Großschot total festgeholt, Dirk los, Dirk fest, usw.

    Da drinnen steckt der Knarzer

    Alles sollte versucht werden, damit man andere Fehlerquellen wie den Baum, Leinen, Fallen und die Deckstruktur ausschließen konnte. Am Ende war es ein simpler hölzerner Schaber aus der Küche, den ich ins Spiel brachte und der uns die letzte Gewissheit gab, dass der Mastfuß sich im Mastschuh, leicht aber deutlich vernehmlich, hin und her bewegte. Holzkeil zwischen Mast und Mastplatte gleich himmlische Mastruhe, Holzschaber raus und schon knarzt es weiter.

    Eine halbe  halbeStunde später passierten wir die Hafeneinfahrt und, auch wenn es irgendwie blöd ist, dass es so einen Fehler gibt, waren doch alle happy an Bord, dass die Ursache gefunden wurde und nun über eine finale Lösung nachgedacht werden kann. Und die kam dann auch sehr schnell auf den Tisch – Lorima, der Mastenbauer, soll den Mastfuß und den Mastschuh gegen jeweils neue Teile mit einem geringeren Spaltmaß austauschen. Das wird jetzt wohl noch eine Weile dauern, bis die Ersatzteile zur Verfügung stehen und  erstmal muss auch das aufgenommene “Beweisvideo” mit dem Küchenengineeringexperiment zum Mastenbauer geschickt werden. Doch im Moment sind wir guter Dinge, dass sich ein gangbarer Lösungsweg abzeichnet, und – geduldig zu sein, haben wir gelernt.

  • Wer dachte…

    Gleich wird der Mast “gelupft”

    dass es das war mit dem Mast, nach dem heutigen Tag, liegt leider gedanklich genau so falsch wie wir. Der Kranwagen kam, die Outremer-Techniker kamen, die Rigger haben alles vorbereitet, wir waren auch da, nur passiert ist nicht wirklich was. Nicht viel, heißt in dem Fall, um das mal kurz und knackig zu formulieren, dass nur Fett auf den Mastschuh gestrichen wurde und wir ausprobieren sollen, ob jetzt die Knarzgeräusche der Vergangenheit angehören. Dafür wurde so ein Riesen-Aufriss veranstaltet, für einen Test mit Fett. Da hatte ich mir, ehrlich gesagt, deutlich mehr von versprochen und habe meinen Missmut auch klar zum Ausdruck gebracht. Genutzt hat es leider nicht viel und wir fühlen uns ein bisschen wie Versuchskaninchen.

    Wir sind davon ausgegangen, dass am heutigen Tage etwas Finales geschieht, dass zum Beispiel irgendetwas zwischen Mastfuß und Mastschuh geklebt wird, was verhindert, dass Metall auf Metall reibt, oder das den jeweils gemessenen einen Millimeter großen Spalt links oder rechts überbrückt. Wir haben schon mal, rein prophylaktisch, alle Outremer-Techniker in die Karibik eingeladen, falls dort das Problem mit dem knarzenden Mast wieder auftreten sollte.

    Freitag früh gibt es ein Meeting mit Xavier Desmaret, dem Chef von Outremer, und da kommt das Problem direkt wieder auf den Tisch.