Autor: Skipper Volker

  • Zärtliche Momente

    Das war der erste Liegeplatz am Steg

    Heute war ein ganz besonderer Tag, der schon anders anfing als andere Bordtage. Damit meine ich keine großen weltbewegenden Ereignisse, aber manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die unsere Tage zu etwas ganz Besonderem machen. Und das fing schon heute früh an. Heute Morgen habe ich bis halb elf geschlafen, und, um es summasumarum zusammenzufassen, waren das 10 Stunden Schlaf. Erholsamer Schlaf am Stück, ein Rekord für mich – soweit ich mich erinnern kann. Kurz darauf stand der Hafenmeister mit Sorgenfalten auf seiner Stirn vor unserem Boot und meinte, dass wir uns trotz Starkwinds an einen anderen Liegeplatz legen müssen, weil er eine Flotille  mit 20 Segelyachten erwartet, die just an dem großen Kai liegen sollen, an dem wir bisher lagen.

    Die Madonna ist schon ganz verwittert und bewacht den Hafen

    Wegdiskutieren konnten wir das Problem mit dem Signore leider nicht, die böigen Winde bis acht Beaufort heulten durch die Masten und nun hatten wir sicherlich noch größere Sorgenfalten auf der Stirn. Cornelia und ich haben uns fast eine Stunde beratschlagt, wie wir vorgehen sollen, alles zum Verlegen soweit möglich vorbereitet und schließlich die Motoren gestartet. Der große Vorteil eines Katamarans sind die weit auseinander liegenden Motoren, die ein wirklich hervorragendes Drehverhalten  ermöglichen, das haben wir ausgenutzt. Erst beim Ablegen, indem wir die zuvor unter Zug stehenden Leinen nach und nach durch Motorunterstützung entlastet und gelöst haben, um dann am vorgesehenen neuen Liegeplatz den Kat langsam rückwärts fahrend gegen die vorherrschende Windrichtung zu dirigieren. Alles ging nach Plan!

    Hier gehört der Bösewicht hin

    Für den Nachmittag haben wir einen kleinenAusflug in das sieben Kilometer entfernte 5000 Seelendorf Villaputzu geplant. Leider gibt es keinen örtlichen Bus, das Taxi ist mit 15 Euro für die Strecke zu teuer und bei meinem Fahrrad habe ich bei der Vorderradmontage die dünne Stahlachse zu fest angezogen und abgebrochen. Da hilft nur – wie in jüngeren Tagen – den Daumen in den Wind zu halten und trampend zu versuchen, das Ziel zu erreichen. Das ging viel besser als gedacht und kurze Zeit später saßen wir in einem Ford Fiesta, der von seinem Fahrer so pilotiert wurde, als gelte es ein Formel-1-Rennen zu gewinnen.

    Die schöne, aber leider geschlossene Kirche steht in der Ortsmitte

    Wenige Minuten später standen wir vorm Fahrradgeschäft in Villaputzu, dessen Ortsname wir schon spaßeshalber mit “Villaputzig” übersetzten, weil alle Geschäfte geschlossen waren und irgendwie alles wie ausgestorben wirkte. Trotzdem hat der Ort einiges zu bieten, es gibt ein Feuchtgebiet mit grünem hohen Schilf, einen schönen ruhigen und gut gepflegten Dorfplatz vorm Rathaus und die Kirche erschien, zumindest von außen, weil verschlossen, sehr einladend.

    Punkt 16 Uhr ging der Fahrradladen auf, der zudem ein gesamtes Bauhaussortiment in klein beherbergte. Kurz darauf hatte die junge Signora triumphierend die passende Fahrradnarbe für 2,80 Euro aus dem Ersatzteilsortiment heraus gekramt. Habe ich schon mal erwähnt das ich diese südlichen Handwerkermärkte liebe, wenn nicht, dann tue ich es hiermit!

    Grün ist das Land

    Für den Supermarkt war es noch ein bisschen früh, der öffnet erst um 17 Uhr und so sind wir dann rein in eine Kneipe, auf ein Bier. Dort lief laute gute Rockmusik aus vergangenen Zeiten mit entsprechenden Videos. Der nahegelegene Metzger verkaufte uns heimisch-sardisches Rinderfilet zum Hammerpreis von 24 Euro/KG und nach einer kleinen Einkaufsrunde im recht kleinen Dorfsupermarkt ging es zurück zum Boot. Erst per Pedes und dann hielten wir abermals den Daumen in den Wind, keine 5 Minuten später saßen wir bei der Signora im komfortablem Mercedes-Bus und wurden bis in den Hafen kutschiert.

    Beim abendlichen Lotus-Grillen schwärmte Cornelia eindringlich, “wie zart ist das denn” und meinte nicht etwa meine Streicheleinheiten, sondern das überaus leckere Rinderfilet. Was für ein Klasse-Tag – genauso klasse, wie das ganze Szenario hier – im Hintergrund die Berge, dazwischen kleine Dörfer, im Süden endlos langer Strand, dazu das Meer – Sardinien ist echt schön!

  • Hightech in Tunesien 

    so klein und will über den Atlantik…

    Nachdem wir vor ein paar Tagen die Baliwerft in Haouaria angeschaut haben, hat uns der superfreundliche Hafenmeister von Bizerte gestern auf eine nahegelegene Werft mitgenommen, die sich seit ein paar Jahren u.a. auf die Fertigung von Yachten spezialisiert, die aus dem leichten Werkstoff Karbon hergestellt werden. Wir waren gespannt. Denn das Karbonmaterial wird mit verschiedenen Harzen in den jeweiligen Formen in großen Öfen auf bis zu 100 Grad erhitzt, oder wie der Fachmann sagt, gebacken. Dabei hatten wir das große Glück, eine kleine Regattayacht, die für einen deutschen Schauspieler im Bau war, in Augenschein zu nehmen.

    … und sooo leicht

    Der kleine Renner, der beim berühmten Minitransat starten soll, wiegt mit seinen 6,50 Metern Länge gerade mal 230 Kilo, natürlich ohne. Mast, Segel und sonstiger Ausrüstung, die an Bord gehört.Der Minirenner hat zudem einen heutzutage üblichen und typischen Rundbug und soll außerdem mit Foils ausgestattet werden.

    Die Werft bietet zu attraktiven Preisen, alle möglichen Arbeiten rund ums Schiff an. Ein moderner 270-Tonnen-Kran, der bis zu zwölf Meter breite Schiffe aus dem Wasser heben kann, steht zur Verfügung, eine Preisanfrage für alle interessierten Eigner lohnt, deshalb hier die Kontaktdaten.

    Für uns war die Zeit in Tunesien etwas ganz besonderes – weder Cornelia noch ich, waren vorher in einem nordafrikanischen Land gewesen. Wir haben soviel gesehen und soviel erlebt, dass wir garnicht alles in unserem Blog wiedergeben können, ohne tagelang die Computertastatur zu traktieren. Tunesien hat uns in seinen Bann gezogen – die Städte, die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen, die wir getroffen haben, das wuselige Leben in den Straßen und Gassen der Orte.

    Tunesien ist schön

    Bizerte, selbst ist mit seinem Hafen, der Altstadt und den Märkten ein lohnenswerten Ziel, ganz gleich, ob man es vom Wasser oder vom Land her entdecken möchte. Unserer besonderer Dank geht an den unbekannten jungen Vater, der uns zusammen mit seiner kleinen Tochter, auf seinem Motorroller, nach einer endlosen Suchaktion, sicher und ganz selbstverständlich ans Ziel geführt hat, wir danken dem Hafenmeister und seinem engagierten Team, die wirklich alles getan haben, um unseren Aufenthalt zu einem ganz besonderen Erlebnis zu machen, wir danken dem freundlichen Herrn, der uns ohne Eigeninteresse und ungefragt, den Weg zum Restaurant erklärt hat.

    Und für alle Nachahmer, Nachsegler und andere Interessierte gibt es hier die vollständigen Kontaktdaten der Marina Bizerte.

    Diesen Beitrag möchten wir daher gerne mit den Worten beenden, die der italienische Werftchef in Bizerte gewält hat, der seit 2003 permanent in Tunesien lebt und arbeitet: „Wer einmal in Tunesien war, den zieht das Land in seinen Bann und lässt es nie mehr los.”

  • Eine Schwalbe

    Die kleine Schwalbe mag sich nur ausruhen

    macht noch keinen Sommer, sagt man so. Einen Tag segeln und fast ein ganzer Tag motoren liegt nun hinter uns und wir erreichen soeben die Südspitze Sardiniens. Die ersten 48 Stunden auf dem Mittelmeer sind gut verlaufen. Der erste Tag hat uns mit viel Wind einiges abgefordert, aber das ist ja genau das, was wir wollen. Die Hexe hat sich auch bei über 35 Knoten Wind gut betragen, klein gerefft ging es mit über 10 Knoten schnell voran. Unser Topspeed lag bei 17 Knoten.

    Der Spatz hat einen Ruhepunkt gefunden

    Seit ein paar Stunden haben wir eine kleine Schwalbe an Bord, gestern war sogar ein Spatz zu Besuch, 50 Seemeilen weit vom nächsten Land entfernt, und am Abend haben drei Schwalben kurz um unser Großsegel “Fangen” gespielt. Für die kleine Bordschwalbe machen wir jetzt einen Umweg und schippern ganz dicht unter die Küste, damit der Jungvogel ans sichere Ufer fliegen kann. Brot und bereit gestelltes Wasser nimmt sie nicht an.

    Babyquallenschwärme schwimmen vorbei
    So sehen die kleinen Biester aus, brennen aber noch nicht

    Aber damit nicht genug der Tierwelt: Gestern Nachmittag hat uns zweimal kurz ein einsamer Delphin besucht, und seit gestern Mittag bis heute Morgen schwammen im Meer Abermillionen von Portugiere-Quallenbabies, hoffentlich haben die genügend natürliche Feinde!

    Der Sommer ist hier im Süden Sardiniens angekommen, es ist schön warm, der Wind dabei sehr schwach. Im Moment wechseln wir zwischen Motor und Leichtwindsegel hin und her. Ab 5 Knoten Wind können wir segeln. Für heute Mittag ist Westwind um die 3 Beaufort vorhergesagt, das würde gut passen. Es sind noch 140 Seemeilen bis Bizerte in Tunesien, die Stimmung an Bord ist wieder super, Cornelia hat soeben ein großes Problem gelöst. Seit gestern haben die Lichtmaschinen der Motoren keinen Strom mehr ins 24-Volt-Bordnetz geladen, weil ich am Lademonitior was falsch eingestellt habe. Männer und Technik eben…

    Jetzt versucht sie sich am Spannungswandler, weil der ebenfalls den Dienst standhaft verweigert, zuviel Elektronik für mich (Dabei lag es nur an den vorher ausgestellten 230-Volt-Sicherungen, das fiel dem Skipper beim Telefonieren ein).

  • Trocken gelegt,

    die Navigationstischdecke für weltweite Fahrt

    ist nun unsere Motorbilge und beim heutigen kurzen Probeschlag in der Bucht von LGM ist absolut kein Wassertropfen nachgelaufen. Wir sind sehr froh, dass wir jetzt ein trockenes Schiff haben. Wo genau das Wasser im Ruderabteil überhaupt herkam, lässt sich im Nachhinein garnicht sagen. Man muss  nicht jedes Rätsel ergründen, Hauptsache, das Schiff ist dicht, egal ob Süß- oder Salzwasser.

    Zudem kam heute der neue Laderegler für unseren Hydrogenerator, der über eine drehende Schraube im Wasser bei Vorwärtsfahrt Energie für unser Bordstromnetz erzeugt. Je schneller wir segeln, umso mehr Energie wird in unser  24-Volt-System eingespeist. Heute beim Testsegeln lieferte der Hydrogenerator bei 8,5 Knoten Fahrt vielversprechende 10 Ampere oder umgerechnet gut 240 Watt Leistung. Zu dem Thema Energiegewinnung an Bord gibt es bald mehr Details.

    Die Capitania prüft gerade die Wetterlage, während ich nur noch segeln will. Endlich raus, egal woher der Wind weht und beinahe egal wie stark, Hauptsache segeln, Meilen schrubben, mit unserem neuen Kat. Und dabei noch mehr Erfahrung sammeln, das Boot kennen lernen und ihm vertrauen. Beziehungsaufbau geht nicht nur zwischen Menschen, es geht für mich auch mit einem schönen flotten Schiff.

    das nächtliche Schaltpanel

    Am Anfang ist alles neu und fremd, die Vertrautheit und die Kenntnis fehlt noch, die wir bei unserer Dehler mit jeder gesegelten Meile mehr erlangt haben. Obwohl, ganz fremd ist uns unser Kat natürlich nicht. Dazu haben wir jetzt schon zuviel Zeit mit ihm verbracht. Ich bin mittlerweile in jedem erreichbaren Winkel rumgekrabbelt, kenne die ganzen verschiedenfarbigen Leinen und muss nicht mehr nachdenken, wofür beispielsweise die dunkelblaue oder die gelbschwarze ist. Alle Schalter am Schaltpanel sind vertraut, und Geräusche an Bord werden gleich erkannt. Wir sind also hoffentlich auf einem guten Weg, hin zu einer langen tragfähigen Beziehung mit unserer HEXE. Jetzt muss die Lady liefern und zeigen, was in ihr steckt.

  • Das war’s noch nicht

    Wasser in der Bilge, sehr unbeliebt

    Seit ein paar Tagen haben wir leider ein paar Sanitärprobleme mit unserem Katamaran. Ständig steht irgendwo im Eignerrumpf Wasser, Süßwasser wohlgemerkt. Nach jedem kleinen Segeltörn, wenn das Boot von den Wellen ein bisschen durchgeschüttelt wird, ist es in drei Bilgenabteilungen nass. Zudem leckt auch der Heißwasserboiler aus dem Überdruckventil und sorgt für Wasseransammlungen in der Motorbilge. Das Problem mit dem Überdruckventil wird schnell gelöst, indem es gegen ein neues ausgetauscht wird.

    Wassertank, ausgebaut

    Schwieriger ist es mit dem Wasser in der Bilge. Die Techniker von Outremer machen sich ihre Gedanken, probieren verschiedene Lösungsansätze aus, zunächst jedoch leider ohne den gewünschten Erfolg. Es kommt immer wieder Wasser nach und wir befürchten zunächst, dass der Wassertank einen Riss hat, was leider schon mal vorkommen kann. Gestern kam Malik, dem Chef des Sanitärteams, der rettende Gedanke. Kurzerhand wird der Wassertank ausgebaut und genau darunter befindet sich in einem abgetrennten Abteil viel Wasser. Das stand dort unerkannt seit dem Missgeschick mit der fehlenden Tankdichtung, und immer, wenn das Schiff sich bewegt hat, ist ein klein bisschen von dem Wasser übergeschwappt und weiter vorne im Boot zum Vorschein gekommen. Wir haben uns sehr gefreut, dass für dieses Problem nun eine Lösung gefunden war.

    Heute morgen sind wir dann mit viel Elan aus den Federn gestiegen und haben das Schiff und uns für die Reise nach Tunesien vorbereitet. Die Wettervorhersage versprach für die nächsten Tage Wind aus der richtigen Richtung, der uns nach Nordafrika schieben sollte. Um 10 Uhr sind wir bei Flaute aufs offene Meer motort, Kurs Südost. Bei einem Kontrollblick in den Motorraum sah ich dann durch einen engen Spalt hinter dem Motor Wasser stehen. Ein kleiner geschmacklicher Kontrolltest ergab keine Klarheit, ob es sich um Süß- oder Salzwasser handelt. Die nächste Entscheidung war schnell gefallen, wir sind nach LGM zurückgekehrt.

    Auch den herbeigeeilten Outremer-Technikern war nicht klar, woher das Wasser kommt. Um es jedoch zu entfernen, musste erstmal ein acht Zentimeter großes Inspektionsloch ausgeschnitten werden. Bis morgen werden wir die Angelegenheit im Auge behalten, um dann eventuell weitere Entscheidungen zu treffen.

    Der Eingangsbereich ist schon schön gestaltet

    Mit Patrick von der Pastis sind wir, um uns vom Wasserthema abzulenken, nachmittags in eine riesig große Wein- und Spezialitätenhandlung (http://www.maisondesvins-lespiguette.com) gefahren, die Produkte nahezu aller regionalen Weingüter und lokale Leckereien zum Verkauf anbietet.

    Rosé-Weine aus dem Hérault

    Wir haben noch nie ein dermaßen großes Weinsortiment gesehen, vom Wein für 3,50 Euro je Flasche bis zu einigen hundert Euro teuren Weinen wurde alles angeboten. Ein Paradies für Weinliebhaber und Gourmets…

  • Viele Rümpfe

    Das Wetter hat mitgespielt, Messebesucher füllten die Stege und die ausgestellten Katamarane waren gut besucht mit potenziellen Käufern, schön war es, auf der Katamaranmesse in LGM am Samstag und Sonntag, Das Beste war, dass neben den Serienherstellern jedes Jahr auch der eine oder andere “exotische” Kat präsentiert wird. Dieses Jahr waren gleich drei Boote vertreten, die uns in ihren Bann gezogen haben.

    So steuert man den Trimeran

    Eines davon war ein Trimaran, als Charterschiff angeboten, der vom äußeren her als reinrassiger Renntrimaran daherkommt und im Inneren ein einfaches aber sehr wohnliches Interieur hat. Bei dem Schiff handelt es sich um einen Einzelbau, der auf einer französischen Werft an der Rhônemündung gefertigt wurde. Die 19 Meter langen seitlichen Rümpfe, die sog.Schwimmer, stammen von einem ehemaligen sehr bekannten und mittlerweile verschrotteten Renntrimaran, der Orma 60 “Banque Poulaire”. Die Mittelstreben, die sog. Beams und der 50 Fuß lange Mittelrumpf selbst wurden hingegen in 2007 komplett neu gebaut. Die ganze Konstruktion wiegt insgesamt gerade einmal 7,8 Tonnen und führt am Wind über 150 Quadratmeter Segelfläche. Doch damit nicht genug, die Seitenschwerter wurden als Tragflächen, oder wie der Segler sagt, als Foils konstruiert, und somit kann das Schiff über 60 Stundenkilometer schnell übers Wasser fliegen.

    Innen ist der Tri geräumig und schön eingerichtet

    Die Eignerin sagt, dass man in einem Nachmittag bei günstigen Winden bis nach Korsika segeln kann, was ja über 200 Kilometer weit weg ist. Wir bekamen eine Einzelführung über und durch das ganze Schiff und waren wirklich mehr als beeindruckt, von dem Gesamtkonzept. Das Schiff ist so ausgelegt, dass es von einer Person sicher unter allen (Wetter) Umständen zu händeln ist. Zur Sicherheit, damit der Tri nicht umkippen kann ist ein hydraulisches System mit Messdosen installiert, das die Kräfte misst, und wenn diese zu groß sind, die Großschot und das Großfall ausrauschen lässt.

    Gestern Nachmittag kamen einige potenzielle Outremer-Kunden aus Amerika, Spanien und Deutschland zu uns an Bord, um hautnah zu erfahren, wie schön so eine Outremer segelt. Begleitet von Jean-Pierre und dem deutschen Outremerhändler ging es raus aufs bewegte Meer, und eine frische Brise lies uns beinahe 11 Knoten schnell werden.

    Beim Genackersetzen dürfen die Gäste mithelfen

    Mit soviel segelbegeisterten Menschen an Bord gab es für Cornelia und mich nicht wirklich viel zu tun. Uns gefiel es dennoch einmal, die Rolle des Zuschauers und gleichzeitig des Gastgebers auf dem eigenen Boot einzunehmen und wir hatten dafür umso mehr Zeit für gute Unterhaltungen. Im Hafen zurück wurden die Rollen wieder zurück getauscht und trotz viel Wind fuhr die Capitania ein Anlegemanöver, bei dem es an dessen Ende Applaus von den Mitfahrenden gab. (Aber das vor allem, weil man eben nicht gewohnt ist, dass Frauen größere Pleasureboote an- und ablegen oder im Hafen manövrieren können.)
    Am Abend war wir dann mit Patrick von der Pastis und unserem Händler, Kapitän Klaus Tietze, ganz lecker essen, im Entre-Potes, was laut unseren französischen Freunden ein Wortspiel ist, und unter Freunden bedeutet. Das macht die Atmosphäre auch so nett, dass es “chez amis” ist.

    Seit heute ist wieder die hafenübliche Ruhe in LGM eingekehrt, ein paar Katamarane sind auf dem Rückweg zu den Werften, auf einigen Schiffen wird vor Hafen noch testgesegelt, und Abbautrupps sind dabei, die Spuren der Messe nach und nach zu beseitigen.

  • Zweiundzwanzig Grad

    Die Sonne scheint, der Himmel einheitlich blau, die sanften Hügel der Rhoneregion liegen rechts der Autobahn. Wein wird allerorten angebaut, und ist unter dem Namen Côte du Rhône, in jedem französichen Supermarkt für vergleichsweise kleines Geld zu haben. Anders als beim Rhein, der ja sehr frequentiert ist, sieht man auf der Rhône eher selten mal ein Schiff fahren. Dafür ist sie überwiegend breiter als unser Vater Rhein.
    Wir sind unterwegs in den Süden, die letzten Tage haben wir in Darmstadt verbracht, jetzt geht es wieder nach Südfrankreich. Heute morgen ging es früh ais den Federn und ich habe das hochstehende Gras in unserem kleine Garten noch mit dem Rasenmäher auf eine optisch ansprechende Höhe geschnitten. Jetzt kann es wieder ein paar Wochen wachsen. Die Capitania will auch ein schönes Schnittmaß für ihr volles Haar haben und hat schon mal von unterwegs einen Termin bei ihrer Lieblingsfriseurin in LGM organisiert. Frühjahrsschnitt(e).
    20 Grad zeigt das Autothermometer, seit Lyon geht es bergauf mit den Temperaturen, die Prognosen für die nächsten Tage sind vielversprechend.
    Voll wird es sein in LGM, nicht zuletzt wegen der Katamaranmesse. Bei so schönem Wetter wird der Andrang auf die ausgestellten Schiffe sicher immens sein.
    Das Auto ist mal wieder vollgepackt, Cornelia hat bei ihrer Sommerkleidergaderobe aufgerüstet und einige Kleidungstücke von Darmstadt mitgebracht. Aber nicht nur Kleider füllen das Kfz, sondern auch ein neuer Bugfender für knifflige An- oder Ablegemanöver, meine Lieblingswurstdosen, neue Kopfkissen, Bettdecken und -wäsche für die Gästekabinen, der neue Besteckschubladeneinsatz, damit endlich Ordnung in das Tafelsilber kommt und schließlich haben wir noch einen Badezimmerteppich und einen kleinen Läufer für den Salonfußboden eingepackt.
    Gut, dass es noch viel bisher völlig ungenutzten Stauplatz auf unserer neuen Hexe gibt.

  • Messezeit

    Das Motto bzw. das Thema ganz einfach gehalten, den Termin sorgfältig geplant  und den idealen Austragungsort ausgewählt, schon hat man ein Messekonzept, das sowohl die Aussteller in Scharen und die Besucher in Massen begeistert – ein Event der Toppklasse. Jedes Jahr gibt es mehr Besucher, gibt es mehr Aussteller, gibt es mehr Werbung und Promotion, gibt es mehr Aufmerksamkeit, usw. Alles Vorgenannte trifft für eine Messe oder besser gesagt einen Bootssalon ganz besonders zu.

    “THE INTERNATIONAL MULTIHULL BOAT SHOW” , ist der Name der Bootsmesse, die in 2017 zum achten Mal in LGM stattfindet. Dort ausgestellt werden nur Mehrrumpfsegelyachten oder um es einfach auszudrücken, Katamarane und Trimarane, letztere jedoch nur in der Minderheit. Insgesamt werden 45 Schiffe ausgestellt, obwohl es das auch nicht ganz trifft. Denn die Boote werden alle in ihrem Element, dem blauen Mittelmeerwasser, stil- oder artgerecht, dem interessierten Publikum, präsentiert. Eine “im Wasser”-Messe ist für jeden Wassersportbegeisterten schon per se etwas Besonderes. Zum Einem gibt es nicht so viele Bootsaustellungen in Europa, auf denen Schiffe im Wasser präsentiert werden und zum anderen gibt es außer dieser keine andere Messe, auch keine „trockene“, bei der derart viele Mehrrumpfer gezeigt werden, die allesamt zu besichtigen sind.

    Der größte Katamaranhersteller der Welt, “Lagoon“, ist ebenso vertreten wie der Lokalmatador aus La Grande Motte, “Outremer”. Dazu kommen noch, beispielsweise mit Leopard, ein Hersteller, der seine Schiffe in Südafrika baut, oder die noch junge Werft “Aventura”, die in Tunesien produziert und auch als einziger Katamaran-Erbauer kleinere Katamarane im 8-10-Meter-Segment in Serie herstellt. Und in Litauen werden seit einigen Jahren bei “O-Yachts”schnelle Katamarane gebaut.

    Viele der Hersteller bieten abends nach den offiziellen Messezeiten Probetörns an, sodass das ins Auge gefasste Schiff  gleich auf Herz und Nieren getestet werden kann. Also, wer Mehrrumpfer mag oder an den Kauf eines solchen Bootes denkt, muss vom 19.-23. April nach La Grande Motte kommen.

  • Wer sucht, der findet…

    Das alles muss in die Fächer verteilt werden

    Mittlerweile glauben wir, uns ganz gut auszukennen auf unserem breiten schwimmenden zweibeinigen Zuhause. Alles hat seinen Platz gefunden, Cornelia hat genug Schrankraum für ihre Kleider, mein großer Werkzeugkasten ist leicht zugänglich gestaut, das Beiboot, die Tauchausrüstung, das Leichtwindsegel, Geschirr und Pfannen, alles findet in den zahlreichen Schränken und Fächern seinen Platz. Unsere Lebensmittelvorräte sind unsichtbar verstaut genauso wie unsere breit aufgestellte Bordapotheke, die weitgefächerte Bordbibliothek steht, optisch schön, im Eignerumpf. Manches wurde in der Hitze des Einräumgefechts einfach nur weggeräumt, um dann anschließend mühevoll wieder gesucht und herausgekramt zu werden.

    Das darf dekorativ draußen bleiben

    Wir waren uns absolut sicher, dass wir Plastikkappen zur Entschärfung der scharfkantigen Solarpanelecken mitgenommen hatten und haben die, nach über zwei Stunden Sucherei, in den zahlreichen Staufächern endlich wiedergefunden. Cornelia war der Meinung, dass wir zwei kleine Faltstühle schon immer auf der alten Hexe mitgenommen hatten, die wir aber bis zum heutigen Tag nicht gefunden haben. In der Küche räumen wir fast jeden Tag Küchenutensilien um, weil es woanders praktischer ist und wir uns umentschieden haben. Nach wie vor schwierig zu finden waren Kleinteile wie Batterien, Sonnenbrillen, Sonnencreme oder Zutaten für eine Salatsauce. Es gibt einfach zu viele Ablagen und unser Stausystem ist noch nicht perfekt.

    Alles muss katalogisiert werden

    Die Capitania hat jetzt eine systematische excelbasierte Stauliste erstellt, so müssen wir nur ein Stichwort eingeben und schon wissen wir, wo was lagert. Alles ist jetzt an Bord, was wir vorher auf der Dehler hatten, zudem haben unsere 28-Zoll großen Trekkingräder in den vorderen Bugstauräumen ihren Platz gefunden. Das erhöht unsere Mobilität und den Bewegungsradius, das ist absolut sensationell, dass wir ab nun unsere Fahrräder dabei haben. Der Kat ist jetzt ein sozusagen ein komplett ausgerüsteter schwimmender Haushalt. Fertig für die großen Abenteuer rund um die Welt.

  • Stürmische Begrüßung

    Dolphins, Dolphins, ruft Trevor aufgeregt und zeigt mit ausgestrecktem Arm in die Ferne. Weiße Wasserfontänen spritzen in der Ferne auf, und die unverwechselbaren Rückenflossen von vielen Delfinen durchbrechen, in der Sonne glitzernd, die Wasseroberfläche. Plötzlich ändert das gesamte Delfinrudel seinen Weg und nimmt Kurs auf uns. Die lustigen Meeresbewohner springen hoch aus dem Wasser, umschwimmen unsere Rümpfe – ein ausgelassenes Spiel der Natur. Man könnte fast meinen, dass die vielgeliebten Bewohner der Meere unsere neue Hexe in ihrem Element begrüßen wollen, was für ein tolles Schauspiel, überwältigend!

    Hier geht es zum Film, wir wünschen ganz viel Freude beim Anschauen.