Autor: Skipper Volker

  • Herbstwetterbericht

    Wir sind wieder an Bord. Die achteinhalb Stunden Fahrt gingen fix vorüber. Kurz vor La Grande Motte hat sich denn auch die letzte Wolke verzogen und den Blick auf die Sonne und den blauen Himmel freigegeben. Spätsommerliche Wärme, sehr angennehm, nicht zu heiß, nicht zu kalt, gerade recht. Auf der einen Seite freuen wir uns, wieder hier zu sein, auf der anderen Seite fahren unsere Gefühle Achterbahn. Zu nahe ist noch das traurige Ereignis. Zurück zur “Normalität” geht nicht so schnell, dafür ist das Gefühl des Verlustes viel zu groß.

    Ab morgen haben wir liebe Freunde an Bord. Wolfang und Ute mit Sohn Aljoscha wollen uns für ein paar Tage besuchen. Bis am Samstag Abend sollen auch die Wettergötter mitspielen. Ab dann wird uns leider ein Regentief heimsuchen. Es wird definitiv Herbst hier am Mittelmeer. Abends läuft die Heizung im Boot, der Kellner im Restaurant kokettiert mit den freien Plätzen,. Saisongeschäfte sind geschlossen und die gelben Bojen, die im Sommer den Badebereich abtrennen, sind weg.

    Die herbstliche Ruhe tut gut, ist aber noch irgendwie ungewohnt. Der Sommer geht gefühlt immer viel zu schnell vorbei. Regnerisch wird es ein absolut heißer Herbst.

    Es dauert nur noch wenige Tage, bis die sog. Vendée Globe Regatta startet. Ein Nonstop-Rennen mit gut 20 Meter langen Hochseeregattayachten um die Welt. Das Ganze Singlehanded. Also mit nur einem Menschen an Bord, der dann alle Funktionen, die sonst auf zahlreiche Mannschaftsmitglieder verteilt sind, selbst wahrnehmen muss.

    Bei der diesjährigen Ausgabe der Vendée Globe gibt es zudem noch eine Neuerung, die dieses Extremrennen noch extremer macht. Mit den sogenannten Foils sollen sich die Schiff bei viel Wind extrem weit aus dem Wasser heben und praktisch nur noch mit dem Kiel und dem Ruder im Wasser, über die Meere rasen. Für Spannung ist also gesorgt, doch dazu beim nächsten Mal me(e)hr.

  • Dunkle Wolken

     

    und ein schwerer Sturm sind über La Grande Motte und das gesamte westliche Mittelmeer hinweggezogen. Das Schwarz des Himmels passt auch zu unserem momentanen Gemütszustand. Alles im Leben hat bekanntlich seine Zeit. Die Zeit der Freude, die Zeit des Glücks, aber leider auch die Zeit der Trauer. Ein lieber Freund, ein leidenschaftlicher Segler und vor allem ein guter Mensch ist unerwartet und viel zu früh in der letzten Woche verstorben.

    Was uns bleibt, ist die Erinnerung an viele schöne gemeinsame Stunden und Erlebnisse mit ihm. Wir wollen zur Trauerfeier und sind gestern von La Grande Motte aus nach Hause gefahren. Diesmal ein schwerer Weg für uns und die Stunden der Nachhausefahrt haben sich auch gedehnt wie “Gummi”. Nur wenige Worte wurden gewechselt.

    Die Rückfahrt zum Boot ist für den kommenden Mittwoch geplant.

    Mehr gibt es im Moment nicht zu sagen.

  • Auf und nieder

    Menton in der Morgensonne
    Menton in der Morgensonne

    Up and Down! Nachdem in den letzten Tagen eher kein Wind war, gab es gestern, wenn auch aus der falschen Richtung kommend, reichlich davon. Falsche Richtung aus Seglers Sicht bedeutet in der Regel, dass ihm der Wind ins Gesicht bläst. Und wenn er das dann noch mit soviel Kraft wie gestern macht, wird aus so einem Segeltag gleich etwas ganz Besonderes. Nicht nur, aber auch im positiven Sinne.

    Etwas verspätet, mit viel Elan und Vorfreude, sind wir um kurz vor 12 aus dem Hafen von Menton ausgelaufen, und just in dem Moment kräuselte sich das Wasser, erst in der Ferne, dann aber schnell näherkommend, dunkel. DerWind setzt ein, die Segel gehen an unserem hohen Mast nach oben, alles wird penibel getrimmt und dann geht es auch schon ab.

    Nico leckt die Krümel aus der Brötchentüte
    Nico leckt die Krümel aus der Brötchentüte

    Unser erster Schlag führt uns weg von der Küste hinaus auf die offene See, wo irgendwo fern am Horizont, zu weit weg, um sichtbar zu sein, Korsika liegt. Nach einer halben Stunde sind wir weit genug draußen, um nach der Wende, schön und ganz hoch am Wind in Richtung Italien segeln zu können. Was für eine Freude, zumindest am Anfang. Nach zwei Stunden liegt San Remo querab, wir schwelgen in Erinnerungen an diese schöne Stadt. Kurzfristig. Denn bald darauf schickt Neptun, heftig-kurze Wellen und mehr Wind. Das Segeln wird anstrengender, die Schiffsbewegungen nehmen zu. Alles im vertretbaren Rahmen, die Hexe ist in ihrem Element und schießt durch die Wellen. Kaskaden von Wasser spritzen zur Seite, leuchten silbrig-blau-glänzend in der Sonne, wenn der Rumpf auf einer Welle landet. Ein beständiges Auf und Ab.

    Imperia in Sicht!
    Imperia in Sicht!

    Nico liegt, was soll er auch anderes tun, eingerollt in seinem Körbchen, das Cornelia vorsorglich ins Cockpit gestellt hat. Man (und auch ein Hund) braucht in solchen Situationen, ich nenne es mal ein stoisches Gemüt und ein bisschen Leidensfähigkeit, wenn man bei viel Wind gegenan segeln will. Nach ein paar Stunden lockt der Hafen und um 17 Uhr sind wir in Imperia. Leinen fest. 30 Seemeilen liegen im Kielwasser.Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schnell und souverän unsere Hexe gegen den Wind segelt. Stabil und agil.

    Stella Maris in Imperia
    Stella Maris in Imperia
    Nico wartet am Kircheneingang
    Nico wartet am Kircheneingang

    Nach dem Anlegen ist vor dem Aufklaren. Alles wird im Hafen fein zurechtgemacht, zuerst das Schiff und nachfolgend wir. Dann geht es frohgemut, wir sind ja in Italien, zu “unserem” Italiener, den wir vom letzten Besuch her kennen. Doch die fehlende Außenbeleuchtung am Restaurant lässt schon von der Ferne her nichts Gutes ahnen. Und so ist es dann auch. Es steht angeschrieben, dass wegen eines Unglücksfalles unplanmäßig geschlossen ist. Schade für das freundliche Inhaberpaar. Wir schwenken um zum italienisch geführten Pub, das gut besucht ist und zur Einkehr einlädt. Zahlreiche bezahlte Crewmitglieder von den umliegenden Luxusyachten sorgen für gute Stimmung. Ein paar Gläser und Stunden später, tendieren wir zur heimischen Bordküche. Spaghetti Carbonara steht auf dem Speiseplan, wor sind ja schließlich in Italien!

    Die Schokolade zum Krimiabend ist leer
    Die Schokolade zum Krimiabend ist leer

    Danach gibt es noch einen Krimi, auf DVD.

    Für die nächsten Tage steht ein kompletter Wetterwandel, nicht zum positiven hin, vor der Tür. Ab morgen werden die Temperaturen in den Keller rutschen und nur noch bei der 20-Grad-Marke verharren. Zudem soll es hin und wieder Regen geben. Nachts wird es mit 13 Grad eher kühl. Unsere Dieselheizung haben wir heute deshalb schon mal für einen Probelauf gestartet. Beim ersten Versuch sprang das gute Stück an.
    Wir bleiben erstmal für die nächsten Tage in Bella Italia.

     

  • Langes Wochenende

    Wenn man so aus dem deutschen Allltag draußen ist, vergisst man schon mal, dass dort ein langes Wochenende vor der Tür steht. Mir wurde erst nach einem deutlichen Hinweis von Larissa klar, dass am folgenden Montag Feitertag ist. Natürlich nicht so in Frankreich, die haben ihren großen Nationalfeiertag schon längst hinter sich. Seit dem 14 Juli. Trotzdem wird allabendlich in Antibes gefeiert, weniger von den Franzosen, mehr von den Engländern. Antibes ist “fest” in englischer Hand. Es gibt zahlreiche Pubs und alles ist auf das große Yachtbusiness ein- und ausgerichtet. Es gibt Trainigscenter für professionelle Crews für Superyachten, zahlreiche Zubehörhändler und alle Reparaturdienstleister, die man sich im Bootsgeschäft vorstellen kann.

    img_1602Auch wir haben mal wieder einen Kunstofffachmann für zwei kleine Macken engagiert. Eine kam von einem blöden Anlegemanöver bei viel Wind, und die zweite Macke von einem fehlenden Gummifuss an unserer Badeleiter. Interessant für mich war, dass unserer französischer Spezialist (wieder ein „Gelcoat-Christoph” eine gänzliche andere Technik zur Schadensbeseitigung anwendete, als Christoph in Mallorca. Mit dem er jedoch lustiger Weise den Namen teilt.  Der hiesige Christoph spachtelte mit Polyester die beschädigten Stellen aus und sprühte dann ein Gelcoat auf, mit abschließender Politur. Christoph aus Mallorca nutzte eine Gelcoatspachtelmasse, die er mit Farbpigmenten dem Bootsgelcoat anpasst. Das Endresultat kann sich bei beiden sehen lassen.

    Wie dem auch sei, wir haben, Dorothee und ihrem Auto sei Dank, unseren Getränkevorrat vor ein paar Tagen kräftig aufgestockt und bei Lidl unglaublich leckeren Champagner für kleines Geld gekauft, und soeben mit einer Flasche des sprudeldenden Rebensafts das Wochenende eingeläutet. Im Cockpit sitzend und über Gott und die Welt schnackend, lässt es sich gut aushalten. Die Gedanken schweifen in die Ferne, verharken sich im Hier und Jetzt, Pläne werden geschmiedet. Die Gedanken sind frei.

    Über uns, nicht metamorphorisch gedacht, sondern real, ziehen dunkle Wolken auf, die einen Wetterumschwung ankündigen. Für morgen steht Regen auf dem Programm, und mit 22 Grad soll es deutlich kühler werden, leider. Der angekündigte Wind aus Südwest, mit dem wir eigentlich nach Korsika segeln wollten, fällt leider aus und soll genau von dort wehen.

    Ein schönes Alternativprogramm wurde uns heute von Dorothee und Mohammed angeboten. Die beiden wollen uns erst zu einem schönen Ort ins Hinterland kutschieren und anschließend mit einem original marrokanischen Essen verwöhnen.

    Da muss Korsika noch auf uns warten!

  • Meditatives Mittelmeersegeln

    mit einem Hauch von Wind aus Süd stand am Montag auf dem Programm. Zwischen 4 und 6 Knoten zeigt der Windmesser an, das entspricht gerade mal rund 7-11 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit. Nicht viel für unsere ca. 9 Tonnen schwere “Hexe”, aber glücklicherweise doch genug, um mit 3,5 bis 5 Knoten dahinzuschippern.

    Genussvolles Segeln bei prallem Sonnenschein, das beste dazu, die See ist spiegelglatt. Die sonst sonntäglichen Motorbootausfahrer sind wohl zurück an ihrem Arbeitsplatz, nur einmal schickt ein motorender Großsegler unangenehme Wellen zu uns, die uns heftig rollen lassen.

    Manchmal ist die Freude des Segelns, gerade bei wenig Wind, größer als bei viel Wind. Segeln wird dann filigran, die optimale Segeleinstellung immens wichtig und der perfekte Feintrimm wirkt sich entscheidend auf den Vortrieb aus.

    Die Segel stehen gut getrimmt, werden dabei optimal vom Wind umströmt. Beim Spiel mit den Schoten geht es um wenige Zentimeter, Feinfühligkeit und ein gutes Auge sind gefragt. Der erfahrene Blick erkennt rechtzeitig Windböen an der Kräuselung der Meeresoberfläche und sieht auch andererseits die Stellen an denen das Meer reglos rumwabbert und kein Wind herrscht. Alles geschieht natürlich extrem langsam, nichts schnell. Doch gerade beim Schwachwindsegeln ist man nie tatenlos, weil es eben jene beschriebenen Windreher und Änderungen in der Windgeschwindigkeit gibt. Zumindest dann nicht, wenn man segelnder Weise vorankommen will. Mal ändert sich der Wind, dass plötzlich alle Segel einfallen, nur um gleich darauf wieder so zu drehen wie vorher. Oder es raumt der Wind auf einmal und man kann die Schoten fieren oder ein paar Grad mehr nach Luv rauskitzeln. Gerne wird diese Art des Segelns und der optimalen Segeleinstellung mit einem gut gestimmten Instrument verglichen. Es ist aber noch mehr, mit einem gut gstimmten Instrument kann eine Zeitlang gespielt werden, ohne nachstimmen zu müssen. Mit einem gut getrimmten Schiff hält das nicht so lange. Zu oft ändert sich die Windrichtung oder -stärke, gerade bei leichter Brise. Jedenfalls sind wir vorgestern bestens gestimmt und getrimmt nach Antibes gesegelt, und hatten während des Segelns richtig Spaß daran.

    Und das ist doch wichtig!

    (Man kann sich die Dinge auch schönreden!)

  • Wer sagt, dass man immer segeln muss

    Wettfahrt der Schönen
    Wettfahrt der Schönen

    Seit 8 Tagen sind wir in Cannes und es zieht uns so irgendwie gar nicht weiter. Selbst unser deutscher Stegnachbar aus Köln fragte uns heute morgen, ob wir nicht für eine Tagesfahrt oder ähnliches mal auslaufen wollen. Nein, wollen wir nicht. Uns gefällt diese Art zu leben und Cannes im besonderen. Eigentlich wollten wir nochmal nach Korsika und Elba segeln, nur dazu fehlt einfach der Wind und Lust auf eine lange Motorfahrt hat keiner von uns. Über 100 Motorstunden seit Mai sind mehr als genug, auch wenn viel Motorzeit beim Ankern oder der Hafenanfahrt draufgeht. Entweder es weht in den nächsten Tagen oder Wochen ein passender Wind mit der nötigen Stärke und der richtigen Richtung, oder wir schippern halt weiter hier in der Gegend rum. Alles ist gut!

    Mit dem Wind ist das im Moment jedenfalls folgendermaßen – tagsüber, so ab 12 Uhr, weht ein thermischer Seewind, der gegen 16 Uhr seine größte Stärke erreicht und kurz vor Sonnenuntergang ist dann wieder Schluss mit lustig. Nachts herrscht seit einer Woche totale Flaute, bei sternenklarem Himmel. Schön zu sehen, unpraktisch zum Segeln.

    Gestern war der perfekte Tag, mit dem thermischen Wind, für phantastisch schöne Photos und Filmaufnahmen, von den Régates Royales in Cannes. Wir haben die Starts von allen Wertungsgruppen angeschaut, spannende Wendeduelle an der Kreuz gesehen und zum Schluss den Vorwindgang auf der Zielgeraden verfolgt.

    bisschen kurz, der Mast
    bisschen kurz, der Mast

    Wer denkt, dass die Boote, nur weil sie alt sind, bei der Regatta geschont werden, der irrt sich. Und manchmal wird das Material auch kräftig überstrapaziert und es gibt, wie auf dem Photo dargestellt, Bruch. Da bekommt der eigentlich gutgemeinte Leitspruch für Segler, “ich wünsche Euch Mast-und Schotbruch” gleich ‘ne ganz andere Bedeutung.

    Cornelia hat vom gestrigen Ausflug auf die Regattabahn einen neuen Film zusammengeschnitten und den gibt es hier zu sehen. Erstmals hat sie in dem Film einzelne Fotos eingearbeitet.

  • Ins Wasser gefallen

    So schön im Sonnenschein
    So schön im Sonnenschein

    Bedrohlich wirkend, ziehen immer mehr dunkle Gewitterwolken über Cannes auf. Ein erstes Gewittergrollen ist in weiter Ferne zu vernehmen, der Wind frischt auf, und ein paar Regentropfen fallen vom verdunkelten Himmel. Ich bin allein unterwegs mit unserem Beiboot, Cornelia hat es vorgezogen, im trockenen Boot zu bleiben. Der Start zur zweiten Wettfahrt, der Regates Royales de Cannes ist erst vor wenigen Minuten erfolgt. Aufgereiht wie an einer unsichtbaren Perlenschnur, streben die Yachten der Luvtonne, durch den Winddruck mit ordentlich Schräglage, entgegen. Die Mannschaften sitzen sozusagen als lebendes Gewicht auf der Luvkante und wirken der Krängung entgegen. Es liegt was in der Luft an diesem zweiten Wettkampftag. Wetterbedingt. Der Wind frischt auf, der Regen wird stärker. für mich wird es Zeit, das Beiboot zu wenden und Kurs auf den sicheren Hafen zu nehmen. Zu groß ist das Risiko, bei einem möglichen Motorausfall hilflos abgetrieben zu werden. Trotz Paddel, denn die sind bei viel Wind wirkungslos. Leider gibt es von der Segelaction diesmal keine Bilder, ich hatte schlichtweg nichts zum Fotografieren dabei.

    Nico ist auch hundemüde
    Nico ist auch hundemüde

    Kurz nachdem das Dinghy sicher vertäut am Steg liegt, öffnet der Himmel vollends seine Schleusen und der Wind heult im Mast. Draußen auf der Regattabahn wird es jetzt hoch hergehen, Segel müssen gerefft-, leichte Vorwindsegel eingeholt werden und die Segler werden sich wohl hektisch das Ölzeug überziehen, um den Elementen zu trotzen. Für uns im Hafen hat diese Wetterturbulenz diesmal keine Auswirkungen. Wir liegen lesend auf den Salonsofas und sind froh, gerade nicht unterwegs zu sein. Bis in die frühen Abendstunden hält der Wetterspuk an und gegen 7 Uhr machen wir uns auf in die Stadt. Ein letztes Abendesssen mit Annett und Patrick in einem Super-Fischrestaurant steht an, bevor die beiden nach Hause fahren.

    Wie???
    Volker geht ins Fischrestaurant???

    Gurkensalat einmal anders
    Gurkensalat einmal anders

    Ja, auch das gibt es, aus Liebe zu Cornelia und aus Freundschaft zu den beiden. Aber was esse ich da? Es gibt ein Fleischgericht und ein vegetarisches Menü für die Fischverweigerer.  Als ausgewiesener Fleischesser bin ich vegetarischen Gerichten gegenüber „von Hause aus“ skeptisch eingestellt. Trotzdem liest sich die fleischlose Variante interessanter als das frankreich-übliche „Steak avec Frites“. Und ich muss sagen, das gestrige Essen im Astoux war der Knaller. Als Vorspeise gab eine Art Gurkensalat in der Mitte des Tellers, umrahmt von Kartoffel-Sahne-Schaum rundherum, und Zwiebeln mit Dill on Top, das Ganze kalt serviert. Der Hauptgang war ein Risotto mit geräucherten Tomaten, umrandet von Mozarellaschaum, krass klasse.  Immer wieder kam mir  beim Essen dieser Köstlichkeiten der Spruch von Martina in den Sinn, „Fleischlos, aber nicht reizlos“.

    Ein Gruß aus der Küche, Meerschnecken und selbst gemachte Mayonnaise
    Ein Gruß aus der Küche, Meerschnecken und selbst gemachte Mayonnaise

    Der hat in dem Fall den berühmten Nagel auf den Kopf getroffen. Abschließend bermerkt, war auch die Fisch- und Meeresgetier essende Fraktion mehr als zufrieden mit ihren ausgewählten Speisen.

  • Gut Holz!

    img_2891Hoch und runter, hoch und runter, unser kleines Beiboot bockt wild in den bis zu einem halben Meter hohen Wellen, in der Bucht von Cannes. Fähren, Motoryachten und nicht zuletzt der Wind selbst, verursachen eine kurze steile Welle, die uns zwischendurch am Sinn unserer heutigen Mission zweifeln lässt. Wir wollen unnedingt die Regattayachten aus nächster Nähe, bei ihrem ersten Wettkampftag im Rahmen der Regates Royales Cannes, live auf der Regatttabahn filmen. Leicht gesagt, schnell gedacht. Vom sicheren Ufer aus schien die mit großen gelben Bojen ausgelegte Wettkampfbahn ganz schön weit weg. Von unserem 2,7 Meter langen Beiboot, in dem man sitzend eine Augenhöhe von nur ungefähr einem Meter hat, sah es aus, als wären die Holzklassiker auf weit entfernter hoher See unterwegs. Egal, wir gaben unserem 6 PS Außenbordmotor die Sporen und mit Rauschefahrt ging es durch die “Wellenberge” weit raus auf die Regattabahn. Noch gerade rechtzeitig, bevor die „Elena of London” als derzeit Führende mit knappem Abstand an uns vorbeirauschte, dicht gefolgt von der zweitplazierten „Cambria”.

    imgp0044Beide Schiffe lieferten sich ein packendes Wendeduell und die Crews an Bord hatten reichlich Arbeit mit den Segeln. Kurze Zeit danach griff noch als Dritte im Bumde die „Moonbeam IV“ in das Duell um die Führung ein. Eigentlich ein wenig abgeschlagen, wagte deren Skipper einen kühnen Schlag, raus aus dem Windschatten der nahen Iles des Lerins und wurden dafür reichlich entlohnt.

    Wir ließen noch ein, zwei weitere hübsche klassische Yachten passieren, bevor wir uns auf den holprigen Heimweg zum Hafen machten. Immer darauf achtend, die Fotoausrüstung vor dem salzigen Nass zu schützen.

    img_2957Es ist soooooo schön, diese Segelgiganten aus längst vergangenen Zeiten über das glitzernde Wasser des Mittelmeers gleiten zu sehen, dass einem ganz warm ums Herz wird, angesichts von soviel Schönheit und Anmut. Zum Teil sind diese segelnden Riesen mehr als hundert Jahre alt und muten dank engagierten Eignern an, als hätten sie gerade die Werfthalle verlassen. Viel Spaß mit unserem ersten Video von der Regates Royales de Cannes.

  • Doppelt gespannt

    Wiedersehen mit der Croisette in der Abendsonne
    Wiedersehen mit der Croisette in der Abendsonne

    Larissa und Johannes sind gestern Morgen mit dem Airlinerbus zum Flughafen gefahren und nach Frankfurt zurückgeflogen. Die 12 gemeinsamen Tage sind schnell vorbeigegangen, wir haben viel gesehen und noch mehr unternommen. Irgendwie sind Abschiede nicht so ganz mein Ding, Wiedersehen schon eher. Deswegen wechseln wir mal gamz schnell Thema.

    Mehrere große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Morgen findet das große Hafenfest im hiesigen Port Pierre Canto in Cannes statt. (Es hat nicht geklappt mit dem Liegeplatz im Vieux Port, aber hier in dem anderen Hafen von Cannes ist es auch sehr schön.) Viele kleine weiße Ausstellungszelte säumen den Parkplatz, eine Bühne ist aufgebaut und ein großes Schwimmbecken mit Wasser gefüllt. Es gibt nur rudimentäre Hinweise darauf, was es so an Programm gibt. Wir sind sehr gespannt.

    In der Bucht von Cannes werden die Regatten gesegelt
    In der Bucht von Cannes werden die Regatten gesegelt

    Die zweite Veranstaltung sind die Régates Royales Cannes vom 18. – 25. September. Eine Regatta für klassisch-traditionelle Holzyachten, die zahlreiche segelnde Schönheiten in das historische Hafenbecken von Cannes gelockt hat. Ab Dienstag wird gegeneinander gesegelt. Die Windprognosen lassen auf spannende Wettkämpfe hoffen. Titelsponsor der Veranstaltung ist die Uhrenmanufaktur Panerei. Wir wollen uns die Wettkämpfer vom Wasser aus anschauen und hoffen, einen günstigen Ankerplatz dicht bei einer Boje zu finden, die die Regattateilnehmer runden müssen.

    So viele Holzschönheiten, glänzend mit Klarlack versiegelt, mit klassischem Segelplan, sieht man selten so dicht beieinander, und wir freuen uns total, dass diese Veranstaltung gerade jetzt, wenn wir in Cannes sind, stattfindet. Was für ein schöner Zufall! Dazu gibt es für die See(h)leute an Land ein Rahmenprogramm mit maritimen Verkaufsständen aller Art und Livemusik. Wir sind sehr sehr gespannt.

    Palme mit Fruchtständen …
    Palme mit Fruchtständen …
    … und die Früchte am Boden
    … und die Früchte am Boden

    Ja, und gestern Abend waren wir mit Patrick und Anett so richtig lecker Essen und natürlich trinken. Ich hatte meine bis dahin leckerste Entenbrust mit Kartoffelbrei und einer dunkel glänzenden dickflüssigen Soße, superlecker.

    Es war für mich auch der erste Abend mit langer Hose und langärmeligen Longsleve, seit gefühlt einer halben Ewigkeit. Während tagsüber die Sonne noch gut vom Himmel ballert, fällt nach Sonnenuntergang die Quecksilbersäule deutlich. Keine Angst, von richitg kalt ist das noch weit weg, aber 20 Grad mit Wind fühlen sich einfach kühl an.

    Heute hatten wir Besuch von Mohammed und Dorothee, die wir vor ein paar Monaten in Villeneuve-Loubet kennen- und schätzengelernt haben. Zusammen sind wir ins hochgelegene Altstadt-/Künstlerviertel von Cannes marschiert und haben dort lecker Kaffee getrunken, ein Museum besucht bei heutigem freien Eintritt, einer Hochzeit in der Kirche zugeschaut, anschließend zur Happy Hour ins Pub und danach zum gemeinsamen Abendessen zurück an Bord.

    Achtung Kunst: Halbmond, Kreuz, Judenstern – FRAGILE
    Achtung Kunst:
    Halbmond, Kreuz, Judenstern – FRAGILE
    Hochzeitsdeko
    Hochzeitsdeko
    Dekorierter Gang im Museum
    Dekorierter Gang im Museum

     

  • Segel- und Wandertag

    Sonnenaufgang über dem Flügel
    Sonnenaufgang über dem Flügel

    Montag war Cornelia, wie berichtet, für einen Tag in Darmstadt und ist spät abends wohlbehalten wieder zurück an Bord gewesen. Während ihrer Abwesenheit ist mir ein Badevergnügen durch Feuerquallen schmerzhaft verleitet worden. Der linke Oberarm ist betroffen und selbst noch 48 Stunden danach juckt es unangenehm.

    rote Streifen am Oberarm
    rote Streifen am Oberarm

    Leider habe ich unwissenderweise versucht, die Nesselfäden der Qualle mit Süßwasser abzuwaschen, was, wie ich jetzt gelesen habe, grundsätzlich falsch ist und die Nesselzellen zum Platzen bringt. Das Beste ist lt. dem allwissenden Internet, die Stellen mit Salzwasser abzuwaschen oder einfach Sand oder Rasierschaum auf die roten Stellen aufzutragen, diesen trockenen zu lassen und, mit einem Rasierer oder einer Kreditkarte, die Nesseln abzuschaben.  Ich versuche also schön, meine Hände still zu halten und nicht zu kratzen.

    Idylle
    Idylle
    St. Honorât
    St. Honorât
    Das Kloster
    Das Kloster

    Gestern sind wir gegen Mittag zu den den Lerininseln vor Cannes motort und haben den Nachmittag mit Schwimmen, Schwimmen und nochmal Schwimmen verbracht. Denn es war warm, sehr warm sogar und der Sprung ins diesmal quallenfreie Nass eine Wohltat. Abends haben wir dann bei einem kleinen gemeinsamen Rundgang mit Johannes und Larissa sowie Patrick und Annette von der Pastis die Insel umrundet. Das geht einfach und ist, bei ca. 4,5 Kilometer Gesamtweg mit bester Aussicht, ein Vergnügen für alle.

    Am frühen Abend haben wir dann die “Sicherheitsgrenze” vom Lotusgrill erreicht und überschritten. Grund waren relativ fettige leckere Rinds- und Lammwürstchen, bei denen soviel Fett in die innere Schüssel getropft ist, dass sich dieses an dem heißen Kohlebehälter entzündet hat. Kurze Stichflammen waren die Folge, die aber glücklicherweise an sich folgenlos blieben. Nach dem Runterregeln der Luftzufur war dann auch Schluss dem Flammengezüngel.

    Da ab heute Abend Gewitter mit Starkwind angesagt sind, haben wir heute früh den Anker gelichtet und bei frischem Segelwind, abermals unseren Kurs auf Villeneuve-Loubet abgesetzt. Nach knapp über zwei Stunden kamen wir im gut aufgeheizten Hafenbecken an, und haben erst mal ein spätes Frühstück im Cockpit eingenommen.

    Madonna an der Ecke
    Madonna an der Ecke
    Zeichen am Haus
    Zeichen am Haus
    Bäckerszeichen
    Bäckerszeichen

    Um die Mittagszeit rum ging es frohen Mutes per Pedes in Richtung Antibes. Ein Wanderweg führt direkt am Meer und an den Stränden entlang in das historische Zentrum von Antibes. Ok, Wanderweg ist vielleicht übertrieben, Weg an einer viel befahrenen Straße trifft es eher. Aber direkt am Meer entlang bleibt stehen. Nach sieben Kilometern gab es eine kleine und wohlerwanderte Erfrischung im Irish Pub und eine anschließende Altstadtführung für die beiden Youngsters.

    Leckereien
    Leckereien
    Fahrrad, aufgehängt
    Fahrrad, aufgehängt
    tschechisches Mofa
    tschechisches Mofa

    Da der gemeinsame Wille fehlte, den gleichen langen Weg zum Boot zurückzugehen, wurde der Zug als Transportmittel auserkoren. Mit der freundlichen Hilfe einer Bahnbediensteten konnten wir am Automat die Tickets kaufen. Nur Nico musste schwarzfahren, weil Zugtickets für Hunde am Automaten nicht verkauft werden, dafür musst man an dem Schalter mit der langen Schlange Menschen davor anstehen.

    Die Bahn kam, wie sollte es anders sein, (oder ist das jetzt übertrieben?) mit bahntypischer Verspätung an. Der ganze Zug sah aus wie “bei Hempels unterm Sofa“, und war auch technisch unter aller Kanone. Der Sitz, auf dem wir saßen, war nicht fest in seiner Halterung, so hatten wir eine Art Schaukelbank. Und die Bremsen ruckelten so sehr, dass alle Fahrgäste immer misstrauisch in die Runde guckten, wenn der Zug langsamer wurde. Wir waren froh, nach zwei Stationen aussteigen zu können.

    Jetzt sitzen wir mit hochgelegten Wanderfüßen wieder auf unserer Hexe, und warten auf das versprochene Gewitter. Bilanz des heutigen Tages, 12 Seemeilen gesegelt, 10 Kilometer gewandert – Seglerbiathlon!