Autor: Skipper Volker

  • Inselabschied und Wiedersehn mit St. Tropez

    unterwegs auf staubigen Pfaden Foto: Johannes Emich
    unterwegs auf staubigen Pfaden
    Foto: Johannes Emich
    Steilküste, erarbeitet Foto: Johannes Emich
    Steilküste, erarbeitet
    Foto: Johannes Emich

    Nachdem wir, Larissa, Johannes, Patrick von der Pastis, und ich, nahezu die gesamte Insel Porquerolles am Donnerstag mit ausgeliehenen Fahrrädern erkundet und (fast) umrundet hatten, war gestern für die muskelverkaterten Beine der tapferen Radfahrer ein Ruhetag unter Segeln angesagt.

    Agave auf Porquerolles Foto: Johannes Emich
    Agave auf Porquerolles
    Foto: Johannes Emich
    Ausblicke
    Ausblicke

    Ein kurzes Fazit, Porquerolles ist nicht nur wunderschön, grün und vielseitig, sondern auch sehr hügelig. Mit steilen Anstiegen zu Aussichtspunkten wie dem Leuchtturm, dem Semaphor, der Mühle und dem Inselosten. Insgesamt, bei  30 Grad, ein anstrengend-schönes Erlebnis mit Fernsicht und einem kleinen Badestopp in einer Bucht.

    Die Ankerbucht vor dem Ort
    Die Ankerbucht vor dem Ort

    Gestern war dann, wie eingangs erwähnt, ein Beinruhe- und dafür Segeltag. Bei leichtem Wind und ganz ruhigem Meer kreuzten wir zusammen mit einigen anderen Segelbooten  in Richtung St. Tropez. Jedenfalls für eine ganze Weile, bis der unbeständige Mittelmeerwind sich mal wieder leider entschieden hatte, eine Atempause einzulegen. So ging das dann den Rest des Weges und des Tages, Wind da – Motor aus, Wind weg – Motor an.

    gestrandet :-((
    gestrandet :-((

    Einige Meilen vor St. Tropez hatten wir in einiger Entfernung eine große gestrandete Segelyacht entdeckt, die, halb versunken, an der steinigen Felsenküste auf ihre Bergung wartet. Kein schöner Anblick, man fragt sich, welches Drama sich dort wohl abgespielt hat, und was die Ursache war, die dazu geführt hat.

    Vor acht Uhr abends sind wir, das letzte Stück des Weges komplett motorend, in St. Tropez angekommen. Trotz beginndender Nebensaison ist der Hafen gut gefüllt. Nach dem üblichen Aufklaren mit anschließendem Anlegebier brachen wir zu einem ausführlichen Altstadtbummel mit Kneipenstopp auf. Auch die pittoresken Gassen waren gut gefüllt mit See(h)leuten aus der ganzen Welt. Larissa und Johannes waren sehr von der nächtlichen Schönheit von St. Tropez angetan.

    Bunte Leckereien Foto: Johannes Emich
    Bunte Leckereien
    Foto: Johannes Emich

    Samstag ist in St. Tropez Marktag, der Veranstaltungshöhepunkt am Ende der Woche für Einheimische und Touristen. Auf dem großen Marktplatz findet man alle leckeren Dinge, aber auch Kleider, Stoffe, Hüte, Gürtel, selbst lebensgroße Hundestatuen.

    Man(n) ist dort natürlich nicht alleine, dicht an dicht flaniert man an den reichhaltigen regionalen Warenangeboten vorbei.

    Bilder sagen an der Stelle mehr als Worte.

    Oliven … Foto: Johannes Emich
    Oliven …
    Foto: Johannes Emich
    noch mehr Oliven… Foto: Johannes Emich
    noch mehr Oliven…
    Foto: Johannes Emich
    Salamis in allen Variationen… Foto: Johannes Emich
    Salamis in allen Variationen…
    Foto: Johannes Emich
    noch mehr Salamis … Foto: Johannes Emich
    noch mehr Salamis …
    Foto: Johannes Emich
    Obst… Foto: Johannes Emich
    Obst…
    Foto: Johannes Emich
    … und bunte Stoffe Foto: Johannes Emich
    … und bunte Stoffe
    Foto: Johannes Emich

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Morgen geht es weiter, an der Côte d’ Azur entlang nach Villeneuve Loubet. Cornelia fliegt am Montag ab Nizza für einen Tag nach Deutschland, morgens hin und abends wieder zurück.

  • Urlaubsende

    Um kurz vor 7 Uhr klingelt uns der Wecker am heutigen Sonntag aus dem Schlaf. Die letzte Nacht in Darmstadt war kurz. Gestern Abend fand i n“unserer Allee“ das jährliche gemeinsame Hoffest statt. Die Gelegenheit, um einige schöne Stunden mit Nachbarn und guten Freunden zu verbringen. Wir haben gegrillt, gelacht und gefeiert, Neuigkeiten ausgetauscht, und alte Nachbarschaftsanekdoten wurden zum Besten gegeben. Neben uns Erwachsenen sind die zahlreichen größeren und kleineren Viertelskinder rumgewuselt. Ein lebendiges nachbarschaftliches Miteinander zeichnet unsere kleine Siedlung aus und macht per se jedes Nachhausekommen zu einem herausragenden Ereignis.

    Ein bisschen eher als früher üblich haben wir uns von der Feier zurückgezogen, damit wir heute die 950 Kilometer nach La Grande Motte gut ausgeruht unter die Räder nehmen können. Diesmal fahren wir nicht allein zu unserer Hexe, Larissa und ihr Freund Johannes sind mit von der Partie. Beide bleiben 14 Tage bei uns an Bord, zusammen wollen wir die südfranzösische Küste bis nach Nizza entlang segeln. Als Larissa noch deutlich kleiner war, haben wir regelmäßig in der Gegend einmal jährlich mit guten Freunden einen Törn unternommen und sie freut sich schon sehr, altbekannte schöne Orte wiederzusehen.

    Für mich ist jeder Abschied, egal ob vom Boot oder aus Darmstadt ein „klein wenig“ stimmungseintrübend. Am liebsten würde ich unsere Allee komplett einpacken und mitnehmen, Cornelia macht schon hin und wieder leicht sarkastische Bemerkungen über mein Empfinden. Aber so sind die Frauen…!?

    Auf jeden Fall steigt die Außentemperatur äquivalent zu den in südlicher Richtung zurückgelegten Kilometern. Im Mittelmeerraum ist noch Hochsommer, gut, der hat ja auch dieses Jahr erst relativ spät, Ende Juni, begonnen und scheint sich dafür nach hinten hinaus auf längere Zeit zu etablieren. Uns ist das sehr recht so, jedes Grad zählt…

    Das Rheinabenteuer mit unserem kleinen Motorboot ist auch schon wieder Geschichte.Die Zeit vergeht (viel zu) schnell Seit letztem Mittwoch steht das gute Stück in seinem  trockenen Unterstand und wartet dort auf die nächste Ausfahrt. Aber egal, was die anderen Segler so denken, mir persönlich macht Motorbootfahren auch viel Spaß. Und die Entscheidung von den Motorbootkollegen für so so ein kraftstoffverbrennendes Gerät kann ich gut nachvollziehen. Es ist schon faszinierend, mit einer relativ hohen Geschwindigkeit von 50-70 Stundenkilometern übers Wasser zu brettern, dabei den Achtzylindermotor im Keller brummen zu hören und schnell von A nach B zu kommen. Zumindet hin und wieder. An Eleganz ist indes eine hübsche Segelyacht mit gut eingestellten Segeln natürlich nicht zu überbieten. Ich denke, letzteres muss man nicht diskutieren.

    In den nächsten Tagen gibt es dann in gewohnter Art und Weise wieder regelmäßig neue Blogbeiträge von uns. Nur, wenn man so auf Landurlaub ist, fehlen so fern ab vom Meer eben die Ideen und Anregungen, Segelblogbeiträge zu schreiben.

  • Landluft statt Seeduft,

    Oh, wie ist es am Rhein so schön…
    Oh, wie ist es am Rhein so schön…

    liegt in der Luft, wenn man einen Ausflug in die Rheinebene macht. Die Felder sind gedüngt, die orangen Kürbisse prall gewachsen und erntereif, und an der angrenzenden Bergstraße bereitet man die Weintraubenlese vor. Weit weg vom Meer fühlen wir uns ein bisschen wie “Fische  auf dem Trockenen”. Und da hilft nur ein ein Schiff, sei es auch noch so klein, Hauptsache, es schwimmt auf dem Wasser. Wenn wir denn nun schon mal 2-3 Wochen in der Sommerzeit zuhause sind, muss zumindest unser kleines gut gehütetes Motorboot in sein natürliches Element gewässert werden.

    Einfach mal wechseln von der Segel- hin zur Motorbootfraktion. Hauptsache ab auf’s Wasser. Auch wenn das nächste Ufer keine 200 Meter entfernt ist, und Süß- statt Salzwasser an die Bordwand schwappt.

    Über zwei Jahre stand die kleine Amerikanerin – Schiffe sind einfach weiblich – in einer Halle, bevor SIE gestern wieder ans Tageslicht gezogen wurde. Ein paar Startversuche hat es schon gebraucht, bevor der Motor nach zwei Jahren Stillstand wieder zum Leben erweckt werden konnte. Dann ging der Spaß los. 85 Stundenkilometer sind maximal  drin, und das fühlt sich auf dem Wasser sagenhaft schnell an.

    Jeden Tag nach getaner Arbeit werden wir ‘ne kleine Auszeit auf dem Rhein nehmen und in nahe gelegenen Buchten schwimmen, einen Ausflug nach Worms machen, oder einfach irgendwo ankern.

    Das Leben am und mit dem Wasser ist, irgendwie unsere Bestimmung. Da sind wir nur wenige Tage von unserer Hexe weg und schon zieht es uns wieder zum Wasser, zum Rhein hin.

  • Der Duft der Frauen

     

    Donnerstag hat die Capitania das Leihauto vom Flughafen Montpellier abgeholt, das uns flott und sicher nach Darmstadt bringen soll, einen beinahe neuen Peugeot 308 Diesel mit Automatikgetriebe. Larissa will uns dann am Flughafen in Metz abholen und die letzten 200 Kilometer nach Hause kutschieren. Leider hat sich an diesem Donnerstag, heimlich und heimtückisch, ein Hammervirus in mein Verdauungssystem eingeschlichen mit fiesen Folgen bis tief in die Nacht. Meine Leistungsbereitschaft am Freitag war in Folge nicht so groß und die erforderliche gründliche Außenreinigung unserer Hexe eine Qual.

     Abschiedsabend vom Boot
    Abschiedsabend vom Boot

    Gestern Abend fühlte ich mich schon besser und wir waren zu einem kleinen Abschiedsessen im quirlig belebten La Grande Motte unterwegs. Ein wenig eingeschüchtert von der Stauprognose für den heutigen Samstag auf den südfranzösischen Autobahnen. Endlos lange Staus ab dem frühen Morgen zwischen Südfrankreich und Lyon waren wegen Rückreiseverkehr angekündigt. Klar, alle Holländer, Deutsche, Belgier, Skandinavier, Schweizer und viele Franzosen müssen an Lyon vorbei nach Norden fahren, wenn ihr Urlaub vorbei ist.

    Der Vollmond über La Grande Motte
    Der Vollmond über La Grande Motte

    Wir sind dann konsequenterweise heute Morgen schon um 4 Uhr aufgestanden und waren eine halbe Stunde später auf der Autobahn. Allen Unkenrufen zum Trotz war, zumindest zu dieser frühen Zeit, doch nicht ganz so viel los. Um kurz nach 11 Uhr waren wir am Flugplatz Metz-Nancy. Wirklich schwierig war es nur zum Ende der Fahrt, die obligatorische Volltankung des Wagens zu organisieren. Die Tankstellendichte in der lothringischen dörflich-ländlichen Einsamkeit ist ist eher dünn. Ein halbstündiger Umweg war vonnöten, bis die Nadel der Tankanzeige wieder auf voll stand. Die Tankstelle am Flughafen kannte unser französisches Navi nämlich leider nicht.

    Nach einer herzlichen Begrüssung mit Larissa und Johannes ging es zu einem kurzen Grillzwischenstopp auf den Campingplatz in Remering, und natürlich um meine Mutter zu besuchen. Wir alle hatten einen gesegneteten Appetit und es gab Reichliches für die hungrigen Münder. Leider  war das Wetter nicht auf unserer Seite. Für uns war es mit 17 Grad, Regen und Wind richtig richtig kalt.

    Um 17 Uhr waren wir nach weiteren zwei Stunden Fahrt wohlbehalten in Darmstadt angekommen. Der Regen ist uns leider auch dorthin gefolgt. Heute Abend haben wir uns dann einen ruhigen Fernsehabend gegönnt und bei ZDF Neo “Der Duft der Frauen”  mit Al Pacino angeschaut. Unser erster Fernsehabend seit langem.

  • Über vierundzwanzig Monate…

    Abschied von Hoorn
    Abschied von Workum

    … sind wir nun mit unserer Hexe unterwegs und haben es glatt vergessen zu feiern. Ist ja beinahe so, als würde man den eigenen Hochzeitstag vergessen, hihi. So fühlt es sich geradewegs an. Nicht, dass wir im Vorfeld nicht davon gesprochen hätten, irgendwie haben wir es dann doch einfach vergessen. Aber was mich wirklich beeindruckt ist, wie schnell die Zeit vergeht. Trivialer Spruch ganz klar, aber voll zutreffend. Zwei Jahre, schwuppdiwupp, sind vorüber und liegen im nicht sichtbaren Kielwasser unseres Lebens.

    Sturmtaktiken gefragt?
    Hinterm Horizont geht’s weiter…

    Dazu passend habe ich heute in einem englischen Segelbuch über Sturmtaktiken gelesen, dass ab einem gewissen Lebensalter die Zeit eh nicht mehr für, sondern gegen einen ist. Haben wir etwa dieses Alter schon schon erreicht? Ich glaube  und hoffe zugleich, dass es nicht ganz so ist. Dafür haben wir noch zu viele Pläne und Ideen, die auf ihre Realisierung warten. Die Engländer haben halt eine eigene Art von (Lebens)-Humor und nehmen sich selbst gerne nicht zu ernst.

    So vergeht die Zeit…
    So vergeht die Zeit…

    Trotzdem werden wir heute Abend zur Feier der zwei Jahre nach Alt-Gruissan essen gehen und das eine oder andere Fläschen entkorken oder entkorken lassen. Über das Erlebte plaudern und uns die nahe (und ferne) Zukunft vorstellen.

    Die Band
    Die Band, die den Ort rockt

    An das Thema Zeit habe ich gestern Abend ebenfalls gedacht. Wir waren nämlich bei einem kleinen Livekonzert an der gut besuchten Uferpromenade. Die nicht mehr ganz so jungen Bandmitglieder haben Rock und Songs aus den 70er und 80er Jahren dargeboten und die Menge zum Jubeln gebracht. Edle Darbietung. Und selbst die deutlich Jüngeren unter den Zuhörern kannten  die Songs von Queen, U2, The Doors, Jimi Hendrix und anderen Berühmtheiten aus dieser Zeit und sangen fröhlich mit. Ganz so, als seien es zeitlose Lieder…

  • Flotte Lotte

    Der kleine gelbe Twingo
    Der kleine gelbe Twingo

    Wir überlegen hin, wir überlegen her, sollen wir noch einen Tag in Argelès-sur-mer bleiben oder endlich weiter nordwärts segeln. Zwei Kleinigkeiten nehmen uns dann schnell die Entscheidung ab. Cornelias Versuch, den kleinen gelben Twingo noch einen Tag länger zu mieten, schlägt fehl, weil der Wagen das ganze Wochenende an Urlauber vermietet ist, und der Wind dreht früher als vorhergesagt auf eine für uns günstige Richtung.

    Trotz Leihauto spendiere ich  vor der Rückgabe “unserem” liebgewonnenen Renault eine kleine eigenhändige Endreinigung, dafür bekommen wir, großzügigerweise, die Hälfte der über 100 zuviel gefahrenen Kilometer erlassen – guter Deal!

    Um 12 Uhr 15 liegt die Hafenausfahrt achteraus und die Segel gehen hoch. Ein günstiger Wind ist von Anfang an da, die See ist flach. Idealbedingungen. Mit schäumender Bugwelle und schneller Fahrt geht es unserem nächsten Ziel entgegen. Nach einer Weile zeigt unsere Geschwindigkeitsanzeige über 8 Knoten Fahrt an. Segeln kann sooooo schön sein. Schnell, eigentlich viel zu schnell kommt Gruissan näher. Ok, verglichen zum Autofahren sind ca. 15 Stundenkilometer wahrlich nicht der Brüller, aber für uns ist es gefühlt und in echt schon ganz schön flott. Die 60 Kilometer oder 35 Seemeilen segeln wir in vierdreiviertel Stunden ab. Wir haben Glück und bekommen einen Superliegeplatz, längseits an einem Steg mit tollem Blick zur Hafeneinfahrt.

    Reste des Forts über Gruissan
    Reste des Forts über Gruissan
    Blick über den Etang…
    Blick über den Etang…
    … und zum Meer
    … und zum Meer

    Heute war Markttag im historischen Ortskern von Gruissan. Die Altstadtgassen waren voll mit Ständen und voll mit Menschen. Unser Hauptaugenmerk galt jedoch zuerst der Festung, die die Stadt im Nordwesten überragt. Der Blick von oben zum  Meer, zum Binnensee, über die Altstadt  bis hin zu den südlichen Ausläufern der Pyrenäen ist wirklich fantastisch.

    Maria auf der Fahrt zum Himmel
    Maria auf der Fahrt zum Himmel

    Nach dem Abstieg und einem Blick in die wirklich sehr schöne Kirche “Mariä Himmelfahrt” haben wir uns in den (Markt)-Trubel gestürzt und reichlich frisches Obst aus der Region gekauft. Zum Verkauf feilgeboten wurde so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Kleider, Schuhe, Obst, Gemüse, frische Grillhähnchen, Olivenpasten, Holzofenbrot, gegarte Tintenfische, Paella, Spielzeug und sicher noch vieles mehr. Müde vom Wandern machen wir mittags einen kurzen Zwischenstopp in einer kleinen Eckkneipe und schon war es Zeit für den 20 Minuten langen Rückweg. Bis Montag bleiben wir sicherlich in Gruissan liegen, die Liegeplatzpreise sind trotz Hochsaison mit 34 Euro für unsere Bootsgröße sehr moderat.

    Markt
    Markt
  • Verbrannte Erde…

    … und Wald, mit einer Gesamtfläche von über einer Million Quadrameter, ein evakuiertes Dorf, 500 Feuerwehrleute im Dauereinsatz und 4 Löschflugzeuge. Schlussendlich sind das nur die nackten Zahlen. Der Waldbrand ist gestern morgen im schwierig zugänglichen bergigen Gelände von Montalban ausgebrochen und hat sich rasend schnell, vom starken Tramontana-Wind angestachelt, in südliche Richtungen ausgebreitet.

    Das Feuer beginnt
    Das Feuer beginnt

    Wegen des vorhergesagten Starkwindes hatten wir uns entschlossen, noch einen kleinen Ausflug mit dem Renault Twingo in die nähere Umgebung zu machen, statt zu segeln. Schon nach wenigen Fahrkilometern war eine riesige Rauchsäule am ansonsten blauen Himmel sichtbar. Erstes Ziel war das mittelalterliche Dorf Castelnou, das stufenartig an und auf einem Hügel errichtet wurde.

    Castelnou
    Castelnou

    Das Dorf wird vor allem von Künstlern und Kunsthandwerkern bewohnt, die mit der Herstellung und dem Verkauf ihrer Werke ihren Lebensunterhalt bestreiten. Es gibt also genug zu entdecken. Über dem schönen Ort thront eine große komplett erhaltene Festung, die regulär zu besichtigen ist, aber Hunde dürfen leider nicht rein.

    Unser nächstes Ziel war Eus, ein kleiner Ort, der mal wieder zu den schönsten Dörfern Frankreichs zählt, am Eingang der Pyrenäen. Dazu mussten wir gut 40 Kilometer landeinwärts zur Route Nationale 116 fahren, die als einzige Straße dieses Pyrenäental mit Perpignan direkt verbindet. Die Rauchsäule wurde auf der Fahrt dorthin immer größer und dichter.

    Es lodert am Bergrücken
    Es lodert am Bergrücken
    und verdunkelt die Sonne
    und verdunkelt die Sonne

    Irgendwann waren wir genau unter dem hoch aufsteigenden Rauch, der nach Süden hin über uns hinwegzog. Das lodernde Feuer in den Bergen war stellenweise, wenn es nicht vom Rauch verdeckt war, deutlich zu erkennen. Ein faszinierender und zugleich beängstigender Anblick. Als wir dann an der RN 116 ankamen war ein Massivaufgebot der Feuerwehr zu Stelle. Nur wozu gerade da, war uns noch nicht ganz klar. Ein paar Kilometer weiter, an der nördlichsten Brandfront, war bereits erkennbar (nur irgendwie nicht für uns…), das die hoch aufsteigenden Flammen den Berggipfel überwinden werden und das dadurch das Feuer sich talwärts ausbreiten wird.

    IMG_2240Kurze Zeit – und 5 Kilometer später war Eus ereicht und wir sind dort erstmal auf einem kleinen Platz zur mittäglichen Stärkung in ein hübsches kleines Restaurant eingekehrt. Zeit für einen späteren Rundgang in Eus schien in Hülle und Fülle vorhanden. Das Essen war richtig lecker, einfache Küche mit regionalen Zutaten, dazu eine grandiose Fernsicht auf die Pyrenäen. Der Rundgang, gut gesättigt mit vollem Magen, führte uns in die Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Besonders Intereessant sind hier die detailverliebten Zeichnungen aus der gleichen Zeit. Leider war es durch einen Gruppe von Fotoamateuren, die mit ihrem laut dozierenden Kursleiter ihre Fotokenntnisse intensivieren wollten, eine unangenehm unruhige Atmossphäre in dem Gotteshaus.

    IMG_2263Der folgende kleine Rundgang durch die Winkel und Gassen von Eus war dafür umso beschaulicher. Um 16.30 machten wir uns dann auf den Heimweg, der, was wir noch nicht wissen konnten, mehr als sechs Stunden dauern sollte. Bereits auf der Zufahrt zur RN 116 gab es den ersten Stau mit Stillstand. Französische Staukollegen erklärten uns, dass die Nationalstraße wegen des Feuers vollgesperrt ist.

    Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, dachten wir uns, und suchten in den nächsten drei Stunden zahlreiche Alternativen, um nach Argeles zu gelangen. Um es kurz zu machen, keine war von Erfolg gekrönt. Wir fuhren auf winzig kleinen Straßen ganz hoch in die Berge, wir bretterten über unzählige Schotter- und Sandpisten, wir durchquerten mit unserem kleinen gelben Freund ein flaches Flussbett.

    Hier laufen die Schafe …und die Autos fahren besser heim
    Hier laufen die Schafe …und die Autos kehren besser wieder um

    Alles um nach wenigen oder vielen Minuten dort zu enden, wo nur ein geländetaugliches Allradfahrzeug weiter gekommen wäre. Es war buchstäblich zum Mäuse melken, immer dann, wenn wir dachten, es irgendwo in Richtung Süden geschafft zu haben, ging es plötzlich für uns nicht mehr weiter. Alternativen zur gesperrten Nationalstraße gab es für uns nicht, freundlich-geduldige und befragte Gendarme kannten auch keine kurze zielführende Umleitung. Der Akku von unserem IPad, unser Navigationsgerät, wurde immer leerer und es wurde Zeit für eine Emtscheidung.

    Dunkles Tal
    Dunkles Tal

    Entweder wir warten mit umgewissen Ausgang auf das Ende des Waldbrandes, bzw. der Straßensperre, oder wir fahren einen 180 Kilometer langen Umweg über kleine Departementalstraßen, um nach Hause zum Boot zu gelangen. Wir haben uns für die letztere Alternative entschieden und sind erstmal die Pyrenäen hochgekurvt, dann durch ein endlos erscheinendes dunkles einsames Tal und dann zum Ende hin über eine breite Landstraße langsam zurück. Schlussendlich haben wir für diesen Weg drei Stunden gebraucht und kamen um 22.35 hungrig, durstig und ziemlich entnervt im Hafen an.
    Jetzt fragt sich sicher jeder, wie lang den die Sperrung ging. Die wurde genau um 22.39 aufgehoben. Viel Zeit haben wir also mit unserer Rumfahrerei am Ende nicht gewonnen. Aber das konnte keiner vorhersagen…

    IMG_2268 IMG_2263 IMG_2249

  • 2000 Meter über dem Meer

    Hexenweisheit
    Hexenweisheit (mehr Hexen gibt’s am Ende des Berichts)

    Um 10 Uhr zeigt unser kleines Badethermometer 33 heiße Grad an, die im Laufe des Tages laut Vorhersage auf noch heißere 39 Grad steigen sollen. Doch nicht mit uns, wir werden der Hitze entfliehen und einen Ausflug in die umliegende Bergwelt der Pyrenäen machen. Die Capitania hat beim Renault-Händler, der gleichzeitig auch als Autovermieter fungiert, einen quietschgelben Renault Twingo für die nächsten drei Tage geliehen.

    Berge mit Wolken
    Berge mit Wolken

    Nach einem freundlichen Gespräch mit unserer kundigen Bootsnachbarin über möglichst attraktive Ausflugsziele, fahren wir gut gerüstet und vergnügt los. Bereits nach gut 20 Kilometern legen wir einen kleinen Abkühlungszwischenstopp am Stausee von Vinça ein. Die Klimaanlage im Auotinneren von unserem kleinen Stadtflitzer versucht zwar tapfer umd geräuschvoll gegen die immer weiter steigenden Temparaturen azukämpfen, aber die produzierte Luft ist nicht wirklich kalt. Dafür ist es das Süßwasser des Bergsees und Nico erfreut sich im Wasser liegend und trinkend – endlich mal kein Salzwasser.

    Entrée de Mont-Louis
    Entrée de Mont-Louis
    Fort de Mont-Louis
    Fort de Mont-Louis
    Die Kirche in Mont-Louis
    Die Kirche in Mont-Louis
    Altar in Mont-Louis
    Altar in Mont-Louis

    Schöne mittelalterlich wirkende Orte bleiben links umd rechts liegen, es geht beständig bergauf und nach weiteren 60 Kilometern kommen wir in Mont Louis an. Der gut 1600 Meter hoch gelegene Ort mit ganz viel Historie, bietet einen wunderbaren Ausblick auf die umliegenden 2000 Meter hohen Skigebiete. Ein Rundgang durch den verträumt-ruhigen Ortskern ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Trotz Urlaubszeit sind nur wenige Touristen in dem von einer Ringmauer umgebenen Mount-Louis unterwegs. Oberhalb befindet sich  ein Fort aus napoletanischer Zeit, das noch heute für miltiärische Ausbildungszwecke französischen Spezialeinheiten dient.

    Volker im Skilift
    Volker im Skilift
    Kirche in Formigueras
    Kirche in Formigueras
    Skilift im Sommer
    Skilift im Sommer

    Unser nächstes Ziel war Font Romeu, ein beliebter alpiner Wintersportort auf über 1940 Metern Höhe. Die meisten Lifte standen verständlicher Weise still, aber auch hier versucht man, mit verschiedenen Outdooraktivitäten Sommerurlauber zu locken. Bei der lokalen Skischule konnten Kinder und Erwachsene sich im Bogenschießen üben und Mountainbiker sich von den Schleppliften nach oben ziehen lassen, um anschließend die Skihänge runterzurasen. Die Bergbahn war für Ausflügler in Betrieb, gleich nebenan gab es Ponyreiten für Kinder. Auch hier war die Aussicht auf die umliegende Bergwelt umwerfend.

    Brunnen
    Brunnen

    Der erhoffte Abkühlungeffekt trat auch ein. Mit 26 Grad war es super angenehm, und im kleinen Gelben fächelte ein kühler Luftstrom in unsere Gesichter. Diesmal vom Fahrtwind! Kurze Zeit später hatten wir unser entferntestes Ziel Forminguera erreicht. Nur mit großem Ortsrundgng war es da leider nichts, weil Nico aus nicht ersichtlichen Gründen vorne rechts plötlich humpelte und die Pfote nicht mehr aufsetzte.

     

    Das Fort oberhalb von Evol
    Das Fort oberhalb von Evol
    L'église d'Envol
    L’église d’Envol
    Haus in Evol
    Haus in Evol
    La vache qui rit
    La vache qui rit

    Auf der kurvenreichen Rückfahrt machten wir noch einen kurzen Zwischenstop in einem der schönsten Orte Frankreichs, Evol. Ein kleines mittelalterliches Dorf in einem Nebental gelegen, dessen Kirche bereits im elften Jahrhundert gebaut wurde. Die meisten Häuser stammen aus dem Mittelalter und werden bis heute von ihren Bewohnern und einer lokalen Stiftung leibevoll erhalten. Nachdem Nico eine kurze Zeit im kühlenden Dorfbach gelegen hat, war das Humpeln schlagartig vorbei.Evol ist hübsch aber echt klein, und auch wer langsam durchfährt, kommt gleich wieder zum Ortsausgang, und es ist dabei trotzdem sehr sehenswert.

    Durchgang in Villefranche Confluent
    Durchgang in Villefranche Confluent
    Hier lebt ein Katalane
    Hier lebt ein Katalane
    Eingang nach Villefranche
    Eingang nach Villefranche
    geheimnisvolles Tor
    geheimnisvolles Tor

    Schlusspunkt und gleichzeitiges Highlight unserer gestrigen Tour war der kleine in einer Festung liegende Ort Villefranche-Confluent. Mich hat Villefranche-de-Conflent an Mont St. Michel oder den Ortskern von St. Malo erinnert. Cornelia fühlte sich hingegen nach Rothburg o.d. Tauber vesetzt. In jedem Fall ist Villefranche-de-Conflent ein in vieler Hinsicht lohnenswerter Zwischenstopp. Es ist nicht nur die Historie, die überall spürbar ist, oberhalb des Orte liegt eine von Napoleon erbaute Festung, die durch einen Tunnel und zahlreiche Treppenstufen erreichbar ist, durch den Ort fließt der PyrenäenflussesTêt. Und es gibt mehrere zu besichtigende  Höhlen. Nach einem kühlen Bier auf dem Place de la Republique geht es zurück zum Meer. Unterwegs haben wir noch an ein paar Aussichtspunkten gestoppt. Zum Sonnenuntergang saßen wir dann in Le Racou, dem kleinen Fischerort zuhause und genossen müde aber voller Erlebnisse unser Abendessen.

    Talbrücke
    Talbrücke
    Die Bergwelt der Pyrenäen
    Die Bergwelt der Pyrenäen
    Außerhalb von Font Romeu
    Außerhalb von Font Romeu
    Das Fort oberhalb von Evol
    Das Fort oberhalb von Evol
    Ein Canyon in den Pyreneen
    Ein Canyon in den Pyrenäen
    Hexe Margot
    Hexe Margot
    Noch 'ne Hexe
    Noch ‘ne Hexe
    sweet witch
    sweet witch
    gefährliche Hexe
    gefährliche Hexe
    Alte Hexe
    Alte Hexe
  • Après-Swim statt Après-Ski

    Eine Theke wie auf der Almhütte
    Eine Theke wie auf der Almhütte

    war mein erster Gedanke, als wir durch das kleine alte Fischerdorf Racou spaziert sind. Die Kneipen und Restaurants links und rechts der einzigen Ortsstraße waren bereits um 17 Uhr mit Gästen gut belegt, die dort die Zeit trinkend und geschäftig plaudernd bis zum Abendesssen verbrachten. Je später, umso voller, wurde es auf der kleinen Straße und in den anliegenden Bistros.

    Es gibt auch eine kleine Episode von Racou zu erzählen, die eigentlich typisch für die unabhängigkeitsliebenden Franzosen ist. Vor über 80 Jahren gab es den Ort noch nicht, erst im Jahre 1933 wurden erste einfache Fischerhütten errichtet. Nach dem Krieg gab es dann erste Ansiedlungen mit Ferienhäusern. Schnell wuchs der Bedarf an Ferienhäusern und mit ihm Racou.

    Der lange Strand von Racou
    Der lange Strand von Racou

    Kleine Häuser stehen direkt am Strand, große Grundstücke mit Villen sind rechts von der Dorfstraße zu finden. Zwischendrin gibt es die besagten bunt eingerichteten Bistros und da ist es, wie schon erwähnt, ab dem frühen Abend, quirlig voll. Anders als in französischen Skigebieten, wo nach dem Skifoahrn nur noch in den Restaurants ein wenig Leben ist, gibt es nach dem (Sonnen)-baden viele feiernde Menschen. Schön für uns, denn wir genießen das bunte Treiben sehr, plaudern angeregt mit holländischen Campern (die sind halt überall, mit ihren Wohnwägen), bekommen ein paar gute Insiderausflugstipps von Anwohnern und erfreuen uns an den schönen kreativen Kneipenausstattungen.

    farbenfroh eingedeckt
    farbenfroh eingedeckt

    Zurück zur Episode, jedenfalls hatten in den 70er Jahren die Bewohner von Racou die Unabhängigkeit von Argelès angestrebt. Der Versuch war nicht mit Erfolg beschieden, dennoch steht heute allerorten sichtbar derOrtsname Racou und nirgends Argelès. Wer mal hier in die Languedoc Roussilion-Gegend kommt, dem sei ein Besuch in Racou empfohlen.

    Argelès selbst besteht aus drei Stadtteilen, Port-, Plage- und Argelès-sur-mer. Letztere, die Altstadt, liegt gut zwei Kilometer vom Hafen entfernt und wartet darauf, heute Abend von uns entdeckt zu werden.

    Wandmalerei im Restaurant
    Wandmalerei im Restaurant

    Aber warten ist in dem Fall wörtlich zu nehmen, denn mit 33 Grad ist es momentan noch viel zu heiß für schweißtreibende Wanderaktivitäten.

  • Balearen ade

     

    Der Leuchtturm vor Pollença
    Der Leuchtturm vor Pollença

    Dem dominierenden Nordwind der letzten Tage ist die Puste ausgegangen, und an seine Stelle soll ein avisierter Südwind treten. Wir haben uns aufgemacht, bald wird für die nächsten 27 Stunden ein Nordkurs anliegen. Doch zuerst gilt es noch, das Kap Formentor zu runden, bevor die offene See vor uns liegt. Acht Wochen waren die Balearen unser seglerisches (und anderes) Zuhause, wir haben Mallorca umrundet, Menorca auch, und um die südlichste und kleinste Baleareninsel Formentera ging es ebenfalls einmal komplett rum. Von Ibiza haben wir nur eine Ankerbucht im Süden für uns entdeckt, aber dafür umso intensiver die Nordküste bereist.

    Ein letzter Blick zurück
    Ein letzter Blick zurück

    Schnell ging mal wieder die Zeit ins Land, wir haben viel erlebt und schön war es. Der Abschied von den Balearen, fällt nicht leicht. Auch wenn jetzt, in der Haupturlaubszeit viele Menschen unterwegs sind. Puerto Pollença bildet da keine Ausnahme, abends in der belebten kleinen Altstadt herrscht ein munteres Treiben und Stimmengewirr (und tagsüber am Strand). Im Moment läuft unüberhörbar der Motor und zerstört die morgendliche (Wind)-Stille. Die Segel sind noch aufgerollt oder beigebunden Egal, wir wollen jetzt vorankommen, 140 Seemeilen liegen vor unserem Bug. Estartit ist unser Zielhafen am spanischen Festland. Ab Freitag soll ein starker Mistral das Mittelmeer kräftig aufwühlen, der erste starke Nordwind, ungewöhnlich früh. Normalerweise bleibt man vom Mistral bis in den September hinein verschont. Aber Ausnahmen bestätigen, wohl auch hier, nur die Regel.

    Nico weiß noch nichts von “seinem Glück” der langen Überfahrt und liegt gerade lang ausgestreckt, neben meinen Füßen, rechts von unserem Kartentisch. Und hier noch ein paar Bilder aus Pollença:

    La Gola – eine Oase
    La Gola – eine Oase
    5 Minuten vom Strand
    5 Minuten vom Strand
    Warten auf die Sommergäste
    Warten auf die Sommergäste
    "Menorquins" heißen die kleinen Fischerboote
    “Menorquins” heißen die kleinen Fischerboote