Autor: Skipper Volker

  • Weiter geht’s!

    Ein prächtiger Sonnenuntergang verheißt gutes Wetter
    Ein prächtiger Sonnenuntergang verheißt gutes Wetter

    Es sieht so aus, als ob unsere Hexe verkauft ist. Gestern kam das entsprechende okay aus Spanien, und wir steigen jetzt in die Vertragsgestaltungsphase ein. Keine Ahnung, wie lange sich das so hinzieht, aber wir sind sehr optimistisch, dass wir auf einem guten Weg sind. In trockenen Tüchern ist so etwas natürlich erst, wenn 1. die Unterschrift beider Parteien unterm Vertrag ist und 2. das Geld auf dem Konto.
    Schön ist es jedenfalls zu lesen, wie sehr die Hexe den Spaniern gefallen hat. Komplimente kommen halt meistens gut an, oder? Und wie schön unser Boot ist, haben wir wirklich oft genug betont – also Schluss damit.

    Herbststimmung in LGM
    Herbststimmung in LGM

    Gestern haben wir erfahren, dass sich die Lieferung unseres Katamarans um knapp vier Wochen nach hinten verschieben wird. Ein bisschen zu meinem Leidwesen, andererseits zur Freude von Cornelia. Die hatte nämlich keine richtige Lust, im Januar, dem Mittelmeerwinter, das Boot ausgeliefert zu bekommen. Ende Februar fängt der Frühling hier an und die Chance, dass zur Probesegelzeit die Temperaturen moderater sind als im Januar, ist groß. Die neue zweibeinige Hexe soll dann hier in der Gegend exzessiv getestet werden, um anschließend die anscheinend unvermeidlichen “Kinderkrankheiten” zu beheben.

    img_4126Gestern waren wir mit Sylvia und Jürgen in einem nahen kleinen Hafenrestaurant, dem “Bourrique” zu Abend essen. Jürgen und ich haben das Fleischgericht des Hauses gewählt – ein ganzes Kilo Rinderkotelett vom Chef des Hauses höchstpersönlich am Tisch tranchiert für 2-3 Personen. Wir sind erwartungsgemäß mehr als satt geworden und lecker war es obendrein. Das Tranchiermesser war ein gut 50 Zentimeter langes Opinel-Klappmesser. Der Klappmesserklassiker mit Holzgriff schlechthin, hier in Frankreich. Cornelia und mich hat das stark an unsere Frankreichskifahrerzeit erinnert. Das Messer wird genau dort hergestellt, wo wir sonst immer zum Skifahren waren, nahe bei St. Jean de Maurienne in den Savoier Alpen. Jetzt wollen wir mal nicht die Damen vergessen, für die gab es Tintenfisch und Krustentiere. (Und aus der zweiten Hälfte des Fleischstücks hat Volker heute mittag ein Gulasch gekocht, mehr als ausreichend für uns beide!)

    hugobossDas Vendéeglobe-Rennen um unseren blauen Planeten ist spannend wie nie zuvor, täglich verfolgen wir die Positionskämpfe der Segelhelden, meistens morgens beim Frühstück. Schon jetzt wurde eine lang gehaltene Rekordzeit aus dem Jahr 2004 eliminiert. Die Rede ist von der schnellsten Zeit vom Starthafen bis zum Äquator. Alex Thomson, der englische Skipper, erreichte diese magische Linie mit seiner “Hugo Boss” bereits nach schnellen 9 Tagen, 7 Stunden und 2 Minuten. (Und das wäre mein Favorit gewesen, hätte ich mich entschlossen, das zeitraubende Spiel “Virtual Regatta” bei der Vendée Globe mitzuspielen, seitdem sagt Volker immer: “Dein Hugo Boss liegt vorne”. Und ich freue mich dann. Hier geht es zu dem Video.)
    Doch dazu demnächst mehr.

  • Ein guter Start

    Sonnenuntergang bei LGM
    Sonnenuntergang bei LGM

    mit idealen Wind- und Wetterbedingungen innerhalb der ersten vier Tage,sorgte für ein zügiges Vorankommen,des gesamten Teilnehmerfeldes der diesjährigen Vendée Globe-Regatta. Der Führende Armel le Cleach mit seiner Banque Populaire hat in vier Tagen bereits 1.200 Seemeilen im Kielwasser und befindet sich zwischen Madeira und den Kanaren, die auch als taktische Schlüsselstelle zählen für den weiteren Rennverlauf. Zwischen dem Erst- und dem Acht-Platzierten liegen gerade mal 64 Seemeilen Distanz. Es war also bisher eine sehr enge und manöverreiche Wettfahrt im vorderen Führungsfeld. Nur kann man schon jetzt wohl von einer Dominanz der Schiffe sprechen, die mit Foils ausgerüstet sind. Das war so im Vorfeld nicht absehbar, von den acht Bestplatzierten sind sechs teilnehmende Yachten mit Foils ausgestattet. Ein klares Signal für die Zukunft, wenn, ja wenn die Foils bis ins Ziel durchhalten und keine Materialschwächen auftreten. Zahlreiche Videos mit Live-Kommentaren vor Ort bringen uns die Segelbilder auf den heimischen Bildschirm.
    Bei uns wird jetzt morgens immer erst einmal die Vendeeglobe.org website aufgerufen und nach den neuesten Entwicklungen der vergangenen Rennnacht geschaut.

    Nico, sturmumtost
    Nico, sturmumtost

    Ansonsten ist alles gut an Bord. Gestern morgen hatten wir einen kurzfristigen Wintereinbruch mit nasskalten 3°, aber heute im Tagesverlauf ist das Thermometer wieder auf anständige 16° geklettert. Jetzt, heute abend, pfeift der Wind ums Boot, das will er die ganze Nacht noch tun, morgen ab zehn Uhr soll er nachlassen.

  • Zwei Seelen wohnen, ach …

    Abendsonne-Spiegelungen an Deck der Hexe
    Gelcoatglanz mit Abendstimmung

    Wir sind gerne auf unserer Hexe, das haben wir immer versucht, in unseren Blogbeiträgen zu vermitteln, weil das genau so der Fall ist. Doch unsere Tage im Mittelmeer sind gezählt. In Darmstadt warten noch so viele Dinge darauf, erledigt zu werden. In Südfrankreich schreitet der Bau unseres Katamarans immer weiter voran. Für unsere jetzige Hexe kommen am Wochenende Kaufinteressenten aus Spanien. Wir freuen uns schon darauf, unser schönes Schiff zu präsentieren.

    Shoe shine
    Shoe shine

    Es wird Zeit, finale Entscheidungen zu treffen, oder, wie man so sagt, “Nägel mit Köpfen zu machen”, bevor unsere Reise im Februar mit neuem Katamaran weitergeht. Weiter gehen im wörtlichen Sinne, raus aus dem Mittelmeer, hinein in den Atlantik. Aber der letzte Satz ist noch Zukunftsmusik. Ein Teil unserer Habe haben wir schon vom Schiff geholt, in Kisten verpackt und bei der Katamaranbauwerft abgestellt. Vieles wird noch folgen. Wenn unsere Dehlerhexe jetzt nicht verkauft wird, lassen wir sie in 14 Tagen nach Holland transportieren. Aber auch das ist Aufwand, der Mast muss gelegt und verpackt werden, das Spritzverdeck muss runter, der Geräteträger muss auch abgebaut werden, innen drin muss alles doppelt und dreifach sicher gestaut werden, damit bei dem Rücktransport per LKW über die Straße bloß nichts beschädigt wird. Da das Ganze wegen der Breite und Höhe unseres Schiffes als Schwertransport mit Begleitfahrzeugen eingestuft wird, dauert die Rückfahrt nach Holland drei Nächte. Denn gefahren werden darf nur nachts.

    Hexymama mit Hund
    Hexymama mit Hund

    Einfacher wäre es natürlich, hier vor Ort unsere jetzige Hexe zu verkaufen. Aber, so ganz ehrlich gesprochen, fällt es uns auch nicht leicht, die Hexe herzugeben. Wir haben uns schon sehr an unser flottes schwimmendes Zuhause gewöhnt und unendlich viel Positives damit erlebt. Wie mir die Zweirumpfsegelei allgemein gefallen wird, kann ich momentan noch nicht definitiv sagen. Klar ist der Wohnraum üppiger und es gibt keine Schräglage. Wie es hingegen um die eigentliche “Sensation des Segelns” steht, wird sich noch rausstellen. So das sportliche “Rumcruisen” mit unserer Hexe ist schon der Knaller. Der oder die potenziellen Käufer werden daher von unserer Dehler 41 sicher nicht enttäuscht werden – egal ob sie nun hier in Südfrankreich oder später in Holland den Besitzer wechseln wird.

  • Einmal um die Welt

    über 24.000 Seemeilen, nonstop, auf extremen Rennsegelyachten, mit nur einem Segler an Bord. Alle vier Jahre ist es soweit, heute startet im französischen Les Sables d’Olonne das Vendée Globe Race, eine Einhand-Regatta, die die 29 teilnehmenden Segler in ihren Yachten nonstop um die Erde führt. Die schnellsten werden nach gut zweieinhalb Monaten auf See die Erde umrundet haben und die Ziellinie, wiederum vor Les Sables d’Olonne kreuzen. Es wird sicher wie bei jeder Auflage dieses Hochseeklassikers zahlreiche Ausfälle geben, die meisten aufgrund technischer Schwierigkeiten.

    Plakat in Palavas
    Plakat in Palavas

    Die Vendée Globe gilt als die härteste Regatta der Welt und wird auch gerne als der “Mount Everest” des Segelns bezeichnet. Sicher nicht ganz zu unrecht, denn ein großer Teil der Strecke, den die Segler absegeln müssen, befindet sich im sturmumtosten Südpolarmeer, zudem sind, zumindest die Boote der Favoriten, extrem hochgezüchtet. Erstmalig in der Geschichte der Vendée Globe sind sieben der teilnehmenden Yachten mit seitlichen Tragflächen, den sog. Foils ausgestattet, die die Rümpfe fast zur Gänze aus dem Wasser heben. Diese Technik führt zu extremsten Belastungen, zum einem an den Stellen, an denen die Foils an den Rümpfen befestigt sind, zum anderen aber auch beim Skipper selbst. Durch die Foils werden die Boote so nervös und trimmsensibel, dass schon kleinste Einstellungsfehler, beispielsweise zuviel Segelfläche, gravierende Folgen haben können und das Schiff damit kurzfristig unbeherrschbar machen. Man kann diesmal also sehr gespannt sein, wer am Ende des Rennens die Nase, oder besser gesagt, den Bug vorne hat, die Teilnehmer mit Foils, oder die “Traditionalisten”. Theoretisch berechnet sollen die Foils einen Vorteil von maximal 50 Seemeilen am Tag, bei viel Wind, erbringen.
    Egal, wer gewinnt, im segelbegeisterten Frankreich, wird jeder als Held verehrt, der es bis zur Startlinie schafft, und den Mut hat, teilzunehmen. Es werden auch diesmal wieder mehr als 300.000 Menschen zum Starthafen in Les Sables d’Olonne pilgern und die Hochseehelden gebührend verabschieden.

    Wer vom Trockenen und warmen Zuhause aus, das Rennen mitverfolgen möchte, sollte sich die Veranstalterwebsite www.vendeeglobe.org/en/ regelmäßig anschauen. Dort gibt es täglich zahlreiche Berichte zu lesen und Livefilme von Bord der Teilnehmer zu sehen.

    Schade ist nur, das es wieder kein deutscher Teilnehmer, trotz einiger löblicher Versuche, an die Startlinie geschafft hat. Vielleicht würde sich mit einem deutschen Teilnehmer der Fokus der heimischen Presse endlich mehr auf dieses wirklich spannende Segelereignis richten.

    Der Hexenkatamaran wächst weiter
    Der Hexenkatamaran wächst weiter
  • So viele Gebrauchtboote

    Der rote Teppich lädt ein…
    Der rote Teppich lädt ein…
    Die bunten Fahnen wehen
    Die bunten Fahnen wehen

    Alle Jahre wieder, in 2016 bereits zum 17. Mal, fand der Salon Nautique in Cap d’Agde statt. Eine Gebrauchtbootmesse mit über 500 Yachten, die von Yachtmaklern und Endkunden gleichermaßen zum Verkauf angeboten werden. Die Schiffsgrößen variieren dabei ebenso wie die Preise. So wurden kleine Motorboote für wenige tausend Euro und richtig große Segel- und Motoryachten für über eine Million Euro feilgeboten. An den fünf Messetagen pilgerten über 50.000 Wassersportinteressierte über die Stege und bewunderten die Schiffe, die, sicher vertäut am Steg  denoch schwimmend in ihrem Element, auf neue Besitzer warteten.

    Blöcke
    Blöcke und anderes Zubehör
    Taschen wie Christiane sie auch näht
    Taschen wie Christiane sie auch näht
    Die Schönheiten gab es auch zu bewundern
    Die Schönheiten gab es auch zu bewundern

    Aber nicht nur auf dem Wasser wurde den Besuchern viel dargeboten. Auch an Land gab es zahlreiche Aussteller. Außenbordmotoren, Seglerbekleidung, Yachtzubehör, Mastenbauer, Segelmacher, Elektronikspezialisten, die französische Rettungsgesellschaft, sozusagen das ganze maritime Leistungsspektrum war in Hallen oder mit kleinen Zelten vertreten.

    maritimer Trödel
    maritimer Trödel

    Für echte Schnäppchensucher gab es zudem einen Segelzubehörflohmarkt. Wir haben die die französische Rettungsgesellschaft unterstützt und zwei großformatige Badehandtücher gekauft. Wie meinte doch die Capitania sicherlich nicht ohne Hintergedanken, “wenn ich damit im Seenotfall winke, werden wir schneller gerettet” -:)

    Angeln in allen Ausführungen
    Angeln in allen Ausführungen

    Ja, jetzt sind wir praktisch drei Tage lang über die Stege mit den Verkaufsangeboten gebummelt und es sind tatsächlich einige Schiffe verkauft worden, und das Schild mit “à vendre” wurde gegen ein “vendu”-Schild ausgetauscht – jeden Tag ein paar mehr. Gestern Mittag haben wir erstmalig live zugeschaut, wie eine Rettungsinsel aktiviert wurde. Ich habe das gefilmt und es ist beruhigend zu sehen, wie schnell sich dieses überlebenswichtige Rettungssystem aufbläst und bereit zum Einstieg ist. Wer will, kann sich hier den Film mit dem launigen Kommentar des französischen (kettenrauchenden) Radiomoderators ansehen.

    Heute um 18 Uhr hat der Gebrauchtbootsalon seine “Türen” geschlossen und morgen werden dann wohl die meisten ausgestellten Boote in ihre jeweiligen Heimathäfen zurückkehren.

    Monster!
    Monster!
    Monster?
    Monster?

    Halloween hat sich übrigens auch allerorten in Frankreich durchgesetzt und wird gefeiert. Große und kleinere Monsterchen, Hexen und Draculas zogen durch die Geschäfte auf der Hatz nach Süßigkeiten. Ein sprachlicher Gleichlaut brachte mich dabei völlig aus dem Konzept. Das französische Wort für Schwester ist “soeur” lautsprachlich Sör, und das Wort für Fluch oder Zauberspruch ist “sort”, und wird nahezu gleich ausgesprochen. Nur mit einem kaum hörbaren “T” am Ende, ansonsten wie die “Schwester”. Als jetzt die kleinen Monster in die Kneipe kamen und das bei uns bekannte “Süßes oder es gibt Saures”- “douces ou sort” riefen, kam das bei mir an wie “Süßigkeiten oder Schwester.” Meine Bemerkung, das man dann die lieben Kleinen mal nach dem Aussehen ihrer Mütter befragen sollte, wenn sie sich ein Schwesterchen wünschen, sorgte für schallendes Gelächter und brachte mir die Bermerkung der Wirtin ein, dass doch alle MÄNNER gleich seien. Die sprachliche Richtigstellung erfolgte unmittelbar. Solche kleinen Fettnäpfchen, lauern wohl in jeder fremden Sprache und eins hat gestern für mich da gestanden…

  • Die Capitania

    Keine Welle und ein schöner Wind – der Skipper ist glücklich
    Keine Welle und ein schöner Wind – der Skipper ist glücklich

    hat vorgestern kein Logbuch geführt (das stimmt so nicht, es ist nur megakurz ausgefallen, weil erst nix los war, und dann viel Wind und nach der Ankunft gab es soviele andere Dinge zu tun ;-)) und deswegen auch keinen Blog geschrieben und somit unseren treuen Lesern einen perfekten Segeltag so mir nichts, dir nichts, unterschlagen. Wie kann das sein? War es etwa Absicht, hat sich bei Cornelia der Schlendrian eingeschlichen oder war sie schlicht und einfach zu sehr mit der Schönheit des Segelns beschäftigt? Ich persönlich glaube, dass Letzteres der Fall war, auf mehrmalige Nachfrage gab es jedenfalls keine zufriedenstellenden Antworten. Ablandiger Wind, zwischen 3 und 6 Windstärken und ein direkter Anliegerkurs ohne großen Manöverstress, dazu ein tiefblauer Himmel und spiegelnder Sonne im ebenso blauen Meer. Eben ein perfekter Segeltag.

    Kurz nach Sonnenuntergang über Gruissan
    Kurz nach Sonnenuntergang über Gruissan

    Egal wie, seit zwei Tagen sind wir im sicheren Hafen von Gruissan, der vom äußeren Erscheinungsbild sich nicht viel von Cap d’Agde, Canet en Rousillion oder Argeles unterscheidet. Praktische Betonkultur für möglichst viele Wohneinheiten, mit zahlreichen Restaurants und Modegeschäften im Parterre. Nur entgegen den Sommermonaten wirkt das Ganze jetzt reichlich ausgestorben. Die meisten der gut 1.000 Yachten im Hafenbecken liegen ebenfalls verlassen da. Scheinbar zieht es die Franzosen in ihren Herbstferien zu anderen Destinationen hin.

    Olivenöl und lokale Leckereien
    Olivenöl und lokale Leckereien

    Wie gut, dass es in ca. einem Kilometer Entfernung noch das historisch-gewachsene Gruissan mit seiner pittoresken Altstadt gibt. Aber auch hier gilt, abends ist dort der Hund begraben. Nur am heutigen Markttag sind die Straßen bevölkert, und die zahlreichen Stände von kauflustigen Menschen umgeben. Die Capitania hat einen guten Schnapp gemacht und ein schönes Sommerkleid, das zudem noch “made in France” ist, für einen attraktiven Preis ergattert.
    Nach dem Sommer ist halt vor dem Sommer und so ist sie modisch in jedem Fall schon mal gerüstet.

    Prost!
    Prost!

    Damit der Einkaufsbummel dann auch ein wirklich perfekter wird, sind wir auf dem Rückweg bei der hiesigen Weinkooperative vorbeigebummelt. Dort gibt es unter anderem regionalen Corbière für günstige 1,75 € je Liter, der samstägliche Andrang an Weinkennern war beträchtlich. Rot, Weiß, Rosé, abgefüllt in kleine Plastikkanister zur Mehrfachverwendung. Beim Wein hat sich in Frankreich, zumindest teilweise, das Mehrwegsystem durchgesetzt, super.

    Windstille heute früh
    Windstille heute früh

    Gerade eben hat ein schwacher Ostwind eingesetzt, wenn der sich stabilisiert, gehen wir später ein bisschen segeln.
    Beste Wochenendgrüße von uns an Euch!

  • Der letzte Monotörn

    26. Oktober 2016, Mittwoch, Baro 1020, leicht bewölkt, Wind N 3
    La Grande Motte 10:10 – Sète 14:30, 20 sm

    Inschrift am Leuchtturm von Paul Valery
    Inschrift am Leuchtturm von Paul Valery

    Nach über 14 Tagen an Land haben wir heute morgen endlich wieder die Leinen gelöst und sind unterwegs nach Süden. Trotz des starken Winds der letzten Tage, der bis gestern morgen noch wehte, hat der eine Tag gemügt, um das Meer zu beruhigen. Es liegt glatt und friedlich voraus, ein sachter Wind weht aus Nord. Unzählige Fischerboote hoffen auf reiche Beute. Herbstzeit ist Fischzeit im Mittelmeer. Der rote Thunfisch zieht in Schwärmen vom Altlantik ins Mittelmeer. Und wir cruisen ganz entspannt mit “frisch renovierten” Segeln über die  spiegelglatte Wasseroberfläche. Es fühlt sich fast an, als würde unsere Hexe schweben, namensmäßig entsprechend.

    italienische Farben…
    italienische Farben…

    Wir sind entspannt, der Hund ebenso, das Ziel ist nicht so wichtig, Hauptsache segeln. Irgendwann dreht der Wind weiter achterlich und kommt schließlich soweit von hinten, dass wir unseren farbenfrohen Spinnaker hissen. Leichtwindsegel müssen bunt sein unserer Meinung nach, je bunter, desto besser. So ein buntes Segel erheitert das Gemüt. Das Wort “farbenfroh” trifft es wohl am besten. Die “italienischen” Farben unseres Spinnakers erfreuen uns jedesmal, wenn wir das Segel mit dem Spifall nach oben ziehen und es sich farbenvoll entfaltet. Langsam, aner nicht zu langsam geht es unserem gewählten Tagesziel entgegen.

    Schmutz im Hafenbecken
    Schmutz im Hafenbecken

    Um kurz vor drei Uhr ist auch der letzte Windhauch vorbei und die Hafeneinfahrt von Sète liegt passend vorm Bug. Ein Liegeplatz ist schnell gefunden. Am frühen Abend machen wir uns auf und wandern nach oben zum Leichtturm, durchstreifen anschließend die weitläufige Altstadt und flanieren schließlich am Stadtkanal entlang. Schlussendlich finden wir die kleine Kneipe nahe bei den Fischhallen wieder, die schon bei unserem letzten Besuch in Sète einen Besuch wert war. Der Wirt ist derselbe wie beim letzten Mal. Die 80er Jahre Hits, die aus den Lautsprechern dröhnen, animieren zum Mitsummen und die Getränkepreise sind mehr als moderat. Ein Ricard und ein Wein kosten gerade mal viereurofünfzig, zusammen. Günstig.

    Abendhimmel
    Abendhimmel

    Haben wir schon vom roten Regen der letzten Tage geschrieben? Vor zwei Tagen hat Wetteronline.de von einer Saharastaubwolke über Südfrankreich gewarnt. Und mit jedem Regenschauer, gestern wie heute, wurde unser Schifflein rot beregnet. Für die nächsten Tage ist Schluss mit Regen und deswegen haben wir heute nach unserer Ankunft in Sète das ganze Boot inklusive Segel supergründlich geschrubbt. Morgen schippern wir ein bisschen weiter, je nach Wind vielleicht nach Gruissan oder nach Cap d’Agde.

  • Der Herbstwind singt sein Lied

    Trotz sieben Windstärken ist der Strand voll
    Trotz sieben Windstärken ist der Strand voll

    und das nicht leise, sondern laut. Unüberhörbar sozusagen. Seit mehr als 48 Stunden weht es mit Sturmstärke aus Südost und Böen mit bis zu vierzig Knoten pfeifen um die Masten herum. Hexentanz im Hafen ist angesagt. Kalt ist es dabei nicht, 18 bis 20 Grad zeigt die Quecksilbersäule Tag und Nacht an. Tag und Nachtgleiche eben.

    img_3657Beim Sonnenauf- bzw. Untergang kann von Gleichheit keine Rede mehr sein. Erst nach 8 Uhr morgens wird die Sonne im Osten sichtbar und um 19 Uhr isrt es schon wieder duster. Aber im Moment ist der gelbe Planet eh nicht sichtbar und verbirgt sich den lieben langen Tag hinter den Wolken, und alles wirkt grau in grau. Dafür geht es am Strand umso bunter her.

    img_3658Zahlreiche Wind- und Kitesurfer zeigen ihr Können. Und manch ein Könner verlässt für einige Sekunden das Wasser und fliegt mit seinem Schirm hoch durch die Luft. Nicht nur junge Menschen begeistert diese Sportart. Nahezu alle Altersklassen sind auf dem Wasser zu finden. Bedingt durch den starken Wind werden überwiegend kleine Schirme, die sog. Kites, zwischen 7 und 9 Quadratmetern verwendet. Ich bin immer wieder überrascht, dass so ein relativ kleiner Kite soviel Kraft und Vortrieb entwickeln kann.

    … und ergießen sich über den Weg
    … und ergießen sich über den Weg
    Die Wellen schlagen gegen den Beton…
    Die Wellen schlagen gegen den Beton…

    Cornelia hingegen war gestern leider ein bisschen malade und lag mit Übelkeit auf dem Sofa. Auch Freund Wolfgang war vor zwei Tagen kurzfristig außer Gefecht gesetzt. Wir spekulieren ergebnisoffenn und spaßeshalber, ob es sich um ein französisches oder mitgebrachtes deutsches Virus handelt. Als Wolfgang davon betroffen war, hatten wir erst die rohverzehrten Meeresfrüchte im Verdacht, die nur er gegessen hatte. Inzwischen geht es beiden glücklicherweise wieder gut.

    Die Wellen schlagen gegen den Beton…
    Die Wellen schlagen gegen den Beton…
    … und ergießen sich über den Weg
    … und ergießen sich über den Weg

    Ab Mittwoch soll sich die Wettersituation endlich grundlegend zum Besseren hin entwickeln und wir wollen segeln gehen.

  • Die Vega

    ist der Hauptstern im Sternbild der Leier und bedeutet, aus dem arabischen übersetzt, soviel wie “herabstürzender Adler”. Aufgrund der Veränderungen der Erdachse war die Vega vor gut 14.000 Jahre der Polarstern. Die Vega wurde von Astronomen ausgiebig untersucht und beobachtet und ist dank ihrer großen Helligkeit, der fünthellste Stern an unserem abendlichen Sternenhimmel.

    verschiedene Stoffe stehen zur Verfügung
    verschiedene Stoffe stehen zur Verfügung

    Vega Voiles (Voiles –  französisch für Segel) ist die regionale Segelmacherei im nahegelegelegenen Grau du Roi. Zwei Mitarbeiter aus der Segelmanufaktur hatte ich bereits im Frühjahr bei der Ausfahrt mit dem Renntrimaran kennengelernt. Auf der Rückfahrt von der Côte d’Azur ist ein Mastrutscher aus dem Großsegel rausgerissen, wegen der extremen Schaukelei bei Windstille und bei unserem ersten Rückfahrtversuch von Marseille nach Land Grand Motte hat eine sog “weisse Böe” den UV-Schutzstreifen von unserem Vorsegel zerissen.

    Die CAD-Maschine
    Die CAD-Maschine schneidet…

    Die Jungs von Vega Voiles waren schnell zur Stelle und haben die Segel abgeholt. Rechtzeitig zu unserer Rückkehr von Deutschland waren die Segel abholbereit und fachkundig repariert. Bei der Abholung gab es eine ausführliche Betriebsführung, denn Vega Voiles repariert nicht nur Segel, sondern stellt alle Segel in Grau du Roi selbst her. Das ist nun wirklich etwas besonderes in der europäischen Segelmacherlandschaft, denn fast alle Segelhersteller haben ihre Produktion ausgelagert und lassen die Segel in China anfertigen.

    Ein scharfes Messet schneidet die Segel zu
    …mit einem scharfen Messet die Segel zu

    Vega Voiles deckt selber alle Fertigungsbereiche ab, d.h. vom aufwändig verarbeiteten Segel für den Fahrtensegler bis hin zum Hightechsegel aus Carbonfasern für den Regattafreak, alles wird am “heimischen” Computer geplant und auf der CAD-Schneidemaschine zugeschnitten, um anschließend auf dem sogenannten Segelmacherboden vernäht zu werden.

    Der Segelmacherboden
    Der Segelmacherboden

    Der Segelmacherboden ist eine große Holzfläche mit Ausschnitten, in die der Segelmacher einsteigt, um von dort aus die Nähmaschine zu bedienen. Wer jetzt denkt, dass die Segel von Vega Voiles, weil “Made in France” teurer sind als der Chinaimport, der irrt sich. Ich habe einige Preisbeispiele erhalten und war positiv erstaunt! Gut und günstig geht anscheinend auch hier.

    Der neue UV-Schutzstreifen geht in den grauen Sturmhimmel über La Grande Motte über
    Der neue UV-Schutzstreifen geht in den grauen Sturmhimmel von La Grande Motte über
  • Bullenrennen

    im Aufbau
    im Aufbau

    Der Bau unseres neuen Katamarans schreitet mit großen Schritten voran. Rumpf und Deck sind zusammengesetzt. Die Motoren, einer im linken und einer im rechten Rumpf, sind schon eingebaut, unzählige Kabel sind in Rohren verlegt, zahlreiche fleißige Werftmitarbeiter wuseln auf dem neuen Schiff herum. Ausgeliefert wird Ende Januar oder Anfang Februar, nächsten Jahres. Eine spannende Zeit für uns. Keden Tag gibt es irgendetwas zu entscheiden.

    Freund Wolfgang passt gerade so durch die Stäbe hindurch
    Freund Wolfgang passt gerade so durch die Stäbe hindurch

    Ein ganz anderes Erlebnis der besonderen Art hatten wir heute in Aigues-Mortes, dieser mittelalterlichen Stadt in der Camarque, über die wir schon mehrfach berichtet hatten. Heute gab es dort ein Spektakel, das wir so noch nicht gesehen hatten. Überall an Kreuzungen in der Innenstadt standen Absperrgitter, allerdings mit so großem Gitterabstand, dass Menschen durchschlüpfen können. Zudem hingen an allen Ecken Lautsprecher und eine aufgeregte Männerstimme kommentierte irgendein Ereignis. Anfänglich wussten wir nicht so recht, was vor sich ging. Dann wurde die Lautsprecherstimme noch eine Spur aufgeregter, dann kam  plötzlich Hufgeklapper.

    Die Reiter haben den Stier in der Mitte
    Die Reiter haben den Stier in der Mitte

    Drei cowboyähnliche Reiter stürmen im wilden Galopp, mit einem freilaufenden Stier in der Mitte durch die historische Altstadt. Die Zuschauermenge stiebt auseinander und sucht Schutz vor dem herannahenden Reitertross. Kurze Zeit später folgen die nächsten Reiter, alle mit einem schwarzem Vollblutstier in der Mitte. Bei dem Stiertrieb dirch die Stadt handelt es sich wohl um ein langjähriges traditionelles Ereignis, das an drei Wochenenden hintereinander im Oktober stattfindet. Die Reiter stellen dabei ihr Können unter Beweis. Uns erinnerte es ein wenig an eine Cowboyshow. Manchmal hat der Stier seinen eigenen Weg gesucht und ist auf nicht rechtzeitig abgebogen, wobei besonders mutige Jugendliche mit aisgebreiteten Armen versuchen, den Stier in die richtige Richtung zu dirigieren.

    Die Stadtmauer
    Die Stadtmauer
    Der ausgebüchste Stier
    Der ausgebüchste Stier

    Um 19 Uhr war das Spektakel vorbei, die Dorfbevölkerung ist zum nächsten Programmpunkt gepilgert und wir sind zurückgefahren nach La Grande Motte.