Autor: Skipper Volker

  • Aufräumtag

    Das Bücherregal
    Das Bücherregal

    Fast jeder kennt das, der erste Umzug aus dem elterlichen Haus, rein in die Wohngemeinschaft, oder in die kleine Einzimmerwohnung. Viel gibt es nicht, viel braucht man nicht. Alles, was einem gehört, passt in den Kombi oder maximal in den VW-Bus. Die Leichtigkeit des Seins, weniger ist mehr, leere Räume sehen ja auch besser aus als vollgestellte. Über die Jahre kommt dann doch so einiges an lieb gewonnenen Gegenständen hinzu, Dinge, die das Leben leichter machen – Gegenstände, die den einst leeren Raum voller machen.

    So, oder zumindest so ähnlich, ergeht es uns. Jetzt sind wir über 18 Monate unterwegs, überwiegend zumindest, und so langsam füllen sich die Ecken und letzten Stauräume unserer Hexe. Viel freien Platz gibt es nicht mehr und vor jedem Ablegen muss einiges und immer mehr seefest verstaut werden. Das Bücherregal quillt über, unser kleines “Schuhfach” beherbergt mittlerweile über 10 Paar Schuhe und Sandalen, die Ablagen im Bad waren überfüllt mit mehreren Sonnencremeflacons, vier Zahnpastatuben, mehreren Mückensprays sowie zahlreichen Duschshampoos. Auf den Seitenablagen im Salon ging garnichts mehr. Insgesamt sieht das Gesamt-Ensemble ja auch nicht mehr so schön aus, wenn alles vollgestellt ist und es entspricht auch ganz sicher nicht dem Ansinnen des Bootsinnendesigners.

    Auch im Medikamentenschrank ist es jetzt übersichtlicher
    Auch im Medikamentenschrank ist es jetzt übersichtlicher

    Zeit zum Handeln also, dachte die Capitania und hat in stundenlanger Kleinarbeit alles mögliche umgeräumt, umverteilt, aussortiert, weggeworfen und Schönes wieder sichtbar gemacht. Was für ein Unterschied. Klar sind die Schuhe oder Medikamente und andere Dinge nicht weniger geworden. Aber vieles ist aus dem Blickfeld verschwunden und die eigentlich sehr schöne Inneneinrichtung kommt wieder zur Geltung.

    La Fête commence…
    La Fête commence…

    Gestern waren wir bei Outremer, der ortsansässigen Katamaranwerft, zur Übergabefeier eines neues Katamarans an ein östereiches Paar, von ebendiesem Paar eingeladen. Zusammen mit der ganzen Werftbelegschaft umd den stolzen Eignern haben wir einge schöne Stunden verbracht. Ein Cateringservice hat Spanferkel und Lamm am Spieß zubereitet, Wein gab es reichlich dazu und das freudige Ereignis wurde gebührend gefeiert. Es war ein großartiges Fest – und alle Beteiligten waren offensichtlich stolz, etwas  zu dem Gelingen des Projekts beigetragen zu haben.

    Ein musikalischer Stuhl in der Kunstausstellung in der Capitainerie
    Ein musikalischer Stuhl in der Kunstausstellung in der Capitainerie

    Für morgen sind heiße 30 Grad vorhergesagt umd vielleicht lädt das noch kühle Nass zu einer Eröffnung der diesjährigen Badesaison ein.

    Inzwischen machen wir jeden Tag die verordneten Dehnübungen, damit sich Rückennervblockade bei Cornelia löst. Ich zieh ihr, zum Beispiel, während sie auf dem Rücken liegt, die Beine lang (nicht die Hammelohren, hihi), die Capitania übt sich in anderen Schon- oder Streckhaltungen und wir hoffen, dass das Ganze auf einem guten Weg ist. Nur Bilder von dem ganzen Dehnübungsteil gibt es keine, das sieht dafür doch teilweise zu seltsam aus.

    Sonnenuntergang mit der "Grande Pyramide!
    Sonnenuntergang mit der “Grande Pyramide”!
  • Dies und das

    Katamaran-Name: "Mehr als eine"
    Bezeichnender Katamaran-Name: “Mehr als eine”

    Was soll man schreiben, wenn nicht ganz so viel passiert? Wenn die Tage relativ gleichförmig sind? So gleichförmig wie das Wetter, mittlerweile, endlich. Die Sonne scheint seit Samstag vom wolkenlosen Himmel, die Quecksilbersäule pendelt sich tagsüber bei komfortablen 25 Grad ein, nachts ist es mit 14 Grad angenehm kühl. Am langen Pfingstwochenende waren die umliegenden Strände und die Uferpromenaden gut gefüllt mit Erholungssuchenden.

    Doch nicht alle Betriebe standen am Pfingstmontag still. Seit einigen Jahrzehnten gilt der Pfingstmontag als Tag der Solidarität in Frankreich. Wer an diesem Tag arbeitet, tut etwas Gutes – nicht für den Firmeninhaber, sondern für bedürftige Menschen in Altersheimen und Hospizen. Die Arbeitgeber leiten den Lohn des Arbeitnehmers für diesen karitativen Werktag weiter – eine gute Idee.

    Abendstimmung
    Abendstimmung

    Gestern Abend waren wir auswärts essen, wie man so schön sagt. Auswärts betont in dem Fall nur, dass der heimische Herd oder Grill kalt bleibt. Nicht die Entfernung zum nächsten italienischen Restaurant, das liegt keine 100 Metter weg, hat dafür aber einen seltsam anmutenden Namen. Es heißt “La Cosa Nostra” und wer denkt dabei nicht an die Mafia. Als wir dann auf der Speisekarte noch eine Pizza “Vendetta”, Blutrache, entdeckten, ging beinahe die Fantasie mit uns durch. Trotz der seltsamen Namen war das Essen ausgezeichnet. Besonders hervorzuheben waren die Miesmuscheln von Cornelia in einer Sahne-Käse-Wein-Soße und mein Dessert, ein Mousse-au-Chocolat. Letzteres fast so gut wie das von Ute, aber eben nur fast.

    Heute waren wir mit Nico am Strand und der hat sich ganz tapfer ins kühle Nass des Mittelmeers hineingelegt. Danach allerdings hat die Capitania unsere Mailadressen und unseren Server erfolgreich (?) aktualisiert. Leider sind dabei meine ganzen alten Mails und Mailadressen im Datennirwana verschütt gegangen. Die Capitania ratlos (Mist!), der Skipper schlecht gelaunt. Grrrrrr… Wer also in den nächsten Wochen Mails mit mir schreiben will, macht daher am besten mal den Anfang und schreibt mir eine. (Wir beantworten sie auch alle!)

  • Tolle Jolle

    Coxiella Einsatzbereit!
    Coxiella einsatzbereit!

    Dicke Staubschichten, abgelaufener TÜV und platte Reifen am Anhänger mussten erstmal sozusagen “beseitigt“ werden, bevor der Ausflug mit unserer flotten Jolle beginnen konnte. Knapp zwei Wochen segelfreie Zeit haben ihre Spuren bei uns hinterlassen  und zwei Jahre segelfreie Zeit die ihren beim Material. Ein frischer Ostwind, reichlich Sonne und steigende Temperaturen taten den Rest. Es war mal wieder an der Zeit zu segeln, An der Zeit, die lange eingemottete Segeljolle ans Tageslicht zu ziehen und aufzuriggen. Das Meer ist weit weg, der Rhein mit seinen Altrheinarmen lockt in erreichbarer Nähe.

    Nico sucht sich einen sicheren Platz
    Nico sucht sich einen sicheren Platz

    Unser schwimmendes Gefährt ist eine Jolle. Also ein Boot mit Segeln und aufholbarem Schwert, das qua Definition nicht gewichtsstabil, sondern formstabil ist. Was bedeutet das in der Praxis? Gewichtsstabil, wie bei unserer Hexe bedeutet, dass das Schiff nicht umkippen kann, weil ein schwerer Kiel darunter hängt. Zumindest theoretisch. Formstabil bedeutet, dass das Boot so gebaut ist, dass die Form des Rumpfes ein Umkippen verhindern soll und die Segler ihr Körpergewicht mit einsetzen müssen. So weit, so gut. Unsere “Javelin“ ist, wie schon eingangs geschrieben, eine sehr flotte und sehr arbeitsintensive Jolle mit reichlich Segelfläche und garantiertem Spaßfaktor.

    Ein glücklicher Segler
    Ein glücklicher Segler

    Spaßfaktor deshalb, weil man damit meistens mühelos an jedem anderen Boot vorbeisegelt. Obwohl das mit dem mühelos auch wieder so eine Sache ist. Denn dafür muss man sich ganz schön bewegen. Bewegen, um nicht zu kentern und ständig an den Schoten rumtrimmen, damit es fix vorangeht.

    Ein ideales Gefährt für Binnenreviere, auf denen der Wind nicht so frisch wie auf dem Meer weht, sonderrn vielfach von Bäumen oder Gebäuden gebremst wird. Auf dem Wasser war an diesen Tagen alles unterwegs was es als Wassersportgefährt so gibt. Motorboote klein und groß, Tretboote, Surfer, die landestypischen Angelkähne, jede Menge Kanuten, Gummiboote und Segelschiffe.

    Eine Bratwurst tut gut nach einem anstrengenden Tag
    Eine Bratwurst tut gut nach einem anstrengenden Tag

    Nach drei Tagen Seesegeln, im wahrsten Sinne des Wortes, schmerzen einige Muskeln, die anscheinend lange nicht eingesetzt wurden. (Ich wusste gar nicht, dass man an den Knien so viele Muskeln haben kann, die einen Kater haben. Am letzten Tag bin ich froh, als der Steuermann sagt, wir müssten jetzt langsam zurück, weil wir abends eingeladen waren, lange hätten meine Knie und mein Po das auf den harten Planken nicht mehr mitgemacht…) Wir packen alles wieder zusammen, d.h. Segel, Schoten und Fallen abschlagen, den Mast legen, die Jolle mitsamt dem Slipwagen auf den Anhänger ziehen, alles verkehrssicher verzurren und verstauen, zum Schluss noch die Elektrik vom Anhänger am das Zugfahrzeug anschließen, insgesamt rund eine Stunde Rumwurschtelei.

    Zum Klassenerhalt: Liliensekt!
    Zum Klassenerhalt: Liliensekt!

    Und am Ende der Tage werden wir belohnt: Zur Feier des Verbleibs der Lilien in der 1. Bundesliga grillen wir mit den lieben Nachbarn und stoßen mit Liliensekt auf den Klassenerhalt an.

  • Die letzte Woche

    Eine Woche ist es jetzt schon her, dass wir den langen Rückweg nach Darmstadt angetreten haben. Acht Tage weg vom Boot und weg vom Meer. Dabei sind wir noch einen Tag vor der Abreise in eine gefühlt weit zurückliegende Zeit eingetaucht. Genauer gesagt, haben wir mit Patrick und Annett, einem deutschen Seglerpaar, die mittelalterliche Stadt Aigues Mortes besichtigt. Der alte Innenstadtkern ist von einer hohen Festungsmauer umgeben und die jahrhundertalte Geschichte von Aigues Mortes ist überall spür- und sichtbar. Außerhalb des steinernen Befestigungswalls gibt es einige schiffbare Kanäle und das Panaorama erinnert uns ganz stark an Holland. Masten und Bootskörper, die so erscheinen, als würden sie durch Felder und Landschaft fahren. Die Kanäle ziehen sich wie blaue weitverzweigte Lebensadern durch die Camargue-Region und kontrastieren mit dem weithin sichtbaren Weiß der Salzberge um die Wette. Ein ausführlicher Stadtrundgang und ein leckeres Abendessen in einem gemütlichen Restaurant runden den rundum gelungenen Ausflug ab. Danke an Patrick und Annett für den Tip!

    Und nach einem Zeitsprung und Ortswechsel sind wir wieder im Hier und Jetzt in Darmstadt.

    Von gestern bis heute hatten wir Besuch aus dem hohen Norden der Republik. Jens und Martina von der Maje waren spontan zu Gast. Ein Besuch, über den wir uns sehr gefreutt haben, auch wenn die paar Stunden mit reichlich Klönschnack, Besuch bei unseren Nachbarn  und ein bisschen Programm zum Sightseeing viel zu schnell vorbei gegangen sind.

    Morgen kommen Detlef und Ingrid, unsere Segelfreunde vom Kaarster Segelclub, zum Mittagsessen vorbei. Gut, dass Segler nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf der Straße, ein recht reisefreudiges Völkchen sind.

  • Montagsboot?

    Wellenspiele
    Wellenspiele

    In Sète haben wir einen Sozialarbeiter kennengelernt, der auf seinem Segelboot Kinder aus sozialschwachen Familien auf Segeltörns mitnimmt und diese auch zu Hause pädagogisch betreut. Ein engmaschiges Betreuungssystem wacht konstant, nicht nur bei den Segelfreizeiten, über das Wohl der Kinder. Das ist so leider nicht bei allen erlebnispädagogischen Maßnahmen der Fall und meines Erachtens der Grund, warum der Erfolg ausbleibt. Häufig fallen die Teilnehmer nach den Pädagogikmaßnahmen in ihre alten tradierten Verhaltensweisen zurück und langfristige zeigen sich keine Veränderungen. Aber das nur am Rande.

    Jedenfalls kannte der nette Pädagoge einen Bootseigner, der so kreuzunglücklich mit seiner Dehler 41 ist, dass er schon langjährig prozessiert und einen eigenen Blog darüber schreibt. Das Boot wurde mit einem zu kurzen Mast geliefert, ist an mehreren Stellen undicht und der Innenausbau ist an einigen Stellen mangelhaft, kurz ein Montagsboot. Das schlimmste ist für den Eigner wohl, dass Hanse/Dehler Deutschland alle Garantieleistungen ablehnt und versucht, diese auf den Händler vor Ort abzuwälzen. Das Gerichtsurteil aus Frankreich erkennen die deutschen Bootsbauer nicht an, und so geht die Leidensgeschichte des unglücklichen Bootskäufers weiter. Das wirft auch kein gutes Licht auf den deutschen Bootsbauer.

    Aber der Fairness halber, bei längerer Recherche im Internet finden sich einige solcher Bootskaufdramen im Netz, mit fast jedem Großserienbauer, aus unterschiedlichen Ländern. Ein bisschen widersprüchlich ist das schon von den Werften, da wird für viel Geld und Aufwand Werbung betrieben und im Reklamationsfall lässt man den Kunden im Stich und verliert somit nicht nur diesen, sondern durch dessen Erzählungen noch andere potenzielle Neukunden.

    Wer das verstehen will? Klar gibt es häufig ein paar Dinge, die bei einem Neuschiff leider nicht so sind, wie vereinbart, es ist halt ein komplexes Sytem, so ein Boot. Diese kleinen Problempunkte sollten aber willig und zügig seitens der Werft oder vom Händler beseitigt werden. Boot gut, Kunde happy, macht Gratiswerbung für die Werft. So einfach ist es, und so sollte sein. Win-Win-Situation für alle. Es könnte halt vieles so leicht sein.

    Jedenfalls meinte der Sozialpädagoge noch, dass die Dehler seines auch langsam sei und nicht so schnell wie seine Dufour. Ich war da ziemlich verdutzt, denn, um so eine Dufour fahren wir normalerweise Kreise und ich dachte, dass ich da erstmal nichts zu sage. Wir haben dann am nächsten Morgen gemeinsam abgelegt, er mit seinem und wir mit unserem Boot und raus ging es aufs Meer. An der Hafeneinfahrt hatte er schon das Vor-und Großsegel oben und wir nur das Groß. Motor aus, und selbst mit dem einen Segel schiebt sich unsere flinke Hexe ganz langsam am Gegner vorbei. Der schaut nur entgeistert und ruft noch, dass seine Elektronik nicht funktioniert, und er nicht sieht, wo der Wind herkommt. Das merkt man doch, wo der herkommt! Wir haben dann noch das Vorsegel ausgerollt und liesen ihn verdutzt zurück. Dann ging es auf Kurs La Grande Motte, der Spinnaker kam hoch und die Dufour wurde immer kleiner am Horizont.

    Aprilwetter mit Hagelkörnern in Darmstadt
    Aprilwetter mit Hagelkörnern in Darmstadt
  • Gesellenstück

    Save our sea!
    Save our sea!

    Oder soll ich lieber sagen, ein Meisterstück, hat die liebe Capitania aus meinen mitgebrachten Videosegmenten vom Trimaransegeln gemacht. Das Video ist meiner Ansicht nach rundum gelungen. Jede Menge Arbeit steckt drin, über 3 Stunden rumexperimentieren. Immer wieder einzelne Segmente anschauen, aussuchen,aneinanderreihen, wieder anschauen, verbessern, Texte schreiben, Musik aussuchen, Suchwörter definieren, zum letzten Mal anschauen und schließlich und endlich auf Youtube hochladen. Wer das mal gemacht hat, weiß, wovon ich spreche, und wir reden immer noch von einer kurzen Videosequenz von vier Minuten. Aber wichtig ist ja bekanntlich, was “hinten rauskommt”. Gefilmt habe ich diesmal mit meinem Eiphone 4, weil die kleine Go-Pro-Kamera sich selbst entladen hatte und komplett leer war, und daher im entscheidenden Moment nicht filmen konnte, leider. Halb so wild, dafür arbeitet das Telefon doch ganz anständig und der Go-Pro-typische gewölbte Horizont entfällt so nebenbei. Werden wir jetzt öfter machen, das Telefon ist ja fast immer dabei.

    Hafenpromenade von Sète
    Hafenpromenade von Sète

    Sète macht einen guten Eindruck. Was man halt so nach einem 1-stündigen Rundgang sagen kann. Der Blick vom “Haushügel” hinter dem Ortskern ist grandios. Zumindest ging es immer bergauf bis aufs Plateau. Das Abendessen fand in einem Fischrestaurant statt, was hier kein Wunder ist. Jedes Restaurant hat Fisch und Muschelspezialitäten. Die Fangflotte ist riesig, so viele Fischtrawler auf einem Fleck habe ich noch nicht gesehen. Die meisten fischen auf roten Thunfisch.

    senza parole
    senza parole

    In unserem Restaurant gab es neben leckeren Meerespezialitäten für die Capitania und trockener Ente für mich noch zwei nette kanadische Paare, die eine Frankreichrundreise machen. Wir haben ein paar Ausflugstipps für die nächsten Tage ausgetauscht und uns zum Bier am Dienstagabend in der Hotelbar verabredet.
    Die “Meeresspezialitäten” waren “Tielles” zur Vorspeise, das ist kleingeschnittener Tintenfisch, geschmort und zwischen zwei Teigscheiben gesteckt, enorm lecker, sowie “Rouille de Seiches”, ebenfalls geschmorter Tintenfisch mit Tomatensauce und Gemüse, ein Festessen für mich!

    Der Adenauer nunmehr diebstahlsicher am Achterstag
    Der Adenauer nunmehr diebstahlsicher am Achterstag

    Nette Menschen trifft man, Gott sei Dank, fast überall. Nicht so nette Menschen haben in der letzten Nacht in La Grande Motte unseren Flaggenstock samt Flagge vom Heck geklaut, und wir haben nichts mitgekriegt. Wahrscheinlich waren das Deutschlandfans, die für die bald anstehende Europameisterschaft schon mal das passende Fanequipment organisieren wollten. Wir hatten noch ein Ersatzflagge die jetzt stolz, mit Kabelbindern gespannt und gesichert, vom Achterstag weht.

  • Mein allererstes Mal

    Der Wasserläufer
    Der Wasserläufer

    Es hat geklappt, ich durfte mit, auf den reinrassigen Renntrimaran, dem Rahmenprogrammschiff der Katamaranmesse in La Grande Motte. Mal kurz vorab, schnell wie der Wind waren wir, der deshalb spürbar immer von vorne ins Gesicht geweht hat. Die Bedingungen am gestrigen Tag: ideal, 10 bis max. 18 Knoten Wind aus Nordwest, dazu flaches Wasser – keine Wellen. Um 15 Uhr ging der Trip vom Messesteg los, neben mir gab es den Skipper und seinen Maat sowie noch weitere fünf Mitsegler an Bord des optisch stark an einen Wasserläufer erinnernden Gefährts. Gleich vorm Hafen gingen die Segel hoch, das Leeschwert nach unten und die Luzie ab.

    So spritzt das Wasser am Leerumpf
    So spritzt das Wasser am Leerumpf

    Nach ein paar Eingewöhnungsminuten und -erklärungen waren alle Manöverpostionen besetzt. Ich war für die Steuerbordvorschotwinsch eingeteilt und bei den Wenden und Halsen für das Absenken und bzw. Aufholen der Schwerter verantwortlich. 90 Quadratmeter Segelfläche am Wind, bei gerade mal 1,8 Tonnen Bootsgweicht, plus Crew. Bereits nach dem ersten Segeltrimm standen 13 Knoten auf der Logge und die erste kleine Bö beschleunigte uns schon ganz flott auf über 15 Knoten. Der Leerumpf durchpflügte mit kleinen, aufstiebenden Wasserfontänen filigran das tiefblaue Meer, der Luvrumpf war ca. einen Meter hoch freischwebend in der Luft. Das Ganze gefühlt – und hoffentlich real – ein stabiler Zustand. Der Wind nahm zu, unsere Geschwindigekeit dito. Topspeed waren flinke 18,7 Knoten am späten Nachmittag.

    Platz für einen Steuermann
    Platz für einen Steuermann

    Einmal nur haben die Hydrodynamik  des Leerumpfs und der Großsegeltrimmer gleichzeitig gepatzt, ersterer tauchte daraufhin tief ins bremsende Blau ein und es gab einen abrupten Stopp. Verwunderte und fragende Blicke bei uns Trimarannovizen, ein  gedeuteter „nicht-so-tragisch“-Blick vom Käpt’n und weiter gings im Gleichtakt.

    Ein enger Einstieg in die Kabine
    Ein enger Einstieg in die Kabine

    Kurz danach wurde der Wind schwächer, aber das Leistungsvermögen des Dreirumpfers war noch deutlicher sicht- und spürbar. Wie das? Wir haben die Fock gegen das deutlich größere Leichtwindsegel, den Gennaker, getauscht und das Geschoss segelte immer auf Windgeschwindigkeit. 6 Knoten Wind – 6 Knoten Fahrt, 9 Knoten Wind – 9 Knoten auf der Logge, 12 Knoten – schwupp auf 12 Knoten beschleunigt. Die Aufzählung ließe sich jetzt noch bestimmt beliebig fortsetzen, aber leider erschien allzuschnell die Hafeneinfahrt vor unserem Bug und drei Stunden adrenalinhaltiger Segelspaß waren vorüber.

    Trampolin
    Trampolin

    Nur mal ‘ne kleine Zahl noch am Rande: Mit Gennaker und Großsegel stehen fast 200 Quadrameter Segelfläche für den schnellsegelsüchtigen Skipper parat. Unglaublich. Und wer jetzt denkt, dass es sich  bei der Formula 40, so die Klassenbezeichnung, um ein neumodisches Schiff handelt, der liegt falsch. Das Spaßding wurde bereits 1986 gebaut und ist somit schon ein echter Segeloldtimer, wenn auch ein ganz schneller. Anstrengend ist die Segelei auf so einem Schiff, ständig wird getrimmt, die Segel nach oben zu ziehen ist eine Plackerei und bei richtig Welle bockt der Wasserläufer bestimmt wie wild. Trotzdem: Supergeil war es und ein nachhaltiges Erlebnis, das ich nicht missen möchte, bestimmt nicht vergessen werde und jederzeit gerne widerholen würde!

    Kein Job für schwache Hände
    Kein Job für schwache Hände

    Zurück am Ufer, voll mit Adrenalin und Euphorie, habe ich erstmal minutenlang Cornelia zugetextet und hatte ein Riesengrinsen auf dem Gesicht.

    Heute ging es dann bei moderaten bis böigen Amwindbedingungen ins 20 Seemeilen entfernte Sète. Schönes Segeln, sehr intensiv, sonnenreflektiertes Glitzerwasser und bis acht Knoten Speed. Das Ruder ruhig, kein Lagerspiel mehr spürbar, die Reparatur war ein Erfolg.

    Ein Besuch in Sète soll lohnen, so die Empfehlung unserer Freunde,sowohl in der Stadt, als auf dem Friedhof und beim Leuchtturm, der hoch über Stadt drohnt.

    Morgen gibt es mehr Infos über Sète, jetzt erstmal viel Spaß mit dem Video vom Trimarantrip.

  • Gute Nachrichten

    sowohl von Bord als auch von unseren Lilien. Oh Lilien, oh Lilien, oh Lilien. Sensation am Böllenfalltor, die Darmstädter Equipe hat das Heimspiel gegen Ingolstadt, sehr verdient,  2:0 gewonnen und befindet sich im Moment auf dem 10. Tabellenplatz. Der Klassenerhalt in der Bundesliga rückt damit in greifbare Nähe. Das Tabellentief scheint endlich überwunden!

    Das Ruderlagerproblem ist auch gelöst, nur unseren geplanten Messetermin bei der Katamaranshow mussten wir heute mehrmals nach hinten schieben. So schnell wie gedacht ging die Reperatur dann doch nicht vonstatten. Zuerst wurden die auf Maß geschnittenen Aluplatten eingeklebt und später festgeschraubt. Besonders letzteres erwies sich als ziemlich schwierig, da der Kleber noch nicht vollständig ausgehärtet war und der Bohrer beim Durchbohren des Alus immer wieder die Platten verschob. Zudem hat unser Akkubohrer mittendrin den Geist aufgegeben, was dem lokalen Baumarktleiter einen Umsatzzuwachs bescherte. Das ist innerhalb einer kurzen Zeit das zweite ernsthafte Problem mit unserer Bosch-Akkubohrmaschine aus der sog. Profilinie.

    Jetzt haben wir einen Akkubohrer mit Lithium-Ionen-Akku für unschlagbare 69 Euro erstanden und der tut es echt gut. Die Platten sind drin und verschraubt, morgen kommen noch dickere Schrauben in die Schraubenlöcher und das war’s dann. Ich würde mal sagen, dass das Ganze ewig hält. Danke an alle, die mitgedacht haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

    Nachmittags waren wir noch ein paar Stunden auf der Messe und haben Schiffe angeschaut, die wir so noch nicht gesehen haben. Darunter ein relativ kleiner 10 Meter langer Katamaran aus Amerika, die Gemini 35, mit kluger Innenaufteilung, der so schon mehr als 1.200 mal gebaut wurde.

    Es gab einen in der Türkei gefertigten Zweirumpfer der Firma Swiss Tech und einen schönen 11 Meter langen Kat von der italienischen Traditionswerft Comet, die damit versucht, auf dem Mehrrumpfermarkt Fuß zu fassen. Es ist gut, dass bei so einer Veranstaltung nicht nur die Großen der Branche vertreten sind, sondern dass auch Nischenanbieter den Markt bereichern.

    Das Beste jetzt mal zum Schluss! im Hafen liegt ein 40 Fuß puristischer Renntrimaran.

    Der Mast ist 22 Meter hoch, reichlich Segelfläche und das bei gerade mal 1,8 Tonnen Bootsgewicht. Wenn alles gut geht, darf ich da morgen nachmittag ‘ne Runde mitsegeln. Die Kamera hängt schon am Ladestecker, die Spannung steigt. Hoffentlich gibt es ein bisschen Wind, obwohl, viel braucht es nicht, um das Geschoss zu beschleunigen.

  • Man(n) muss geduldig sein

    Heute morgen wurde ich gleich um 9 Uhr in der Schlosserei vorstellig. Mit maßstabsgerechtem Muster. Der Chefschlosser, ganz Fachmann, hat unser Problem und das Muster sofort verstanden und eine baldige Fertigung der Aluplatte zugesichiert, nur ganz so schnell geht es nicht, und unsere ausgeschlagene Halterung des oberen Ruderlagers muss noch bis Samstag auf ihre Reparatur warten. Eine Schwachstelle, die wir im letzten Sommer auf dem Rückweg von Korsika erstmalig bemerkt hatten. Plötzlich hatten wir so ein „schwammiges” Steuergefühl, vor allem bei höheren Geschwindigkeiten. Bei genauerem Hinsehen konnte man feststellen, wie sich die obere Führungsbuchse des Ruderlagers hin und her bewegte.

    Hier muss die Platte hin
    Hier muss die Platte hin

    Beim Krantermin im Oktober wurde das Problem von den Mechanikern in Villeneuve Llobet behoben. Leider anscheinend nicht dauerhaft, denn auf dem langen Weg nach Villeneuve trat das gleiche Problem wieder auf. Ursächlich dafür ist das nicht ausreichend starke Laminat, in dem das Gleitlager eingebettet ist. Der Plan ist daher, eine Aluplatte um das Gleitlager herum zu befestigen, die dauerhaft verhindern soll, dass sich das Ding weiterhin bewegt. Das ist ziemlich wichtig, weil das ein sehr sicherheitsrelevantes Teil ist und eine sich bewegende Ruderachse im schlimmsten Fall das Schiff aufreißen kann, durch die großen auftretenden Kräfte.

    Den Umfang muss man erst einmal messen!
    Den Umfang muss man erst einmal messen!

    Auf dem Bild ist das der äußere sichtbare schwarze Flansch, nur zum besseren Verständnis. Lange haben wir darüber nachgedacht, wie eine adäquate Abhilfe aussehen muss, Ralf, Joachim und Wolfgang haben mit überlegt und die Lösung ausgearbeitet. Lösungsorientiertes Networking.

    Jetzt heißt es erst mal abwarten, bis Samstag, und dann geht es so richtig los. Bis dahin packen wir die Gelegenheit beim Schopfe und bummeln aisführlich übler die Katamaranmesse und klettern auf jedes ausgestellte Schiff.

    Messefahnen
    Messefahnen

    Allegra war heute bei leichten Winden mit der Outremer 45 zum Probesegeln, und hat das ruhige Dahinsegeln auf dem Zweirumpfer sehr genossen. Mit Gennaker, einem Leichtwindsegel, ging es trotz nur ein bis zwei Windstärken flott voran. Ich habe nachmittags das gute sonnige Wetter ausgenutzt, um den Bootskeller, die Bilge, zu reinigen und unseren Teppich mal gründlich auszuklopfen. Frühjahrsputz sozusagen.

    Morgen früh bringen wir Allegra in aller Herrgottsfrühe zum Zug. Ihre Zeit bei uns an Bord ist leider schon vorbei, und sie war sehr schön.

  • Doppelt undicht

    Nicht nur der Heißwasserschlauch war durchgescheuert, sondern auch ein Stück Schlauch vor der Abwasserpumpe. Cornelia hat es genau dort, bewaffnet mit der Taschenlampe, und in der hintersten Ecke tropfen sehen. Und das war dann auch schon des Rätels Lösung. Beinahe jedenfalls, denn bis dass wir das zweite Schlauchstück ersetzt hatten, verging noch ein bisschen Zeit. Jetzt ist alles dicht und trocken, ganz so, wie es sein soll.

    Heute haben wir mit Allegra unsere Freunde Eric und Nany in Montpellier besucht und, bis zum einsetzenden Gewitterregen, einen ausgiebigen Spaziergang durch den großen Altstadtkern unternommen. Bei einigen Gebäuden in der Stadt sind noch mittelalterliche Bausubstanzen zu erkennen. Nach einem späten nachmittäglichen Mittagessen und folgendem Klönschnack mit unseren Freunden ging es zurück zu unserer Hexe. In La Grande Motte hatte heute der “Salon de Multicoque”, eine Katamaranmesse (wörtlich übersetzt Mehrrumpfermesse) seine Toren für Besucher und Aussteller aus der ganzen Welt geöffnet. Über 50 Katamarane sind in ihrem Element ausgestellt und zu besichtigen, dazu zahlreiche Yachtzulieferer und ein umfangreiches Rahmenprogramm.

    Die Austellung geht noch bis zum 17. April und ist mit so vielen ausgestellten Katamarnen die weltweit größte Messe ihrer Art. Vom Raumwunderzweirumpfer bis zum sportlichen bewohnbaren Katamaran ist alles verteten, was Rang und Namen in der Mehrumpferwelt hat.

    Allegra und Cornelia werden morgen früh mit anderen interessierten eine brandneue Outremer 45 probesegeln. Beide sind schon sehr gespannt, auch weil es für Allegra das erste Mal ist, dass sie mit einem Zweirumpfer segelt. Ich habe morgen früh um neun ein Rendezvous mir einem Schlosser, um unser zweites großes Problem zu lösen.