Autor: Skipper Volker

  • Und jetzt ?!

    eng sind die Löcher für die Schläuche
    eng sind die Löcher für die Schläuche

    Nachdem wir am gestrigen Tag die alten wasserführenden Leitungen mühevoll extrahiert hatten, sollte am heutigen Tag eigentlich der Rückbau erfolgen. Um es kurz zu machen, ja, wir haben wieder alles eingebaut. nein, es war leider nicht erfolgreich und sobald man den Duschwasserhahn aufdreht, sammelt sich so ganz ganz langsam Wasser unter dem Waschbecken. Aber zunächst mal der Reihe nach. Heute Morgen haben wir alle Händler im Ort abgeklappert, aber anscheinend ist unser Warm-Wasserschlauch mit 10 Millimeter Innendurchmesser ein echter Exot, keiner kennt das Produkt, keiner hat das Maß. Aber völlig egal, wir haben heute eine wirkliche Sternstunde von einem perfekten Kundendienst erfahren, die wir als ein super positives Erlebnis immer in guter Erinnerung behalten werden. Und das ging so – der Heißwasserschlauchhersteller ist die Firma Trelleborg, da denkt man eigentlich an Schweden und Michel aus Löneberga. Aber der Betrieb stellt Dichtungen und industrielle Schläuche für alle möglichen Anwendungen her. So auch für uns Segler.

    Nach ein bisschen Recherche im Internet hatten wir die Zentrale in Mettmann am Telefon und wurden zu Frau Jahn verbunden. Und die hat sich so ins Zeug gelegt, dass es uns glatt die Sprache verschlagen hat. Normalerweise liefert die Firma nur an Firmenkunden und hat keinen Endkundenkontakt.Frau Jahn und ihre Vertriebskollegin haben jedoch für ganz Europa recherchiert, wer in den letzten Wochen und Monaten die von uns benötigten Schläuche bestellt hat, damit wir dort anrufen, hinfahren, oder sonstwie bestellen können. unglaublich was für ein Zeitaufwand für unser Anliegen investiert wurde. Eine Firma in Sète wurde ermittelt, leider ist der Schlauch erst ab nächster Woche Mittoch vorrätig.  Wir haben uns erst mal für eine Übergangslösung entschieden, eingekauft und das halbe Bad zerlegt. Was wir da geshen haben, hat uns die Sprache verschlagen. Kein Wunder, dass bei so einem Pfusch ein Schlauch durchscheuern muss, eher ein Wunder dass er überhaupt so lange gehalten hat. Leider leckt unser Provisorium noch immer und so langsam stellt sich Ratlosigkeit ein. Aber morgen ist ein neuer Tag, der vielleicht auch neue Ideen bringt.

    Leckere Gnocchi mit Gambas für die Capitania
    Leckere Gnocchi mit Gambas für die Capitania

    Nach einem leckeren Abendessen sieht die Welt nun schon wieder ganz anders aus.

  • Kaputt ist kaputt

    Bunte Drachen:
    Bunte Kites

    Wie man so schön sagt, und manchmal ist das auch garnicht so tragisch. Neues Teil gekauft, eingebaut und fertig ist die Lauge. Alles ganz easy, leicht erreichbar, überschaubarer Zeitaufwand, wie im Fall unseres alten Mülleimers. Stand einfach im Weg rum, ich bin draufgetreten. Plastik bricht, Skipper flucht. Das Internet hilft weiter, und kennt den Lieferanten. Bestellt und wegen Ortsnähe von Darmstadt sogar direkt beim Hersteller abgeholt, zwei Löcher für die Halterung reingebohrt, tatata: Erfolgserlebnis!

    Beim nächsten Problem sieht das, zumindest im Moment noch ein bisschen anders aus. Es handelt sich um, sagen wir mal, ein eher schleichendes Problem. So eins, das klein, kaum wahrnehmbar beginnt. Das anfänglich noch leicht zu ignorieren ist, und sich dann soweit ausbreitet bis ein Eingreifen unabdingbar ist. Leider haben wir zwei solcher “Problemzonen” gerade an Bord.

    Behelfsbecher zum Auffangen eventueller Restwasser
    Behelfsbecher zum Auffangen eventueller Restwasser

    Das eine, nennen wir es das „Sanitärproblem”, ist erstmals Ende Februar in unser Bewusstsein gerückt. Nach jedem Duschen stand unter dem Waschbecken Wasser, an einer Stelle, wo vorher keins war, und auch keins hingehört. Anfänglich wirklich nur ein paar Tröpfchen, danach für eine lange Weile ziemlich stabil ein paar Schwämme voll.

    Doch nach der heutigen Reinlichkeitsaktion stand dort soviel warmes Duschwasser, dass es über einen Rand in die Bilge geschwappt ist. Also genau der richtige Zeitpunkt zum Handeln, natürlich nicht, ohne vorher die Problematik zu analysieren. Gesagt getan, schnell stand fest dass nur eine komplette Demontage der Duscharmatur und ein herausziehen der wasserführenden Schläuche zur Lösung des Problems führen werden. Leider. Denn, was dann folgte, ist in Worte kaum zu fassen.

    Aufräumen der Baustelle
    Aufräumen der Baustelle

    Man bräuchte, um die notwendigen Stellen zu erreichen, die Statur eines kleinen Kindes, die Dehnbarkeit einer Katze und die Kraft eines Bodybuilders . So verwinkelt sind die Schläuche, Schlauchschellen und Verzweiger, dass nur mit viel Gefluche und Gesuche und nach drei Stunden rumwurschteln die Wurzel des Übels zum Vorschein kommt. Der Warmwasserschlauch hat sich an einer Stelle im Laufe der Zeit durchgescheuert, wahrscheinlich waren beim Einbau noch kein Möbelstück, kein Waschtisch oder andere Installationen vorhanden. Anders kann ich mir dieses umwegige schlauchverlegen nicht vorstellen.

    Jetzt steht für morgen erstmal Ersatzteilbeschaffung auf dem Programm, neuer Warmwasserschlauch und Ersatz für die zerbrochenen Plastik-T-Stücke. Dann wird das Ganze wieder zusammengebaut und leicht erreichbar verlegt. Über das andere Problem wollen wir noch gar nicht reden, das ist noch viel gravierender.

    Bei chönstem Wetter
    Bei schönstem Wetter
    fliegen sie
    fliegen sie

    Am späten Nachmittag ging es zum Strand. Heute war der Tag für Kitesurfer und Windsurfer. Viel Wind, nicht zuviel Welle und Sonne pur. Was für ein Spektakel auf dem Wasser und in der Luft. Einige Kitesurfkönner vollführten wahre Luftsprünge und flogen sekundenlang, von ihren Kiteschirmen sicher getragen, durch die Luft.

    Lecker, lecker…
    Lecker, lecker…

    Heute Abend haben wir mal wieder gegrillt. Cornelia hat frischen Spargel dazu besorgt, genauer gesagt, Spargel aus der Camargue. Lecker, dazu gab es zwei Doraden, einen Rinderspieß und eine heimatliche Bratwurst, frisch vom Grill. Lecker!

     

  • In der Manufaktur

    Osterfeuer
    Osterfeuer

    Eine Woche vergeht so schnell, kaum angefangen ist sie schon vorbei. Genau wie unsere letzten acht Tage in Darmstadt. Und doch ist die Zeit zuhause eine gänzlich andere als auf unserem Boot. Der Tagesrhythmus, die vereinbarten Termine und die sozialen Kontakte. Alles ist ein bisschen enger getaktet, und ehe man sich versieht ist man im alten Trott drin, positiv gemeint. So hatte ich in dieser Woche mit meinen lieben Skatbrüdern für Mittwochabend einen Skatabend verabredet. Unsere gelegentlichen mittwöchentlichen Spielabende finden schon seit vier Jahren, eher unregelmäßig, aber dafür umso freudiger statt. Wenn wir es denn schaffen, uns zu treffen. Jedenfalls, nach einigen Monaten Skatabstinenz war es diesen Mittwoch mal wieder so weit. Nur hatten wir soviel zu plaudern, die Probleme der Welt zu besprechen,tief in die Menschheitsgeschichte einzutauchen, ganze Völkerwanderungen nachzugehen, dass die gemeinsamen Stunden nur so dahingerauscht sind. Kurz vor Mitternacht hätten wir beinahe die Kurve gekriegt, haben wenigstens die Skartkarten schon mal gemischt, nur um kurz danach ein „neues Fass aufzumachen“. Bevor wir uns versahen, war es nach 3 Uhr, spät oder früh genug – je nach dem – um mit dem Fahrrad den Heimweg anzutreten. Der nächste Skatabend kommt aber bestimmt!

    Alles bereit!
    Alles bereit!

    Allegra und Leonard sind über Ostern bei uns und für heute Abend hat sich eine spontane Grillparty ergeben. Das Wetter spielt mit, die Spareribs sind eingelegt, die Capitania hat meinen Lieblingskartoffelsalat schon kalt gestellt und Larissa und Johannes werden in bewährter Weise die beliebten Cocktails mixen. Die Sommerzeit ist auch auf dem Weg, den Umfrageergebnissen in der Bevölkerung dazu mag ich garnicht so recht glauben. Angeblich wären 80 Prozent der Befragten dafür, die Sommerzeit und die damit verbundene Zeitumstellung abzuschaffen. Was für ein Ding, ich wäre eher für eine ganzjährige Sommerzeit, am besten mit dem passendem Wetter 🙂

    IMG_9814Ja, und dann waren wir heute noch mit Leonard in der Darmstädter Fahrradmanufaktur Cucuma. Dort werden sehr schöne Fahrräder noch liebevoll auf Kundenbestellung zusammengebaut. Farbe, Schaltung, Bereifung, alles individuell wählbar und wenn man die Qualität der Komponenten vergleicht, zu einem wettbewerbsfähigen Preis. Drei Wochen dauert der Bauprozess und dann steht das Cucuma Wunschbike zur Abholung bereit. Wenn ich wüsste, wohin mit dem Teil auf unserem Boot, hätte ich mir auch so ein schönes Rad gekauft.

    Die 10-minütige Probefahrt, jedenfalls, hat mir richtig Spaß gemacht. Es ist schon ein Unterschied ob man mit so einem Leichtgewicht mit optimaler Schaltung oder einem schwereren Drahtesel rumkutschiert.

  • Der englische Segelheld

     

    Dank der langjährigenkontinuierlichen finanziellen Unterstützung seines Hauptsponsors “Hugo Boss” und einem eisernen Willen segelt der Engländer Alex Thompson ganz weit vorne mit, bei den Topsegelveranstaltungen dieser Welt. Bei der letzten Auflage der Vendée Globe 2013, einer alle vier Jahre stattfindenden Nonstoppregatta um die Welt, erreichte Alex Thopmpson mit seiner Rennyacht “Hugo Boss” das Ziel nach 80 Tagen. Neben den zahlreichen Teilnahmen an Regatten und der Segelei im Allgemeinen, findet Alex immer wieder Wege sich, sein Schiff und seinen Sponsor sehr werbewirksam durch spektakuläre Stunts und Aktionen geschickt in Szene zu setzten. Das erste Video, das für reichlich medienwirksamen Wirbel sorgte, war der „Keelwalk”. Das Schiff wurde bei dem Video so sehr in die Schräglage getrimmt, dass der Kiel in der Luft hing und Alex Thomson, modisch gekleidet im schwarzen Hugo-Boss-Zweiteiler, bei voller Fahrt auf den Kiel des segelnden Schiffes steigt. Keelwalk

    Die nächste Actionaufnahme war noch mal spannender. Das Schiff segelt wieder stark gekrängt und während es das so macht, kraxelt Alex Thomson, vermutlich adrenalinbeseelt, den 30 Meter langen und hohen Mast nach oben. Dort an der Mastspitze angekommen, springt er gekonnt und unversehrt, wie es sich für einen Helden gehört, ins Wasser und wird danach von einem Begleitboot aufgenommen. Mastwalk

    Im Herbst 2016 wird die diesjährige Auflage der Vendée Globe starten und unser Hugo-Boss-Held hat letzte Woche ein neues Video ins Netz gestellt, das alle Vorhergehenden an Tollkünheit um ein vielfaches überbietet. Ich mach da jetzt auch nicht viele Worte drum, das muss man einfach gesehen haben. Spektakulär. Skywalk und Link Making off bei YBW.com.

    Bei uns geht es gerade viel weniger spektakulär zu als im Video. Gestern haben wir uns auf den Heimweg nach Darmstadt gemacht, unsere Hexe in La Grande Motte wohlvertäut zurückgelassen. Nächste Woche hat Leonard seine Augen-OP und da will Cornelia natürlich hier sein. Wir werden uns bis Anfang April in den heimischen Gefilden aufhalten. Nach acht Stunden Autofahrt waren wir nachmittags zuhause angekommen. Gerade noch rechtzeitig, um mit unseren Freunden das Fußballspiel Wolfsburg gegen Darmstadt anzuschauen. Leider hat Wolfsburg die Führung von Darmstadt 98 noch kurz vor Schluss beendet und beim Spielstand von 1:1 erfolgte der Schlusspfiff.

    In den nächsten zwei Wochen gibt es weiterhin, nur nicht nahezu täglich, den einen oder anderen Blogbeitrag. Jetzt wünschen wir noch einen guten Wochenanfang und packt Euch schön warm ein. Der Frühling lässt noch auf sich warten!

  • Ein Wind weht aus Nord,

    seit gestern und nicht aus Süd, und es zieht uns im Moment auch nicht hinaus aufs Meer.

    Regentropfen, die an mein Fenster klopfen
    Regentropfen, die an mein Fenster klopfen

    Wintereinbruch, bitterkalt ist es geworden. Tagsüber bleibt es temperaturmäßig nur noch einstellig und nachts sackt die Quecksilbersäule auf kalte null Grad ab. Was für ein Unterschied zu den vorangegangenen Tagen. Von dem meteorologischen Frühlingsanfang, am ersten März, also seit 17 Tagen, ist absolut nichts zu spüren. Gut, bis zum normalen jahreszeitlichen Frühlingsanfang am 21. März sind es noch ein paar Tage. Also üben wir uns in meditativer umd mediterraner Geduld. Nur, was mir neu ist, ist, dass es neben den meteorologischen und den kalendarischen Jahrenszeiten noch eine 3. Jahreszeiteneinteilung gibt. (Wir alle kennen ja auch die 5. Jahreszeit, aber das hat ja gar nichts damit zu tun!)

    Das muss dann aber noch im Winter blühen
    Das muss phänologisch noch im Winter blühen

    Die Rede ist von der sogenannten phänologischen Jahreszeit, die wiederum in zehn Zeitabschnitte gegliedert ist. Da gibt es zum Beispiel den Vorfrühling, den Erstfrühling und den Vollfrühling und ebenso ist es dann mit Sommer und Herbst. Nur der Winter bleibt nach dieser Einteilung schlichtweg der Winter, ist qua dortiger Definition 113 Tage lang. Die Phänologie ist die Lehre vom Einfluss der Witterung u. des Klimas auf die jahreszeitliche Entwicklung der Pflanzen u. Tiere.

    Man spricht in dem Zusammenhang auch von sogenannten Zeigerpflanzen. So soll beispielsweise im April der Erstfrühling sein und dann zu dieser Zeit die Forsythie blühen und von der Stachelbeere solllen sich die ersten Blätter zeigen Eine Wissenschaft für sich. Egal, wie man die Jahreszeit definiert, Fakt ist, dass bei uns rund um die Uhr die Heizung läuft.

    Also nix mit Hans Albers, La Paloma: „Ein Wind weht aus Süd und zieht mich hinaus auf See“ https://www.youtube.com/watch?v=DT86KDYyzu0. Da passt schon eher Hans Hartz, Sturm:, „Ein kalter Wind weht her vom Meer…” https://www.youtube.com/watch?v=lMih6n_6dEQ, hihi.

  • Nachtrag

     

    So gurgelt das Wasser hinter der Hexe, wenn sie schnell segelt…
    So gurgelt das Wasser hinter der Hexe, wenn sie schnell segelt…

    Bis in die späten Abendstunden hinein konnten wir mit Spinnaker und Großsegel reichlich Meilen gutmachen und das bei spiegelglattem Meer. Was für ein Unterschied zu den vorangegangenen Tagen. Bei völliger Dunkelheit und ruhiger See über 8 Knoten schnell dahin zu rauschen, war schon ein besonderes Erlebnis. Am Emde standen nach 16 gesegelten Stunden genau 99,9 gesegelte Seemeilen auf der Logge. Als wir dann um kurz vor 23 Uhr unsere Leinen im Hafen von La Grande Motte festgemacht hatten, waren wir beide über das hinter uns liegende so aufgekratzt, dass wir, trotz leichten Regens, diskutierend bis nach halbeins draußen im Cockpit sitzen geblieben sind.

    Heimweh nach der Côte?
    Heimweh nach der Côte?

    Die Côte d’Azur liegt nun hinter uns, beinahe zehn Monate war sie uns eine seglerische Heimat mit all ihren Schönheiten und den kleinen Macken. Landschaftlich unbestritten schön, kontrastreich, abwechslungsreich mit hohen, zum Teil schneebedeckten Bergen, Steilküsten und langen Stränden. Die Städte, in der Saison quirlig, bunt, ein Festival folgt auf das andere. Wo viel Licht, ist auch Schatten, wie man so schön sagt. Das Preisgefüge an der Côte ist wohl im Laufe der Touristenjahre aus den Fugen geraten. Dienst und Leistung korrelieren nicht immer miteinander. Aber soviel Schönheit darf getrost auch kleine Schönheitsfehler haben, sonst wäre es zu perfekt.

    Zugzug
    Zugzug

    Cornelia ist heute mehrfach umgestiegen, „zugzug” gefahren und hat unser Auto von Villeneuve-Loubet nach La Grande Motte geholt. Genau elf Stunden war sie dafür unterwegs. (Und beim Rausschauen aus dem Fenster ein bisschen Heimweh gehabt.)

    Zwei Seenotfälle haben, unabhängig voneinander, am späten Nachmittag für reichlich Aufregung im Hafen gesorgt. Ein Segler ist beim Segelklarieren über Bord gegangen, dabei zusätzlich an einer Relingsstütze hängengebleiben und hat sich eine Rippe gebrochen.  Ein anderer Segler mit einem kleinem Segelschiff, in grottenschlechtem Zustand, hatte Motorprobleme. Die Seenotretter hatten beide Schiffe, nach erfolgreichem Einsatz, direkt hinter uns am Steg festgemacht.

    Heute Abend hatten wir dann noch lieben Besuch von Eric und Nany, unseren Segelfreunden aus Montpellier. Zur Krönung gab es als Dessert eine von Nany selbstgemachte französiche Schokotorte. Sünde pur!!!

  • Kulinarischer Höhepunkt

    des heutigen Tages war zweifelsohne die haus- oder besser gesagt bootsgemachte Quiche Lorraine der Capitania.

    Die Veilchen blühen schon
    Die Veilchen blühen schon

    Früh am Morgen war die Quecksilbersäule reichlich unten, kühle fünf Grad und der wolkige Himmel ließen eigentlich erstmal nicht Gutes ahnen. Nach einem fulminanten Frühstück mit reichlich Rührei und knusprigem Baguette ging es frisch gestärkt ans Werk. Trotz regelmässigen Putzens hat sich ein unansehnlicher Schmutzfilm auf das weiße Gelcoat gesetzt, der auch mit Reinigungsmittel und Schrubber nicht mehr zu entfernen war. Da hilft dann nur noch eine gute Politur und genau mit der hatten wir uns auf dem letzten Heimaturlaub reichlich eingedeckt.

    Die Wolken weichen der Sonne
    Die Wolken weichen der Sonne

    Drei Stunden später waren nicht nur die Wolken einem strahlend blauen Himmel gewichen, sondern auch der Dreck der Politur. Blendend weiß funkelt unsere Hexe mit der Sonne um die Wette. Zum Schluss kam noch der der dicke weiße Rundfender dran, dem die zahlreichen dreckigen Hafenmauern kräftig zugesetzt hatten. Es gibt spezielle Fenderreiniger, doch die helfen, meiner Meinung nach, nur dem Hersteller, eine sanfte Politur liefert beste Ergebnisse.

    Dann wurde wir auf unsere deutsche Flagge hin, in heimischer Sprache, von Dorothee angesprochen, die seit 2001 mit Kindern und Mann in Villeneuve Loubet lebt. Es entspann sich sofort ein gutes Gespräch und nach ein paar Minuten saßen wir mit Wein, Bier und Knabberzeug fröhlich schwatzend im Cockpit zusammen. Ihr Mann arbeitet als Ingenieur in der Nähe und der Sohn macht gerade den ersten Teil seines Abiturs auf dem internationalen Gymnasium und die Tochter ist zur Zeit in Berlin und studiert Jura. Die Zeit verging so schnell und irgendwann nahte der Abschied. Nicht für lange, wir wollen uns bald wiedersehen.

    Eine ganze Form voller Quiche
    Eine ganze Form voller Quiche

    Ja, und dann nähern wir uns dem Höhepunkt des Tages. Schon seit einigen Tagen hat Cornelia Werbung für ihre Quiche Lorraine gemacht. Heute war es dann endlich soweit. Die Capitania ging an ihr Werk und ich schlüpfte in die Rolle des Küchenhelfers. Lauch schneiden, Speck anbraten und Fehlendes einkaufen. Weil das Ergebnis so umwerfend gut geworden ist und sich das Gericht hervorragend nicht nur an Bord zubereiten lässt, gibt es jetzt live und hier das Rezept der Capitania:

    Für den Teig
    2 Eier, 150-200 g Butter, 12 Esslöffel Mehl
    Schön mit kühlen Händen kneten, die Butter sollte kalt sein, und den fertigen Teig für eine Weile im Kühlschrank (für Eilige: im Eisfach) ruhen lassen
    Für die Masse
    Speck knusprig braten, anderthalb Lauchstangen klein schneiden, wahlweise statt der halben Lauchstange eine Zwiebel dazufügen, ebenfalls anbraten, 5 Eier mit 250-300 g Crème fraiche, Salz, Pfeffer, Paprika edelsüss, ein paar Krauter durchrühren.
    Teig in eine Form drücken, Gemüse drauf, Eiermasse drauf, für eine halbe Stunde in 180-200 Grad heißen Backofen backen, fertisch!

    Viel Spaß beim beim Backen wünscht die Hexencrew

    Jetzt blitzt die Küche wieder
    Jetzt blitzt die Küche wieder
  • Schlecht gespielt

    Die Terrassen der Restaurants am Meer sind noch leer
    Die Terrassen der Restaurants am Meer sind noch leer

    hatten die Capitania und ich beim Pubquiz. Zumindest dem Ergebnis nach. Insgesamt 17 Mannschaften hatten um die ausgelobten 100 Euro Preisgeld mitgequizt. 5 Wissensgebiete zu je 10 Fragen wurden abgefragt. Die größeren Teams hatten am Ende die Nase vorn. (Dabei fing alles gut an, das erste Gebiet waren Musikinstrumente, da hatten wir fast alles richtig, nur der englische Name für das Becken am Schlagzeug ist uns zu spät eingefallen.) Wenn es um Kino oder lokalpolitische Fragen ging, mussten wir beide leider passen. Am Ende aind wir irgendwo abgeschlagen auf Platz 11-17 gelandet, erst ab Platz 10 wurde der Teamname genannt. Macht nix, war trotzdem ein schöner Abend im Pub und vielleicht können wir beim nächsten Anlauf ein besseres Ergenis erzielen, Versuch macht klug.

    Schlicht und doch so bequem
    Schlicht und doch so bequem

    Heute war dann Schuhkauftag für und mit der Capitania. Das ist an sich bei der großen Auswahl an Schuhgeschäften kein Problem. Nur, da meine Liebste auf großen schlanken Frauenfüßen lebt und läuft, ist das Thema “Schuhkauf” meistens nicht ganz so trivial und konnte in der Vergangenheit aich schon mal etwas länger dauern (und ist, verständlicherweise, darum auch nicht meine große Leidenschaft). Heute jedoch ging alles ganz fix vonstatten, ins Schuhgeschäft rein, zwei Paar anprobiert, eins passte davon, passte und gefiel, fertig. Glück gehabt! Danach sind wir mit dem Schuhverkäufer noch ins Gespräch gekommen, der im Auftrag der Schuhmarke “Camper” die Verkaufsfiliale in Cannes betreibt. Camper ist für Segelbegeisterte keine unbekannte Marke, der weltweit agierende Schuhhersteller aus Mallorca sponsort einge Segelteams, u.a. beim weltbekannten Volvo Ocean Race.

    Jedenfalls wissen wir jetzt, dass der kleine, 30 qm große Laden monatlich sagenhafte 15.000, in Worten fünfzehntausend Euro Miete kostet. Was ein Ding und das in der 2. Reihe! Auf der berühmten Croisette, der Edelshoppingmeile schlechthin, soll die Ladenmiete um ein Vielfaches höher sein.

    Die Mädels warten auf den Couturier
    Die Mädels warten auf den Couturier

    Da es jetzt schon nach 20 Uhr ist, können wir noch ein paar nackte Tatsachen hier im Blog einstellen, die uns in Cannes begegnet sind. Splitterfasernackte Schaufensterpuppen zeigen ganz unverblümt ihr Antlitz.

    Der 2 m große Kristallkopf schmückt den Eingang
    Der 2 m große Kristallkopf schmückt den Eingang

    Und auch ein anderes Schaufenster zog unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ein Laden mit Edelpunkklamotten und entsprechend ansprechender Deko und mit gesalzenen Preisen.

    Wir haben auch endlich die Zeit gefunden, unser Darmstadt-Memory auszupacken und eine Runde zu spielen. Unsere Merkfähigkeit ist bestimmt noch ausbaufähig ;-)) (Ich weiß gar nicht, was er will, der Skipper hat haushoch gewonnen!)

    Ganz schön hoch sind die Wellen in der Bucht
    Ganz schön hoch sind die Wellen in der Bucht

    Morgen sollen die stürmischen Winde der letzten drei Tage endlich passé sein. Wir wollen dann eventuell zu unserem “Heimathafen” Villeneuve Llobet segeln, um am Montag  endlich mal wieder Wäsche zu waschen. In Nizza wurde das Hafengebäude umgebaut und die Waschmaschine war nicht zugänglich. Hier in Cannes ist der Waschvollautomat abgestellt, weil er angeblich Löcher in die Wäsche macht. Und nach drei Wochen quillt unser Wäschebeutel beinahe über.

  • Schön und berühmt: Die Dschäklass

    Die Treppe am Palais des Festivals, illuminiert für die Nacht
    Die Treppe am Palais des Festivals, illuminiert für die Nacht

    Cannes ist ein echter Hotspot für die Schönen, Reichen und Berühmten. Für sie bietet Cannes neben dem angenehmen Mittelmeerklima alles, was das Herz begehrt, erlesene Sterneküche, alle bekannten Modelabels der Welt haben ein Geschäft auf der Shoppingmeile, 5-Sterne-Hotels dicht an dicht, die Filmfestspiele und natürlich das blaue Meer mit endlosen Stränden.

    Doch diese Spezies wollen wir heute mal außer acht lassen und eine maritime Weltberühmheit näher betrachten, die zwar von Menschenhand geschaffen wurde, aber deren Eleganz auf dem Wasser schwerlich von den „Landmenschen” zu überbieten ist.

    Die "Shamrock" in Cannes
    Die “Shamrock” in Cannes

    Schon in den frühen Jahren des Americas Cup, der berühmtesten und ältesten Segelveranstaltung der Welt, wurde mit so eleganten Yachten um die Wette gesegelt, wie sie weder davor noch danach auf dem Wasser anzutreffen waren. Bei diesen Yachten floss das gesamte Wissen der berühmten damaligen Yachtdesignergrößen in die Konstruktion dieser segelnden Augenweiden mit ein. Die Rede ist von der sogenannten J-Class (Dschäklass, ausgesprochen).

    Von 1930–1937 segelten diese Megasegelyachten um die „Kanne”, den Pokal des Americas Cup, Unternehmerberühmtheiten wie Vanderbilt, Sopwith und Lipton, der mit dem (Eis)-Tee, waren die Treiber der Veranstaltung und die Bauherren dieser teuren Yachten.

    • Das Zahlenwerk:
      Gesamtlänge 40-42 Meter
      Breite 6,36 Meter
      Tiefgang 4,57 Meter
      Segelfläche ca. 700 Quadratmeter
      Verdrängung max 160 Tonnen
    • Die Namen der Schiffe lesen sich wie das Who-is-Who des Segelsports:
      Velsheda, Schamrock, Enterprise, Endeavour, nur um einige zu nennen.
    Bronzefarben glänzen die Beschläge in der Sonne
    Bronzefarben glänzen die Beschläge in der Sonne

    Doch dann kann der Weltkrieg und mit ihm der Untergang und Abgesang der J-Class und auch der tatsächliche physische Untergang einiger Schiffe. Bis zur Renaissance der  J-Class sollte es dann einige Jahrzehnte dauern. In den späten achtziger Jahren wurde die Multimillionärin, Unternehmerin und spätere Yachtrestaurateurin Elisabeth Meyer auf die J-Class aufmerksam. Als erstes Schiff der Klasse wurde die 1930 gebaute Endeavour, von Grund auf restauriert und später an vielen Orten der Welt präsentiert. Das Interesse von potenziellen Eignern wuchs und schon kurz danach wurde die ebenfalls in 1930 auf Kiel gelegte Shamrock komplett renoviert. Diese dann schon in der von Meyer gegründeten Yacht Restauration School, wo bis zum heutigen Tag mehr als 400 Studenten ihren Abschluss im Yachtrestaurierungsbereich erlangt haben.

    Da waren es schon zwei Schiffe und die segelten wo sie konnten gegeneinander. Das Interesse an der Klasse wuchs weiter. Alte, original erhaltene Yachten der J-Class wurden zum Teil im Schlick vergammelt gefunden und restauriert, oder gerade noch so schwimmfähig in irgendwelchen Flussläufen entdeckt und vom Kiel bis zu den Spanten, mit viel Liebe und noch mehr Geld, zu segelnden Schönheiten wiederbelebt.

    Die Shamrock segelt unter der Flagge der Isle of Man
    Die Shamrock segelt unter der Flagge der Isle of Man

    Doch neben den wiederauferstandenen Schiffen aus der damaligen Zeit gab und gibt es eine Reihe von Neubauten, die alle nach den Originalplänen und Maßen aus der damaligen Zeit entstanden sind, oder aktuell noch entstehen. Die J-Class ist daher eine zwar langsam aber stetig wachsende Klasse. Egal, wo dieses Schiffe auftauchen, sie ziehen begeisterte Zuschauer massenhaft an. Aktuell gibt es acht Yachten und drei weitere sind im Bau.

    Das Beste kommt jetzt zum Schluss, wer bis hierhin gelesen hat, schafft noch ein paar weitere Zeilen, es ist ja Wochenende.

    Das Deck, so schön und gepflegt
    Das Deck, so schön und gepflegt

    Eine dieser besonderen Schönheiten, die Shamrock V, liegt hat hier in Cannes ihren Dauerliegeplatz und wird, natürlich mit Crew, an solvente Chartergäste vermietet. Gestern, beim nachmittäglichen Nicospaziergang haben Cornelia und ich gerne mal einen kleinen Umweg gemacht und die glänzende Segelyacht (leider nur von außen) besichtigt und, wie es sich für Berühmtheiten gehört, von allen Seiten paparazzimäßig abgelichtet. Beim Hinschauen geht einem echt das Seglerherz auf, bei soviel Anmut und Eleganz.

    Wer noch mehr schöne Segelbilder sehen will, dem sei die Seite www.jclassyachts.com ans Herz gelegt.

  • Boah, wie das glänzt!

    wie ein Spiegel
    Hinterher: wie ein Spiegel

    Zwei warme Frühlingstage, die nicht nur Lust auf kommende wärmere Zeiten machen, sondern die auch die Nachlässigkeiten des zurückliegenden Winters offenbaren. An einigen Stellen spiegelt sich die Sonnen hell glänzend auf den verschiedenen Oberflächenmaterialien unseres schwimmenden Untersatzes. Wie gesagt, aber nur auf einigen.

    Es blitzt wieder
    Es blitzt wieder

    Zahlreiche Edelstahloberflächen sind so matt und an einigen wenigen Stellen auch korrodiert, dass der ARBEITSEINSATZ auch mit an den Fingern herangezogenen Gründen nicht mehr aufschiebbar war. Cornelia hat an Ihrem Laptop noch ein paar Arbeiten für den Verlag erledigt und ich habe mich mit einer  Zahnbürste, Politur und Polierlappen bewaffnet. Keine Angst, wir haben mehrere ausgediente, abgelegte Zahnbürsten für solche Jobs in Reserve.

    So schön retro
    So schön retro

    Ja, und dann ging es los, mit ganz viel Muskelkraft und meinem “Wundermittel”. Also auch ohne dass mich die Firma für diesen kleinen Werbeauftritt bezahlt: Die Metallpolitur von Autosol wirkt wahre Wunder, wenn es um Edelstahloberflächen geht. Zudem finde ich die Aufmachung der Tube ziemlich cool, so klassisch, das nur nebenbei. Ein bisschen mit dem Lappen poliert oder ein wenig mit der Zahnbürste gerubbelt und 1-2-3 glänzt der Stahl wieder Edel – genau so muss es sein.

    Der Leuchtturm von Nizza begrüßt und verabschiedet die Boote
    Der Leuchtturm von Nizza begrüßt und verabschiedet die Boote

    Was ist sonst noch so los bei uns an Bord? Gestern sind wir von Nizza nach Villeneuve-Llobet mehr getrieben als gesegelt. Zumindest am Anfang, als der Flughafen von Nizza querab und nah war, gab es noch ein bisschen Segelwind. Den wir, bzw. unsere flotte Hexe gleich in Vortrieb umgesetzt hat. Und dann gab es noch einfliegerische Einlage, der Canadères, der Feuerbekämpfungsflugzeuge. Meistens findet eine Übung mit Anflug, Sinkflug, Wassertanken, Wiederabheben und Wasserablassen mit zwei Flugzeugen gleichzeitg statt. Gestern waren gleich vier launig brummende Propellerflugzeuge der Feuerbekämpfungshelden daran beteiligt. Im Formationsflug, kurz hintereinander flogen  die Maschinen in die Bucht,  max. einen Kilometer von uns entfernt. So nah, so lärmend laut, so gewaltig das Brummen der leistungsstarken Motoren, dass alle Gräusche des nahen Flughafen nicht mehr wahrgenommen werden. Die Fliegerflotte absolviert drei Übeanflüge, perfekt getimt, so wie man es von diesen in Frankreich allseits sehr verehrten Piloten kennt.

    1
    1
    2
    2
    3
    3

     

     

     

     

    Stillarbeit
    Stillarbeit

    Dann war nach dem Anlegen erst mal Kleiderwechsel angesagt und die langbeinigen Beinkleider gegen Shorts getauscht. Ja, es war so warm, blos kein Neid, nur für ein paar Stunden. Als die Sonne nachmittags hinter den Hochhäusern verschwunden war, ging mit Sonnenuntergang auch die Quecksilbersäule in den Keller.

    Wir begegnen der Aquijo, der viertgrößten Segelyacht der Welt mit deutscher Flagge an der Saling
    Wir begegnen der Aquijo, der viertgrößten Segelyacht der Welt mit deutscher Flagge an der Saling

    Heute sind wir dann relativ früh los und nach Cannes geschippert. Am Anfang mit Motorkraft und die letzen anderthalb Stunden mit Wind von hinten. Dann kam das mit dem Polieren und jetzt pfeift ein stürmischer Wind durchs Hafenbecken und wahre Wolkenberge kämpfen gegen die Sonne. Der Luftdruck ist im Freifall. Der Wetterdienst warnt vor Windboen bis 100 Stundenkilometern und bis Freitag soll es so bleiben, ehe es dann am Samstag eventuell Regen gibt. Aber bei angenehmen 14 Grad. Na Klasse, oder?