Mich friert es am ganzen Körper, und das, obwohl die Autoheizung auf mollige 27 Grad eingestellt ist. Schnell steht fest, dass da was im Anzug ist, was ich sicherlich nicht haben will.
Skifahren bei schönstem Sonnenschein
Eine wunderbare Woche Skilaufen mit fast der ganzen Familie liegt hinter uns. Bei milden 10-15 Grad, macht Skifahren auch Spaß, eine neue Erfahrung für uns. Eine neue Erfahrung war es auch für unsere Enkeltochter Zoey, die nach ein paar Lehrstunden nun gekonnt über die schneeweißen Pisten bügeln kann, während sie Cornelia schon mal deutlich hinter sich lässt. Ein niedriger Schwerpunkt und komplette Angstfreiheit sind ideale Zutaten für das Erlernen des Skisports. Und es war so schön, mit unseren Töchtern und den Enkelkindern und immerhin einem Schwiegersohn, eine ganze Woche zu verbringen. Das schreit nach Wiederholung!
Auch Allegra genießt die Sonne auf derPisteIsabella muss noch ein bisschen warten mit dem SkifahrenLarissa als Skilehrerin, aber die Schülerin nimmt manchmal auch ihre eigenen Wege
Doch sieben Tage gehen schnell ins Land, und je weiter wir uns von Maria Alm entfernen, quasi mit jedem Kilometer mehr, verschlechtert sich mein Zustand. Die Grippe hat mich erwischt und zwei Tage später auch die Capitania eingeholt. Fieber, ein nervender Husten, Gliederschmerzen, das ganze 17 Tage lang, was für ein Elend. Wir siechen, zu absolut nix fähig, wechseln vom Bett zum Sofa und wieder zurück. So lange hat das ehemals aus dem Kindergarten eingeschleppte Mistvirus uns in seinem Klammergriff. Der geplante Flug nach Lanzarote wird annulliert, der Frühjahrsschnitt des Gartens gecancelt, soziale Kontakte, nicht dran zu denken. Nicht mal zum Blog schreiben hat die Energie gereicht!
Jetzt, seit zwei Tagen, geht es so langsam bergauf. Die Betonung liegt auf langsam, unsere Kondition ist im Keller, jedwede Anstrengung quittiert unser Körper noch mit Protest. Der äußert sich in Form von Kurzatmigkeit, röchelndem trockenen Reizhusten und schneller Erschöpfung.
Sobald wir wieder auf dem Damm sind, wollen wir zurück zum Boot und hoffen, dass das in der nahen Zukunft der Fall sein wird.
Überhaupt fehlt mir die Segelelei, zu lange ist schon her, dass wir die Segel gesetzt und uns dem Rhythmus des Atlantiks anvertraut haben. Das Meer ruft, mit seinen unendlichen Weiten!
Nachdem uns die Flusssafaris auf dem Chobe River soviel Freude bereitet haben, bekamen wir zum Schluss unserer Afrikareise die Gelegenheit, einen Sunset Cruise auf dem Sambesi Fluss, direkt oberhalb der Viktoria Wasserfälle zu buchen.
Um 16 Uhr wurden wir vom Tourveranstalter Bushtrack Tours am Hotel abgeholt, nach einer kurzen Schleife, bei der noch ein anders deutsches Paar aus Kappeln an der Schlei einstieg, am Bootssteg abgesetzt. Mit uns vieren war das kleine Flussboot nun wirklich nicht überbesetzt, und los ging es zur Wassersafari.
Im Hintergrund der Nebel der Viktoriafälle
Doch diese Tour war viel mehr als nur eine Fahrt zum „Tiereschauen“. Die Schönheit der Flusslandschaft, die sich vor unseren Augen auftat, nahm uns vollkommen in ihren Bann. Zum Glück saßen wir auf einem flachgehenden Katamaran mit gerade mal 40 Zentimeter Tiefgang, mit einem berufserfahrenen Schiffsführer, der jede der zahlreichen steinernen Untiefen des Flusslaufes in seinem Kopf abgespeichert hat. So näherten wir uns auf dem Oberlauf des Sambesi, bis auf 80 Meter, den Viktoriafällen. Das Wasser strömt an der Stelle schon recht ordentlich, erste Strudel bilden sich, die Gischt der Wasserfälle ist deutlich sichtbar und der drohende Donner des herabstürzenden Wassers klingt bedrohlich nah.
Viele Eindrücke prasseln an dieser Stelle gleichzeitig auf uns ein und dazu dazu reißt, noch keine 20 Meter von uns entfernt ein riesiges Flusspferd bedrohlich sein noch riesigeres Maul auf. Was für ein Erlebnis!
Die Strudel, die der schneller fließende Fluss durch die Unterwasserfelsen erzeugt
Geschickt manövriert uns der Käpt’n danach zu einer Stelle, an der wir alle an Land springen können, nachdem sich ein weiteres Besatzungsmitglied davon versichert hat, dass keine Krokodile an der Stelle liegen.
Käpt’n und Skipper
Wir vier vertreten uns ein bisschen die Beine, fotografieren viel und versichern uns immer wieder gegenseitig, in was für einer tollen Naturlandschaft wir doch gelandet sind. Fische, Flusspferde, Krokodile, Adler und viele andere am Wasser lebende Vögel gab es bei der dreistündigen Tour zu bestaunen, dazu diese bezaubernden Landschaften, eine superkompetente Crew und das sehr nette Paar aus Kappeln, mit den wir uns auf Abhieb gut verstanden, besser geht nicht, oder?
Sonor brummen die grobstolligen Reifen unseres Toyota Jeeps auf dem Asphalt. Wir sind auf dem Weg zu unserer letzten Safari im Chobe Nationalpark, die auch gleichzeitig die letzte Safari unserer Afrikareise ist. Der Morgen dämmert, es ist 6 Uhr.
Nach dem ersten Tag im Nationalpark sind wir vom Land aufs Wasser gewechselt. Drei dreistündige Bootssafaris standen auf dem Programm. Das ist nämlich das schöne und abwechslungsreiche am Chobepark, der von zahlreichen Flussarmen des Chobe Rivers durchzogen ist, man kann Safaris an Land und zu Wasser unternehmen, Buschlandschaft auf der Landseite und Nordseelandschaft auf der Wasserseite.
Soviel sei gesagt, wir haben jede Minute auf den Booten genossen, man wechselt buchstäblich den Blickwinkel. Die wilden Tiere Afrikas vom Wasser aus zu beobachten, ist für uns ein unvergessliches Erlebnis. Nur noch kurz, mittlerweile sind wir wieder in Simbabwe, was nicht heißt, dass wir nicht noch ein paar Aktivitäten vor unserem Rückflug unternehmen werden. Ganz oben steht eine Tour zu den naheliegenden Viktoriafällen.
Doch jetzt wird Cornelia, wie immer, ein paar wunderschöne Tier-Videos zu diesen Blogbeitrag hinzufügen.
Eine Gruppe mit etwa 20 Mungos spaziert gerade an unserer kleinen Hütte vorbei. Mungos gehören zur Rasse der Mangusten, unsere Mungos im speziellem sind Zebramangusten. Putzig sehen die kleinen Erdmännchen ähnlichen Tiere aus, und sie unterhalten uns aufs Beste. Ein paar der putzigen Wesen halten immer Ausschau, während die anderen geschäftig rumlaufen, oder nach Nahrung buddeln. Kleine Käfer, Mücken und Larven stehen ganz oben bei den Mungos auf der Speisekarte.
Ein Mungo gräbt nach Käfern
Vor drei Tagen sind wir in Hazyview im Hotel angekommen, aber unser Gedanken, oder sprechen wir in dem Fall von unserer Seele, waren noch immer im Busch. Zu krass waren die Gegensätze zwischen der Stille und Einsamkeit in der Wildnis, und den mit Chrom gefüllten, sich endlos aneinander reihenden LKWs auf dem Weg nach Maputo in Mozambique und auf den allgemein überfüllten Straßen und Orten.
Perry’s Bridge, so nennt sich das Hotel, wartet dann fast passend mit einem total verdreckten Pool, Glasscherben vor der Terrasse, einem undichten Vordach und dem Lärm der Straße auf. Eigentlich sollten wir an diesem Platz zwei Nächte bis zum Weiterflug nach Simbabwe übernachten, doch wir haben dann in aller Eile, zumindest für die Folgenacht, ganz schnell ein anderes Hotel gebucht.
Kerzengrade gewachsen
Am nächsten Tag geht es dann morgens ab 9 Uhr auf die Panoramaroute, eine Sightseeingroute, eingerahmt von der 127 Kilometer langen Drakensbergkette und dem Nutzwald zwischen Hazy View und Nelspruit. Zuerst fahren wir an angepflanzten Gummibäumen, die kerzengerade und schlank in den Himmel wachsen, vorbei, die sich, je höher wir kommen, mit zu einem ausgebreiteten Kiefernwald wandeln. Die Gummibäume werden allerorten in Südafrika als Laternen- und Strommasten verwendet.
Die Lissabon-Wasserfälle
Bald sind wir am ersten Wasserfall, dem Lissabon-Wasserfall angekommen. Wassermassen ergiesen sich aus 80 Meter Höhe, aus drei Armen, laut tösend in die Tiefe. Wir sind beeindruckt von dem Naturspektakel par excellence. Ein paar Kilometer weiter befindet sich der deutlich kleinere Berlin-Wasserfall, zur Zeit der Namensgebung muss Portugal wohl bedeutender als Deutschland gewesen sein.
Der Berliner Wasserfall
Kurz danach fahren wir weiter zu den sogenannten Bourkesluck Potholes. Runde, vom Wasser ausgewaschene steinerne Becken, die genau da entstanden sind, wo der Blyde (Freude) und Treur (Trauer) River zusammen fließen. Das gesamte Gebiet der Panoramaroute ist mit Goldminen durchzogen, in denen Gold abgebaut wird, bzw. wurde. Das Gold des bekannten Krüger Rand wird in dieser Gegend geschürft.
Die Chubby Bar
Eine Rast bei Chubbys Pig, einer Blechkultkneipe mit leckerem Essen am Treur River rundet den Ausflug ab.
Volker im südlichen Evening Dress
Das Tags zuvor gebuchte kleine Guesthouse mit nur neun Zimmern entpuppt sich als ein echter Hauptgewinn. Vor über 100 Jahren im Kolonialstil errichtet und über die Zeit liebevoll gepflegt und behutsam modernisiert, mit einer geschmackvollen Einrichtung, begrüßt es seine Gäste mit entspannenden Momenten in einer absoluten Wohlfühl-Atmosphäre. Das Abendessen wird pünktlich um 18:30 Uhr von allen Gästen gemeinsam eingenommen. Auf der Terrasse gibt es eine Honesty-Bar, man nimmt sich den Wein, das Wasser, aber auch einen Gin & Tonic oder Champagner, schreibt es auf den Zettel, und bezahlt am Ende. Viel zu früh, am nächsten Morgen, müssen wir unser liebgewonnenes kleines Hotel schon wieder verlassen und zum International Nelspruit Flughafen fahren.
Dort sind wir so früh, erstmal die einzigen Passagiere, und auch bis zum Abflug werden es nicht viel mehr. Ein Flugzeug, das von außen aussieht wie ein Privatjet, fliegt uns nach Johannesburg. Von dort aus geht es ein paar Stunden später weiter nach Viktoria Falls International Airport. Wir müssen Einreiseformulare ausfüllen und kurz vor der Landung läuft die Stewardess mit einem desinfizierenden Spray durch den Flieger. Das ist wohl eine Einreisebedingung.
Nach der Landung geht es erst zur Gesundheitsbehörde, dann zur Immigration, dann zur Flughafenpolizei und am Ende durch den Zoll. Hurra! Wir sind in Simbabwe eingereist. Der Fahrer zum Safarihotel wartet schon und mit ein paar Wildtiersichtungen sind wir 1,5 Stunden später an der Grenze angekommen, da erfolgt dann die gleiche Enreiseprozedur wie nach Simbabwe, plus Fiebermessen beim Healthofficer. Zudem müssen alle Schuhe desinfiziert werden. Wir machen brav alles mit, es ist eben wie es ist.
Hier, im Chobe Safari Park, haben wir mittlerweile eine Morgensafari mit ein paar neuen Tiersichtungen hinter uns. Ein Schakal, ein kleiner Kingfisher Vogel, Mungos und eine Echse, sowie die oben genannten Zebra-Mangusten erfreuen unsere Seele.
Ein schöner Handtuch-Elefant unddie Wildschweine begrüßen uns
Mittlerweile haben wir dazu noch das dritte Zimmer bezogen. Katastrophe sag ich mal: Zimmer 1 befand sich direkt neben einer Neubau-Baustelle, in Zimmer 2 haben die brummenden Klimaanlagen der Nachbarräume für eine schlaflose Nacht gesorgt. Zimmer 3 ist jetzt eine Hütte, Rondavel, wie diese Hütten der Einheimischen genannt werden, liegt direkt am Chobe River und noch sind alle Nachbarhütten leer, besser geht nicht, also Daumen drücken. Zum Abendessen gab es gestern Steak von der Rappenantilope, mega lecker. Wir befinden uns hier in einem Vierländereck. Botswana, Namibia, Simbabwe und Sambia, stoßen aneinander, es gibt eine überschneidende Stelle auf einer Brücke, bei der der Fuß in allen vier Ländern steht. Nur der Wettergott sorgt für ein bisschen Turbulenz im Moment, Gewitter wechseln sich mit sonnigen und wolkigen Abschnitten ab.
Jetzt wohnen wir in einer dieser niedlichen Hütten, direkt am Fluss und mit den anfangs genannten Mungos vor der Veranda
Gestern war auch ich wieder mit von der Partie, bei der Morgensafari. Und eins ist ja echt wunderbar, kaum wenn man das erste Tier der Fahrt sieht, schüttet der Körper spürbar jede Menge Glückshormone aus, und die Müdigkeit verfliegt wie im Handumdrehen.
Doch zurück zur gestrigen Morgentour. Dick eingemummelt sitzen wir in der zweiten Passagierreihe des Toyota Landcruisers und fahren mal wieder Wege, die wir als Safari-Laien als nicht fahrbar erachten würden. Doch der stählerne, vierrädrige stählerne Lastesel und unser erfahrener Tourguide meistern das Terrain.
Der Gepard hat gejagt, zwei Elenantilopen standen auf seiner Speisekarte. Genüsslich knabbert der Jäger seine Beute, und wir sind live dabei, maximal fünf Meter entfernt. Kurz steht das Raubtier auf, markiert noch sein Revier, und schon überkommt den Geparden eine bleierne Müdigkeit. Ehe wir uns versehen, liegt das Tier wie ein übergroßer Schmusekater schlafend und gut getarnt im Gras der Savanne.
Wir fahren weiter und stehen kurz danach neben einer friedlich grasenden Elefantenherde, besehend aus fünf Tieren. Vier davon ziehen langsam weiter, ein junger fünf Jahre alter Bulle, lässt sich nicht irritieren und frühstückt genüsslich weiter. Irgendwann scheint er satt zu sein und kommt langsam, ohne jede Hektik, auf unser Fahrzeug zu. Ein Teil der Insassen bittet den Fahrer freundlich, doch jetzt loszufahren, doch Coolman, mit all seiner Erfahrung, lässt sich von der Situation nicht beeindrucken und sagt auch nix.
Wir bleiben also stehen, während der Koloss langsam immer näher kommt. Keiner an Bord sagt nun mehr irgendwas, es ist mucksmäuschenstill im sonst so gesprächigen Expeditionsfahrzeug. Dann ist der Elefantenbulle nur noch einen halben Meter und sein Rüssel noch maximal 20 Zentimeter von mir weg. Die Zeit vergeht im Zeitlupentempo irgendwann spaziert der Elefant weiter in Richtung seiner Familie, wo er hingehört.
So nah …Auf Wiedersehen!
Aufatmen bei allen an Bord und mein Herz schlägt ein paar Takte schneller. Was für ein Erlebnis, was haben wir für ein Glück mit diesen wundervollen Kreaturen der Natur, und mit unserem Tourguide, der mit seiner großen Erfahrung und seinem Spürsinn zielsicher die Tiere findet, und uns das Gefühl gibt, dass wir uns in guten und sicheren Händen befinden.
Zwei RappenantilopenEin Hammerkopf auf dem NilpferdkopfBaboons – eine Pavianart
Nach der Morgentour ist vor dem Frühstück, ist vor dem Mittagsschlaf und vor der Nachmittagstour. So einfach ist der Tagesablauf im Safarialltag gestrickt. Nachmittags geht es zu den Giraffen in den geschützten, raubtierfreien Bereich des Gondwanaparks. Dort können wir seelenruhig zwischen einer Herde mit elf Giraffen rumspazieren, oder die Giraffen um uns rum, je nachdem, wie man es sieht. Das war mal wieder ein sehr schönes Erlebnis.
Coolman bleibt coolSelfie mit Giraffen
Nach dem Abendessen liegen wir müde und voll gepackt mit den Eindrücken des Tages bereits um 21:15 Uhr im Bett.
Als wir dann heute früh, nach einem sehr erholsamen Schlaf aus dem Fenster schauen, sehen wir, dass sich eine Herde Wasserbüffel und ein einsames Zebra um unser Haus versammelt hatten. Bei der Morgensafari sind uns die drei Löwen entgegengekommen, wir haben nochmals den Geparden gesehen, einige Zebrababys mit ihren Müttern beobachtet, die Elefantenherde von gestern auf einer Anhöhe bestaunt.
Nach der Rückkehr an der Lodge, sind wir direkt zu unserem Haus gefahren worden, haben flux die bereits gepackten Koffer geholt und sitzen jetzt für die nächsten sechs Stunden im Auto, auf dem Weg zurück nach Camps Bay, Kapstadt. Unsere erste Safari liegt hinter uns, wir sind schockverliebt in dieses Naturerlebnis, wie unsere liebe Freundin Martina es wohl beschreiben würde.
Morgen geht es mit der Fähre nach Robben Island, zum Gefängnis, in dem Nelson Mandela einst einsaß.
leichte Wellen nur heute am südlichsten Punkt Afrikas
Nachdem wir gestern einige der städtischen Highlights in Kapstadt besichtigt haben, wurden wir heute früh schon um acht Uhr von Henrik für eine Landpartie abgeholt. U.a. stand das Kap der Guten Hoffnung, der äußerste südwestliche Zipfel des afrikanischen Kontinents und der Southern Point, der ein paar hundert Meter weiter liegende südlichste Punkt Afrikas, auf dem Programm
Mit dem Auto ging es auf der zweitältesten Straße Südafrikas, unterhalb der beeindruckenden Felsformation der 12 Apostel, in Richtung Hout Bay (Holz Bucht) und dann weiter auf der beeindruckenden Chapmans Road, die zu einer der schönsten Straßen der Welt zählt. Fast alle bekannten Autohersteller haben dort schon Werbevideos für neue Automodelle gedreht. Der Bau der Straße hat neun Jahre gedauert. Größere Baumaschinen wurden dazu jedoch nicht genutzt, da der bröcklige, sandige Untergrund händisch bearbeitet werden musste.
Mr. Baboon
Im Verlauf der Fahrt hat uns Hendrik erklärt, dass wir uns nun in der Wildnis befinden, und wir deshalb auf die freilaufenden Paviane, sowie die zahlreich vorkommenden Giftschlangen und Skorpione achten müssten, wenn wir rumlaufen Letztere sind uns nicht begegnet, Paviane jedoch schon. Diese Affenart wird hier Baboons genannt, und sie haben einen etwas zweifelhaften Ruf. Sie suchen aus Futtergründen die Nähe der Menschen, sind in der Lage, Türen und Reißverschlüsse zu öffnen und klauen schon gerne mal eine da stehende Tasche. Vor allem sind sie an allem interessiert, was essbar ist. Wer leichtsinnigerweise Haus- oder Autofenster offen lässt, muss sich nicht über den tierischen Besuch wundern.
Eine hügelige und waldfreie Landschaft, die mich an die spanische Macchia erinnert, zieht an uns vorbei. Nach ein paar Kilometern wird der Küstenabschnitt weniger steil, und immer wieder laden Sandstrände zum sonntäglichen Bad im Atlantik ein. Die Sklavenzeit wird zum großen Thema der Autofahrt.
Henrik berichtet uns, dass es im Großen und Ganzen drei Ethnien in Südafrika gibt. Die Weißen, die Farbigen und die Schwarzen. Die Schwarzen hatten die wenigsten Rechte, weil die Weißen sie am Anfang schlichtweg als dumm und als nicht bildbar beurteilt haben. Versklavt und an die Weißen verkauft wurden sie jedoch von brutalen und profitorientierten afrikanischen Stammesführern. Als Farbige oder Coloured galten gebildete Sklaven und Arbeiter, sowohl aus dem afrikanischen als auch aus dem asiatischen Raum. Alles, was man sich als abscheulich und diskriminierend vorstellen kann, ist in den 300 Jahren der dunklen Sklavengeschichte von den Weißen gegen die Schwarzen etabliert und institutionalisiert worden.
Die Schwarzen hatten keine Rechte und wohnten in den ärmlichsten und am schlechtesten gebauten Townships. Es wurde insgesamt auf eine strikte Trennung zu den Weißen, in allen Lebensbereichen, geachtet. Dazwischen standen die Farbigen, die in besser gebauten Barracken wohnten, zur Schule gehen und frei arbeiten durften sowie Dienstleistungen für die Weißen anbieten konnten. Es wurden Polizeistellen zwischen den verschiedenen Wohnvierteln der Ethnien errichtet, die sehr strikt darauf geachtet haben, dass es keinen Austausch zwischen den Volksgruppen gab, außer der (Sklaven)-Arbeit.
Die Sklavenzeit wurde offiziell erst im Jahre 1992 abgeschafft. Das ist natürlich geschichtlich betrachtet noch nicht lange her. Doch das Land sei auf einem guten Weg, auch dank des bereits gestern erwähnten politischen System, erwähnt Henrik, der sich sehr in die Geschichte und die Politik Afrikas eingearbeitet hat. In den Townships gäbe es heute eine kostenlose Gesundheitssorge und Ärzte,zweimal täglich warmes Essen für Bedürftige, freien Wohnraum, Kleidung oder für alle anderen Bedürfnisse des täglichen Bedarfs, und natürlich Schulen und Bildung.
Nach soviel Informationen sind wir irgendwann mitten im Naturschutzgebiet drin und schon ganz nah am Kap der Guten Hoffnung dran. Das wurde von Bartolomeo Dias 1487 mit dem Schiff São Cristó vāo, entdeckt, und von ihm zuerst als Kap der Stürme benannt. Denn sein Schiff und zwei weitere Schiffe der Flotille hatten beim Entdecken gleich richtig Pech, und sind nachts in einen schweren Sturm geraten und alle drei Schiffe sind auf dem Bello Rock auf Grund gelaufen. Es gab ja noch kein GPS. Ein Schiff ist gesunken, ein Schiff ist abgetrieben und erst 16 Monate später wieder gefunden worden. Die Mannschaften haben sich mit den Beibooten an den nahen Strand retten können. Das Schiff von Dias konnte einige Tage später wieder vom Fels befreit und in der nahen False Bay auf einem Ankerplatz repariert werden.
Der portugiesische König befahl das Kap der Stürme in das Kap der Guten Hoffnung umzubenennen, damit sich zukünftige Seefahrer und Entdecker auch weiterhin angstfrei auf die gefährliche Kapumrundung machen und Länder entdecken oder besetzten wollen. Klingt ja auch echt besser, Cape of good Hope! Stürme beziehungsweise Monsterwellen gibt es dort öfter. Die hohen Wellen entstehen, weil der arktisch kalte Benguela Strom und der tropisch warme Aguhlhas Strom aufeinander treffen.
Natürlich haben wir dann das Kap der Guten Hoffnung und South Point besucht: Steile Klippen, der weiße Dias Strand, eine Herde Delfine, die vorbei schwimmt, der Leuchtturm, die Kelpwälder, die sich im Rhythmus der Wellen wiegen. Wir haben, so gut es ging, versucht, alle Eindrücke in uns aufzunehmen. Gut, dass wir uns dorthin aufgemacht haben.
Here we are
Danach ging es entlang der Küste, nach Simons Bay, einem Badeort in der False Bay, mit schneeweißen Stränden, großen runden Felsformationen im Meer und einer Pinguinkolonie, den sogenannten Afrika Pinguinen.
Drollige Bewegungen der kleinen Pinguine auf dem Weg zum Meer
Danach stand noch der obligatorische Besuch eines Weingutes auf dem Programm, genießt doch der Rebensaft aus der Kapregion ein hohes Ansehen auf der Welt. Leider gab es nur einen Weißwein, keinen Sekt, dafür viele Rotweine zum Probieren, aber für uns war es eigentlich auch ein bisschen zu früh am Tag, um das wirklich genießen zu können.
Kritische Blicke
Der Tag hat uns wieder mit so vielen wundervollen Eindrücken gefüttert, dass wir erst nach dem sehr sehr leckeren Abendessen im Hussaren Grill in der Lage sind, diesen Blog zu veröffentlichen, es gibt einfach zu viel zu berichten.
8,5 gegangene Kilometer zeigt der Schrittzähler des Telefons nach unserem ersten Ausflugstag durch Kapstadt und Umgebung an. Es ist noch nicht mal 48 Stunden her, dass wir in den Lufthansaflieger am Frankfurter Flughafen gestiegen sind, der uns in das über 13.000 Kilometer entfernte Kapstadt fliegen sollte. Pünktlich um 22:25 Uhr heben wir ab, nass glänzt der Asphalt, genauso wie es Reinhard Mey in seinem Song vor einigen Jahrzehnten beschrieben hat. Nach 11,5 Stunden, einer fast durchwachten Nacht und einem, Gott sei Dank, ereignislosen Flug landen wir in Kapstadt. Dort reihen wir uns, wie alle außer den Einheimischen, in die Warteschlange zur Grenzbehörde ein. Eine Stunde später sind wir da, mit gestempeltem Reisepass, offiziell in Südafrika eingereist. Eine weitere halbe Stunde lang halten wir Ausschau nach unserem Gepäck am Gepäckband und machen uns dann mit Gepäcktrolley und unseren Koffern auf den Weg zum Ausgang.
im AnflugDie Schlange an der Passkontrolle ist endlosWann kommen denn endlich die Koffer?
Kaum sind wir dort aus der Tür raus, finden wir auch schon Debbie unter den Wartenden, die uns heute zum Hotel fährt. Der Weg dorthin macht uns schon klar, dass wir uns in einem fremden Land mit vielen Abweichungen zum deutschen Alltag befinden. Debbie erzählt von ihrer Stadt, und wir werden, im positiven Sinne, mit Informationen und neuen äußeren, visuellen Eindrücken geflutet.
Wir sehen die Townships, also die Häuser und Viertel mit ihren kleinen Buden und Wellblech-Baracken, in denen der schwarze Teil der Bevölkerung lebt, die Bürohochhäuser, die Klinik, in der Professor Barnard 1967 das erste Herz erfolgreich transplantiert hat, und das Stadion, in dem 2010 das Eröffnugsspiel zur Fußballweltmeisterschaft stattfand. Weiter geht unsere Fahrt zu den hügeligen, äußeren Bezirken von Kapstadt, wo der wohlhabendere Teil der Bevölkerung in mit Zäunen gesicherten Häusern lebt. Und schließlich sind wir über den Berg, Camps Bay mit seinen Hotels und Villen liegt im Tal direkt am Meer. Der in der Mittagssonne daliegende Ozean zeigt sich in seinen schillerndsten Farben, mit seinen einladenden Stränden.
Sehr freundlich und zuvorkommend werden wir im Hotel willkommen geheißen, und nach dem auspacken der Koffer folgt eine fast schon als komatös zu bezeichnende Schlafphase von zwei Stunden. Eine durchwachte Nacht fordert ihren Tribut. Um 17:20 Uhr machen wir uns auf, an den Strand und zur Uferpromenade zu gehen . Alles hier wirkt wie man es ebenso von anderen typischen Ferienorten am Meer kennt. Es gibt einen endlos langen Strand, mit Beachvolleyball Feldern, sonnenbadenden Menschen, brandenden Wellen und hohen Palmen. Auf der anderen Straßenseite tobt das Leben in Bars, Restaurants und Shoppingläden, dazu gibt es noch wild trommelnde, singende und tanzende Musikgruppen mit aufgestellter Kasse. Uns zieht es zu schön geformten Felsen hin, an denen die Brandung spektakulär bricht und aufsteigt.
Sonnenuntergang
Wir mischen uns unter die Spazierenden und flanieren mit offenen und manchmal staunenden Augen durch das Gedränge der Menschenmenge, machen dazu erste Fotos und Videoaufnahmen, und lassen die sehr positive Atmosphäre auf uns wirken. Dabei fällt sofort jede Müdigkeit von uns ab. Nach einer Weile gehen wir zurück ins Hotel, duschen dort, ziehen uns etwas Wärmeres zum Abendessen an, und stürzen uns abermals ins Gewusel. Mit viel Glück und nach mehreren erfolglosen Versuchen finden wir einen Tisch in einem kleinen Restaurant, dort sitzen wir in der ersten Reihe.
Vor uns ziehen fröhliche Menschen aus aller Herren Länder vorbei, Luxus- und normale Autos fahren auf und ab, und die Sonne nähert sich ihrem allabendlichen Untergangs – Urlaubskulisse und Urlaubsfeeling pur. Kurz nach 21 Uhr ist die Luft raus, die Müdigkeit greift bei uns um sich,und wie das bei lang zusammenlebenden Paaren wohl üblich ist, wird die Übereinkunft zur Heimkehr nonverbal beschlossen.
Am nächsten Morgen geht es früh aus den Federn, denn für 9 Uhr haben wir eine ganztägige Ausflugstour gebucht. Hendrik, der sympathische Däne, der seit 16 Jahren hier lebt, steht überpünktlich auf der Matte.
Hoch geht es zum Tafelberg, mit vielen Erklärungen und detaillierten Beschreibungen zu Mothercity, wie Kapstadt liebevoll von den Einheimischen genannt wird. Eine sich langsam, bei der Fahrt drehende Gondel bringt uns dann auf den fast wolkenfreien Tafelberg. Wenn der Berg wolkenverhangen ist, sagt man hier, es läge eine Tischdecke darüber. Dort angekommen genießen wir erstmal die spektakuläre Aussicht auf Kapstadt, die Bucht, den Hafen und die sich östlich angrenzenden Wohnbezirke. In Kapstadt leben 8 Millionen Menschen, davon fast 5 Millionen in den sogenannten Townships. Mit den angrenzenden Bezirken, sagt Hendrik, leben insgesamt 19 Millionen Menschen in der Kapstadtregion, die sich über 30 Kilometer in der Breite und 45 Kilometer in der Länge erstreckt.
Signal HillBlick von oben
Es schließt sich ein halbstündiger Spaziergang über das flache Hochplateau des Tafelberges an. Auf der Südseite blicken wir dann auf Camps Bay. Der Tafelberg zählt zu den modernen 7 Weltwundern…. Manche laufen oder erklettern auch den Tafelberg, der natürlich das beliebteste Ausflugsziel in der Region ist.
Als nächstes Ziel hat Hendrik das moslemische Viertel ausgesucht, das in der Geschichte eine historisch relevante Bedeutung zum Ende der Sklavenzeit hatte. Dort siedelten die ersten freien, vormaligen Sklaven aus dem malaysischen Raum, im Laufe der Zeit wurden die weißen Häuser, als ein äußeres Zeichen der Selbstbestimmung, quietschebunt gestrichen und präsentieren sich heute in einem sehr gepflegten Zustand, nebst zwei dazugehörigen Moscheen. Hendrik lotste uns dort zu einem wunderbaren kleinen Restaurant, bei dem Speisen angeboten wurden, die einen Mix aus der malaysischen und holländischen Küche darstellen. Diese kleinen Restaurants hier haben sich entwickelt aus einer Sitte, dass man, wenn es aus einem Haus gut nach Essen gerochen hat, einfach reingehen konnte, und man bekam etwas von dem Essen ab, oder man gab eigene Zutaten ab und ein Gericht wurde zubereitet. Cornelia hatte eine Fischcurry, Hendrik ein Hühnchencurry, und ich ein Hackfleischgericht mit überbackenen Eiern aus dem Ofen. sehr lecker!
So sahen die ersten Werke aus, mit denen der Künstler entdeckt wurdAus Coffee PadsEin Elefant
Danach haben wir noch eine kleineAusstellung von einem lokalen Künstler, Nathan Chicoto, besichtigt, der aus Müll, z.B. Blechdosen oder Kronenkorken, etc., Kunst macht. Der Künstler selbst ist am Straßenrand geboren worden und auch dort aufgewachsen und hat glücklicher Weise schon in Kinderjahren sein Talent erkannt und aus Blechdosen, Flieger und Spielzeugautos hergestellt. Heute gibt es sogar in Belgien eine Ausstellung mit den von ihm gefertigten Kunst- und Alltagsgegenständen.
Danach ging die Fahrt weiter zur innerstädtischen Festung von 1655. Die Festung war natürlich nicht immer in der Innenstadt, sie lag früher direkt am Meer. Durch Landgewinnung ist die Stadt im Laufe der Zeit weiter in Richtung Meer gewachsen, denn die Holländer sind ja die wahren Meister in diesem Metier. Kapstadt wurde 1650 von den Holländern entdeckt und als menschenleere Gegend wahrgenommen und von da an besiedelt. Erst ein paar Monate nach der Erstbesiedelung sollte sich herausstellen, dass Kapstadt schon von heimischen Nomadenvölkern besiedelt war. Aber die Nomaden waren halt genau zu der Zeit weiter im Norden, weil es Winter und damit kalt in Südafrika war. Danach begann das dunkle Kapitel der Sklavenzeit, und die Besiedlung sowie der Ausbau der Region durch die Holländer. Zwischendurch haben die Engländer in Kriegen, die Holländer vertrieben. Aber wir wollen jetzt nicht in die wechselvolle und manchmal schwarze Geschichte abtreiben.
FolterwerkzeugeTsch mit 100 StühlenUnd holländische
Jetzt wird Südafrika von insgesamt acht Parteien, einschließlich der afrikanischen Freiheitspartei ANC, regiert. Hendrik sagt, dass das ein wirklich gut funktionierendes System ist, weil auch jeder jeden überwacht, und keine Partei die volle Macht hat. Schön zu hören, dass es auch gut funktionierende Koalitionen gibt…
Anschließend sind wir dann zur sogenannten Victoria Wharf an der Waterfront gefahren. Einem total wuseligen Mix aus Restaurants, Shoppingcenter und Einzelläden, das von Menschenmassen (nicht im negativen Sinne) besucht wird. Uns zieht es aber nicht zum Einkaufen dorthin, denn da liegt auch hinter zeei zu öffnenden Brücken (es war ja mal alles holländisch),der große Yachthafen. Segelschiffe aus aller Welt haben da festgemacht, wir finden sogar eine Outremer, auf der aber gerade anscheinend keiner wohnt.
Ich unterstütze noch die lokale Seerettung mit dem Kauf eines hübschen Shirts. Danach gucken wir am nahen Ufer einer weiter draußen stattfindenden Regatta, mit ca 35 Schiffen, zu. Das letzte Highlight des Tages ist dann der Park der ehemaligen VOC, der mächtigen Handelsgesellschaft, die Vereinigte Ostindische Compagnie der Holländer, die damals in weiten Teilen der Welt den Handel bestimmt hat. Der Park diente seinerzeit dem Anbau von Gemüse und Kräutern. Heute grenzt das historische Nationalmuseum, die Nationalgalerie, die Staatsbibliothek und das Parlamentsgebäude daran an. Ein wunderschöner Baumbestand und Büsche aus der ganzen Welt, ein Rosengarten, sowie der aus alten Plänen wiederhergestellte Gemüseanbau, prägen heute das Bild dieses vielbesuchten Parks.
Uralte Bäumeund das House of Parliament
Jetzt sitzen wir bis zum Abendessen im Hotelzimmer und verarbeiten die vielen Eindrücke und bearbeiten unseren Blog.
Der Regen der vergangenen Wochen, hat dafür gesorgt, es blüht überall auf Lanzarote Ein Vogel nistet im (Alu)-Baum
Kurz, schön und abwechslungsreich waren unsere sieben Tage an Bord. Wir haben am Playa Chica angebadet fürs Jahr 2025, ein sehr leckeres Abendessen mit unseren Freunden, Jan und Ria, auf deren Boot genossen, dazu noch schöne und unterhaltsame Stunden im Upperdeck mit Franz und Claudia verbracht, und die liebe Ulrike in Arrecife getroffen.
Der Haubentaucher
Dazu habe ich, weil das immer wieder Sinn macht, an drei Nachmittagen das komplette Unterwasserschiff gereinigt. Der neue 5 mm dicke Neoprenanzug mit Haube von Cressi,den wir schon seit drei Jahren unbenutzt an Bord hatten, hat mich dabei sehr schön warm gehalten.Denn die neueren Neoprenanzüge haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Vorgängern. Bei ihnen ist eine wasserdichte Nylonschicht eingearbeitet und so wird viel weniger Wasser zwischen den Körper und dem wasserdurchlässigen Neoprenmaterial ausgetauscht, das sorgt dafür, dass man, selbst nach über einer Stunde im Wasser, noch muggelig warm bleibt. Die atlantische Wassertemperatur beträgt zwar immer noch 19 Grad, und selbst mein geliebter 3 mm dünner Neoprenanzug würden ausreichen, aber so eine angenehme, gefühlte Wärme im Wasser ist schon was tolles. Jedenfalls liegt die Hexe jetzt geschniegelt und gestriegelt da, in ihrem Element.
Die Hexe … in der Abendsonne
Jetzt probiere ich mal die Kurve von der eigentlich geplanten Segelreise in die Karibik zur jetzt startenden Landreise nach Südafrika zu bekommen und zu erklären, wie es zur Planänderung kam. Und das, obwohl die äußeren Bedingungen ideal sind, d.h. dass ein beständiger Passatwind weht.
Schon seit Jahren möchte ich gerne mal eine Rundreise durch den Süden Afrikas machen, mit einem Besuch des Tafelberges, einem Ausflug zum südlichsten Punkt Südafrikas, dem Kap der Guten Hoffnung und einer Safari in einem der zahlreichen Nationalparks. Also habe ich Anfang Januar mal einfach so – und ohne das Wissen der Capitania – mit der Planung begonnen. Ab diesem Punkt gab es kein Halten mehr, und nach einer Flasche Sekt im Skiurlurlaub hab ich dann Cornelia in meine Pläne eingeweiht. Und wie sie so ist, war die Capitania, gleich Feuer und Flamme für die neuen Reisepläne.
Heute Nacht geht die Reise los, für knapp vier Wochen fliegen wir in das Land, in dem die Wiege der Menschheit liegt, wir sind schon ganz aufgeregt.
Wir werden unsere Erlebnisse, wie immer, hier im Blog mit Euch teilen, ein paar Bootstouren sind auch schon eingeplant. So ganz ohne Wasser geht es ja nicht!
Leise rieselt(e) der Schnee, einen Tag nach unserer Ankunft in Deutschland, just in dem Moment, als Cornelia vom Einkaufen hurück kam, auf die Erde. Erst fielen vereinzelt super dicke Flocken, dann wurde es ein richtig gehendes Schneegestöber, um uns herum wurde alles weihnachtlich weiß. Doch hier im Rhein Main Gebiet, eine der wärmsten Regionen von Deutschland, hält es der Schnee nicht lange aus und schmilzt fast genau so schnell wie er kommt. Zumal, wenn es sich bei dem Schneefall um den Durchzug einer Warmfront des atlantischen Tiefdruckgebiets handelt. Schade, dass der weiße Zauber so schnell vergeht.
Kinderpunsch und Pommes auf dem Weihnachtsmarkt
Wir haben die Wärme Lanzarotes gegen das kühl-graue, nahezu komplett sonnenbefreite Winterwetter von Deutschland getauscht. Ein heimlicher Hang zum Masochismus? Nein, soviel sei versichert. Unsere Enkelkinder haben uns (an-) gelockt, wir wollten mit ihnen das Nikolausfest gefeiern. Ich (Volker) habe mich als Nikolaus versucht, jedoch fiel die Maskerade auf („… das ist doch Opa, den habe ich an der Hose erkannt!“) und ich wurde von dem scharfen Verstand meiner 5-jährigen Enkeltochter, schneller entlarvt, als dass ich ihr die Geschenke, reichen konnte. Da muss ich wohl noch bis zum nächsten Jahr die Verkleidung optimieren und die Stimme trainieren. Trotzdem hatten die große und die kleine Enkeltochter, sowie die anwesende Verwandschaft, einschließlich mir, viel Spaß am Nikolausabend
Selbst gebunden und geschmückt, der AdventskranzDer Baum stehtIn der Weihnachtsbäckerei
Festlich war die Stimmung ebenso am ersten Advent auf der Hexe. Wir haben eingeladen, unsere Freunde sind dem Ruf gefolgt. Es gab ein festliches Miteinander am ersten Adventssonntag, bei 27 Grad, mit selbst gebackenem Kuchen, selbst gebackenen Plätzchen von Cerstin und einem vorgetragenen Gedicht. Im späteren Verlauf des Nachmittags schwenkte die Gemeinschaft von Kaffee zu alkoholischen Getränken um, und die eine oder andere Flasche Cava wurde geköpft.
WeihnachtsmodusDa kommt gute Laune aufFestlich gedeckt, der Cockpittisch
Fast wie der Hohn kam dann letzten Tag vor dem Rückflug der Passatwind. Und wie, mit über 20 Knoten und in der Vorhersage auch durchgängig für die nächsten Tage. Erst jetzt, also gut eine Woche später, zeichnet sich zum Wochenende hin eine Passatabschwächung ab. Das haätte also gereicht, für den Start, um in die Karibik zu segeln, das wäre ein Wetterfenster gewessen. Hätte, hätte, Fahrradkette. Uns war die Zeit zu knapp bemessen, um dort das Boot gescheit und dennoch nicht zu kostenintensiv zu parken und dazu noch einen bezahlbaren Rückflug nach Frankfurt zu buchen. Es ist wie es ist, im Januar wird es hoffentlich einen Wunschpassat geben, denn der steht ziemlich weit oben auf unserem Wunschzettel.
Zaghaftes Grünnach demRegen
Mit einem habe ich mich ja, glücklicherweise, komplett vertan. Und das betrifft die Ausfälle, bei der Solo-Nonstop-um-die-Welt-Regatta, der Vendée Globe.
Trotz zum Teil anspruchsvoller Wetterbedingungen sind bisher nur zwei der insgesamt vierzig Teilnehmer ausgeschieden, einer wegen einer Verletzung am Fuß und einer wegen eines gebrochenen Vorstags. Das war in den vorhergehenden Editionen der anspruchsvollsten Regatta der Welt leider anders. Es spricht für die TeilnehmerInnen, die sich und ihre Schiffe, in jeder Himsicht, bestens für den Segelmarathon präpariert haben, und für die anspruchsvollen Bedingungen wohl bestens gewappnet sind. Mehrmals täglich schaue ich auf der Veranstalter-Website nach den Positionen und den Neuigkeiten. Auffällig ist, wie Charlie Dalin das Feld an der Spitze dominiert, und wie vier der weiblichen Teilnehmer, bei dem extrem hohen Führungstempo der ersten Zehn, äußerst gekonnt mithalten können. Es ist wirklich eine Freude und ein tägliches Highlight, dem Regattafeld zu folgen. Rund 14.000 Seemeilen liegen noch vor den Führenden und 10.000 Seemeilen liegen schon im Kielwasser der Spitzengruppe.
Www……….
Bei einem anderen Rennen, oder besagt einem Rekordversuch, der Jules Vernes Trophy, mussten sowohl die Larartigue als auch die Sodebo nach nur fünf, bzw. sechs gesegelten Tagen ihre Segel streichen und wegen Schäden am Ruder oder Foil zu ihrer Basis nach Lorient zurückkehren. Dort werden die rekordverdächtigen Rennmaschinen wieder einsatzklar gemacht und werden bei einem guten Wetterfenster wieder auf die Hatz um die schnellste Weltumrundung, mit einem Segelboot gehen. Die bisherige Rekordmesslatte liegt be rund 42 Tagen und wurde 2017 von dem Franzosen François Gabart mit seinem Trimaran „Macif“ aufgestellt.
Was machen die Regattasegler??? Schleppend langsam, für ihre Verhältnisse, quälen sich die Imoca 60 Rennyachten über den Parcours, auf dem Weg zum Äquator. Statt frischen Passatwinds gibt es Gegen- oder keinen Wind aus dem südlichen Quadranten des atlantischen Tiefdruckgebietes. Die Imoca 60 der alten Generation, ohne Foils, führen seit Tagen das Feld an, in diesem Flautenkrimi. Selbst die Capitania ist vom Regattavirus infiziert und folgt mehrmals täglich den vierstündlich aktualisierten Platzierungen und Neuigkeiten auf der Website der Veranstalters.
Vollmond über der Hexe …… am Pechiguera-Leuchtturm… und über Rubicon
Und wann segeln wir endlich los??? Für uns sieht es leider sehr, sehr trübe aus, das nordatlantische Passatsystem ist nicht mehr existent, stattdessen gibt es weit nach Süden reichende atlantische Tiefdruckgebiete, die fast stationär stehen bleiben. Und wenn man eine Woche weiter schaut, ist schon das nächste Tief im Westen, aus Amerika, unterwegs zu uns, mit seinem Kern auf 30 Grad Nord. Mit den Tiefdruckgebieten kommen ausgebreitete Regenfelder zu den Kanaren, was ja prinzipiell erst mal positiv ist, zumindest in Lanzarote.
Doch vor drei Tagen wurde Puerto Calero von regelrecht sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. Viele Straßenzüge und Kellereinfahrten waren überflutet. Die Kanalisation hier ist für solche Ereignisse nicht ausgelegt. Zudem haben sich Erd-, Stein- und Schlammmassen in Bewegung gesetzt. Bagger und Räumfahrzeuge mussten anrücken. Zu Schaden ist Gott-sei-Dank, keiner gekommen. Am heutigen Nachmittag hat es wieder heftig geregnet. Starke südliche Winde treiben die Brandungswellen zur Hafenmauer, die dort laut polternd brechen und die dahinter liegenden Schiffe mit einem feinen Salznebel überziehen.
Und jetzt??? Es ist sind natürlich Erste-Welt-Probleme, dass wir nicht los können und auf einem fertig gepackten und komplett verproviantierten Boot sitzen. Wir haben uns eine Frist gesetzt, bis zu der wir maximal warten werden, denn ansonsten verschieben wir die Abfahrt an den Anfang von 2025, da wir bis spätestens zum 15. Dezember, wieder in Deutschland sein wollen, um Weihnachten mit der Familie zu feiern.
Es bleiben also noch knapp zehn Tage übrig. Mal gucken, ob Daumen drücken, magische Beschwörungsformeln oder Flüche die Wetter- oder Meeresgötter umstimmen können.
Wie ist die Stimmung an Bord??? Unserer positiven Stimmung und Haltung tut das Warten keinen Abbruch, denn alle unseren lieben (Nicht-nur-Segel-)Freunde sind auf der Insel. Erstmals waren wir deutlich mehr als 20 Menschen bei unseren beliebten Champagne-Friday-Party. Bei soviel Gewicht an Bord war zum ersten Mal der untere Tritt unserer Badeplattform am Heck überflutet.
Sonntagsfeier
Also, wir feiern schön, treffen liebe Segler und Landratten und genießen weiterhin das Leben. Und ein Gutes haben die südlichen Winde, es ist wirklich schön warm. Fast wie im Paradies, bzw. der Karibik. Und beim Warten auf den guten Wind sind wir ja nach all den Lebensjahren an Bord zu richtiggehenden Profis geworden. Wenn wir da an den Anfang unserer Fahrtenseglerkarriere zurückdenken, bei was für Schietwetterprognosen wir teilweise losgeschippert sind, da hat uns dann der gute alte Neptun ganz schön Gegenwind in die Segel und Gicht an Deck, sozusagen als Lehrgeld, geschickt.