Kategorie: Leben an Bord

  • Ab in den Süden

    Samy findet den Schatten

    Nach dem Frühstück verlassen wir den Hafen bei strahlendem Sonnenschein. Sobald die Motoren laufen, geht Samy aufs Trampolin, sucht einen Streifen Schatten und legt sich dorthin. Dann hat er ein bisschen kühlen Fahrtwind am Bauch und genießt das Segeln.

    Wir genießen es auch. Ulrike ist mit an Bord, gemütlich segeln wir bei raumem Wind zum Kap Hoorn, oder auch Punta Papagayo, denn wir wollen heute in die Marina Rubicon.


    Die Fischerboote warten auf den Startschuss

    In Puerto Calero findet ein Tiefsee-Angel-Turnier statt, das als Qualifikation für die Weltmeisterschaft dient. Gestern und heute früh sind ca. 50 Motorboote aus dem Hafen gefahren, müssen draußen warten, bis drei laute Töne erschallen, erst dann dürfen die Boote mit Vollgas, Hebel on the table, aufs tiefe Wasser hinaus.Nun geht es den Schwertfischen, Barracudas und Tunas an den Kragen, der Fang wird fotografiert, gewogen und gemessen, und darf anschließend wieder schwimmen gehen.

    Palmen und Blumen werden in die angekarrte Erde gepflanzt

    Und heute Abend steigt ein großes Fest. Dazu hat man in tagelanger Arbeit direkt hinter unserem Liegeplatz auf der Fläche des dortigen Segelclubs und eines Teils des Parkplatzes, tonnenweise Sand angekarrt, den ganzen Boden zum Strand gemacht. Letztes Wochenende war die Location an einen privaten Club vermietet, man hat uns berichtet, dass superlaute Technoklänge bis nachts um vier die Ohren der Menschen und Tiere gequält haben.

    Seit Mittwoch wurde weiter dekoriert, es kam noch Picon, der schwarze Kies aus Vulkangestein dazu. Künstliche Blumeninseln wurden errichtet, schicke Zelt ausgebaut, mit Tischen und weißen Stühlen bestückt, sogar ein roter Teppich wurde direkt bis zum Tor und unseren Liegeplatz gelegt, Samy hat ihn heute morgen würdig beschritten, bis ich ihn vorsichtshalber an die Leine genommen und davon weggezogen habe, dass er ihn nicht auch noch hundemäßig markiert. Heute Nachmittag und Abend werden Reden gehalten werden, Preise verteilt, und abends spielt eine Band, das müssen wir uns alles nicht antun.

    Links Malwieder, rechts die Hexe

    Wir segeln lieber ein bisschen, um Ralf und Inge-Lore von der Malwieder zu empfangen, die gestern morgen in Santa Cruz de Teneriffe abgelegt haben. In der Straße zwischen Fuerteventura und Lanzarote ist ausnahmsweise überhaupt kein Wind mehr, im AIS können wir die Position der Malwieder sehen und direkt auf sie zu fahren. Während die beiden ihr Boot entsalzen von den zwei Meter hohen Wellen des Atlantik, legen wir noch eine Badepause vor der Marina ein. Dort ankern wir auch für die Nacht, zwei Tage wollen wir in Rubicon bleiben, dann geht es wieder zurück nach Puerto Calero, dann ist dort das Fest vorbei, und der ganze Sand und der andere Krempel müssen wieder weggeschafft werden.

  • Es stinkt Teil 1 und 2

    Ulrike empfängt uns mit Cava am Flughafen

    Unsere Sommerpause in Darmstadt ist seit gestern beendet, und der Ferienflieger von Condor hat uns wohlbehalten zurück nach Lanzarote gebracht. Der Empfang, von unserer Freundin Ulrike am Flughafen in Arrecife war fulminant und sehr herzlich, wir wurden mit Willkommenschild und Sekt begrüßt. Auch Samy hatte seinen Spaß weil seine Hundefreundin Nelly mit von der Partie war. Vom Flughafen ging es zur Autovermietung ins Industriegebiet von Playa Honda und von dort aus zu unserer Hexe nach Puerto Calero.

    Alles voller Sand…

    Blitzblank und makellos geputzt von Pedro, dem besten Bootspfleger der Kanaren, lag unser Schiff schön vertäut, genau so, wie wir es verlassen hatten, in seiner Box, zwischen zwei Stegen. Nur im Hafen, direkt vor uns, hat sich einiges getan, dort ist ein temporärer Beachclub errichtet worden, für den extra über 300 Tonnen Sand angekarrt wurden, und am Wochenende soll basshaltige Technomusik sehr laut aus den Lautsprecherboxen bis tief in die Nacht dröhnen. Da sind wir natürlich nicht so von begeistert und segelnd wollen wir am Freitag die Flucht ergreifen und entweder vor Corralejo ankern oder in die Marina Rubicon flüchten.

    Nun mal weiter im Text… Nach dem Ankommen an Bord schlug uns ein ziemlich schlechter Geruch aus dem Schiffsinneren entgegen, und wir rissen erst mal alle Luken und Fenster auf, um das Boot zu durchlüften. Aber auch abends im Bett trotz voller Durchlüftung roch es irgendwie unangenehm säuerlich und selbst die Bettwäsche hatte nichts vom werbemässigen Lenorduft.

    Früh morgens fing ich gleich an, alle Bilgeabteile im Backbordrumpf zu kontrollieren, und statt Übelriechendem fand ich mal wieder ausgelaufenenes Glykol aus unserer Webasto Warmwasserheizung. Einige Minuten und Flüche später fand ich die Quelle der Undichtigkeitkeit, ein Entlüftungsventil war einmal mehr die undichte Stelle.

    Ich arbeitete mich vom Heck zum Bug durch und in der Schiffsmitte kam mir beim öffnen der Bodenklappe ein übler Geruch entgegen. Der Übeltäter war schnell ausgemacht, eine Sahnetüte war in unserer Lebensmittelvorratsbox, warum auch immer, geplatzt, weitläufig ausgelaufen, die ausglaufene,Sahne hat dann, natürlich, im Laufe der letzten zwei Monate Schimmelkulturen angesetzt. Der Geruch erinnerte uns daran, wie es ist, wenn ein gerade gestilltes Baby, ein sogenanntes „feuchtes Bäuerchen“ macht.

    Der Rest des Tages ging mit weiteren Aufräumarbeiten schnell voran, abends sind wir dankbar und sehr gerne der Einladung von Ulrike zum Rouladenessen gefolgt und nach Arrecife gefahren. Ich hatte so einen Heißhunger, dass ich gleich zwei Rinderrouladen verdrückt habe.
    Zurück an Bord habe ich das eingekaufte Hundefutter in der Backskiste im Cockpit verstauen wollen, und beim Offnen des Deckels kam mir auch von dort eine übler Geruch entgegen. Wir hatten schlicht und einfach ein paar Kilo Kartoffeln und Zwiebeln vor der Abfahrt darin vergessen und die hatten in der sommerlichen Hitze genug Zeit zu faulen. (Wir wolltem auch nur drei Wochen bleiben, nicht zehn Wochen, das hätten die Kartoffeln, denn die waren die Bösen, locker mitgemacht!)
    Bilder zum Bei trag folgen morgen.

  • Samy in the sky

    Am Samstag sind wir von Lanzarote nach Frankfurt geflogen. Mit Samy in der großen Kiste im Gepäckraum, und ganz viel Bauchweh. Schon in den Tagen davor haben wir uns immer wieder Gedanken gemacht: „Wird Samy den Flug gut überstehen? Wird er bellen? Geht er problemlos am Flughafen in die Kiste?“. In der Nacht davor haben wir beide (der Hund eher nicht) schlecht geschlafen und waren schon vor der Abfahrt vom Boot nervös. Für den kurzen Trip mit dem Shuttlebus von der Autovermietung zum Flughafen musste Samy auch schon in die Box. Das hat er problemlos mitgemacht, ein besonders leckeres Leckerli hat ihn schnell überredet.

    Am Flughafen natürlich die für diese Jahreszeit typische Schlange an den Eincheck-Schaltern, obwohl wir mehr als zwei Stunden vor Flugbeginn dort waren. Nachdem wir endlich die Koffer abgegeben hatten, wurden wir von einem Airport-Mitarbeiter übers Gelände zum Security-Bereich geführt, ab dort durfte nur noch einer mit, und nach der Sicherheitskontrolle, Samy musste alleine und ohne Leine durch den Menschen-Scanner, kam er in die Box, und wir mussten ihn unter Fremden lassen.

    Dummerweise hatte unser Flug schon vor dem Start eine dreiviertel Stunde Verspätung, wir haben oben in der Lobby gewartet, Samy in der Kiste. Der Flug an sich war angenehm, kleine Turbulenzen, aber ansonsten sehr schön, mit guter Sicht über den Atlantik, Portugal, Spanien, Frankreich und schließlich Deutschland.

    In Frankfurt ging es zunächst schnell, klar waren wir auf einer Außenposition, aber wir haben gesehen, dass man zügig anfing, das Gepäck, und hoffentlich auch den Hund, auszuladen. Schließlich saßen auch wir im Bus, aber da gab es immer wieder Stau, weil die Busse über die Rollbahnen fahren, und entsprechend den ankommenden oder abfliegenden Flugzeugen die Fahrbahn freimachen mussten. Endlich waren wir bei der Gepäckausgabe, ich stehe am Sperrgepäck, schon kommt Samys Box, ich hebe ihn runter, öffne die Türe, und Samy kommt mir schwanzwedelnd entgegen als käme er aus dem Kofferraum eines Autos, und nicht von fast sieben Stunden in der Flugkiste.

    Da sind ganze Felsbrocken auf den Boden der Gepäckausgabe des Frankfurter Flughafens gestürzt!

  • „Husten, wir haben ein Problem“

    Nachdem ich den letzten Blogeintrag der Capitania auf unserer Website gelesen habe, kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie etwas spöttisch oder ironisch über meinen tatsächlich vorhandenen  Infekt schreibt. Da fühlt man(n) sich nicht ernst genommen… (Der arme Man(n)!)

    Jedenfalls hat mich in den letzten drei Nächten ein trocken-unproduktiver Reizhusten ganz schön auf Trab gehalten und vom Schlaf und um einige Stunden Schlaf gebracht, tagsüber geht es mir übrigens tiptop. Jetzt inhaliere ich vier mal täglich, nehme schleimlösende Medikamente, trinke Thymiantee und meide alkoholhaltige Erfrischungsgetränke. Und siehe, seit heute kottert die Capitania auch rum, wird sich ja am Ende hoffentlich nicht angesteckt haben, die Arme.

    Eigentlich wollten wir gestern nach Frankfurt fliegen, das haben wir aber wegen der angekündigten, offensichtlich eingetretenen Hitzewelle in Deutschland, Gott sei Dank rechtzeitig umgebucht. Allein die Vorstellung, dass der arme Samy in seiner Hundebox bei der Hitze der letzten Tage in Frankfurt länger auf dem Gepäckwagen steht, hat uns im Vorfeld ganz schön zu schaffen gemacht. Jetzt fliegen wir, wenn es kühler ist.

    Eine von drei Halterungen des Bugkorbs mit neuer Bohrung in der Mitte für das Kabel

    Trotz Megaerkältung bin ich in den letzten Tagen mit den anstehenden Arbeiten am Boot wieder ein Stück weitergekommen. Nachdem wir ja bereits vor einiger Zeit für die neuen Navigationslichter vorverkabelt haben, sind seit heute die Halterungen für die Positionslichter am Bugkorb angeschweißt und die Lampen sogar final montiert. Der Job wurde von David und Wes erledigt und das Ergebnis kann sich, wie ich ich finde, wirklich sehen lassen, tolle Schweißnähte, good job! Wenn alles gut geht, kommt morgen das Hecklicht an unseren Geräteträger dran, die Bugkörbe wieder an ihren angestammten Platz und vielleicht wird auch noch alles zusammen- und am Schaltpanel angeklemmt. Damit wäre schon wieder ein Punkt auf der Liste abgearbeitet.

    Backbord-Navigationslicht

    Am Wochenende wollen wir segeln gehen. An der Stelle möchte ich die, wie ich finde, bedeutende Frage von Martin gerne weitergeben, die er mir gestern gestellt hat: „Kann der Meeresspiegel zerbrechen, wenn man in See sticht?“ Da sollte jeder mal drüber nachdenken, wie wir finden :-)) Wir erklären uns dazu bereit, die Antworten auf die Frage zusammen zu tragen. Jetzt höre ich auf mit dem Schreiben und werde werde mal die Capitania fragen, ob sie einen Thymian- oder Salbeitee will, damit sie bald wieder auf dem Damm ist. (Bäh, wer trinkt denn so was?)

  • ATMS

    Noch schlimmer als TMS (Tödlicher Männer-Schnupfen) ist der ATMS, der Absolut Tödliche Männer-Schnupfen), der neben den vom TMS bekannten Symptomen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Bettlägerigkeit und Gliederschmerzen, zusätzlich noch mit erhöhten Temperaturen einher kommt.

    Wenn ein Mann von solch einem Virus, denn um einen solchen handelt es sich zweifellos, befallen ist, so wird er sich wehren. Zunächst mit erweiterter Bettruhe bis in den späten Vormittag hinein, sodann mit einem kräftigenden Früh- oder Spätstück mit Eiern, Speck und süßen Teilchen, um dann mit einem wunderwirkenden Mittagsschlaf die Genesung fortzusetzen. 

    Am späten Nachmittag rafft Mann sich zu ungeahnten Aktivitäten auf, die später in einem ordentlichen Abendessen gipfeln, um anschließend ermattet auf der Couch zusammen zu sinken, und nur noch genügend Kräfte für die Dauer eines Spielfilmes aus der heimischen Videothek zur Verfügung zu haben.

    Von solch einem Virus ist der Skipper seit zwei Tagen befallen, und er hat sich erfolgreich mit den beschriebenen Gegenmaßnahmen gewehrt. Entsprechend gestärkt haben wir uns Samstag Nachmittag nach Arrecife gewagt, um die Entstehung der Salzteppiche zu beobachten, die dort rund um die kleine Kirche in der Innenstadt mit viel Liebe hervor gebracht werden. Anlässlich des Johannestages, der in Spanien am Abend mit großen Feuern gefeiert wird, finden außerdem Kirchenfeste, Prozessionen und weltliche Konzerte statt. Hier in Arrecife eben auch mit den Salzteppichen rund um die Kirche San Ginés.

    mit Farbe mischen
    Salz verteilen
    glätten

     

     

     

     

    Hunderte Menschen mischen das zur Verfügung gestellte Salz mit irgendwelchen Farbpartikeln, um es dann auf dem blanken Boden der Straßen zu Bildern zusammen zu setzen. Holzkeile werden mit Nägeln auf den Pflastersteinen befestigt, sozusagen als Trennwände zwischen den einzelnen Farbschichten, dann wird das mühsam mit den Farben gemischte Salz dazwischen verteilt, und am Ende entstehen bunte Bilder, Motive von Kinderhand, aber auch religiöse, bildliche und künstlerische Werke, die am nächsten Tag wieder dem Zahn der Zeit, in diesem Fall die alljährliche Prozession zu Johanni, weichen müssen. Kunst für den Augenblick.

    kleine Studie von mir

    Das „ordentliche Abendessen“ gab es mit vielen Freunden bei schönstem Abendhimmel am Strand im Restaurant Emmax, wieder sehr, sehr lecker. Am Nebentisch saß ein Spanier, der kleine Skizzen von den Menschen an unserem Tisch anfertigte, zuerst von den irisch-deutschen Kindern Oisin und Cuisle, dann von der ganzen Familie, schließlich sogar von mir.

    Das Queen-Revival-Konzert am Strand von Playa Honda haben wir uns zugunsten der heimischen Couch geschenkt, für die baldige Gesundung ist die Zurückhaltung besser.

  • Hoch hinaus

    Bis zur Spitze ist es noch ein gutes Stück

    Eigentlich wollten wir am Montag direkt nach dem Autotausch und vor dem Frühstück aufbrechen zu einer kleinen Segeltour, mal weg von der Insel und ihren zahlreichen Verlockungen zum Bleiben und Sesshaftsein. (Über den Ausflug haben wir schon im letzten Blogbeitrag berichtet)Aber am Morgen war einfach gar kein Wind, nix, nada. Da kam Volker die Idee, dass er das auch positiv ausnutzen könnte, und endlich den Mast von Sand und Saharastaub abwaschen, und gleichzeitig das Edelstahl an den Wanten und an der Saling polieren.

    Von den Jungs, die nebenan die Catlanza VII, den Ausflugskat nach der Inspektion wieder aufriggen und segelfertig machen, haben wir uns ihren Wasserschlauch geliehen, mit unserem verbunden, damit dieser lang genug war, um vom Steg übers Vorschiff bis in die fast 27 m hohe Mastspitze zu reichen.

    Mein Helfer, die Elektro-Winch

    Mit Autosol, Poliertüchern und Schwamm bewaffnet steigt Volker in den Bootsmannstuhl und ich ziehe ihn nach oben. Also, das stimmt nicht ganz, glücklicherweise muss ich ihn nicht mit meiner Arme Kraft nach oben kurbeln oder gar ziehen, dafür haben wir eine Elektro-Winch, die das für mich erledigt, zwar jammert sie auch manchmal und quietscht, aber versieht brav ihren Dienst. Dreimal musste sie Volker hoch in den Mast ziehen, dann konnte ich ihn langsam wieder ablassen, während er zuerst die Nut des Großsegels und den Mast an sich mit dem Wasserschlauch abspritzt, beim zweiten Mal die Steuerbord-Wanten poliert und nachwischt, und beim dritten und letzten Mal das Ganze auf der Backbordseite wiederholt.

    An der Saling werden auch die Lampen poliert

    Nun ist der rote Saharastaub aus den Nuten entfernt, unser Mast strahlt wieder in neuem Glanze. So kann ein weiterer Punkt auf der ständigen To-Do-Liste abgehakt werden.

  • Fuerteventura and back

    Samys Lieblingsplatz beim Segeln

    Als Samy merkt, dass wir Vorbereitungen zum Ablegen treffen, geht er ins Trampolin und schubbert sich erstmal kräftig. Nach dem Segelsetzen liegt er gemütlich dort vorne, lässt sich den leichten Wind um den Bauch wehen und schläft. Das ist wirklich sein Platz, wenn wir unterwegs sind. Mit einer leichten Brise aus Nordost, um die sieben Knoten, segeln wir gemütlich dahin.

    Wie immer startet bei „Kap Hoorn“ der Wind, von jetzt auf gleich weht es mit 16 Knoten aus West, das Meer ist weiß von den kleinen Schaumkrönchen, an Ankern vor Papagayo oder Los Lobos ist bei dieser Windrichtung gar nicht zu denken.

    Schnell haben wir ein neues Ziel im Auge: Puerto del Rosario liegt fast in der Mitte von Fuerteventura und bietet angeblich eine gute Ankerbucht mit Schutz vor allen Winden außer dem südöstlichen Quadranten. Bis dorthin kreuzen wir geschwinde vor dem Winde, das kann die Hexe gut, und das Meer ist flach, sehr angenehm.

    Tatsächlich hatte ich heute Glück, in der Funkrunde von Intermar um 16:30 UTC konnte ich jemand hören, kurz ehe der Moderator offensichtlich wegen fehlender Beteiligung aufgeben wollte. Ich konnte mich mal wieder melden, nicht, dass die denken, die Hexe würde gar nicht mehr mitspielen!

    Due Hexe und ihr Dinghy

    Um 18:00 Uhr fällt der Anker in der Bucht neben dem Hafen von Puerto del Rosario, Volker macht sofort das Beiboot klar, damit wir noch im Hellen die Stadt erkunden können. In den einschlägigen Seglerforen hieß es, dass man an der Slipbahn des Club Nautico das Dinghy parken kann, das machen wir auch, auf Anraten von ein paar gerade heimkehrenden Kanuten, ganz am Rande bei den Felsen fest.

    Treppenaufgang zur Innenstadt

    Von See aus gesehen ist Puerto del Rosario eher hässlich, viel Industrie, dazwischen Ferienwohnungssiedlungen, und wieder Industrie. In dem großen Hafen legen die Versorgungsschiffe, aber auch Kreuzfahrtschiffe an, allerdings werden die Touristen dann zu anderen Zielen auf der Insel gefahren, die Stadt bietet wohl nicht so viele Sehenswürdigkeiten. Wir aber wollen der Hauptstadt von Fuerteventura die Gelegenheit geben, doch noch unser Wohlwollen zu erlangen.

    blühender Baum in der Fußgängerzone
    akkurat beschnittene Benjamini
    Puerto del Rosario ist bekannt für seine Wandmalerien

    Zur Innenstadt geht es über ein paar Treppen nach oben, dort verläuft eine kleine Fußgängerzone, die mit wundervoll blühenden Bäumen bestückt ist. An den größeren Straßen hingegen stehen riesige Benjamini, adrett in Form geschnitten. Es gibt ein größeres Einkaufszentrum, Supermärkte, auffallend viele Fahrschulen, und einen wunderhübschen Platz vor der Kirche. Drinnen sitzen Gläubige und beten Fürbitten, aber nicht mit einem Pfarrer aus Leib und Blut, sondern mit einer Mikrophonstimme, eher seltsam.

    Hahnenkampf-Denkmal an der Uferpromenade

    Nach einem kleinen Feierabendbier in der Fußgängerzone laufen wir an der Hafenmole zum Strand, dort fallen uns drei schwarz gekleidete Polizisten der Policía local auf. Wir freuen uns jetzt auf unser Abendessen an Bord, und auf die beschauliche Ruhe, die so ein Abend am Anker bieten kann. Eher könnte. Denn: Kurz bevor wir mit unserem Dinghy die Hexe erreicht haben, gibt es ein wildes Hupkonzert und Blaulichtgewitter an der Slipbahn aus eben jenem Polizeiwagen. Was wollen die denn? Kurz sind wir unschlüssig. Was sollen wir jetzt machen? Zurückfahren? Nee, wenn die was wollen, sollen sie doch kommen! Der Platz ist in allen Seekarten eindeutig als Ankerplatz ausgewiesen, es kann höchsten sein, dass man das Dinghy nicht dort parken darf. Aber irgendwo muss man es ja schließlich lassen, wenn man an Land geht.

    Mit dem aufgehenden Vollmond segeln wir zurück nach Puerto Calero

    Nach einigen Überlegungen gehen wir Ankerauf und motoren davon, auf nächtliche Auseinandersetzungen haben wir keine Lust. Wenn Fuerteventura uns nicht haben will, dann fahren wir halt wieder zu unserem geliebten Lanzarote, da sind wir immer willkommen… Um 01:00 nachts liegen wir wieder an unserem Platz mit 59 Seemeilen im Kielwasser.

  • Lanzarote News

    Position der Pohlaris heute Abend

    Nachdem bei Pohlaris, dem Kat mit dem Saildriveproblem (wir berichteten), das komplette Getriebe gewechselt wurde, war es gestern für Harald und seine Crew endlich soweit, dass sie die Leinen loswerfen konnten. Als nächstes Ziel stehen die 900 Seemeilen entfernten Kapverden auf dem Programm, von dort aus soll es weiter in die Karibik nach Trinidad gehen. Bei den Windvorhersagen hat die 3er Crew gleich doppelt Glück, sowohl die Windrichtung als auch die Windstärke sind ideal, um nach Südwesten zu fahren, zudem gibt es keine hohen Wellen. Champagnersegeln dürfte für die nächsten Tage angesagt sein. Wir wünschen eine tolle und sichere Überfahrt.

    Glück gehabt!

    Glück im Unglück hatte gestern ein Fahrtensegler ,der mit seinem Aluschiff seit geraumer Zeit hier im Hafen liegt und vergessen hatte, bei seinem abgestellten Leihauto die Handbremse anzuziehen. Unglück deshalb, weil das Auto los rollte, über die Kaikante hinaus und mit dem vorderen Teil auf den Steg kippte. Glück deshalb, weil gerade Hochwasser und der Steg weit oben war, das Auto so nicht weiter auf das Segelschiff kippen konnte. Er hat noch versucht, mit einem Fall das Auto nach oben zu seinem Mast zu sichern, aber dabei wurden die Kotflügel eingedrückt und beinahe eine Saling beschädigt, um die das Fall gewickelt war. Zudem war die Handbremse noch immer nicht angezogen. Ich hab dann mit ihm das Fall klariert und im Auto die Handbremse angezogen. Irgendwann kamen professionelle Berger…

    Gestern war, man muss nur hoch zum Himmel schauen, mal wieder Vollmonddisco bei Jürgen und Marianne, die mitten in einem Gebiet aus erstarrter Lava wohnen. Was für eine einzigartig tolle Kulisse, und so viele super nette Menschen.

    Und last but not least waren wir heute bei der Segelfamilie mit den beiden Kindern zum nachmittäglichen Essen in Playa Blanca eingeladen. Deren Boot wird erstmalig mit einem komplett biozidfreien Antifouling auf Silikonbasis gestrichen. Dazu sind zwei Primer- und zwei Antifoulinganstriche notwendig. Das Prinzip ist so spannend wie simpel. Das Silikon soll eine dem Wasser entsprechende Struktur aufweisen, auf Wasser siedelt sich ja kein Bewuchs an. Der Anstrich soll drei Jahre vor Pocken, Muscheln und allem, was sich an den Rumpf ansetzen will, bewahren. Nach drei Jahren soll man nur eine neue Lage streichen  müssen. Wir sind fasziniert von der Idee und sehr auf das Langzeitergebnis gespannt, wäre doch klasse für uns Segler, wenn dieses giftfreie Prinzip funktionieren würde!

  • Ganz schön was los hier

    The artist himself

    Wir drehen jetzt mal ganz schnell für diesen Beitrag die Zeit um ein paar Tage zurück und befinden uns in der vergangenen Woche, am Donnerstag.

    An dem Wochentag gibt es in Costa Teguise, in der Gaststätte „Number One“, eine Fakir- und Transvestitenshow. Da wir beide Showvarianten vorher noch nicht live gesehen hatten, staunten wir nicht schlecht, was uns da so dargeboten wurde.

    Fakir auf Nägeln

    Beispielsweise stand der Fakir auf einem Scherbenhaufen oder er lag mit nacktem Oberkörper auf denselben schrecklich spitzen Glasscherben, oder auf einem Nagelbrett mit langen, wirklich scharfen Nägeln, die er das Publikum testen lies. Zusätzlich stand noch ein ca. 100-Kilo-Mann auf seinem Rücken. Oder er spielte mit und verschluckte brennende Fackeln, ohne sich zu verbrennen, versteht sich.

    oder Liza Minelli
    Als Tina Turner…

    Die Transvestiten-Show war ebenfalls vom Feinsten mit einer gelungenen Musikauswahl und aufwendig gestalteten Kleidern, man musste schon genau hinschauen, um in dem Outfit einen Mann zu erkennen.

    Noch schöner an diesem Abend aber war, dass wir zahlreiche deutsche Inselbewohner kennengelernt haben, das Treffen war von von Christian und Sabine von der Facebook Gruppe „Montefuego TV“ initiiert.

    Freitag früh ging es dann mit Ulrike, Wolfgang, Aisling und Moira zur Weinprobe, zu dem uns bekannten Weingut „Guiguan“, sehr empfehlenswert. Den Freitagabend haben wir uns, was man schon fast als traditionell bezeichnen kann, mit den Teilnehmern der Freitagabendregatta im Upperdeck getroffen. Am Samstag Abend hatten wir Simon und Christiane sowie deren Kinder, Cedric und Miriam zum Abendessen an Bord. Die Familie lebt derzeit als „Projekt“ für zwei Jahre hier auf Lanzarote. Vor fünf Jahren hatten sie für eineinhalb Jahre einen Kat in der Südsee gechartert, von einem Anbieter, der sich auf Langzeitcharter für Blauwassersegler spezialisiert hat. Bei der Variante entfällt die lange Anreise auf eigenem Kiel und man kann direkt in dem beliebten pazifischen Revier losschippern. Die Flotte des Anbieters ist innerhalb von ein paar Jahren, wegen der großen Beliebtheit, von zwei auf mittlerweile 17 Katamarane angewachsen.

    Und noch gar nicht erwähnt haben wir, dass wir eine deutsch/irische Fahrtenseglerfamilie (siehe Teilnehmer der Weinprobe)nun schon mehrfach getroffen und auch viel miteinander unternommen haben. Sie wollen mit ihrer vierjährigen Tochter Cuisla und dem einjährigen Sohn Oisin, auf ihrer Hanse um die Welt segeln (hoffentlich stimmt die Schreibweise der irischen Namen!). Hier auf Lanzarote bereiten sie das Boot für die Atlantiküberfahrt im Rahmen der ARC vor.

    Gestern Abend waren wir dann zu Christiane und Simon nach Hause eingeladen und haben noch eine weitere Seglerfamilie kennengelernt, die mit ihrer Outremer vor ein paar Jahren von Frankreich bis in die Südsee gefahren sind. Es gab viel zu erzählen, zumal Johan, der Familienvater, der neue Racedirektor von „The Ocean Race“, der Nachfolgeregatta des legendären „Volvo Ocean Race“ ist. Das Abendessen war der Knaller, vielen Dank dafür und für Eure Gastfreundschaft.

    Auf Julias Balkon:
    „Es war die Nachtigall…“

    Und Überraschung, Überraschung, gestern Abend stand eine Lady vorm Boot und ließ mich, erstmal erfolglos, raten, woher wir sie kennen. Was für ein netter Zufall, da stand tatsächlich Kiki ( Kirstin), die wir von Workum/ Holland her kannten und die mit ihrem Mann Christian die best erhaltene Contest 34, die ich je gesehen habe, ihr Eigen nennen. Kiki haben wir durch den Süden der Insel geführt, und bei Los Hervideros sind diese Fotos entstanden.

    Also ganz schön was los bei uns, und weil es hier so toll ist und der Wind immer weiter aus Nord ballert, haben wir mit dem Hafenmanagement von Puerto Calero einen Dreimonatsmietvertrag für unsere Hexe, der jetzt noch bis Anfang August läuft, abgeschlossen. Also nix mit viel Segeln, dafür wohnen auf dem Wasser, wunderbar hier.

  • Spezialprodukte aus Lanzarote: die rote Schildlaus und die Aloe Vera

    Die Aloe-Vera-Pflanze

    Neben, oder auch für den Tourismus hat sich auf Lanzarote eine eher handwerkliche Fertigung von Insel-eigenen Produkten entwickelt, eigentlich hat man altes Wissen wieder ausgegraben und in ein neues Gewand gestellt. Überall findet man Läden, manchmal gar ein bisschen hochtrabend Museum genannte Verkaufsstellen, die alle möglichen Produkte anbieten, die man aus heimischen Rohstoffen fertigen kann. Zum Beispiel die Aloe Vera: Eigentlich sieht die Pflanze ja aus wie eine Kaktee, gehört aber zur Familie der Grasbaumgewächse wie die Taglilie, in der Ordnung der Spargelartigen, ist also entfernt mit unserem Spargel verwandt.

    Samy macht Werbung fürs Hundeshampoo

    Auf Lanzarote wird die Echte Aloe zu Hautpflegeprodukten aller Art, Shampoo (sogar Hundeshampoo gibt es!), Gels, Cremes, Fruchtsäften, etc. verarbeitet.

    Volker z.B. schwört nach ausgiebigem Sonnenbad auf sein Aloe-Vera-Gel, das sonnenverbrannte Hautreizungen schnell lindert. Außerdem sollte eigentlich in jeder Küche eine solche Pflanze stehen. Hat man sich zum Beispiel an der heißen Herdplatte verbrannt, oder zu früh an die noch viel zu warme Pfanne gefasst, so soll man bei eventuellen Verbrennungen nur ein Stück eines Armes der Pflanze abschneiden und mit der Schnittfläche auf die Haut legen, das kühlt und hilft.
    Immer.

    Werbeblatt für das Museum

    Daneben gibt es auf Lanzarote die rote Schildlaus, die einen wunderbar intensiven Farbstoff liefert, mit dem schon in vorchristlicher Zeit Gewänder eingefärbt wurden. In Mala, dem Hauptanbaugebiet der Cochenille wurde ein kleines Museum errichtet, das sich mit der Geschichte und dem Anbau der roten Schildlaus beschäftigt. Und natürlich gibt es einen kleinen Laden, in dem die entsprechenden Produkte verkauft werden, sogar zum Färben der Haare kann man es verwenden. So mutig war ich nicht, aber ich habe uns eine Marmelade aus Aloe Vera mit Cochenille geholt, lecker.

    Leider schon fast leer: die Marmelade

    Die Cochinilla, zu Deutsch Cochenilleschildlaus, liefert karminroten Farbstoff, der sich hervorragend zum Färben von Stoffen, aber auch für Malerfarben und Lebensmittel eignet. Ursprünglich in Südamerika heimisch, wo die Inkas die Farbe zum Herstellen der herrschaftlichen roten Gewänder nutzten, verbreitete sich der Anbau der Schildlaus in praekolumbianischer Zeit bis nach Mexiko, die Azteken und die Majas liebten die rote Farbe. Später brachten die spanischen Konquistadoren die Cochenillen mit von ihren Reisen. Auch dem spanischen Königshof gefiel die intensive rote Farbe, und es wurde ausprobiert, in welchem Teil des spanischen Weltreichs der Anbau der Läuse am besten gedieh. Die kleine Insel Lanzarote hatte ein ideales Klima, denn die Opuniten, das sind die Kakteen, auf denen die Läuse siedeln, brauchen trockenes, warmes Klima, das fand man in Mala, im Nordosten Lanzarotes aufs trefflichste.

    Opuntie – unbefallen von der Schildlaus

    Die Opuntien werden gezüchtet, erst wenn sie drei Jahre alt sind, werden die Läuse darauf angesiedelt, sie befallen die großen „Ohren“ des Kaktus, der Fruchtstand der Kakteen wird entfernt, damit sie nicht zu viel Kraft verlieren, auch werden die Pflanzen beschnitten, damit sie immer wieder weiter wachsen. Die flugfähigen Männchen finden und befruchten die deutlich kleineren aber dickeren Weibchen, um kurz nach der Paarung zu sterben, auch nicht schön. Die Weibchen werden in aufwändigen Ernten von den Blättern gepflückt, während die nächste Generation dort aufwächst, so geht das bis zu fünf Mal im Jahr.

    rotes Badesalz

    Die Schildläuse werden gesiebt und getrocknet, gemahlen, das gewonnene Mehl mit Wasser versetzt, gekocht und wieder getrocknet. Durch Zusätze anderer Stoffe können die verschiedensten Schattierungen von „Rot“ erzielt werden. Es ist ein langwieriger Prozess, aber die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Noch immer wird diese Farbe eingesetzt zum Färben von Wolle, Stoffen, Malerfarben, in Kosmetika und in der Lebensmittelindustrie. Als E120 ist der Cochenillen-Farbstoff einer der licht- und wärmebeständigsten, farbstabiler als viele synthetische Farbstoffe. Campari war bis 2006 das Paradebeispiel für die Cochenille-Verwendung. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass der Farbstoff Karmin unter Umständen allergische Reaktionen erzeugen kann, außerdem macht die tierische Herkunft das Produkt Campari für strenge Vegetarier und Veganer völlig ungeeignet. Vielleicht als Folge dessen hat man dort auf synthetische Farbstoffe umgestellt. Auf Lanzarote werden trotzdem noch viele Cochenille-Produkte hergestellt, exportiert, oder in den Läden verkauft.

    Shampoo und Badegel
    einfache Body Milk aus Aloe Vera
    Auch als Erfrischungs-Getränk lecker
    Die große ökologische Farm in Orzola haben wir im Vorbeifahren gesehen