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  • Karla Kolumna berichtet:

    Der Arbeitsponton schleppt das havarierte Motorboot in den Hafen

    In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist ein Motorboot auf den Wellenbrecher der Hafeneinfahrt gefahren und danach teilweise gesunken. An Bord waren drei Erwachsene und zwei Kinder. Alle fünf Bootsinsassen mussten anschließend im Krankenhaus von Montpellier behandelt werden. Der Schiffsführer trug wohl schwere Verletzungen im Thoraxbereich davon, als er beim Aufprall auf das Steuerrad knallte.

    Gerätselt wird zur Zeit über die eigentliche Unfallursache. Denn zum Unglückszeitpunkt herrschten eigentlich Idealbedingungen, die Sicht war gut, das Meer spiegelglatt und die Navigationslichter der Hafeneinfahrt sind von weitem sichtbar. Ist der Schiffsführer eingeschlafen, gab es einen technischen Defekt oder schlichtweg einen Navigationsfehler?

    Da liegt es nun

    Gestern wurde das geflutete 10,8 Meter lange Sportboot durch einem Arbeitsponton von den Steinen gezogen und im halb versunkenen Zustand langsam in den Hafen von LGM eingeschleppt. Im Moment liegen der Arbeitsponton und das mit Leinen gesicherte Sportboot am gegenüberliegenden Ufer von uns. Umweltgefährdende Stoffe scheinen derzeit nicht auszutreten, trotzdem wurde ein Ölschlängel um das Wrack herum gelegt.

  • Zurück in LGM

    Skippers Ruhezeit

    Nach einer ganz ruhigen langen Nacht in Embiez, wie Cornelia bereits geschrieben hat und einem wundervollen Segeltag, vorbei an Cassis und den weltberühmten Felsbuchten, den Calanques haben wir diesmal kurz vor Marseille ein richtiges Nadelöhr durchsegelt, das ihr uns mit der Dehler nie getraut haben zu besegeln, wegen deren großen Tiefgangs.

    Und wo ist jetzt die Durchfahrt?

    Jetzt haben wir mit dem Katamaran zum Glück ein Schiff, das bei aufgeholten Schwertern nur 1,20 Meter tiefgeht, was nicht wirklich viel ist für ein so großes Segelboot. Jedenfalls sind wir die enge Passage mit dem schönen Namen “Cap Croisette” souverän mit vollen Segeln und Wind von hinten durchsegelt. Das war schon sehr imposant, weil der Abstand zum felsigen Ufer nur ein paar Meter betragen hat und zudem die enge Durchfahrt mit Paddlern, Motorbootfahrern und einer kleinen Fähre gut frequentiert war. Cornelia hat einen kleinen Film gemacht, den sie noch bearbeiten muss. Speziell diese Gegend ist landschaftlich besonders schön und touristisch gut frequentiert.

    Der Hafen von Carro

    Nach dem spannenden Teil hatten wir noch 15 Seemeilen bis Carro, einem kleinen und sehr schönen Fischerort, mit zwei gut geschützten Ankerbuchten. Wir haben die größere Bucht ausgewählt und unser Beiboot für einen Landausflug vorbereitet. Trotz einigen kurzen harten Wellen, die in die Bucht reinstanden, sind wir mit unserem doch recht kleinen Beiboot “trockenen Fußes” im Fischerhafen angekommen.

    Carro ist wirklich einen Besuch wert, touristisch nicht überlaufen, anscheinend dennoch sehr gefragt. Denn die aufgerufenen Immobilienpreise beim Makler hatten durchaus Côte-d’Azur-Niveau. Wer noch nicht in Carro war, kann ruhig mal den kleinen  Umweg von der Autobahn dorthin machen, der Ort ist echt eine kleine Perle.

    So schön liegt sie in der Bucht

    Irgendwann hingen dann unseren Mägen so tief und der heimische Kühlschrank mit leckerem Grillfleisch lockte uns an Bord zurück. Die Nacht vor Anker war geräuschmäßig total still, nur die alte Welle vom Vortag rollte unangenehm in die Bucht. Da ist man mit einem Kat mit „zwei Beinen” fein raus. Die nachbarliche Segelyacht rollte jedenfalls zum Gotterbarmen.

    Boje am Verkehrstrennungsgebiet vor Carro

    Am nächsten Morgen ging es früh ankerauf und bei fehlendem Wind unter Motor in Richtung LGM. Der große Windgott hatte später ein Einsehen und blies seine Backen wenigstens zum Teil auf. Unser Kat ist auch mit wenig Luftbewegung zufrieden und zog seine glitzernde Bahn durchs Mittelmeer. Mit 5-6 Knoten Fahrt näherten wir uns La Grande Motte, wo wir um 17 Uhr 30 am Gästesteg festmachten. Danach folgte ein Anlegebier dem nächsten, dann der Restaurantbesuch und schließlich ging es in die Cocktailbar. Mit ein bisschen Schlagseite erfolgte der Rückweg zum waagerecht-stabil schwimmenden Schiff.

    Wer uns mal Live sehen will, kann dies dank der gut platzierten Webcam vom Hafen gerne tun. Das Bild wird alle 10 Minuten erneuert. Hier ist der Link

  • Ohne Land

    Sonnenuntergang auf See

    Seit Dienstag Mittag waren wir sozusagen auf See, erst am Freitag um 17:00 Uhr hatten wir wieder festen Boden an den Festmacherleinen. 75 Stunden haben wir auf unserem schwimmenden Zuhause verbracht, davon zwei Nächte vor Anker. Seit wir keinen Bordhund mehr haben, müssen wir ja nicht mehr dreimal am Tag spazieren gehen, also bleiben wir einfach an Bord und joggen von Rumpf zu Rumpf.

    Land: Die Ile des Embiez

    Gefühlt ist das völlig in Ordnung, so sehr, dass wir gestern Abend, abgesehen von dem kurzen Besuch beim Hafenmeister und im nahe gelegenen Supermarkt, einfach an Bord geblieben sind, in der plötzlich aufgetauchten Abendsonne mit einer Flasche Champagner und den gerade erstandenen leckeren Erdbeeren die Überfahrt gefeiert haben. Und eigentlich wollten wir uns dann nur für ein Stündchen ausruhen, anschließend ein bisschen über die Insel laufen, und irgendwo nett zu Abend essen. Volker ist um Mitternacht aufgewacht, da war es selbst für französische Restaurants schon zu spät, und ich selber erst um vier Uhr früh, um gleich nochmal einzuschlafen. Keine Ahnung, wann wir das letzte Mal zwölf Stunden geschlafen haben, aber es war wohl nötig.

    Als wir dann heute Morgen mit dem Sonnenaufgang wach wurden, hatten wir natürlich Hunger. Und der Casino-Supermarkt machte erst um 8:30 Uhr auf! Um fünf vor halb stand Volker schon mit Portemonnaie und Einkaufstasche vor der Tür, und 10 Minuten später lag ein frisches Baguette auf dem Frühstückstisch.

    Jetzt sind wir wieder unterwegs, mit Genaker und Wind von hinten segeln wir an den Calanques entlang. Leider ist die Sicht schlecht, sodass man die schöne Küste gar nicht, und die vorgelagerten Inseln kaum erkennen kann. Wieder werden wir die Nacht irgendwo vor Anker verbringen, morgen geht es dann weiter Richtung LGM.

  • Vorbei an der Tavolara

    Mittwoch, 10. Mai 2017, Baro 1009, diesig, Wind NE um 3 Beaufort
    Ankerplatz vor Arbatax 09:45 – Ankerplatz im Golfo di Arzachena im Maddalena-Archipel

    Es war eine ruhige Nacht, der Schwell der Wellen hat sich beruhigt, Boote sind auch keine mehr durch die Bucht gefahren nach der großen Fähre “Moby Tommy”, die gestern Abend für eine halbe Stunde in Arbatax festgemacht hatte. Trotzdem war ich oft wach, das ist so bei der ersten Nacht vor Anker, da schaue ich lieber öfter nach, ob draußen alles in Ordnung ist, obwohl wir natürlich einen Ankeralarm eingestellt haben.

    Sardische Steilküste

    Direkt nach der kleinen Insel werden die Segel gesetzt, Vollzeug natürlich, denn es ist nur wenig Wind vorausgesagt für heute, hier an der ostsardischen Küste. Anderthalb Stunden geht das, bei ca. neun Knoten am Wind zu kreuzen, um 11:30 ist Schicht, der Wind weht nur noch mit 3-4 Knoten. Das Meer ist glatt und die Küste leider sehr diesig, sie ist wunderschön, rau und zerklüftet, am Ende der Bucht von Arbatax stand sogar ein roter Fels im Wasser, der uns an die “Lange Anna” vor Helgoland erinnerte.

    The italian Gena

    13:30 Uhr der Wind hat gedreht und weht nun mit 5-7 Knoten von raumschots, Zeit für den italienischen Genaker. Leider sind es mehr fünf als sieben Knoten, mit den achterlichen Wellen ist das ein ziemliches Geschaukel, eine Herausforderung für das Material, Segel, Schoten, Baum, alles schlägt stark hin und her.

    Die Tavolara mit Wolke

    Wie vorhergesagt frischt der Wind am späten Nachmittag auf, um 19:00 Uhr ist er in Blen deutlich über 15 Knoten, der Genaker muss weg, dafür rollen wir die Genua zum Schmetterling aus. 19:30 Uhr refft Volker die Genua ein Stück weg, wir fahren genau mit Vorwindkurs auf die nordöstliche Spitze der Tavolara zu. Hinter der Tavolara geht der Wind kurz schlafen, um danach mit noch größerer Macht wieder anzuspringen, heissa, jetzt aber schnell reffen!

    Das Großsegel wird auf Reff 2 verkleinert, wieder verheddern sich die Reffleinen dabei, blöd, dass Reff 3 auf der anderen Seite liegt, sonst könnte man es besser anziehen, während man das Groß ablässt. Inzwischen ist es dunkel geworden, wir fahren durch die Einfahrt nach Olbia, da kommen immer die großen Fähren rein, so auch hier. Dank AIS können wir diese aber sehen, wissen, wie sie heißen, und ich rufe im VHF, bekomme die Antwort, dass sie hinter uns durchgehen, der eine ferner, der andere näher.

    Sunset bei Olbia

    Nun heißt es, sich auf die kleinen Inseln der Costa Smeralda zu konzentrieren, der eine Steinhaufen hat laut Karte ein Leuchtfeuer mit der Kennung weiß 2, 10 Sekunden, aber da leuchtet nichts mit zweimal weiß, in dem Abstand. Nur der große Leuchtturm an der Einfahrt zu Maddalena leuchtet weiß, aber mit anderer Kennung. „Da ist er“, sagt Volker, „aber der ist unbeleuchtet!“ So ein Mist, wenn da mal kein Vollmond ist, wird das wirklich schwierig.

    An der Einfahrt zur Maddalena werden nicht nur die Wellen kleiner, auch der Wind scheint ein bisschen nachzulassen. Im VHF wurden mehrfach Gale-Warnungen bis Windstärke acht durchgegeben, für Sizilien, Sardinien, Korsika und die italienische Küste. „Ich bin dafür, dass wir heute Nacht in der Maddalena ankern, und morgen früh in Ruhe weiterfahren“, gebe ich dem Skipper zu bedenken. Der lässt sich – nach einer Denkpause – darauf ein, und so suchen wir uns eine Bucht, in der wir gegen Winde aus Süd und Ost geschützt sind. Das Wasser ist zwar ruhig, aber es kommen trotzdem auch hier noch fette Böen über die Berge, locker über zwanzig Knoten, doch der Anker hält fest auf acht Meter Wassertiefe, und wir fallen todmüde um ein Uhr ins Bett nach all den Manövern den ganzen Tag lang!

  • Hätte hätte Fahrradkette

    Dienstag, 9. Mai 2017, Baro 1004, sonnig, warm, Wind W 5-6, später NO 2
    Porto Corallo 09:00 – 09:30 – 17:30 – Ankerplatz vor Arbatax 23:30, 34 sm

    ja, das Meer is blau, so blau

    Beizeiten laufen wir aus, zusammen mit einigen Booten aus der aus einundzwanzig Schiffen bestehenden russischen Flotille, die uns gestern Mittag von unserem Liegeplatz vertrieben hat. Wir haben gerade das Großsegel gesetzt, da kommt ein Militärboot auf uns zu, sagt etwas zu Volker, ich soll auf Kanal 10 hören. Nein, das ist jetzt nicht wahr! Sie haben für eine militärische Übung den ganzen Küstenabschnitt gesperrt und wir müssen alle zurück in den Hafen, oder 25 Meilen rausfahren. Da wären wir zwei Stunden früher rausgefahren, wenn wir das gewusst hätten. Und wenn wir gewusst hätten, dass es bis zum Abend dauert, bis wir rauskönnen, hätten wir wahrscheinlich auch die 25 Meilen in Kauf genommen, das hätte uns drei Stunden gekostet und nicht den ganzen Tag!

    Ein kinder-…

    Am Liegeplatz bekommen wir die Auskunft, dass es wohl so bis 13 Uhr dauern soll.  So frühstücken wir halt erst einmal gemütlich. Dann ein Update: Die Boote dürfen die Marina nicht vor 17 Uhr verlassen. Wir kramen ein bisschen rum, ich gehe nochmal zum Hafenmeister, um herauszufinden, ob wir denn nach Süden fahren könnten, dann segeln wir eben nach Cagliari.

    … und erwachsenenfreundlicher Strandabschnitt

    Aber nein, das geht auch nicht, jetzt heißt es sogar, die Übung geht bis 19 Uhr! Volker packt die Fahrräder raus, wir radeln die zwei Kilometer ins Feriendorf und den Hügel hoch, dort gibt es eine sensationelle Aussicht über das Meer. Nach einer kurzen Verschnaufpause am Strand, wo sich auch die Besatzungen der russischen Boote eingefunden haben, radeln wir zurück zum Hafen.

    16:30 dürfen wir doch schon fahren, die freundliche Signora im Hafenbüro ruft extra nochmal beim Militär an, und schwupp, sind unsere Leinen los.
    15-16 Knoten Wind aus West, wir wollen nach Norden, Halbwind, wir setzen Vollzeug, und schon läuft sie los, die Hexe. Der Wind nimmt zu auf 20, 21, 22 Knoten, “das muss sie mal aushalten”, sagt Volker, verkleinert dann aber doch die Genua, luvt ein bisschen an und freut sich über 12 Knoten Geschwindigkeit. Bei 24 Knoten Wind binden wir  ein Reff ins Groß, damit wir eine Viertelstunde später in der Flaute dümpeln. Ausreffen, klar. Dann sind es noch vier Knoten Wind, genau von vorne, ein Motor muss ran.

    Und es wird eine weitere Motorfahrt, der Wind hat sich komplett verabschiedet, mit 4 Knoten von vorne macht auch das Kreuzen keinen Spaß, wir (und die 21 russisch bemannten Boote) motoren in Richtung Arbatax, dort biegen wir ab in die Bucht. Wir schauen uns nach einem guten Ankerplatz um, es ist immer noch Schwell aus Südost, in der Mitte liegt eine kleine Felsinsel, aber die bietet nicht wirklich Schutz vor den Wellen, und so fällt der Anker schließlich, um halb zwölf, fast im ausgewiesenen Ankerfeld vor Arbatax in der Nähe eines Sandstrandes.

    Wären wir am Morgen vor dem dappischen Militärmanöver draußen gewesen, hätten wir wahrscheinlich den ganzen Tag schön segeln können. Hätte hätte Fahrradkette, war eben nicht so.

  • Zärtliche Momente

    Das war der erste Liegeplatz am Steg

    Heute war ein ganz besonderer Tag, der schon anders anfing als andere Bordtage. Damit meine ich keine großen weltbewegenden Ereignisse, aber manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die unsere Tage zu etwas ganz Besonderem machen. Und das fing schon heute früh an. Heute Morgen habe ich bis halb elf geschlafen, und, um es summasumarum zusammenzufassen, waren das 10 Stunden Schlaf. Erholsamer Schlaf am Stück, ein Rekord für mich – soweit ich mich erinnern kann. Kurz darauf stand der Hafenmeister mit Sorgenfalten auf seiner Stirn vor unserem Boot und meinte, dass wir uns trotz Starkwinds an einen anderen Liegeplatz legen müssen, weil er eine Flotille  mit 20 Segelyachten erwartet, die just an dem großen Kai liegen sollen, an dem wir bisher lagen.

    Die Madonna ist schon ganz verwittert und bewacht den Hafen

    Wegdiskutieren konnten wir das Problem mit dem Signore leider nicht, die böigen Winde bis acht Beaufort heulten durch die Masten und nun hatten wir sicherlich noch größere Sorgenfalten auf der Stirn. Cornelia und ich haben uns fast eine Stunde beratschlagt, wie wir vorgehen sollen, alles zum Verlegen soweit möglich vorbereitet und schließlich die Motoren gestartet. Der große Vorteil eines Katamarans sind die weit auseinander liegenden Motoren, die ein wirklich hervorragendes Drehverhalten  ermöglichen, das haben wir ausgenutzt. Erst beim Ablegen, indem wir die zuvor unter Zug stehenden Leinen nach und nach durch Motorunterstützung entlastet und gelöst haben, um dann am vorgesehenen neuen Liegeplatz den Kat langsam rückwärts fahrend gegen die vorherrschende Windrichtung zu dirigieren. Alles ging nach Plan!

    Hier gehört der Bösewicht hin

    Für den Nachmittag haben wir einen kleinenAusflug in das sieben Kilometer entfernte 5000 Seelendorf Villaputzu geplant. Leider gibt es keinen örtlichen Bus, das Taxi ist mit 15 Euro für die Strecke zu teuer und bei meinem Fahrrad habe ich bei der Vorderradmontage die dünne Stahlachse zu fest angezogen und abgebrochen. Da hilft nur – wie in jüngeren Tagen – den Daumen in den Wind zu halten und trampend zu versuchen, das Ziel zu erreichen. Das ging viel besser als gedacht und kurze Zeit später saßen wir in einem Ford Fiesta, der von seinem Fahrer so pilotiert wurde, als gelte es ein Formel-1-Rennen zu gewinnen.

    Die schöne, aber leider geschlossene Kirche steht in der Ortsmitte

    Wenige Minuten später standen wir vorm Fahrradgeschäft in Villaputzu, dessen Ortsname wir schon spaßeshalber mit “Villaputzig” übersetzten, weil alle Geschäfte geschlossen waren und irgendwie alles wie ausgestorben wirkte. Trotzdem hat der Ort einiges zu bieten, es gibt ein Feuchtgebiet mit grünem hohen Schilf, einen schönen ruhigen und gut gepflegten Dorfplatz vorm Rathaus und die Kirche erschien, zumindest von außen, weil verschlossen, sehr einladend.

    Punkt 16 Uhr ging der Fahrradladen auf, der zudem ein gesamtes Bauhaussortiment in klein beherbergte. Kurz darauf hatte die junge Signora triumphierend die passende Fahrradnarbe für 2,80 Euro aus dem Ersatzteilsortiment heraus gekramt. Habe ich schon mal erwähnt das ich diese südlichen Handwerkermärkte liebe, wenn nicht, dann tue ich es hiermit!

    Grün ist das Land

    Für den Supermarkt war es noch ein bisschen früh, der öffnet erst um 17 Uhr und so sind wir dann rein in eine Kneipe, auf ein Bier. Dort lief laute gute Rockmusik aus vergangenen Zeiten mit entsprechenden Videos. Der nahegelegene Metzger verkaufte uns heimisch-sardisches Rinderfilet zum Hammerpreis von 24 Euro/KG und nach einer kleinen Einkaufsrunde im recht kleinen Dorfsupermarkt ging es zurück zum Boot. Erst per Pedes und dann hielten wir abermals den Daumen in den Wind, keine 5 Minuten später saßen wir bei der Signora im komfortablem Mercedes-Bus und wurden bis in den Hafen kutschiert.

    Beim abendlichen Lotus-Grillen schwärmte Cornelia eindringlich, “wie zart ist das denn” und meinte nicht etwa meine Streicheleinheiten, sondern das überaus leckere Rinderfilet. Was für ein Klasse-Tag – genauso klasse, wie das ganze Szenario hier – im Hintergrund die Berge, dazwischen kleine Dörfer, im Süden endlos langer Strand, dazu das Meer – Sardinien ist echt schön!

  • Durchs wilde Tunesien…

    Wir sind eingeladen, nein, d.h. eigentlich ist Harald eingeladen und Wirt dürfen mitfahren, das Werk in El Haouaria anzuschauen, in dem die französische Katamaranwerft Catana ihre Cruising-Line “Bali” baut. 100 km seien das zu fahren, kein Problem, höchstens anderthalb bis zwei Stunden. Haralds  Mitsegler Rolf schafft es, trotz widriger Umstände ein Leihauto zu ergattern, ganz neu ist es nicht, Beulen hat es auch ein paar, aber das scheint – wie schon in Portugal – niemanden wirklich zu interessieren. Der Tank ist leer, Sprit müssen wir erstmal kaufen, was davon am Abend übrig bleibt, ist bestimmt nicht für den nächsten Kunden.

    Okay, aus den 100 km sind bei näherem Hinsehen 190 geworden, und auch mit zwei Stunden kommen wir nicht hin, aber egal, wann hat man schon mal die Gelegenheit, so durch ein völlig fremdes Land zu fahren?

    Punkt neun Uhr starten wir an der Marina und sind nach wenigen Kilometern auf der Autobahn Richtung Tunis. Wie schon vom Meer aus gesehen, ist die Landschaft lieblich, hier oben im Norden sind es im wesentlichen Oliven- und Orangenplantagen sowie Schafherden, die das Bild bestimmen. Bei den Schafherden sind immer auch Schäfer mit Hunden. Manchmal laufen aber auch nur eine Kuh und drei Schafe und eine Ziege und ein paar Hühner über das Feld, das offensichtlich zu einem einstöckigen kleinen weißen Haus gehört.

    Volker sagt: „Ich warte nur drauf, dass hier einer mit so nem Eselskarren vorbeikommt“, und richtig, kurz vor Tunis kommt nicht nur einer, sondern mehrere Typen mit Esels- oder Pferdekarren, auf denen irgendwelche landwirtschaftlichen Produkte transportiert werden.

    Tunis ist eine Millionen-Metropole, trotzdem führt die Autobahn einfach hindurch, wir sehen rechts die protzigen Paläste der Banken, fahren über eine große Allee, einförmige sechsstöckige Wohnblocks wechseln mit fantasievollen Geschäftshäusern und, vor allem auf der Einfahrtsstraße mit großzügigen Wohnpalästen.

    Nach Tunis geht die Fahrt weiter Mitt 110 Stundenkilometern über den „Transafrican Highway“ (klingt toll, oder?), bis wir diesen leider verlassen müssen, die letzten 100 km auf die deutlich kleineren Straßen mitten durch zahlreiche Ortschaften hindurch fahren. Das dauert zwar länger, ist aber in hohem Maße interessant. Als erstes werden wir mal von der Polizei angehalten, die wollen unsere Pässe sehen. Ob wir arabisch sprechen? Nein, das leider nicht, aber französisch. Auch gut, jetzt kommt der Chef, fragt, wohin wir unterwegs sind, wir zeigen es ihm auf unserer Karte, und er beschreibt uns den Weg für die nächsten drei Abbiegungen. Gut, damit haben sie die gute Tat für den Tag getan.

    In einer der nächsten Ortschaften ist Markt, aber nicht irgendwo auf einem Platz, sondern beidseits der Hauptstraße, wir fahren ungefähr 20 cm an frischen Tomaten, Brot, lebenden Hühnern, rosafarbener Unterwäsche vorbei, nein, fahren natürlich nicht, sondern schleichen. Wir sind eben einfach in einer anderen Welt angekommen. Zwischen den Ortschaften endlose Felder, hier neben den Olivenbäumen auch viel Weizen, und immer wieder stehen am Straßenrand kleine Hütten, an denen irgendetwas verkauft wird: Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, und einiges, das wir nicht zuordnen können. Je weiter wir an die Spitze der Halbinsel kommen, desto mehr Weinbau gibt es, riesige Felder, wir erfahren später das der Mucadet von Kelibia eine besondere Spezialität ist.

    Noch einmal werden wir von der Polizei angehalten, aber diesmal wollen sie nur die Autopapiere sehen, und ohne weitere Routenempfehlungen dürfen wir weiterfahren. Es ist schon nach zwölf Uhr mittags, bis wir bei der Werft ankommen, der oberste Chef von Catana und der Chef der tunesischen Fabrik erwarten uns schon, und laden uns zum Essen ein, denn jetzt haben auch die Arbeiter Pause, und sie wollen uns die Produktion lieber zeigen, wenn dort auch Menschen tätig sind.

    Da sagen wir natürlich nicht nein, wir fahren ein paar Kilometer mit dem Auto bis zum Meer, und tauchen schon wieder in eine andere Welt ein. Ein von außen unscheinbares Restaurant öffnet sich auf eine große Terrasse mit einem schier unglaublichen Blick über die Bucht von El Haouaria. Auf dem Wasser fährt langsam ein Fischer mit seinem Schleppnetz vorbei, und wir werden verwöhnt mit den Köstlichkeiten des Meeres, Sepia, Pulpo, Krabben mit Oliven, sauer eingelegtem Gemüse und scharfer roter Harissa gibt es als Vorspeise mit Brot zum Dippen. Aber der Clou ist der Hauptgang: Seegrille, so was ähnliches wie eine Languste dazu Spaghetti, zum Hinknien lecker!

    Interessant ist danach die Führung durch die Fertigung der Bali, in nur sieben Wochen fertigen sie hier die Bali 40, viele Frauen sind dabei, mit und ohne Kopftuch, und alle sind enorm gut drauf, sie lächeln strahlend, wenn man sie grüßt, die Stimmung scheint richtig gut zu sein, obwohl der Monatslohn im Vergleich zu europäischen Einkommen sehr niedrig ist.

    Gegen 16 Uhr verabschieden wir uns mit vielen Dankesworten, wir wollen einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Damit wir nicht die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg nehmen müssen, fahren wir über Kelibia und Korea an der nordöstlichen Küste Richtung Hammamed, dem Seebad Tunesiens. In Kelibia möchte Harald den Hafen anschauen, so etwas haben wir noch nicht gesehen. Das ist ja schlimmer als der Friedhof der Kuscheltiere, was hier an verfallenden Booten herumliegt! Und überall Müll, Dreck und vor allem Plastik. Nicht nur hier am Hafen, in den Orten, dazwischen überall liegt Plastikmüll. Nur nicht entlang des Highway, dort sehen wir Menschen, die den Dreck einsammeln, damit es ordentlich aussieht. Aber die laufen auch zu Fuß einfach so über die Autobahn,

    Nach dem Schock tuckern wir heim über zahlreiche Ortschaften, befahren nochmal den Transafrican Highway, um uns leider in Tunis in den Feierabendverkehrsstau zu stellen. Unsere Köpfe sind voller Bilder, das wird eine ganze Weile in Anspruch nehmen, diese Vielfalt zu verarbeiten.

  • Ein neuer Kontinent

    Sanft gewellte Hügel mit kleinen weißen Ortschaften

    Um 11:00 Uhr sind wir in der Marina in Bizerte angekommen, nach drei Tagen auf See. Mit dem ersten Licht des Tages konnte man schon die Küste sehen, ich fand das sehr aufregend, Afrika liegt voraus, ein Kontinent, auf dem wir noch nie waren. Es war eine schöne Überfahrt (das Logbuch dazu gibt es demnächst unter der Rubrik „Logbücher“), und wir schauen auf die grünen Hügel im Norden von Tunis. Weiße Ortschaften liegen dazwischen, in der Ferne kann man die Stadt Bizerte sehen.

    Wie vereinbart rufe ich den Hafenmeister an, er hat uns schon auf dem AIS verfolgt, sagt „Bienvenue“ und erwartet uns mit drei Jungs, die sofort an Bord springen, um die Moorings zu nehmen. Allerdings sind diese so voller Muscheln, dass Volker sagt, hier bleibe er nicht, das verkratzt ja das ganze Gelcoat! Ob wir uns längsseits hinlegen wollen, fragt der Hafenmeister, immer noch freundlich, „Oui, s’il vous plaît“, sagt Volker. Mit den Jungs fahren wir an den nächsten Steg, und legen dort an, alles ist wieder gut.

    Sofort kommt auch die Immigration mit einem Polizisten in schussfester Weste, diese beiden sind ebenfalls sehr freundlich, heißen uns willkommen in ihrem Land, und wir füllen die zahlreichen Papiere aus. Eine Stunde später haben wir einen Stempel im Pass, und sind sozusagen angekommen.

    Geschmückt für den 1. Mai

    Auch hier ist der 1. Mai Feiertag, offensichtlich gibt es Aufmärsche oder Ähnliches in der Stadt, man hört nur skandierendes Singen. Und in regelmäßigen Abständen rufen die Muezzin von den Türmen der Gotteshäuser zum Gebet, hier gibt es viele davon, und so entsteht am Hafen eine schier unglaubliche Kakophonie!

    Mit einem Eimer Farbe wäre diesem schönen Gebäude schon geholfen
    Der alte Hafen

    Am Nachmittag kommen Harald und Rolf mit ihrer Catana an, nachdem auch sie einklariert haben, gehen wir zu viert in die Stadt, und sind beeindruckt. Ob es am Feiertag liegt oder immer so ist, es sind unglaublich viele Menschen unterwegs, sitzen in den Cafés am alten Hafen, laufen mit uns durch die Straßen, eine unglaubliche Zahl von Katzen labt sich an den essbaren Abfällen.

    Zwei Eimer Farbe braucht es hier schon

    Überhaupt Abfälle! Überall fliegt Plastik herum, Müll liegt an allen Ecken und Kanten, da kann man noch nachbessern. Die Geschäfte haben geöffnet, und zahlreiche fliegende Händler bieten auf den Gassen ihre Waren feil.

    Schuhe zum selber zusammensuchen

    Das beste sind die fliegenden Schuhverkäufer, denn die haben einfach einen großen Haufen mit allen Arten von Schuhen, aber nicht etwa paarweise schön ausgelegt, sondern sozusagen zum Zusammensuchen.

    Ladies Paradise

    Es gibt zahlreiche Geschäfte mit orientalischen Frauenkleidern, ca. zwei Drittel der Frauen tragen Kopftuch und lange Röcke, die anderen sind westlich gekleidet, in Jeans und mit offenen Haaren.

    Busy Streets

    Offensichtlich gehen auch die Geschäfte an dem Feiertag ziemlich gut, erst nach langem Suchen finden wir einen Geldautomaten, der noch bestückt ist, die anderen waren alle schon leer gezogen. Am heutigen Abend essen wir bei uns an Bord, voller neuer Eindrücke.

  • Eine Schwalbe

    Die kleine Schwalbe mag sich nur ausruhen

    macht noch keinen Sommer, sagt man so. Einen Tag segeln und fast ein ganzer Tag motoren liegt nun hinter uns und wir erreichen soeben die Südspitze Sardiniens. Die ersten 48 Stunden auf dem Mittelmeer sind gut verlaufen. Der erste Tag hat uns mit viel Wind einiges abgefordert, aber das ist ja genau das, was wir wollen. Die Hexe hat sich auch bei über 35 Knoten Wind gut betragen, klein gerefft ging es mit über 10 Knoten schnell voran. Unser Topspeed lag bei 17 Knoten.

    Der Spatz hat einen Ruhepunkt gefunden

    Seit ein paar Stunden haben wir eine kleine Schwalbe an Bord, gestern war sogar ein Spatz zu Besuch, 50 Seemeilen weit vom nächsten Land entfernt, und am Abend haben drei Schwalben kurz um unser Großsegel “Fangen” gespielt. Für die kleine Bordschwalbe machen wir jetzt einen Umweg und schippern ganz dicht unter die Küste, damit der Jungvogel ans sichere Ufer fliegen kann. Brot und bereit gestelltes Wasser nimmt sie nicht an.

    Babyquallenschwärme schwimmen vorbei
    So sehen die kleinen Biester aus, brennen aber noch nicht

    Aber damit nicht genug der Tierwelt: Gestern Nachmittag hat uns zweimal kurz ein einsamer Delphin besucht, und seit gestern Mittag bis heute Morgen schwammen im Meer Abermillionen von Portugiere-Quallenbabies, hoffentlich haben die genügend natürliche Feinde!

    Der Sommer ist hier im Süden Sardiniens angekommen, es ist schön warm, der Wind dabei sehr schwach. Im Moment wechseln wir zwischen Motor und Leichtwindsegel hin und her. Ab 5 Knoten Wind können wir segeln. Für heute Mittag ist Westwind um die 3 Beaufort vorhergesagt, das würde gut passen. Es sind noch 140 Seemeilen bis Bizerte in Tunesien, die Stimmung an Bord ist wieder super, Cornelia hat soeben ein großes Problem gelöst. Seit gestern haben die Lichtmaschinen der Motoren keinen Strom mehr ins 24-Volt-Bordnetz geladen, weil ich am Lademonitior was falsch eingestellt habe. Männer und Technik eben…

    Jetzt versucht sie sich am Spannungswandler, weil der ebenfalls den Dienst standhaft verweigert, zuviel Elektronik für mich (Dabei lag es nur an den vorher ausgestellten 230-Volt-Sicherungen, das fiel dem Skipper beim Telefonieren ein).

  • Trocken gelegt,

    die Navigationstischdecke für weltweite Fahrt

    ist nun unsere Motorbilge und beim heutigen kurzen Probeschlag in der Bucht von LGM ist absolut kein Wassertropfen nachgelaufen. Wir sind sehr froh, dass wir jetzt ein trockenes Schiff haben. Wo genau das Wasser im Ruderabteil überhaupt herkam, lässt sich im Nachhinein garnicht sagen. Man muss  nicht jedes Rätsel ergründen, Hauptsache, das Schiff ist dicht, egal ob Süß- oder Salzwasser.

    Zudem kam heute der neue Laderegler für unseren Hydrogenerator, der über eine drehende Schraube im Wasser bei Vorwärtsfahrt Energie für unser Bordstromnetz erzeugt. Je schneller wir segeln, umso mehr Energie wird in unser  24-Volt-System eingespeist. Heute beim Testsegeln lieferte der Hydrogenerator bei 8,5 Knoten Fahrt vielversprechende 10 Ampere oder umgerechnet gut 240 Watt Leistung. Zu dem Thema Energiegewinnung an Bord gibt es bald mehr Details.

    Die Capitania prüft gerade die Wetterlage, während ich nur noch segeln will. Endlich raus, egal woher der Wind weht und beinahe egal wie stark, Hauptsache segeln, Meilen schrubben, mit unserem neuen Kat. Und dabei noch mehr Erfahrung sammeln, das Boot kennen lernen und ihm vertrauen. Beziehungsaufbau geht nicht nur zwischen Menschen, es geht für mich auch mit einem schönen flotten Schiff.

    das nächtliche Schaltpanel

    Am Anfang ist alles neu und fremd, die Vertrautheit und die Kenntnis fehlt noch, die wir bei unserer Dehler mit jeder gesegelten Meile mehr erlangt haben. Obwohl, ganz fremd ist uns unser Kat natürlich nicht. Dazu haben wir jetzt schon zuviel Zeit mit ihm verbracht. Ich bin mittlerweile in jedem erreichbaren Winkel rumgekrabbelt, kenne die ganzen verschiedenfarbigen Leinen und muss nicht mehr nachdenken, wofür beispielsweise die dunkelblaue oder die gelbschwarze ist. Alle Schalter am Schaltpanel sind vertraut, und Geräusche an Bord werden gleich erkannt. Wir sind also hoffentlich auf einem guten Weg, hin zu einer langen tragfähigen Beziehung mit unserer HEXE. Jetzt muss die Lady liefern und zeigen, was in ihr steckt.