Fließend Wasser

Fließend Wasser am falschen Ort

Das sonst so blaue Meer ist schmutzig braun, voll mit Sediment, Sand und Schmutz. Plastikteile, zerrissene Tüten, Einwegflaschen, Kaugummihüllen und dazu allerlei Organisches, vom kleinsten Ast bis zum Baumstamm, schwimmen in der aufgewühlten Brühe. Der gestrige sintflutartige Regen hat die Kanalisation von LGM zum Überlaufen gebracht. Parkplätze, Straßen und Gehwege waren überflutet und wir hatten fließend Wasser aus dem Küchenschrank. Die Silikonabdichtung zwischen Elektrowinch und Kajütaufbau ist wohl nicht so sorgfältig gemacht, wie sie sein sollte und es tropft aus dem Küchenschrank auf die Arbeitsfläche.

Zwei Tage zuvor haben wir schon eine Undichtigkeit an einer Klampe festgestellt, als ich Regenwasser im Motorraum gefunden habe – nicht erfreulich.

Nix mit blau so blau!

Heute sah die Welt und der Himmel schon wieder besser aus,  ein moderater Wind aus Südost schaufelt wärmere Luftmassen heran. Ganz klar Segelwetter, doch die Capitania hat so gar keine Lust, lässt sich aber mir zu Liebe überreden. Leinen los, die Fender weggestaut, noch vor der Hafenausfahrt gleitet das Großsegel im gleichmäßigen Rhythmus der Elektrowinch am Carbonmast nach oben. Noch schnell die Genua ausgerollt und mit einem Windeinfallswinkel von 70 Grad und 15 Knoten wahrem Wind zeigt die Logge gleich sportliche 11 Knoten Fahrt an. Die Altdünung von den vergangenen Sturmtagen und die neue Windsee versetzen den Hexenkat ordentlich in Bewegung- Rock’n’Roll ist angesagt. Gischtfahnen werden vom Bug weggerissen und Wassermassen schießen durch das Trampolin. Wasserfontänen prasseln gegen die Frontscheibe. Cornelias Gesicht spricht Bände, ich bin wie jedesmal überwältigt, wie cool das Schiff segelt. Der Wind frischt auf, wir reffen die Genua, wie es in unserer “Bedienungsanleitung” steht. Kurz danach zeigt der Windmesser 20 Knoten an, höchste Zeit, auch das Großsegel zu reffen. Mit Reff eins und komplett ohne Vorsegel sind wir immer noch mit guten 7,7 – 8,5 Knoten Fahrt unterwegs. Wir probieren, noch höher an den Wind zu gehen, das Schiff segelt so harmonisch ruhig und ausgeglichen mit dem gerefften Großsegel allein. Wieder etwas Neues übers Boot gelernt. Ich rolle ein kleines Stück Vorsegel aus, und im Eiltempo gehts weiter. Dann hebelt uns plötzlich eine besonders große Welle, die wir nicht kommen gesehen haben, aus, Wassermassen ergießen sich übers Boot und fließen sturzbachartig nach hinten, ich schaffe es noch so eben, die Salontüren zu schließen, ehe sich das Wasser über den Cockpitboden verteilt. Was war denn das? Die Capitania ist jetzt noch weniger amused (Samy auch!) und will zurück in den sicheren Hafen. Eine Stunde später passieren wir die Hafeneinfahrt.

Die Windsurfer finden es wunderbar

Trotz heftiger Böen legt Cornelia das Schiff souverän an den Steg, dann steht Schiffentsalzung auf dem Programm. Hätte ich nicht schon vor drei Tagen Rosen für die Liebste gekauft (die bei der heutigen Fahrt im Spülbecken stehen mussten, damit sie nicht umfallen), dann würde ich es jetzt tun:-)

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