Bei der Tierhilfe „Sara“ auf Lanzarote

Am gestrigen, eher kühlen Samstag fahren Maren von dem Katamaran “Nica“ und ich zu der “Tierhilfe Sara”. Letzte Woche, an Allerheiligen, waren wir schon einmal dort, standen aber leider vor verschlossenen Türen, wegen des Feiertages. Eine freundliche Helferin erklärte uns damals, dass sie heute nur zum Putzen und Füttern gekommen ist, aber wir sollten wochentags oder Samstag wieder kommen, dann könnten wir mit den Hunden spazieren gehen. Nun sind wir eben am Samstag gekommen und bringen ganz viele Bilder mit, deshalb ist der Bericht ein wenig mit Fotos überlastet. Ich denke, die Bilder sprechen für sich. Danke an Maren für ganz viele der Fotos.

Auf der Insel leben so viele Hunde und Katzen auf der Straße, vernachlässigt und meist abgemagert, oft werden sie furchtbar schlecht behandelt und verjagt. Bei Sara kümmert man sich um diese Tiere, sie werden von Menschen eingesammelt und in das Tierheim gebracht, das sehr sehr stark auf die Mitarbeit von Freiwilligen angewiesen ist. Die Käfige müssen schließlich jeden Tag, auch am Sonntag und feiertags, wenn keine Besucher kommen können, gereinigt werden, und auch das Essen muss verteilt werden. Für Spenden werden Spardosen in Geschäften aufgestellt, Geldspenden, aber auch Sachspenden, z.B. Büromaterial, sind herzlich willkommen. Ohne diese Zuwendungen könnte das Tierheim nicht überleben.

Derzeit befinden sich laut Angaben der Tierhilfe ca. 80 Hunde in dem Gelände sowie viele Katzen, die alle liebevoll versorgt werden.

War an Allerheiligen nur noch ein einziges anderes Auto mit uns auf dem Parkplatz, so hatten wir heute Mühe, überhaupt noch einen Abstellplatz für unser Auto zu finden. Hinter dem Gebäude gab es einen Flohmarkt, und am Eingang warteten schon mehrere Menschen auf einen Hund, um diesen ein bisschen auszuführen. Unter der Woche sei es viel ruhiger, sagte uns eine Mitarbeiterin, da seien sie froh um jeden Besucher, der mit einigen Tieren spazieren geht.

Wir hatten trotz der vielen Besucher dennoch Glück und bekamen, zusammen mit einer Spanierin und ihrem Sohn, eine Führung durch die Anlage, konnten alle Tiere in ihren Käfigen sehen, und auch bemerken, wie sauber alles war. Die Tiere sind gut versorgt, aber leider es gibt viel zu viele und sie bräuchten viel mehr Auslauf, denn hier drin sind sie nur in den Käfigen und schauen auf grüne Wände. Man kann nur hoffen, dass viele von ihnen bald ein Zuhause finden.

Natürlich war ein unglaublicher Lärm, fast alle Hunde bellten, wenn fremde Menschen vorbei kamen, und manchmal auch einfach nur so. Die Hunde werden meist zu zweit oder dritt in ihren Käfigen gehalten und sie scheinen sich sehr gut zu vertragen. 

Es wohnen hier Podenkos oder Bardinos, beides spanische Jagdhunde, und ebenso viele von ihnen gemixt mit irgendeiner anderen Rasse. Natürlich gibt es auch Hunde, die offensichtlich aus allen möglichen Rassen stammten, ebenso Kampfhunde und deren Mischformen.

Uns hatten es besonders zwei eher kleine Hunde angetan, so bekamen wir Vito und Jackie, beides Terrier-Mix, unkastrierte Rüden, die sehr vertraut miteinander umgingen. Auch sie werden zusammen in einem Käfig gehalten. Natürlich mussten sie überall markieren, und so zeigen, dass sie hier gewesen sind. Wir waren sofort verliebt in die beiden Kleinen, und machten einen ausgiebigen Spaziergang mit ihnen.

Maren ist Hundetrainerin und sie erzählte mir während des Spaziergangs ganz viel von ihrer Arbeit mit oft anscheinend schwierigen Hunden. „Eigentlich sind es die Menschen, die schwierig sind, und die muss man erziehen, damit sie ihre Hunde besser verstehen und anleiten können!“, sagte sie.

Auf ihren Vorschlag hin setzen wir uns nach der Hälfte des Weges gemeinsam auf einen Stein, spielen mit den beiden und streicheln sie ausgiebig. Beide Hunde scheinen direkt Zutrauen zu uns zu haben, sie kommen auf den Schoß oder legen sich entspannt bei uns ab. Man hatte uns gsagt, dass die beiden schon etwas älter seien, aber sie benahmen sich wie Hunde in den besten Lebensjahren. Nach vierzig Minuten sollten wir sie spätestens wieder abgeben, und mir brach es sofort das Herz, dass ich Jackie nicht mitnehmen konnte.

Es war noch ein bisschen Zeit, bis das Tierheim um 13 Uhr schloss, so holten wir noch Sura, eine etwas üppige Bardino-Mischung, die ganz ruhig neben uns her ging. Um ein Uhr mussten alle Hunde wieder bei „Sara“ abgegeben sein. Wir werden bestimmt nächste Woche wieder kommen, Volker wäre schließlich auch sehr gerne mit gegangen, aber heute waren noch einmal die Handwerker an Bord, und so musste er im Hafen bleiben.

Hier der Link zu der Webseite der Tierhilfe Sara:
https://www.tierhilfe-sara-lanzarote.com/index.php

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Plan B?

Manchmal kommt es anders, als man denkt. Eine beliebte Volksweisheit, die sich sehr gut auf des Seglers Alltag und Planung übertragen lässt. 

Das Boot ist noch nicht fertig repariert, der Wind bläst viel zu stark, der Wind bekommt genau aus der Richtung, wo man hin will, der jetzige Hafen gefällt (zu) sehr, usw. Die Liste der Gründe, warum die Landleinen nicht gelöst, und die an langer Hand geplante Reise (noch) nicht startet, könnte endlos lang fortgesetzt werden. 

Trotzdem: Endlich mal wieder ein paar Stunden segeln

Was uns betrifft, sind wir leider auch noch nicht auf dem Weg zu den Kapverden und dann weiter nach Brasilien, wie eigentlich von langer Hand geplant und erhofft. Vielmehr liegen wir noch fest im Hafen in Puerto Calero auf Lanzarote. Und das natürlich aus gutem Grund, es kam in den letzten Tagen oder Wochen einiges anders als geplant. 

Fangen wir mal bei dem gerissenen Frontfenster an: Das Ersatzfenster sollte eigentlich schon seit Wochen hier und eingebaut sein. Die Betonung liegt ganz klar auf dem Wort eigentlich.Denn in den letzten Wochen haben wir, mit viel Energie und dennoch erfolglos, versucht, den Aufenthaltsort der Ersatzscheibe herauszufinden. Laut Tracker vom Paketdienst sollte das begehrte Paket beim Zoll in Madrid liegen, wo es schon am 20. November angekommen zu sein scheint. Dies ist der letzte bekannte Ort, den ganzen Weg von Frankreich aus dorthin kann man im Internet verfolgen. Das war es dann aber auch schon. Zahlreiche Nachfragen von FedEx und dem sehr bemühten Mitarbeiter von Outremer, wann denn die Scheibe aus dem Zoll herauskommt und klar ist für den Weitertransport nach Lanzarote ist, verliefen sich im Anschluss im Sand. Vor ca. 10 Tagen erhielten wir dann die ernüchternde Nachricht, dass das Paket als verloren erklärt wurde. Die Folge davon ist simpel, keine neue Frontscheibe = keine atlantische Überfahrt. Die Kröte haben wir mittlerweile geschluckt, und umgehend eine neue Scheibe bestellt. Der externe Lieferant von Outremer wird sie im November anfertigen und Ende dieses Monats in den Versand geben. Anfang Dezember soll dann das gute Stück in Deutschland ankommen. Schneller geht nicht, schneller gibt es in diesem Fall nicht. 

Ein nächster Rückschlag war in der vergangenen Woche die Aktion, den Motor rauszuholen, aus dem Motorabteil. Alle Experten waren sich sicher, dass der Motor ohne Probleme durch die Luke aus dem Motorraum herauskommen wird. Alle vorangegangen Nachfragen diesbezüglich von mir wurden mit “Ist doch alles easy, passt schon“ kommentiert.

Es hat dann nicht gepasst, der Kran kam, der Motor war vom Saildrive gelöst, wurde angehoben, passte aber nicht durch die Decksöffnung. Dann kam die zweite Kröte 🐸, die wir schlucken mussten. Laut Auskunft von der planerischen Abteilung von Outremer, muss das Deck ein Stück weit mit einer Stichsäge ausgeschnitten werden, und der Lukenrahmen entfernt. Genau so geschah es dann auch, ich konnte nicht hinschauen, als die Stichsäge angesetzt wurde…

Neue Relingsdrähte für die Hexe
…und auch endlich mal wieder ein paar Stunden gesegelt!

Am nächsten Tag kam der Motor endlich, wie geplant, raus und am Folgetag war er auch schon wieder mit einer neuen Ölwannen- und Kurbelgehäusedichtung sowie gereinigtem Turbo und neuem Abgaskrümmer an seinem angestammten Platz montiert. Auch die Ausfahrt unter Motor am nächsten Tag verlief ohne Zwischenfälle, vollständig dicht sind alle Dichtungen und auch das leichte Pfeifen des Turbos ist verschwunden.

Dafür gibt es ein neues, wenn auch nicht so großes Problem, die Kupplung am anderen Motor ist verschlissen, der Propeller entfaltet sich manchmal nicht mehr, wenn man von Vorwärts- auf Rückwärtsfahrt umschaltet.

Der lokale Volvo-Mechaniker hat eine neue Kupplung bestellt, die kommt in der nächsten Woche. Wir haben vor ein paar Tagen den Platz im Hafen bis Anfang Januar verlängert, denn früher werden wir hier nicht wegkommen. 

Plan B tritt in Kraft. Statt nach Brasilien geht es wieder in die Karibik. Auch schön. 

Los Hervideros

Ein Spektakel der besonderen Art gab es vor ein paar Tagen hier in Lanzarote, und einmal mehr war die Natur der Hauptdarsteller. Ein atlantisches Sturmtief, das bei den Azoren vorbeigezogen ist, hat drei Meter hohe Wellen an die Küste von Lanzarote gespült. Besonders zu Hochwasser und bei den sogenannten Hervideros, eine wild zerklüftete Felseinbuchtung, war es ein großartiges Schauspiel.

Wellenspektakel

Zwischendrin wird auch gefeiert:

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Höhen und Tiefen

Mal wieder ist in den zwei Wochen unserer Abwesenheit keine der vereinbarten Arbeiten an Bord, die auf der To-Do-Liste standen, ausgeführt worden. Normalzustand hier, ich hätte es wissen müssen, oder noch simpler gesagt, erst garnicht erhoffen sollen.

Leckeres Mittagessen im Flugzeug

Aber der Weg ist ja das Ziel, und auf dem sind wir ein gutes Stück weiter gekommen. Zuerst einmal ging alles super prima, beim Einchecken am Discover Schalter am Frankfurter Flughafen, mit unseren zwei großen Segeln und und zwei prall gefüllten großen Sporttaschen, mit allerlei technischen Dingen. Insgesamt 135 Kilogramm Gepäck gingen über die Waage am Eincheckband, unsere Eincheckmitarbeiterin lächelte uns dazu noch fröhlich und gut gelaunt an, als wären solche Gepäckmassen der Standard. Sehr beruhigt gingen wir zum Flugsteig und warteten auf das bevorstehende Boarding. Nach der Ankunft in Lanzarote stieg dann nochmal die zuvor abgefallene Anspannung an, denn wir mussten erstmal nachfragen, an welchem Gepäckband die übergroßen Pakete mit unseren Segeln an uns übergeben werden sollen.

Dank Cornelias guter Spanischkenntnisse war auch das flott geklärt, und nachdem wir unsere Sporttaschen vom Band 2 abgeholt hatten gingen wir frohen Mutes zu Band 6, das für Sport und Sperrgepäck ausgelegt ist. Ein Gepäckstück nach dem anderen kam auf das überbreite Band, Kinderwagen en Masse, Rennräder in speziellen Packtaschen, 2 Hunde in ihren Transportboxen, erst nach bangen dreißig Minuten dann endlich unsere Segel. Angesichts der Gepäckmassen hat Cornelia vorsorglich ein großes Auto gemietet, in dem wir alles gut verstauen konnten.

Der neue Code Zero, die übergroße Genua

Angekommen am Boot, packte ich sogleich die Segel aus den Transportkartons aus und öffnete die Segelsäcke. Leider waren bei beiden Segeln die eingearbeiteten Kauschen zu dick, als dass sie in unsere Rollanlage, sowohl im unteren Bereich, dem sog. Segelhals, als auch am Topwirbel, passen würden. Ein kleiner Schock, hatten wir doch die Bilder unserer Rollanlage mit zum Segelmacher geschickt. Um es vorweg zu nehmen, Delta Voiles, der Segelmacher, handelte am folgenden Tag vorbildlich. Sie setzten sich mit dem regionalen Segelmacher in der Marina Rubicon auseinander, und eine halbe Stunde nach meiner Reklamation war klar, dass uns schnell und unkompliziert geholfen wird. Der Kontakt zu Manuel, dem Inhaber, der Lanzarote Sails, gestaltete sich so positiv, dass wir dann noch mit ihm kurzerhand vereinbarten, unser komplettes Cockpitzelt mit seinen mittlerweile fast blinden und stockigen Kunststoffscheiben, zu ihm zu bringen. Inzwischen haben wir sowohl das renovierte Cockpitzelt, als auch die Segel mit den modifizierten Kauschen wieder zurück an Bord. Lanzarote Sails, da werden Sie geholfen…

Die neuen Batterien sind an ihrem Platz

Dann haben wir es tatsächlich geschafft, dass in dieser Woche der von uns mitgebrachte 24-Volt-Motor an der Wassermacher-Einheit angeschlossen wurde, und auch unsere komplette Verbraucherbatteriebank gegen einen neuen Satz Batterien ausgetauscht wurde. Den alten Batterien habe ich nicht mehr getraut, seit sie mal bei einem Ladevorgang auf den Azoren einen Überhitzungsalarm ausgelöst haben, obwohl sie sich danach wieder recht normal verhielten. Egal, drei Jahre Batteriezyklus, überwiegend vor Anker oder segelnd, mit ständigem Betrieb des Wassermachers, der Waschmaschine, den elektrischen Winschen, dem Kühlschrank, etc. sind schon eine große Belastung für die Energiespender.

Das Motorrelais

Anderes Thema, der vermeintliche Fehler am Motorrelais auf der rechten Schiffsseite hat sich dann, Gott sei Dank, fast von selbst aufgelöst, die relaiseigene Sicherung war rausgesprungen.

Zudem ist es Petra, Jochen und mir, wenn auch mit viel  Mühe, wegen unnötiger Ungeduld, gelungen, den noch nicht gerollten 212 Quadrameter großen Gennaker zu setzen und aufzurollen. Der Wind hatte genau zu diesem Zeitpunkt aufgefrischt und kam von vorne, das Segel schlug gegen den Mast und gegen die Saling, keine halbe Stunde später war es windstill. Deswegen gibt es noch kein Foto von dem neuen bunten Segel.

Der neue Code Zero, die übergroße Genua

Besser erging es dann meiner Capitania und mir vor drei Tagen, wir pickten den richtigen Zeitpunkt heraus. Bei einem leichten Wind von der Seite, hissten wir die neue übergroße Genua, die ebenfalls noch nicht gerollt war und rollten sie danach, diesmal mit Beweisfoto, ganz gemütlich auf. Man(n) lernt ja dazu. 

Ansonsten vergehen die Tage hier wie im Fluge, wir haben wieder mal neue Outremer-Segler kennen gelernt und mit ihnen einen wunderbaren Abend, Tapas essend, in der Marina Rubicon verbracht. Ich habe in der letzten Woche einen jungen, 29 Jahre alten Polen kennen gelernt, der jetzt nach seinem Studium das Ziel hat, als trampender Segler bis nach Brasilien zu kommen. Marcin hat es immerhin schon von südlich von Warschau, bis nach Gibraltar trampend und dann mit einem Segler, der ihn mitgenommen hat bis nach Lanzarote geschafft. Gerade jetzt sucht er händeringend ein Segelboot, das ihn mitnimmt bis zu den Kapverden. Sein Fazit; alles nicht ganz so einfach, aber er betonte, dass er seine Schüchternheit abgelegt hat und jetzt alle potenziellen Segler ganz einfach und ohne Scheu ansprechen kann. Marcin habe ich an einem Abend zu ein paar Bier eingeladen und mich mit ihm über Gott und die Welt unterhalten. Ein toller Typ…

Feiern mit Freunden

Vorgestern Abend sind wir von Jan und Ria, einem Seglerehepaar aus Belgien, zu einem indischen Abendessen eingeladen worden. Die beiden sind spät im Leben zur Segelei gekommen und hadern damit, ob sie über den Atlantik segeln wollen oder sollen, oder eben nicht. Manche Entscheidungen sind wirklich nicht leicht zu treffen und die Nutzen-Risikoabwägung muss wohl überlegt sein, zumal wenn gesundheitliche Problemchen eventuell im Wege sind. Jedenfalls, der Spaß kommt mit den beiden nie zu kurz, und die abendlichen Stunden mit ihnen fliegen nur so dahin.

Zum Schluss: Wir sind sehr gespannt, wann die restlichen Punkte von der Arbeitsliste an unserem Schiff abgearbeitet sind, und ob wir unsere ambitionierten Reisepläne so umsetzen können, wie wir uns das gedacht haben. Doch dazu das nächste Mal mehr.

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An manchen Stellen hakt es noch, 

Die Capitania inspiziert die Verpackungen der eingetroffenen Segel auf mögliche Beschädigungen

an einigen Punkten machen wir ganz gute Fortschritte, was das ambitionierte Ersatzteilprogramm für unseren Hexenkat angeht. Die im Juli bestellten neuen Vorsegel von Delta Voile für raume Windrichtungen sind vor einer Woche bei uns eingetroffen. Sowohl die übergroße und bauchige, kurz Code Zero, genannte Genua, als auch der große Gennaker, der auch nach Luv vom Vorstag wandern kann, kurz Code D. genannt, liegen solide verpackt im Keller und warten zusammen mit uns auf den Flug nach Lanzarote mit Discover Airlines am kommenden Sonntag.

Das vordere Verschlussstück nebst Dichtsatz für unseren hydraulischen Autopiloten von Lecombe und Schmitt haben wir bei Mörer Schiffselektronik in Bremen bestellt, und dank des super Einsatzes der dortigen Mitarbeiter wurde das Ersatzteil noch am gleichen Tag von L&S in Frankreich an uns losgeschickt, und traf am Folgetag bei uns ein. 

Jetzt ist noch der 24-Volt-Motor von Dessalator für unseren Wassermacher auf dem Weg zu uns und soll nach dem Tracking am morgigen Abend hier eintreffen. Mit ein bisschen Glück trifft auch noch das Konverterset für die Fernbedienung unseres Reserveautopiloten, das wir bei SVB bestellt haben, rechtzeitig vor unserem Abflug in den Süden ein.

Jetzt könnte sich ja der geneigte Blogleser fragen, warum wir diese Ersatzteile nicht schon in den zurückliegenden Wochen bestellt haben, sozusagen mit einem größeren Zeitpolster und nicht wie jetzt erst, Last-Minute.

Die Antwort ist einfach. Wir gingen davon aus, dass die Ersatzteile vom Reparaturbetrieb auf den Kanaren bestellt, bezahlt und auf den Weg nach Puerto Calero gebracht werden.. Da hat es an der Kommunikation oder was auch immer gemangelt, und besonders auch wegen der nicht zu unterschätzenden Tücken des Transportes auf die kanarischen Inseln. Egal wie, Hauptsache, die To-Do-Liste nähert sich dem zumindest vorläufigen Ende. 

Cornelia hat sich schon mal über die möglichen Zielhäfen in Brasilien informiert, unserem nächsten Reiseprojekt. Wir wollen Ende Oktober von Lanzarote aus dorthin aufbrechen.

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Wind Nordost, Starbahn null-drei,

bis hier hör ich die Motoren…

Am Sonntag war es nach einer kurzen Sommerpause – und ich lasse jetzt bewusst das Wort „endlich“ weg – soweit, dass ich mit dem Ferienflieger von Eurowings Discover auf die Ferieninsel Lanzarote und damit zu unserem Boot geflogen bin. Die Capitania bleibt noch ein paar Tage bei den Kindern und Enkelkindern und erholt sich von dem aufgeschnappten und heftig wütendem Kindergartenvirus, das sie die letzten Wochen fest im Würgegriff hatte.

Daher war die Zeit zuhause nicht ganz so prickelnd wie sonst, und all die geplanten Treffen mit unseren lieben Freunden fielen dem Virus zum Opfer. Hauptsache meine kleine Crew kommt schnell wieder auf die Höhe 🙂

50 Liter Diesel in der Bilge

Kaum an Bord angekommen, wurde schnell klar, dass von den zugesagten Arbeiten, die noch erledigt werden müssen, so gut wie gar nichts passiert ist, außer dem Motorenservice, der zudem zur Folge hatte, dass 50 Liter Diesel in der Bilge gelandet sind. Also ging es am Montagmorgen erstmal darum, die Arbeiten ins Laufen zu bringen und natürlich selbst kräftig mit anzupacken.

Der erste Job von der To-Do-Liste hat mich dann vier Stunden Zeit im Motorraum gekostet, um die komplette Wassermachereinheit, die unter das Gästebett verlegt werden soll, auszubauen. Dazu musste der Auspuff, der Schaltzug und der Seewasserfilter abgebaut werden, da diese beim Ausbau leider im Weg waren.

Mit vielen Verrenkungen und einigen unschönen Flüchen konnte ich zum Schluss die hinteren Halteschrauben der Wassermachereinheit erreichen und sie ans Tageslicht befördern. Mit dem 220-Volt-Motor und der Hochdruckpumpe wiegt der ganze Spaß über 30 Kilo.

Wes und Jan haben dann nochmal diskutiert, wo nun genau wir die ganze Einheit installieren werden und hatten die zündende Idee, diese in das Bilgenabteil vor dem Gästebett zu platzieren. Das haben wir gleich ausprobiert, und der Wassermacher passt da rein wie die berühmte Faust aufs Auge.

Danach habe ich den hinteren Teil der Motorbilge gestrichen, die jetzt schön leer ist, weil ja der Wassermacher nicht mehr störend davor steht. Leider musste ich bei einem Griff an den Arm des hydraulischen Autopiloten feststellen, dass der Hydraulikflüssigkeit verliert. Also eine weitere, nicht geplante Baustelle. Davon kamen dann am Folgetag noch drei dazu, auf die ich gerne hätte verzichten können, aber von denen ich dennoch schreiben werde.

David beim Edelstahlschweißen

Bleiben wir noch kurz beim Montag, nachmittags kam David mit den geschweißten Fußstützen zur Anprobe, die unter unsere Bänke, hinter den Steuerständen, montiert werden sollen. Denn wer bisher innen auf der Bank saß, hatte immer die Füße in der Luft baumeln, weil der Boden darunter so tief liegt. Die Fußstützen stehen schon lange bei Cornelia ganz oben auf der Wunschliste und nach dem bekannten Motto, „Happy Wife, Happy Life”, wird der Wunsch jetzt erfüllt. Am Ende des langen ersten Arbeitstages habe ich noch mit Jan die Kabel vom Wassermacher an dessen neuen Standplatz gezogen.

Am nächsten Morgen ging es gleich ganz früh weiter, denn die spanischen Elektriker standen früh vor der Tür, um die finale Verkabelung des Wassermachers zu realisieren. Auch Sandy, die Gelcoat- und Glasfiber-Fee erschien, um kosmetische Gelcoatarbeiten auszuführen, damit die Hexe auch optisch in Bestform, oder einfach gesagt, hübsch daherkommt. Ich mache mich derweil an den Wiedereinbau aller Teile am Motor, nichts ahnend, was da noch schief gehen kann, bzw. entdeckt wird. Als erstes ist der Seewasserfilter dran, was tadellos über die Bühne geht. Als nächstes befestige ich den Halteschuh für das Schaltkabel und ziehe dummerweise die Schrauben zu fest an, sodass die Halterung mit einem leisen Kling zerbricht – erstes neues Problem. Dann ist das dicke schwarze gummierte Auspuffrohr dran. Um es mit einem guten Winkel und spannungsfrei auf dem Wassersammler (wie eine Art Auspufftopf kann man sich den vorstellen) zu befestigen, löse ich es am oberen Auspuffkrümmer und kann es somit frei bewegen und fixieren. Das läuft soweit prima, und nachdem es am Wassersammler fest sitzt, muss ich es nur noch über das Auslassrohr vom Krümmer schieben. Doch als ich in den Krümmer rein schaue, trifft mich fast der Schlag. Der ist nämlich fast komplett versottet und mit schlackeähnlichen Ablagerungen übersät – zweites neues Problem.

Der versottete Abgaskrümmer

Das heißt, dass nicht nur die Ölwannendichtung am Steuerbordmotor erneuert werden muss, sondern auch die Abgaskrümmer an beiden Motoren. Denn, wie ich jetzt weiß, empfiehlt Volvo Penta den Austausch nach 5-7 Jahren, da liegen wir genau drin. Es ist wie es ist, am 10. Oktober kommt ein kleiner Kran-LKW und ein Mechanikerteam, das den Motor ausbauen wird. Dazu müssen wir an einen anderen Platz im Hafen und brauchen den Motor, der liess sich im Anschluss an den Zusammenbau nicht anschalten am Hauptschalter, weil scheinbar das Anschaltrelais oder der Schalter kaputt ist – drittes neues Problem.

Der Navistuhl: Angeschweißter Stehbolzen- dauerhafte Verbindung mit der Halteplatte

Am Freitag baut dann David die hübschen Edelstahlfußstützen final an, dazu muss auch ein Anschlag angeschweißt werden.

Schweißen an Bord ist eigentlich nicht die beste Kombination, vor allem auf einem Kunststoffboot, wegen der Hitze-Entwicklung, aber mit einigen ausgelegten Tüchern zum Schutz vom Gelcoat, und dank der großen Erfahrung von David, geht alles glatt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wird hoffentlich die Capitania bei ihrem nächsten Aufenthalt an Bord begeistern. Da die Schweißtechnik schon mal an Bord war, habe ich gleich den in Amerika nur provisorisch reparierten Bürostuhl aus der Navi-Ecke ausgebaut. Da wurde dann eine feste Halterung mit Gegenplatte angeschweißt, die nun super stabil an die Unterseite des Kartentisches angeschraubt ist. So stabil war der Sitz noch nie gehaltert.

Beste Wasserqualität vom Wassermacher, nur 83 ppm

Seit gestern Abend läuft der Watermaker mit seinem 220-Volt-Motor, auf den 24-Volt-Ersatzmotor aus Italien warten wir nunmehr seit Juli und hoffen sehr, dass der demnächst endlich eintreffen wird. Eine auf Maß gemachte Hochdruckleitung führt nun das Wasser von der Wassermachereinheit zu den im Motorraum verbliebenen Hochdruckmembranen.

Der Riss ist geheilt mit “Tear Mender”

Den Riss in der Großsegelpersenning habe ich mit einem Stück Sunbrellastoff und unserem Lieblingstextielkleber „ Tear Mender“ aus Amerika sowohl von innen als auch von außen repariert.

Wir wollen im Moment immer noch dran festhalten, dass wir um die Mitte bis Ende Oktober wieder auf eine langen Reise gehen werden. Dazu müssen aber der hydraulische Autopilot abgedichtet sein, die gerissene Frontscheibe geliefert und ausgetauscht sein, sowie alle Punkte die den, bzw. die Motoren betreffen, abgearbeitet sein.

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Pustekuchen

Ich hätte mir besser das „es bleibt spannend“ am Ende meines letzten Beitrages verkniffen. Nun sind wir ja schon seit einigen Tagen zuhause, und können etwas emotionsloser über die Ereignisse berichten.

Einen Tag, bevor die Hexe ins Wasser gehen sollte, ist ein großes Missgeschick passiert. Beide Ruder waren am Mittwoch Nachmittag eingebaut worden, jedoch ohne die Ruderquadranten zu montieren. Nun war leider beim Einbau des Backbord-Ruders ein Delrin Gleitring vergessen worden. Bei der Korrektur wurde versehentlich die Rudersicherung gelöst und – zack – das Ruder fiel raus, auf den Asphalt unter dem Boot. 

Ich hatte die Leckereien für die Freitag-Abend-Feier im örtlichen Supermarkt eingekauft und war gerade dabei, alles an Bord zu tragen, um Bier, Wasser, Cava und Wein in den Kühlschrank zu bringen. Ich stand am Kofferraum des Wagens, mit dem Rücken zum Boot, als es plötzlich dieses schreckliche Geräusch gab. Auf der Stelle war mir klar, dass das gar nicht gut sein kann, ich drehte mich ahnungsvoll um, und sah das Ruder auf dem Boden liegen.

Zunächst schien es so, also ob mit dem Ruder nichts passiert sei, nur das glutneue Ruderlager war zerbrochen und lag in seine Einzelteile zersplittert auf dem Boden. Doch dann stellte sich heraus, dass das Ruderblatt an der Vorderkante aufgeplatzt war. Also musste das schon mal neu laminiert werden, anschließend wieder den Coppercoat-Anstrich bekommen und drei Tage trocknen. Das schien zunächst das größere Übel zu sein, denn es kostet natürlich wieder Zeit. Aber dank des großen Einsatzes von Sandy und Wes, die über das Wochenende diesen Schaden behoben haben, war die Wartezeit deutlich verkürzt worden.

Doch das Ruderlager! Auf den Kanaren war kein passender Ersatz zu finden, also musste das Ruderlager  von Outremer aus Frankreich kommen. Nun sind Lieferungen vom europäischen Festland zu den Kanaren meist sehr zeitaufwändig, also versuchte man es mit einem speziellen Paketdienst, der für den Versand zu den kanarischen Inseln zuständig ist. Aber leider konnten oder wollten diese das Ruderlager am Freitag Nachmittag nicht mehr in La Grande Motte abholen, und wie das in der nächsten Woche aussieht, wusste auch keiner. Also hatte Wes sich überlegt, nach Barcelona zu fliegen, und dann mit dem Leihauto weiter nach La Grande Motte zu fahren um das Ruderlager direkt bei Outremer abzuholen.

Im Flieger

Nun wollte ich ja auf jeden Fall am Sonntag nach Hause fliegen, und Volker war schon ganz traurig, so lange alleine auf Lanzarote bleiben zu müssen, wenn er ja sowieso in den nächsten Tagen nichts zum Fortschritt der Reparatur beitragen kann. Deshalb kam ihm die Idee, er könnte doch mit mir nach Hause fliegen. Das hätte zwei Vorteile, wir würden unsere, von langer Hand  geplante Woche mit Enkeltochter Zoey verbringen können und der Ersatzteilversand von Frankreich nach Deutschland würde mit Expresslieferung nur wenige Tage dauern.

Also saßen wir beide am Sonntag im Eurowings Flieger, sind pünktlich um 22:40 in Frankfurt gelandet, Larissa holte uns dankenswerterweise ab. Am Flughafen folgte die nächste Katastrophe: Die Hälfte der Passagiere  waren schon mit ihren Koffern nach Hause gegangen, für uns andere hieß es: „Die Koffer kommen gleich.“ Dann, inzwischen war es 14 Minuten nach Mitternacht, kamen zwei verschüchterte Gepäck-Mitarbeiter, und sagten, dass die Koffer heute nicht mehr kämen. Volker hat das lautstark für alle Anwesenden verkündet, und wir erlösten Larissa, Johannes und Nana von der langen Wartezeit. Unglaublich!

Am Montag holten wir Zoey bei ihren Eltern ab, zum Urlaub bei den Großeltern. Auch die Urgroßmutter kam für die nächsten Tage dazu, so hatte das Kind alle erdenkliche Aufmerksamkeit und sehr vergnügliche Tage.

Am Dienstag kam, nach einer rekordverdächtig kurzen Lieferzeit, das ersehnte Ersatzruderlager von Outremer an, und wir buchten den nächstmöglichen Rückflug für Volker nach Lanzarote. Der ging am Donnerstag und verlief jedoch auch nicht hürdenfrei (befinden wir uns etwa in einer Pechsträhne???). Nach zwei Zwischenstopps und 14 Stunden Reisezeit landete der Skipper nebst Ersatzteil spätabends in Arrecife und verbrachte die Nacht im Gästezimmer von Wes und Roisin.

Am nächsten Morgen wurde das reparierte Ruder eingebaut, die Ruderquadranten montiert und endlich schwebte die Hexe sicher in den Gurten des 850-Tonnen-Krans liegend ihrem angestammten Element entgegen.

Sechs Wochen Werftzeit liegen nun endlich hinter uns. Das Segeln nach Calero entschädigte schon mal für Vieles. Jetzt liegt unser Boot gut vertäut im Hafen. Sonntag ist Volker wieder nach Frankfurt zurück geflogen. 

Entwarnung gib es auch beim Koffer, der kam am vergangenen Samstag wohlbehalten und vom Paketdienst geliefert, zuhause an. Selbst der eingeschweißte Käse und die Wurst haben die sechstägige Lieferverspätung schadlos überstanden.

Es gibt jetzt am Boot vor der nächsten großen Herbstreise immer noch einiges zu tun, der Watermaker soll aus dem Motorraum unter das Gästebett verlegt werden, die Fernbedienung für den Reserveautopilot muss eingebaut werden. Auch der Hydrogenerator muss nach der Reparatur wieder komplett montiert werden, die neu angefertigte Abstellfläche in der Dusche eingeklebt werden, das gerichtete Leitblech vom Anker  wieder montiert werden. Mehr noch: Der Riss von der Segelpersenning muss genäht werden, der Anschluss vom Backbord Dieseltank neu eingedichtet werden. 

Deswegen hat der Käptn nur einen kurzen Sommerurlaub in Deutschland geplant und wird Anfang September schon wieder zum Boot zurück fliegen, um dann vielleicht Ende September nochmals ein paar Tage in Deutschland verbringen zu können.

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Noch steht die Hexe hoch und trocken …

Immer noch an Land

… auf der Werft in Arrecife, aber nun tickt die Uhr: Am Freitag soll sie zurück in ihr Element.

Es war eine lange Zeit, seit 3. Juli, nunmehr über fünf Wochen, ist das Boot aus dem Wasser, und wir sind sozusagen wohnungslos. Nicht obdachlos, aber ohne die gewohnte Umgebung, zunächst in der Ferienwohnung, nunmehr im Hotel, wahrscheinlich wird es sich ganz komisch anfühlen, wenn wir wieder in unsere gewohnten Betten sinken werden.

Apropos Freitag Abend: Zur Feier der Rückeroberung unserer Heimat wollen wir natürlich nicht versäumen, unseren traditionellen Champagne Friday – hier eben mit Cava – und ganz vielen derzeit hier weilenden Freunden zu feiern. 

Pina Colada im Upperdeck: Abendliche Belohnung für die harte Arbeit

Es waren harte Zeiten in der Werft, natürlich vor allem für Volker, der jeden Tag mitgearbeitet hat, egal ob geschliffen werden musste, oder gespachtelt, wieder geschliffen, dann  Coppercoat aufgetragen wurde,  er war immer in der ersten Reihe mit dabei. 

Manchmal durfte ich – wie berichtet – kleinere Besorgungen übernehmen, oder auch mal einen Tag die Kupferfarbe für den Unterwasseranstrich anrühren. Ansonsten beschränkte sich meine Mithilfe auf das Kaffeetrinken mit meinen Freundinnen Inge-Lore und Ulrike samt Hund Nelly, und eventuelle organisatorische Tätigkeiten wie die Verlängerung des Leihautos, Buchung des Hotels, nachdem wir aus der Ferienwohnung ausziehen mussten, das Informieren der Marina in Puerto Calero, sowie das Buchen des Heimflugs. Und natürlich kam die liebevolle Pflege des von schwerer Arbeit gezeichneten heimgekehrten Skippers hinzu, er wurde angemessen bedauert, Nacken und Schultern massiert und in das wohlverdiente Nachmittagsschläfchen gestreichelt.

Letzte Feinarbeiten

Zurück zu ernsthaften Dingen: Wenn es darum geht, den Rumpf der Hexe zu bearbeiten, vorher das Klebeband anzubringen, ganz gerade, damit das Gelcoat oberhalb des Wasserpasses nicht mit bearbeitet wird, da wünscht man sich, das Boot wäre nur halb so groß und ein Rumpf würde auch ausreichen.

Über die Vorarbeiten für den Unterwasseranstrich, Schleifen, spachteln, etc. haben wir bereits im letzten Beitrag berichtet, nun sollte der Anstrich mit dem Coppercoat folgen. Das ist extrem anstrengend. Die Kupferfarbe trocknet sehr schnell, infolgedessen waren 5-6 Menschen nötig, um eine 18 Meter lange Seite zu streichen, denn nach 30 Minuten muss der nächste Anstrich drauf. Und so geht das, bis sieben Lagen aufgetragen sind. Dazu kommt, dass alle  Nase lang neue Farbe gebraucht wird, und immer wieder frisch angemischt werden muss.  Natürlich sollte auf jeden Fall ein Mundschutz getragen werden, weil das Zeug nicht gesund ist, wenn man es einatmet, vor allem der Kupferstaub schädigt die Lunge. Das macht im derzeit heißen Klima von Lanzarote auch nicht soviel Spaß.

Zu allen Arbeitsschritten und den Details wird sicher Volker demnächst einen separaten Blog schreiben, ich habe hier nur als Anschluss an den letzten Film eine kurze Episode über den Anstrich gemacht. 

Am Freitag soll alles fertig sein, die Hexe hoffentlich zurück im Salzwasser, doch es bleibt spannend.

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Die Hexe in der Werft in Arrecife

Seit nunmehr exakt vier Wochen steht unsere Hexe an Land. Wir beiden haben Asyl in der Ferienwohnung einer Freundin gefunden. Dank Claudia können wir – zumindest die Abende und Nächte – in unserem geliebten Puerto Calero verbringen.

Nach vielen und aufwändigen Reinigungsarbeiten an unserem Boot, mit einem Hochdruckreiniger zum Abspülen von Algenschleim und Muschelresten, und dem anschließend – betäubend lauten – Sandstrahlen, begannen die eigentlichen Arbeiten.

Einen Teil davon haben wir mit der Kamera festgehalten, und ich habe daraus einen kleinen Film geschnitten, der auf YouTube zu sehen ist. 

Bitte klicken, um das Video anzuschauenhttps://youtu.be/oGvubFFO3WI

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Wochenendausflug

Nach der Bergbesteigung (siehe letzter Blogbeitrag) des Skippers auf dem Werftgelände von Arrecife soll ein erholsames Wochenende  folgen. Ab Freitag 16 Uhr wird geschlossen, keiner darf auf dem Gelände sein, geschweige denn dort arbeiten. 

Also habe ich bereits am Mittag Kleider, Badeanzüge und Ladekabel für die Telefone eingepackt, auch die Zahnbürsten und das Shampoo nicht vergessen, sodass wir uns direkt nach getaner Arbeit –  okay, nach der Dusche – auf den Weg nach Playa Blanca machen können. Ab dort geht die Fähre nach Corralejo auf Fuerteventura. Da wir nicht wussten, wann wir in Arrecife los kommen, haben wir im Vorhinein kein Ticket gebucht, aber das Glück war mit uns, das Schiff der Fred-Olsen-Linie legte zehn Minuten nach unserer Ankunft ab, ich schaffte es gerade noch, Fahrkarten für uns und unseren Leihwagen zu ergattern, dann fuhren wir damit in den Bauch des Bootes ein, und genossen die halbstündige Fahrt zur Nachbarinsel von Lanzarote auf einem Logenplatz in der ersten Reihe am Bug der Fähre.

Meer- und Poolblick

Auf Empfehlung von lieben Freunden geht unsere Fahrt Richtung Süden, dort gäbe es ausreichend Hotels, in denen die zwei Erholung suchenden Bootsgebeutelten für ein Wochenende eine Auszeit nehmen können. Im Hotel Faro Jandia, direkt bei dem großen Leuchtturm finden wir ein wunderschönes Zimmer mit Meer- und Poolblick. Mit gut bestücktem Frühstück nach ausgiebigem Schwimmen im am Morgen völlig leeren Pool, einem netten Snack am Mittag, und einem üppigen Abendessen waren wir „pumpelsatt“. Der Verdauungsspanziergang auf der Straße vor dem Hotel endete mit einem kleinen Ausflug in einen Spielsalon.

Flipper – lange nicht mehr gespielt

Wir haben uns noch an der Life-Musik-Darbietung erfreut, eine Band spielte die bekannten Standards der Jazz und Rockmusik, mit eingestreuten uns unbekannten spanischen Liedern. Der Hotel-Manager zeigte seine Fähigkeiten als Saxophon- und Querflöten-Soloist. Der Beifall des Publikums war der Band sicher, am Ende wurde sogar getanzt.

Fuerteventura ist ähnlich wie Lanzarote und doch ganz anders. Beide Inseln sind vulkanischen Ursprungs, nur hat Fuerteventura keinen schwarzen Gesteinsboden wie Lanzarote, im Norden Fuerteventuras ist die Landschaft eher rostrot, im Süden findet man auf beiden Inseln sandfarbene Anblicke. Im Vergleich allerdings wirkt Lanzarote wie die kleine Schwester mit einer Fläche von ca. 845 Quadratkilometern auf eine Länge von 60 km und einer maximalen Breite von 34 km. Fuerteventura hingegen wartet mit 1.660 Quadratkilometern auf, bei einer Lange von über 100 km, allerdings eher geringer Breite zwischen 5 und 30 Kilometern.

Die weite Landschaft

Entsprechend weitläufiger ist die Landschaft, auf Lanzarote ragen einzelne Vulkangipfel heraus, während sich auf Fuerteventura ganze Landschaften voller Täler und Hügel finden. Die Ausblicke sind großartig, das Land ist sehr sehr wenig besiedelt. Zum Vergleich: Fuerteventura hat 122.000 Einwohner bei einer Bevölkerungsdichte von 72/qkm,  während auf der deutlich kleineren Schwesterinsel 150.000 Menschen leben, das entspricht 184 Einwohnern pro qkm.

Betancuria

Am Sonntag sind wir auf dem Heimweg ins Inland gefahren, um die ehemalige Hauptstadt Betancuria anzuschauen. Für eine ehemalige Inselhauptstadt ist das Darf winzig, es gibt zwei bis drei Souvenirläden, ein paar Restaurants, die allerdings höchstens bis 18 Uhr geöffnet sind, und ein deutsch geführtes Luxushotel, dessen wegen seines charmant historischen Interieurs eine Michelin-Erwähnung gefunden hat. Leider ist dieses nur samstags geöffnet. Im Juli allerdings sind Betriebsferien, sodass wir uns lieber für zwei Tage in Jandia eingemietet haben, statt die zweite Nacht von Samstag auf Sonntag hier zu verbringen.

Beeindruckend ist die Kirche von Betancourt, Santa Maria war im 15. Jahrhundert sogar eine Kathedrale, jetzt befindet sich dort ein Museum. Zahlreiche Bilder, Figuren und Ornate sind ausgestellt, auf kleinen Tafeln werden Herkunft und Bedeutung sehr verständlich erklärt. Das Kirchenschiff ist Original, die alte Kanzel steht, auch der Beichtstuhl ist erhalten geblieben.

Um 16 Uhr sind wir wieder an der Fähre, diesmal sitzen wir am Heck in der freien Luft, und sehen zu, wie Fuerteventura immer kleiner wird. Es war ein wunderschönes Wochenende mit viel Erholung und ganz neuen Eindrücken.

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Hoch und trocken

Ohrenbetäubend laut startet zuerst der große, stromliefernde Dieselgenerator, und direkt danach der Druckluftkompressor. Als dann noch das 120 Dezibel laute Sandstrahlgebläse kreischend einsetzt, wähnt man sich vollends im Vorhof der Hölle. 

Die ersten drei Arbeitstage auf der Werft in Arrecife sind vorbei. Beide Ruder mitsamt ihrem langen Edelstahlschaft sind ausgebaut, vom sozusagen „“gesunden“ Ruder wird eine Laminierform für das stark beschädigte Ruder abgenommen. Vom verbleibendem, unbeschädigten Skeg haben die Fiberglassexperten, fachmännisch geschickt, ebenfalls eine Laminierform direkt am Boot abgenommen, um einen neuen Skeg, in eben dieser Form laminieren zu können. 

Das Ruderlager auf der Seite mit dem kaputten Ruder ist ebenfalls beschädigt, wie sich bei näherer Inspektion herausstellte. Mehrere Walzenlager im Ruderlager sind beschädigt, bzw. teilweise gebrochen. Der Ausbau gestaltet sich schwierig und ist nur dank des vorsichtigen Einsatzes von Dremel und der Oszilliermaschine mit Sägeaufsatz möglich. Vorsichtig deshalb, damit das Gehäuse des Ruderlagers nicht auch beschädigt wird. 

Über drei Stunden brauche ich, bis das defekte Ruderlager sich endlich hochkant drehen und somit rausnehmen lässt. Vorsichtshalber baue ich auch das gegenüberliegende Ruderlager mit der Unterstützung von Wes aus. Zu zweit, und mit der Hilfe von einem Kantholz und ein paar Hammerhieben, ist der Job in einer halben Stunde erledigt.

Die Schiffsschrauben und die Propellernaben sind poliert, eine zeitraubende Tätigkeit, die aber mit einem schönen Hochglanzfinish belohnt wird. Aber die schwerste Arbeit, bis jetzt, hat definitiv der lanzarotensische Sandstrahlexperte, der mit viel Geschick und noch mehr Vorsicht, mit dem Sandstrahlgebläse das Antifouling vom Bootsrumpf entfernt. Dazu wird das abrasive Sandstrahlmaterial mit einem 2-3 Bar hohen Druck und einem langen Rohr, das dem eines Hochdruckreinigers in gewisser Weise ähnelt, aus ca. einem halben Meter Abstand auf den Bootsrumpf gerichtet. Theoretisch könnte ein ungeschickter Laie mit einem Sandstrahlgebläse die schützende Epoxyschicht und das Gelcoat beschädigen und eventuell sogar Löcher ins Laminat schießen. Der Sandstrahler selbst schützt sich und seine Gesundheit mit einer Atemschutzmaske und einem Helm mit ponchoartigem Umhang gegen den Staub und die umherfliegenden Sand- und anderen Körnchen, die in dem Strahlmittel enthalten sind. Morgen sollten beide Rümpfe komplett gesandstrahlt sein. 

Das Sandstrahlen beginnt

Wie geht es dann weiter? Zunächst einmal müssen beide Rumpfseiten gründlich gewaschen und vom Staub befreit werden. Ab Montag werden zwei weitere Epoxyschichten aufgebracht, die dann erstmal austrocknen und eventuell noch ein bisschen beigeschleift werden müssen. Dann wird zum Ende der nächsten oder zum Anfang der übernächsten Woche das finale Coppercoat Antifouling aufgebracht. 

Zwischenzeitlich wird das  Ruderblatt und der Skeg laminiert. Die Ruderlager von Jefa sind bestellt und auf dem Weg von Dänemark nach Lanzarote. Vorsichtshalber tausche ich noch die Saildrivedichtung und die Propellernabe am Backbord-Saildrive aus. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter, bzw. die eine oder andere Schweißperle über das Gesicht.

Cornelia hat während der Werftzeit ihr eigenes Programm und versorgt mich mit gekühlten Getränken, näht ein neues Lager für unser Bett im Salon, das wir bei Überfahrten nutzen, Sie besorgt notwenige Werkzeuge und Zubehör aus der Ferreteria (kleine lokale Baumärkte) und trifft sich hin und wieder mit Ulrike und Inge-Lore zum fröhlichen Plausch.

Irgendwie kommt einem so ein Werftprojekt wie eine Bergbesteigung vor. Erst steht es vor einem wie eine unbesteigbare Wand, doch dann ordnen sich so langsam die Dinge. Man kommt in den Arbeitsrhythmus, organisiert die Arbeitsabläufe, die Facharbeiter finden sich ein und so ganz langsam geht es bergauf. Das dann mal die Schultern oder der Muskelkater in den Armen schmerzt, ist verkraftbar, Hauptsache es geht koordiniert voran. Zusätzliche Hindernisse und unerwartete Ereignisse, wie beispielsweise das kaputte Ruderlager, werden mit Elan und Bravour gemeistert. 

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