Noch im süßen Wasser

Montag, 22. September 2025
Hoorn 13:30 – 21:30 Ijmuiden, 37,5 sm
Baro 1022, leicht bewölkt, Wind 10 – 20 Knoten, kühl

“Auf nach Hoorn!” hieß es vorgestern für uns. Um 8 Uhr stehen Ute, Wolfgang und Aljoscha vor unserem Haus, um uns abzuholen. Wolfgang hatte angeboten, uns mitzunehmen, weil er mit Familie sowieso nach Workum fahren will. Wolfgang und Aljoscha wollen morgens am Strand der Bucht von Workum kiten, und am Nachmittag werden sie ihr neu erworbenes Schmuckstück, ein zwölf Meter langes Plattbodenschiff namens „Swantje“ abholen. Wolfgang wusste, dass wir diesmal ohne eigenes Auto zum Boot kommen müssen, da wir ja den Hafen für unbestimmte Zeit verlassen werden. Für uns war das großartig und wir genossen die Fahrt im VW-Bus.

Bei strömendem Regen verlassen wir die hessischen Gefilde, und kurz nach 13 Uhr, ohne nennenswerte Stau auf der Route, steigen wir auf dem Parkplatz vom WSV aus. Wir räumen kurz ein, dann gehe ich mit Maureen bei Lidl einkaufen, einen ganzen Einkaufswagen voll. Der Inhalt wird verstaut, Matthijs ist auch schon da, um das neue Großfall einzuziehen. 

Dann kommen Leo und Doris Strempel vom Segelclub Saar, in dem Volker Mitglied ist, so ungefähr seit er laufen und in ein Boot steigen konnte. Die beiden machen Urlaub hier oben an der holländischen Küste und haben die Gelegenheit genutzt, einmal unseren Katamaran anzuschauen. Das hat uns natürlich sehr gefreut, auch wenn es nur ein kurzer Besuch war. Viele Freunde von dem SC Saar lesen auch fleißig unsere Blogs, dadurch sind sie immer auf dem Laufenden, wo wir uns gerade befinden.

Am frühen Abend gönnen wir uns ein köstliches Abendessen im Clubrestaurant. Es war wieder wunderbarer. Man wird empfangen wie bei Freunden, der Service ist super freundlich. Mein Tunfisch war eine Sensation, Volker genoss sein Ribeye sehr, und die Creme brulée war eine Offenbarung, ganz ungewöhnlich begleitet von einem hinreißenden Mousse au Chocolat. Das Lokal ist wirklich ein Gewinn für den Hafen.

Die Bösewichte

Doch am heutigen Morgen:
Um neun Uhr wollten wir ablegen, Segelfreund Matthijs wird uns begleiten bis irgendwo in Frankreich, pünktlich steht er, von Sabrina gebracht – vor dem Boot. Aber:
Was für ein Schreck! Kurz davor sind – plötzlich und unerwartet – alle Heizungslüfter ausgegangen. Und sie lassen sich auch nicht mehr starten. Es wird der Fehler gesucht, in der Elektrik, an dem Motor, mit telefonischer Hilfe von Freunden, aber nix passiert. Matthijs findet einen Monteur aus Alkmaar, der auch verspricht, gleich loszufahren.

Tatsächlich steht Kevin von Elektrostat eine Stunde später vor dem Boot, und er schafft es tatsächlich, dass nach relativ kurzer Zeit die Heizung wieder dreht und die Lüfter wieder die warme Luft ins Boot blasen. Der Temperatursensor war kaputt, der Brennereinsatz wurde ebenfalls ausgetauscht, Kevin hatte die richtigen Teile dabei. Wir sind glücklich, der Skipper auch wieder entspannt, und dann sind wir nicht mal fünf Stunden zu spät los gefahren und segelten bei schönstem achterlichem Wind Richtung Amsterdam.

Um 17 Uhr sind wir an der Schellingwouder Brug, aber die öffnet während der Amsterdamer Rush Hour von 16 – 18 Uhr nicht für den Schiffsverkehr, also müssen wir warten, damit wir anschließend noch in die Schleuse fahren können, und dann endlich im Kanal nach Ijmuiden sein werden.

Um 18 Uhr dreht die Brücke, wir fahren direkt in die Oranjesluis, direkt danach wird bei dem dahinter liegenden Bunkerschiff getankt. Nun werden wir wohl nicht bis 21 Uhr in Ijmuiden sein, um bei dem leckeren chinesischen Restaurant zu essen, also gibt es Hamburger an Bord, mit frisch gemachtem Kochkäse, auch lecker. 

Während der ca. 15 Meilen langen Fahrt durch den Nordseekanal wird es langsam Abend, und als wir in die Zeesluis vor Ijmuiden fahren, ist es eine stockdunkle Nacht, wir sind nur einenTag nach Neumond. Das war spannend, denn obwohl die Schleuse 11 m breit ist, blieb an jeder Seite neben den Fendern nur wenig Platz. 

Weiter geht es an den unbeleuchteten Bojen vorbei in die Seaport Marina, wo um 21:30 die Leinen fest sind. Es waren nur 35,7 sm mit zwei Schleusen, aber nun ist es auch genug, und nach einem alkoholfreien Radler fallen wir alle drei müde ins Bett. Morgen früh um sechs soll es weitergehen.

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Lecker, lecker, lecker

Bei unserem kurzen Trip nach Hoorn haben wir diesmal weniger auf dem Boot gekocht, wie wir das sonst meistens tun, sondern sind tatsächlich ziemlich oft ausgegangen. Dabei haben wir ganz verschiedene Restaurants besucht, von denen ich hier mal berichten will.

Der Turm

Als erstes waren wir mit Kees und Maureen im Turm, bei den „Hooftoren“, ein Restaurant am Hafen, das wir schon lange und gut kennen. Volker isst dort auch immer wieder das gleiche, Spareribs, von denen er sagt, sie seien noch besser als die von ihm gemachten. Ich bin da nicht ganz einverstanden, aber ich halte mich dort gerne an die Dinge aus der See. Es gibt erstklassige Miesmuscheln, einen ganzen Kochtopf voll, und auch der Fisch vom Tag ist immer sehr gut. Beim vorletzten Mal haben wir dort den ultimativen Nachtisch entdeckt: „Advocaat met Slagroom“, also lauwarmer Eierlikör mit Schlagsahne. Mmmmhmmm! (Das haben wir dann auch mal auf dem Boot nachgemacht, da schmeckt es ebenso gut.)

Auch in dem Vereinsrestaurant kann man hervorragend essen. Freitag Abend bis Sonntag Mittag ist es geöffnet, ein professioneller Koch kocht, und viele Freiwillige aus dem Verein machen den Service, sehr professionell und liebenswürdig. Es gibt eine kleine feste Karte und immer ein wechselndes Fleisch- und Fischgericht. Alles wirklich lecker, es scheint auch bei den Passanten gut anzukommen. Hoffen wir mal, dass es so bleibt.

Bei unserem Lieblings-Italiener sind wir auch einen Abend eingekehrt, und auch hier wurden wir nicht enttäuscht. Beim letzten Mal war Zoey mit uns dort, und sie bekam eine Kinderpizza, die so hübsch aussah, dass man sie fast nicht essen wollte. Diesmal hat Volker sich auch so eine Pizza bestellt, allerdings in der Erwachsenen-Größe, der Teig dort schmeckt einfach köstlich, und ich bekam meine favorisierte Melanzane Parmiggiana, Auberginen in Tomatensoße, „da da daaa, ich liebe es“!

Das Ankertje, in dem wir  mit Matthijs und Sabrina an unserem letzten Abend in Holland gegessen haben, war geschmückt – wie immer, wir waren dort früher häufig mit den Kindern – mit Modellen von alten Schiffen. In dieser maritimen Atmosphäre aßen wir lecker klassisch holländisch zum Abschied, bevor wir am nächsten Tag für unseren kurzen Ausflug nach Deutschland aufbrachen.

Die Krönung aber war unser Ausflug nach Alkmaar. So ein Restaurant haben wir beide noch nie erlebt! In dieser schönen holländischen Stadt haben wir Kees und Maureen in ihrer Wohnung besucht, und wollten dort auch zu Abend essen. Maureen hat darauf ein nettes Restaurant in Laufnähe vorgeschlagen, wunderbar. Wir gingen hinein, es war bereits gut besucht, aber wir bekamen noch einen Tisch für uns vier, obwohl wir nicht reserviert hatten. Ein sehr freundlicher Kellner fragte nach unseren Getränkewünschen und erklärte uns auch, wie das hier läuft. Also man scannt den QR-Code, bekommt dort die Speisekarte angezeigt, und bestellt über das Smartphone. Zunächst hatten wir es so verstanden, dass wir uns zwei Gerichte auswählen können und eine Beilage. Und alle Getränke seien inkludiert. Für 37 €. „Wieviel, 37 Euro????!!!“, fragt Volker entsetzt. Aber dann kommt die Erklärung: Nach 15 Minuten kann man wieder zwei Gerichte bestellen, Vorspeisen, Fisch, Vegetarisches, worauf auch immer man Lust hat. Und wiederholen, solange das Herz begehrt oder der Magen mitmacht. Das haben wir ausgiebig getan, zu viert haben wir wahrscheinlich einmal die gesamte Speisekarte auf dem Tisch gehabt. 

Es stimmte, alles waren übersichtliche Portionen, unglaublich lecker und optisch wunderbar angerichtet. So hatte man danach Lust auf den nächsten Gang, nur so haben wir jeder zehn oder zwölf verschiedene Gerichte probieren können. Angefangen mit Suppen oder Sushi oder anderen Vorspeisen, über alle möglichen Varianten von Fisch- und Fleisch-Überraschungen, auch Mini-Portionen Spareribs, Aal und Rotbarsch waren dabei.  Laut Volker kam danach die Offenbarung in Gestalt von sehr unterschiedlichen und extrem leckeren Desserts. Also rundum jeden Cent wert!

Immer bei Eva und Yanni dabei: Restaurant-Hündin “Daisy”

In Darmstadt angekommen, gingen wir sozusagen „zuhause“ essen, nämlich mit Petra und Axel bei „Kassandra“, unserem Lieblings-Griechen-Freund, wo wir überschwänglich begrüßt wurden, von Yanni und Eva, den Besitzern und von vielen Freunden, die – wie wir – dort viele gemütliche und unvergessliche Abende verbracht haben. Und der Zander im Kartoffelteig schmeckt köstlich wie eh und je, auch das klassische Champignon-Schnitzel (ratet mal für wen) war unverändert lecker.

Unsere kleine Tour als Restaurantverkoster hat sich gelohnt, so viele verschiedene Küchen, so viele Geschmäcker und so viel leckeres Essen. Glücklicherweise haben wir keine Waage an Bord.

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Timing

Fast wie geplant, könnte man meinen, gingen heute unsere Reparaturarbeiten unmittelbar vor dem Durchzug einer Gewitterfront zu Ende. Ein geradezu perfektes Timing!

Vor zwei Tagen sind wir nach Lelystad Haven gesegelt, ein kurzer Schlag, nur knapp 15 Seemeilen von Hoorn weg, allerdings genau in die Richtung des Windes. Also war kreuzen angesagt. Und bei ganz flachem Markermeerwasser schafften wir mit fein getrimmten Segeln eine fantastische Höhe von wahren 45 Grad am Wind, bei nur 10 Konten Windgeschwindigkeit.

Der Rotbarsch vor dem Grill

Am Abend waren wir dann sehr schön im Schwimmrestaurant Club Port Side essen, das ganz nahe gelegen im gleichen Yachthafen vertäut ist. Für mich gab es leckere Spareribs, natürlich mit einer extra Portion Pfeffersoße und Cornelia hatte die vegetarischen Gnocchis mit riesigen Pilzschirmen, beides war super lecker. Wer auch hin will, sollte – zumindest am Wochenende – vorab reservieren. Und am zweiten Tag konnte sie bei dem hiesigen Fischer einen wunderbaren Rotbarsch erstehen, also eigentlich hat sie ihn geschenkt bekommen.

Überhaupt schein Lelystadt Haven, sowas wie ein Geheimtip zu sein. Eingebettet in eine schöne Naturlandschaft, mit einer grandiosen Aussicht übers Markermeer, kann man den Hafen als ein Idyll bezeichnen. Neue schwimmende Betonstege, mit ausreichend Stromanschlüssen und Wasser, sind für die Gastlieger vorgesehen. Cornelia wurde sehr freundlich im Hafenbüro empfangen. 

Nun ist sie wieder schön

Am nächsten Morgen stand die ebenfalls sehr freundliche Mitarbeiterin Loes von Yachtpainting Lelystad pünktlich um neun Uhr auf der Matte und begann gekonnt, die kleinen  und größeren Schadenstellen zu bearbeiten. Das Resultat kann sich sehen lassen. Loes hat wirklich hervorragende Arbeit geleistet, und wir sind froh, dass die Hexe nun wieder so schön wie eh und je in ihrem Element schwimmt.

Jetzt gibt es noch ein kleines bisschen Wissen zu Lelystad on top zu diesem Blogbeitrag. Lelystad ist heute mit über 80.000 Einwohnern die Hauptstadt der Probinz Flevoland. Der Name der Stadt Lelystad leitet sich ab von Cornelis Lely, dem Erbauer und Erdenker des Abschlussdeichs vom Ijsselmeer zur Nordsee. Davor war ja hier alles dem Meer und den Gezeiten ausgesetzt. 1916 entstand dann das heutige Ijsselmeer durch eben die Abdeichung von der Nordsee. 

Lelystad wurde 1967 gegründet, genau zu der Zeit, als der sogenannte Houtribdijk, also der Deich gebaut wurde, der heute Enkhuizen und Lelystad miteinander verbindet. Lelystad liegt sechs Meter unter dem Meeresspiegel, die alte Arbeitersiedlung zur Errichtung des Damms liegt genau neben Lelystad Haven.

Der Houtribdijk trennt nun das nördlich davon gelegene Ijsselmeer vom südlich gelegenen Markermeer. Ursprünglich war mal geplant, das Markermeer bis auf ein paar Fahrrinnen und Kanäle  für Schiffe komplett trocken zu legen. Doch dieser sogenannte Markerwaard Plan wurde 2003 glücklicherweise aufs buchstäblich Trockene gelegt. Denn sonst gäbe es heute kein Markermeer mehr, mit den vielen schönen Häfen, wie beispielsweise Edam, Hoorn, Volendam oder Monnickendam.

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Bald wieder

Die Urlaubstage an Bord mit unserer Enkeltochter haben offensichtlich nicht nur der stolzen Oma und dem stolzen Opa viel Spaß gemacht. Denn Zoey hat schon für sich entschieden, dass sie in den Herbstferien wieder zu uns an Bord kommen möchte. Ab jetzt müssen auch wir uns leider wieder ein bisschen nach den Schulferienzeiten richten, wenn wir mit unserer Enkeltochter verreisen möchten. Ihr neuer Lebensabschnitt, die Schulzeit, hat vor ein paar Tagen begonnen, und die ganze Familie war mit von der Partie, bei dem Großereignis, der Einschulung. Die Turnhalle der Grundschule war rappelvoll, mit schulttütenbewehrten Erstklässlern und der Verwandtschaft.

Landart am Rheinufer

Ansonsten genießen wir zur Zeit, den wunderbaren Sommer im Rhein-Main Gebiet, mit Baden am Rhein oder im Baggersee, kleinen Fahrradtouren, Grillfesten und Besuchen in den Biergärten der Region. Seglerisch können wir daher ruhig von einem Sommerloch oder von einer Sommerpause sprechen, da spielt sich nix ab. Schade, dass das Rhein-Main-Gebiet so weit weg ist vom Wasser. Was wäre es doch schön und praktisch, wenn unsere Hexe, sozusagen vor unserer Haustüre liegen würde. 

Jedoch ist schon der Weg nach Holland, gefühlt, leichter zu planen, als ein festes Datum, an dem geflogen wird, oder besser gesagt, geflogen werden muss. Einfach ab ins Auto und fünf Stunden später sind wir am Wasser und an Bord. Doch noch ist der nächste Ausflug zum Boot ein paarTage weg, und wenn man sich erst mal in das Landleben wieder eingefunden hat, kann auch dieses sehr schön, abwechslungsreich, oder entspannend sein. Je nach Tagesform oder Aktivität. 

Damit wir dann nicht zu viel rasten, gibt es für Cornelia regelmäßige Zoom-Yogaeinheiten, mit Katja aus Lanzarote, und ich übe mich in Liegestützen, Sit-ups und kurzen Fitnesseinheiten. 

Was ja der reine Flop war, war das Beobachten der Perseiden, eigentlich das schönste Meteoritenspektakel dieses Sommers. Und wer ist schuld daran? Der Mond, denn der war voll und schien so hell, dass die Sternschnuppen am nächtlichen Himmel, bis auf paar besonders helle, nicht zu sehen waren. Sowohl in der Nacht zum 12., als auch zum 13. August, haben wir uns vergeblich die Augen ausgeguckt. Einen schwachen Trost gibt es, die Nacht zum12. August 2026 wird mondfrei sein.

Mit Dank an http://www.sternwarte-rodewisch.de/

Eines merkt man nun deutlich, der Zenit des diesjährigen Sommers ist überschritten. Die Tage sind spürbar kürzer, und die letzten und die kommenden Nächte sind mit 13, bzw. 14 Grad schon merklich kühler. Außerdem sind schon die Felder gemäht und die großen Sonnenblumen verblüht.

Für uns stellt sich nun so langsam die Frage: wo wollen wir das Boot im nächsten Winter parken? Eventuell ein weiterer Winter in Hoorn, oder an der atlantischen Küste in der Gegend von La Rochelle, oder doch wieder ein langer Segeltörn nach Lanzarote. Noch ist nichts entschieden und trotzdem ist vieles im Wandel.

Doch dazu mehr im nächsten Beitrag!

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Volles Boot, volle Hütte, full house

Nach ein paar Tagen in Deutschland, und nach der Geburtstagsfeier unserer nun 6-jährigen Enkeltochter, geht es wieder zurück nach Hoorn und zurück zu unserer Hexe. Diesmal nicht ohne großen Schrecken, denn noch auf der Autobahn liest mir Cornelia die Mail von unserem Hafenmeister vor, der uns benachrichtigt, dass ein Gastlieger mit seinem Boot unsere Hexe gerammt und beschädigt hat. Das Stimmungsbarometer im Auto sinkt unmittelbar auf null und wir machen uns Gedanken, wie groß wohl der Schaden ist. 

Kaum am Boot angekommen, inspizieren wir die außenliegende Steuerbordseite von dem zu Wasser gelassenen Beiboot aus. Das Segelpaar hat mit seinem Anker unser Gelcoat an mehreren Stellen beschädigt, es gibt Kratzer vom Bug bis zum hinteren Fenster. Ich bin stinksauer über soviel Unvermögen. Die Segler sind rückwärts durch die Boxengasse gefahren und haben zuerst unser Boot im Bugbereich beschädigt. Aber anstatt den nicht erfolgreichen Rückfahrversuch nach der ersten Kollision zu beenden, und nach vorne wegzufahren, oder sich gegen unsere sechs dafür ausgebrachten Fender zu legen und mal nachzudenken, fahren sie noch zehn Meter weiter rückwärts und beschädigen die arme Hexe wieder an mehreren Stellen. Mir fehlen die Worte! Und um nicht dabei ausfallend zu werden, halte ich besser den Mund. Jedenfalls wurde der Schaden beim Hafenmeister gemeldet, und die Gastlieger lagen auch noch im Hafen, hinter uns,  und sie waren kooperativ, soviel zum Positiven. Hilft auch nicht viel… wir haben den Schaden und alle holländischen Gelcoatexperten scheinen in Urlaub zu sein. Ich bin mal gespannt, wer schlussendlich die Macken und Kratzer reparieren wird.

Eigentlich müsste ich ja auch Schmerzensgeld für meinen erlittenen seelischen Schaden verlangen, oder?

Aber drei Tage nach dem Ereignis, und nach dem Geburtstag unserer lieben Enkeltochter, stand dann mein Geburtstag an, und den wollten wir in guter alter Tradition an Bord verbringen. Unsere älteste Tochter Allegra hatte sich mit beiden Enkelkindern zu Besuch angekündigt. Auch Axel und Petra wollen ein paar Tage mit uns an Bord verbringen. Was für eine Freude!

Soviel Besuch auf der Hexe hatten wir schon ewig nicht mehr, alle Kabinen waren belegt. Die beiden Enkelkinder hatten von Anbeginn einen Riesenspaß am Beiboot fahren und dem Stand-Up-Paddeln. Erstaunlich, selbst die 2-jährige Isabella konnte nicht genug davon bekommen, mit dem SuP durch Hafengebiet gepaddelt zu werden. Jedesmal, wenn ich zurück zur Hexe paddeln wollte, schrie sie: „mehr, mehr!“ Selbstverständlich haben beide Kinder ihre gut sichtbare orange Schwimmweste an. 

Es folgt eine Dinghytour zum Strand, eine Dinghytour durch die Stadt, mit Brombeerpflücken an einer Hecke, die nur vom Kanal aus zu erreichen ist. Die Tage sind gefüllt mit zahlreichen Aktivitäten, und die Zeit vergeht wie im Flug. 

Und schon ist Geburtstags-Tag. Zu den vielen lieben Menschen, die eh an Bord sind, finden sich noch Sabrina und Boris zur Feier ein, und so wurde mein Geburtstag zu einem echten Jubeltag. Danke an alle!

Mit Axel und Petra habe ich in den letzten beiden Tagen die Hexe einmal komplett, von oben nach unten und hinten nach vorne, händisch poliert. Jetzt glänzt nicht nur unser großer Hexenaufkleber am Bug in frischem Glanz, auch auf den gesamten glatten Gelcoatflächen perlt das Wasser nach dem letzten großen Regenschauer geschmeidig ab.

Gestern Abend ging es  zur Belohnung aller in den historischen Turm, dem Wahrzeichen von Hoorn, um die besten Spareribs der Welt zu essen. Heute früh sind  Axel und Petra leider nach Hause gefahren. Dafür ist unsere jüngste Tochter Larissa nebst Ehepartner, auf dem Weg zu uns, mit unendlich vielen Staus. Die Betten für die beiden sind frisch bezogen. 

Mit Zoey haben wir heute ein paar schöne Stunden am Stadtstrand von Hoorn verbracht. Dieser Strand ist der größte Binnenstrand von Holland, hat einen gut 80 Meter langen Anlegesteg und eine, einige tausend Quadratmeter große Schwimmfläche, mit verschiedenen Wassertiefen, die durch gelbe Markierungsbojen abgetrennt sind. Wahnsinn was die Gemeinde da für ihre Bürger und für Besucher erschaffen hat. 

Hoorn bietet halt echt viel, eine superschöne attraktive Altstadt mit zahlreichen Gaststätten und Einkaufsmöglichkeiten; ein historisches Hafenviertel mit vielen Gebäuden und Wohnhäusern aus dem frühen 16. Jahrhundert, die Gefängnisinsel mit Hotel und Kino, dem Restaurationszentrum für Plattbodenschiffe, die historische Dampfbahn, die Hoorn mit Medemblik verbindet, sowie nun seit drei Jahren eben jenen besagten Stadtstrand. Man kann echt ins Schwärmen geraten.

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Tour durch die schönsten Städtchen in Nordholland

Früh, kurz nach sieben Uhr, werde ich am Sonntag Morgen wach. Volker ist schon am Lesen, und gleich geht es los, und wir heben den Anker, um Uli und Elke mit ihrem neuen Boot „Lil“ entgegen zu fahren. Sie sind laut Marine Traffic kurz vor Harlingen, noch eine gute Weile weg.

Die Lil kommt in die Schleuse

Wir wollen sowieso in die Nordsee, also ins Wattenmeer, um die neue Pumpe im Wassermacher auszuprobieren, das können wir nur im Salzwasser, sonst gehen die Membrane kaputt. Wir motoren also  zur Schleuse, und dank der frühen Uhrzeit ist auch noch fast nichts los, und wir können direkt einfahren. Nach der Schleuse übernehme ich das Ruder und Volker probiert sein Glück mit dem Watermaker, es dauert ein bisschen, aber dann springt er doch an. Nur leider wird nicht die gleiche Menge gefiltert wie sonst, nun müssen wir herausfinden, woran das liegt.

Nach einer guten Stunde erblicken wir die Lil, und um zehn Uhr sind wir wieder an der Schleuse zurück ins IJsselmeer. Wir finden einen schönen Platz am langen Steg in Makkum, die Lil kommt neben uns, und wir genießen ein schönes Frühstück, es gibt ja schließlich so viel zu erzählen. 

Während sich die beiden von ihrer Nachtfahrt ausruhen – sie sind gestern in Glückstadt gestartet – holt Volker das Windsurfbrett und das Segel raus, und – hallo – er hat es nicht verlernt, es geht von der ersten Minute an!

In den nächsten Tagen wollen wir Uli und Elke unser Heimatrevier, das IJsselmeer zeigen, sie mit den entzückenden kleinen und größeren Städtchen bekannt machen. So machen wir am Nachmittag einen Rundgang durch Makkum, und genießen die Sonne.

Die nächste Station auf unserer „touristischen Kreuzfahrt“ übers IJsselmeer ist Workum, am 14. Juli (französischer Nationalfeiertag) liegen wir nach einer kurzen Motorfahrt dort wieder an dem Meldesteg, die Lil bekommt eine Box zugewiesen. Und schon geht es los: Statt spätem Frühstück fahren wir alle vier mit dem Dinghy nach Hindelopen, und essen an der besten Fischbude von Nordholland (alternativ lockt die Eistheke). Nach einem Rundgang durch den pittoresken Ort geht es mit dem Dinghy zurück nach Workum, dann quasi ohne Pause erneut auf Tour:  Jan, der Hafenmeister, gibt uns vier Leihfahrräder und wir radeln nach Workum rein, die Sightseeing-Tour geht weiter. Natürlich halten wir bei meinem Lieblings-Käseladen und decken uns ein. Auch bei dem Bäcker müssen wir zuschlagen, mit Rosinenbrötchen und Anis-Zuckerbrot bestückt, radeln wir durch den Ort zur Marina zurück. Volker erklärt auf dem Weg auf die interessanten Orte, und auf Elkes Wunsch hin fahren wir auch noch zum Strand am Campingplatz.

Es ist – natürlich – eine kleine Regatta, als wir am nächsten Morgen in Workum abgelegt haben. Wir waren zuerst los vom Steg, die Lil folgte ein bisschen später. Es ist ein Am-Wind-Kurs nach Medemblik, unserem Ziel. Volker schaut stets nach dem Abstand zwischen der Lil und uns. Zuerst ist er bass erstaunt, dass der Abstand gleich bleibt, über ganz lange Zeit. Dann plötzlich der Schreck: Uli kommt näher! Ich beruhige ihn: „Das war bestimmt nur ein Messfehler“! Tatsächlich liegt die Lil nach kurzer Zeit wieder im gleichen Abstand hinter uns wie gehabt, Volker kann entspannen und aufhören mit dem dauernden Zubbeln an den Schoten. Schließlich sind wir doch ein bisschen länger, und “Länge läuft”; auch so ein Seglerspruch.

Um 12:20 wird gewendet und um 12:50 sind die Leinen fest, längsseits mitten in Medemblik. Auch hier folgt natürlich wieder ein Rundgang durch die Altstadt und am Strand zurück. Elke und ich bummeln noch ein bisschen durch die Einkaufsstraße, und am Abend treffen wir uns alle wieder auf der Hexe, Volker hat ein Drei-Gänge-Grill-Menü kreiert. 

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Binnentörn

Hoch am Wind segeln wir in Richtung Norden, wo wir hinwollen, wissen wir nicht genau. Hauptsache segeln und das bei wunderbaren Bedingungen. Flaches Wasser, 8-12 Knoten Wind und blauer Himmel, mit ein paar Tüpfelwolken. Seit Mittwoch sind wir wieder an Bord, und ein paar aufregende Tage liegen hinter uns. Die Capitania wurde 70 Jahre alt und es gab eine große Feier, zusammen mit unserer gerade 30 gewordenen Tochter. Runde 100 Jahre haben die Jubilarinnen gefeiert, schön im heimischen Garten, mit vielen lieben Freunden und ebenfalls bestem Wetter. Ich durfte mich am Grill so richtig austoben und habe über 70 Hamburgerpattis gegrillt. Bis tief in die Nacht haben wir mit unseren Gästen zusammengesessen und das neue Lebensjahrzehnt für Larissa und Cornelia gebührend gefeiert.

Jetzt, zurück an Bord, ticken die Uhren wieder etwas langsamer und ruhiger. Doch die Lebensuhr der im vorigen Bericht erwähnten Hochdruckpumpe von Cat Pumps schien wohl endgültig abgelaufen zu sein, obwohl neun Leben versprochen waren. Zu sehr hat der Verschleiß an der Pumpe genagt. Kolben und Lager waren soweit eingelaufen und mit Abnutzungsspuren versehen, dass eine neue Cat Pump bestellt werden musste, die wir auf dem Weg nach Holland in Idstein abholen konnten. Die sitzt jetzt, wieder eingebaut, zwischen den 24-Volt- und 220-Volt-Motoren der Wassermachereinheit und wartet auf ihre Inbetriebnahme. Das können wir jedoch erst ausprobieren, wenn wir wieder Salzwasser unter unseren Rümpfen haben, weil Süßwasser, das unter Druck gesetzt wird, die Membrane zerstören würde. 

Zwei Stunden später und nach einigen Wenden erreichen wir Enkhuizen und können, was für ein Glück, direkt mit zwei Plattbodenschiffen in die Schleuse einlaufen. Der Schleusenvorgang selbst ist total unspektakulär, da es in der Regel keine unterschiedlichen Wasserstände zwischen dem südlichen Markermeer und dem nördlichen IJsselmeer gibt. Kurz nach der Schleuse begegnet uns ein Charterschiff der sogenannten braunen Flotte unter Vollzeug. Immer wieder ein faszinierender Anblick. 

Die Fortuna, im Anlaufkanal von Enkhuizen, unter Vollzeug

Bei uns geht das Großsegel am weißen Carbonmast hoch und die Genua wird ausgerollt. Zu gut sind die Bedingungen, um jetzt schon einen Hafen anzulaufen. Hoch am Wind mit nördlichen Kurs, segeln wir weiter. Und bei diesen perfekten Bedingungen schaffen wir auch ein Höhe von deutlich unter 50 Grad am wahren Wind, und mit dem höheren Speed, den wir dabei laufen, überholen wir fast alle Boote, die in die gleiche Richtung unterwegs sind. Ein Segelfest sozusagen, fast wie bei einer Regatta, ein Kreuzschlag folgt dem nächsten, jeder Winddreher wird ausgenutzt.

Nach weiteren zwei Segelstunden sind wir in der Höhe von Stavoren, doch wir haben noch immer nicht genug von der Segelei. Das Segelfieber lodert weiter, erst kurz vor 18 Uhr machen wir die Leinen in IT Soal bei Workum fest. Was für eine schöne Überraschung, treffen wir doch gleich auf unsere alten Segelfreunde, Christian, Steffi, Enrique und Britta, die schon bei einem Bierchen zusammen sitzen. 

Und der eigentlich berentete Hafenmeister Jan, der viele Jahre für das Wohl der Boote und deren Eigentümer in IT Soal gesorgt hat, macht ausnahmsweise einen Vertretungsdienst im Hafenbüro. Es gibt viel zu erzählen, doch irgendwann knurrt uns der Magen und meine Gedanken kreisen um das chinesische Restaurant in Workum, das mit leckerer, knusprig gebratener Ente auf uns zu warten scheint. Jan leiht uns ein paar Fahrräder, wir haben unsere in Hoorn vergessen, und kurz drauf sitzen wir am gedeckten Tisch.

Heute hat, gegenüber gestern, der Wind nochmal um einen Tacken zugelegt. Noch vor dem langen Ende der Ausfahrt aus dem Workumer Hafenkanal binde ich ein Reff ins Großsegel ein, um gut auf die Bedingungen vorbereitet zu sein, die wir vorfinden werden. Wir weichen noch ein paar Booten auf dem gut gefüllten IJsselmeer aus, bevor auch wir mit gerefften Segeln durchs Wasser pflügen, das mit seinen kurzen und steilen Wellen heute anders aussieht als gestern. Wir kreuzen nach Makkum auf. Das weitflächige Ankergebiet unterhalb des Abschlussdeiches ist unser Tagesziel. Nach einem kurzen, zweistündigen Segeltörn gräbt sich der Anker in den schlickigen Grund.

Um uns herum und im Zufahrtskanal nach Makkum wird noch kräftig gesegelt. Ein schöner Anblick.

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Nachgetragen

Zu recht beschwert sich Kees, dass wir noch garnicht davon geschrieben haben, dass die Hexe wohlbehalten in Hoorn liegt. Und nicht in irgendeinem Hafen, denn wir hatten Glück, der WSV Hoorn, also mein holländischer Segelverein, in dem ich nun seit über 20 Jahren Mitglied bin, hatte tatsächlich einen freien Liegeplatz für unseren großen Katamaran. Wir sind sehr froh, wieder in Hoorn und wieder beim WSV zu sein. Viele Freunde und Bekannte kennen wir hier schon seit vielen Jahren, und die wunderschöne Altstadt lädt zum Bummeln und Verweilen ein.

Dazu ist es sommerlich warm, das Wasser ist warm und lädt zum Schwimmen ein. Holland und Hoorn im Speziellen zeigen sich von ihrer besten Seite. Doch wir sind nicht nur zum Vergnügen hier. Es gibt einiges an Bord zu reparieren, bzw. auszutauschen. Bei einem Zwischenstopp in Workum, unserem früheren Sommerhafen, habe ich mit Freund Wolfgang bereits die leckende Hochdruckpumpe vom Wassermacher ausgebaut. Und siehe da, die Pumpe ist „Made in Germany“ und auf der Frontseite steht Cat Pump (das ist der Hersteller), „the Pump with nine Lifes“ (die Pumpe mit neun Leben).

Wolfgang und ich müssen lachen und kommen zu dem Schluss, dass ein Leben der Pumpe jetzt zu Ende ist, sie aber glücklicherweise noch acht weitere haben muss. Bei der weiteren Recherche stellte sich dann sogar heraus, dass der Hersteller ebenfalls in Hessen angesiedelt ist, und wir die Hochdruckpumpe dort persönlich zur Revision vorbeibringen können, was wir vorgestern auch taten. Jetzt warten wir auf den Kostenvoranschlag von Cat Pumps und die anschließende Reparatur.

Hier in der Werkstatt vom Segelverein konnte Lukas dann noch mit seinem neuen Edelstahlschweißgerät den abgebrochenen Navistuhl wieder anschweißen. Das war garnicht so einfach und ziemlich trickreich, da das relativ günstige Schweißgerät nicht so wollte, wie er das gerne gehabt hätte. Am Ende hat dann noch ein Vereinskamerad mit einem wegführenden Hinweis maßgeblich zum Erfolg beigetragen. Der Navistuhl ist wieder an seinem Platz und er hat bis jetzt auch mehreren Sitzversuchen von mir Stand gehalten.

Am zweiten Arbeitstag haben wir dann erfolgreich den leckenden Hydraulikzylinder vom Autopiloten gegen eine neue Einheit ausgetauscht, anschließend das Leitungssystem entlüftet und denAutopiloten, wenn auch nur im Hafen, ausprobiert. Weiterhin haben wir den alten Teppich, der noch als Muster für einen neuen dienen soll, zum Auto gebracht, ebenso unseren alten 6-PS-Tohatsu-Außenborder, dann noch überflüssige Leinen und Ersatzteile. Zudem hat die Capitania tief in den diversen Bilgeabteilen gewühlt und lang abgelaufene Lebensmittel aussortiert. Da kamen echt Dosen und Verpackungen zum Vorschein, die schon mehr als drei Jahre über dem Mindesthaltbarkeitsdatum waren und auch ziemlich seltsam rochen, nachdem wir sie testweise geöffnet hatten. Samstag ging es dann nach Hause, denn am letzten Sonntag wurde unsere jüngste Tochter Larissa 30 Jahre alt. Die Folgetage sind dann nur so dahin geflogen, und es blieb echt noch nicht mal genügend Zeit, um einen aktuellen Blogbeitrag zu erstellen. 

Insgesamt sind wir auf dieser Reise von Lanzarote bis Hoorn 2300 sm gesegelt, waren an 21 Tagen, davon über 12 an einem Stück, auf See (oder dem Ijsselmer), und sind nun sehr froh, mit dem Boot mal wieder in heimischen Gefilden zu sein.

Jetzt sind wir wieder für ein langes Wochenende auf unserer Hexe, und nehmen uns die Zeit.

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Süßwassersegler

Gerade als wir uns bettfein gemacht und uns hingelegt haben, beginnt irgendwas außen an unseren Rumpf zu tackern. Tack, tack, tack, dann ist es wieder kurz still und dann geht es anderen Stellen weiter. Etwas verwundert gucken wir uns an, was oder wer verursacht dieses Geräusch? 

Gestern früh haben wir unsere Leinen in Vlieland losgeworfen und sind rasend schnell im 2. Reff durch die Wattfahrwasser des holländisches Wattenmeeres in Richtung Harlingen gesegelt. Mit einlaufender Gezeit und 25 Knoten Wind von der Seite zeigt das GPS flotte 13 Knoten Fahrt an. Eine 60 Fuß große Motoryacht, die uns überholen will, muss ihre stählernen Herzen schon auf Drehzahl bringen, damit sie in Gleitfahrt an uns vorbeiziehen kann. Die Wattsegelei kann so krass schön sein und sportlich, weil die Fahrwasser immer mal  abknicken und die Segel getrimmt werden müssen.

Vier wunderbare und erholsame Tage auf Vlieland liegen hinter. Wir hatten endlich, nach Jahren, wieder die Fahrräder ausgepackt und sind in den Ort und zum Kaffee trinken zum Posthuys geradelt. Dünenlandschaften wechseln isch dabei ab mit Kiefernwald oder Flächen mit Büschen und Sträuchern. Das Meer ist immer nur einen Steinwurf weit entfernt, und wenn man eine der endlos vielen Dünen besteigt, bietet sich dem Betrachter ein grandioser Ausblick. Die Nordsee liegt auf der Nordseite, das Wattenmeer auf der Südseite von Vlieland. 

auf dieser Insel haben wir in vielen Jahren, sehr viele Wochenenden und Urlaubstage mit unseren Kindern verbracht. Wir schwelgen in Erinnerungen. Ein Paradies ist Vlieland für uns und anscheinend auch für andere Segler, denn der Hafen ist rappelvoll, Alle Plätze sind belegt, und an den Längsseitsstegen wird in Päckchen gelegen. Und so treffen wir auch Freunde aus unserem früheren Heimathafen in Workum, von der SY Camelot und SY Scampy. Ein schönes Wiedersehen nach vier Jahren, die so schnell ins Land gezogen sind.

Jetzt liegen wir für zwei Tage in Workum, ItSoal. Das war früher unser Heimathafen und auch hier wandeln wir auf alten Spuren. 

Heute sind wir mit dem Fahrrad zum Zentrum von Workum gefahren, die Stadt zählt zu den ältesten friesischen Städten und der Altstadtkern ist super schön. Wir genießen das quirlige Leben, trinken einen Kaffee auf dem kleinen Marktplatz und versichern uns immer wieder gegenseitig, wie hübsch doch alles so ist

Jetzt wollen wir doch noch das Rätsel um die mysteriösen Tack-Geräusche auflösen. Es war schlichtweg eine Stockente, die den grasähnlichen Bewuchs an unserem Wasserpass abgefressen hat. Sehr löblich von der Ente, finden wir.

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Auf der Insel

Mittwoch, 11. Juni 2025
Ijmuiden 09:45 – 21:10 Vlieland, 68 sm
Baro 1022, sonnig, Wölkchen, Wind zuerst 5 Knoten, die See unter 1 m

Am Abend unserer Ankunft, vorgestern, standen Uwe und Sigrid von der Islay schon am Steg, um die Leinen anzunehmen, full Service! Obwohl es schon spät war, mussten wir dann noch ein paar Stunden das Wiedersehen feiern, und es gab ja so viel zu erzählen aus den acht Jahren, in denen wir uns nicht gesehen haben.

Gestern hatten wir ein unerwartetes Treffen. Vor zehn Jahren sind wir hier vor Ijmuiden mit dem Segelboot von Petra rausgefahren, um die Asche von ihrem verstorbenen Mann und unserem liebsten Freund, ebenfalls Volker, dem Meer zu schenken. Seither kommt sie in Begleitung von Volkers Bruder mit Familie an Volkers Geburtstag, eben dem 10.6., nach Ijmuiden an den Strand. Diesmal konnten wir mitgehen, bei 30 Knoten Wind flog einem der Sand in den Mund, aber die Kiter hatten ihren Spaß. Natürlich haben wir anschließend auf der Hexe noch Kaffee getrunken, und ein paar Killepitsch waren auch dabei.

Wir starten in Ijmuiden heute Morgen unter Motor und Großsegel, von 10:45 bis 11:15 darf die Genua mitziehen. An unserer rechten Seite sind endlose Sandstrände. Wir müssen aufpassen, einige Fischer, die Küstenwache, später auch mal ein mutiger Nacra-Katamaran, der wahrscheinlich für die Regatta „Texel rund“ am Wochenende üben wollte, sind nahe unserer Fahrlinie.

Die Segel stehen

15:15: Volker will gerade die Genua an Backbord ausrollen, da flutscht die Dirk – die Leine, die den Baum oben hält, wenn das Großsegel es nicht tut – aus der Klemme. Die muss da aber dringend wieder eingefädelt werden! Dazu hole ich Nadel und Faden,  eine Häkelnadel und Klebeband. Der Faden wird an das Ende der Leine angenäht, die Nadel an die Häkelnadel geklebt, und dann vorsichtig durch die Klemme gezogen. Das hat gut geklappt, der Baum kann wieder gesichert werden, wenn das Großsegel geborgen wird.

Plötzlich segeln wir mit acht Knoten auf 323°, nur 20° zu weit nach Backbord, dem heutigen Etappenziel, Paal 8 vor Texel, entgegen. Wir fahren fast bis zum Verkehrstrennungsgebiet, wenden dann zurück Richtung Küste. Plötzlich ist der Wind weg, wir hängen in einer Flaute. Seitdem motoren wir, der Wind ist wieder da und kommt genau von vorne. Außerdem frischt er immer weiter auf, am Ende läuft auch noch Wind gegen Strom, da ist die See besonders ruppig. Wir haben seit 17 Uhr über 20 Knoten Wind aus NO.

Das Etappenziel isst gestrichen, wir fahren doch durch bis Vlieland Hafen. Wir können zwar nicht in die Marina selbst, sagt der Hafenmeister, da hat er heute keinen Liegeplatz für uns, erst morgen. Aber in dem 1. Hafen an Steuerbord, den sie „derte Haven (?)“ nennen, soll es einen Steg geben, an dem wir auch nachts anlegen könnten, auf Kanal 21 wäre jemand, der uns den Platz anweist. Volker ist schon sehr nervös, dass wir dort einen ordentlichen Platz bekommen, denn an den Dalben im Gezeitenhafen können wir nicht liegen. Da wir noch im Hellen ankommen möchten, lassen wir das Kreuzen, und fahren mit – inzwischen gerefftem – Großsegel auf direktem Weg.

Kurz nach neun sind wir angekommen, den Strom der Gezeit haben wir perfekt ausgenutzt. Volker findet schnell einen Liegeplatz an einem Plattbodenschiff, mit netten Leuten, die unsere Leinen annehmen. Nun sind wir auf „unserer“ Insel angekommen, morgen schauen wir mal, was sich alles geändert hat.

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