Ganz schön was los hier

The artist himself

Wir drehen jetzt mal ganz schnell für diesen Beitrag die Zeit um ein paar Tage zurück und befinden uns in der vergangenen Woche, am Donnerstag.

An dem Wochentag gibt es in Costa Teguise, in der Gaststätte “Number One“, eine Fakir- und Transvestitenshow. Da wir beide Showvarianten vorher noch nicht live gesehen hatten, staunten wir nicht schlecht, was uns da so dargeboten wurde.

Fakir auf Nägeln

Beispielsweise stand der Fakir auf einem Scherbenhaufen oder er lag mit nacktem Oberkörper auf denselben schrecklich spitzen Glasscherben, oder auf einem Nagelbrett mit langen, wirklich scharfen Nägeln, die er das Publikum testen lies. Zusätzlich stand noch ein ca. 100-Kilo-Mann auf seinem Rücken. Oder er spielte mit und verschluckte brennende Fackeln, ohne sich zu verbrennen, versteht sich.

oder Liza Minelli

Als Tina Turner…

Die Transvestiten-Show war ebenfalls vom Feinsten mit einer gelungenen Musikauswahl und aufwendig gestalteten Kleidern, man musste schon genau hinschauen, um in dem Outfit einen Mann zu erkennen.

Noch schöner an diesem Abend aber war, dass wir zahlreiche deutsche Inselbewohner kennengelernt haben, das Treffen war von von Christian und Sabine von der Facebook Gruppe “Montefuego TV” initiiert.

Freitag früh ging es dann mit Ulrike, Wolfgang, Aisling und Moira zur Weinprobe, zu dem uns bekannten Weingut „Guiguan”, sehr empfehlenswert. Den Freitagabend haben wir uns, was man schon fast als traditionell bezeichnen kann, mit den Teilnehmern der Freitagabendregatta im Upperdeck getroffen. Am Samstag Abend hatten wir Simon und Christiane sowie deren Kinder, Cedric und Miriam zum Abendessen an Bord. Die Familie lebt derzeit als „Projekt“ für zwei Jahre hier auf Lanzarote. Vor fünf Jahren hatten sie für eineinhalb Jahre einen Kat in der Südsee gechartert, von einem Anbieter, der sich auf Langzeitcharter für Blauwassersegler spezialisiert hat. Bei der Variante entfällt die lange Anreise auf eigenem Kiel und man kann direkt in dem beliebten pazifischen Revier losschippern. Die Flotte des Anbieters ist innerhalb von ein paar Jahren, wegen der großen Beliebtheit, von zwei auf mittlerweile 17 Katamarane angewachsen.

Und noch gar nicht erwähnt haben wir, dass wir eine deutsch/irische Fahrtenseglerfamilie (siehe Teilnehmer der Weinprobe)nun schon mehrfach getroffen und auch viel miteinander unternommen haben. Sie wollen mit ihrer vierjährigen Tochter Cuisla und dem einjährigen Sohn Oisin, auf ihrer Hanse um die Welt segeln (hoffentlich stimmt die Schreibweise der irischen Namen!). Hier auf Lanzarote bereiten sie das Boot für die Atlantiküberfahrt im Rahmen der ARC vor.

Gestern Abend waren wir dann zu Christiane und Simon nach Hause eingeladen und haben noch eine weitere Seglerfamilie kennengelernt, die mit ihrer Outremer vor ein paar Jahren von Frankreich bis in die Südsee gefahren sind. Es gab viel zu erzählen, zumal Johan, der Familienvater, der neue Racedirektor von „The Ocean Race”, der Nachfolgeregatta des legendären „Volvo Ocean Race“ ist. Das Abendessen war der Knaller, vielen Dank dafür und für Eure Gastfreundschaft.

Auf Julias Balkon:

“Es war die Nachtigall…”

Und Überraschung, Überraschung, gestern Abend stand eine Lady vorm Boot und ließ mich, erstmal erfolglos, raten, woher wir sie kennen. Was für ein netter Zufall, da stand tatsächlich Kiki ( Kirstin), die wir von Workum/ Holland her kannten und die mit ihrem Mann Christian die best erhaltene Contest 34, die ich je gesehen habe, ihr Eigen nennen. Kiki haben wir durch den Süden der Insel geführt, und bei Los Hervideros sind diese Fotos entstanden.

Also ganz schön was los bei uns, und weil es hier so toll ist und der Wind immer weiter aus Nord ballert, haben wir mit dem Hafenmanagement von Puerto Calero einen Dreimonatsmietvertrag für unsere Hexe, der jetzt noch bis Anfang August läuft, abgeschlossen. Also nix mit viel Segeln, dafür wohnen auf dem Wasser, wunderbar hier.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | 1 Kommentar

Spezialprodukte aus Lanzarote: die rote Schildlaus und die Aloe Vera

Die Aloe-Vera-Pflanze

Neben, oder auch für den Tourismus hat sich auf Lanzarote eine eher handwerkliche Fertigung von Insel-eigenen Produkten entwickelt, eigentlich hat man altes Wissen wieder ausgegraben und in ein neues Gewand gestellt. Überall findet man Läden, manchmal gar ein bisschen hochtrabend Museum genannte Verkaufsstellen, die alle möglichen Produkte anbieten, die man aus heimischen Rohstoffen fertigen kann. Zum Beispiel die Aloe Vera: Eigentlich sieht die Pflanze ja aus wie eine Kaktee, gehört aber zur Familie der Grasbaumgewächse wie die Taglilie, in der Ordnung der Spargelartigen, ist also entfernt mit unserem Spargel verwandt.

Samy macht Werbung fürs Hundeshampoo

Auf Lanzarote wird die Echte Aloe zu Hautpflegeprodukten aller Art, Shampoo (sogar Hundeshampoo gibt es!), Gels, Cremes, Fruchtsäften, etc. verarbeitet.

Volker z.B. schwört nach ausgiebigem Sonnenbad auf sein Aloe-Vera-Gel, das sonnenverbrannte Hautreizungen schnell lindert. Außerdem sollte eigentlich in jeder Küche eine solche Pflanze stehen. Hat man sich zum Beispiel an der heißen Herdplatte verbrannt, oder zu früh an die noch viel zu warme Pfanne gefasst, so soll man bei eventuellen Verbrennungen nur ein Stück eines Armes der Pflanze abschneiden und mit der Schnittfläche auf die Haut legen, das kühlt und hilft.
Immer.

Werbeblatt für das Museum

Daneben gibt es auf Lanzarote die rote Schildlaus, die einen wunderbar intensiven Farbstoff liefert, mit dem schon in vorchristlicher Zeit Gewänder eingefärbt wurden. In Mala, dem Hauptanbaugebiet der Cochenille wurde ein kleines Museum errichtet, das sich mit der Geschichte und dem Anbau der roten Schildlaus beschäftigt. Und natürlich gibt es einen kleinen Laden, in dem die entsprechenden Produkte verkauft werden, sogar zum Färben der Haare kann man es verwenden. So mutig war ich nicht, aber ich habe uns eine Marmelade aus Aloe Vera mit Cochenille geholt, lecker.

Leider schon fast leer: die Marmelade

Die Cochinilla, zu Deutsch Cochenilleschildlaus, liefert karminroten Farbstoff, der sich hervorragend zum Färben von Stoffen, aber auch für Malerfarben und Lebensmittel eignet. Ursprünglich in Südamerika heimisch, wo die Inkas die Farbe zum Herstellen der herrschaftlichen roten Gewänder nutzten, verbreitete sich der Anbau der Schildlaus in praekolumbianischer Zeit bis nach Mexiko, die Azteken und die Majas liebten die rote Farbe. Später brachten die spanischen Konquistadoren die Cochenillen mit von ihren Reisen. Auch dem spanischen Königshof gefiel die intensive rote Farbe, und es wurde ausprobiert, in welchem Teil des spanischen Weltreichs der Anbau der Läuse am besten gedieh. Die kleine Insel Lanzarote hatte ein ideales Klima, denn die Opuniten, das sind die Kakteen, auf denen die Läuse siedeln, brauchen trockenes, warmes Klima, das fand man in Mala, im Nordosten Lanzarotes aufs trefflichste.

Opuntie – unbefallen von der Schildlaus

Die Opuntien werden gezüchtet, erst wenn sie drei Jahre alt sind, werden die Läuse darauf angesiedelt, sie befallen die großen „Ohren“ des Kaktus, der Fruchtstand der Kakteen wird entfernt, damit sie nicht zu viel Kraft verlieren, auch werden die Pflanzen beschnitten, damit sie immer wieder weiter wachsen. Die flugfähigen Männchen finden und befruchten die deutlich kleineren aber dickeren Weibchen, um kurz nach der Paarung zu sterben, auch nicht schön. Die Weibchen werden in aufwändigen Ernten von den Blättern gepflückt, während die nächste Generation dort aufwächst, so geht das bis zu fünf Mal im Jahr.

rotes Badesalz

Die Schildläuse werden gesiebt und getrocknet, gemahlen, das gewonnene Mehl mit Wasser versetzt, gekocht und wieder getrocknet. Durch Zusätze anderer Stoffe können die verschiedensten Schattierungen von „Rot“ erzielt werden. Es ist ein langwieriger Prozess, aber die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Noch immer wird diese Farbe eingesetzt zum Färben von Wolle, Stoffen, Malerfarben, in Kosmetika und in der Lebensmittelindustrie. Als E120 ist der Cochenillen-Farbstoff einer der licht- und wärmebeständigsten, farbstabiler als viele synthetische Farbstoffe. Campari war bis 2006 das Paradebeispiel für die Cochenille-Verwendung. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass der Farbstoff Karmin unter Umständen allergische Reaktionen erzeugen kann, außerdem macht die tierische Herkunft das Produkt Campari für strenge Vegetarier und Veganer völlig ungeeignet. Vielleicht als Folge dessen hat man dort auf synthetische Farbstoffe umgestellt. Auf Lanzarote werden trotzdem noch viele Cochenille-Produkte hergestellt, exportiert, oder in den Läden verkauft.

Shampoo und Badegel

einfache Body Milk aus Aloe Vera

Auch als Erfrischungs-Getränk lecker

Die große ökologische Farm in Orzola haben wir im Vorbeifahren gesehen

Veröffentlicht unter Leben an Bord | 1 Kommentar

Glücksmomente

Über den Fischreichtum und die Artenvielfalt in der atlantischen Unterwasserwelt auf Lanzarote haben wir schon öfter berichtet. Doch immer wieder sind wir wie verzaubert , wenn wir mit Maske, Schnorchel und Flossen bestückt in Neptuns Reich eintauchen und die vielfältige maritime Fauna bewundern dürfen. Oft direkt unterm Boot, also sozusagen im heimischen Aquarium, in der kleinen Badebucht gleich nebenan, oder wie heute beim Schnorchelausflug am Riff von Playa Chica in Puerto del Carmen.

Es war unser erster Ausflug zu dem Tauchspot schlechthin auf Lanzarote. Praktisch alle Tauchsportanbieter, die auf der Insel vertreten sind, bieten Ausflüge zu dem Riff an, das mit zahlreichen Höhlen, drei Wracks, vielen Fischarten, moderaten Wassertiefen vor der Riffkante und einem tiefen blauen Loch, dem sog, “Blue hole” aufwarten kann.

Auch an dem kleinen Strand, dem Playa Chica, ist einiges los und nach dem Umziehgefummel unter dem Badetuch sind wir bereit, uns in die atlantischen Fluten zu begeben. Unser Ziel sind die nahen Unter-/Überwasserfelsen, nachdem wir uns ein paar Meter vom Strand entfernt haben, sind wir ganz hin und weg, von dem, was es unter Wasser zu sehen gibt.

Ich versuche mich jetzt mal an einer Aufzählung der Begegnungen und hoffe dabei, keine Fischart vergessen zu haben: Fürst-August-Muräne, eine hier häufig vorkommende Muränenart, besonders der Nachwuchs schwimmt noch auf dem dunklen Fels herum und versteckt sich nicht in Höhlen und Nischen. Der gestreifte Knurrhahn, ihn findet man häufig an Felswänden und auf dem Grund, ebenso den Sägebarsch, wie den Schwarzschwanzbarsch, der atlantische Mönchfisch kommt an Riffen und auch im Hafen vor. Massenhaft in Schwärmen findet man den Bastard Grunzet, die Geißbrasse, die Brandbrasse, den Schermesserfisch, die Goldstrieme und den Bermuda Blaufisch, daneben haben wir heute den bunten Meerpfau, den europäischen Papageienfisch und den braunen Kugelfisch bestaunen dürfen. Zum Schluss haben wir noch zwei gut getarnte Weißaugenbutte im Meeressand versteckt, gesehen. Da unsere kleine Unterwasserkamera zur Zeit wegen defektem Gehäuse leider nicht einsatzbereit ist, empfehlen wir folgenden Link, bei dem man alle, beim 15-minütigen Schnorchelausflug gesichteten Fischarten, in Bild und in Farbe anschauen kann: https://www.diving-canary-islands.com/tauchen-auf-den-kanaren/fischlexikon/knochenfische-osteichthyes/

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Kommentar hinterlassen

El Día de Canarios

Am 30. Mai feiern die Kanaren den Tag der ersten Sitzung ihres autonomen Parlaments am 30. Mai 1983. In vielen Ortschaften sind Bühnen aufgebaut, dort wird kanarische Folklore gespielt, (nicht ganz einfach für mitteleuropäische Ohren, zumindest bei dem Sänger in Puerto del Carmen). Männer und vor allem Frauen tragen kanarische Tracht, weite bunte Röcke und weiße Blusen mit Spitzen verziert. Auffällig ist der breite schwarze Stoffgürtel, den die meisten Frauen tragen, sowie die Basthüte mit einem schwarzen Band. Aber die Hutformen sind ganz unterschiedlich, und die älteren Frauen tragen unter dem Hut auch noch eine helle Haube, aus Stoff, der bis über ihre Schultern reicht, wohl eher als Sonnenschutz gedacht.

Die Lucha Canaria, den traditionellen kanarischen Ringkampf haben wir in Puerto del Carmen leider verpasst, ebenso wie die Regatta mit den Lateinersegelbooten. Sehr schade!

Das ganze Wochenende ist irgendwie Feiertag, der Freitag war ein Brückentag, wir waren abends am Charco, dem kleinen See in Arrecife, die Gassen rundherum voller Menschen, die Restaurants voll bis zum letzten Platz mit vielen Familien mit kleinen und großen Kindern, eine sehr schöne Stimmung.

(Fotos folgen)

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Kommentar hinterlassen

Der längste Tag des Lebens

Der letzte Blogbeitrag ist jetzt leider schon ein paar Tage her, das liegt daran, dass wir seit Mittwoch mit Ute und Wolfgang langjährige Freunde aus der Heimat an Bord haben, und jeden Tag ein recht strammes Ausflugsprogramm auf der Tagesordnung steht: Der Inselsüden mit Puerto del Carmen und Arrecife, der Inselwesten mit den Salinen und El Golfo, der Kaktusgarten, die Windsurfstrände vor Arrieta, der Strand von Playa Honda und ein Abstecher nach Tías. Sportliche Aktivitäten, wie Tauchen mit kompletter Ausrüstung, Schnorcheln und ein Spaziergang um, bzw. in den Vulkan, Caldera de los Cuervos (auf Deutsch: der Krater der Raben) und eine Wanderung nach Playa Quemada sind auch noch zu erwähnen.

Ein viel größeres sportliches Ereignis wirft zudem seit Tagen seinen Schatten im Voraus auf Lanzarote. Der 28. Insel-Ironman findet heute statt, und nachdem wir vor einer Woche mit einem ehemaligen Teilnehmer gesprochen haben, war für uns klar, dass wir als Zuschauer beim Start der Großveranstaltung mit über 1.600 Athleten und Athletinnen dabei sein wollen. Um sechs Uhr klingelte der Wecker, eine viertel Stunde später saßen wir vier im Auto und waren auf dem Weg nach Puerto del Carmen. Nachdem wir dort geparkt hatten, ging es schnellen Schritts zum Strand, wo um sieben Uhr der Start zum Ironman erfolgte.

Tapfer: 3,8 km durchs wellige Wasser

Die erste Disziplin bei einem Triathlon ist immer das Schwimmen, bei einem Ironman müssen 3,8 Kilometer im Wasser zurückgelegt werden. Nach dem Startschuss waren auch alle 1.651 SportlerInnen zügig im Meer und schwammen im Kraulstil durch das heute Morgen graue Atlantikwasser, Schwimmer neben Schwimmer, dicht an dicht gedrängt. Das Hauptfeld blieb relativ eng zusammen, ein paar Schwimmer gaben entkräftet bereits nach einigen hundert Metern auf. Zahlreiche Kajaks, Jetskis und Ribs sicherten das Teilnehmerfeld ab. Die ersten zwei Schwimmer erreichten schon nach 50 Minuten die sog. Transitionzone, wo sie sich für die 180 Kilometer Radfahren in Windeseile umziehen, verpflegen und, falls nötig, zur Toilette gehen können.

Manche schieben die Räder barfuß zur Startlinie

Das Fahrrad wurde bis zu einer neuen Startlinie im Laufschritt geschoben (zum Teil barfuß, die Schuhe steckten schon auf den Pedalen!) und ab ging es auf die wohl härteste Disziplin, bei der es einige hundert Höhenmeter zu überwinden gilt, bei Gegenwind aus Nord. Die Fahrräder sind durchweg alle Highend Räder in Vollcarbonbauweise, viele Fahrer hatten zur Energieversorgung Verpflegungssnacks und Energieriegel an den Fahrradrahmen angeklebt. Wir haben bei den ersten hundert Radfahrern direkt bei der Starlinie gestanden und sind danach zum Boot zurück.

Ute und Wolfgang sind wohl ganz vom Ironman-, oder Ironfrau-Virus infiziert, die Stimmung im Publikum ist super, denn die beiden sind noch immer in Puerto del Carmen. Die letzte Disziplin beim Ironman ist das Laufen, absolviert werden muss eine volle Marathondistanz, also 42,195 Kilometer. Wir haben das Sportspektakel den Tag über immer wieder in der Liveübertragung verfolgt. Sehr erfreulich, aus deutscher Sicht ist, dass Christian Kramer zum zweiten Mal in Folge direkt nach dem amtierenden Weltmeister auf einem starken 2. Platz landete. Er benötigte knapp unter 9 Stunden für die drei Disziplinen. Bei den Damen konnte die deutsche Athletin Jenny Schulz einen hervorragenden 4. Platz belegen.

Unseren Respekt haben alle “Eisenmänner und -frauen”, die zum Teil jahrelang auf so eine “unmenschliche” Anstrengung hin trainieren und den Wettkampf überstehen, allemal.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Kommentar hinterlassen

Ausflugssonntag

Wild zerklüftete Lava-Landschaft

Gestern Abend war Vollmond, da gibt es hier auf Lanzarote seit vielen Jahren, eine Vollmond-Disco-Party, die von Jürgen, einem Deutschen, der schon seit 30 Jahren auf Lanzarote lebt, auf seiner Finca im Norden der Insel veranstaltet wird. Ulrike aus Arrecife hatte uns die Einladung weiter geleitet. So machten wir uns gestern am frühen Abend auf, dieses einsam gelegene Gehöft zu finden, uns wurde gesagt, dass man auf jeden Fall im Hellen ankommen muss, um sich mit der Gegend vertraut zu machen. Tatsächlich liegt die Finca gut versteckt in den Bergen um Orzola, mitten in Massen erstarrter Lava. Kleine Fähnchen weisen den Weg zu der richtigen Abzweigung in den Schotterweg. Jeder bringt etwas zu Essen und zu Trinken mit, etwas Warmes zum Anziehen, denn im Norden der Insel ist es deutlich kühler als im Süden, das Thermometer fiel in der kurzen Strecke um sieben Grad!

Gemütliche Ecken in dem schönen Garten

Auf der Finca angekommen, mussten wir nur den Klängen der Musik folgen. Nach und nach traf die deutsche Gemeinde Lanzarotes ein, in einer Ecke saßen die Pfeife rauchenden älteren Herren, einige Damen waren gerne in phantasievolle, an die Hippie-Bewegung erinnernde Kleider geschlüpft, Jürgen begrüßte alle Ankommenden aus dem Musikschuppen heraus, und Marianne, die Hausherrin, empfing uns Neulinge ganz besonders herzlich. Anschluss war schnell gefunden, so plauderten wir einige fröhliche Stunden mit Residenten und Gästen der Insel. Dabei kam das Tanzen bei uns ein bisschen zu kurz, aber es gab so viel zu erfahren und auszutauschen.

Zu später Stunde fuhren wir im Schein des Vollmonds zurück zum Boot, und haben in unserer Lieblingsbar, dem Upper Deck hier im Hafen, noch einen kleinen Absacker genossen.

Ein landendes Flugzeug

Nachdem Volker sich heute mit einem frühen Mittagsschlaf wieder in Form gebracht hat, fuhren wir mit unserem kleinen Leihauto zum Hundestrand in Matagorda, direkt am Flughafen. Dort starten und landen die Flugzeuge direkt über unseren Köpfen, ziemlich spektakulär. So hat Samy sein Sonntagsprogramm abbekommen, ein großer Spaziergang am Sandstrand.

Das Café Berlin in Puerto del Carmen

Café Berlin

Danach gab es ein Goodie für Volker: Käsekuchen im Café Berlin, dazu alkoholfreies Weizenbier (ja, die Kombination geht!).

Die Fahrradständer stehen schon bereit

Jetzt musste ein bisschen Sport her, also haben wir uns angeschaut, wo nächsten Samstag Start und Finish des Lanzarote Ironman stattfinden. Wir waren schon bei dem Gedanken an die 3,8 km Schwimmen vollkommen erschöpft, nicht zu reden von den 180 km Radfahren, Berge rauf und Berge runter.

Restaurant Emmax in Playa Honda

Das Leckerli für mich gab es direkt an der Marathonstrecke des Ironman, die von Puerto del Carmen über Playa Honda bis fast nach Arrecife reicht. Im Restaurant Emmax in Playa Honda, das von zwei Deutschen, (der eine Chef, Moritz, ist sogar Darmstädter) geführt wird, konnten wir uns bei einem frühen, sehr köstlichen Abendessen Gedanken über die armen Sportler machen, die nächsten Samstag hier den letzten harten Teil des Triathlons absolvieren werden. Wir jedenfalls hatten einen ganz tollen Sonntag, den wir jetzt locker auf dem Boot ausklingen lassen.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | 1 Kommentar

Calima

Hexe des abends am Steg mit neuer LED-Beleuchtung

Heiß ist es heute, sogar der Wind, der sonst eher frisch vom Atlantik her weht, fühlt sich wie ein Luftstrom aus einem Föhn an. Gestern Abend hatten wir einen milchig trüben Sonnenuntergang, als Zeichen einer nahenden Wetteränderung, bei schlechter Fernsicht. Diese kommt daher, dass Sandteilchen vom afrikanischen Kontinent direkt zu den Kanaren geweht werden, bei einer östlichen Windrichtung. Und mit dem Ostwind kommt nicht nur der Sand, sondern auch die heiße Luft Afrikas zu den Kanaren. Das Wetterphänomen wird auf den kanarischen und kapverdischen Inseln als Calima bezeichnet. Manchmal ist wohl dabei soviel Sand in der Luft, dass sogar der Flugverkehr davon beeinträchtigt wird.

Abkühlung bringt immerhin der Sprung in die atlantischen Fluten, bei zurzeit 20 Grad Wassertemperatur. Während ich diese Zeilen tippe, dreht der Ostwind mächtig auf, Böen bis 28 Knoten rütteln kräftig am Schiff.

Wir haben aus aktuellem Wetteranlass das Haarkleid von Samy nochmals nachgeschnitten, er sieht jetzt deutlich jünger aus, auch wenn er, der Wärme wegen, den ganzen  Tag lang nur faul rumliegt.

Samy gefallen die neuen Lichter auch

Wir haben vor ein paar Tagen die Ausrüstungsshops und den Baumarkt in Arrecife gestürmt und haben, neben einem 5 Meter langen LED-Band, ein paar kleine Farbdosen und Nachschub an Politur gekauft. Das LED-Band ist mittlerweile fast unsichtbar am unteren Ende unserer Salonmöbel angeklebt und an die Elektrik angeschlossen, es sorgt am Abend für stimmungsvolle Beleuchtung. Der Gedanke daran war mir schon länger im Kopf rumgespukt, in Arrecife gibt es wirklich gutsortierte Geschäfte. Mit den Farben und der Grundierung will ich kleine Metallgegenstände am Motor anstreichen, die nicht aus Edelstahl sind und die durch das teilweise salzig-feuchte Klima einfach nicht mehr so schick aussehen.

Morgen wollen wir tagsüber einen Ausflug nach La Famara machen, um die, durch den Starkwind bedingten, vorhergesagten Wellen zu bewundern, die mit einer Höhe von 3-4 Metern auf die nördliche Küste treffen sollen.

Ansonsten gab es diese Woche einige Abschiede von Freunden, die für eine längere Sommerpause bis zum Herbst nach Deutschland fliegen. Außerdem hat Petra hat schon wieder planmäßig abgeheuert, und Ulrike ist auf Urlaub nach Malle und auf der Aida. Es ist jetzt spürbar Nebensaison auf Lanzarote.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Kommentar hinterlassen

Rund Lanzarote

Bei vollkommen grauem Himmel verlassen wir die achte Kanareninsel La Graciosa nach dem Hundespaziergang. Es ist viel Wind, der uns vom Steg wegdrückt, besser als umgekehrt. Draußen wird das Großsegel im ersten Reff gesetzt, vor dem Wind fahren wir nach Süden. Die Wellen schaukeln das Boot gehörig durch, auch die Genua ist nicht vollständig ausgerollt, es sind gut 24 Knoten Wind, die erste Acceleration Zone des Tages, das sind die für die Kanaren typischen Gebiete mit starken Winden. Trotzdem macht Petra uns Mädels einen schönen Kaffee, Volker bekommt Tee, das Frühstück gibt es als Selbstbedieungsbuffet. Wir sehen die Bucht von Famara, die Halbinsel mit dem Sportlerhotel und dem Ort La Santa, dann wird es einsam an der Küste. Schwarzes Lavagestein bedeckt die Berge und die Küstenregion. Im Timanfaya Nationalpark können wir ein Gebäude ausmachen, bei Recherchen auf Google scheint es sich um eine Station mit großen Antennen zu handeln, die man bei den Busfahrten durch den Nationalpark nicht zu sehen bekommt.

Der andere Segler vor unserem Bug

Wir kreuzen wieder vor dem Wind, zur Freude des Skippers wird es eine Regatta. In der Ferne sehen wir ein Segelboot, nach genauerer Betrachtung mit dem Fernglas einen Kat, eine schnelle TS42 von Masaudon. Kurz vor der zweiten Acceleration Zone im Süden haben wir den Seafox eingeholt, schließlich auch überholt. Seit 14 Uhr segeln wir in dem schönsten Sonnenschein, den man sich wünschen kann, und sooo schnell, lockere zehn Knoten, aber auch 12,5 haben wir schon gesehen.

Im Süden ist kurzfristig der Wind weg, wir sehen noch 3 Knoten auf der Anzeige, aber des Skippers Adleraugen haben schon ausgemacht, dass es vor der Marina Rubicon weiße Schaumkronen auf dem Wasser gibt, und er befürchtet, dass das Anlegen dort ziemlich katastrophal werden könnte. Also segeln wir weiter nach Puerto Calero. Das allerdings wird ein Härtetest für Boot und Crew! 20 – 27 Knoten Wind und eine ruppige Zweimeterwelle lassen die Hexe tanzen, wir fühlen uns wie auf einem Ruckelkarussell  auf dem Jahrmarkt. Die Wellen schäumen durchs Trampolin und die Gischt fliegt hoch an die Frontscheiben. Deshalb haben wir dann auch nicht in unserer Box, sondern längsseits auf der anderen Seite des Hafens gegen den Wind angelegt, und sind erst am nächsten Morgen auf unseren Liegeplatz gefahren. Ein großartiger Segeltag!

Veröffentlicht unter Leben an Bord, Logbuch | Kommentar hinterlassen

Schnell, auf der Kreuz…

Der typische Seglertag: Morgens ein kurzer Blick aufs Wetter, den Zustand der Mannschaft, entschieden! „Geht schnell mit dem Hund, bringt Brot mit, redet mit dem Hafenmeister, und kommt schnell wieder!“, so die Anweisungen des Skippers früh um acht. Wir sind gerade nach dem Spaziergang vor dem Hafen-Supermarkt angekommen, der Anruf: „Das Boot ist fertig, seid Ihr gleich hier, damit wir ablegen können?“ Glücklicherweise ging es beim Hafenmeister schnell, und auch an der Supermarktkasse gab es um die frühe Uhrzeit noch keinen Stau. Viertel nach neun, waren die Leinen los, wir fahren aus dem Hafen, schnell die Fender weg, die Segel hoch, los geht’s.

Der Track sah fast aus wie ein Tannenbaum

Hoch am Wind segeln wir bis Arrecife, dann fängt die Kreuz an. Mehr als zehn Wenden haben wir gefahren, aus der ursprünglichen Strecke von 33 Seemeilen wurden 57 Seemeilen, auf dem einen Bug immer voll gegen die Wellen, der andere Bug war etwas angenehmer. Trotzdem war die Hexe schnell, stets über sieben Knoten. Die letzten vier Meilen mit dem Wind fragt man sich, war es vorher kalt?

Um kurz nach vier sind wir am reservierten Liegeplatz in der Caleta de Sebo auf La Graciosa, wo uns der Securitas-Mann in Empfang und die Leinen annimmt. Volker entsalzt das Boot, während Petra und ich mit Samy durch das kleine Dorf marschieren. Es gibt mehrere Restaurants, zwei Supermärkte, einen Gemüseladen, am nächsten Morgen entdecken wir sogar eine Metzgerei, eine Apotheke und eine Bäckerei. Nach dem Abendessen machen wir noch einen Bummel durch den Ort und trinken Bier und Rotwein in der Dorfkneipe, den Rotwein aus so kleinen süßen Gläsern, dass wir diese als „Tintenzwerge“ tituliert haben.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

Eine (fast) unglaubliche Geschichte

Ich steig mal ohne lange Vorgeschichte direkt ein und versuch, den ganzen unglaublichen Vorgang so kurz wie möglich und mit nur den allernötigsten technischen Wörtern zu beschreiben. Vor 12 Tagen habe ich mit einem weiteren Segler, John, den Katamaran unseres Freundes Harald, der wegen seiner Arbeit schon nach Hause fliegen musste,  von Puerto Calero nach Arrecife gebracht, damit dort ein neues Antifouling gestrichen sowie die Anoden vom Saildrive und den Propellern erneuert werden.

Rausgerutschter Antriebsstrang

Vorgestern  war das Schiff abholbereit, Cornelia hat uns (wieder John und mich) mit unserem Leihauto nach Arrecife gebracht. Nach kurzer Wartezeit ist der Kat ins Wasser gekrant worden, und wir sind mit beiden Motoren nach Puerto Calero zurückmotort. Beim Aufstoppen am Liegeplatz kam vom Backbordmotor nur ein kurzes lautes „Grrrrrrrrr“, danach sah man schon eine schillernde Ölspur im Hafenwasser, die Schraube drehte sich auch nicht mehr. Was tun? Klar war, dass ab jetzt Salzwasser ins Getriebe des Saildrives eindringen kann, wir also schnell handeln müssen, dass das Boot nach Arrecife zurück muss, um wieder ausgekrant zu werden, damit Folgeschäden durch Salzwasser zu vermieden werden. Klar war auch, dass nur noch ein Motor zum Manövrieren zur Verfügung steht, und dass wir wegen des Windes, der uns auf den Steg drückte, ein Boot brauchen würden, dass uns beim Manövrieren und Drehen im engen Hafenkanal hilft. Glücklicherweise kennt John den halben Hafen und ein freundlicher Herr mit einem RIB mit potentem 200-PS-Außenbordmotor brachte uns in die richtige Position, sodass wir mit dem funktionierendem Steuerbordmotor losfahren konnten. Cornelia hat uns noch eine Tüte mit geschmierten Brötchen und ein bisschen Saft im Vorüberfahren an Deck geworfen, schließlich hatten wir noch nicht einmal gefrühstückt!

Kurz nach der Hafenausfahrt bemerkten wir dann, dass der ehemals schwache Ostwind von der Hinfahrt auf stattliche 25 Knoten angewachsen war, so wurde es ein zeitraubend lange Fahrt gegen Wind und Welle nach Arrecife. Dort kamen wir um 15.35 Uhr an, uns wurde mitgeteilt, dass die Kranmannschaft um 16 Uhr Feierabend macht und uns jetzt nicht mehr kranen würde. Es wurde ein neuer Krantermin für den folgenden Morgen um 9.30 Uhr vereinbart.

Diese Halteschrauben wurden entfernt

Nach dem Kranen scharrten sich alle um den Saildrive, die Ursache war so schnell klar, wie die buchstäbliche Kloßbrühe. Ein Werftmitarbeiter vom Varadero Arrecife hatte die Opferanode vom Saildrive nicht so leicht anbringen können (die zwei Zinkteile passen nur in einer bestimmten Position korrekt zusammen) und hat einfach, wohl ohne groß nachzudenken, die zwei Halteschrauben  des kompletten Antriebsstranges gelöst, dann die Opferanoden angeschraubt, denn die beiden vermeintlich störenden Halteschrauben waren dann ja nicht mehr im Weg. Dadurch ist der gesamte Antriebsstrang mit Welle und Faltproppeller nach hinten gerutscht, das Getriebe wurde nutzlos und zudem auch noch beschädigt. Die Werft hat den Fehler gleich eingeräumt, jetzt kümmern sich einige Experten um den Fall.

Ich bin froh, dass ich nichts durch einen Fehler meinerseits kaputt gemacht habe, der Eigner ist froh, dass der Schaden gleich bemerkt wurde und nicht bei einer säteren Segelreise erst fmanifest wird, wenn man ja unter Umständen auf die Kraft beider Motoren angewiesen ist. Da wähnt man sich in einer Werft bei Spezialisten, aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

Seit Sonntag ist unsere Freundin Petra wieder für ein paar Tage bei uns an Bord, wir freuen uns sehr darüber und zeigen ihr die Schönheiten von Lanzarote die sie bei ihrem Besuch vor einem Jahr noch nicht gesehen hatte.

Leider leidet Cornelia seit gestern Morgen unter Halsschmerzen, die am heutigen Tag nochmal einen Tacken zugelegt haben, wir verschieben unsere gemeinsame Segeltour nach La Graciosa, der nördlichsten und achten Insel der Kanaren. Bislang zählte diese immer zu Lanzarote, man sprach von den sieben Kanareninseln. Das hat sich erst kürzlich geändert, jetzt ist La Graciosa die achte Kanareninsel, ein Inselplus!

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Kommentar hinterlassen