Raus geht’s

Die Frühlingsmonate sorgen nicht nur für ein Frühlingserwachen bei den regionalen Pflanzen und Kakteen, die alle in den schillerndsten Farben, all überall auf der Insel blühen, ebenso scheinen die Algen und Muscheln im Wasser einen ungeahnt kräftigen Wachstumsschub zu bekommen. Man kann fast dabei zuschauen, wie unsere Rümpfe mit einer grünlich schimmernden Algenschicht zuwachsen. Zudem ist unser Antifoulinganstrich schon einunddreiviertel Jahre alt und der biozidhaltige Anteil dadrin, der den Bewuchs fern halten soll, scheint nicht mehr besonders zu wirken.

Bewachsenes Unterwasserschiff ist leider gleichzusetzen mit deutlich mehr Reibung im Wasser und dadurch langsamerem Boot. Es hilft also alles nichts, wir müssen raus, mit einem breiten Katamaran gibt es halt kranmäßig nicht die ganz große Auswahl. Man muss das nochmal deutlich rausstellen, es geht nicht um das Gewicht, nur um die Breite. Die meisten Travellifts können locker 5-6 Meter breite Schiffe aller Art aus dem Wasser heben. Die etwas größeren Lifte, die, die so um die 90 – 120 Tonnen heben können, schaffen schon eine Bootsbreite von 6 – 7,50 Meter. Nur danach wird die Luft dünn für breitere Kats, weil häufig auch die Kranbox nicht so breit ist. Im Nachbarort, in Arrecife,  gibt es einen 600-Tonnen-Travellift und eine ausladende Kranbox, sodass über 12 Meter breite Boote aus dem Wasser gehoben werden können. Dort haben wir für morgen um halb zehn einen Termin zum Auskranen ausgemacht. Wir wollen zwei Antifoulinganstriche aufbringen lassen; da die Farbe nach dem letzten Anstrich gut 24 Stunden trocknen soll, denken wir, dass wir am Donnerstag Morgen wieder zurück ins Wasser gehen werden.

Neben dem Unterwasseranstrich wollen wir noch die Anoden der Propeller und des Saildriveantriebs wechseln sowie ein paar neue Epoxyschutzanstriche auf den Saildrive aufbringen. Mehr Infos und Fotos zu den einzelnen Arbeitsfortschritten gibt es im nächsten Blogbeitrag.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Kommentar hinterlassen

Abgestürzt

Agaven und Aloe

schräge Palmen

üppig blühende Bougainvillea

Der heutige Morgenspaziergang mit Samy ist ein bisschen kürzer ausgefallen als sonst. Wie immer gehen wir an der schönen oberen Hafenpromenade entlang, die wunderbare Farbe der Bougainvillea erfreut mein Herz täglich aufs Neue, ehe wir auf das weite Feld Richtung Puerto del Carmen kommen, wo der Hund rennen und ich den Blick über unendliche Weiten Richtung Afrika schweifen lassen kann.

Heute treffen wir nämlich an der schmalen steilen Engstelle davor eine Engländerin mit einem ganz kleinen weißen Hundemädchen. Der kleine Giftzwerg stellt sich vor Samy und keift ihn an. Samy dreht sich um, um ganz schnell wegzurennen, nimmt aber leider nicht den Weg, sondern stürzt über die Klippe in die Tiefe, auf einen darunter stehenden Strandbuggy!

Samy ist müde nach der Aufregung

Bis ich runter gerannt bin, ist er offensichtlich schon wieder aufgestanden, von dem Gefährt runter geklettert, und sucht humpelnd und ein bisschen verwirrt nach einem Ausgang aus der Absperrung. Nach ausgiebigem Streicheln und vorsichtigen Durchbewegens der Pfoten und Beinchen machen wir uns ganz langsam auf den Heimweg. Das Brotkaufen im Supermarkt und der Morgenkaffee auf der Terrasse am Hafen fallen besser heute aus. Samy ist tatsächlich ein bisschen schockiert über sich selbst, und mir zittern die Knie.

Gestern haben wir das Video von der Atlantikpassage Gibraltar nach Lanzarote fertig geschnitten, viel Spaß damit!

Veröffentlicht unter Leben an Bord | 1 Kommentar

Die Wüste lebt,

Der Regen kommt, und eine Wasserhose bildet sich

oder besser gesagt, sie breitet sich aus, zumindest was den Sand angeht, denn der ganze Kat ist sandmäßig rot eingefärbt. Nach dem Regen der letzen Nacht haben sich heute Morgen wieder dunkle Gewitterwolken über Puerto Calero zusammengebraut und über dem Hafen abgeregnet, noch mehr rot an Bord. Wir waren zu dem Zeitpunkt gerade oberhalb des Hafens, mit Samy bei der lokalen Tierärztin, die hier auf Lanzarote nahezu jeder kennt, und die liebevoll „Jane the Vet“ genannt wird, der Hund hat immer noch Ohrenprobleme. Jedenfalls hatten wir von der Höhenlage aus einen guten Blick auf das Naturspektakel und unter einer Wolke bildete sich sogar eine kleine Wasserhose.

Vor zwei Tagen kamen Peter und Kathrin mit ihrem Schiff Florentine nach Puerto Calero, wenn auch nur leider für eine Nacht. Im letzten Winter haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt, und wir haben mit dem sympathischen Paar jede Menge Zeit verbracht. Jedenfalls ging es nach dem Anlegemanöver und einem Begrüßungsgetränk bei uns an Bord  ins Pub, um dort das Fußballspiel Deutschland-Holland anzuschauen. Horst, Erik und Doris kamen auch noch mit dazu, so standen wir da in einer sehr fröhlichen siebener Runde und sahen uns das Match gegen die holländischen Freunde angeschaut. Das Ergebnis nach 90 Minuten hat uns natürlich noch fröhlicher gestimmt, und dass der Wirt dazu eine fast halbvolle Flasche Limoncello spendiert hat, sorgte für noch mehr Erheiterung. Irgendwann war dann Schluss, schließlich wollten Kathrin und Peter am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe in Richtung Marokko aufbrechen.

Doch wir waren schon vor dem Wecker wach, fremd-reisegefiebert, sozusagen. Ein letztes Drücken, ein letztes Winken und dann warfen wir den beiden die Leine los, wünschten Ihnen Farewell und schon verschwand die Florentine hinter der Hafenausfahrt.

Kurz darauf kam Wes von Catlanza, um unsere Vorsegelrollanlage zu demontieren, die auf der Überfahrt reichlich Metallstaub verloren hatte, was ja kein gutes Zeichen ist. Die Wanten wurden gelockert, der Mast nach vorne mit Gennakerfall und dem Kutterstag gesichert, schon konnte die Rollanlage demontiert werden. Welches Problem genau den Metallabrieb verursacht hat, scheint klar zu sein. Der Vorstagspanner hat an einer zu tief eingedrehten Sicherungsschraube vom Rollmechanismus geschliffen; soweit die Expertenmeinung im Moment.

Morgen sollten wir mehr dazu hören. Es gibt  noch ein paar andere Baustellen, die Schiebetür zum Salon schleift, auch dort reibt Metall auf Metall; es muss ein neuer Elektrostecker für den Watt& Sea und ebenso ein neuer Plastikstecker für den Hydraulikanschluss besorgt werden. Wir warten auch noch auf ein Signal aus Arrecife, wann die Hexe dort an Land gekrant werden kann, um neue Antifoulingfarbe zu streichen.

 

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Kommentar hinterlassen

Klasse war’s

Die Capitania hat es am Ende ihres letzten Blogbeitrags schon passend zusammengefasst, dass wir insgesamt einen super Segeltörn hatten.

Wenn wir unserer kleinen Atlantikpassage von Gibraltar nach Lanzarote nach dem klassisch-deutschen Schulsystem eine Note geben wollten, wäre es eine glatte Eins. Das aus mehreren Gründen: Der Wind war von Anfang an so konstant, sogar nachts, dass abgesehen von ein paar Knoten mehr oder weniger, man durchaus von perfekten Segelbedingungen sprechen kann. Aber nicht nur der Wind war auf unserer Seite, der Vollmond hatte ebenso seinen Anteil an dem schönen Segelerlebnis. Eine mondhelle Nacht auf dem Meer fühlt sich rein subjektiv für uns sehr positiv an, mehr Horizont, weniger bedrohlich-dunkel erscheinendes Meer, mehr Orientierung.

Mond an Bord

Der nächste positive Punkt ist das Boot selbst. Wir haben relativ früh in der Passage ein Reff ins Großsegel gebunden und es auch bis zum Ende drin gelassen. Bei Windgeschwindigkeiten von 18-33 Knoten waren wir damit perfekt unterwegs. Die Windschwankungen haben wir mit der Rollgenua ausgeglichen, mal mehr, mal weniger Vorsegelfläche. Nichts geht schneller, als das Rollvorsegel zu reffen. Das Boot lief dabei wie auf den buchstäblichen Schienen, stoisch-ruhig. Das hat wiederum einen weiteren schönen Effekt, an den man zuerst so garnicht denken mag. Bei einem gut ausbalancierten Schiff verbraucht der Autopilot weniger Strom, da nur kleine Kurskorrekturen notwendig sind. Dadurch gibt es auch weniger Querbeschleunigungen, die Mann/Frau gerne als besonders unangenehm empfindet. Zudem konnten wir wegen des guten Winds ohne großen Aufwand eine schnelle Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen.

Der einzige Negativpunkt der Reise war, falls man denn davon reden will, dass die Delfine sich nicht blicken liessen, und das kennen wir so garnicht. Normalerweise kommen jeden Tag, besonders auf dem Atlantik, ein paar fröhlich-spielende Delfine angeschossen und schwimmen mit unserem Schiff um die Wette.

Vogel auf Schwert

Unser tierischer Ausgleich kam aber in Form einer Seeschwalbe, exakt kitschig-romantisch zum Sonnenuntergang, die es sich auf unserem Leeschwert bequem gemacht und trotz Rauschefahrt dort fast eine Stunde verbracht hat. Es hat mich total berührt, dass so ein Vogel, der sonst in den Weiten des Atlantiks seinen Lebensmittelpunkt hat, bei uns an Bord einen Rast- oder Ruheplatz, wenn auch nur für kurze Zeit, gefunden hat.

Zudem haben wir innerhalb eines vollen Tages gut acht Stunden schlafen können, nicht am Stück, jedoch über den Tag verteilt. Auch kürzere Schlafsequenzen reichen wohl vollständig aus. Dadurch haben wir uns zu keinem Zeitpunkt der Reise gestresst oder ermüdet gefühlt. In den 48 Stunden nach unserer Ankunft in Puerto Calero haben wir das Boot komplett entsalzen, einige Waschmaschinenladungen gewaschen, alles komplett durchgesaugt. Wir waren mit Evelyn und Horst italienisch essen, haben unsere Lieblingsteinbucht besucht, ich habe meine ersten Runden  2019 mit dem Stand-up-Paddle-Board gedreht. Samy hat seinen wohlverdienten Auslauf erhalten, wir hatten einen schönen Pubabend mit Doris und Erik und einiges mehr.

Samy schnuffelt Landluft

Wir sind sehr froh, auf Lanzarote zu sein, irgendwie geht von diesem kleinen atlantisch-vulkanischen Eiland ein besonderer Reiz aus.Wir werden sicherlich ein paar Wochen hier auf der Insel verbringen, zumal es ein paar Punkte an Bord zu reparieren gibt, bevor wir weiter segeln können. Dazu jedoch mehr im nächsten Blogbeitrag…

Veröffentlicht unter Leben an Bord, Uncategorized | 1 Kommentar

Nach Lanzarote – Tag 4: Ankunft

Donnerstag, 21. März 2019, Baro 1015, auf See
02:00 Uhr Wind NO um 6, Vollmond, Position 30°25′ N, 012°19′ W, noch 118 sm bis Puerto Calero

Wir haben wieder gehalst, der Vollmond erleuchtet die Nacht wunderbar. Er begleitet uns durch de ganze Nacht. Ab 04:00 Uhr nimmt der Wind ab auf 20 – 24 Knoten, die Wellen werden ruhiger, dann kann man auch besser schlafen.
Um 07:20 MEZ haben wir wieder nach Backbord gehalst, jetzt merkt man, dass wir eigentlich in einer anderen Zeitzone sind, denn noch erhellt der Mond die Nacht, während in Gibraltar bereits um 07:24 die Sonne aufgegangen ist, und vorher deutliche Dämmerungszeit war. I m Osten wird es hier nun um 07:35 Uhr langsam rötlich am Himmel.
Der Wind bleibt uns treu, 30 – 23 Knoten heute morgen, um 10:00 Uhr haben wir ein neues Tagesetmal von 206 sm, und schon wieder ist der Skipper zufrieden. Der Wetterbericht für die nächsten Stunden sagt ebenfalls ordentlichen Nordostwind voraus, sodass berechtigte Hoffnung besteht, dass wir nach unserer Zeit vor 20:00 Uhr ankommen sollten. Hier ist ja UTC, also eine Stunde früher, da bleibt genug Zeit, um mit Samy spazieren zu gehen, sich umzuziehen, und rechtzeitig um 20 Uhr in einem der schönen Restaurants in Puerto Calero zu sitzen und das erste Bier zu trinken. Auf der Überfahrt trinken wir immer nur “Zero San Miguel”, also das alkoholfreie Bier, zum Sundowner.
Zum Frühstück gibt es heute wieder selbst gebackene Foccacia und Rührei mit Speck, so sind wir für den letzten Tag gerüstet. Mit ordentlich Wind, um die 20 – 24 Knoten, geht es weiter. Um 16:30 Uhr MEZ liegt Arrecife querab, jetzt sind es noch 12 Meilen bis zur Marina Puerto Calero. Seit einigen Stunden haben wir Handy-Empfang, der Skipper hat sein Internet wieder, ich glaube, das hat er während der Überfahrt am meisten vermisst. Und die Whatsapps fliegen durch den Äther. Samy wittert Land, freut sich, dass kein Seegang mehr ist, und er sich alleine draußen bewegen kann, ohne Leine, sich einfach so im Trampolin wälzen!
Vor 18:00 Uhr sind die Leinen fest am gewohnten Liegeplatz in Puerto Calero, eine super Überfahrt mit 640 Seemeilen!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Nach Lanzarote – 3. Tag

Mittwoch, 20. März 2019, Baro 1018, Wind NO um 6
Auf See, Position 07:45 32°38’235 N, 010° 34’766 W
Tagesetmal 187 sm
In der Nacht haben wir 77 Ah verbraucht, ab dem Sonnenaufgang laden die Solarpanele heute gut rein, die zwei tragbaren liegen im Trampolin, angewinkelt zur Morgensonne. Die Segelführung ist unverändert, wir kreuzen vor dem Wind, um 06:40 haben wir gehalst, um 13:00 Uhr sind wir noch 17 sm von der Ideallinie entfernt, wir fahren einen Schnitt von knapp unter acht Knoten. Wir werden dann ca. 25 Seemeilen über die Ideallinie fahren, dann erneut halsen, usw.
Um 17:00 Uhr frischt der Wind auf von 17 auf 25 Knoten, wir halsen gerade noch rechtzeitig, fahren tatsächlich fast auf der Ideallinie. Gut, dass wir trotz der zwischendurch nur 18 Knoten Wind das Groß nicht ausgerefft haben, so müssen wir jetzt nicht in den Wind drehen und bei 2 – 3 Meter Welle reffen.
Es gibt Abendessen für Hund und Crew um 19:00 Uhr, eine halbe Dose für Samy, Schnitzelchen und Broccoli für uns.
Um 20:00 Uhr frischt der Wind noch weiter auf, 27 – 32 Knoten, aber die Richtung ist gut, mit 150 – 160° von Steuerbord. Die Wellen sind schon echte Karwenzmänner, die haben bestimmt drei Meter Höhe, sie rauschen knatternd und scheppernd unter dem Schiff durch und schaukeln es (und uns) ganz schön durch.
Ein Seevogel hat sich zum Ausruhen auf unser Luv-Schwert gesetzt, aber nach zwanzig Minuten fliegt er oder sie weg, kommt dann wieder und setzt sich auf den viel unbequemeren Relingstab, bevor er entültig verschwindet.
Der Wind bleibt die ganze Zeit stark, die Wellen auch, das Fensterputzen heute morgen hätten wir uns sparen können, aber so hatten wir wenigstens einen halben Tag lang gute Sicht.
Um 22:00 Uhr haben wir ein Halbtagesetmal von 103 sm, das macht den Skipper zufrieden. Wir drehen noch zwei Umdrehungen auf die Genua, die letzten zwei Stunden hatten wir eine durchschnittliche Geschwindigkeit von über zehn Knoten, Topspeed waren 18,7 Knoten, mit einem Reff in Genua und Groß nicht schlecht. Volker geht mit Samy ins Trampolin, damit der Hund seine Geschäfte erledigen kann, mir zuliebe an der Leine, bei 14 Knoten Geschwindigkeit kommt es selbst Volker ziemlich schnell vor. Und wenn man unten im Bad auf der Toilette sitzt und raus schaut, denkt man, man säße im ICE.
So vergeht die Nacht mit Wachen und Schlafen, und der letzte Tag der Überfaht bricht an.

Veröffentlicht unter Logbuch | Kommentar hinterlassen

Nach Lanzarote – Tag 2

Dienstag, 19. März 2019, 01:00 Uhr, Baro 1020, Wind NNO, 16 – 18 Knoten
Auf See, Position 23°52′ N 007°10’W
Im Laufe der Nacht nimmt der Wind mal ein bisschen ab, dann wieder ein bisschen zu, zwischen elf und zwanzig Knoten Wind blasen in die Segel, allerdings noch raumer, sodass wir anluven müssen, um vor dem Wind zu kreuzen, denn sonst schlagen die Segel bei diesem Wellengang. Der Kurs ist 255° statt 225°, aber so läuft es wenigstens. Um 06:50 Uhr zeigen sch erste Spuren des aufkommenden Morgens am leider wolkigen Himmel.
10.00 Uhr: Tagesetmal 182 sm, Baro 1018, Sonne + leichte Wolken, Wind NO 5
Das selbst gebackene Focaccia ist im Ofen und verbreitet köstlichen Geruch, die Morgentees und der Cappuccino sind gekocht, der Skipper flucht über den Vorwindkurs, wegen der flappenden Segel: Der Tag kann losgehen.
Ich kämpfe mit unserem Winlink Mail Account. Offensichtlich habe ich beim Absenden der Requests an Predict Wind zuviele Daten abgefragt, jedenfalls verstopfen mir die Antwortmails unser Postfach, es dauert Stunden, bis so ein File heruntergeladen ist, und angeblich sind noch zwölf drin!
12:48 Uhr Auf UKW Kanal 16 empfangen wir einen Pan-Pan-Ruf (Dringlichkeitsmeldung) der Segelyacht Leia; da kein Offizieller, damit meine ich die Küstenwache, sich schnell meldet, antworten wir und bitten um Mitteilung der Position und des Problems an Bord. Wie ich schon an dem Pan-Pan-Ruf gehört hatte, ist der Mensch an der Funke aus Deutschland. Wir verständigen uns auf Kanal 9. Die Ruderanlage der Leia ist kaputt und sie können nur noch mit der Notpinne steuern, bei den 2-3 Meter hohen Wellen wäre das sehr schwierig, sagt er. Außerdem haben sie nur noch Sprit für ca. 20 Stunden motoren. Die Leia ist ein 51-Fuß Monohull, sie kommen von Madeira und wollten eigentlich nach Gibraltar. Ihre Position ist ca. 50 Seemeilen nördlich von uns und 80 Seemeilen von der marokkanischen Küste. Fakt ist, dass wir nicht helfen können und die Mannschaft versuchen wird, Rabat in Marokko motorend zu erreichen. Wir können nur mit Auskünften unterstützen, wie man den nächsten Hafen, Rabat, ansteuern kann, und wir verständigen mit unserem Sat-Telefon den Vercharterer. „Na dann, alles Gute Leia, und eine sichere Fahrt nach Rabat, over and out!“
Mittlerweile hat Ralf übers Internet dankenswerterweise den Stau in unseren Winlink-Mail-Account aufgelöst, da waren über zwei MB drin, er sagt, wir wären in Lanzarote bereits angekommen, ehe das alles heruntergeladen sein könnte.
Um 13:40 Uhr haben wir gehalst und fahren jetzt auf Steuerbordbug, nicht mehr genau vorm Wind, das ist wesentlich angenehmer, 35 Meilen können wir das so machen, dann müssen wir wieder halsen, um in der Nacht nicht zu nah unter Land zu geraten und uns mit den marokkanischen Fischern anzulegen.
17:30 wechseln wir auf Backbord, halsen mal wieder vor dem Wind, der inzwischen aufgefrischt hat auf bis zu 24 Knoten, jetzt ist der Skipper zufrieden, „da gibt es nichts zu meckern!“, die Hexe rennt.
Ralf hat mich über Mail informiert, dass ich bei der Eingabe unserer Position im Position Report für Winlink Ost und West verwechselt habe, wir wären da irgendwo auf dem Tunesischen Festland, blöd, blöd, denn die Abendposition hatte ich auch schon gesendet, also musste ich sie erneut senden, diesmal mit 9° West statt Ost.
Um 19:00 Uhr refft Volker zwei Umdrehungen auf die Genua, der Wind hat weiter aufgefrischt. Um 21:00 Uhr binden wir Reff 1 ins Groß, weil es inzwischen mit 29 Knoten Wind weht. Das stimmt auch mit den Vorhersagen überein, danach segelt die Hexe zwar ein bisschen langsamer (vorhin habe ich 14,7 Knoten über Grund gesehen!) aber wir machen immer noch 7 – 11 Knoten Fahrt. Gut, dass wir rechtzeitig gerefft haben, so wird es eine relativ entspannte Nacht.

Veröffentlicht unter Logbuch | Kommentar hinterlassen

Nach Lanzarote – Tag 1

Die Intermarfunkrunde um 11:00 UTC, 12:00 Uhr MEZ bekomme ich nicht gut rein, ich höre mal kurz ein Rufen: „CQ CQ hier ist…“, aber das wars dann auch schon, vielleicht hab ich ja bei der Abendrunde um16:30 UTC mehr Glück. Wir versenden noch Whatsapps an Familie und Freunde, ich stelle den kleinen Blog, dass wir abgelegt haben, online, irgendwann haben wir nur noch marokkanisches Netz, dann wird das teuer. Unsere Kommunikation beschränkt sich jetzt auf den SSB-Funk, Emails und Wetter per Pactor, und zur Not das Satellitentelefon.
Um 14:00 Uhr sind wir am Ende des Verkehrstrennungsgebietes, jetzt gilt es, gut aufzupassen, dass wir beim Abbiegen nicht in den Weg von einem Tanker oder Frachter kommen, denn wir haben zwar das Großsegel oben, aber wir motorsegeln, der Wind reicht mit 4 Knoten nicht annähernd zum Segeln. Auch ist die Strömung noch sehr gegen uns.Mit den Tankern, Frachtern und Autotransportern ist es ein kleines Zickzacklaufen, aber schließlich haben wir die großen Verkehrswege hinter uns gelassen und freie Fahrt. Wir füllen 70 l in die beiden Dieseltanks, denn die Fahrt mit den zwei Motoren auf 2200 Umdrehungen schluckte beträchtlich Diesel.
Um 16:00 Uhr dreht der Wind weiter, und frischt auf 11 – 12 Knoten auf, der Code D darf in die Sonne, jetzt wird gesegelt! Schnell fährt die Hexe trotz Gegenstrom mit über elf Knoten über Grund, der Skipper ist glücklich.
In der Intermarfunkrunde höre ich Uwe klar und deutlich, und auch DL4TJ, der zwischendurch übernimmt, kommt klar an, und bestätigt mir, dass wir selber hervorragend zu hören sind. Währenddessen nimmt der Wind weiter zu, 16, manchmal auch über 17 Knoten, da sind wir immer noch vorsichtig und rollen den Code D lieber weg. So steht es in den Empfehlungen von Outremer, mit größerer Crew könnte man da sicher noch was reizen, aber wir zwei segeln dann eher konservativ. Aber auch mit der Genua läuft die Hexe über zehn Knoten Speed, was wollen wir mehr?
Vor der Dunkelheit wollen wir den Wassergenerator anbringen, denn dazu muss Volker ganz unten auf die Backbord-Badeplattform. Ich habe immer ein bisschen Angst, dass er dabei über Bord geht, deshalb geht das hier draußen nur mit Schwimmweste und Lifeline. Der Hund wird im Cockpit festgemacht, damit er nicht mit kommt, Volker holt den Watt&Sea aus der Backskiste. Das schwere Ding ist bald gut angebracht, zu Wasser gelassen, ich schaue nach, ob es lädt, aber nein, es funktioniert nicht, und außerdem ist in dem kleinen Stecker vom Hydrauliköl etwas kaputt. So ein Mist, bei der Fahrt nach Süden wäre dies eine wichtige Energiequelle gewesen!
Mit Genua und Groß fahren wir bis zum Abend, zum Essen gibt es Chicken Nuggets und Reis, danach wird das „Wachbett“ bereitet im Salon, dann beginnen die Nachtwachen. Volker hatte kurz darüber nachgedacht, ob wir nicht doch den Code D wieder setzen, aber als ich da unten im Bettchen lag und auf die Windanzeige schielte, war ich froh, dass wir es nicht getan hatten. Der Wind weht konstant mit 16 – 20 Knoten, etwas raumer als bisher, aber doch zuviel für das Leichtwindsegel.

Veröffentlicht unter Logbuch | Kommentar hinterlassen

Jetzt aber

Montag, 18. März 2018, Baro 1019, sonnig, leicht bewölkt, Wind O, um 2 Beaufort, Gibraltar 10:00

Dem humpelnden Hund geht es besser heute morgen, und Expertin Larissa hat ja gesagt, er soll die Pfote wenig belasten. Also segeln wir einfach heute los, dann muss Samy nur auf dem Boot ein kleines bisschen laufen, ansonsten darf er ausruhen.

Der Wetterbericht sagt für heute bis mittags Westwind, also gegenan durch die Straße von Gibraltar, dann dreht der Wind auf Nordost, ab Dienstag soll er dann stärker weerden, 20 – 26 Knoten, die Wellen sollen moderat bis maximal drei Meter bleiben.

Drückt uns die Daumen, ich lade das Logbuch täglich hoch, und die Position gibt es wieder über Winklink DL3HEX.

Veröffentlicht unter Logbuch | Kommentar hinterlassen

Planänderung

Gestern waren wir noch davon überzeugt, dass wir heute Nacht, zwar bis Sonntag bei wenig Wind,  aber doch immerhin unter Motor Europa hinter uns lassen würden, entlang der marokkanischen Küste Richtung Kanaren segeln würden. Aber dann hat ein heimtückischer Virus den Skipper hinterrücks befallen und seit gestern Abend liegt er danieder. Statt die irischen Pubs am gestrigen St. Patrick’s Day unsicher zu machen, waren wir brav an Bord, und haben alte Filme geschaut.

Heute ging es schon ein bisschen besser, aber mit so einem Skipper wollte ich keine Nachtschichten machen, vor allem nicht auf dem Atlantik, man weiß ja nie, was dort passiert…

Ab morgen weht der Wind in der Straße von Gibraltar aus Westen, eine denkbar schlechte Situation, um nach Westen zu fahren, selbst mit einem gesunden Skipper, also müssen wir mindestens bis Dienstag warten. Dann werden wir die gesamte Wettersituation neu einschätzen, und mitteilen, wann und wohin wir weiter fahren. Bis dahin wünschen wir allen ein schönes Wochenende!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen