Eiserne Kugeln

Neben viel Beton in allen Facetten,gibt es in LGM auch ganz viel grün. Laubgrün und kieferngrün und grasgrün, in Parks, in Alleen, am Straßenrand und auf zahlreichen Spielplätzen. Nico liebt LGM, es gibt sooo viele Auslaufmöglichkeiten, die Capitania nimmt jeden Tag einen anderen Weg für den morgendlichen Rundgang. Es gibt auch einen endlos lang erscheinenden Strand, der sich von LGM bis nach Palavas erstreckt. Insgesamt sind es fast 15 Kilometer Strand, mit einem reizvollen Dünengebiet dahinter, der zum Spazieren, zum Kitesurfen, zum Sandburgenbauen oder einfach nur zum Relaxen einlädt. Vordergründig ist LGM eine Betonferienwüste. Doch bei näherem Hinschauen gibt es doch sehr viel Schönes zu entdecken.

Die letzten Tage haben wir den regionalen Bouleplatz für uns entdeckt. Eigentlich sind es mehrere Bouleplätze die sich langgestreckt aneinanderreihen. Bereits um 15 Uhr sind die Plätze voll mit Spielbegeisterten, voller Leidenschaft und Vergnügen wird um den Sieg gekämpft. Wir bestaunen eine Weile lang das Können der Spieler. Zentimetergenau, mal mit einem Wurf in einem hohen schwungvollen Bogen, mal mit einem flachen Rollen werden die Kugeln rund um das “Schweinchen” platziert . Manchmal beobachten wir auch einen eleganten Hüft- oder Beinschwung, der noch nach dem Abwurf die Boulekugel in die richtige Richtung dirigieren soll, was einer gewissen Situationskomik nicht entbehrt.

Es gibt Gott sei Dank zwei alte Bouleplätze, die ein Stück abseits des ganzen Trubels liegen, und dort spielen wir. Auch mit Spaß und Leidenschaft, aber dafür mit weniger Können als die Profis. Manchmal schaut auch dort jemand zu, man steht aber nicht unter ständiger Beobachtung wie auf den Hauptplätzen.

Für die baldige Heimfahrt nach Darmstadt habe ich mir gestern im Decathlon eine extradick gefütterte Winterjacke zugelegt, die mich gegen die Unbillen der nördlich-heimatlichen Natur schützen soll. Beim kurzen Anprobieren im geheizten Geschäft hatte ich schon einen Schweißausbruch.

Mit dem Verkauf der Hexe geht es leider nicht so flott voran wie gedacht, weil die potenziellen Käufer einen eigenen Kaufvertrag unbedingt mitbringen wollen, anstelle den Standardvertrag von unseres gemeinsamen Yachtmaklers zu nehmen.

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Weiter geht’s!

Ein prächtiger Sonnenuntergang verheißt gutes Wetter

Ein prächtiger Sonnenuntergang verheißt gutes Wetter

Es sieht so aus, als ob unsere Hexe verkauft ist. Gestern kam das entsprechende okay aus Spanien, und wir steigen jetzt in die Vertragsgestaltungsphase ein. Keine Ahnung, wie lange sich das so hinzieht, aber wir sind sehr optimistisch, dass wir auf einem guten Weg sind. In trockenen Tüchern ist so etwas natürlich erst, wenn 1. die Unterschrift beider Parteien unterm Vertrag ist und 2. das Geld auf dem Konto.
Schön ist es jedenfalls zu lesen, wie sehr die Hexe den Spaniern gefallen hat. Komplimente kommen halt meistens gut an, oder? Und wie schön unser Boot ist, haben wir wirklich oft genug betont – also Schluss damit.

Herbststimmung in LGM

Herbststimmung in LGM

Gestern haben wir erfahren, dass sich die Lieferung unseres Katamarans um knapp vier Wochen nach hinten verschieben wird. Ein bisschen zu meinem Leidwesen, andererseits zur Freude von Cornelia. Die hatte nämlich keine richtige Lust, im Januar, dem Mittelmeerwinter, das Boot ausgeliefert zu bekommen. Ende Februar fängt der Frühling hier an und die Chance, dass zur Probesegelzeit die Temperaturen moderater sind als im Januar, ist groß. Die neue zweibeinige Hexe soll dann hier in der Gegend exzessiv getestet werden, um anschließend die anscheinend unvermeidlichen “Kinderkrankheiten” zu beheben.

img_4126Gestern waren wir mit Sylvia und Jürgen in einem nahen kleinen Hafenrestaurant, dem “Bourrique” zu Abend essen. Jürgen und ich haben das Fleischgericht des Hauses gewählt – ein ganzes Kilo Rinderkotelett vom Chef des Hauses höchstpersönlich am Tisch tranchiert für 2-3 Personen. Wir sind erwartungsgemäß mehr als satt geworden und lecker war es obendrein. Das Tranchiermesser war ein gut 50 Zentimeter langes Opinel-Klappmesser. Der Klappmesserklassiker mit Holzgriff schlechthin, hier in Frankreich. Cornelia und mich hat das stark an unsere Frankreichskifahrerzeit erinnert. Das Messer wird genau dort hergestellt, wo wir sonst immer zum Skifahren waren, nahe bei St. Jean de Maurienne in den Savoier Alpen. Jetzt wollen wir mal nicht die Damen vergessen, für die gab es Tintenfisch und Krustentiere. (Und aus der zweiten Hälfte des Fleischstücks hat Volker heute mittag ein Gulasch gekocht, mehr als ausreichend für uns beide!)

hugobossDas Vendéeglobe-Rennen um unseren blauen Planeten ist spannend wie nie zuvor, täglich verfolgen wir die Positionskämpfe der Segelhelden, meistens morgens beim Frühstück. Schon jetzt wurde eine lang gehaltene Rekordzeit aus dem Jahr 2004 eliminiert. Die Rede ist von der schnellsten Zeit vom Starthafen bis zum Äquator. Alex Thomson, der englische Skipper, erreichte diese magische Linie mit seiner “Hugo Boss” bereits nach schnellen 9 Tagen, 7 Stunden und 2 Minuten. (Und das wäre mein Favorit gewesen, hätte ich mich entschlossen, das zeitraubende Spiel “Virtual Regatta” bei der Vendée Globe mitzuspielen, seitdem sagt Volker immer: “Dein Hugo Boss liegt vorne”. Und ich freue mich dann. Hier geht es zu dem Video.)
Doch dazu demnächst mehr.

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Wechselhaft bis schön

Strandleben im November

Strandleben im November

gestaltet sich derzeit das Wetter in Südfrankreich. Sonnige Stunden folgen auf Regen, abends wird es eher kühl, mittags ist es so warm, dass die Menschen am Strand mit den Beinen ins Wasser gehen, die Cafés und Restaurants sind voll, die Leute sitzen in der Sonne und genießen die freien Tage. Am Freitag ist in Frankreich Feiertag, „Armistice“, der Waffenstillstand, der das Ende des 1. Weltkrieges einläutete. Dieses Jahr lag der 11. November, bei uns eher als St. Martins Tag gefeiert, passend auf einem Freitag, und nach den kalten Regentagen zuvor mit strahlendem Sonnenschein gekrönt. Außerdem findet an diesem langen Wochenende in La Grande Motte die „Fête du vin à la plage“ statt, dadurch ist der ansonsten kostenfreie Parkplatz zum Bersten voll, und auch nicht mehr kostenlos. Heute Nachmittag wollen wir mit Silvia und Jürgen von der „Graskarpfen“, einer gerade ausgelieferten Outremer 45, auch mal einen Gang durch das Weinzelt machen.

Alles bereit zum Probesegeln

Alles bereit zum Probesegeln

Freitag und Samstag sind wir mit den spanischen Interessenten gesegelt, auch hier hatten wir mit dem Wetter Glück. Am Samstag wehte ein ordentlicher Wind aus Nordwest bis Nord, die alte Welle von den zwei Tagen Westwind sorgte für Bewegung in dem “Pudding”, die Sonne schien, und die Hexe hat gezeigt, was sie kann. Amwindkurs, halber Wind, raumschots, vor dem Wind mit ausgebaumter Fock, auf allen Kursen zeigte der Speed nie unter sechs, meist mehr als sieben, und immer wieder deutlich über acht Knoten an. Der Skipper war glücklich, die Gäste hoffentlich auch. Nico war es auch zufrieden, wie immer hatte ich ihm sein Körbchen zu uns an den Niedergang gestellt, und er konnte beruhigt seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen und – schlafen.

Zurück im Hafen ging es daran, alle – zunächst nur die seemännischen – Einzelheiten unseres Bootes zu zeigen, und ihre Handhabung zu demonstrieren, von A wie Anker über K wie Klampen bis Z wie … Die umfangreiche Elektronik haben wir uns für den nächsten Tag aufgehoben.

Abendstimmung

Abendstimmung

Gegen sechs Uhr hatten Volker und ich keine Stimmen mehr, die spanische Aufnahmefähigkeit war erschöpft, schließlich waren sie um drei Uhr zuhause losgefahren. Mit einem Feierabendbier läuteten wir die Entspannungsphase ein, jetzt war es Zeit zu plaudern und ein bisschen mehr und persönliches übereinander zu erfahren. Wir haben für die drei in unseren Achterkajüten die Betten bereitet, wurden dafür zum Essen eingeladen (muchas gracias otra vez a ustedes) und danach wir fielen alle erschöpft in die Kojen.

Das Unterwasserschiff präsentiert sich tadellos sauber

Das Unterwasserschiff präsentiert sich tadellos sauber

Am Samstag morgen ging es auch früh los, schließlich musste der Krantermin organisiert werden. Das ging wirklich sehr schnell und unproblematisch, äußerst professionell hat man unsere Hexe in die Gurte gehängt, und das Unterwasserschiff konnte inspiziert werden. Volker hat noch sechs kleine Muscheln gefunden, diese mit einer Spachtel abgekratzt, aber ansonsten gab es keine Beanstandungen.

Danach haben wir – bei dem gestern eher leichten Wind – noch unseren Spinnaker vorgeführt, gezeigt, wie das Großsegel gerefft wird (die anderen Boote in der Bucht dachten auch, die spinnen die Deutschen, bei 5 Knoten Wind mit zwei Reffs im Großsegel zu fahren!), und alle Kurse noch mal durchprobiert. Auch hier zeigte die Hexe sich von ihrer besten Seite, schnell wie der Wind, egal auf welchem Kurs, und die Spanier waren sehr angetan. In den nächsten Tagen werden sie sich entschieden haben, dann wissen auch wir, wann wir uns in den kalten Norden begeben werden.

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Ein guter Start

Sonnenuntergang bei LGM

Sonnenuntergang bei LGM

mit idealen Wind- und Wetterbedingungen innerhalb der ersten vier Tage,sorgte für ein zügiges Vorankommen,des gesamten Teilnehmerfeldes der diesjährigen Vendée Globe-Regatta. Der Führende Armel le Cleach mit seiner Banque Populaire hat in vier Tagen bereits 1.200 Seemeilen im Kielwasser und befindet sich zwischen Madeira und den Kanaren, die auch als taktische Schlüsselstelle zählen für den weiteren Rennverlauf. Zwischen dem Erst- und dem Acht-Platzierten liegen gerade mal 64 Seemeilen Distanz. Es war also bisher eine sehr enge und manöverreiche Wettfahrt im vorderen Führungsfeld. Nur kann man schon jetzt wohl von einer Dominanz der Schiffe sprechen, die mit Foils ausgerüstet sind. Das war so im Vorfeld nicht absehbar, von den acht Bestplatzierten sind sechs teilnehmende Yachten mit Foils ausgestattet. Ein klares Signal für die Zukunft, wenn, ja wenn die Foils bis ins Ziel durchhalten und keine Materialschwächen auftreten. Zahlreiche Videos mit Live-Kommentaren vor Ort bringen uns die Segelbilder auf den heimischen Bildschirm.
Bei uns wird jetzt morgens immer erst einmal die Vendeeglobe.org website aufgerufen und nach den neuesten Entwicklungen der vergangenen Rennnacht geschaut.

Nico, sturmumtost

Nico, sturmumtost

Ansonsten ist alles gut an Bord. Gestern morgen hatten wir einen kurzfristigen Wintereinbruch mit nasskalten 3°, aber heute im Tagesverlauf ist das Thermometer wieder auf anständige 16° geklettert. Jetzt, heute abend, pfeift der Wind ums Boot, das will er die ganze Nacht noch tun, morgen ab zehn Uhr soll er nachlassen.

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Zwei Seelen wohnen, ach …

Abendsonne-Spiegelungen an Deck der Hexe

Gelcoatglanz mit Abendstimmung

Wir sind gerne auf unserer Hexe, das haben wir immer versucht, in unseren Blogbeiträgen zu vermitteln, weil das genau so der Fall ist. Doch unsere Tage im Mittelmeer sind gezählt. In Darmstadt warten noch so viele Dinge darauf, erledigt zu werden. In Südfrankreich schreitet der Bau unseres Katamarans immer weiter voran. Für unsere jetzige Hexe kommen am Wochenende Kaufinteressenten aus Spanien. Wir freuen uns schon darauf, unser schönes Schiff zu präsentieren.

Shoe shine

Shoe shine

Es wird Zeit, finale Entscheidungen zu treffen, oder, wie man so sagt, “Nägel mit Köpfen zu machen”, bevor unsere Reise im Februar mit neuem Katamaran weitergeht. Weiter gehen im wörtlichen Sinne, raus aus dem Mittelmeer, hinein in den Atlantik. Aber der letzte Satz ist noch Zukunftsmusik. Ein Teil unserer Habe haben wir schon vom Schiff geholt, in Kisten verpackt und bei der Katamaranbauwerft abgestellt. Vieles wird noch folgen. Wenn unsere Dehlerhexe jetzt nicht verkauft wird, lassen wir sie in 14 Tagen nach Holland transportieren. Aber auch das ist Aufwand, der Mast muss gelegt und verpackt werden, das Spritzverdeck muss runter, der Geräteträger muss auch abgebaut werden, innen drin muss alles doppelt und dreifach sicher gestaut werden, damit bei dem Rücktransport per LKW über die Straße bloß nichts beschädigt wird. Da das Ganze wegen der Breite und Höhe unseres Schiffes als Schwertransport mit Begleitfahrzeugen eingestuft wird, dauert die Rückfahrt nach Holland drei Nächte. Denn gefahren werden darf nur nachts.

Hexymama mit Hund

Hexymama mit Hund

Einfacher wäre es natürlich, hier vor Ort unsere jetzige Hexe zu verkaufen. Aber, so ganz ehrlich gesprochen, fällt es uns auch nicht leicht, die Hexe herzugeben. Wir haben uns schon sehr an unser flottes schwimmendes Zuhause gewöhnt und unendlich viel Positives damit erlebt. Wie mir die Zweirumpfsegelei allgemein gefallen wird, kann ich momentan noch nicht definitiv sagen. Klar ist der Wohnraum üppiger und es gibt keine Schräglage. Wie es hingegen um die eigentliche “Sensation des Segelns” steht, wird sich noch rausstellen. So das sportliche “Rumcruisen” mit unserer Hexe ist schon der Knaller. Der oder die potenziellen Käufer werden daher von unserer Dehler 41 sicher nicht enttäuscht werden – egal ob sie nun hier in Südfrankreich oder später in Holland den Besitzer wechseln wird.

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Einmal um die Welt

über 24.000 Seemeilen, nonstop, auf extremen Rennsegelyachten, mit nur einem Segler an Bord. Alle vier Jahre ist es soweit, heute startet im französischen Les Sables d’Olonne das Vendée Globe Race, eine Einhand-Regatta, die die 29 teilnehmenden Segler in ihren Yachten nonstop um die Erde führt. Die schnellsten werden nach gut zweieinhalb Monaten auf See die Erde umrundet haben und die Ziellinie, wiederum vor Les Sables d’Olonne kreuzen. Es wird sicher wie bei jeder Auflage dieses Hochseeklassikers zahlreiche Ausfälle geben, die meisten aufgrund technischer Schwierigkeiten.

Plakat in Palavas

Plakat in Palavas

Die Vendée Globe gilt als die härteste Regatta der Welt und wird auch gerne als der “Mount Everest” des Segelns bezeichnet. Sicher nicht ganz zu unrecht, denn ein großer Teil der Strecke, den die Segler absegeln müssen, befindet sich im sturmumtosten Südpolarmeer, zudem sind, zumindest die Boote der Favoriten, extrem hochgezüchtet. Erstmalig in der Geschichte der Vendée Globe sind sieben der teilnehmenden Yachten mit seitlichen Tragflächen, den sog. Foils ausgestattet, die die Rümpfe fast zur Gänze aus dem Wasser heben. Diese Technik führt zu extremsten Belastungen, zum einem an den Stellen, an denen die Foils an den Rümpfen befestigt sind, zum anderen aber auch beim Skipper selbst. Durch die Foils werden die Boote so nervös und trimmsensibel, dass schon kleinste Einstellungsfehler, beispielsweise zuviel Segelfläche, gravierende Folgen haben können und das Schiff damit kurzfristig unbeherrschbar machen. Man kann diesmal also sehr gespannt sein, wer am Ende des Rennens die Nase, oder besser gesagt, den Bug vorne hat, die Teilnehmer mit Foils, oder die “Traditionalisten”. Theoretisch berechnet sollen die Foils einen Vorteil von maximal 50 Seemeilen am Tag, bei viel Wind, erbringen.
Egal, wer gewinnt, im segelbegeisterten Frankreich, wird jeder als Held verehrt, der es bis zur Startlinie schafft, und den Mut hat, teilzunehmen. Es werden auch diesmal wieder mehr als 300.000 Menschen zum Starthafen in Les Sables d’Olonne pilgern und die Hochseehelden gebührend verabschieden.

Wer vom Trockenen und warmen Zuhause aus, das Rennen mitverfolgen möchte, sollte sich die Veranstalterwebsite www.vendeeglobe.org/en/ regelmäßig anschauen. Dort gibt es täglich zahlreiche Berichte zu lesen und Livefilme von Bord der Teilnehmer zu sehen.

Schade ist nur, das es wieder kein deutscher Teilnehmer, trotz einiger löblicher Versuche, an die Startlinie geschafft hat. Vielleicht würde sich mit einem deutschen Teilnehmer der Fokus der heimischen Presse endlich mehr auf dieses wirklich spannende Segelereignis richten.

Der Hexenkatamaran wächst weiter

Der Hexenkatamaran wächst weiter

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Die schöne Magelone

3. November 2016, Donnerstag, Baro 1013, sonnig, Wind N um 2
Palavas-les-Flots 13:00 – La Grande Motte 15:30, 6,5 sm

Gestern sind wir erst so spät losgesegelt, weil es zum einen nur 6,3 sm bis La Grande Motte sind, und wir zum anderen noch den Ort Palavas mit dem hohen begehbaren ehemaligen Wasserturm besteigen wollten. Also, besteigen ist übertrieben, ein Außenfahrstuhl mit Sicht fährt uns rasch in die elfte Etage, wo sich ein Café oder einen Bar, je nach Tageszeit und Appetit befindet. Von hier aus hat man einen sensationellen Blick über den Kanal, die Binnenseen bis hin zur Kathedrale von Magelone. Die Geschichte von der “schönen Magelone” stammt tatsächlich von hier. Das ist ein Prosaroman aus dem Frankreich des 15. Jahrhunderts, der sehr populär war, eine ergreifende Liebesgeschichte, die sich durchaus lohnt.

Wir segeln bei ganz leichtem Wind, aber angenehm warmen Sonnenstrahlen, es geht noch ohne Strümpfe, und im T-Shirt. Mal sehen, wie lange noch. Zunächst ist wenig Wind, das Hexchen segelt so schnell wie der Wind selbst bläst. Zwei Seemeilen vor dem Hafen besinnt sich der Wind, und wir können dieses letzten Meilen mit fünf Knoten bis direkt vor den Hafen segeln. Dort gehen wir erstmal an einen niedrigen Steg an der Capitainerie, denn Volker will noch den Rumpf polieren.

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Feierabend in Cap d’Agde

Mittwoch, 2. NOvember 2016, Baro 1016, sonnig mit Schleierwolken, Wind NW 3
Cap d’Agde 09:15 – Palavas-les-Flots 16:15, 25 sm

Obwohl heute wieder ein normaler Arbeitstag ist, scheint es in Cap d’Agde noch sehr ruhig. Supermarkt, Bäcker, Fleischer und Fischladen haben natürlich schon auf, aber ansonsten sind die Läden an den Eissalons, Restaurants und Boutiquen fest geschlossen. Gestern abend sind wir auf der Suche nach einer Pizzeria schließlich in einem französischen Restaurant gelandet.

Fleisch…

Fleisch…

…Muscheln…

…Muscheln…

… Nachspeise

… Nachspeise

Am Abend des Feiertags hatten fast alle Restaurants und Bars geschlossen. Wir haben sehr lecker gegessen, am großen Nachbartisch aß der Patron mit Familie und Freunden, auch hier war es der letzte Abend der Saison. Ab Mitte Februar sind sie wieder da.

Stimmung am letzten Tag

Stimmung am letzten Tag

Auf dem Nachhauseweg sind wir noch in unserer Musikbar hängen geblieben, die Stimmung war hervorragend, nicht zuletzt, weil es für das singende Paar auch der letzte Auftritt vor dem Winterurlaub war.
Der kleine Supermarkt im Strandteil von Cap d’Agde hatte gestern und vorgestern schon Ausverkauf, Schokokekse, Schokoladen, und ähnliches boten sie für 1 € feil, und die Kleiderläden boten die Sommerware zu Schnäppchenpreisen an. Wir haben uns auf die Schokokekse und die Schokoladen mit bretonischem Salzkaramel beschränkt, die Kleiderschränke an Bord der Hexe sind voll. Und Volker hat auch genügend Polierlappen, dazu nehmen wir nämlich unsere ausrangierten T-Shirts.

Wir haben uns heute von dem Käptn des großen Katamarans, an dem wir, mangels eines Stegplatzes, längsseits angelegt hatten, verabschiedet, ihm viel Erfolg mit seinem neuen Projekt gewünscht. Mit einem noch im Bau befindlichen Alukatamaran wird er Schulungen für alle Altersklassen anbieten, über die Pollution der Meere durch Plastikmüll, z.B.

Nico in Not

Nico in Not

Mit Vollzeug sind wir auf dem glatten Meer unterwegs, Halbwind bis achterlich, das verbotene Fischfanggebiet lassen wir an Steuerbord, friedlichstes Segeln im Sonnenschein, da kann auch Nico entspannen. Zur Beschäftigung bekommt er den Knochen von Volkers halbem Mittagskotelett, zuerst ist er total überfordert und will ihn vergraben. Das geht aber schlecht auf einem Segelboot, er leidet und weiß nicht, was er tun soll, bis er herausfindet, dass man den Knochen auch abnagen kann. Das scheint er tatsächlich vergessen zu haben!

Natürlich kommt die Mittagsflaute. 0,8-1 Knoten Wind. Diesmal sitzen wir es aus, wir haben es ja nicht eilig, ob wir in Sète bleiben, oder bis Port Camargue kommen, ist irrelevant. Wir beobachten die anderen Segler, “Da draußen segelt einer schief, da muss Wind sein!”, “Da hinten kommen zwei mit Spinnaker, da ist Wind!” Tatsächlich kommt hier vor Säte die leichte Brise aus einer ganz anderen Richtung, immerhin schon mit fünf Knoten aus Südost.
Der Wind kommt noch einmal zurück, bis 15:30 Uhr können wir segeln, dann ist es aus, und wir motoren die letzten drei Meilen bis zum Hafen von Palavas. Dort werden wir freundlich empfangen, und freuen uns schon auf einen Landgang.

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So viele Gebrauchtboote

Der rote Teppich lädt ein…

Der rote Teppich lädt ein…

Die bunten Fahnen wehen

Die bunten Fahnen wehen

Alle Jahre wieder, in 2016 bereits zum 17. Mal, fand der Salon Nautique in Cap d’Agde statt. Eine Gebrauchtbootmesse mit über 500 Yachten, die von Yachtmaklern und Endkunden gleichermaßen zum Verkauf angeboten werden. Die Schiffsgrößen variieren dabei ebenso wie die Preise. So wurden kleine Motorboote für wenige tausend Euro und richtig große Segel- und Motoryachten für über eine Million Euro feilgeboten. An den fünf Messetagen pilgerten über 50.000 Wassersportinteressierte über die Stege und bewunderten die Schiffe, die, sicher vertäut am Steg  denoch schwimmend in ihrem Element, auf neue Besitzer warteten.

Blöcke

Blöcke und anderes Zubehör

Taschen wie Christiane sie auch näht

Taschen wie Christiane sie auch näht

Die Schönheiten gab es auch zu bewundern

Die Schönheiten gab es auch zu bewundern

Aber nicht nur auf dem Wasser wurde den Besuchern viel dargeboten. Auch an Land gab es zahlreiche Aussteller. Außenbordmotoren, Seglerbekleidung, Yachtzubehör, Mastenbauer, Segelmacher, Elektronikspezialisten, die französische Rettungsgesellschaft, sozusagen das ganze maritime Leistungsspektrum war in Hallen oder mit kleinen Zelten vertreten.

maritimer Trödel

maritimer Trödel

Für echte Schnäppchensucher gab es zudem einen Segelzubehörflohmarkt. Wir haben die die französische Rettungsgesellschaft unterstützt und zwei großformatige Badehandtücher gekauft. Wie meinte doch die Capitania sicherlich nicht ohne Hintergedanken, “wenn ich damit im Seenotfall winke, werden wir schneller gerettet” -:)

Angeln in allen Ausführungen

Angeln in allen Ausführungen

Ja, jetzt sind wir praktisch drei Tage lang über die Stege mit den Verkaufsangeboten gebummelt und es sind tatsächlich einige Schiffe verkauft worden, und das Schild mit “à vendre” wurde gegen ein “vendu”-Schild ausgetauscht – jeden Tag ein paar mehr. Gestern Mittag haben wir erstmalig live zugeschaut, wie eine Rettungsinsel aktiviert wurde. Ich habe das gefilmt und es ist beruhigend zu sehen, wie schnell sich dieses überlebenswichtige Rettungssystem aufbläst und bereit zum Einstieg ist. Wer will, kann sich hier den Film mit dem launigen Kommentar des französischen (kettenrauchenden) Radiomoderators ansehen.

Heute um 18 Uhr hat der Gebrauchtbootsalon seine “Türen” geschlossen und morgen werden dann wohl die meisten ausgestellten Boote in ihre jeweiligen Heimathäfen zurückkehren.

Monster!

Monster!

Monster?

Monster?

Halloween hat sich übrigens auch allerorten in Frankreich durchgesetzt und wird gefeiert. Große und kleinere Monsterchen, Hexen und Draculas zogen durch die Geschäfte auf der Hatz nach Süßigkeiten. Ein sprachlicher Gleichlaut brachte mich dabei völlig aus dem Konzept. Das französische Wort für Schwester ist “soeur” lautsprachlich Sör, und das Wort für Fluch oder Zauberspruch ist “sort”, und wird nahezu gleich ausgesprochen. Nur mit einem kaum hörbaren “T” am Ende, ansonsten wie die “Schwester”. Als jetzt die kleinen Monster in die Kneipe kamen und das bei uns bekannte “Süßes oder es gibt Saures”- “douces ou sort” riefen, kam das bei mir an wie “Süßigkeiten oder Schwester.” Meine Bemerkung, das man dann die lieben Kleinen mal nach dem Aussehen ihrer Mütter befragen sollte, wenn sie sich ein Schwesterchen wünschen, sorgte für schallendes Gelächter und brachte mir die Bermerkung der Wirtin ein, dass doch alle MÄNNER gleich seien. Die sprachliche Richtigstellung erfolgte unmittelbar. Solche kleinen Fettnäpfchen, lauern wohl in jeder fremden Sprache und eins hat gestern für mich da gestanden…

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Nicht nur Fotoausstellung in Gruissan

Sonntag, 30. Oktober 2016, Baro 1021, sonnig, kein Wind, dafür 0,5 m Welle
Gruissan 09:30 – Cap d’Agde 14:30, 22 sm

Die Burg und die Flamingos spiegeln sich im Etang

Die Burg und die Flamingos spiegeln sich im Etang

Bei strahlendem Sonnenschein nehmen wir Abschied von Gruissan. Schon beim Ablegen nimmt der wenige Wind weiter ab, bei 2-3 Knoten setzen wir noch nicht mal das Großsegel. Aber eine unangenehme Welle steht in der Hafeneinfahrt und leider auch draußen, pb das wohl von dem “Medicane” kommt, ein subtropischer Wirbelsturm, der zwischen Sizilien und Malta getobt hat?
Wir jedenfalls sind ein bisschen wehmütig, denn Gruissan hat uns, trotz der Betonarchitektur am Hafen, gut gefallen. Der Ort ist nett und unaufgeregt, die Leute freundlich, die Menschen in der Capitainerie sehr kompetent und hilfsbereit. So hat uns die Hafenmeisterin gestern auf eine Fotoausstellung im Grand Palais hingewiesen. Das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen.

Plakat der Ausstellung

Plakat der Ausstellung

Neben zahlreichen Blumen-, Tier- und Landschaftsfotographien gibt es eine große Wand mit Portraits von Vendée-Globe-Skippern, und vielen anderen schönen Segelmotiven. Die Vendee Globe ist eineEinhandregatta für 60 Fuß-Yachten, die “Open 60″s und führt von Les Sables d’Olonnes in der Bretagne alle vier Jahre einmal non-Stop um die Welt. Was für echte Kerle und Mädels, eben.

Picassos erste Geliebte

Picassos erste Geliebte

Ein anderer Stand entführte uns in die Geschichte der Fotographie, zwei Männer erklären und erzählen begeistert von ihrem Hobby. Es gibt u.a. Daguerreotypien, darunter angeblich eine von Fernande Olivier, der ersten Geliebten von Picasso, handcolorierte Schwarzweiß-Bilder, zahlreiche Fotoapparate aus älterer und neuerer Zeit sowie einen Tisch, der ganz der Stereo- oder 3D-Fotographie gewwidmet war, Axel, Du hättest Deine helle Freude gehabt, an diesen wunderbaren alten Apparaturen!

3D-Betrachtungsgeräte

3D-Betrachtungsgeräte

11:50: Auf den Wellen kräuselt es sich, sollte da doch ein bisschen Wind kommen? Hoffnungsfroh setzen wir das Großsegel, rollen die Fock aus, nur um festzustellen, dass es mal gerade für 1-1,4 Knoten Fahrt reicht. Es ist zwar sehr friedlich so, weil jetzt die Hexe mur leicht von den Wellen angehoben wird, und sanft wieder runter hleitet, anders, als wenn man sie mit Motorkraft durchpflügt und auch mal in so ein Wellental kracht, aber 3 Knoten Wind reichen nicht mal für unsere Hexe zur schnelleren Fahrt. Abgesehen davon, dass das bisschen Wind genau aus Cap d’Agde kommt, wir müssten also auch noch kreuzen, und kämen nicht vor Mitternacht an.
Also Motor wieder an.

Impressionen von unterhalb der Burg

Impressionen von unterhalb der Burg

Und nochmal im Geiste zurück nach Gruissan. Nach der Fotoausstellung war es Zeit für Sonnenuntergangsfotos über dem Etang, von der Burg aus und für einen Apéritif in der Ortskneipe, immer noch warm genug, um mit vielen anderen draußen vor der Tür zu sitzen. Auch hier haben wir wieder nette Menschen getroffen und uns mit ihnen unterhalten. Volker war in guter Stimmung und großzügig mit dem Trinkgeld, am Schluss hat uns der Kellner einen Drink ausgegeben!

Zurück zum Logbuch: Auch wenn in der Ferne ein paar weiße Segel zu sehen sind, der Wind macht sich dünne, die anderen können entweder nur treiben, oder sie motoren, genau wie wir. Doch es ist angenehm warm, wenn man aus dem Fahrtwind wegbleibt, die Wellen sind niedriger geworden, Cap d’Agde strahlt uns weiß entgegen. Als wir das letzte Mal dort waren, konnten wir im Meer schwimmen und am warmen Strand liegen, das Schwimmen würde jetzt schon ein bisschen Überwindung kosten, unser Bordtermometer zeigt zwar 20 Grad Wassertemperatur an, aber ich glaube, das lügt.

13:00: Es geht doch! Es kommt ein bisschen Wind, und, schnappdiwapp, springt die Hexe bei 8-10 Knoten scheinbarem Wind sofort an und segelt mit 4,3 Knoten los. Für den Skipper ist damit die Welt wieder in Ordnung, zwar muss die lange Bux wieder angezogen werden, mein Spaghettiträgerhemd wird mir auch zu kalt, aber Volker sitzt glücklich am Steuer und wir kreuzen die letzten Meilen zur Hafeneinfahrt.
Wären wir heute morgen nicht so ungeduldig gewesen, hätten wir vielleicht den ganzen Weg segeln können…
In Cap d’Agde ist der Hafen komplett voll, hier findet eine der größten Gebrauchtbootmessen statt, aber dazu morgen mehr vom Skipper. Wir finden einen Platz an einem großenKatamaran, selbst für Strom und Wasser reicht es, morgen sehen wir weiter.

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