Die Capitania

Keine Welle und ein schöner Wind – der Skipper ist glücklich

Keine Welle und ein schöner Wind – der Skipper ist glücklich

hat vorgestern kein Logbuch geführt (das stimmt so nicht, es ist nur megakurz ausgefallen, weil erst nix los war, und dann viel Wind und nach der Ankunft gab es soviele andere Dinge zu tun ;-)) und deswegen auch keinen Blog geschrieben und somit unseren treuen Lesern einen perfekten Segeltag so mir nichts, dir nichts, unterschlagen. Wie kann das sein? War es etwa Absicht, hat sich bei Cornelia der Schlendrian eingeschlichen oder war sie schlicht und einfach zu sehr mit der Schönheit des Segelns beschäftigt? Ich persönlich glaube, dass Letzteres der Fall war, auf mehrmalige Nachfrage gab es jedenfalls keine zufriedenstellenden Antworten. Ablandiger Wind, zwischen 3 und 6 Windstärken und ein direkter Anliegerkurs ohne großen Manöverstress, dazu ein tiefblauer Himmel und spiegelnder Sonne im ebenso blauen Meer. Eben ein perfekter Segeltag.

Kurz nach Sonnenuntergang über Gruissan

Kurz nach Sonnenuntergang über Gruissan

Egal wie, seit zwei Tagen sind wir im sicheren Hafen von Gruissan, der vom äußeren Erscheinungsbild sich nicht viel von Cap d’Agde, Canet en Rousillion oder Argeles unterscheidet. Praktische Betonkultur für möglichst viele Wohneinheiten, mit zahlreichen Restaurants und Modegeschäften im Parterre. Nur entgegen den Sommermonaten wirkt das Ganze jetzt reichlich ausgestorben. Die meisten der gut 1.000 Yachten im Hafenbecken liegen ebenfalls verlassen da. Scheinbar zieht es die Franzosen in ihren Herbstferien zu anderen Destinationen hin.

Olivenöl und lokale Leckereien

Olivenöl und lokale Leckereien

Wie gut, dass es in ca. einem Kilometer Entfernung noch das historisch-gewachsene Gruissan mit seiner pittoresken Altstadt gibt. Aber auch hier gilt, abends ist dort der Hund begraben. Nur am heutigen Markttag sind die Straßen bevölkert, und die zahlreichen Stände von kauflustigen Menschen umgeben. Die Capitania hat einen guten Schnapp gemacht und ein schönes Sommerkleid, das zudem noch “made in France” ist, für einen attraktiven Preis ergattert.
Nach dem Sommer ist halt vor dem Sommer und so ist sie modisch in jedem Fall schon mal gerüstet.

Prost!

Prost!

Damit der Einkaufsbummel dann auch ein wirklich perfekter wird, sind wir auf dem Rückweg bei der hiesigen Weinkooperative vorbeigebummelt. Dort gibt es unter anderem regionalen Corbière für günstige 1,75 € je Liter, der samstägliche Andrang an Weinkennern war beträchtlich. Rot, Weiß, Rosé, abgefüllt in kleine Plastikkanister zur Mehrfachverwendung. Beim Wein hat sich in Frankreich, zumindest teilweise, das Mehrwegsystem durchgesetzt, super.

Windstille heute früh

Windstille heute früh

Gerade eben hat ein schwacher Ostwind eingesetzt, wenn der sich stabilisiert, gehen wir später ein bisschen segeln.
Beste Wochenendgrüße von uns an Euch!

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Der letzte Monotörn

26. Oktober 2016, Mittwoch, Baro 1020, leicht bewölkt, Wind N 3
La Grande Motte 10:10 – Sète 14:30, 20 sm

Inschrift am Leuchtturm von Paul Valery

Inschrift am Leuchtturm von Paul Valery

Nach über 14 Tagen an Land haben wir heute morgen endlich wieder die Leinen gelöst und sind unterwegs nach Süden. Trotz des starken Winds der letzten Tage, der bis gestern morgen noch wehte, hat der eine Tag gemügt, um das Meer zu beruhigen. Es liegt glatt und friedlich voraus, ein sachter Wind weht aus Nord. Unzählige Fischerboote hoffen auf reiche Beute. Herbstzeit ist Fischzeit im Mittelmeer. Der rote Thunfisch zieht in Schwärmen vom Altlantik ins Mittelmeer. Und wir cruisen ganz entspannt mit “frisch renovierten” Segeln über die  spiegelglatte Wasseroberfläche. Es fühlt sich fast an, als würde unsere Hexe schweben, namensmäßig entsprechend.

italienische Farben…

italienische Farben…

Wir sind entspannt, der Hund ebenso, das Ziel ist nicht so wichtig, Hauptsache segeln. Irgendwann dreht der Wind weiter achterlich und kommt schließlich soweit von hinten, dass wir unseren farbenfrohen Spinnaker hissen. Leichtwindsegel müssen bunt sein unserer Meinung nach, je bunter, desto besser. So ein buntes Segel erheitert das Gemüt. Das Wort “farbenfroh” trifft es wohl am besten. Die “italienischen” Farben unseres Spinnakers erfreuen uns jedesmal, wenn wir das Segel mit dem Spifall nach oben ziehen und es sich farbenvoll entfaltet. Langsam, aner nicht zu langsam geht es unserem gewählten Tagesziel entgegen.

Schmutz im Hafenbecken

Schmutz im Hafenbecken

Um kurz vor drei Uhr ist auch der letzte Windhauch vorbei und die Hafeneinfahrt von Sète liegt passend vorm Bug. Ein Liegeplatz ist schnell gefunden. Am frühen Abend machen wir uns auf und wandern nach oben zum Leichtturm, durchstreifen anschließend die weitläufige Altstadt und flanieren schließlich am Stadtkanal entlang. Schlussendlich finden wir die kleine Kneipe nahe bei den Fischhallen wieder, die schon bei unserem letzten Besuch in Sète einen Besuch wert war. Der Wirt ist derselbe wie beim letzten Mal. Die 80er Jahre Hits, die aus den Lautsprechern dröhnen, animieren zum Mitsummen und die Getränkepreise sind mehr als moderat. Ein Ricard und ein Wein kosten gerade mal viereurofünfzig, zusammen. Günstig.

Abendhimmel

Abendhimmel

Haben wir schon vom roten Regen der letzten Tage geschrieben? Vor zwei Tagen hat Wetteronline.de von einer Saharastaubwolke über Südfrankreich gewarnt. Und mit jedem Regenschauer, gestern wie heute, wurde unser Schifflein rot beregnet. Für die nächsten Tage ist Schluss mit Regen und deswegen haben wir heute nach unserer Ankunft in Sète das ganze Boot inklusive Segel supergründlich geschrubbt. Morgen schippern wir ein bisschen weiter, je nach Wind vielleicht nach Gruissan oder nach Cap d’Agde.

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Der Herbstwind singt sein Lied

Trotz sieben Windstärken ist der Strand voll

Trotz sieben Windstärken ist der Strand voll

und das nicht leise, sondern laut. Unüberhörbar sozusagen. Seit mehr als 48 Stunden weht es mit Sturmstärke aus Südost und Böen mit bis zu vierzig Knoten pfeifen um die Masten herum. Hexentanz im Hafen ist angesagt. Kalt ist es dabei nicht, 18 bis 20 Grad zeigt die Quecksilbersäule Tag und Nacht an. Tag und Nachtgleiche eben.

img_3657Beim Sonnenauf- bzw. Untergang kann von Gleichheit keine Rede mehr sein. Erst nach 8 Uhr morgens wird die Sonne im Osten sichtbar und um 19 Uhr isrt es schon wieder duster. Aber im Moment ist der gelbe Planet eh nicht sichtbar und verbirgt sich den lieben langen Tag hinter den Wolken, und alles wirkt grau in grau. Dafür geht es am Strand umso bunter her.

img_3658Zahlreiche Wind- und Kitesurfer zeigen ihr Können. Und manch ein Könner verlässt für einige Sekunden das Wasser und fliegt mit seinem Schirm hoch durch die Luft. Nicht nur junge Menschen begeistert diese Sportart. Nahezu alle Altersklassen sind auf dem Wasser zu finden. Bedingt durch den starken Wind werden überwiegend kleine Schirme, die sog. Kites, zwischen 7 und 9 Quadratmetern verwendet. Ich bin immer wieder überrascht, dass so ein relativ kleiner Kite soviel Kraft und Vortrieb entwickeln kann.

… und ergießen sich über den Weg

… und ergießen sich über den Weg

Die Wellen schlagen gegen den Beton…

Die Wellen schlagen gegen den Beton…

Cornelia hingegen war gestern leider ein bisschen malade und lag mit Übelkeit auf dem Sofa. Auch Freund Wolfgang war vor zwei Tagen kurzfristig außer Gefecht gesetzt. Wir spekulieren ergebnisoffenn und spaßeshalber, ob es sich um ein französisches oder mitgebrachtes deutsches Virus handelt. Als Wolfgang davon betroffen war, hatten wir erst die rohverzehrten Meeresfrüchte im Verdacht, die nur er gegessen hatte. Inzwischen geht es beiden glücklicherweise wieder gut.

Die Wellen schlagen gegen den Beton…

Die Wellen schlagen gegen den Beton…

… und ergießen sich über den Weg

… und ergießen sich über den Weg

Ab Mittwoch soll sich die Wettersituation endlich grundlegend zum Besseren hin entwickeln und wir wollen segeln gehen.

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Die Vega

ist der Hauptstern im Sternbild der Leier und bedeutet, aus dem arabischen übersetzt, soviel wie “herabstürzender Adler”. Aufgrund der Veränderungen der Erdachse war die Vega vor gut 14.000 Jahre der Polarstern. Die Vega wurde von Astronomen ausgiebig untersucht und beobachtet und ist dank ihrer großen Helligkeit, der fünthellste Stern an unserem abendlichen Sternenhimmel.

verschiedene Stoffe stehen zur Verfügung

verschiedene Stoffe stehen zur Verfügung

Vega Voiles (Voiles –  französisch für Segel) ist die regionale Segelmacherei im nahegelegelegenen Grau du Roi. Zwei Mitarbeiter aus der Segelmanufaktur hatte ich bereits im Frühjahr bei der Ausfahrt mit dem Renntrimaran kennengelernt. Auf der Rückfahrt von der Côte d’Azur ist ein Mastrutscher aus dem Großsegel rausgerissen, wegen der extremen Schaukelei bei Windstille und bei unserem ersten Rückfahrtversuch von Marseille nach Land Grand Motte hat eine sog “weisse Böe” den UV-Schutzstreifen von unserem Vorsegel zerissen.

Die CAD-Maschine

Die CAD-Maschine schneidet…

Die Jungs von Vega Voiles waren schnell zur Stelle und haben die Segel abgeholt. Rechtzeitig zu unserer Rückkehr von Deutschland waren die Segel abholbereit und fachkundig repariert. Bei der Abholung gab es eine ausführliche Betriebsführung, denn Vega Voiles repariert nicht nur Segel, sondern stellt alle Segel in Grau du Roi selbst her. Das ist nun wirklich etwas besonderes in der europäischen Segelmacherlandschaft, denn fast alle Segelhersteller haben ihre Produktion ausgelagert und lassen die Segel in China anfertigen.

Ein scharfes Messet schneidet die Segel zu

…mit einem scharfen Messet die Segel zu

Vega Voiles deckt selber alle Fertigungsbereiche ab, d.h. vom aufwändig verarbeiteten Segel für den Fahrtensegler bis hin zum Hightechsegel aus Carbonfasern für den Regattafreak, alles wird am “heimischen” Computer geplant und auf der CAD-Schneidemaschine zugeschnitten, um anschließend auf dem sogenannten Segelmacherboden vernäht zu werden.

Der Segelmacherboden

Der Segelmacherboden

Der Segelmacherboden ist eine große Holzfläche mit Ausschnitten, in die der Segelmacher einsteigt, um von dort aus die Nähmaschine zu bedienen. Wer jetzt denkt, dass die Segel von Vega Voiles, weil “Made in France” teurer sind als der Chinaimport, der irrt sich. Ich habe einige Preisbeispiele erhalten und war positiv erstaunt! Gut und günstig geht anscheinend auch hier.

Der neue UV-Schutzstreifen geht in den grauen Sturmhimmel über La Grande Motte über

Der neue UV-Schutzstreifen geht in den grauen Sturmhimmel von La Grande Motte über

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Bullenrennen

im Aufbau

im Aufbau

Der Bau unseres neuen Katamarans schreitet mit großen Schritten voran. Rumpf und Deck sind zusammengesetzt. Die Motoren, einer im linken und einer im rechten Rumpf, sind schon eingebaut, unzählige Kabel sind in Rohren verlegt, zahlreiche fleißige Werftmitarbeiter wuseln auf dem neuen Schiff herum. Ausgeliefert wird Ende Januar oder Anfang Februar, nächsten Jahres. Eine spannende Zeit für uns. Keden Tag gibt es irgendetwas zu entscheiden.

Freund Wolfgang passt gerade so durch die Stäbe hindurch

Freund Wolfgang passt gerade so durch die Stäbe hindurch

Ein ganz anderes Erlebnis der besonderen Art hatten wir heute in Aigues-Mortes, dieser mittelalterlichen Stadt in der Camarque, über die wir schon mehrfach berichtet hatten. Heute gab es dort ein Spektakel, das wir so noch nicht gesehen hatten. Überall an Kreuzungen in der Innenstadt standen Absperrgitter, allerdings mit so großem Gitterabstand, dass Menschen durchschlüpfen können. Zudem hingen an allen Ecken Lautsprecher und eine aufgeregte Männerstimme kommentierte irgendein Ereignis. Anfänglich wussten wir nicht so recht, was vor sich ging. Dann wurde die Lautsprecherstimme noch eine Spur aufgeregter, dann kam  plötzlich Hufgeklapper.

Die Reiter haben den Stier in der Mitte

Die Reiter haben den Stier in der Mitte

Drei cowboyähnliche Reiter stürmen im wilden Galopp, mit einem freilaufenden Stier in der Mitte durch die historische Altstadt. Die Zuschauermenge stiebt auseinander und sucht Schutz vor dem herannahenden Reitertross. Kurze Zeit später folgen die nächsten Reiter, alle mit einem schwarzem Vollblutstier in der Mitte. Bei dem Stiertrieb dirch die Stadt handelt es sich wohl um ein langjähriges traditionelles Ereignis, das an drei Wochenenden hintereinander im Oktober stattfindet. Die Reiter stellen dabei ihr Können unter Beweis. Uns erinnerte es ein wenig an eine Cowboyshow. Manchmal hat der Stier seinen eigenen Weg gesucht und ist auf nicht rechtzeitig abgebogen, wobei besonders mutige Jugendliche mit aisgebreiteten Armen versuchen, den Stier in die richtige Richtung zu dirigieren.

Die Stadtmauer

Die Stadtmauer

Der ausgebüchste Stier

Der ausgebüchste Stier

Um 19 Uhr war das Spektakel vorbei, die Dorfbevölkerung ist zum nächsten Programmpunkt gepilgert und wir sind zurückgefahren nach La Grande Motte.

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Herbstwetterbericht

Wir sind wieder an Bord. Die achteinhalb Stunden Fahrt gingen fix vorüber. Kurz vor La Grande Motte hat sich denn auch die letzte Wolke verzogen und den Blick auf die Sonne und den blauen Himmel freigegeben. Spätsommerliche Wärme, sehr angennehm, nicht zu heiß, nicht zu kalt, gerade recht. Auf der einen Seite freuen wir uns, wieder hier zu sein, auf der anderen Seite fahren unsere Gefühle Achterbahn. Zu nahe ist noch das traurige Ereignis. Zurück zur “Normalität” geht nicht so schnell, dafür ist das Gefühl des Verlustes viel zu groß.

Ab morgen haben wir liebe Freunde an Bord. Wolfang und Ute mit Sohn Aljoscha wollen uns für ein paar Tage besuchen. Bis am Samstag Abend sollen auch die Wettergötter mitspielen. Ab dann wird uns leider ein Regentief heimsuchen. Es wird definitiv Herbst hier am Mittelmeer. Abends läuft die Heizung im Boot, der Kellner im Restaurant kokettiert mit den freien Plätzen,. Saisongeschäfte sind geschlossen und die gelben Bojen, die im Sommer den Badebereich abtrennen, sind weg.

Die herbstliche Ruhe tut gut, ist aber noch irgendwie ungewohnt. Der Sommer geht gefühlt immer viel zu schnell vorbei. Regnerisch wird es ein absolut heißer Herbst.

Es dauert nur noch wenige Tage, bis die sog. Vendée Globe Regatta startet. Ein Nonstop-Rennen mit gut 20 Meter langen Hochseeregattayachten um die Welt. Das Ganze Singlehanded. Also mit nur einem Menschen an Bord, der dann alle Funktionen, die sonst auf zahlreiche Mannschaftsmitglieder verteilt sind, selbst wahrnehmen muss.

Bei der diesjährigen Ausgabe der Vendée Globe gibt es zudem noch eine Neuerung, die dieses Extremrennen noch extremer macht. Mit den sogenannten Foils sollen sich die Schiff bei viel Wind extrem weit aus dem Wasser heben und praktisch nur noch mit dem Kiel und dem Ruder im Wasser, über die Meere rasen. Für Spannung ist also gesorgt, doch dazu beim nächsten Mal me(e)hr.

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Dunkle Wolken

 

und ein schwerer Sturm sind über La Grande Motte und das gesamte westliche Mittelmeer hinweggezogen. Das Schwarz des Himmels passt auch zu unserem momentanen Gemütszustand. Alles im Leben hat bekanntlich seine Zeit. Die Zeit der Freude, die Zeit des Glücks, aber leider auch die Zeit der Trauer. Ein lieber Freund, ein leidenschaftlicher Segler und vor allem ein guter Mensch ist unerwartet und viel zu früh in der letzten Woche verstorben.

Was uns bleibt, ist die Erinnerung an viele schöne gemeinsame Stunden und Erlebnisse mit ihm. Wir wollen zur Trauerfeier und sind gestern von La Grande Motte aus nach Hause gefahren. Diesmal ein schwerer Weg für uns und die Stunden der Nachhausefahrt haben sich auch gedehnt wie “Gummi”. Nur wenige Worte wurden gewechselt.

Die Rückfahrt zum Boot ist für den kommenden Mittwoch geplant.

Mehr gibt es im Moment nicht zu sagen.

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Mit dem Wind geht’s leichter

12. Oktober 2016, Mittwoch, Baro 1011, bedeckt, Wind O um 4
Marseille 04:15 – LGM 13:00, 60 sm

Nachdem wir gestern gescheitert sind mit dem Weiterkommen, probieren wir es heute ganz früh. Der Hund weckt und um 02:00 Uhr, weil er raus muss, um 03:30 können wir dann nicht mehr schlafen, und Volker sagt: “ich möchte jetzt fahren, ich bin sowieso wach. Ist das o.k.?” Klar, ich bin auch schon wach, gehe nochmal mit Nico, dann kegen wir leise ab, um die Nachbarn nicht zu stören.

Der Wind ist günstig, achterlich, mit 12-14 Knoten, wir segeln mit vollem Groß und ausgebaumter Fock durch die Nacht. Auf dem AIS sehe ich, dass uns ein vierzehn Meter langes französisches Segelboot folgt, fast im gleichen Abstand, es holt nur ganz langsam auf.

Spannend wird es bei dem Verkehrstrennungsgebiet vor Port St. Louis du Rhône, ein großer Frachter kommt in der Fahrrinne auf uns zu. Klar, der hat Vorfahrt, wir queren das Gebiet, wie vorgeschrieben, fast rechtwinklig. Sollen wir den Kurs ändern? Jetzt? Ja, Volker ändert den Kurs um 10 Grad zu ihm hin, es bleibt spannend. Das Problem ist, dass wir mit ausgebaumter Fock und durch den Bullenstander gehaltenem Großsegel fahren, sodass wir nicht bedingungslos wilde Kursveränderungen vornehmen können. Am Ende geht er keine 200 Meter vor uns durch, puh!

Danach hat uns der motorende Franzose eingeholt, und beginnt, in Luv von uns die Segel zu setzen. Damit deckt er die Hexe ab, und obwohl wir eigentlich schneller sind, kommen wir aus seinem Windschatten nicht heraus. Da nimmt Volker kurzerhand den Baum an der Fock weg, fährt um das Heck der Oceanis herum, sodass wir in Luv von ihr sind, und, schwupps, haben wir sie wieder überholt. Die bleibt jetzt hinter uns, es sei denn, der Skipper wirft wieder seinen Motor an, aber selbst dann wird es schwierig, weil die Hexe jetzt bei 11-12 Knoten Wind raumschots mit 6-7 Knoten dahin gleitet.

Je weiter wir kommen, umso schneller geht es voran, die Oceanis von heute morgen bleibt immer im fast gleichen Abstand, klar, die ist anderthalb Meter länger, Länge läuft, aber als wir auf einen Amwindkurs in die Bucht von La Grande Motte abbiegen, hat sie keine Chance mehr. Volker triumphiert!

Rchtzeitig vor Regen, Starkwind und Gewitter haben wir die Leinen fest an unserem Liegeplatz, jetzt kann der Sturm kommen.

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Marseille

10. Oktober 2015, Montag, Baro 1012, bedeckt mit sonnigen Abschnitten, Wind umlaufend, später NNW um 4
Porquerolles 09:15 – Marseille 17:00, 50 sm

Der Abschlussfelsen der Calanques

Der Abschlussfelsen der Calanques

Frohgemut sind wir früh gestartet, es waren nördliche Wind, bis Toulon kommen wir gut voran, dann lässt der Wind nach, und ich will noch nicht mal das Logbuch mit den Motorstunden danach langweilen. Das gibt uns natürlich genügend Zeit für Überlegungen und Planungen, aber segeln ist besser.

Fantastischer Blick vom Hügel über die Bucht von Marseille

Fantastischer Blick vom Hügel über die Bucht von Marseille

Erst ab der Bucht von Marseille kommt der Wind zurück, und wir segeln immerhin noch sechs Meilen, schauen einem großen Katamaran beim Foilen, also beim Schweben auf Flügelchen zu. In der Société Naval de Marseille gibt es einen Liegeplatz für uns, schön, wieder in Marseille zu sein, wir lieben diese Stadt!

Nur ein einziges Exemplar lag im Schaufenster

Nur ein einziges Exemplar lag im Schaufenster

Wir machen am frühen Abend einen ausgedehnten Spaziergang, freuen uns, bekannte Plätze wieder zu treffen, finden neue Ecken und Geschäfte. In einem Buchladen ist eine Lesung, die Autorin sitzt vorne, und mit Mühe können wir den Titel des Buches entziffern: „Les sorcières de la République“, die Hexen der Republik, wenn da nicht alle Zuhörer gerade gebannt lauschen würden, hätten wir ein signiertes Exemplar erstanden!

Wir würden sicher auch noch ein bisschen länger durch die Straßen schlendern, aber es ist – vor allem mit dem nordwestlichen Wind – saukalt. Glücklicherweise ist das Pub geheizt oder nur von den vielen Menschen aufgewärmt, die sich – auch an einem Montag – zur Happy Hour treffen.

11. Oktober 2016, Dienstag, Baro 1010, bedeckt, NNW 4 zu Beginn
Marseille 10:30 – Marseille 12:00, 9,5 sm

Noch sieht es gut aus

Noch sieht es gut aus

Guten Mutes verlassen wir den schützenden Hafen, wollen den Nordwind ausnutzen, um entweder bis zum Cap Couronne mit der Stadt Carro, oder, falls der Wind günstig dreht, auch die 60 sm bis LGM zu segeln. Draußen empfängt uns eine unangenehme Welle, schon das Setzen des Großsegels wird zur Herausforderung, der Baum schlägt hin und her, und ist von mir fast nicht zu halten. Schließlich ist das Segel oben, der Hund mit den Nerven am Ende, ich hole ihn raus, er legt sich auf dem üblichen Platz in sein Körbchen und ich decke ihn mit Volkers Fließjacke zu. Fast hoch am Wind geht es bei 10-13 Knoten rasch voran, zwischendurch gibt es kleine Flauten. Dann scheint sich der Wind zu stabilisieren, ich hole einen Frühstückskeks, und auf einmal frischt der Wind auf, weg mit den Keksen, wir müssen reffen! Schon während der Reffens nimmt der Wind auf 35 Knoten zu, wir binden gleich Reff 2 ein, verkleinern die Fock auf Handtuchgröße, der Wind dreht auf Nordwest. Genau da wollen wir hin. Die ersten Wellen spritzen voll ins Cockpit, wir bekommen ein paar Salzduschen ab. “Nee”, sagt Volker, “das machen wir nicht, da geht ja alles kaputt, wir drehen um.“

Gesagt, getan, schon ist das Leben angenehmer, der Wind von hinten raubt einem nicht die Haare vom Kopf, und erstaunlicherweise wird er, je näher wir an Marseille kommen, immer weniger. Egal, für heute haben wir genug von Wind und Meer. Morgen früh werden wir versuchen, die eher östlichen Winde auszunutzen, um am Spätnachmittag in La Grande Motte zu sein.

Die älteste Bäckerei von Marseille

Die älteste Bäckerei von Marseille

Navettes ist die Spezialität

Navettes ist die Spezialität

mit schönem Interieur

mit schönem Interieur

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Go west again

9. Oktober 2016, Sonntag, Baro 1015, zuerst Schleierwolken, dann sonnig, Wind zuerst NW 2-3, später O 1, später NW 4, später O um 3
Cannes 07:45 – Porquerolles 17:00, 50 sm

Nachdem wir gestern nur bis Cannes gekommen sind, und gerade mal 12 Meilen von den 160 bis LGM abgearbeitet haben, muss es heute mal ein bisschen weiter gehen. Deshalb haben wir den Wecker auf 06:30 gestellt, die Nase aus dem Boot gereckt, und beschlossen, dass wir bei null Wind nicht im Dunkeln wegfahren müssen. Eine halbe Stunde später dämmert es, ich wecke Nico zu einem frühen Hundespaziergang, und noch vor acht Uhr sind die Leinen los und wir motoren aus dem Hafen. Bis 08:30 Uhr können wir segeln, dann dreht der Wind von Nordwest auf Nordost und beschließt, dass auch Winde am Sonntag mal ausschlafen dürfen.

Bereit für den Tauchgang

Bereit für den Tauchgang

Gestern haben wir, der Flaute geschuldet, eine Pause zwischen den Inseln vor Cannes eingelegt. Und wieder ist die Welt in Ordnung, blauestes Wasser, viele Fische, Sonnenschein. Volker ist mit dem Hund nach Saint Honorat gepaddelt, leider hat er beim Anlegen an unserer Hexe die Handabdeckung des Paddels verloren, und sie ist versunken, ehe er sie aus dem Wasser fischen konnte. Ich schnorchle um die Stelle, an der sie versunken ist, herum, kann aber in dem hohen Seegras nichts entdecken. Volker holt die Tauchausrüstung raus, das wäre doch gelacht, wenn wir das nicht finden würden, mit der Flasche kann er ja ganz gemütlich am Meeresboden durch das Seegras wischen. Langer Rede kurzer Sinn: Die Abdeckung bleibt verschwunden, das Seegras ist ziemlich hoch, aber wenigstens hat Volker auf dem Rückweg am Kiel die Muscheln abgekratzt, jetzt ist die Hexe auch wieder schneller.

Hexenkessel, zu später Stunde

Hexenkessel, zu später Stunde

Wir wollten abwarten, ob der Wind am Nachmittag doch eventuell noch wehen mag, dann wären wir weiter gesegelt nach St. Tropez oder St. Raphaël. Den Gefallen hat er uns aber nicht getan, jedoch hatte das den Vorteil, dass wir einen allerallerletzten Abend mit Dorothee und Mohammed, den Freunden aus Villeneuve-Loubet verbringen konnten. Die beiden haben spontan ihre Kühltruhe geplündert, wir hatte noch Gemüse, und außerdem haben sie das köstlichste Baguette der ganzen Côte d’Azur aus Golfe Juan mitgebracht. Es war wieder ein netter Abend, wenn sie uns heute besuchen wollten, müssten sie schon etwas weiter fahren.

Die Schnauze des Drachen

Die Schnauze des Drachen

Die Hügelkette westlich von Cannes ist wie ein liegender Drache geformt, mit langer spitzer Schnauze und buckeligem Körper. Irgendwie scheint es hier wenig Wind zu geben, ich erinnere mich, dass wir im Sommer 2015 hier lang motort sind, und geschwommen haben.

img_338809:25 Uhr. Der Wind kehrt zurück, zwar nicht aus Ost wie angekündigt, sondern aus Nordwest, und frischt ordentlich auf, halber Wind, perfekt. Bald segelt die Hexe mit über sieben Knoten Fahrt dahin, Volker ist extra aus seinem Nickerchen aufgetaucht. Die Freude hält aber nur zwanzig Minuten, dann wird der Wind zickig, er raumt weiter, nimmt ab, kaum sind die Segel eingestellt, kommt er weiter von vorne, um sich dann doch auf Halbwind bie 13-15 Knoten einzupendeln, Grund genug für die Hexe, um mit 7-8 Knoten dahin zu rauschen. Kleine Kreuzseen lassen das Boot tanzen, und trotz wolkenlosen Himmels fühlt es sich sehr kalt an, wir haben komplettes Ölzeug an, denken über Handschuhe nach, Volker hat bereits die Kapuze über den Kopf gezogen.

Anti-Rutschmatten unter dem Rühreiteller

Anti-Rutschmatten unter dem Rühreiteller

Seit 11:00 Uhr motoren wir wieder, Volker macht Rührei mit Pilzen, aber die Wellen sind so hoch und unangenehm, dass wir Anti-Rutschmatten unter die Teller legen müssen. Wir verkleinern das Großsegel auf Reff 2, noch während ich abspüle, kommt Wind, das Groß geht wieder hoch. Solche schrecklichen Wellen bei fehlendem Wind braucht kein Mensch. Alles klappert und rappelt, immer wieder legt sich die Hexe auf die Seite. Das Schlagen der Segel hat im Groß einen Riss hinterlassen, wir flicken ihn notdürftig mit Tape, da bekommt der Segelmacher in LGM auch Arbeit. Gut, dass wir niemand bei uns hatten, der seekrank wird, heute wäre das bestimmt der schlimmste Tag gewesen.

Ab Cap Camarat ändern wir den Kurs auf 245 Grad, dann wird die Fock ausgebaumt und der Motor muss nicht mehr mitschieben. Inzwischen haben wir auch das Ölzeug abgelegt, Volker sitzt im T-Shirt, ich im Spaghettiträgerhemd. Eine der Hammerwellen hat unseren Obstkorb, der unter der Sprayhood eigentlich gutverstaut war, nach unten in die Pantry befördert, die Abatebirnen haben den Sturz nicht ganz unbeschadet überstanden, deshalb gibt es zum Nachtisch vom späten Frühstück ein bisschen Obst. Hier werden die Wellen immer weniger, der Wind hält noch ein durch, aber eine Stunde vor der Insel muss wieder der Motor ran.

Blick über die Bucht von Hyères

Blick über die Bucht von Hyères

Dann sind die Leinen fest und wir genießen die Schönheit der Insel, nach Hundespaziergang und einer Dusche für das Boot machen wir uns auf zu einem kleinen Boulespiel auf dem großen Platz vor der Kirche, Pechtag für mich, Volker gewinnt beide Sets, das zweite sogar haushoch!

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