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  • Spagat zwischen Historie, Kunst und Technik

    Ein moderner Odysseus
    Ein moderner Odysseus

    Zwei Tage und zwei Nächte haben wir in Menton, dem letzten Yachthafen vor Italien verbracht. Hört sich fast so an, als wenn man mit dem Auto auf der A 5 unterwegs ist in Richtung Süden – irgenwann steht dann da so ein Hinweisschild: „Letzte Raststätte vor der Schweizer Grenze“. Beinahe so ist das in der Tat für uns Segler. Nur ein paar Seemeilen segeln und wir sind in Italien. Grenzübertritt barrierefrei, unkontrolliert, unbemerkt. Das Wasser kennt keine Landesgrenzen. Trotzdem tauscht Cornelia pflichtgemäß die Trikolore Frankreichs unter der Steuerbordsaling gegen die italienische. Die hat – wie der Spitzname „Tricolore“ besagt – auch drei Farben. Da ist also gefühlt kein großer Unterschied. Nur blau gegen grün getauscht…

    San Remo heißt das Tagesziel, der Wind ist launisch schwach. Entsprechend langsam geht es voran, dafür ist es schön warm und wir genießen das Bad in der wärmenden Herbstsonne.

    Der Friedhof auf dem Hügel
    Der Friedhof auf dem Hügel
    belohnt mit einem Blick über Menton
    belohnt mit einem Blick über Menton
    und die roten Dächer
    und die roten Dächer

    Gestern haben wir den schönen Tag auch genutzt, um Menton ausgiebig zu erkunden. Dazu gab es genau nur eine Richtung – immer weiter nach oben. Durch die verwinkelten Gassen der Altstadt ging es immer weiter hoch, genau bis dorthin, wo der höchste Punkt von Menton erreicht war. Das war der Friedhof. So als hätte man sich früher gedacht, dass dies der höchste Ort ist, den der Mensch in seinem Leben als letzte Ruhestätte erreichen kann. Wer weiß? Die Aussicht von oben war auf jeden Fall atemberaubend in jeglicher Hinsicht. Aber das Wort „Umzug“ gewinnt in Menton (und in San Remo, wie sich später zeigen soll, eine ganz neue Bedeutung. Wahrscheinlich verkauft man dort die Häuser möbliert, damit man kein Sofa, keine Waschmaschine und keinen Kühlschrank umziehen muss.

    Eine Cocteau'sche Bestie
    Eine Cocteau’sche Bestie
    Bemalter Teller
    Bemalter Teller
    Orpheus
    Orpheus

    Menton bietet aber noch mehr als Altstadt, Aussicht und Strände. Jean Cocteau, ein Universalkünstler – Dichter, Maler, Drehbuchautor, Regisseur, Bildhauer. Das ganze Repertoire berherrschte dieses Genie, der bei einem Besuch im nahegelegenen Villefranche das schöne Menton kennen und lieben gelernt hat. Seine Werke sind dort in zwei wunderbaren Museen zu sehen.

    Der Hochzeitssaal
    Der Hochzeitssaal

    Und wer in Menton heiraten möchte, wird sich im von Jean Cocteau gestalteten Trausaal das Ja-Wort für ein Leben in Glück und Eintracht geben. Dort sind viele Mythen verarbeitet, dabei ist der Saal aber so liebevoll und schön gestaltet für die Menschen, die durch eine Ehe ihre Liebe in eine bürgerliche Institution mit Zukunft wandeln möchten, was Cocteau niemals angestrebt hatte. Aber er hat einen wundervollen Rahmen dafür geschaffen. Also, es gibt viel zu sehen in Menton.

    Heute wollten wir trotz aller Schönheit weiter und haben jetzt in San Remo angelegt. Viva Italia. Den ersten Bummel durch die große weitläufige Stadt haben wir hinter uns. Besonders nachhaltig beeindruckt hat uns das mittelalterliche Stadtviertel „Pinta“. Das ist wie eine Reise in eine vergangene Zeit, authentisch und jetzt, außerhalb der Reisezeit, ein individuelles Erlebnis.

    Danach gab es einiges Revue passieren zu lassen. Das haben wir in einem Bistro getan. Dort kam zu jedem Getränk eine komplette Tapasplatte, Oliven und ein Glas gefüllt mit Erbsensuppe, Salami und knusprigen Brotstücken. Mit dem Resultat, dass wir nach drei Getränken in jeder Hinsicht zufrieden umd gut gesättigt waren.
    Bella Italia… bald gibt es mehr davon.

  • Auf nach Osten

    18. Oktober 2015, Sonntag, Baro 1014, grau, Nieselregen, Wind NO um 2
    Nizza 10:30 – Menton 14:10, 14 sm

    Tief hängen die Wolken über den letzten Zipfeln der französischen Riviera
    Tief hängen die Wolken über den letzten Zipfeln der französischen Riviera

    Im grauen Wetter verabschieden wir uns von Nizza, der Inhaber unseres liegeplatzes wird für heute zurück erwartet, da müssen wir ihn räumen. Unser Fernziel für diese Woche heißt San Remo, am Sonntag müssen wir ja schon wieder zurück in der Baie des Anges sein, Menton soll eine schöne Stadt sein und sie liegt nur zwölf Seemeilen entfernt, nur schade, dass der wenige Wind genau von dort kommt, und dann auch noch der Nieselregen einsetzt. Wenn es gar nicht geht, machen wir in Monaco Halt und sagen den Grimaldis „Guten Tag“.

    Die Hafeneinfahrt verspricht schon eine schöne Stadt
    Die Hafeneinfahrt verspricht schon eine schöne Stadt

    Ansonsten erwarten uns in Menton schöne Parks, interessante Kirchen und die Stadt ist voll von Jean Cocteau, dem vielbegabten Surrealisten, der Gedichte schrieb, Dramen und Theaterstücke, Filme machte und malte und der in Menton den „Salle de Marriage“ im Rathaus gestaltet hat. Ihm sind auch zwei Museen gewidmet, die Altstadt soll schön sein, wenn es morgen nicht mehr regnet, können wir uns auf ein großes touristisches Programm einstellen.

    IMG_7247Es fällt uns auf, wie anders plötzlich das Leben an Bord ist. Vor sechs Wochen war das erste, was wir morgens nach Hundespaziergang und Schwimmen, noch vor dem Frühstück gemacht haben, das Sonnensegel zu spannen, damit man der größten Hitze entgehen, und angenehm im Schatten draußen das Leben genießen konnte. Wir waren, wenn es irgend ging, mehrmals am Tag im Wasser, schwimmen wurde unser Sport, und an Essen dachten wir erst spät am Abend.

    Jetzt gewinnen Strümpfe, dicke Jacken und die Heizung mehr und mehr Bedeutung. Der Neoprenanzug für das tägliche Schwimmen, den wir, enthusiastisch, in Deutschland gekauft hatten, wartet auch noch auf den ersten Einsatz. Mittags braucht Volker beim Segeln etwas Warmes zu essen, und ich denke beim Steuern über Handschuhe nach. Eine andere Decke, bzw. die zweite haben wir bereits in den Bettbezug eingezogen, nur manchmal, mittags, kommen die kurzen Hosen zum Einsatz bzw. hat die Strumpfhose Pause. Was für ein Unterschied!

    Mosaik in Nizza
    Mosaik in Nizza

    Heute segeln wir soweit östlich an der Festlandküste des Mittelmeers, wie wir noch nie waren, jedenfalls mit dem Boot (klar, Olbia war weiter östlich, aber das ist ja auch eine Insel!). Zwar geht es langsam voran, es sind nur 3-5 Knoten Wind, und zwischendurch musste auch der Motor mithelfen, da war gar kein Wind mehr, aber jetzt liegt Monaco schon hinter uns und wir nähern uns Menton. Danach kommt gleich Italien.

    ob der Neppern auch wirklich warm hält?
    ob der Neopren auch wirklich warm hält?

    Leinen sind fest am „Acceuil“-Steg, wir hatten auch schon einen Schwatz mit dem deutsch-brasilianischen Ehepaar von der „Marlijn“, und jetzt straft der Volker mich Lügen, denn er geht im neuen Neopren schwimmen!

  • Viel besser…

     

    Touch down
    Touch down

    als gedacht lief unser kurzer Zwischenaufenthalt an Land ab. Das Unterwasserschiff erstrahlt in einem makellosen satten Blau, die komplette Ruderanlage funktioniert wieder präzise, ohne Spiel und das Getriebe vom Antrieb ist mit frischem Öl versorgt. Gestern Morgen ging alles ganz schnell. die Mechaniker haben ihre letzten Handgriffe getan, dann kam schon der riesige freifahrende Kran und hat unsere Hexe sanft angehoben. Dort, wo die Stützen der Lagerböcke waren, haben wir noch schnell die bewuchshemmdende Farbe aufgetragen, ebenso auf der Unterseite des Kiels. Der freifahrende Kran drehte einen Vollkreis, rollte ein paar Meter und setzte dann ganz sanft unser Schiff ins blaue Nass.

    Selfi …
    Selfi …

    Wir verbrachten noch eine Stunde am Meldesteg des Hafens, um letzte Dinge an Bord zu klarieren und alles seefertig zu stauen. Vor der Hafeneinfahrt empfing uns ein frischer Südwind. Das Großsegel war schnell gesetzt und ebenso das Vorsegel ausgerollt. Mit flotter Rauschefahrt nahmen wir Kurs auf Nizza. Diese Großstadt zieht uns irgendwie immer wieder magisch an.

    IMG_7264Der Hafen liegt superschön mitten in einem alten Stadtviertel, die Altstadt ist super, der „Hausberg“ mit seiner Historie überagt den Hafen, kurz gesagt, es gibt soviel zu entdecken und zu sehen. Ein Besuch reicht da bei weitem nicht aus.

    IMG_7257Heute zum Beispiel haben wir den alten Friedhof von Nizza entdeckt und die kaskadenartige Wasserfälle am „Hausberg“ bestaunt. Der von uns sobennate Berg liegt zwischen dem Hafenviertel und der Altstadt von Nizza. Obenauf war einmal die Festung, heute trifft sich dort Alt und Jung, Familien zum Picknick, Jugendliche, Verliebte, Touristen, ein Platz mit viel Aussicht für Jedermann und Jedefrau.

    "Les Cascades"
    „Les Cascades“

    Abends ging es dann trotz platter Sohlen nochmals los in die hinteren Gassen und Straßen des Hafenviertels. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Quirlig, lebendig, dabei noch übersichtlich, auch mal leise-romantisch, mit viel Kunst und Kultur, dem Meer und den Bergen, so erleben wir diese Stadt.

    Regen am Sonntag, Regen am Montag, danach wird es, hoffentlich, wieder mediterran mild und sonnig.

  • Hoch und trocken

    Die Hexe im Kran
    Die Hexe im Kran

    Die gute Nachricht vorneweg: Das Auskranen aus dem Wasser lief buchstäblich wie am Schnürchen. Pünktlich um 8 Uhr haben wir bei Bleu Marine direkt beim Kran angelegt. Ehe wir uns versahen, standen wir hoch und und trocken auf unserem vorgesehenen Platz. Alle haben Hand in Hand gearbeitet, der Hochdruckreiniger war einsatzbereit, der Kranführer motiviert und der Chef vom Betrieb verbindlich.

    Das Unterwasserschiff erstrahlt in Marine Blau
    Das Unterwasserschiff erstrahlt in Marine Blau

    Schnell war mit viel Druck, Wasser und Hingabe unser Unterwasserschiff von nahezu allen ungewünschten Bewüchsen befreit. Na, jedenfalls beinahe allen. Einiges klammerte sich geradezu hartnäckig an der Unterwasserfarbe fest. Besonders renitent und resistent waren einige Algenansammlungen und kalkhaltige Rückstände von kleinsten Muscheln. Schließlich und endlich hatten wir auch diese unerwünschten Anhaftenden mit Schleifpapier und Muskelkraft abgetrennt bekommen. Das ganze, sonst schwimmende Unterteil unseres Schiffes war nun bereit für den ersten Anstrich mit der neuen bewuchshemmenden Farbe. Dem ersten Anstrich folgte der empfohlene zweite Farbauftrag, immer schön aufpinseln, nicht zu dick, nicht zu dünn. Bloß keine Farbnasen produzieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, soviel steht fest. Eigenlob stinkt nicht in dem Fall, Fremdlob gab es von den vorbei laufenden Se(h)leuten.

    Der Malermeister
    Der Malermeister

    Das Problem mit dem Ruder steht auf einem anderen Stück Papier. Da hat der Bootshersteller wohl beim Zusammenbau einmal mehr gepfuscht und das Außenlager, das das obere Ruderlager führt und hält, leider nachlässig montiert. Dadurch hatte die gesamte Ruderanlage das empfundene und erfahrene Spiel. Bei einem so großen und freistehenden Ruderblatt sollte so etwas nicht passieren, weil die Folgen durch die auftretenden Hebelkräfte äußerst fatal sein können.

    Die Mechaniker von Bleu Marine haben das Problem gleich erkannt und hoffentlich dauerhaft gelöst. Morgen wird noch das Getriebeöl gewechselt und um 10 Uhr soll das Boot zurück in sein gewohntes Element gehen.

    Zur Belohnung gab es Kotelett und Pommes
    Zur Belohnung gab es Kotelett und Pommes

    Das mit dem Hotel haben wir doch lieber sein lassen. Die Capitania hat ihre leichte Höhenangst überwunden und ist jetzt schon mehrfach schwindelfrei und sicher die angebundene Leiter hoch und runtergeklettert. Die Aussicht vom aufgebockten Schiff über die Bucht von Antibes und das weite Mittelmeer ist klasse. Home, sweet Home! Zur Belohnung gab es ein leckeres Essen beim ortsansässigen Italiener.

  • Hin und zurück

    Mal wieder segeln wir zwischen den Isles des Lérins hindurch
    Mal wieder segeln wir zwischen den Isles des Lérins hindurch

    Richtig weit sind wir diesmal nicht gekommen, nur bis Saint Tropez. Gestern ging es dann schon wieder nach Cannes und heute in die Marina Baie des Anges bei Antibes. Ganze zwei Tage waren wir weg. Der Außenstehende würde sagen, dass das nicht lange war. Wir empfinden das genauso. Gründe dafür gibt es genug, drei werden wir mal exemplarisch näher beschreiben.

    Bereits vor zwei Tagen hat sich abgezeichnet, dass von Donnerstag bis Samstag ein heftiger Mistral mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 55 Knoten wehen soll. Alle Vorhersagemodelle zeigten dieselbe Entwicklung an. Sturm im Löwengolf bis östlich von Hyères. Ab Cannes und weiter östlich soll der Mistral weniger stark bis garnicht auftreten. Ergo wäre es nicht so geschickt, für die bezeichneten Tage bereits weiter westlich in der kritischen Zone zu sein.

    Auch die Toilettenpumpe muss ausgetauscht werden
    Auch die Toilettenpumpe muss ausgetauscht werden

    Der 2. Grund für unsere Entscheidung zur Umkehr ist eher technischer Natur. Seit einiger Zeit haben wir ziemlich viel Spiel in unserer Ruderanlage. Bereits in Korsika war das spürbar, aber noch tolerierbar. Die Drahtsteuerseile müssen nachgespannt oder evtl. gekürzt werden. Da wir fürs Kürzen und Neupressen keine Werkzeuge an Bord haben, brauchen wir eine Werkstatt. Der dritte Grund ist der noch immer ausstehende Unterwasseranstrich mit bewuchshemmender Farbe. In der Marina Baie des Anges gibt es einen großen Travellift, der morgen unsere Hexe hoffentlich früh und hoffentlich wohlbehalten an Land setzen soll. Zwei Tage wird unser, dann nicht mehr schwimmendes Heim hoch und trocken an Land stehen. Da wir das Rumgeklettere über Leitern oder fahrbare Gerüste, um aufs aufgebockte Schiff zu kommen, nicht besonders mögen, werden wir uns in ein nahgelegenes Hotel einquartieren.

    Drückt bitte fest die Daumen, dass mit dem Kranen alles gut geht!

    Cornelia filettiert den Bonito fürs abendliche Grillen
    Cornelia filettiert den Bonito fürs abendliche Grillen
  • La pluie – der Regen

    Gut haben wir geschlafen in der ersten Nacht an Bord. Die Hexe lag während unserer Abwesenheit ganz geschützt hier im Hafen, auch die schlimmen Regenfälle vom letzten Wochenende haben keinen Schaden angerichtet, nur ein paar kleinere Boote mussten ausgepumpt werden. Gestern Abend hatten wir noch einen Schrecken, weil die Batterie so leer war, und nicht richtig laden wollte, aber das war wohl tatsächlich, weil sie so tief entladen gewesen war.

    Heute Morgen hat Volker das Boot gewaschen und wieder schön gemacht, ich habe den Hund ausgeführt, eingekauft, bei Sonja die noch ausstehenden Hafengebühren bezahlt, den Parkplatz für einen Monat gebucht. Dabei habe ich eine Wirtschaftsprüferin getroffen, die schon lange hier lebt, in Deutschland arbeitet; sie hat mir viel erzählt von dem guten Klima, von den „Stufenhäusern“ hier in der Marina. Und sie hat gesagt, „um zwölf Uhr regnet es“.

    Regentropfen, die an mein Fenster klopfen
    Regentropfen, die an mein Fenster klopfen

    Und richtig, wir haben um 10:30 Uhr abgelegt, um 11:15 Uhr konnten wir Segel setzen, und um viertel vor zwölf fing es an zu regnen! Egal, wir ziehen die Regenstiefel und die Segelhosen und -jacken an, und fahren gen Westen, denn ab Mittwoch soll der Wind auf West drehen. Leider hört der Regen gar nicht mehr auf, Volker ist auch entsprechend genervt und beschuldigt mich, dass ich die Schnapsidee hatte, nach St. Raphael zu fahren. Dabei habe ich es nur ins Spiel gebracht, falls wir noch ein bisschen Strecke machen wollen, solange der Wind günstig ist. Ab Mittwoch dreht der nämlich auf Nordwest und aus der Löwenbucht kommt Mistral in Sturmstärke. Aber daran bin ich wahrscheinlich auch schuld.

    Plötzlich fängt das Wasser an zu kochen, trotz Regen. Zumindest rechts vom Boot, und da sind auch ganz viele Möwen und sie schreien. Ein Thunfischschwarm geht vorbei, man sieht sie springen, vielleicht werden sie auch von Delfinen gejagt. Kurz vor der Bucht von St. Tropen treffen wir noch einmal auf einen Schwarm, nicht ganz so groß, aber man sieht die einzelnen Fische springen. Vielleicht jagen sie ja auch selber, die sind ganz schön schnell, sie können bis zu 80 Stundenkilometer schnell werden. Das wäre aber deutlich schneller als die Hexe…

    Der Regen hört den ganzen Tag nicht auf, der Wind hatte nach anfänglichem Schwächeln doch noch aufgefrischt und wir kamen mit gut sieben Knoten voran, da wollte Volker dann doch bis Cavalaire durchsegeln. Aber nach einer weiteren Stunde in Kälte und Regen konnten wir gerade noch nach St. Tropez abgedrehen. Die eine letzte Stunde geht, sonst wären es ja noch zwei bis drei geworden.

    So sieht der schöne Platz von St. Tropez im Abendregen aus
    So sieht der schöne Platz von St. Tropez im Abendregen aus

    Der Hafen von St. Tropez ist ganz verwaist, anders als im Sommer liegen nur noch wenige Boote an den Stegen und Moorings, die großen Boote sind fast alle weg, wir können uns den Liegeplatz aussuchen. Wir fahren eine kleine Hafenrunde, leider gibt es an der Quai d’honneur keine Moorings, wir versuchen es längsseits, aber da gibt es keine vernünftigen Stromanschlüsse, also gehen wir an einen Steg längsseits, damit wir den Regen von vorne haben.
    Morgen nachmittag soll es aufhören 😀

  • Zum Abschied

    Aus Darmstadt hat unser Kater mit dem wohklingenden Namen Mikesch gestern Abend eine tote Maus gebracht. Das macht er gerne, nicht nur, wenn wir verreisen. Seine Jagderfolge erfreuen uns dabei naturgemäß weniger, als er es wahrscheinlich denkt. Doch sein lautes Miauen, wenn er mit fetter Beute durch die Katzenklappe stürmt, ist in jeder Ecke des Hauses deutlich vernehmbar. Er ist dann soooo stolz.

    Der schwarze vierpfotige Jäger hütet mit Larissa das Haus, während wir mit vollgepacktem Auto die Stadt hinter uns lassen und Richtung Süden fahren. Bei jedem Abschied bin ich vor dem Klingeln des Weckers auf den Beinen. Typischer Fall von Reisefieber.

    Bewusst haben wir uns diesmal den Sonntag als Reisetag ausgesucht. Wenig Verkehr, keine LKW’s, freie Straßen – freie Fahrt: Die Rechnung geht auf. In weniger als acht Stunden sind die 940 Kilometer abgespult. Autofahren kann noch Spaß machen, bei leeren Straßen, wie heute. Übrigens waren einzelne Bergspitzen in der Schweiz bereits mit einer Schneeschicht überzogen und glänzten majestätisch in der Mittagsonne. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die nächste Skisaison nicht mehr weit weg ist.

    Wettermäßig überwiegt an der Côte ein Sonne-Wolken-Mix mit Temperaturen um die 22 Grad, dazu weht ein kräftiger Wind aus Nordost. Allerdings hat die Vorhersage Regen im Gepäck, mal schauen. Heute Abend wird gegrillt, das muss sein. Lange waren wir jetzt weg vom Boot, der längste Heimaturlaub seit unserer Abfahrt im August 2014. Wieder Einleben auf unserem schwimmenden Lebensmittelpunkt, das geht fix.

    Morgen wird erst mal klar Schiff gemacht, die geschuldeten Hafengebühren in der Capitainerie bezahlt und frisches Essen gebunkert. Wenn dann der Wind noch mitspielt, wollen wir noch am Montag die Leinen loswerfen und dem Ruf des Meeres folgen.
    Wie immer nehmen wir Euch gerne mit auf die Reise und werden fleißig davon berichten.

  • Tierische Probleme

    Ladisha in Action
    Ladisha in Action

    Morgen geht es zurück zum Boot. Um einiges länger als geplant waren wir in den heimatlichen Gefilden. Dafür gibt es natürlich gute Gründe. In diesem Fall, tierisch gute Gründe sozusagen. Jetzt erzählen wir daher sprichwörtlich mal „Einen“ vom Pferd. Denn darum geht es in der Tat. Unser Pferd hat uns auf Trab gehalten, und uns ganz schön Sorgen gemacht. Sogar vom Einschläfern war schon die Rede gewesen in den letzten Tagen. Und, da das gute Pferd mit dem schönen  Namen Ladisha von allen geliebt wird, sind jede Menge Tränen geflossen.

    Sie, das Pferd, wurde im Mai getreten, die Wunde hat sich entzündet, wurde dann aber erfolgreich mit Antibiotika behandelt. Bedingt durch die lange Standzeit und die Entzündung wurde das rechte Vorderbein entlastet und das linke dementsprechend mehr belastet. Mit der Folge, dass Ladisha seit einigen Wochen links extrem lahmt, wie ein alter Gaul. Deswegen haben wir die Gute Anfang der Woche trotz pessimistischer Prognosen in eine Pferdeklinik in Ludwigshafen verfrachtet. Diagnostiziert wurde einiges, was in dem bewanderten Reiter Angst und Schrecken auslösen kann.

    Keine moderne Kunst, sondern die Ergebnisse der Scintigraphie
    Keine moderne Kunst, sondern die Ergebnisse der Szintigraphie

     

    Die gute Neuigkeit ist jedoch, dass die Erkrankungen wie u.a. Hufrotation, Hufrolle und eine Verspannung im Iliosakralgelenk mithilfe orthopädischer Hufeisen weitestgehend in den Griff zu bekommen sind. Zudem haben wir Ladisha ab jetzt in einer Reitanlage mit Offenstallhaltung und ebenerdigen Weiden untergebracht. Viel Geduld und spezielle Trainingsmaßnahmen zum Muskelaufbau sind in den nächsten Monaten gefragt.

    Aber alles ist tausendmal besser als die finale Lösung, die anfänglich im Raum stand, zumal das Pferd erst 13 Jahre alt ist. So sind die Tränen jetzt getrocknet und wir mit unseren Gedanken wieder frei genug, um an neue Segelabenteuer denken zu können. Wir freuen uns sehr darauf.

  • Ausflug in Deutschland

    So fließt der Rhein
    So fließt der Rhein

    Um unsere Segelfreunde aus NRW zu treffen, machen wir uns am Freitag auf den Weg nach Düsseldorf. Wir wollen Petra und Volker und Ingrid und Detlef um 6 Uhr dort treffen. Nun wollen wir ja nicht in den A3-Freitags-Nachmittags-Stau kommen, also fahren wir am späten Vormittag los, und denken, dass wir staufrei dorthin kommen können. Das hat nicht ganz geklappt, bereits ab Dreieck Heumar gibt es den berühmten „Ruhrpott-Stau“, der sich später am Nachmittag bis Oberhausen ziehen wird.

    Das Schiff legt nicht ab!
    Das Schiff legt nicht ab!

    Volker ist noch entspannt genug, um nicht ganz schlimm zu fluchen, und wir schaffen es, bis 14 Uhr am Rheinufer zu sein. Beim Parken bekommen wir erst einmal einen Schreck, der Ordnungshüter, der dort nach den geparkten Autos schaut, fragt Volker nach seiner grünen Plakette, die klebt nämlich nicht an der Scheibe. Klar, die Frontscheibe war doch zweimal kaputt, irgendwo muss doch das blöde Klebeetikett sein. Wir haben das gar nicht bemerkt, weil ja das Auto lange in Frankreich stand.

    Fast wie im Sommer
    Fast wie im Sommer

    Da wir es auf die Schnelle nicht finden, fahren wir lieber in ein Parkhaus, und laufen dann zu Fuß zum Museum, um festzustellen, dass – natürlich – der Hund nicht mit rein darf. Egal, das Wetter ist eigentlich auch viel zu schön, wir schlendern entlang der Rheinterassen, das ist so schön dort, es gibt einen „Gosch“, das Sylter Fischrestaurant, andere Gastronomie und auf den Stufen unterhalb eines runden Turmes sitzen ganz viele Leute auf den Stufen und genießen die Sonne.

    Wer's mag…
    Wer’s mag…
    … und wer's bezahlen mag
    … und wer’s bezahlen mag

    Nach einem kurzen Besuch auf dem Markt am Carlsplatz suchen wir den Weg zur „Kö“, wir wollen auch einmal auf der berühmten Einkaufsstraße promenieren. Natürlich sind auch hier die großen Marken, die in Cannes auf der Croissette zu finden sind, teurer Schmuck und Designerklamotten.

    Am Abend nehmen uns unsere Freunde noch einmal mit in die Altstadt, wir essen im traditionsreichen Brauhaus, trinken einen Killepitsch bei dem berühmten Laden und bewundern die Lebendigkeit einer Großstadt. Dagegen ist unser beschauliches Darmstadt schon ein bisschen provinziell…

    Da geht's zur Deutschen Einheit
    Da geht’s zur Deutschen Einheit

    Am Samstag führen uns die Autobahnschilder zur „Deutschen Einheit“, denn die Feier findet dieses Jahr in Frankfurt am Main statt, das merkt man schon an dem Verkehr. Wir wollen uns nicht unter die Million mischen, sondern treffen Freund Wolfgang mit Familie in der „Schönen Aussicht“ im Stettbachtal. Es war – wie immer – großartig bis außerirdisch. Danke, George Kettmann!

    Die Nachrichten heute morgen haben uns beunruhigt: In Cannes und Umgebung hat es sintflutartige Regenfälle gegeben, Menschen sind in den Wassermassen gestorben. Was macht unser Boot? Wir telefonieren mit der Marina, und werden beruhigt, nein, es habe keine Schäden geben, wir sollten uns nicht sorgen. Leicht gesagt!

  • Kurzfristig verzogen

    Sonne, Sonne, Sonne, dazu ein kräftiger Ostwind, dazu ein strahlend blauer wolkenloser Himmel. So liegt sie da, die Rheinebene und so ist das Wetter seit Tagen. Buchstäblich ungetrübt. Uns zieht es zum Rhein hin, noch nicht zum Meer. Das Gernsheimer Fährhaus ist unser Ziel. Gute Gastronomie, gutes Bier, gute Aussicht. Silbrig glänzend spiegelt sich die Sonne im ruhig dahinströmenden Rhein.

    Eleonore Görges  / pixelio.de
    Eleonore Görges / pixelio.de

    Was auf dem Hinweg gefehlt hat, sind die sonst üblichen Störche auf den Feldern. Ein kurzer Blick ins Worldwideweb verschafft Klarheit. Der August ist längst vorbei und mit seinem Ende hat die Reisezeit für die ansonsten u.a. im hessischen Ried heimischen Störche begonnen. Afrika ruft umd diesem Ruf folgen die Aldebarane. Dabei stehen wohl traditionell zwei Flugrouten für diese Meister der Lüfte zur Wahl auf ihrer zweimonatigen Reise. Eine westliche und eine östliche Route. Die westliche Route führt über Portugal, Spanien und Gibraltar, dann der afrikanischen Westroute folgend bis nach Südafrika. Die östliche Flugroute führt die Störche über die Adria, die Türkei über den Bosporus und von dort aus weiter nach Afrika.

    Zwei Monate fliegen, immer auf der Suche nach Thermik, um Energie zu sparen, legen die Störche jeden Tag zwischen 150 bis 300 Kilometer zurück. Nebenbei dazu noch einige Mädels in die Waden zwicken, damit das mit dem Nachwuchs klappt. Was für eine großartige Leistung.

    Und im Mai werden die Störche die Felder und Rheinufer bevölkern. So wie jedes Jahr.