Wie man sich bettet…

IMG_0125… so liegt man, ist wohl ein alter, aber dafür umso bekannterer Spruch, fast jeder kennt ihn. Diese Lebensweisheit bedeutet, dass man so lebt, wie man selbst sein Leben gestaltet. Doch wir wollen das jetzt eher mal wortwörtlich betrachten, und unser Bett im Schifff unter die Lupe nehmen. Genauer genommen das Mikroklima, das in engem Zisammenhang mit der Luftfeuchtigkeit, der Matratzenunterlüftung, den menschlichen nächtlichen Ausdünstungen und dem sogenannten Taupunkt steht. Der Taupunkt bezeichnet die Stelle, an dem die Luft nicht mehr in der Lage ist, noch mehr Feuchtigkeit aufzunehmen, diese Feuchtigkeit kondensiert dann und wird als Wassertropfen sichtbar, das nur vorab.

Der  Mensch an sich schwitzt in der Nacht, zur Regulierung seiner Körpertemperatur sondern über zwei Millionen kleine Schweißdrüsen ca. einen halben Liter Flüssigkeit aus. Diese Flüssigkeit wird normalerweise von der warmen trockenen Raumluft aufgenommen und ist somit verschwunden. Anders auf dem Boot. Unsere Koje im Vorschiff ist relativ klein, unter unserer Matratze ist ein großer Hohlraum/ Stauraum, die Matratze liegt direkt oben drauf, ohne Lattenrost. Am Fußende grenzt unsere Vorschiffskoje direkt an den Ankerkasten und ist dort nicht isoliert. Das müsste unserer Erfahrung nach auch der kühlste Punkt an Bord und damit auch die Stelle mit dem niedrigsten Taupunkt sein. Nach jeder Nacht ist es dort unter unserer Matratze feucht, besonders, wenn es eben kühl ist, ein idealer Nährboden also für Schimmel und Spack. Damit es nicht schimmelt, müssen wir jeden Morgen konsequent unsere Matratzen hochstellen und erst  abends gehen diese wieder zurück auf ihre vollflächige Auflage. Auch eine hochvolumige Matratzenunterlage hat keine Besserung gebracht. Deswegen war es jetzt an der Zeit zu handeln. Schon länger ist die Idee gereift, einen Lattenrost selbst zu bauen. Cornelia hat noch am Tag vor unserer Abreise nach Deutschland unsere Lagerstätte fachgerecht vermessen und einen Grundriss angefertigt.

IMG_0126Als Grundlage für unser Bastelprojekt dienten zwei Lattenroste aus dem Matratzengeschäft, die wir einfach zersägt und zu rollbaren Lattenrosten umfunktioniert haben. Die Arbeit ging mit dem richtigen Werkzeug, adäquaten Unterlagen und dank Sebastian flott von der Hand und nach vier Stunden konnte sich das Resultat sehen lassen.

IMG_0127Damit das Ganze noch besser rollt, haben wir die Fläche geteilt und gleich zwei Roste hergestellt. Jetzt sollte das leidige Problem mit Feuchtigkeit unter unserer Matratze endgültig der Vergangenheit angehören ( wenn Cornelia richtig gemessen hat, aber daran wird wohl keiner zweifeln). Wir werden berichten!

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Wieder DA

Der Frühling kommt überall

Der Frühling kommt überall

Vor 11 Tagen hat Cornelia ein Leihauto organisiert für unsere geplante Heimreise nach Deutschland. Gewohnt flott ging es über die französischen Autobahnen nach Norden. Schon nach acht Stunden Fahrtzeit waren wir im Saarland, da komme ich her und dort wohnt noch meine Mutter. Und die Feier zu ihrem siebzigstem Geburtstag wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

Die Völklinger Hütte

Die Völklinger Hütte

Völklingen ist sicherlich keine Schönheit auf den ersten Blick, bietet aber einges an Industriegeschichte. das ehemalige Stahlwerk ist komplett erhalten und zu besichtigen. Gasgebläsehalle, Hochöfen, Handwerkergasse und Sonderausstellungen laden zu einer geführten, informativen Rundtour ein. Das Gesamtensemble “Stahlwerk” wurde zum Weltkulturerbe ernannt, die ehemaligen Arbeitsplätze dort sind seit 1984 endgültig Geschichte, aber jetzt finden dafür mehr und mehr Touristen ihren Weg nach Völklingen. Gut für die Stadt, gut fürs Saarland! Die Luft ist jetzt auch deutlich sauberer, früher lag meistens eine Dunstschicht über der Stadt. Wer also mal durch Saarland fährt und in der Nähe ist sollte, das alte Stahlwerk auf jeden Fall  besuchen.

Zwei echte Fans

Zwei echte Fans

Paparazzi am Rande des Spielfels

Paparazzi am Rande des Spielfels

Die 98 in Action

Die 98er in Action

Nach zwei Tagen war es dann an der Zeit, die Heimreise ins Rhein-Main-Gebiet anzutreten. Wir wurden liebevoll und herzlich von unseren Nachbarn und Freunden empfangen und waren seit unserer Ankunft jeden Abend unterwegs. Am Sonntag mussten wir direkt auf den Fußballplatz, das vorvorletzte Heimspiel der Lilien, der Fußballmannschaft der Darmstädter (ganz oben in der 2. Liga). Fast ein wenig Freizeitstress 😉

Baumblüte im Akaziengarten

Baumblüte im Akaziengarten

Unsere “Hexe” schwimmt wohlbehalten in ihrem Element, wartet wahrscheinlich ungeduldig auf neue Abenteuer, muss sich aber noch ein bisschen gedulden. Im Moment werden wir noch ein bisschen länger auf dem “Trockenen” bleiben. Deshalb wird es etwas seltener als gewohnt neue Berichte von uns geben. Wer möchte und noch nicht in unserem Mailverteiler drin ist, kann uns gerne eine Nachricht an mail@syhexe.de schicken. Wir senden dann eine kurze Rundmail, wenn unsere Reise weitergeht.

Südfrankreich scheint weit weg, unsere ersten acht Monate an Bord sind schnell vergangen. Wer schon etwas älter ist, kann sich an die köl’sche Rockband BAP und deren Erfolgshit “Fortsetzung folgt” erinnern. Und der Fortsetzung unserer Reise fiebern wir schon entgegen.

Im Moment zieht ein Tiefdruckgebiet  mit Starkwind durch Südhessen durch, es ist Ende April, das Thermometer zeigt kalte 10 Grad an, die Regentonne zur Gartenbewässerung füllt sich rasend schnell, die belaubten Bäume bieten tapfer dem Wind Paroli und Nico kuschelt auf dem Sofa.

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Auf zwei Beinen

IMG_4314Vor zwei Jahren haben wir spontan einmal einen Katamaran in Südfrankreich ausgeliehen, um zu sehen, wie das Segeln auf zwei Rümpfen, bzw.  zwei “Beinen” so ist. Und es war richtig gut, hat viel Spaß gemacht, schnelles Segeln ohne Schräglage, ohne Abstützen und es muss nicht alles penibel verstaut werden. Eben weil der Katamaran immer aufrecht segelt. Wir hatten ein sportliches Exemplar (eine Catana 47) gemietet, die von den Segelleistungen im allgemeinen wirklich nicht schlecht war. Bei 18-20 Knoten Windgeschwindigkeit lief das Schiff mit Großsegel und Gennaker schon mal 13 Knoten, einfach so. Ein echter Spaß.

IMG_4303Nur, man spürt die Geschwindigkeit nicht wirklich; dieses Gefühl, das der Franzose so präzise und  richtig als “Sensation des Segelns” beschreibt, geht leider ein bisschen verloren. Und das finde ich schade, ich mag es, wenn ich die Kraft des Windes deutlich spüre, wenn sie auf das Segelboot einwirkt, wenn der Druck des Windes sich in Schräglage und spürbare Geschwindigkeit verwandelt. Eben, wenn es zur “Sensation” wird, unsere Hexe zu steuern. Cornelia mag eher das ausgewogene Seeverhalten des Katamarans, den großen Lebensraum mit Rundumsicht, den Komfort, oder die Vorstellung, in den vorderen Netzen zu liegen und von dort aus Delfine beobachten zu können.

IMG_9796(Boots)-Ideale hin oder her, wir mögen unsere schnittige Hexe. Trotzdem haben wir die Gelegenheit genutzt, und sind kurzerhand zu einer „ In-Wasser-Katamaran-Messe” nach La Grande Motte gefahren und haben fast einen ganz Tag lang die schwimmenden Mehrrumpfer besichtigt. Das schöne an der Messe ist, dass nahezu alle 45 ausgestellten Katamarane ohne Standpersonal ausgiebig besichtigt, begutachtet oder bestaunt werden können. Und für uns als leidenschaftliche Segler ist das schon ein Highlight, so viele Schiffe besichtigen zu können. So vergeht der Tag wie im Flug, die Zeit schreitet voran und ehe wir uns versehen, ist schon wieder ein schöner Tag vorbei.

Für alle, die es noch interessiert: Während die Bootswerften in den letzten Jahren aufgrund schwindender Nachfrage weniger neue Schiffe, egal ob Motorboot oder Segelschiff, gebaut haben, ist die Nachfrage nach Katamaranen angestiegen. Im letzten letzten Jahr wurden über 1.000 Mehrrumpfer gebaut. Ob das wohl an der steigenden Zahl der segelnden Frauen liegt? 😉

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Sanitaires Affairs (sanitäre Angelegenheiten)

remeringVon Kindesbeinen an, durch die Jugendzeit hindurch und noch einige Jahre danach habe ich an einem französischen Binnensee segeln gelernt, später dort trainiert und zahlreiche Segelwettkämpfe (Regatten) bestritten. Wie viele andere saarländische Segelvereine auch, hat mein “Heimatverein”, der Segelclub Saar, kurz SC-Saar sein Vereinsgelände im benachbarten Lothringen/Frankreich. Der sogenannte Etang des Marais ist ein anspruchsvolles Segelrevier mit häufig wechselhaften Windbedingungen (bedingt durch Bäume und deren Windschatten), auf dem sich der ambitionierte Segler nach einer Weile jedoch gut zurechtfindet, taktisches Segeln erlernt, sein Bootshandling kontinuierlich verbessern kann,  kurzum ein ideales Einsteigerrevier. Neben allen für Segler notwendigen Einrichtungen, wie Steganlage, Slipbahn, Vereinshaus mit Duschen und WC, bietet das Vereinsgelände Platz für Zelte, Wohnwagen oder Wohnmobile. Der Segelclub Saar ist somit die ideale Anlaufadresse für segelbegeisterte Menschen, die gerne auf dem schön gelegenen Remeringer Weiher, im bezaubernden Lothringen, in angenehmer Gesellschaft segeln möchten. Link zum Segelclub Saar: http://www.sc-saar.de/

Neben dem abgeschlossenen Vereinsgelände gibt es einen Campingplatz, mit typisch französischem Ambiente, nicht mehr ganz modern, aber auch nicht verfallen, nicht ganz perfekt, aber dafür mit französischem Charme. Und da kommen wir zur Überschrift, diese sanitären Angelegenheiten, dieser stille Ort, an denen es jeden mal hinzieht, kurz gesagt das französische Toilettenhäuschen. Häufig haben nach meinem Empfinden diese absolut nichts mit „La Grande Nation” zu tun. Man fand früher schon Toiletten ohne Klobrille, verschmutzte Stehklos und Duschen, an die man sich nicht erinnern will.

IMG_4330 IMG_4337Und das war bzw. ist nicht nur auf dem Campingplatz so, sondern auch in dem riesigen Yachthafen von Cap d’Agde. Das Sanitärgebäude sieht aus, als wäre es Ende der 60er Jahre gebaut und seitdem nie wieder modernisiert worden. Zudem ist es so im Hafenensemble gelegen, dass, von manchen Liegeplätzen aus, mehr als ein Kilometer Fußweg dorthin zurückgelegt werden muss.

IMG_4335 IMG_4333Das war in Spanien noch ganz anders, viel moderner, viel sauberer, mit ordentlichen Toilettensitzen und zeitgemäß gepflegten Duschen. Die Liegegebühren für Schiffe sollten der Hauptgrund für den Renovierungsstau wohl nicht sein. Denn die liegen auch deutlich über spanischem Niveau.

pastis-oliveAber natürlich haben Frankreich, seine Einwohner und die nahegelegenen Sehenswürdigkeiten viel Charme, der auch uns anspricht. Vielleicht sind es der morgendliche Start mit frischem Baguette, knusprigen Croissants oder der abendliche Ausklang mit Pastis oder Vin rouge, die dieses französische Flair ausmachen.

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Jetzt glänzt sie wieder!

Das Heck ist poliert…

Das Heck ist poliert…

In einem Anfall von plötzlich auftretender Arbeitswut haben wir in den letzten beiden Tagen unsere “Hexe” so richtig auf Vordermann gebracht. Zuerst  wurde das Deck komplett gewaschen und gereinigt. Danach wird gründlich poliert (natürlich in feinster, schonender Handarbeit), damit auch noch die kleinste Kalkablagerung verschwindet, und zum krönenden Abschluss das Ganze mit Canubawachs in mühsamer Handarbeit auf Hochglanz versiegelt.

… und der Bug glänzt

… und der Bug glänzt

Komischerweise scheint das Boot bei der Art von Arbeit immer größer zu sein, als wenn es draußen auf hoher See von den Wellen wild von einer auf die andere Seite schaukelt. Da können zwölf Meter plötzlich ganz groß sein, aber egal, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nicht nur das Deck ist poliert, selbst das Edelstahl an unserem Zuhause auf Zeit sieht jetzt aus wie frisch aus dem Ei gepellt, und strahlt mit der Sonne um die Wette.

Die Schuhe müssen jetzt draußen bleiben…

Die Schuhe müssen jetzt draußen bleiben…

Cornelia war auch richtig fleißig und hat drei große Industriewaschmaschinen zu jeweils sieben Kilogramm bis obenhin prall gefüllt. Danach hat die Wäsche an einer 30 Meter lang gespannten Wäscheleine im leichten Wind geflattert und war in einer rekordverdächtigen Zeit getrocknet, zusammen gelegt und in den Schränken verstaut. Morgen nehmen wir uns das Schiffsinnere vor. Das Holz will poliert werden, und die Fenster geputzt. (Danach bin ich mit Bus, TGV, Straßenbahn und wieder Bus zum Flughafen Montpellier gefahren, um ein Leihauto abzuholen, das war eine schöne gemütliche Reiseeinlage.)

Heute Abend hatten wir interessante Gäste an Bord.
Zu einem Joanna, die als Diplomatentochter in China geboren wurde, in Argentinien und England ihre frühe Kindheit verbrachte, kurz danach nach Panama und nach dem heutigen Bangladesch umziehen musste. Aber auch als Erwachsene hat sie ihren Lebensmittelpunkt oft gewechselt und einige Jahre in Kanada, Spanien, Portugal, wieder Panama und Frankreich gelebt, bis sie schließlich in England sesshaft wurde. Und zu ihrer bewegten Geschichte passend, ist sie selbständig und renoviert Häuser vom Keller bis zum Dach, als Selbstständige, in Bristol/England. Zwei Monate arbeitet sie am Stück und reist dann 2 Wochen mit ihrem kleinen Motorboot auf den hier angrenzenden Seen, Kanälen und in den Küstenregionen. Das ist ihr Lebens-/Jahresrhythmus, in einem Jahr wird sie 60 Jahre alt.

David ist schon 60, stolzer Vater von zwei erwachsenen Jungs, im Ruhestand und seit 10 Monaten, ebenfalls allein, mit seinem Segelboot unterwegs. Er hat als Ingenieur u.a. einge Jahre in São Paolo/Brasilien gearbeitet und ist beim Erlernen der portugiesischen Sprache zufällig zum Segeln gekommen. Er kaufte sich damals ein Buch aus der brasilianischen Bestsellerliste, das das das Leben einer brasilianischen Weltumseglerfamilie beschrieb. Dabei ist der Segelvirus wohl übergesprungen und David hat segeln gelernt, sein Boot gekauft und erste Reisen damit unternommen. Sein Weg bis Cap d’ Agde war der gleiche wie unserer, auch zur etwa gleichen Zeit, mit nahezu den gleichen Häfen, doch bisher haben wir uns noch nicht gesehen. David übt seit einiger Zeit fleißig Gitarre, liest unendlich viel und freut sich über seine neugewonnene Freiheit.

Dass man soviel nette Menschen beim Segeln kennenlernt, ist das buchstäbliche Salz in der Suppe (Danke Ralf für diesen Satz, der immer wieder zutrifft!)

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Der große Friedhof der heutigen Schiffe…

ganz arm

ganz arm

…liegt in Südfrankreich und um ganz präzise zu sein, dicht bei dem kleinen Ort Port St. Louis. Eigentlich assoziieren Segler oder geschichtskundige Menschen mit dem Friedhof der Schiff eher die berüchtigte Region um Kap Hoorn, also den südlichsten Zipfel Südamerikas, wo tatsächlich zahlreiche segelnde Handelsschiffe in den aufgewühlten Fluten des Pazifiks mit Mann und Maus untergegangen sind.

L'aventure - das Abenteuer ist vorbei

L’aventure – das Abenteuer ist vorbei

Aber eines ist sicher, wer jemals in seinem Leben die Stellfläche für ausrangierte Segelschiffe (Trockenhafen) in Port St. Louis betreten und gesehen hat, wird den Anblick dieser ehemaligen Schönheiten der Meere nicht mehr los. Egal, ob große oder kleine Segelyachten, ob aus Aluminium, Kunststoff oder Stahl gebaut, sie alle warten dort auf ihr se(e)liges Ende. Teilweise zugemüllt, verdreckt oder verlottert, verbastelt, von der Witterung zerstört, stehen sie da, diese Objekte früherer Träume.

Das war wohl mal eine "Utopie", jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden

Das war wohl mal eine “Utopie”, jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden

Es stellt sich sofort die Frage, wem diese Schiffe gehören, warum der Traum unter Segeln geplatzt ist, oder ob der Eigner das Interesse an seinem Schiff verloren hat, oder ob dieser krank geworden – oder gar gestorben ist? Fragen über Fragen, aber beim Anblick von soviel Schiffsmüll sinkt unser Stimmungsbarometer mal ganz schnell auf den Gefrierpunkt. Und nicht nur uns geht dieser traurige Anblick an die Nieren, auch Jens und Martina, die mit uns zusammen diesen Schrottplatz besichtigt haben, sind ziemlich geknickt.

Die Markthallen

Die Markthallen

Fast wie in New York

Fast wie in New York

Wie es überhaupt zu unserem Besuch in Port St. Louis kam, ist eigentlich eine ganz andere Geschichte. Wir, Cornelia und ich, haben ein Auto gemietet, um die Umgebung hier ein wenig zu erkunden. Gestern hat es uns in die mittelalterliche Stadt Beziers verschlagen.

Die Kathedrale von Beziers

Die Kathedrale von Beziers

Christo an der Kathedrale?

Christo an der Kathedrale?

Der Stadtkern mit Altstadt, Kathedrale, Festung, Brunnen und einer traumhaften Aussicht über das grün blühende Tal liegt auf einer Anhöhe. Die silber glänzende Wasserader des Canal du Midi windet sich an der unteren Stadtmauer entlang, verliert sich erst in weiter Ferne. Zudem gibt es an diesem sonnigen Samstag noch drei Hochzeiten, mit fröhlichen frisch getrauten Eheleuten und umherstehenden Gästen. Wir haben viel Spaß an allem.

Der Knöterich blüht an der alten Festungsmauer

Der Knöterich blüht an der alten Festungsmauer

Der großartige Blick vom Hügel dieser mittelalterlichen Stadt hat bestimmt bei der Verteidigung geholfen

Der großartige Blick vom Hügel dieser mittelalterlichen Stadt hat bestimmt bei der Verteidigung geholfen

Bereits einen Tag früher saßen wir bei einem Gläschen und dachten darüber nach, Martina und Jens von der „Maje“ einen “letzten”  Besuch abzustatten. Die beiden verlassen mit ihrem Schiff das Mittelmeer und warten in Port Napoleon auf den bestellten Tieflader, der ihr Boot und sie selbst in den nächsten Tagen nach Holland transportieren wird.

Zur Besuchsplanung haben wir dann kurzerhand das nautische Navigationsprogramm statt der Straßenkarten herangezogen und den Weg dorthin abgesteckt. Leider hat sich dann später herausgestellt, dass die Strecke über die Straße, wegen der Umfahrung der riesigen Bucht mit ihrer Lagune doppelt so lang ist, wie der direkte Weg mit dem Schiff.

Trotzdem sind wir heute frohgelaunt und guten Mutes mit unserem kleinen Franzosen (Renault Clio) aufgebrochen uund waren 180 Kilometer bzw. zwei Stunden später in Port Napoléon. Dort angekommen haben wir alle Neuigkeiten der letzten Tage ausgetauscht und wurden noch alle zum Kaffee auf ein sehr schönes luxemburgisches Boot eingeladen. (Danke dafür an die  stolzen Eigner). Danach sind wir zu viert plus Nico zu einem Ausflug aufgebrochen, der uns geradewegs zu dem oben beschriebenen Schiffsfriedhof geführt hat.

Wir haben viele Photos von den besuchten Orten gemacht, davon die Besten ausgesucht und wünschen viel Freude (oder Horrorkribbeln?) beim Anschauen.

ein Eimer Farbe genügt nicht…

ein Eimer Farbe genügt nicht…

fantasievolle Bemalung

fantasievolle Bemalung

Teile eines Monster-Trimarans, der wohl nie fertig werden wird

Teile eines Monster-Trimarans, der wohl nie fertig werden wird

rostige alte Ölfässer als Unterlage für einen Mast

rostige alte Ölfässer als Unterlage für einen Mast

Da hat einer am Heck schon Vogelhäuschen angebaut

Da hat einer am Heck schon Vogelhäuschen angebaut

Manche wohnen auch auf diesem Schrottplatz

Manche wohnen auch auf diesem Schrottplatz

Die hat auch schon bessere Zeiten gesehen

Die hat auch schon bessere Zeiten gesehen

Das war wohl mal eine "Utopie", jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden

Das war wohl mal eine “Utopie”, jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden

Auch dieser  Schmetterling fliegt nicht mehr

Auch dieser Schmetterling fliegt nicht mehr

Traum in braun?

Traum in braun?

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Die entfesselte Hexe

09.03.2015, Baro 1016, sonnig, leichter Wind später Sturm bis 8 Beaufort
Estartit 08:20 – Cap d’Agde 19:30, 80 sm

Die Maje läuft aus

Die Maje läuft aus

Ich wache rechtzeitig auf, um der Maje zu winken, die sich auf die Fahrt nach Port Napoleon machen, 120 Meilen liegen vor ihnen. Wir legen auch bald danach ab, noch ist wenig Wind, und wir treiben gemütlich über kristallklares Wasser. Dann muss der Motor mitschieben, bei zwei bis drei Knoten Wind von hinten ist das nicht mehr schön.

Um 10:00 Uhr sieht man, wie sich die Wasseroberfläche kräuselt, es kommt Wind, wir setzen den Spinaker. Eine Stunde später sind es über zwanzig Knoten, die Logge zeigt schon mal über neun Knoten Fahrt an, der Spi muss wieder runter. Ab 18 Knoten wahrem Wind wird bei uns der Spinnaker wieder eingeholt, zu groß sind die Kräfte, die auftreten, bei 150 Quadratmetern Segelfläche.
Aber auch nur mit ausgebaumter Fock und Großsegel machen wir locker sieben bis acht Knoten Fahrt. Den Wind von hinten und die Sonne im Cockpit, ein Gefühl von Sommer. Es kommt immer mehr Wind, und Volker refft die Fock. Wir beschließen, nicht nach Canet-en-Roussillon zu fahren, sondern noch zwanzig Seemeilen weiter nach Gruissan. Dazu müssen wir halsen, und reffen vorher schon mal das Großsegel, denn der Wind hat auf über vierundwanzig Knoten zugenommen.

Und dann frischt es schnell immer weiter auf. Mannomannomann! Der Windmesser pendelt bei 30 Knoten und klettert auch schon mal auf 35, das ist Windstärke 8.
Zuerst wird das Boot immer schneller, fast immer über 10 Knoten und in einigen spektakulären Surfs werden die 15 Knoten überschritten. Volker refft die Fock auf ein handtuchgroßes Stück. Nachdem der Großbaum das dritte Mal im Wasser war, kommt auch das 2. Reff ins Großsegel. Vor dem Wind zu reffen ist nicht ganz einfach und kostet viel Muskelkraft, aber jetzt in den Wind zu fahren, würde das komplette Chaos auslösen und wir hätten die perfekte Salzwasserdusche. Und mit ein paar kleinen Tricks und Kniffen ist diese Art der Segelreduzierung ganz praktikabel! Mit den zwei Reffs im Groß und der kleinen Fock sind wir immer noch rasend schnell.

Und jetzt bauen sich auch die Wellen auf eine respektable Höhe auf. Volker hat natürlich wieder seinen Einsatz: Er jauchzt vor Freude, wenn die Hexe die Wellen hinunter surft, schneller und immer schneller wird. Selbstverständlich muss auch die GoPro heute wieder arbeiten, den Film dazu gibt es hier zu sehen. Wenn die Hexe lossurft, wird zuerst das Heck von der Welle angehoben, der Wind drückt in die Segel, das Schiff beschleunigt, wird immer schneller und rast dem vorhergehenden Wellental entgegen. Ein magischer Moment! Ist der Surf vorbei, spürt man förmlich die Welle unter dem Boot entlang laufen, so ein bisschen wie Schlittenfahren durch Neuschnee, zu den Seiten spritzt das Wasser weg, und am Heck gurgelt laut rauschend das zurückströmende Wasser. Unser Top-Geschwindigkeit: 18,5 Knoten SOG ( Speed over Ground).

Nico ist nicht ganz so begeistert, ihm machen die wilden Bewegungen eher ein bisschen Angst. Das kann man aber auch verstehen, er weiß ja gar nicht, was das alles bedeutet, dieses Gewackel und das Heulen des Windes.

Bei dieser Wellenhöhe scheint uns die Einfahrt nach Gruissan nicht ideal zu sein. Ich telefoniere mit der Capitainerie, die meinen, dass man reinfahren könne, aber Volker gefällt die Einfahrt auch nicht, und so suchen wir eine Alternative. Cap d’Agde würde sich anbieten, da ist noch eine Insel vor der Einfahrt, es sind aber auch nochmal 20 Seemeilen mehr. Wir rechnen damit, dass der Wind abends nachlässt, uns der Kurs auf Steuerbordbug aus dem stürmischen Sektor herausbringt und das damit einhergehend die Wellenhöhe abnimmt. Ich rufe dort bei der Capitainerie an und die Antwort von dort bestätigt unsere Erwartungen. Wir setzen unseren Kurs ab nach Cap d’Agde.
Nach weiteren drei Stunden anspruchsvollen Segelns nimmt tatsächlich der Wind ein bisschen ab, wir können in kleinen Schritten wieder ausreffen. Um 18:30 Uhr sind wir wieder mit voller Seegelfläche unterwegs. Der Wind weht nur noch mit zehn bis zwölf Knoten.

Cap d’Agde ist gut zu sehen, der massive große Leuchtturm auf dem Felsen, mit demschwarz-gelbem Gefahrenzeichen davor, zeichnet sich gut vorm Horizont ab. Kurz darauf passieren wir die Hafeneinfahrt, bergen die Segel, starten den Motor und bereiten Fender und Leinen zum Anlegen vor. 19:30 Uhr sind die Leinen fest an dem Steg vor der Capitainerie. Was für ein Tag!

Danach folgt noch ein bisschen Routine, die Segel werden ordentlich aufgeklart, die Leinen hübsch aufgeschossen (in Buchten gelegt), das Landstromkabel wird angeschlossen, das ganze Schiff wird mit dem Wasserschlauch entsalzt und ich gehe natürlich direkt mit Nico spazieren.

Dann lassen wir den Segeltag Revue passieren, trinken ein Anlegebier, kochen etwas, das schnell geht und fallen müde in unsere Kojen. Denn bei solchen anspruchsvollen Wetterbedingungen ist Segeln zwar reizvoll, aber auch sehr anstrengend!

Es grüßen der Skipper und die Capitania

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Sonne, Felsen, Wald und mehr

07.03.2015, Dienstag, Baro 1024, sonnig, Wind Nord 4-5
Puerto Blanes 09:00 – Estartit 16:00 37 sm

Glücklicherweise wirft mich der Hund früh raus, so haben er und ich die Gelegenheit, den kleinen Ort Blanes zu erkunden, dessen schönste Seite die Strandpromenade ist, mit zahlreichen Restaurants. Der Strand erstreckt sich unendlich weit nach Süden, wir gehen nur bis zu dem großen Felsen, dann kehren wir um und laufen durch die Stadt zurück zum Hafen. Es gibt sogar eine Fußgängerzone mit einem Calzedonia-Laden, vielen Cafés und Banken. Auch das Rathaus passieren wir, aber es gibt kaum wirklich schöne Häuser.

Nico, halbgekentert im Körbchen

Nico, halbgekentert im Körbchen

Kaum bin ich wieder an Bord, Nico auch, nicht ohne kurz zuvor noch mit dem holländischen Hund zu spielen, da will Volker ablegen. Wir rufen den Marinero, denn der hat sich gestern, sozusagen als Unterpfand, unsere Schiffspapiere geben lassen, bezahlen 30€ für die Nacht, und legen ab. Der Nordwind ist kühl, das Termometer zeigt mittags um zwölf tatsächlich zwölf Grad, aber am Steuerrad im Wind fühlt sich das noch deutlich kühler an. Dafür gibt es heute zunächst keine Wellen, das Land hält sie ab, das Wasser ist ruhig und wir segeln hoch am Wind, soweit uns die Segel tragen…

IMG_4085Die Landschaft ist schön, leicht hügelig, und abwechslungsreich. Schöne kleine Orte und Häuser auf den Hügeln tauschen mit doofen Hochhausketten am Strand.
13:00 Uhr, Baro gestiegen auf 1027, der Wind hat pünktlich auf Ost gedreht, uns passt das genau, denn jetzt fahren wir 20 Grad Richtung Estartit. Nach der Wende ist die Sonne schön im Cockpit, der Wind hat auch ein bisschen nachgelassen, wir konnten die Fock ausreffen.

Burg und Leuchtturm auf einem Felsen

Burg und Leuchtturm auf einem Felsen

Um 14:00 Uhr ist der Wind so schwach geworden, dass der Motor mitschieben muss, eine gute halbe Stunde lang, dann reicht es gerade so zum Segeln, und wir dümpeln die letzten sechs Meilen an dieser wunderschönen Costa brava entlang. “Brava” heißt “wild, feurig” und so sind viele der Buchten, mit scharfkantigen Felsen, bewaldeten Hügeln, dünn besiedelt mit ein paar Häusern und großen Hotels, oft in exponierter Lage oben auf einem solchen Felsen.
In Estartit erwarten uns Martina und Jens von der Maje, die hier schon seit einer Woche “Urlaub” machen, denn bisher war der Wind viel zu stark, um über den Löwengolf, den Golfe du Lion zu segeln. Wir freuen uns alle sehr, dass wir uns noch einmal sehen, bevor die beiden nach Norddeutschland zurück müssen. Und wir haben noch mehr Glück, denn Jens hat ja ausgesprochen gut sortiertes Werkzeug und entsprechende Schrauben etc., sodass sich die beiden Männer an die Reparatur unserer Rollanlage machen. Volker zieht Jens in den Mast, damit der dort das Profil am Vorstag wieder zusammensetzen kann, das geht auch ganz fix, und dann kommt das Gepussel, um die richtigen Schrauben an der richtigen Stelle so zu fixieren, dass die Rollanlage wieder funktioniert. Gut, dass es inzwischen lange hell ist, denn es wird nach sieben Uhr, bis alles fertig ist. Zum Dank laden wir die beiden zum Essen ein, wir gehen in ein kleines Lokal im Ort, wo auch gerade eine Hochzeitsgesellschaft feiert, und bekommen leckeres spanisches Essen und Trinken für kleines Geld. Hier nochmal vielen Dank an Jens!

Die Kraxelei wir mit einem großartigen Blick belohnt

Die Kraxelei wir mit einem großartigen Blick belohnt

… auch über den Hafen

… auch über den Hafen

Ich verbringe den nächsten Vormittag mit Korrekturlesen am Computer, Volker bleibt lieber aus der Sonne, er hat sich die beiden letzten Tage ganz schön die Nase verbrannt. Nachmittags laufen wir mit Martina und Jens zu einem kleinen Hochplateau über dem Ort Estartit, man muss ganz schön kraxeln, die Wege sind oft von gefallenen Bäumen versperrt. Nico findet den Ausflug großartig, er hat ja auch einen Allradantrieb. Oben werden wir mit großartiger Aussicht entschädigt.

Die Blätter sind weich und faserig

Die Blätter sind weich und faserig

Und die Blüte ähnelt der einer Rose

Und die Blüte ähnelt der einer Rose

Der Pfad führte durch Pinienwälder, die wunderbar rochen, und auf dem Plateau wachsen Rosmarinbüsche, soweit das Auge reicht, durchmischt mit kleinen Stauden, die rosa Blüten haben wie Wildrosen, aber die Blätter fassen sich an wie Salbeiblätter.

 

Thymian

Thymian

Rosmarinbüsche everywhere

Rosmarinbüsche everywhere

Wir entdeckenTymianpflanzen, davon kommt heute Abend etwas an den Salat, und der Rosmarin wird das Fleisch würzen.

Die Iles de Medes, ein Naturschutzgebiet, und ein Tauch-Eldorado

Die Iles de Medes, ein Naturschutzgebiet, und ein Tauch-Eldorado

Am Ende des Plateaus schaut man nach rechts über den Ort und den Hafen, und links liegen die Iles de Medes, ein Naturschutzgebiet, das ein Tauchparadies sein muss, denn selbst jetzt, außerhalb der Saison, fahren täglich mehrere Tauchboote dorthin. Das waren wirklich wunderbare Aussichten, im wahrsten Sinne des Wortes!

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Barcelona, adios

06.03.2015, Ostermontag, Baro 1018, bedeckt, später sonnig, 10 Grad, Wind Nordost 3 – 5
Barcelona 09:00 – Blanes 18:00, 44 sm
Allegra und Löwi fahren um halb neun mit dem Taxi zum Flughafen, es war eine wunderschöne Zeit, und ich war froh, die beiden über Ostern bei uns zu haben. Wirl egen auch bald danach ab, motoren ein Stück aus dem Hafen und setzen noch in der Einfahrt die Segel. Als er das Vorsegel ausrollt, wundert sich Volker schon, warum es so schwergängig rollt. Wir wenden auch bald, damit wir nicht in das Verkehrstrennungsgebiet vor Barcelona einfahren, und kurz danach ruft Volker mich raus, weil er gesehen hat, dass an der Furlex-Rollanlage Schrauben losgegangen sein müssen, denn die ist ganz komisch am Vorstag nach oben gezogen. Mit Bangen rollen wir die Fock weg, glücklicherweise funktioniert es noch, vorher hat Volker Fotos gemacht, die ich eben mal an Ralf “Malwieder” schicke, unseren Ferndiagnostiker in Bootsbaufragen, damit Volker ihn um Rat bitten kann. An dieser Stelle ein großer Dank an Ralf und Inge für die kompetente Hilfe!
Im Internet finden wir heraus, dass es in Puerto de Mataró und in Balís Seldén-Händler gibt, die hoffentlich die Reparatur machen können. Also motoren wir jetzt nach Mataró, einen Liegeplatz habe ich schon angefragt. Die Wellen sind sehr unangenehm, immer wieder haut die Hexe in sie hinein, und alles scheppert. Das ist so das Motoren, das ich gar nicht mag… (Und der Nico auch nicht, aber der schläft jetzt).
Volker hat nachgedacht, und will probieren, die fehlende Schraube während der Fahrt einzudrehen, damit wir noch nicht in den Hafen müssen und ein bisschen mehr Strecke machen können. Wir lassen die Fock ab, und er schaut sich das Malheur genauer an, als er plötzlich sieht, dass das Fockfall beim Bergen am Schäkel abgerissen ist, und frei in der Luft rumschwingt. Wir versuchen, es zu packen, aber es ist schon zu hoch gerutscht. Also nehmen wir doch Kurs auf Mataró, um in Ruhe zu reparieren.
Dort halten wir an der Pier, volker zieht mich hoch, und ich bekomme das Fall zu packen, dann schneiden wir den bösen Schäkel ab, denn der hat seinen Bolzen verloren, und knoten das Fall, nach dem Vorbild des Spifalls fest. Zu zweit finden wir heraus, wie dieser komische Knoten geht, von dem wir noch nicht einmal den Namen wissen, aber es scheint zu funktionieren.
Jetzt muss die Fock wieder nach oben, aber irgendwo klemmt was, und als wir nach oben schauen, sehen wir, dass die Nut auch oben auseinander gegangen ist. So kann man die Fock nicht hochziehen. Also muss Volker in die Mastspitze, das ist mir zu hoch, und wir bitten einen vorbeifahrenden Radfahrer, uns dabei zu helfen, in der Hoffnung, dass Radfahrer kräftig sind. Aber auch er kann Volker nicht hochziehen, also winschen wir ihn gemeinsam nach oben. Das geht erstaunlich gut, und nach einer weiteren halben Stunde ist auch die Fock oben, und Volker kann wieder runterkommen. Wir bedanken uns bei dem Radfahrer, der weder Wasser, noch Bier oder Wein annehmen mag, er habe gerade mit dem Trinken aufgehört, sagt er. Wir räumen kurz auf und legen um 13:30 Uhr wieder ab.
Jetzt heißt es aber richtig kreuzen. Der Wind nimmt weiter zu, hat in Böen schon mal über zwanzig Knoten. Er kommt leider immer noch genau von daher, wo wir gerne hinwollen, und die Wellen bauen sich auf über drei Meter auf. Nico bleibt meistens in seinem Körbchen, gut geschützt bei uns liegen, aber für uns ist es ziemlich anstrengend, Volker steuert die meiste Zeit, aber jede Bewegung erfordert Muskelkraft und das Ab- und Aufsteigen nach unten zur Navigation oder so ähnelt einer Bergbesteigung.
In Puerto Blanes werden wir von freundlichen Marineros empfangen, ein ganz neu angelegter Hafen, mit sehr hohen Betonstegen, Strom, Wasser, alles, was das Seglerherz begehrt nach einem langen Tag auf dem Meer. Volker spritzt das Boot ab, um das Salzwasser abzuwaschen, ich führe den Hund aus, erkunde ein bisschen die Gegend, es ist ein netter kleiner Ort mit einem hohen Felshügel, den wir nach dem Abendessen an Bord halb besteigen, um bald danach müde ins Bett zu fallen.

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Barcelona – mi amor

Ostern in Barcelona

Ostern in Barcelona

Am Sonntag, dem 31. März sind wir hier angekommen, morgen, Montag, am 6. April, werden wir wohl weiter segeln. Allegra und Leonard sind zu Besuch über Ostern bei uns, und wir haben uns redlich bemüht, viele Facetten dieser faszinierenden Stadt kennenzulernen. Aber Barcelona ist so groß und voller Sehenswürdigkeiten, es gibt über dreißig Museen, ich weiß nicht wie viele Kirchen, Theater, Parks, Statuen, etc., dass man wirklich gar nicht alles in so kurzer Zeit anschauen kann.

In der Altstadt sind die Gassen eng

In der Altstadt sind die Gassen eng

Am Mittwoch, dem Tag der Ankunft der Kinder, waren wir abends mit ihnen in der Altstadt in einer kleinen Tapasbar, dort durfte auch Nico mit rein. Da gab es köstliche kleine Spezialitäten zum Bier oder zum Wein, und am Ende bekam Volker noch einen Setzling eines Basilikum-Pflänzchens geschenkt. Dem mussten wir dann erst einmal ein Gefäß besorgen, dafür haben wir, schneller als geplant, ein Glas mit Silberzwiebeln geleert und zudem brauchte das Gewächs Erde. Die hat Allegra aus einem Blumenbeet hier am Hafen besorgt, und jetzt hegen und pflegen wir die kleine Pflanze, mal sehen, wie ihr das Segeln bekommt.

Ein Mittagssnack nach langer Stadt-Wanderung

Ein Mittagssnack nach langer Stadt-Wanderung

Am Gründonnerstag folgten ausgedehnte Spaziergänge durch die wirklich hinreißenden Gassen und Plätze der Altstadt, auch dort waren wir natürlich nicht allein, aber es war noch nicht wirklich überfüllt. Es gibt natürlich alle Ketten-Läden, und besonders Desigual, der Modeladen, scheint omnipräsent, mit vielen Ladenlokalen in der Innenstadt zu sein. Aber es gibt auch pfiffige kreative kleine Läden, mit schönen Keramikarbeiten oder ein Geschäft, in dem man sich seine Schuhe aus den Einzelteilen Sohle, Bänder und Schnallen selbst zusammenstellen kann. Glücklicherweise gibt es auch kleine Cafés und Bars, in die man sich zu einer Pause zurückziehen kann.

Für das Abendessen hatte Volker schon bei einem Spaziergang ein entzückendes kleines Restaurant ausgesucht, das hervorragendes, sehr gesundes Essen bot, ebenfalls eher in Tapas-Form. Wir verbrachten dort einen sehr schönen Abend in ausgesprochen angenehmer Atmosphäre.

IMG_3970Wir haben uns immer ein bisschen vom Wetter leiten lassen, waren am Karfreitag bei strahlendem Sonnenschein am Strand, denn Allegra und Leonard mussten unbedingt ins Meer abtauchen. Dabei waren sie durchaus nicht allein, es gab einige mehr oder weniger ausdauernde Schwimmer, trotz der 14 Grad Wassertemperatur. Aber die meisten Menschen saßen auf dem warmen Sand, ja, tatsächlich, der Strand war voller Leute.Es kamen leider ununterbrochen Verkäufer vorbei, die „Beer, Cerveza, Bier“, oder „Mojito, Caipirinha“ oder „Massage, Massaje“ oder Strandtücher an verkaufen wollten. Das war schon ein bisschen nervig. Die Cafés und Restaurants im Carrer de Sant Carles, das direkt zwischen Strand und Hafen liegt, und ein ganz entzückender Stadtteil ist, waren so voll, dass Volker lieber eine Paella an Bord gekocht hat.

Der Kirchturm von Santa Maria del Mar, die "Kathedrale der  Armen"

Der Kirchturm von Santa Maria del Mar, die “Kathedrale der Armen”

Ein Turm hnter der Kathedrale von Barcelona

Ein Turm hnter der Kathedrale von Barcelona

Der Eingang zur Kathedrale am Ostersamstag, mit Menschenschlange

Der Eingang zur Kathedrale am Ostersamstag, mit Menschenschlange

Typisches Gehsteigmuster

Typisches Gehsteigmuster

Ostersamstag haben wir uns noch einmal an der Altstadt versucht, da musste man schon die Gassen suchen, die ein bisschen neben den Haupt-Touristenrouten lagen, denn in den anderen Straßen war es so voll, dass man nur ganz langsamen Schrittes vorankam. An der Kathedrale standen die Touristen Schlange, und auch in den anderen Kirchen waren die Eingänge voller Menschen.

Ein Gaudí-Bau in einer kleinen Seitenstraße

Ein Gaudí-Bau in einer kleinen Seitenstraße

Die Casa Batlló von Gaudí entworfen

Die Casa Batlló von Gaudí entworfen

Antoní Gaudí (1852-1926) war ein großartiger Architekt und Künstler, der Barcelona massgeblich mit seiner Architektur und Kunst geprägt hat. An ihm kommt man in Barcelona nicht vorbei, die Stadt ist voll von seinen Gebäuden, Skulpturen, Parks, der Sagrada Familia, einer großartigen Basilika, und, sozusagen, seiner Lebensaufgabe. Seine Werke haben, ebenso wie die Stadt Barcelona, einen Hang zum Monumentalen, aber auch die Detailverliebtheit auf der andere Seite vereint die Stadt und ihren Künstler.

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Die Arkaden im Parque Güell

Die Arkaden im Parque Güell

Am Ostersonntag haben wir uns zu einem großen Marsch aufgemacht, wir wollten die fünfeinhalb Kilometer zum Park Güell laufen, ein Park, den Gaudí auf Veranlassung seines Gönners, des Industriellen Eusebi Güell entworfen und gebaut hat. Auch hier war der Weg das Ziel, er führte uns, vorbei an der Altstadt, durch großzügig angelegte Stadtviertel mit riesigen Parks und großen breiten Straßen, mit schönen Häusern, kurz, trotz über 20.000 Schritten, die wir zurückgelegt haben, war es nie langweilig.

Die Schlange an der Kasse beim Park war gar nicht so lang, wie ich erfreut feststellte, aber die Freude war kurz, denn eine freundliche Frau informierte die Wartenden, dass die Karten, die man jetzt, um 13:00 Uhr kaufen kann, für eine Besichtigung der Monumente um 18:00 Uhr gelten. Aber im restlichen Park konnten wir auch so herumlaufen, nur dass das ungefähr auch gefühlt 10.000 weitere Menschen taten.

Die Sagrada Familia gibt es wohl nicht ohne Gerüst

Die Sagrada Familia gibt es wohl nicht ohne Gerüst

Beim Rückweg haben wir noch einen Umweg in Kauf genommen, um die Sagrada Familia, eine von Gaudí entworfene Kirche zu sehen, die immer noch eingerüstet ist, weil sie, mehr als neunzig Jahre nach Gaudís Tod, immer noch nicht fertig gestellt ist. Wir waren vom vielen Laufen hungrig und durstig, und dachten, es sei eine gute Idee, vor dem langen Weitermarsch (denn an eine Besichtigung musste man heute auch nicht denken), uns ein bisschen zu stärken, großartiger Platz, mit Blick auf die Basilika. Das mussten wir bei der Abrechnung büßen, die Preise waren gegenüber dem Rest der Cafés exponentiell in die Höhe geschossen (neun Euro für ein Bier), aber wann sitzt man auch schon mal vor so einer Kulisse.

Es gibt auch einen Triumphbogen

Es gibt auch einen Triumphbogen

Überall in den Parks sitzen Menschen, führen Hunde, Kleider, Kinder aus, und genießen den Feiertag, es herrscht eine freundlich-fröhliche Atmosphäre insgesamt. Wir werden gerne wieder nach Barcelona kommen, nicht unbedingt am Osterwochenende, eher außerhalb von solchen Feiertagen.

Selbst das Schild sieht aus, als hätte Gaudí es entworfen

Selbst das Schild sieht aus, als hätte Gaudí es entworfen

Außerhalb der Altstadt …

Außerhalb der Altstadt …

… sind die Straßen breit …

… sind die Straßen breit …

… und lang

… und lang

wunderschöne Erker an einem Wohnhaus

wunderschöne Erker an einem Wohnhaus

am Park Güell

am Park Güell

auch sehr schön

auch sehr schön

Auch der Bahnhof ist ein architektonisches Kunstwerk

Auch der Bahnhof ist ein architektonisches Kunstwerk

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