Spannend

Kurz vor Sonnenaufgang sind wir unterwegs

Segelspaß geht anders, das beschreibt dann insgesamt schon den gestrigen Montag, an dem der Wind nicht so richtig aus den Puschen kommen wollte. Fast so wie ein Montag im Arbeitsleben, die schönen Erlebnisse des Wochenendes wirken noch nach, und auf den Start der neuen Arbeitswoche, den Arbeitsalltag hat man eigentlich (noch) gar keine Lust. So scheint es es dem Wind auch ergangen zu sein, Sonntag hat er noch kräftig geweht, gestern war mehr als ein laues Lüftchen, hin und wieder, nicht drin. Deshalb dröhnten bei uns die eisernen Segel in den Motorkammern fast ununterbrochen, abgesehen von einigen Segelversuchen, mehr als 10 gesegelte Meilen von über 80 Tagesmeilen waren nicht rauszuholen.

Der Skipper ist beschäftigt

Die Strecke bis zum französischen Dunkerque, entlang der belgischen Küste sind wir mit unseren früheren Booten, bei damaligen Urlaubsreisen unzählige Male gesegelt. Die belgischen Häfen haben wir alle mehrfach besucht und zahlreiche frühere Erlebnisse und Momente ließen wir Revue passieren. Highlight des gestrigen Tages war dann ein Hubschrauber der belgischen Marine, in ca. 200 Meter Entfernung, der einen Taucher ins Wasser abseilte, um ihn, keine 5 Minuten später nach einer Flugrunde, wieder einzusammeln.
Kurz nach dieser Begegnung näherten wir uns der französischen Küste, der Gezeitenstrom kenterte und unsere Geschwindigkeit sackte trotz des Einsatzes beider Motoren auf unter 5 Knoten Geschwindigkeit über Grund.
Wir näherten uns also dementsprechend gemächlich und langsam unserem Tagesziel, dem Ankerplatz nahe bei dem Ort Gravelines.
Gravelines ist reich an Geschichte, sehr reich und zahlreiche frühere Herrscher und Nationen wollten, bzw. haben es besetzt. Was Cornelia mir aus Wikipedia vorliest vorliest, liest sich wie das „who-is-who“, der berühmten Besetzer. Die Spanier plünderten und brandschatzten in Gravelines, die Engländer belagerten den Ort, und die Holländer prägten auch durch ihre lange Anwesenheit die Gegend, sprachlich sogar bis ins 19. Jahrhundert. Wir wollten in friedlicher Absicht, rein touristisch, mit dem Beiboot auch nach Gravelines, doch der Wind machte uns leider einen Strich durch die Rechnung.
Gegen 19:30 Uhr fiel der Anker, der starke Ebbstrom setzte nach Osten, und der Westwind frischte auf. Dadurch lag das Schiff nicht, wie vertraut, im Wind, an seinem Anker hängend, sondern es wurde vom Strom immer wieder über die Ankerkette geschoben. Ich machte mir Sorgen, dass wir soweit über den Anker geschoben werden, dass sich die Ankerkette nach achtern spannt und dort in den Rudern oder in der Schraube hängen bleiben könnte. Gleiches ist mal einem Segelfreund passiert, so waren wir vorgewarnt. Mit Spannung betrachteten wir den Weg der Kette, doch der Kat blieb am Ende stabil darüber stehen. Es waren gut 35 Meter Kette raus, was bei unserer 12 Millimeter Ankerkette auch immer 105 Kilo Gewicht bedeutet. Und dieses Gewicht hielt das Boot brav am Platz. Mittlerweile war der Kanal nach Gravelines jedoch auch ausgetrocknet, die Sonne ging unter, und der Plan der Stadtbesichtigung wurde verworfen, schade!

Dieser Beitrag wurde unter Leben an Bord veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.