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  • Vor Anker

    Lütten Vogel hat uns am Anfang ein Stück begleitet

    Während wir hier rum dümpeln, machen mal wieder Arztgeschichten die Runde. Es wird aus dem Nähkästchen geplaudert, mit welcher Fadengröße man die beste Wundnaht machen, oder welche Kuriositäten einem im Berufsalltag schon begegnet sind. Bewegungsstudien werden angestellt, Allegra ist ganz klarer Spitzenreiter im Glieder verbiegen. Cornelia und ich haben eher eine Altersstarre, zumindest im Gliederverrenken.

    Leonard probiert die Möglicjkeiten

    Familiengespräche eben und wann hat man schon mal soviel Zeit mit den Kindern zusammen. Nur Larissa und Johannes fehlen. Seit wir Barcelona am Sonntag verlassen haben, gab es noch keinen Hafenaufenthalt. Nonstop zusammen, fast nonstop an Bord.

    Frühstück an Deck

    Gestern Abend haben wir einen kleinen Landausflug unternommen und den malerischen historischen Ortskern von Peñiscolà erkundet. Der Kern selbst ist von meterdicken Mauern umgeben und stammt aus der Zeit von 1.000 v. Chr, und gehörte im Laufe der Zeit den Kathargern, den Phöniziern, den Griechen, den Römern und den Arabern. Ganz oben thront ein Kloster, das von den Templern erbaut wurde, im schlichten Stil, trotzdem neben der Alhambra eines der meist besuchten Bauwerke Spaniens. Davon merken wir nicht mehr so viel Anfang Oktober…

    Kastell mit Leuchtturm

    Direkt nebenan ist der Leuchtturm und just als wir darauf zugingen, nahm das Leuchtfeuer seine allnächtliche Arbeit auf. Gerne hätten wir mehr Zeit in Peñiscolà verbracht, das uns mit seiner Architektur sehr an Calvi auf Korsika erinnert hat. Überhaupt kann man die Segeleigenschaften unserer Outremer garnicht genug loben. Am Wind segeln, mit guten Tagesetappen und Geschwindigkeiten ist eine Freude.

    Segeltechnisch war heute ein echter Supertag, der thermische Seewind hat sehr früh eingesetzt und uns schönen segelbaren Wind beschert. Bei 11 Knoten wahrem Wind lief das Schiff bis zu 8,3 Knoten hoch am Wind und das „bretteben“, also gerade ohne Krängung.

    Die neue Angel zum ersten Mal im Einsatz

    Jeden Abend, so gegen 20 Uhr geht der der Seewind schlafen, trotz Luvküste können wir auf sandigem Untergrund sicher ankern. Noch fehlen uns gut 25 Seemeilen bis zu unserem nächsten Etappenziel Valencia.

  • Irgendwo

    Lautsprecherdurchsagen hallen über das vom Mondlicht beschienene Wasser. Eine aufgeregte männliche Stimme versucht anscheinend in seiner Funktion als Entertainer in einem strandnahen Club das Publikum zu erheitern. Eine Fledermaus fliegt mit hellen Piepstönen aufgeregt um unser Boot. Am Heck plätschern hin und wieder leise kleine Wellen, die sich an unserem ankernden Schiff brechen. Ansonsten ist es still, kein Auto, keine nächtlichen Schwärmer am Strand. Der Mond steht dreiviertel voll vorm Bug.

    Der heutige Segeltag ist längst passé. Es war eines dieser Segelerlebnisse, die haften bleiben, die Eindruck machen, die etwas ganz Besonderes sind. Ein konstanter leicht Wind aus Südost hat heute den Kat zum Laufen gebracht. Die Wasseroberfläche war dabei spiegelglatt. Ruhiges Wasser, schnelle Fahrt = viel Freude, bei allen an Bord. Gesegelt wurde bis zum frühen Abend, 54 gesegelte Seemeilen standen am Ende des Tages auf der Logge. Mittlerweile sind die Luft und das Wasser so warm, das Leonard und ich noch ein paar Meter ums ankernde Schiff geschwommen sind. Eine Freude bei 23 Grad Wassertemperatur.

    Nur die arme Capitania kann einem wirklich leid tun, seit drei Tagen hat sie Zahnweh. Ein Backenzahn, um genauer zu sein, der schon zum Ziehen im Oktober vorgesehen war. Morgen wollen wir jetzt ‘ne Zahnklinik in Valencia suchen, um den Eingriff vorzuziehen.

  • Barcelona – unsere Stadt

    Kein Thema wird in den. letzten beiden Tagen, medial so aufgebauscht, wie die Wahl zum Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien. Nur mal ganz ehrlich, selbst hier in der Hauptstadt Barcelona merken wir von alldem wenig. Wir haben gerade bei Spiegel.de gelesen dass es über 337 Verletzte gibt, wir sind geschockt. Sogar Gummigeschosse seien in Barcelona eingesetzt worden. Heute Nachmittag sind wir stundenlang durch die verschiedenen Altstadtviertel gebummelt, auch am Justizpalast vorbei. Das Leben hier geht seinen Gang, gestern gab es ein fantastisches Konzert im Rahmen des “Jazz and Food“-Festivals, mitten in der City, das Baceloneta-Viertelsfest fand seinen lautstarken Höhepunkt mit einem mittelalterlichen Knall- und Feuer-Spektakel, und Touristen flanieren weiterhin in Massen durch die Gassen.

    Wähler stehen friedlich Schlange vor den Wahllokalen, zumindest dort, wo wir vorbeikamen. Von den ganzen Presseaufregern ist nichts zu spüren. Wir haben mit einigen Spaniern oder, wenn man so will, Katalanen gesprochen, und jeder hat uns mehrfach glaubhaft seine absolut pazifistische Grundhaltung und die der ganzen Bewegung versichert. Egal ob Austrittsbefürworter oder Gegner. Wenn über irgendetwas in diesem Zusammenhang ausführlich berichtet werden müsste, ist es meines Erachtens über das Versagen sowohl der Führung der Madrider Regierung, als auch der katalanischen Regionalregierung, im Vorfeld und jetzt, um den seit langem schwelenden Konflikt zu verhindern. Die sind mit ihrer Sprachlosigkeit, Arroganz, Machtgehabe und Sturheit schuld an der vertrackten Situation. Die Menschen werden nur vor deren Karren gespannt. Soweit der kleine Politikexkurs,  ab morgen geht es wieder ganz unpolitisch mit dem Blog weiter – nur das musste mal raus.

    Wie gesagt, es ist viel los in meiner “Lieblingsstadt”, in den Cavabars wird gefeiert und von der Dachterrassenbar des Museo des Catalunya hatten wir einen fantastischen Blick über die hell erleuchtete City. Barcelona ist beispielsweise eine der Städte, in der wir  beide für eine Weile leben könnten; der Lebensrhythmus der Stadt liegt uns. Viel Spaß beim Anschauen der Bilder und wer noch nicht hier war, bekommt einen hoffentlich positiven ersten Eindruck von Barcelona.

    von der Dachterrasse
    Die Geisterbahn
    Regen am Sonntag
    Hutmacher
    Der furchterregende Drache
    In der Bar
    Hähnchenbraterei mitten auf der Gasse
    Leihfahrräder
    Konzert
    Der Hubschrauber ist bis nächsten Sommer verpackt
    im Schuhladen
    Gothik außen…
    … und innen
  • Mitten im Herz

    von Barcelona liegt die Hexe, in der Marina Vell, die wir schon gut von früheren Besuchen mit unserer Dehler 41 kennen. Cornelia hat ja schon geschrieben, dass der Liegeplatz für Katamarane sündhaft teuer ist, weil der normale Liegeplatzpreis einfach verdoppelt wird. Gott sei Dank war, bzw. ist das der erste Yachthafen, den wir besucht haben, der das so handhabt. Bisher sind wir Liegegeldmäßig gut weggekommen, wie wir denken. Alle Häfen lagen zwischen 59 bis 125 Euro für unseren breiten Hexenkatamaran.

    Gestern nutzten wir die zentrale Lage der Marina Vell gleich aus und haben uns ins Nachtleben von Barcelona gestürzt. Den Sundowner gab es am Strand, anschließend haben wir “unser” kleines Eckrestaurant “Rebellon” in dem  Barceloneta-Viertel gesucht und wiedergefunden. Kurz danach gab es auf einem kleinen Platz ein Konzert mit spanischer Volksmusik und in der Pause Kuchen und Rum für alle, ein wilder Mix.

    Unser letzter Besuch an diesem Abend führte uns schon fast traditionell ins Fastnet, einem Irish Pub, das rückkehrgünstig gerade mal 80 Meter vom Hafen weg liegt. Hier im Viertel ist gerade Nachbarschaftsfest mit Kirmes. Wir liegen genau hinter der Geisterbahn (da fühlt die Hexe sich wohl, hihi). Die scheint es schreckensmäßig auch in sich zu haben. Als wir gestern daran vorbei flanierten, kam gerade ein laut heulender kleiner spanischer Junge mit seinem Vater aus der Geisterbahn rausgefahren.

    Osteopatia del mar

    Heute Morgen hatte zumindest ich einen bisschen schweren Kopf und bin erst spät und verkatert aus dem Bett gekrochen. Es bleib gerade noch Zeit, um sich ein bisschen frisch zu machen, denn wir hatten einen Termin bei Kathryn McConkey, einer hervorragenden und talentierten Osteopathin. Bereits vor einem Jahr hat sie mich mit einer Behandlung von stechenden Schulterschmerzen befreit. Seitdem wir zuhause unseren Umzug hinter uns gebracht haben, tut der rechte Ellenbogen immer wieder mal weh und die Capitania lies kein Zweifel dran, dass, wenn in Barcelona angekommen, ein Besuch bei Katy zum Pflichtprogramm gehört. Die Capitania hat selbst mal wieder Rücken. Nach insgesamt einstündiger Behandlung sind wir wieder zurechtgerückt und gezuppelt.

    Beim anschließenden Altstadtbummel fiel mir einen Metzgerei ins Auge, die ich morgen “plündern” muss, damit in den nächsten Tagen leckere Würste und Wildschweinfilet auf den Grill kommen. Die Stadt ist touristisch gut besucht, trotz Nachsaison, wenn es so etwas hier in Barcelona überhaupt gibt. Am Nachmittag habe ich einiges an weißer Bootsfläche poliert, damit der Kat glänzt, wenn die Kinder am Wochenende zu Besuch kommen 🙂

  • An der Costa Brava

    Mittwoch, 27. September 2017, Baro 1017, sonnig, warm, Wind SSO um 3 – 4
    Llafranc 09:30 – vor Mataró, 18:40, 46 sm

    Adieu Llafranc

    Eine ruhige Nacht konnten wir in der Bucht von Llafranc verbringen, keine Welle, kaum Wind, und keine vorbeifahrenden Schiffe oder lärmenden Discos am Strand. Beim Abendessen im Cockpit schauen wir auf die Lichter der Stadt, es sieht hübsch aus, in den Restaurants ist auch noch was los, ansonsten eher ruhig.

    Heute soll der Wind ab Mittag mehr werden, allerdings eher südlich, aber dann kreuzen wir halt ein bisschen Richtung Barcelona. Das Meer ist flach, der Wind kommt, allerschönstes Segeln entlang der spanischen Küste. Klar, die Orte sind meist hässlich, weil voller Hochhäuser, wir segeln an Lloret-de-Mar vorbei, Urlaub würden wir hier nicht machen wollen, aber wem’s gefällt, der ist hier gut aufgehoben. Die Partymeilen sind ja legendär. Wir suchen uns für heute Abend einen schönen Strand, das Meer bleibt ruhig, so die Vorhersage, da ist es kein Problem, dass es an der Costa Brava keine verträumten Buchten gibt.

    Das neue Skipper Outfit bei kalten Küstenwinden

    Halb sechs wollten wir Schluss machen, halb sieben ist es geworden, aber nun liegen wir gut nordöstlich der Hafenmole von Mataró, die Hexe schaukelt sanft in den Abendwellen, die Sonne ist hinter den Bergen schlafen gegangen, hoffentlich nicht zulange. Mataró ist eine geschäftige Stadt, man sieht die Autos fahren, die Eisenbahn fährt in regelmäßigen Abständen vorbei und leise man hört die Lautsprecheransagen des Bahnhofs. Rechts ist ein großes Schwimmbad, oben eine riesige Mall. Von weither läutet eine Glocke zum Abendgottesdienst. Ganz anders als gestern Nacht, Großstadt, wir kommen.

    Am Nachmittag habe ich noch mit den beiden Marinas in Barcelona über deren horrende Preise diskutiert, leider erfolglos, schließlich haben wir uns für die zwar etwas teurere, aber dafür sensationell zentral liegende luxuriösere Marina Vell entschieden. Dort liegt man sicher dank der vielen Wachmänner, und ist in fünf Minuten in der Stadt, zum Bummeln, Schauen, Staunen; bei der Osteopathin Katy ebenso wie später in der Cava Bar, olé!

  • Und wieder einmal: Olà!

    Dienstag, 26. September 2017, Baro 1019, sonnig, Wind NNW um 20 Knoten
    Cap d’Agde 08:30 – Llafranc 20:40, 95 sm

    Ehrlich gesagt bin ich gar nicht traurig, dass wir gestern Nachmittag entschieden haben, die Nacht in Cap d’Agde zu verbringen. Heute morgen sieht das alles für mich viel netter aus mit Sonne statt dicker Regenwolken, und jetzt freue ich mich richtig auf den Ritt über die See nach Spanien. 08:15 macht das Hafenbüro auf, 08:10 stehe ich schon dort und möchte den Liegeplatz bezahlen. Im Hafenbüro sieht es wild aus, dort wird renoviert und ab morgen ist das Office auch neben der Zone technique, da hätte ich ganz schön weit laufen müssen. Vorher habe ich in dem kleinen Laden Baguette, Eier und ein bisschen Obst erstanden, es kann losgehen.

    Halb neun sind die Leinen los, viertel vor neun alle Fender und Leinen weggeräumt und das Großsegel geht hoch. Nur noch schnell die Genua ausgerollt, zunächst mit einem kleinen Reff, bald aber ganz, und die Hexe sprintet los, 9, 10, 11 Knoten schnell, kein Problem. Die kurzen Wellen machen die Fahrt zwar zu einer holprigen Geschichte, aber das macht uns ja nichts aus. Mit Seekrankheit haben wir glücklicherweise nichts zu tun.

    Der Spi steht

    12:00, Baro 1018, schon 36 sm abgesegelt. Der Skipper hat geschlafen, Windgeschwindigkeiten zwischen 18 und 24 Knoten bei einem Windeinfallswinkel von 150 – 160° machen die Fahrt angenehm. Volker hat zwar schon mal über den Spi nachgedacht, aber noch ist der Wind zu böig und zu stark.

    14:00 Uhr, der Wind hat sich bei 15 Knoten stabilisiert, wir setzen unseren schönen Spinaker, der zieht uns gut nach Süden, aber weil der Wind direkt von hinten kommt, und wir aufpassen, dass wir keine Patenthalse fahren, müssen wir alle halbe Stunde schiften, halsen, um nahe an der Ideallinie zu bleiben. Nix mit chillig segeln, oder so. Immerhin schaffe ich heute zwei Prüfungsdurchgänge für meine Amateurfunkprüfung (1 x gut bestanden, einmal knapp durchgefallen!!!) und die halbe Lektion 13 (bei 19 bin ich durch…)

    Dramatischer Sonnenuntergang vor Estartit

    18:00 Uhr, Baro 1018, der Wind wird so schwach, dass wir den Spi wegnehmen müssen. Jetzt kommt das Spiel: Motor an, Wind frischt auf, Motor aus, Vorsegel ausgerollt, Wind geht weg, Motor an, Vorsegel weggerollt, und so weiter.  Dann suchen wir eine gut geschützte Ankerbucht. Die Wellen kommen aus Nord bis Nordost, also muss die Bucht dagegen Schutz bieten. Die Inseln vor Estartit wären eine Möglichkeit, sind uns aber ein zu weiter Umweg. Die Bucht bei Aiguafreda bei dem schönen Hotel scheint sehr eng, und ist voller Bojen. Wir fahren rein, bergen Segel (unter Qualen, weil die Rutscher am Mast genau das nicht tun, nämlich rutschen) und wieder raus, nee das ist nix. Mittlerweile wird es dunkel, nicht so lecker, wenn man einen Ankerplatz in unbekannten Felsbuchten sucht. Auch die nächste Bucht liegt voller Fischerboote mit ihren Bojen, da trauen wir uns garnicht erst rein. Der Bucht mit der Marina von Llafranc leuchtet verführerisch, aber bei dem Hafen darf man nicht ankern, nur südlich davon, in der kleinen Bucht vor dem Ort, da scheint ausreichend Platz zu sein, der nicht von nächtlichen Fischern okkupiert wird.

    Der Anker fällt auf 13 Meter Wassertiefe, Volker brät uns ein Steak, wir beobachten durchs Fernglas den kleinen netten Ort, Feierabend!

  • Meinungs-Verschiedenheit?

    Ein Wind weht aus Süd und beide Motoren schieben uns aufs Meer hinaus. Bevor die Segel am 27 Meter hohen Carbonmast nach oben steigen, gibt es erst mal lecker Rührei mit dick Butter auf dem Baguette. Das hat schon beinahe Tradition, jedenfalls wenn wir spät ablegen. Die Hafeneinfahrt lag kurz nach halbelf hinter uns, Wind war Mangelware, dafür knurrte der Magen. Gestern fiel das Abendessen wegen Müdigkeit aus.

    Nach dem ausführlichen Frühstück frischte der Südwind auf segelbare drei Beaufort auf. Erst mit Großsegel und Genua, dann als der Wind immer mehr raumte, ging der Code D nach oben. Nichts hält ewig, das trifft wieder einmal mehr für den  unbeständigen Mittelmeerwind zu. Der war nach zwei Stunden weg, dafür setzte ein kräftiger Herbstregen ein. Gut für die vertrocknete Mittelmeerfauna, nicht so nett für uns. Der Wind drehte mit dem Regengebiet auf West durch, frischte auf, Zeit zu reffen.

    Mittlerweile gab es bei den verschiedenen Wetterdiensten eine Sturmwarnung für die kommende Nacht. Paardiskussion an Bord, weiterfahren oder nicht. Ich wollte das Schiff mal wieder richtig ausprobieren, heizen, wellensurfen. Die Capitania hatte auf pechschwarze Nacht mit Sturm und Regenschauern absolut keine Lust. Schade, denn der Wind soll auf günstige Nordrichtung drehen. Meistens sind wir uns einig, (nicht nur) was das Segeln angeht, diesmal nicht.

    Cap d’Agde, wolkenverhangen

    Jetzt liegen wir im regnerisch-grauen Cap d’Agde und können vor morgen früh 8 Uhr nicht weg, weil die Kasse im Hafenbüro schon geschlossen war und erst morgen wieder aufmacht. Die Bootspapiere jedoch, die haben sie der Capitania, – wie hier üblich – abgenommen, komplizierte Verwaltung.

  • Wochenendpause

    Die Mathildenhöhe begrüßte uns mit schönstem Sonnenschein

    Am letzten Donnerstag haben wir uns kurzfristig und spontan ein Leihauto genommen und sind für vier Tage nach Darmstadt gefahren. Es waren noch ein paar Dinge zu erledigen (außerdem brauchten wir mal eine Boots-Katastrophen-Pause). In unserem Firmengebäude gab es Anfang letzter Woche einen kleinen Rohrbruch und zudem wird das Außengelände von einem Bautrupp aufgehübscht. Außerdem hatten wir im Vorfeld vergessen, uns für die Briefwahl zu registrieren. So waren wir heute ganz früh mit der normalen Wahlbenachrichtigung zu dem für uns zuständigen, bereits gut besuchten Wahllokal unterwegs. Auf dem Rückweg nach LGM haben wir noch einen kleinen kulinarisch-leckeren Zwischenstopp bei unseren Freunden Eric und Nany eingelegt, die in der Drôme-Region ein schönes altes Landhaus bewohnen. Danke für Eure Gastfreundschaft!

    In Nanys Garten blühen die Krokusse (?)

    Das Wetter im Rhein-Main-Gebiet war in den letzten Tagen sehr angenehm, die Temperaturen im Prinzip ähnlich wie in Südfrankreich. Klimatisch also keine große Umstellung für uns, allein das fallende Laub der Bäume und das fortgeschrittene Kalenderdatum sind deutliche Anzeichen des beginnenden Herbstes.

    Morgen wollen wir mit unserer Hexe abermals in Richtung Spanien aufbrechen. Am nächsten Sonntag kommen Allegra mit Lebenspartner Christian und Leonard in Barcelona an Bord. Sie werden mit uns bis Valencia segeln. Im Vorfeld angespannt sind wir wegen der möglichen Wahl zur Unabhängigkeit der katalanischen Region am 1. Oktober und eventuell daraus resultierenden Eskalationen, bzw. Unruhen. Der spanische Staat hat angekündigt, dass er auf keinen Fall eine Abstimmung, bzw. einen unabhängigen Staat dulden wird. Meiner Meinung nach muss man mit allem rechnen. Wir werden die Situation tagesaktuell verfolgen und Alternativen ins Auge fassen. Die Windvorhersagen für die 180 Seemeilen lange Reise sind nicht ganz so prickelnd. Überwiegend soll es windstill bleiben. 180 Seemeilen in sechs Tagen sind jedoch nicht wirklich anspruchsvoll und die Dieseltanks von unserer Hexe sind gut gefüllt. Wir hoffen sehr, dass unser Kat uns ab jetzt nur noch Anlass zur Freude gibt und wir von weiteren Problemen verschont bleiben.

  • Ein Kompromiss

    Dieser Dyneema-Lasching hält das Baumende
    der improvisierte Lasching von heute
    Der alte Lasching

    Testsegeln mit dem Mastenbauer Lorima stand heute auf dem Tagesprogramm, und nicht nur mit dem allein. Auch ein Vertreter von der Firma Maréchal, dem Großbaumbauer war mit an Bord. Der Aluminiumbaum hat bei den letzten Segelausflügen so laut geknarzt, dass es nicht zum Aushalten war. Da gab es heute glücklicherweise eine schnelle Lösung für, das Lasching, dass das Großsegel nach unten auf den Baum hält, hat an der Aluminiumoberfläche gerieben. Jetzt gibt es morgen ein neues Dyneema-Lasching, das mit glatter Oberfläche ausgestattet wird und geräuschfrei über den Aluminiumbaum gleiten soll.

    Noch ein Problempunkt wurde gestern behoben. Die Dieselheizung ist seit letzten Freitag in Streik getreten und lies sich nur mit List und Tücke zum Starten überreden. List und Tücke meint, den Steuerborddieselmotor starten und danach die Heizung. Die sprang dann unter einer hellen Rauchwolke (kein Wasserqualm😀) an. Der Fehler war, dass irgendwo Luft ins Treibstoffsystem kam. Gestern hat der Outremer-Mechaniker noch Verstärkung mitgebracht, zusammen mit dem lokalen Webasto-Vertreter wurde eine Lösung gefunden und ein zu dicker Treibstoffschlauch ausgetauscht. Heute morgen sprang unsere Wärmequelle wie gewohnt an, cool, nee hot.

    Ja aber was ist jetzt mit dem Mast???

    Experten warten auf das Geräusch

    Beim heutigen Probesegeln hatten wir einen schönen Nordwind mit 4 Beaufort, die Hexe beschleunigte brav und stürmte mit bis zu 10 Knoten Fahrt durch das spiegelglatte Meer. Spiegelglatt ist in dem Fall ernst zu nehmen, der ablandige Wind sorgte für eine ruhige See.

    Nicht mal eine Altwelle aus einer anderen Richtung stand. Traumhafte Segelbedingungen eigentlich, nur nicht wenn man ein “Schaukelschiff” mit Quietschemast zeigen will, Vorführeffekt also.

    Der Mast wird vermessen

    Ratlose Gesichter, was soll man jetzt tun, den kompletten Mast tauschen, den inneren Mastfuß prophylaktisch wechseln oder abwarten. Das Mastfall wurde noch mal gemessen, mit baugleichen Schiffen im Hafen verglichen, die Messwerte sind korrekt. Der Mast steht perfekt auf seinem Fuß. Abgekürzt – wir haben uns fürs Abwarten entschieden, Kaffeesatzlesen ist keine Lösung, wir segeln mit dem Mast weiter. Spätestens in der Karibik hat Outremer ein befreundetes Riggunternehmen (wenn es noch steht), mit denen weitere Maßnahmen, falls notwenig, erfolgen können. Outremer hat jegliche Unterstützung für dort zugesagt, ein kleiner Vertrag sichert uns ab.

  • Fremdgegangen

    Das Ankündigungsplakat

    Ähnlich wie mit unserem Segelverein in Hoorn verhält es sich mit einigen südfranzösischen Segelsportvereinigungen. Ab dem frühen Herbst wird über den ganzen Winter hinweg bis hin zum Frühjahr um “Ruhm und Ehre” gesegelt. Wer die Winterserie gewinnen will, muss schon einiges an Aufwand leisten, die seglerische Messlatte hat sich in den letzten Jahren spürbar nach oben verschoben. Fast alle teilnehmenden Schiffe haben Laminatsegel, sind innen leergeräumt und die Crews trainieren schon im Sommer für die anstehenden Wintermonat.

    Egal wo wir bisher herumgeschippert sind, im Vereinigten Königreich, in Belgien, Frankreich, Italien oder eben in den Niederlanden, zieht sich das wie ein goldener Faden bei den Segelvereinen durch. Sportlich und mit Können segeln reicht nicht mehr aus, auch das Material muss stimmen. Soviel vorab.

    Eric et Nany, die stolzen Eigner der J-122

    Ich hatte das große Glück, am letzten Sonntag bei unseren Freunden Eric und Nany an Bord ihrer J-122 als Crewmitglied aushelfen zu dürfen. Die erste Regatta der Winterserie, der sogenannte Lionscup, eine vom örtlichen Lionsclub unterstützte Regatta, stand auf dem Kalender.

    Rund 30 Yachten fanden sich ein, gesegelt wurde eine Art “Up-and-Downwind-Kurs”. Einfacher ausgedrückt, eine Schleife, einmal gegen den Wind und dann zurück auf Vorwindkurs. Ich freue mich immer sehr, auf fremden Booten mit zu segeln und deren Potenzial zu erfahren.

    Warten vor dem Start

    Jeder, der J-Boote kennt, weiß, dass deren Stärke, durch die gemässigte Bauform, also einfallender Steven und nicht zu breit im hinteren Bereich, auf dem Amwindkurs liegt. Da zieht das Boot, wie mit einem Lineal geradeaus gezogen, seinen Kurs sehr hoch am Wind. Beim Segeln mit dem Wind kommt kein symmetrischer Spinnaker, sondern ein Code D zum Einsatz, der an einem langen ausziehbaren Bugrüssel gesetzt wird. Hier und da klemmte es noch ein bisschen bei den Manövern im Ablauf, doch mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit hatten der Skipper und seine Frau, Boot und die (unerfahrene) Mannschaft gut im Griff.

    Flaute …

    Ein dritter Lauf kam wegen Windmangels leider nicht zustande, trotzdem war es super klasse, mal wieder auf einem kompetitiven Monohull zu segeln, das hat schon was.