Eine Erbsenschote vom Markt in Mazarron als Meditationsobjekt für aufgewühlte Segler?
Was vorhergesagt war, ist bis jetzt eingetroffen, der Luftdruck ist seit gestern im freien Fall, 20 Striche in 24 Stunden. Alle Schiffe im Hafen tanzen Rock’n’Roll an ihren Leinen. Ein ständiges hin und her, vor und zurück und auf und ab. Dazu gibt es die passende Geräuschkulisse, wenn der Wind um die Masten und Stage kreischt. An ruhigen und erholsamen Schlaf ist dabei nicht zu denken und so fühlen wir uns heute beinahe so wie nach einer durchfeierten Nacht. Die Vorhersagen bis Monntag sind nicht gerade brillant, wie auf einerPerlenschnur aufgereiht, ziehen mehrere Tiefdruckgebiete auf uns zu. Die Wettergötter feiern wohl zur Zeit eine ziemlich ausgiebige Party und wir sind die staunenden Statisten.
Uralte Riesenbäume säumen die großen Straßen
Aber nicht nur das Wetter bestimmt unser Leben, gestern Abend gab es ein Seglertreffen für alle, die hier im Hafen auf ihren Booten leben. Ort der Veranstaltung war die Gaststätte des hiesigen Segelclubs, 35 gutgelaunte Segler und Seglerinnen fanden sich für einige schöne Stunden zusammen. Wir haben die Beknntschaft von jeweils einem englischen, amerikanischen und belgischen Seglerpaar gemacht und die Zeit mit informativen und interessanten Gesprächen ging vorbei wie Flug.
Es ist schon schön zu wissen, mit wem man zusammen im Hafen liegt. Die Frage nach dem woher und wohin ist dabei in aller Regel der “Türöffner” für weitere Gespräche. Über die angelaufenen Häfen, Ankerbuchten und Sehenswürdigkeiten wird sich genau so ausgetauscht wie über Versorgungsmöglichkeiten, Bootszubehörhändler, Waschsalons und andere wichtige Dinge, die das tägliche Seglerdasein betreffen. Kurz gesagt, ein Treffen von Gleichgesinnten.
Zudem haben wir gestern Mittag die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und die komplette rechte Seite unseres Schiffsrumpfes gründlich gewaschen, gewachst und anschließend das ganze bis zum Hochglanz aufpoliert. Wer jetzt will, kann sich in unserer Bordwand spiegeln und fragen wer, der oder die Schönste im ganzen Land ist.
Mit vielen guten Wünschen zum heranahenden Wochenende an unsere Blogleser
von der Hexencrew
das fragen wir uns schon seit drei Tagen. Bereits da war abzusehen, dass ein Sturmtief im Nordatlantik, ein Tiefdruckgebiet über Italien und ein stark ausgeprägtes Azorenhoch ab Freitag für stürmischen Wind im westlichen Mittelmeer sorgen werden. Seit heute können wir davon ausgehen, dass wir von Freitag bis Sonntag Winden zwischen 50 Km/h und maximal 100 Km/h ausgesetzt sein werden.
Wetter von Infomet, gewöhungsbedürftig, aber präzise
Wir haben bereits doppelte Festmacherleinen liegen und trotzdem sind wir ziemlich angespannt. Der Hafen ist sicher gut geschützt gegen Wellen aus allen Richtungen, mögliche westliche Fallwinde aus den Bergen können jedoch relativ ungebremst durch den Hafen hämmern, demgegenüber stehen aber sehr solide Steganlagen. Die Abbildungen von den Wetterkarten, mit denen wir u.a. arbeiten, veranschaulichen deutlich, was da genau auf uns zukommen wird.
Heute war nochmal ein echter Sommertag mit leichten Winden, angenehmen Temperaturen und idealen Segelbedingungen. Wir haben davon für Euch auch ein schönes Video gemacht, das Ihr hier anschauen könnt.
Die kurze Strecke von Mazarron nach Cartagena war eigentlich viel zu schnell abgesegelt und die Hafeneinfahrt von Cartagena lag viel zu früh vor unserem Bug. Nun freuen wir uns darauf, diese wunderschöne, tausend Jahre alte Stadt zu erkunden, denn auch, wenn es viel Wind und Welle geben soll, das Wetter bleibt schön, und vorausgesagt ist purer Sonnenschein.
Am Samstag haben wir unsere Leinen in Mazarron festgemacht und bis heute auch noch nicht wieder gelöst. Mit anderen Worten, wir fühlen uns hier pudelwohl, haben ganz liebe Menschen getroffen und davon handelt der heutige Blogbeitrag. Vom Segeln können wir diesmal nicht berichten, nur von Seglern, aber das ist manchmal ja auch spannender.
Gitarrenformen
Allerdings war ich nochmal mit einem Belgier auf dem Wasser, um ein 8,5 Meter langes Segelschiff mit Motorproblemen einzuschleppen und damit fängt auch die ganze Geschichte an. Der Belgier, Daniel, ist Gitarrenbauer, lebt seit einigen Jahren hier in Mazarrón und Aguilas, jeder kennt und schätzt ihn. Daniel baut hochwertige Gitarren mit einer makellosen Oberfläche und äußerst hübschen Rosetten und einem grandiosen Klang.
dDie romantische Gitarre mit einem Lächeln
Den großartigen Klang durften wir mehrfach hören, denn Daniel hat Musik mit dem Schwerpunkt Gitarre studiert und am Brüsseler Konservatorium unterrichtet. Das mit dem Gitarrenbau kam später, mit 50 Jahren hat er das Handwerk erlernt und in 21 Jahren 64 Gitarren im Auftrag erbaut. Er baut klassische Gitarren und romantische Gitarren, beide sind Meisterstücke und sehen nicht nur wunderschön aus, sondern klingen auch ganz besonders, mit einem erstaunlich voluminösen Klang bei der viel kleineren romantischen Gitarre. Daniels Bekanntheitsgrad in Spanien steigt, berühmte Gitarrenspieler wie Sara Guerrero, Ruben Parejo und Carles Trepart setzen ihr spielerisches Talent mit den Gitarren von Daniel Bernaert um. Und jetzt kommt der Werbeblock..
Der Griff
Also, wer gut Gitarre spielt, eines dieser wunderschönen hölzernen Kunstwerke erstehen will und bereit ist, für hochwertiges Handwerk ein paar Euros in die Hand zu nehmen, dem seien die Gitarren von Daniel wärmstens empfohlen(danielbernaert@vajra.be).
So haben Daniel und ich erfolgreich die kleine Segelyacht zum Kai geschleppt und dadurch die Bekanntschaft einer lieben menorquinischen Familie mit 3-jähriger Tochter gemacht. Die haben, just eine Woche zuvor, das Schiff käuflich erstanden haben und waren auf dem Weg,es in Etappen nach Menorca zu segeln, Wir hatten an jenem Abend zufällig einen großen gut gefüllten Topf mit leckerem Eintopf auf dem Herd stehen und haben einfach alle auf unser Boot eingeladen.
Fleisch pur
Albert, der Familienvater arbeitet berufsmäßig als Profiskipper auf einem 60 Fuß (19 Meter) langen Katamaran und seine Frau Cristina ist ebenfalls eine professionelle Seglerin und Bootsmotormechanikerin (so haben sie sich auch kennengelernt…). Die 3-jährige Noa ist der Sonnenschein von den beiden und wir hatten alle unsere Freude an ihr. Und wie das so ist mit guten Kontakten im Hafen und der Hilfsbereitschaft unter Seglern: Am nächsten Morgen war das Motorproblem schnell gelöst, Daniel kannte natürlich den passenden Mecanico, und ein gerissener Ölfilter wurde schnell durch einen neuen ersetzt. Grund genug zum Feiern, die glückliche Familie spendierte alle Drinks und wir das Fleisch und der Lotusgrill sorgte für die nötige Hitze. Schön marmorietes Entrecote, leckeres Ibericoschwein und Kalb T-Bonesteak fanden den Weg auf unsere Teller.
Kaum hatten wir uns kennengelernt, hieß es mal wieder Abschied nehmen, die Menorquiner wollen weiter. Wir noch nicht! Ein Wiedersehen ist aber schon so gut wie klargemacht, liegt doch Menorca auf unserem Weg.
Die “Seele” einer GitarreDie Form für eine romantische Gitarrezwei rohe Holzstücke für den Rücken
Und so haben wir heute mal in aller Ruhe die Gitarrenwerkstatt bestaunt. Viele Arbeitschritte und Spezialwerkzeuge, nahezu 200 Arbeitsstunden pro Gitarre, sind nötig um eines dieser Meisterwerke zu bauen. Für alle die es interessiert, verleimt wird der Gitarrenkörper mit einem Kleber aus ausgekochter Kaninchenhaut. Wer hat das gewusst?
Cala serrada
Daniel fährt einen alten Renault 5 und mit diesem wurden wir zu den schönsten Aussichtspunkten in der Umgebung gefahren. Endlose kleine Bergstraßen haben wir abgefahren. Vom Pass aus haben wir in die Cala Serrada und zahlreiche andere geschützte Ankerbuchten geschaut und die berühmten Festungsanlagen mit diesen Monumentalkanonen am Kap Tiñoso besichtigt. Vielen Dank dafür an Daniel!
a beautiful view over the bay
Unser Schiff, bzw. dessen Oberflächen brauchten mal wieder eine fürsorgliche Hand und am Nachmittag haben wir mit viel Einsatz und Kraft das ganze Oberdeck gewachst und poliert. Jetzt glänzt die schöne HEXE wie eine Speckschwarte und Capitania und Skipper sind müde, aber sehr zufrieden.
Heute Abend geht es in ein nahegelegenesPub. Die Wetterküche ist schwer am kochen, Sturm ist im Anmarsch.
Hier noch zwei Wetterlinks (nützliche fürs Mittelmeer), einfach mal ausprobieren, damit war dann doch was für Segler dabei:
24. Januar 2015, Samstag, Baro 1020, sonnig, Wind zunächst NW, später SO, um zwei Beaufort
Aguilas 10:30 Uhr – Mazarron 16:30 Uhr, 19 Seemeilen
Wir verlassen das schöne Aguilas nach lässigem Bummeln am Morgen, zu spät, um den thermischen Wind länger mitzunehmen. Die See ist still, es weht eine leichte Brise, die um 11:00 Uhr die Richtung ändert, sodass wir einen Am-Wind-Kurs segeln müssen, aber es ist so wenig Wind, dass das eigentlich der beste Kurs ist. Dabei ist alles so ruhig und angenehm, das gefällt sogar Nico, der es sich neben Volkers warmer Mütze gemütlich gemacht hat, da muss man aufpassen, wen man streichelt!
Und wenn er dann auch noch auf der Mütze liegt, ist er ein ganz schön großer grauer Hund. Aber er genießt die Sonne, und vor allem, dass es heute nicht so schaukelt, wie auf dem Ritt nach Aguilas.
Die HEXE ist wirklich ein Phänomen, sie segelt bei 3,5 Knoten Wind immer noch 2,6 Knoten schnell. Und bei 4,3 Knoten Wind ist sie 3,4 Knoten schnell, nur muss man aufpassen wie ein Luchs, dass man auf jeden Winddreher sofort reagiert. Der Wind lässt immer weiter nach, fast müssen wir motoren, ich hole schon mal die Angel ein, leider hatten wir damit kein Glück. Doch dann:
Der Angelhaken bleibt leer…
Um 15:30 Uhr, vier Seemeilen vor der Hafeneinfahrt, legt mal wieder jemand den Schalter um, wir sehen, wie der Wind langsam auf uns zukommt, einmal komplett dreht und jetzt haben wir NNW mit 12 Knoten und die Hexe rennt los. Noch ein paar Winddreher und wir machen die Leinen fest in der neuen Marina in Mazarron. Hier liegt man wunderschön geschützt, auch als in der Nacht und am frühen Morgen ordentliche Böen durchgehen, liegt das Boot ganz ruhig im Hafenbecken, das ist so geschickt konstruiert, dass keine Wellen und kein Schwell hereinkommen.
Damenunterkörper schaukeln im Wind
Heute, am Sonntag, ist hier Wochenmarkt, ein riesiger Markt, fast einen Kilometer lang, eine Reihe mit Obst und Gemüse, Mandarinen und Tomaten von hier für 50 Cent das Kilo. Aber es gibt auch frische Erbsen zum Auspulen und die schönsten Auberginen, selbstgebackene Kuchen, Mandelhippen, Brathähnchen, Churros, Café. Ca. zwei Drittel des Marktes wird von Klamotten und anderen Non-Food-Ständen besetzt, ich erstehe eine Thermo-Strumpfhose und ein kleines Portemonnaie, damit wir nicht immer unsere ganzen Ausweise und Karten durch die Gegend schleppen.
Bevor wir in den Markt hineingingen, kam uns jemand mit einem am linken Hinterlauf geschienten Pony vorbei, und als wir aus dem Markt herauskamen, trafen wir, direkt neben der Straße auf eine Sau, die uns aus zusammengekniffenen Augen anschaute, sie hatte auch so kleine Hauer an der Seite, sodass auch Volker die Lust verlor, sie zu streicheln. Nach einem letzten kritischen Blick verschwand sie, sehr geschickt, in der Hofeinfahrt. Schwein gehabt!
Das Castillo de San Juan thront malerisch über dem Meer
Der Luftdruck steigt, der Himmel ist blau, der Wind hat deutlich nachgelassen und trotzdem treibt es uns nicht so früh aus den Federn. Gestern war ein anstrengender Tag gewesen. Wenn man das Optimum an Leistung aus unserer HEXE herausholen will, muss man auch ganz schön viel trimmen: Traveller nach Luv oder Lee, bei Böen die Großschot fieren (rauslassen),wenn die Böe vorbei ist, das ganz wieder dichter kurbeln, die Fock reffen, die Fockschot zum Windeinfallswinkel passend trimmen. Dabei steuern wir gerne von Hand. Oft stundenlang, weil es auch einfach Spaß macht das Beste aus dem Schiff rauszukitzeln und möglichst flott unterwegs zu sein. Für uns ist das Segelsport und nach so einem stundenlangen Sportprogramm sind wir dann auch schlag-kaputt. Die Arme sind schwer vom ständigen Trimmen, die Beine angespannt vom Abstützen bei der Schräglage, und zu alledem ist auch eine gewisse mentale Anspannung bei soviel Wind nicht von der Hand zu weisen. Kurzum, wir lassen es uns heute so richtig gut gehen, stehen spät auf und genießen ein ausgiebiges Frühstück draußen im Cockpit.
Bunte Fischernetze liegen zum Trocknen aus
Und dann steht unerwartet, aber willkommen ein norwegisches Paar vor unserem Schiff steht und erkundigt sich nach unseren Reiseplänen. Die beiden sind vor einem Jahr über Schweden, Polen, die Oder (ab da mit gelegtem Mast),den Mittellandkanal,den Rhein, die Mosel und die letzte Etappe per LKW, mit ihrem 13 Meter langen Segelschiff von Norwegen nach Marseille gereist. Jetzt geht es nahezu den gleichen Weg zurück nach Norwegen, wie wir hierher gekommen sind. Beide stammen aus dem Norden von Norwegen, in der Nähe des berühmten Geirrangerfjordes, sind damit also irgendwie auch Wikinger, oder? Wir haben uns ausgiebig ausgetauscht, leider wollen die beiden heute noch weiter in Richtung Gibraltar segeln.
Viele alte Männer beim Boule-SpielDie Kirche von AguilasDie Wurzeln des uralten riesigen Baumes auf dem Platz vor der Kirche
Nachmittags haben wir ausführlich Aguilas erkundet, vom Hafen zum Zentrum über die lange Uferpromenade bis hoch zur Festung sind wir gelaufen. Danach haben wir es uns in einer Bar an der Uferpromenade gemütlich gemacht. Wer sich Aguilas mal anschauen will, Volker hat ein Video gedreht.
Bald geht die Sonne unter und es wird kühl
Die Sonne geht zwar erst ab 18.30 unter, ab 17 Uhr wird es jedoch zu kühl, um draußen zu sitzen und es wurde Zeit für den Rückweg.
Für morgen haben alle Wetterberichte keinen Wind angekündigt, wenn wir weiter wollen, muss unser Motor für den nötigen Vortrieb sorgen.
22. Januar 2015, Donnerstag, Baro 1011, sonnig, Wind NW um 4 Beaufort
Heute früh war es noch kühl, und heute nachmittag eher nass
Ablegen 08:50, nachdem um sieben Uhr noch viel zuviel Wind war, hatten wir uns schon mit einem weiteren Tag in dem schönen San José abgefunden, aber eine halbe Stunde später ließ der Wind nach und wir sprangen aus den Federn. Schnell noch mit dem Hund spazieren, den Schlüssel für die Duschen beim Marinero abgeben, und schon sind die Leinen los. Ohne Frühstück, Kaffee oder Tee (den koche ich meist später), wie so oft, meistens gibt es dann was lecker Warmes zur Mittagszeit. Direkt nach der Hafeneinfahrt geht das Großsegel hoch und der Motor aus, ein perfekter Anfang. Bei dieser Windrichtung haben wir hier keine Welle und so segeln wir gemütlich unserem nächsten Ziel entgegen. Mal sehen, wo wir heute Abend landen werden und was der Tag noch so bringt.
Leider nimmt der Wind plötzlich drastisch ab, dreht um kurz nach zehn Uhr auf die Nase und schläft dann komplett ein. So ganz ohne Wind kann auch unsere sportliche Hexe nicht segeln, nun muss der Motor mithelfen.
So schräg kann Seglers Leben sein
Viertel nach zwölf kommt der Wind zurück, erst ganz langsam, Volker will schon Spinnaker setzen, dann flaut der Wind wieder ab. Um viertel vor eins ist der Wind richtig da, mit Böen bis zu 22 Knoten. Und um viertel nach eins steppt die Luzie, Halbwind mit konstant 20 – 25 Knoten, Böen über 30 Knoten. Wir reffen zuerst die Fock, dann zwei Reffs ins Großsegel, die Fock noch ein bisschen weiter eingerollt, das Großsegel ganz weg. Weißes Wasser, wohin man schaut, der Begriff vom kochenden Wasser kann so neu interpretiert werden, vereinzelt finden brechende Wellen ihren Weg ins Cockpit, unserem eigentlichen Refugium. Die Hexe segelt dabei schon ganz schön wild und ist dennoch gut auf Kurs zu halten. Doch hoffen wir in solchen (Grenz-) Situationen immer, dass an Bord alles hält und nichts kaputt geht, das Naturspektakel ist immer wieder faszinierend. Hier geht es zu dem Video:
In der Bucht vor Aguila lässt der Wind zum Glück ein bisschen nach; damit wir die Höhe gegen den Wind halten können, setzen wir das gereffte Großsegel dazu. Die Rechnung, bzw. die Navigation geht auf und um 16.30 Uhr liegt die Hafeneinfahrt vom Puerto Deportivo Juan Montiel einladend vor uns. Die ursprünglich geplante Marina Aguilas ist wegen aufwändiger Bauarbeiten gesperrt. Die neue Marina liegt sehr geschützt, hat großzügige Liegemöglichkeiten, einzig die hohe umlaufende Hafenmole vermittelt ein wenig “Knastcharakter”. Wir werden vom Marinero freundlich empfangen, er hilft uns mit den Leinen und wir haben schon wieder einen Längsseits-Liegeplatz, großartig!
Heute sind wir immer weiter an den großartigen Mondlandschaften vorbeigesegelt, es sah alles sehr schön aus, durch den Sonnenschein wirkte auch der viele Wind nicht so unangenehm, aber wir sind ganz schön froh, dass wir jetzt hier sicher im Hafen sind, auch wenn Schiffe nicht für den Hafen, sondern für die See gemacht sind.
Ablegen 10:40 Uhr, nachdem ich bezahlt habe und der Hafenmeister das Mädel an der Kasse ganz besorgt fragte, wo wir denn hinwollten. Für das Cabo de Gata seien am Nachmittag sieben Windstärken vorausgesagt, wir sollten uns das doch noch mal überlegen. Ich meinte, wir würden nur bis San José segeln, da wären wir schon am frühen Nachmittag. Sie haben mir dann noch den Wetterbericht vom Cabo ausgedruckt, in San José angerufen, wie es momentan da aussieht und mich mit meiner Versicherung entlassen, dass wir wirklich jetzt gleich lossegeln. Das Cabo de Gata ist für die Andalusier so ein kleines Kap Hoorn, und tatsächlich habe ich in vielen Hafenführern gelesen, dass dort der Wind immer besonders stark sein soll. Wir sind jetzt auf dem Weg dorthin, mit achterlichem Wind und leichter Welle ist es bei Sonnenschein sehr angenehm, der Skipper hat es sich im Bugkorb gemütlich gemacht.
Um 13:00 Uhr sind wir am Cabo de Gata, tatsächlich frischt der Wind auf bis zu 20 Knoten auf, aber das Cabo liegt wunderschön in der Sonne, wir fragen uns, ob die weißen Flecken echt sind, oder man-made.
Nach dem Kap halsen wir, und diskutieren noch ein bisschen, ob wir in San José bleiben wollen, oder weiter nach Carboneras oder nach Garrucha, aber in beiden Häfen wollten sie uns nicht, und San José liegt idyllisch in den Felsen, also fahren wir dorthin, machen um 13:45 Uhr längsseits fest, auf dem Logenplatz!
Logenplatz – längsseits
San José ist wirklich ein sehr hübscher Ort, im Moment ist natürlich nicht viel los, fast alle Restaurants sind jetzt geschlossen, aber wir wandern durch das ganze Dorf, alles weiße Häuschen mit Balkonen und Terrassen, bei denen die Geländer bunt angestrichen sind, und fast alle haben Meerblick über die große Bucht von San José.
Nico findet den Strand auch gut
Nico findet den Strand auch gut, an dem er sich zu dieser Jahreszeit frei austoben kann, während es ihm im Sommer verwehrt ist. Rundherum liegen Berge, fast ohne Vegetation, manche sehen schon aus wie Mondlandschaften. Viele Westernfilme sind hier in der Gegend gedreht worden, nicht nur die klassischen Karl-May-Filme, auch Szenen aus “Der Schuh des Manitou” und “Laurence of Arabia”.
Wenn andere Fahrtensegler über ihre Arbeits- und To-Do-Listen diskutieren, können wir meist nur staunend zuhören. Da müssen noch Instrumente eingebaut, Inneneinrichtungen umgebaut, Unterwasserschiffe komplett aufbereitet werden, Stahl muss gebogen und Kunstharze zum Laminieren angerührt werden; diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Manchmal werden wir bestaunt wie Außerirdische, dass wir keine ernsthafte Arbeiten an unserem Boot mehr zu erledigen haben, bei unserem Serienkunststoffschiff ist eben in aller Regel nahezu nichts zu tun. Nahezu nichts hat uns dann aber sozusagen vor zwei Tagen kalt erwischt. Die Batteriespannung der Verbraucherbatterien ist bei der kurzen Überfahrt von Almerimar nach Almería deutlich zu weit in den Keller gerutscht, nämlich von beständigen 12,8 Volt auf 12,3 Volt. Hört sich nach nicht viel an, aber bei 12,3 Volt ist eine Batterie nur noch zu 60 Prozent voll und das hat uns sehr verwundert. O.k., schon bei der Abfahrt in Holland war am Minuspol der einen Batterie Sulfataustritt sichtbar, auch hat der holländische Elektriker angemerkt dass es der besagten Batterie nicht ganz so gut geht. Aber jetzt mal ehrlich, wer lässt sich schon von ein bisschen Sulfat ins Boxhorn jagen und wenn man es entfernt hat, ist es ja auch nicht mehr da, oder? Diese, nennen wir es mal leichte Schludrigkeit, hat uns jetzt eingeholt. Die eine von insgesamt zwei Verbraucherbatterien ist definitiv kaputt.
Der lokale Händler hat glücklicherweise flott reagiert und die Original AGM-Batterie 165 Amperestunden von Victron gestern bestellt und heute wurde sie schon geliefert. Leider ist es eine negative Eigenschaft von AGM-Batterien generell, dass sie sehr teuer sind. Dafür sollen sie dann länger als herkömmliche Bleiakkus durchhalten. Davon hat unsere Batterie wohl nichts gehalten und ist nach 3,5 Jahren viel zu früh nun „von uns gegangen“. Schade, und so wechselten über 400 Euronen den Besitzer. Eine Stunde später war die alte Batterie ausgebaut und der neue Akku eingebaut. (Gruß an Ralf, die To-Do-Liste ist schon wieder leer.-)).
Die maurischen Zinnen der Alcazaba
In Almería gibt es eine große alte mehrteilige maurische Festunganlage, der Tag war noch jung, Beine und Geist willig, das Hochgefühl der erfolgreichen Reparatur noch da, langer Rede kurzer Sinn, wir strebten flugs noch zu der Festung hin.
Durch das Gewirr der Altstadtgassen fanden wir zielstrebig und zielsicher unseren Weg. Nur das kleine Hinweisschild zum Festungsaufgang lies nichts Gutes ahnen, der Rundgang ist mit Hunden nicht gestattet und eben diesen hatten wir – wie fast immer – dabei. Hätten wir uns denken können, haben wir aber nicht und von außen sieht das Ganze gut und imposant aus.
Die Alcazaba ist ist eine sehr weitläufige Anlage auf einem Hochplateau und die Aussicht über Almería und die dahinter gelegenen Berge lässt auch das Hundeverbot schnell vergessen. Auf dem Rückweg lag eine wunderbar rote Frucht sozusagen auf dem Weg, aus der, beim Pressen, herrlich roter Fruchtsaft lief. Leider war es eine Kaktusfeige und zahlreiche kleine Stacheln erinnern abends schmerzhaft daran. Cornelia hat vor einiger Zeit, in weiser Voraussicht, eine Pinzette mit LED-Licht erworben und zupft einen kleinen Stachel nach dem anderen.
Wie die wilden Katzen sich auf unser Futter stürzen…
Am Strand, wo wir und viele andere ihre Hunde spazieren führen, leben auch zahlreiche Katzen. Das ist in ganz vielen Häfen und Hafenstädten in Spanien so, und diese Katzen werden umsorgt, sie bekommen meistens genügend Futter. Volker war sich da aber nicht so sicher, und hat im nahegelegenen Supermarkt ein bisschen Katzenfutter besorgt, die Tiere fanden es gut, waren aber nicht sonderlich aufgeregt, deswegen.
Die Alcazaba und im Vordergrund eine der zahlreichen Bausünden
Almería hat zahlreiche schöne Ecken und ebenso zahlreiche Bausünden, unser Fazit fällt daher zweigeteilt aus. Wenn man schon mal hier ist, lohnt sich ein Blick auf die Sehenswürdigkeiten, wer eine längere Anreise hat, sollte noch weitere Ziele in petto haben.
Morgen segeln wir nach San José, umrunden dabei Capo Gato (das Katzen-Kap) und freuen uns auf die schöne dahinter liegende Landschaft.
Unser Autor Wil Offermans gehört zu den ganz eifrigen Lesern unseres Blogs und so stehen wir schon seit Beginn der Reise in regem E-Mail-Kontakt, um zu diskutieren, wann wir uns denn in Südspanien treffen werden. Gestern war es dann endlich soweit.
Die Uraufführung von “Eternal Winds” mit 585 Flötisten
Wil ist Holländer und hat es vor ein paar Jahren vorgezogen, mit seiner japanischen Frau Junko Ueda die holländische Kälte mit der andalusischen Sonne zu vertauschen. Von einem kleinen Dorf nahe Granada fliegt er in alle Welt, um als bekannter Flötist und begnadeter Flötenpädagoge Konzerte und Workshops in aller Welt zu geben. Wil ist schon seit mehreren Jahrzehnten dem Musikverlag Zimmermann verbunden, wir haben viele Notenausgaben von ihm herausgebracht, und nun ging es, neben dem freundschaftlichen Besuch, um zwei neue Ausgaben, die sehr spannend werden, eine ist die auf acht Flötisten reduzierte Notenausgabe eines Konzertes, bei dem bei der Uraufführung am 9. November 2014 585 Flötisten mitspielten, renommierte Solisten, Orchestermusiker aus allen großen Orchestern Hollands, Lehrer mit ihren Schülern, usw.
Junko ist eine der wenigen Satsuma-biwa-Spielerinnen in der westlichen Welt und singt dazu die traditionell japanische Geschichten erzählende Biwa-Musik, oder sie singt buddhistische Gesänge. Auch ist es ihr gelungen, das Traditionelle mit zeitgenössischer Musik zu verbinden.
Im Sommer veranstalten die beiden einen “International Flute Summer Course”, zu dem die großen Hoffnungen der nächsten Jahre kommen, um eine Woche von Wil zu lernen, und sich von Junko bekochen zu lassen.
Jedenfalls sollte es jetzt endlich klappen, dass wir uns hier in Spanien treffen. Klar wären wir auch gerne nach Granada gefahren, u.a. damit ich die Alhambra besichtigen kann, Volker hat diese vor ein paar Jahren schon mit den Kindern besucht, aber da hätten wir wieder ein Auto leihen müssen. Nun kamen Wil und Junko zu uns, sie sind morgens mit ihrem Auto bei null Grad bei Granada gestartet, mussten sogar durch Schneefall; dann aber, auf dem Weg zur Küste, wurde es immer wärmer und schließlich kamen sie um zwölf Uhr bei unserem Boot bei 18 Grad an. Wir verbrachten einen guten Tag, wir hatten soviel zu erzählen, und – auch kurz – ein bisschen etwas zu arbeiten. Als die beiden uns um sieben Uhr wieder verließen, waren die Stunden wie im Flug vergangen. Für sie ging es dann mit den Temperaturen wieder bergab, bei Granada war es um neun Uhr wieder null Grad!
Wen es interessiert, hier die Links zu den Seiten der beiden: http://www.wiloffermans.com http://www.junkoueda.com
So jedenfalls haben wir uns das für heute gedacht. In aller Herrgottsfrühe (um 8 Uhr :-)) waren wir schon wach und hatten die buchstäblichen Hummeln im Hintern. Nur der Wind hat noch tief und fest geruht und das Wasser war glatt wie ein Kinderpopo. Der Windmesser in unserer Mastspitze stand wie festgenagelt. Auch das Bemühen mehrerer Wetterberichte, die eigentlich Wind für uns vorhersagten, half nicht. Aber irgendwann folgte Aeolus wohl den Vorhersagen und leichter Westwind setzte ein und mit ihm wurden wir auch gleich betriebsam. Schnell folgte ein kurzer aber heftiger Abschied von Inge und Ralf, Jens und von Robert und Iris. Gestern lagen wir alle noch sozusagen nebeneinander, haben viele fröhliche Momente miteinander verbracht und im nächsten Moment löst sich die kleine Gemeinschaft auf. Robert und Iris segeln heute nach Gibraltar weiter, die anderen irgendwann ins Mittelmeer. Wir wünschen Euch allen eine gute Reise und freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen!
Kontrollturm am Hafen von Amlería, schon von weitem ein guter Landmark
Noch in der Hafeneinfahrt haben wir schnell und euphorisch das Großsegel gesetzt.
Ein angenehmer Wind von hinten hat uns dann stetig und flott nach Almería geschoben. Nach nur dreieinhalb Stunden Seefahrt haben wir unsere Leinen im ruhigen und gut geschützten Hafen von Almería festgemacht. Die Überraschung war nicht schlecht, als wir feststellten, dass zwei Schiffe weiter die belgische Familie mit ihren vier Kindern liegt, die wir schon mehrfach getroffen haben und so gab es erstmal ein großes Hallo. Morgen wollen wir Almería erkunden, das historische Zentrum liegt direkt gegenüber vom Yachthafen. Cornelia hat das ehrgeizige Ziel, die etwas weiter entfernt liegende Festung Alcazaba aus der Maurenzeit zu erwandern.
Dann, so ist zumindest der Plan, wollen wir mit ein paar Zwischenstopps weiter nach Cartagena segeln. Das Wetter scheint aber noch einige Überraschungen parat zu halten und wir werden daher unsere Weiterfahrt sehr konservativ planen.