Die Überfahrt von Lanzarote nach Martinique, Tag 3

Tag 3, Dienstag 25. Januar 2022

24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 176 sm, 12-Stunden Etmal von 12:00 – 24:00: 113 sm

Barometer 1020, Wolkenfelder mit sonnigen Abschnitten, Wassertemperatur 20,7 Grad,
Wind NE 3 – 30 Knoten, See bewegt bis ca. 2 m Wellenhöhe, Temperatur ab Sonnenaufgang angenehm warm

Die Windvorhersage war korrekt, pünktlich um 05:00 Uhr höre ich, wie der Motor schweigt, die Genua ausgerollt wird, wir segeln bei um die 16 Knoten Wind, fast auf der Kurslinie von 260°.

Bis 7 Uhr soll ich noch weiter schlafen, sagt mein Skipper, er könne jetzt eh noch nicht schlafen, er müsse erst mal schauen, wie sich das entwickelt..Da lass ich mich nicht zweimal bitten. Und dann hab ich doch tatsächlich verschlafen, erst um halb acht werde ich wach.Jetzt darf Volker schlafen, Segelstellung und Kurs sid in Ordnung, ich übernehme die Wache. Wie jeden Moren heißt es, die Eckdaten wie Barometer, Wind etc. ins Logbuch einzutragen, eventuelle Ereigniss in der Nacht aufzuschreiben, Wetterberichte einzuholen, Mails czu hecken etc.

10:00 UTC eginnt die tägliche Funkrunde von Intermar, heute hatte sich Bernd von der Hulluporo mit mir verabredet, dass wir uns zehn Minuten früher auf einer anderen Frequenz treffen, das hat leider nicht geklappt, auch von Intermar habe ich fast nichts verstanden, und wurde auch nur von ganz wenigen in mieser Qualität gehört. Dabei hatte Uwe aus Lanzarote extra einen Wetterbericht für uns vorbereitet, den ich aber halbwegs verstehen konnte, in großen Zügen zumindest.

Am vorigen Abend hatte ich vergessen, den Hefeteig für die Brötchen anzusetzen, das hole ich jetzt nach, aber obwohl wir ja eher „Spätstücker“ sind, hätte das nicht mehr ausgereicht, denn der Hefeteig muss ja gehen und nicht eilen. So gibt es Fleischkäse mit den Resten von gestern, in der Pfanne warm gemacht, auch gut.

Bald danach wird der Wind immer leichter, wir setzen unseren Code D, das Leichtindsegel, aber das schlägt so bei den diffusen Wellen und dem immer weniger werdenden Wind, dass wir es kurz danach wieder einrollen, die Motoren starten, und das Großsegel ebenfalls bergen. Beim Auftuchen des Segels hat Volker die Stelle gefunden, wo sich eine kleine Schraube herausgedreht hatte, die wir dann an Deck fanden. Das Gewinde greift nicht mehr, aber glücklicherweise haben wir eine ähnliche an Bord, die hatte nämlich ein ungewöhnliches Gewinde. Und weil wir schon mal dabei waren, hat Volker am Vorliek des Großsegels noch ein paar Stellen gefunden, an denen sich das Schutzband gelöst hatte. Diese Stellen wurden auch noch repariert, es mussten mit einem ganz dünnen Bohrer feie Löcher gebohrt werden, damit man überhaupt mit einer Nadel durchkommen kann.

Als wir damit fertig waren, frischte der Wind auf, wir ziehen das Großsegel wieder hoch, rollen die Genua aus, da sehen wir schon die „White Horses“, die Wellen haben weiße Schaumkronen.und sind höher geworden. In kurzer Zeit werden aus den weißen Pferdchen eine Herde ausgwachsener Zuchthengste. Natürlich hat inzwischen auch der Wind aufgefrischt, in Spitzen weht er mit an die 30 Knoten, und die Hexe surft die Wellen runter mit um die 12, manchmal auch über 15 Knoten Fahrt. Wir reffen die Genua, erst nur ein bisschen, dann noch ein bisschen, und überlegen, ob wir vor der Nacht besser doch ein Reff ins Großsegel binden sollten. Das macht natürlich nicht so richtig viel Spaß, wir müssen das Boot gegen den Wind drehen, bei diesem Wellengang schaukelt dabei selbst ein Katamaran nicht mehr angenehm. Also schauen wir auf den scheinbaren Wind und die Refftabelle von Outremer, und beschließen, dass wir nicht reffen müssen.

Am Abend kocht Volker Kartoffelsuppe mit Fenchel zum Essen, ich versuche, neue Wetterberichte über die Funke zu bekommen, schreibe ein paar Mails. Nach einem späten Abendessen wird es langsam Zeit, dass wir uns für die Wache abwechseln und der jeweils andere ein bisschen schlafen kann.

Und wir haben Besuch bekommen! Mitten hier auf dem weiten Meer ist heute Nachmittag eine Taube auf unserem Dach gelandet. Sie trägt einen Ring, und ist auch nicht wirklich ängstlich, offensichtlich an Menschen gewöhnt. Zuerst haben wir ihr ein kleines Einmachglas mit Wasser hingestellt und ein paar Müsliflocken auf das Dach gestreut. Das Wasser hat sie dankbar getrunken, blieb aber weiterhin auf dem windigen Dach sitzen. Wir hatten ja inzwischen 6-7 Beaufort. Irgendwann hat sie sich hinter den Gashebeln am Steuerstand niedergelassen, immer noch auf der Luv-Seite.

Und da sagen sie alle, man müsse auf eine Atlantiküberquerung ganz viele Bücher mitnehmen, oder Kreuzworträtsel, oder Strickzeug, weil man nichts zu tun hätte.
Was für ein Quatsch!

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