Go west again

9. Oktober 2016, Sonntag, Baro 1015, zuerst Schleierwolken, dann sonnig, Wind zuerst NW 2-3, später O 1, später NW 4, später O um 3
Cannes 07:45 – Porquerolles 17:00, 50 sm

Nachdem wir gestern nur bis Cannes gekommen sind, und gerade mal 12 Meilen von den 160 bis LGM abgearbeitet haben, muss es heute mal ein bisschen weiter gehen. Deshalb haben wir den Wecker auf 06:30 gestellt, die Nase aus dem Boot gereckt, und beschlossen, dass wir bei null Wind nicht im Dunkeln wegfahren müssen. Eine halbe Stunde später dämmert es, ich wecke Nico zu einem frühen Hundespaziergang, und noch vor acht Uhr sind die Leinen los und wir motoren aus dem Hafen. Bis 08:30 Uhr können wir segeln, dann dreht der Wind von Nordwest auf Nordost und beschließt, dass auch Winde am Sonntag mal ausschlafen dürfen.

Bereit für den Tauchgang

Bereit für den Tauchgang

Gestern haben wir, der Flaute geschuldet, eine Pause zwischen den Inseln vor Cannes eingelegt. Und wieder ist die Welt in Ordnung, blauestes Wasser, viele Fische, Sonnenschein. Volker ist mit dem Hund nach Saint Honorat gepaddelt, leider hat er beim Anlegen an unserer Hexe die Handabdeckung des Paddels verloren, und sie ist versunken, ehe er sie aus dem Wasser fischen konnte. Ich schnorchle um die Stelle, an der sie versunken ist, herum, kann aber in dem hohen Seegras nichts entdecken. Volker holt die Tauchausrüstung raus, das wäre doch gelacht, wenn wir das nicht finden würden, mit der Flasche kann er ja ganz gemütlich am Meeresboden durch das Seegras wischen. Langer Rede kurzer Sinn: Die Abdeckung bleibt verschwunden, das Seegras ist ziemlich hoch, aber wenigstens hat Volker auf dem Rückweg am Kiel die Muscheln abgekratzt, jetzt ist die Hexe auch wieder schneller.

Hexenkessel, zu später Stunde

Hexenkessel, zu später Stunde

Wir wollten abwarten, ob der Wind am Nachmittag doch eventuell noch wehen mag, dann wären wir weiter gesegelt nach St. Tropez oder St. Raphaël. Den Gefallen hat er uns aber nicht getan, jedoch hatte das den Vorteil, dass wir einen allerallerletzten Abend mit Dorothee und Mohammed, den Freunden aus Villeneuve-Loubet verbringen konnten. Die beiden haben spontan ihre Kühltruhe geplündert, wir hatte noch Gemüse, und außerdem haben sie das köstlichste Baguette der ganzen Côte d’Azur aus Golfe Juan mitgebracht. Es war wieder ein netter Abend, wenn sie uns heute besuchen wollten, müssten sie schon etwas weiter fahren.

Die Schnauze des Drachen

Die Schnauze des Drachen

Die Hügelkette westlich von Cannes ist wie ein liegender Drache geformt, mit langer spitzer Schnauze und buckeligem Körper. Irgendwie scheint es hier wenig Wind zu geben, ich erinnere mich, dass wir im Sommer 2015 hier lang motort sind, und geschwommen haben.

img_338809:25 Uhr. Der Wind kehrt zurück, zwar nicht aus Ost wie angekündigt, sondern aus Nordwest, und frischt ordentlich auf, halber Wind, perfekt. Bald segelt die Hexe mit über sieben Knoten Fahrt dahin, Volker ist extra aus seinem Nickerchen aufgetaucht. Die Freude hält aber nur zwanzig Minuten, dann wird der Wind zickig, er raumt weiter, nimmt ab, kaum sind die Segel eingestellt, kommt er weiter von vorne, um sich dann doch auf Halbwind bie 13-15 Knoten einzupendeln, Grund genug für die Hexe, um mit 7-8 Knoten dahin zu rauschen. Kleine Kreuzseen lassen das Boot tanzen, und trotz wolkenlosen Himmels fühlt es sich sehr kalt an, wir haben komplettes Ölzeug an, denken über Handschuhe nach, Volker hat bereits die Kapuze über den Kopf gezogen.

Anti-Rutschmatten unter dem Rühreiteller

Anti-Rutschmatten unter dem Rühreiteller

Seit 11:00 Uhr motoren wir wieder, Volker macht Rührei mit Pilzen, aber die Wellen sind so hoch und unangenehm, dass wir Anti-Rutschmatten unter die Teller legen müssen. Wir verkleinern das Großsegel auf Reff 2, noch während ich abspüle, kommt Wind, das Groß geht wieder hoch. Solche schrecklichen Wellen bei fehlendem Wind braucht kein Mensch. Alles klappert und rappelt, immer wieder legt sich die Hexe auf die Seite. Das Schlagen der Segel hat im Groß einen Riss hinterlassen, wir flicken ihn notdürftig mit Tape, da bekommt der Segelmacher in LGM auch Arbeit. Gut, dass wir niemand bei uns hatten, der seekrank wird, heute wäre das bestimmt der schlimmste Tag gewesen.

Ab Cap Camarat ändern wir den Kurs auf 245 Grad, dann wird die Fock ausgebaumt und der Motor muss nicht mehr mitschieben. Inzwischen haben wir auch das Ölzeug abgelegt, Volker sitzt im T-Shirt, ich im Spaghettiträgerhemd. Eine der Hammerwellen hat unseren Obstkorb, der unter der Sprayhood eigentlich gutverstaut war, nach unten in die Pantry befördert, die Abatebirnen haben den Sturz nicht ganz unbeschadet überstanden, deshalb gibt es zum Nachtisch vom späten Frühstück ein bisschen Obst. Hier werden die Wellen immer weniger, der Wind hält noch ein durch, aber eine Stunde vor der Insel muss wieder der Motor ran.

Blick über die Bucht von Hyères

Blick über die Bucht von Hyères

Dann sind die Leinen fest und wir genießen die Schönheit der Insel, nach Hundespaziergang und einer Dusche für das Boot machen wir uns auf zu einem kleinen Boulespiel auf dem großen Platz vor der Kirche, Pechtag für mich, Volker gewinnt beide Sets, das zweite sogar haushoch!

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