Zurück auf der Insel

Nun sind wir schon seit Sonntag zurück auf unserer Hexe. Die lag immer noch gut vertäut und unbeschädigt in der Marina von Ponta Delgada, als wir vom Flughafen kamen. Seitdem genießen wir wieder das südlichere Leben. Obwohl die Temperaturen hier sich im unteren zwanziger Wert bewegen, wärmt die Sonne doch ordentlich, und die bösen Wolken bleiben an den Bergen hängen. 

Die ersten Tage waren eher unspektakulär. Volker war sehr betriebsam, er hat den Wassertank auf Bewuchs hin inspiziert und in perfektem Zustand vorgefunden. Außerdem hat er die Toilettenpumpe überholt, wir hatten die Ersatzteile aus Deutschland mitgebracht,  nun funktioniert auch der Teil des Lebens wieder einwandfrei.

Hexe an ihrem Starplatz

Hier haben wir alte Freunde wieder getroffen und neue kennengelernt, das war wie immer sehr bereichernd. Volker und Ellen, denen ich kurz vor unserem Abflug im Hafen begegnet bin, haben uns an der Marina abgeholt und zu ihrem beeindruckenden Haus eingeladen, mit Land drumherum, soweit man schauen kann. Wir alle haben einen Nachmittag lang ununterbrochen geredet und spannende Geschichten gehört, Schwänke aus unser aller Leben, eben.

Wir liegen hier an einem großartigen Fleck. Wir haben einen Liegeplatz zwischen zwei Stegen, was uns ermöglicht, die Hexe so nach beiden Seiten abzuspannen, dass sie in allen Winden wunderbar geschützt ist. Fast alle Festlieger und Gäste müssen an unserem Boot vorbei. Da kommt man auch schnell mal ins Schnacken mit den anderen Seglern, es wird uns nicht langweilig.

Zudem ist Ponta Delgada eine tolle Stadt, wir laufen jeden Tag durch immer neue Straßen und Gassen. Die Straßen im Zentrum sind ein bisschen schicker, aber auch enge Gassen mit nicht so gepflegten Hausfassaden haben wir gesehen. Es gibt renovierte, aber auch baufällige Häuser, hunderte von Optikern im Zentrum, und kleine Läden in der weiteren Umgebung. Die Restaurants sind am Abend extrem gut besucht, ohne Reservation läuft in den meisten nix, in anderen muss man sehr geduldig anstehen, um irgendwann einen Tisch zu ergattern. Unser Lieblingsrestaurant, das „Louvre“ z.B. ist seit unserer Ankunft jeden Abend ausgebucht, höchsten um 21 Uhr würde man eventuell noch einen Platz bekommen.

Heute haben wir „in Kultur gemacht“. Wir hatten gestern ein Plakat gesehen für ein Konzert am Freitag mit „Ritmos Latinos“ für großes Orchester, das im „Largo do Colégio“ stattfinden soll. Im Internet war nichts nichts zu finden, wie und wo man Tickets bekommt, also sind wir nach dem Frühstück aufgebrochen, um dieses Colégio zu finden. Der Platz davor war bereits bestuhlt und der Soundcheck in vollem Gang! Ein freundlicher Helfer erklärte uns, dass die Konzerte nichts kosten, man solle um 21:30 einfach kommen und Platz nehmen. Cool, das machen wir morgen!

Nebenan war gleich ein Museum, und Volker meinte, das sollten wir uns uns doch nicht entgehen lassen, heute sei Kultur-Tag. Dieses Museum ist eine Sammlung sakraler Kunst, in einem ehemaligen Jesuitenkloster untergebracht, das Museo Carlos Machado.

Es besitzt eine große Sammlung von religiöser Kunst aus vielen Jahrhunderten, aber das beeindruckendste ist die eigentliche Kirche mit dem hohen, komplett aus Holz geschnitzten Altar und den beiden Wänden mit blau-weißen Kachelmosaiken, die von Menschen aus dem Dorf gefertigt wurden, von den Mönchen angestellt, um die armen Leute zu unterstützen. Die filigranen Holzschnitzarbeiten des wunderschönen Altars sind an der Decke und an einem Seitenaltar mit Gold verziert, die anderen Teile nicht.

Die Jesuiten-Padres, hoch gelehrt und gebildet, wurden 1760 ausgewiesen, und der Kirchenraum blieb unvollendet, denn natürlich sollten auch die restlichen Holzarbeiten mit Blattgold überzogen werden. Erst in diesem Jahrtausend konnten der Altar und die Gemälde der Sammlung in den ursprünglichen Zustand gesetzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Doch damit nicht genug der Kultur: Zu dem  Museum gehört auch ein nahegelegenes ehemaliges Nonnenkloster der Sankt Augustinerinnen. Dort befindet sich neben dem wiederum sehr beeindruckenden hochbarocken Kirchenraum ebenfalls eine große Sammlung sakraler Kunst des 17. Jahrhunderts, aber auch naturkundliche Sammlungen mit einer Vielzahl an präparierten Vögeln, Fischen und Landtieren sind zu sehen. Hier ein paar Bilder:

Danach war unser Kopf voll, und unsere Beine müde, jetzt brauchten wir erst einmal ein Stück selbst gebackenen Apfelkuchens an Bord.

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Taschentücheralarm

Und schon wieder haben wir den Rückflug zum Boot nach Ponta Delgada für eine Woche verschoben. Am letzten Wochenende war es Allegra, die dem bösartigen Kindergartenvirus erlegen ist, sodass wir dachten, es wäre vielleicht erholsamer für sie, wenn wir Zoey für ein paar Tage zu uns holen würden. Aber dann wurde Zoey selber krank, und auch Volker hatte sich angesteckt. 

Also gut, die bösen Tiefdruckgebiete wechseln sich sowieso immer noch ab auf dem Nordatlantik, da versäumen wir nichts, wenn wir noch ein paar Tage hier bleiben. Es gibt nur einmal in der Woche einen Direktflug ab Frankfurt zu den Azoren, sodass wir immer in Wochenabständen planen müssen. Die Marina in Ponta Delgada zeigt sich entspannt, dass die „Hexe“ noch ein bisschen bleibt, wahrscheinlich freuen sie sich auch über die Einnahmen, denn jetzt haben die meisten Segler, die im April/Mai aus der Karibik kamen, die Azoren verlassen.

Ob das gegen Erkältung hilft?

So, im Laufe der Woche hat auch Volker sich erholt und eigentlich wollten wir am Freitag zu einem vorläufig letzten Besuch bei den Enkelkindern starten. Dann aber habe ich Donnerstag Abend begonnen zu husten, und Volker musste sich die halbe Nacht mein Gebelle anhören. Daraufhin hat er kurzentschlossen am Freitag Morgen mit einer sehr netten Dame bei der Lufthansa gesprochen und unseren Flug erneut umgebucht. (Ich weiß schon, warum ich normalerweise die Rückflüge zum Boot nicht direkt mit buche, oder wenn, dann auf jeden Fall mit einer Option zum Umbuchen!)  Aber obwohl sich der Wind eigentlich für die nächste Woche günstig gezeigt hatte, ist diese Vorhersage seit heute Morgen auch schon wieder obsolet.

So genießen wir nun noch ein bisschen das satte Grün des verregneten Deutschland, ab morgen soll es wärmer werden. Dann kann Volker mit unserer kleinen Enkeltochter schwimmen, paddeln und radeln, und in ein paar Tagen bin auch ich wieder fit für das Biergartenwetter.

Sehr grün bei leider bedecktem Himmel

Das Treffen zu meinem fünfzigjährigen Abitur war ein voller Erfolg. Am Ende der Schulzeit zählte unsere Stufe ungefähr 90 Mitschülerinnen und Mitschüler, davon waren nach 50 Jahren noch 47 gekommen, ein paar sind nicht mehr auffindbar, oder sehr weit weg verzogen, und leider sind auch einige, glücklicherweise nur wenige, für immer gegangen. Wir haben eine Führung durch unsere Schule von dem vorherigen Direktor bekommen, der ganz offensichtlich immer noch für das Goethe-Gymnasium schwärmt. Wir waren alle begeistert, in welch herausragendem Zustand sich das Gebäude und die Inneneinrichtung befindet. Besonders stolz zeigt sich unser Guide über die von den Schülerinnen und Schülern selbst renovierten und gestalteten Toilettenräume, auch die durften wir bewundern. 

Nach einer kleinen Kaffeepause schloss sich eine weitere sehr interessante Führung von Mitschüler Georg durch die nicht-öffentliche wissenschaftliche botanische Sammlung des Senckenbergmuseums an. 

Am Abend kam dann das fröhliche Beisammensein beim Äppelwoi. Zunächst mussten wir alle über uns erzählen, was uns in den letzten 50 Jahren bewegt hat. Anschließend wurden die Erfahrungen und Erlebnisse der vielen Jahre in kleineren Grüppchen weiter ausgetauscht. Insgesamt ein großartiger Tag, danke an unsere Organisatoren!

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Immer noch …

Mal wieder ist ein Tiefdruckband über uns hinweg gezogen, immer noch ist der direkte Weg nach Irland versperrt. Die Götter des Windes haben diesmal kein Einsehen mit uns, doch dafür fühlen wir uns pudelwohl auf São Miguel. Und auch die Hauptstadt Ponta Delgada mit ihren Märkten, den kleinen verwinkelten Gassen, dem schmucken Hauptplatz im Zentrum der Innenstadt und das Hafenviertel üben eine magische Anziehungskraft auf uns aus. Das abendliche Programm bietet zudem Livemusik, nette Bars und tolle Restaurants.

Das soziale Leben im Hafen mit den Booten aus der ganzen Welt, die auf der Durchreise sind, ist bunt und abwechslungsreich. Wir liegen ja an einem Durchgangssteg und fast alle kommen bei uns vorbei. Mit dem Nachbar werde ich morgen an der samstäglichen Regatta teilnehmen. Sein Schiff ist so schön wie es einzigartig ist, eine Luffe 45 DS. Das DS steht für Decksalon, den er selbst entworfen hat. Viele nette Menschen haben wir hier schon kennengelernt. Von daher sind wir nicht so traurig, dass wir noch hier bleiben „müssen“.

Mit Günter und Monika von der Hugin haben wir einen zweiten Ausflug über die Insel gemacht, dabei bekannte Schönheiten wieder gesehen und auch Neues entdeckt. Vielen Dank fürs Mitnehmen!

Jeden Tag stehen zudem neue kosmetische Arbeiten oder Unterhalt an Bord an. Der komplette Aufbau musste mal wieder poliert werden, eine Silikonnaht ist erneuert, das Edelstahl ist poliert und eine Backskiste mit Epoxykleber abgedichtet worden. Nix Spektakuläres, aber das hört wohl nie auf.

Zudem muss ich hin und wieder ins Wasser hüpfen und mit einer Spachtel bewaffnet dem Seegras zu Leibe rücken. Wie wir jetzt erfahren haben, hilft das Coppercoat wohl gegen Muschelbewuchs, aber eher nicht gegen Bewuchs von Seegras. Eins ist und bleibt natürlich gut beim Kampf gegen den Rasen, wie ich ihn spaßeshalber nenne, muss ich nun nicht mehr in einer Giftwolke aus Antifouling-Abrieb herum schwimmen. Das Coppercoat mit seinem Epoxy- und Kupferanteil ist steinhart.

Seit vier Tagen müssen wir zudem abends und morgens nicht mehr heizen, bedingt durch die südlichen Winde ist es schön warm geworden. Das Quecksilber zeigt rund um die Uhr freundliche 20-22 Grad an.

Nicht unerwähnt sollen die Ananasse von São Miguel bleiben. Verteilt über die Insel gibt es zahlreiche Gewächshäuser, in denen die leckere Südfrucht kultiviert wird. Die Ananas hier ist in der Tat so süß wie die aus der Karibik. Wir haben schon einige vernichtet. Am besten kauft man die goldgelben Früchte in der lokalen Markthalle, die sich in einer ehemaligen Tiefgarage befindet. Neben den Ananassen gibt es dort alle erdenklichen Obst- und Gemüsesorten. Vieles wird regional auf der Insel angebaut. Auf dem oberen Parkdeck wird Fleisch, Geflügel und der beste Käse der Insel angeboten. Mehrmals in der Woche lenken wir unsere Schritte zu diesem kulinarischen Eldorado hin.

Vielfältig, preiswert und abwechslungsreich, die wechselnde Speisekarte im Louvre

Wenn wir schon bei kulinarischen Genüssen sind, muss ich unbedingt unser neues Lieblingsrestaurant in Ponta Delgada, das Louvre erwähnen. Frisch zubereitete, lokale Speisen werden dort zu einem sehr moderaten Preis auf hohem Niveau angeboten. Einmal hatte ich geschmorte Rinderbäckchen mit Süßkartoffelpüree und beim nächsten Mal eine knusprige Schweineschulter auf einem Gemüsebett deliziös!

Also, ich glaube, man merkt schon an dem ganzen Bericht, dass es uns hier auf den Azoren doch gut geht.

Bis zum nächsten Mal, ein schönes Wochenende wünschen wir allen unseren Bloglesern.

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Badetage auf São Miguel

Top-Sehenswürdigkeit von São Miguel: Die Kraterseen von Siete Cidades

Das nächste Sturmtief zieht über den Atlantik heran, dunkle Wolken und südwestliche Winde sind die Vorboten von dem, was bald kommen wird. Obwohl es schon später im Jahr ist, gibt es auf der Tiefdruckautobahn, zwischen Amerika und Nordeuropa, momentan noch keinen Stillstand. Die Temperaturen in Irland, unserem auserwählten Reiseland, fallen nachts noch auf kalte 7 Grad und auch hier, in Ponta Delgada, kann man nur selten von vorsommerlicher Wärme sprechen. Doch die seltenen warmen Momente habe ich, nicht immer ganz freiwillig, für einige Ausflüge ins kühle Nass genutzt.

Der erste Kontakt mit dem Salzwasser war ein Absturz von hoch oben vom Deck ins Hafenbecken. Dabei umklammerte ich noch den Schrubber, weil ich gerade dabei war, das Deck zu putzen, bzw. das Boot zu entsalzen. Der Hintergrund: Der Schnapper mit dem Relingsdraht vom seitlichen Einstieg war zwar eingehakt, aber verkehrt rum, und als ich mich leicht daran anlehnte, gab der Schnapper plötzlich nach. So gab es einen unfreiwilligen, aber Gott sei Dank folgefreien Abgang vom Boot ins Hafenwasser.

Der nächste Badetrip war zwar eher spontan, aber mit Absicht. Wir sind über die Insel gefahren, und es gibt hier neben den wunderschönen Orten, den romantischen Kraterseen und anderen Sehenswürdigkeiten, auch wunderbare Naturschwimmbecken, die bei Flut mit frischem Meerwasser gefüllt werden.

Da konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und bin in zwei besonders schöne Becken reingesprungen, in Mosteiros, am nordwestlichen Zipfel von São Miguel. Danach ging es dann über Ribeira Grande, mit einem Ausflug ins tolle historische Stadtzentrum, weiter nach Furnas.

In Furnas gibt es warme Schwefel-Quellen, mit lockenden 39 Grad. Da konnte sich selbst die Capitania nicht mehr zurückhalten, und nachdem wir zwei Tickets online gebucht haben, (es gibt keinen normalen Kartenverkauf, schöne neue Welt?) genossen wir das wohltuend warme, leicht schweflig riechende Wasser. Nach einer Stunde waren wir zart angegart und müde. Es war Zeit zur Rückfahrt zu unserer Hexe.

Es grünt und blüht auf San Miguel, der Wahnsinn, mediterranes Klima, gepaart mit häufigen Regenfällen. Bäume, Sträucher und Blumen, so eine verschwenderische Vielfalt und Fülle an Vegetation haben wir noch nicht gesehen. Die Straßenränder sind gesäumt von Hortensien, Lilien aller Arten, auch Tagetesbüsche und Papageienblumen wachsen in üppiger Fülle. Die Landschaft ist leicht hügelig, sehr ordentlich, und von Grüntönen dominiert, nur auf den saftigen Weiden stehen hunderte schwarzweißer Kühe. Wer das erleben will, muss nicht unbedingt mit dem Boot hierher kommen. São Miguel ist die Hauptinsel der Azoren und wird von vielen Flughäfen aus angeflogen.

Der Yachthafen ist eingebettet in einen Industriehafen, dicht beim Zentrum von Ponta Delgada Stadt und ziemlich schwellig. Dauerlieger nutzen Altreifen als Ruckdämpfer. Zudem ist der Lärm von den Fracht- und Militärschiffen, sowie die Abgasbelastung, enorm. Wer Ponta Delgada mit frischer untoxischer Atlantikluft assoziiert, ist auf dem Holzweg. Gestern war der ganze Aufbau unseres strahlend weißen Kats mit Rußpartikeln überzogen, eine schöne Sauerei, fast so wie in Santa Cruz de Tenerife.

Ob wir bald weiter Richtung Norden fahren werden, hängt natürlich wie immer vom Wetter ab. Die Vorhersagemodelle widersprechen einander.

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Insel, die aus Träumen geboren …

… so singt Roland Kaiser über Santa Maria. Der Text geht ein wenig schnulzig weiter, aber der Schlager „Santa Maria“ ist ja schon 1980 auf die Welt gekommen.

Sieben schöne Tage hatten wir auf dieser Insel. Mit einem großen Hallo wurden wir von Jens und Martina von der SY Maje, sowie von Lloyd, dem Hafenmeister, auf der südlichsten Azoreninsel empfangen. Santa Maria ist ein kleines vulkanisches Eiland, mitten in der großen Weite des atlantischen Ozeans. Und doch ist es eine besondere Insel, mit sanft-hügeligen Landschaften, die uns an Schottland erinnern.

Doch bevor wir weiter von Santa Maria berichten, wollen wir erst einmal das Wiedersehen mit Jens und Martina und Günter und Monika feiern. Es ist doch schön, wenn die Wege mit befreundeten Seglern sich wieder kreuzen, man gemeinsam in Erinnerungen schwelgen kann und das Gefühl von Vertrautheit sich einstellt. Und auch neue Segelfreunde haben wir gefunden, Regula und Thomas aus der Schweiz waren beim gestrigen Champagne-Friday dabei. Die Crew der Maje wird den Sommer auf den Azoren verbringen, während Günter und Monika, wie wir, auf ein Wetterfenster warten, um weiter in Richtung Irland zu segeln.

Günter hatte für die Folgetage ein Auto gemietet, und gemeinsam mit den beiden haben wir eine mehrstündige Inselrundfahrt gemacht, bei der wir Altbekanntes vom letzten Santa Maria Besuch erneut angeschaut und auch neue Highlights wie den Wasserfall am Ostende der Insel entdeckt haben.

Als Ergänzung zu dem Besichtigungsprogramm mit dem Wagen haben wir beide uns an einem Nachmittag in unser Schlauchboot gesetzt und sind an der Steilküste vor dem Hafen entlang gefahren. Dabei sieht man wirklich beeindruckende Felsformationen, die von Lavaströmen und erkaltetem Stein geprägt sind.

Santa Maria ist ein Idyll, das aufgrund des kleinen Hafens und des auch nicht ganz so großen Flughafens vom Massentourismus verschont geblieben ist. Nur an einem Tag in der letzen Woche kam ein kleines Kreuzfahrtschiff, die Hanseatic Nature, mit 180 Passagieren an Bord, die vor dem Hafen ankerte. Die Kreuzfahrer wurden mit Zubringerbooten an Land gebracht. Nach 16 Uhr war das kurzfristig emsige Treiben im Hafen schon wieder Geschichte, und die bekannte Ruhe zog ein. Wir haben die wesentlichen Sehenswürdigkeiten von Vila do Porto angeschaut, und waren begeistert von einer Ausstellung über das Schuhmacherhandwerk der Insel.

Apropos Ruhe, der Hafen mit seinen Mauern und Kais wird gerade gegen zukünftige Stürme gewappnet. Vor den Außenmolen werden riesige Steine platziert und im Innenhafen werden die Molensteine lautstark mit Bagger umgeschichtet. Das sieht aus, als ob da ein riesiger Greifarm an der Böschung Tetris spielt. An unserem Liegeplatz, am Kopf des Stegs, bekommen wir den meisten Lärm ab, ein Umstand, der nicht zu ändern ist. Die Abende, verbringen wir meistens zusammen mit den Freunden, in geselliger Runde.

Vorgestern hat Cornelia mich hoch in den Mast gezogen, nicht, weil ich mich schlecht benommen habe, ein Riggcheck stand auf dem Programm. Alle Wanten, Stage, Fallen und Halterungen sahen gut aus, nur die Edelstahlteile wiesen einen leichten Anflug von Flugrost auf. Also ging es noch ein zweites Mal den Mast hoch, und mit Edelstahlpolierpaste und Zahnbürste rückte ich dem Bösewicht zu Leibe. Ein freundlicher Regenschauer hat in einer Nacht den letzten Saharastaub aus Mast und Fallen gewaschen. Somit ist das stehende und laufende Gut wieder tiptop.

Jeden Tag schauen wir nach den aktuellen Wettermodellen für die anvisierte Reise nach Irland, um dann aufs Neue sehen zu müssen, dass der Wind im Norden noch immer mit bis zu 40 Knoten weht, und die See in der Nähe von Irland mit 6-8 Meter hohen Wellen, ab dem kommenden Wochenende, für uns unpassierbar wird. Das korreliert mit den doch recht kühlen Temperaturen, die hier auf den Azoren vorherrschen.

Jens hat mir sehr beim Entlüften der Dieselheizung geholfen. Im Warmwasserstrang war wohl eine große Luftblase, die sich vor dem Lüfter in der Eignerkabine angestaut hat.

Heute hat uns früh am Morgen die Reiselust gepackt, und wir haben die Leinen losgeworfen. Ziel ist Ponta Delgada auf San Miguel.

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Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 3

Samstag, 11. Mai 2024 abends, auf See,
Ankunft in Vila do Porto, Santa Maria, Azoren 11:00 Uhr
Baro 1025, bedeckt, Wind 6-8 kn, die See unter 1 m
Etmal um 11 Uhr 125 sm, gesamte Strecke 469 sm

Ich hab bisher immer Etappe 1 geschrieben, das ist natürlich falsch, weil die Etappe 1 von Lanzarote nach Madeira ging. Jetzt ist es korrigiert!

Flaute!

Die See ist ganz ruhig, und leider müssen wir auch motoren, aber damit haben wir gerechnet, als wir aufgebrochen sind, wir wussten, dass wir in die Flautenzone des Azorenhochs kommen würden, der Diesel muss ja auch mal verbraucht werden, sonst wird er schlecht. 

Zum Abendessen gibt es vom Chef selbst gemachte „Semmelnknödeln“, dazu Rotkraut und Schweinelendchen in dunkler Pilzsauce, was soll ich sagen, mal wieder: „Lecker!“

Danach folgte ein ausgiebiges Telefonat mit unserer Enkelin Zoey, Mama Allegra hatte gestern ein Video geschickt, in dem Zoey mir ihrer Schwester in einem selbst gebastelten Boot, ich würde es „Pipi-Langstrumpf-Segler“ nennen, die Leinen loswirft, und das Boot ablegt. Vielleicht eine neue Seglerin in der Familie?

Um 08:30Uhr sehe ich, dass ein großes Passagierschiff, die „Hanseatic Nature“ direkt auf Kollisionskurs auf uns zukommt, ein Kreuzfahrtschiff der Expeditisionsklasse von Hapag Lloyd, es fährt nach Funchal, und – natürlich- weicht es, wie auch wir, nach Steuerbord aus.

Ab 22:00 Uhr kehrt die Nachtroutine ein, zuerst schläft der Käpt’n in bisschen auf dem Sofa. Ich versuche derweil mein Glück mit der Kurzwelle. Vor Starlink habe ich immer den Wetterbericht auf langen Strecken per email von PredictWind über die Kurzwelle geholt, manchmal haben wir auch von lieben Funkerfreunden ausführliche Interpretationen der Wetterlage per email erhalten. Da wir mittlerweile mit Starlink einen viel einfacheren Zugang zum Internet haben, und somit auch zu den Seewetterberichten, wurde bei uns an Bord diese Form der Information über die Kurzwelle eher vernachlässigt. Aber was wäre, wenn das Starlink mal kaputt ist??? Leider scheint es einenFehler an meinem Pactor-Modem zu geben, denn dort blinken zwei rote Lichter, die da nicht hingehören. Ein bisschen frustriert gehe ich anschließend in die Kabine, und Volker übernimmt die Wache.

Das Motorsegeln geht leider die ganze Nacht, der Wind ist morgens nur noch 3 Knoten. Das bleibt leider auch so, bis wir bei Santa Maria sind. Als das GPS nur noch sechs Meilen bis zum Hafen anzeigt, bergen wir auch das Großsegel. Laut Hafenmeister Lloyd ist unser Platz am Kopf des ersten Stegs frei, Jens und Martina von der Maje wissen Bescheid, Günther und Monika von der Hugin sollten auch eingetroffen sein. Das klingt nach einer guten Party heute Abend!

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Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 2

Freitag, 10. Mai 2024 abends
Baro 1020, kleine Wölkchen am Himmel,Wind 13 kn, die See höchstens 1 m

Sonnenuntergang, immer wieder ametwas besonderes auf See

Sonnenuntergang war um 21:18 Uhr, jetzt, um 22:05 Uhr ist immer noch ein Lichtschein am Himmel zu sehen. Zum Abendessen gibt es Carbonara (ohne Coca-Cola), lecker wie immer, wir haben alles aufgegessen. Direkt nach dem Abspülen wird das Großsegel ausgerefft, ebenso die Genua.

Unser blinder Passagier mag das gar nicht, wenn wir irgendetwas an den Segeln machen. Wenn es laut wird, fliegt sie immer auf, bisher hat sie jedesmal danach einen Platz gefunden. Wir würden ihr ja auch mal ein bisschen Wasser hinstellen, aber sie sitzt immer an den unmöglichsten Plätzen, und ist sehr scheu, das ist bestimmt eine Wildtaube.

Samstag, 11. Mai 2024
Baro 1024, Sonne-Wolken-Mix, Wind 8 – 10 Knoten, die See unter 1 m

Ein neuer Tag

Wir konnten die ganz Nacht durch segeln, der Wind blieb stabil nicht unter 10, eher 12 Knoten, hat auch gerade noch durchgehalten bis zum Frühstück um 11 Uhr, aber danach geht die Windgeschwindigkeit runter auf 6 Knoten, und der Windeinfallswinkel fällt unter 50°. Ab Mittag ist es flau – wie vorhergesagt – der Motor wird gestartet, und schiebt mit.

Unsere Taube ist tatsächlich immer noch da, Volker hat ihr ein paar Brotkrümel hingeschüttet, aber die hat sie nicht angerührt. Hinten auf den schrägen Solarpaneelen können wir ihr auch kein Wasser hinstellen, das würde sofort von der schrägen Fläche ins Meer rutschen. Ich habe sie Nora getauft, weil – wie ich gelesen habe – der Name „anders“ oder „fremd“ bedeutet. Sie ist so menschenscheu, dass sie, als ich mich nur dem Solarpaneel genähert habe, sofort rückwärts gegangen ist. Wir wollen sie ja nicht wieder aufscheuchen, vielleicht hält sie ja durch bis morgen, und kann als madeirischer Flüchtling einen neuen Wohnsitz auf Santa Maria beantragen …

Hier an Bord ist Routine, schlafen, lesen, essen, Film gucken, ab und an mal den Kurs korrigieren, solange wir gesegelt sind, jetzt fällt das weg. Volker hatte bereits alles vorbereitet, um den Code Zero zu setzen, aber der Wind, bzw. der nicht mehr vorhandene Wind, hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dabei hätten wir doch so gerne das neue Segel hochgezogen.

Etmal um 15:00 Uhr 168 sm

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Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 1

Donnerstag, 9. Mai 2024
Calheta / Madeira 15:00, 465 sm liegen vor uns
Baro 1015, sonnig, Wind am Hafen 2 kn, am Ende der Insel 19 kn, die See ca. 1-1,5 m

Die Palette möchte man nicht treffen!

Nach unseren Ausflügen auf der schönen Insel Madeira legen wir heute ab in Richtung Santa Maria. Die Windprognosen sind günstig, bei einem vorhergesagten Windwinkel zwischen 60° (bis Freitag Abend) und 80° (bis Samstag Nacht), sollten wir es gut schaffen, im Hellen auf Santa Maria anzukommen. Vorräte haben wir genügend an Bord, Fleisch ist in der Kühltruhe, Gemüse und Obst im Kühlschrank, und auch Brot, Butter und Eier sollten uns nicht ausgehen.

Zwanzig Minuten nach der Hafenausfahrt steht das Großsegel, noch müssen wir motoren in Lee der Insel. Aber kaum sind wir an der westlichen Ecke, schon sehen wir weiße Pferdchen, Schaumkronen auf dem Wasser. Dort kommt viel Wind, das Großsegel wird erst einmal auf Reff 1 eingebunden. Es werden tatsächlich bis zu 20 Knoten Wind, sehr spitz, Die Genua ist mindestens vier Umdrehungen eingerollt.

Chillen

Ab 17:00 Uhr lässt der Wind wieder nach, nun sind es nur noch 8-10 Knoten, zuerst wird die Genua voll ausgerollt, dann auch Reff 1 aus dem Großsegel ausgeschüttet. Als der Skipper von seiner Ausruhzeit erwacht, wird der Windwinkel so spitz, dass wir 20 Grad hätten abfallen müssen. „Nee, das ist nix, da kommen wir zu weit vom Weg ab!“ Also muss der Motor ran, und wir fahren unter Maschine gegenan. Das macht keinen Spaß, muss aber mal sein.

Splash!

Nach dem Abendessen, es gab Pizza, den Teig hatten wir noch aus den Resten der letzten Champagne-Friday-Feiern übrig, trotzdem lecker, überlegt es sich der Wind doch noch einmal. Seit 21:30 Uhr segeln wir wieder, das Reff im Groß ist ausgeschüttet. Mann, das ist wirklich viel angenehmer, auch bei den kurzen Wellen schlägt es längt nicht mehr so, wir segeln auf Kurs 305° mit 55° Windeinfallswinkel von Steuerbord. Nett!

So ähnlich setzt es sich in der Nacht fort, Volker refft irgendwann die Genua zwei Umdrehungen ein, wir kommen gut vorwärts.

Freitag, 10. Mai 2024
Auf See, Baro 2019, Sonne-Wolken-Mix; Wind um 14 kn aus N, die See 1,5 m, Wellenperiode 7 Sekunden

Sonnenaufgang

Um 07:21 Uhr geht die Sonne auf, wir sind auch wach, es gibt Kaffee (für mich) und Obst und Tee für uns beide. Wir haben wieder mal einen blinden Passagier, also hoffentlich ist sie nicht wirklich blind, die kleine Ringeltaube, die es sich auf unseren Solarpaneelen gemütlich gemacht hat.

Im AIS sehe ich das Signal von einem französischen Segelboot, das ist bestimmt die OKoume mit Regula und Thomas aus der Schweiz. Sie sind gestern ein paar Stunden vor uns los gefahren, aber es war klar, dass wir sie überholen würden, ihre RM ist ein viel kleineres Boot als unsere Hexe. Wir reden kurz über Funk, und geben den aktuellen Wetterbericht durch.

Intermar-Konferenz bei Echolink

Um 08:00 Uhr UTC probiere ich mein Glück mit der Intermar über Kurzwelle zu funken, aber da ist nur ein fernes Rauschen zu hören. Ich probiere es über Echolink, das ist die Internet-Version der Intermar-Funkrunde, dort verstehe ich alles glasklar, über Funk waren meine Rufe auch nicht zu hören, keiner hat reagiert. Fritz aus Schweden und der heutige Netcontrol Klaus-Dieter (wir haben vor Jahren zusammen die Prüfung zur Amateurfunk-Lizenz abgelegt) erklären im Echolink nachher noch, dass die Ausbreitungsbedingungen im Moment sehr schlecht sind. Na gut, dann probieren wir das morgen eben noch einmal.

Kurz nach dem Frühstück frischt der Wind auf, das freut uns, denn so werden die Meilen gefressen. Aber um 12:20 Uhr muss Reff 1 ins Großsegel, der Wind hat noch weiter aufgefrischt, auf 18 Knoten, das ergibt bei unserem Kurs hoch am Wind eine scheinbare Windgeschwindigkeit von deutlich über 20 Knoten, und ab eben dieser Zahl soll Reff 1 ins Großsegel, laut der Tabelle, die wir von Outremer bekommen haben. Es fühlt sich auch gleich besser an, das Boot schwankt nur noch wie ein buckelndes Pferdchen und nicht mehr wie ein gereizter Stier beim Stierkampf. Die schlagenden Segel beim Reffen haben unsere kleine Taube offensichtlich erschreckt, sie ist ganz aufgeregt ums Vorstag herum geflogen. Mal sehen, ob sie noch einmal wieder kommt.

15:00 Uhr: Vor 24 Stunden sind wir los gefahren, das Etmal beträgt 174 sm, die Logge zeigt nur 151 sm an, aber gemessen von unserem jetzigen Punkt auf der Seekarte sind es 174. Noch 293 sm bis Santa Maria.

Der Skipper und sin Fru
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Madeira

Eins noch am Rande, Madeira konnte man förmlich riechen, bei der Annäherung von See aus. Ein leicht torfiger Geruch, dazu etwas Feuchte, gerade soviel, dass es nicht unangenehm ist.

Jetzt liegen zwei Tage mit einem intensiven Besichtigungsprogramm hinter uns. Gestern fuhren wir in den Inselnorden, über die hohen Bergkämme, durch den Nebelwald bis zur Westküste. Beeindruckend, die Vegetation, sei es bei den Bäumen, den unzähligen blühenden Blumen, oder dem wuchernden, so bisher noch nicht gesehen Farn am Wegesrand. Das Ganze garniert mit Wasserfällen, die sich aus höchster Höhe in die tiefen Schluchten oder direkt ins Meer ergießen. Mal brausend laut, mal plätschernd leise, eine Freude fürs Auge und die übersprießende Natur.

Auf 1.240 Meter, mitten im Dunst, haben wir den höchsten Punkt der Rundfahrt erreicht; in Porto Moniz konnten wir die Naturschwimmbecken bewundern, die auch Inhalt eines jeden Reiseführers von Madeira sind. Zu Recht, obwohl bei den Becken in Porto Moniz der Mensch doch recht kräftig,mit der einen oder anderen Absperrmauer mitgeholfen hat, damit das Wasser ausreichend hoch in dem Vulkangestein zum Baden einlädt. Es gibt aber in zahlreichen anderen Orten an der Westküste naturnähere Becken, die zudem touristisch nicht so überlaufen sind. Wer sucht, der findet.

Nach Porto Moniz haben wir noch ein paar ausgedehnte Zwischenstopps in Seixal, Sao Vincent ind Ribeira Brava eingelegt. Bilder sollen hier mehr als Worte sagen.

Nach fünf Stunden fahren, wandern und bewundern, ist die Grenze der Aufnahmefähigkeit erreicht.

Heute früh ging es dann zum östlichen Teil der Insel, nicht ganz ohne Diskussion mit der besten Navigatorin der Welt. Eigentlich war ich schon mit den Gedanken bei der Weiterreise zu den Azoren und wollte los schippern. Aber den Kampf habe ich schon verloren, ohne ihn richtig begonnen zu haben. Um 9.30 Uhr waren wir on the Road, am östlichen Zipfel gibt es ein Walfangmuseum. Der Walfang ist, bzw. war mit Madeira sehr eng verknüpft. Das Museum bietet einen tollen Rundgang durch diesen Teil der Geschichte an, man trägt ein Audiogerät mit sich rum und viele historische Dokufilme hinterlassen ein eindrückliches Bild vom damaligen harten Leben der Madeiraner und dem traurigen Schicksal der prachtvollen Meeressäuger.

Der nächste Besichtigungspunkt war mega touristisch, aber doch sehr schön. Über den Dächern von Funchal, liegt der wundervolle botanische Garten mit seinem alten Baumbestand, dem überschwänglichen Blumenreichtum und thematischen Akzenten, wie z.B. dem japanisch angelegten Parkteil.

Zufälligerweise haben wir genau neben dem botanischen Garten einen Parkplatz für unseren kleinen Fiat Panda bekommen und der Rückweg führte die gleiche Straße hinab, auf der auch die Touristen in den offenen traditionellen Holzschlitten hinabrutschen, geführt von zwei versierten Führern.

Seit 15 Uhr sind wir wieder segelnd unterwegs. Ein neuerlicher Besuch auf Madeira steht für den kommenden September auf dem Plan, es hat uns sehr gut auf dieser schönen Insel gefallen. Für die kommenden Tage bis zu den Azoren, wie gewohnt, die Capitania unseren Blog mit ihren Live-Beiträgen füllen. Wir freuen uns auf die Segelzeit.

Ein letzter Wasserfall verabschiedet uns
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Angekommen auf Madeira

Montag 6. Mai 2024

auf See, Baro unverändert 1015, mal bewölkt, mal sonnig, Wind zwischen 9 und 15 Knoten, Etmal 13 Uhr ca. 170 sm

Die Nacht war angenehm, Volker hat die Genua ein bisschen ausgerefft, dann auch Reff 2 aus dem Großsegel geholt, am Morgen haben wir zusammen Reff 1 ausgeschüttet und segeln seitdem mit vollem Großsegel und einer ab und zu ein- oder wieder ausgerefften Genua Madeira entgegen.

Schnell schnell Isabell, nee Hexe

Der Windwinkel wird immer angenehmer, während er am frühen Morgen noch 70° war, wurde es gegen Mittag immer besser, der Wind drehte, sodass wir einen Windeinfallswinkel von 100-120° bekamen. Bei Windgeschwindigkeiten von um die 15 Knoten wird die Hexe richtig schnell. Und die See hat sich beruhigt, die ruppigen Wellen sind weg, das Segeln wird viel angenehmer.

Volker inspiziert wieder einmal den Motorraum auf der Steuerbordseite, er findet ein bisschen Diesel, und keinen Hinweis darauf, wo der herkommt. Das Fluchen war erstaunlich leise. Das war aber noch nicht alles für heute.

Der Hydrogenerator fängt manchmal Sargasso-Gras ein, das blockiert dann die Schraube, und wir bekommen weniger Strom. Wir merken das besonders, wenn die Sonnenpaneele auf dem Geräteträger vom Großsegel verdeckt werden, oder es zu viele Wolken gibt. So begibt sich Volker oft mehrmals am Tag auf die Backbord-Badeplatform, an der der Wassergenerator befestigt ist, hebt den Schaft mit einer dafür vorgesehenen Leine an, zuppelt das Gras raus, und lässt ihn wieder ins Wasser gleiten. Diesmal aber höre ich wieder einen der berühmten Ausdrücke, denn diese Leine zum Hoch- und Niederholen hat sich losgemacht. Volker muss also den ganzen Hydro-Generator von der Halterung abmachen und an Deck holen, um die Leine neu festbinden zu können.

Ich bin da sowieso immer ein bisschen unruhig, weil die Wellen bei der schnellen Fahrt immer mal die Plattform überspülen, und das Boot sich natürlich auch heftig bewegt. Wenn Volker noch das schwere Ding da über die Stufen hoch trägt, das gefällt mir garnicht. Aber er knotet ganz souverän die Leine wieder an, prüft, ob alle Leinen und Kabel am richtigen Platz sind, bringt das Monster die Stufen wieder hinunter und befestigt es in der Halterung. Zum Glück sitzt der Knoten richtig, und der Arm des Generators mit der Schraube kann wieder ins Wasser gelassen werden. Voller Vorfreude gehen wir am MPPT-Controller nachschauen, ob es funktioniert, und sind arg enttäuscht, dass es dort komisch blinkt, und der Hydro nicht lädt. Bis uns auffällt, dass die Batterien voll sind, und nicht weiter geladen werden können. Später funktioniert wieder alles einwandfrei.

Es blinkt falsch

Waren wir zu dem Zeitpunkt noch am Überlegen, ob wir nicht ein Reff ins Großsegel binden sollten, die Genua war schon mit drei Umdrehungen verkleinert, so mussten wir doch später für ca. 20 Minuten den Motor mitlaufen lassen, weil der Wind deutlich unter zehn Knoten fiel und weiter raumte, da schaukelte selbst unsere Hexe nur noch in den Wellen und kommt sehr langsam voran. Aber seitdem läuft sie wieder gut, wir segeln mit gemütlichen 7,5 Knoten über ein flaches Meer. Es ist 23 Uhr und noch 24 Seemeilen bis Calheta.

Am Abend um 20 Uhr bekommen wir Besuch von einer kleinen Schwalbe, sie sitzt einfach im Salon auf am Fenster, hat Volker sie nach draußen gebracht, und sie fliegt immer um unser Vorstag herum. Kurz vor dem Hafen findet er sie im Cockpit und denkt, sie sei tot, aber als er sie aufhebt, schlägt sie mit den Flügeln und hat wohl nur geschlafen. Danach hat sie sich auf den ungünstigsten Platz verzogen, unterhalb der Stufen zum Steuerstand, wir mussten andauernd aufpassen, dass wir sie am Ende nicht noch zertreten.

Die Lichter von Madeira

Am Dienstag, 7. Mai 2023 laufen wir um 02:20 in den Hafen von Calheta ein. Volker meistert die enge Hafeneinfahrt souverän, und auch das Anlegen am Kopf von Steiger B klappt reibungslos. Der ganze Törn war ungefähr 300 sm lang, wir haben 37 Stunden dafür gebraucht, das ergibt einen Schnitt von 8,1 Knoten, not bad!

Als die Hexe gut vertäut liegt, bringt Volker die kleine Schwalbe an Land, und sie fliegt einfach grußlos weg. Aber heute Morgen sind drei Schwalben über uns weg geflogen, vielleicht war sie dabei …

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