Hätte hätte Fahrradkette

Dienstag, 9. Mai 2017, Baro 1004, sonnig, warm, Wind W 5-6, später NO 2
Porto Corallo 09:00 – 09:30 – 17:30 – Ankerplatz vor Arbatax 23:30, 34 sm

ja, das Meer is blau, so blau

Beizeiten laufen wir aus, zusammen mit einigen Booten aus der aus einundzwanzig Schiffen bestehenden russischen Flotille, die uns gestern Mittag von unserem Liegeplatz vertrieben hat. Wir haben gerade das Großsegel gesetzt, da kommt ein Militärboot auf uns zu, sagt etwas zu Volker, ich soll auf Kanal 10 hören. Nein, das ist jetzt nicht wahr! Sie haben für eine militärische Übung den ganzen Küstenabschnitt gesperrt und wir müssen alle zurück in den Hafen, oder 25 Meilen rausfahren. Da wären wir zwei Stunden früher rausgefahren, wenn wir das gewusst hätten. Und wenn wir gewusst hätten, dass es bis zum Abend dauert, bis wir rauskönnen, hätten wir wahrscheinlich auch die 25 Meilen in Kauf genommen, das hätte uns drei Stunden gekostet und nicht den ganzen Tag!

Ein kinder-…

Am Liegeplatz bekommen wir die Auskunft, dass es wohl so bis 13 Uhr dauern soll.  So frühstücken wir halt erst einmal gemütlich. Dann ein Update: Die Boote dürfen die Marina nicht vor 17 Uhr verlassen. Wir kramen ein bisschen rum, ich gehe nochmal zum Hafenmeister, um herauszufinden, ob wir denn nach Süden fahren könnten, dann segeln wir eben nach Cagliari.

… und erwachsenenfreundlicher Strandabschnitt

Aber nein, das geht auch nicht, jetzt heißt es sogar, die Übung geht bis 19 Uhr! Volker packt die Fahrräder raus, wir radeln die zwei Kilometer ins Feriendorf und den Hügel hoch, dort gibt es eine sensationelle Aussicht über das Meer. Nach einer kurzen Verschnaufpause am Strand, wo sich auch die Besatzungen der russischen Boote eingefunden haben, radeln wir zurück zum Hafen.

16:30 dürfen wir doch schon fahren, die freundliche Signora im Hafenbüro ruft extra nochmal beim Militär an, und schwupp, sind unsere Leinen los.
15-16 Knoten Wind aus West, wir wollen nach Norden, Halbwind, wir setzen Vollzeug, und schon läuft sie los, die Hexe. Der Wind nimmt zu auf 20, 21, 22 Knoten, “das muss sie mal aushalten”, sagt Volker, verkleinert dann aber doch die Genua, luvt ein bisschen an und freut sich über 12 Knoten Geschwindigkeit. Bei 24 Knoten Wind binden wir  ein Reff ins Groß, damit wir eine Viertelstunde später in der Flaute dümpeln. Ausreffen, klar. Dann sind es noch vier Knoten Wind, genau von vorne, ein Motor muss ran.

Und es wird eine weitere Motorfahrt, der Wind hat sich komplett verabschiedet, mit 4 Knoten von vorne macht auch das Kreuzen keinen Spaß, wir (und die 21 russisch bemannten Boote) motoren in Richtung Arbatax, dort biegen wir ab in die Bucht. Wir schauen uns nach einem guten Ankerplatz um, es ist immer noch Schwell aus Südost, in der Mitte liegt eine kleine Felsinsel, aber die bietet nicht wirklich Schutz vor den Wellen, und so fällt der Anker schließlich, um halb zwölf, fast im ausgewiesenen Ankerfeld vor Arbatax in der Nähe eines Sandstrandes.

Wären wir am Morgen vor dem dappischen Militärmanöver draußen gewesen, hätten wir wahrscheinlich den ganzen Tag schön segeln können. Hätte hätte Fahrradkette, war eben nicht so.

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Zärtliche Momente

Das war der erste Liegeplatz am Steg

Heute war ein ganz besonderer Tag, der schon anders anfing als andere Bordtage. Damit meine ich keine großen weltbewegenden Ereignisse, aber manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die unsere Tage zu etwas ganz Besonderem machen. Und das fing schon heute früh an. Heute Morgen habe ich bis halb elf geschlafen, und, um es summasumarum zusammenzufassen, waren das 10 Stunden Schlaf. Erholsamer Schlaf am Stück, ein Rekord für mich – soweit ich mich erinnern kann. Kurz darauf stand der Hafenmeister mit Sorgenfalten auf seiner Stirn vor unserem Boot und meinte, dass wir uns trotz Starkwinds an einen anderen Liegeplatz legen müssen, weil er eine Flotille  mit 20 Segelyachten erwartet, die just an dem großen Kai liegen sollen, an dem wir bisher lagen.

Die Madonna ist schon ganz verwittert und bewacht den Hafen

Wegdiskutieren konnten wir das Problem mit dem Signore leider nicht, die böigen Winde bis acht Beaufort heulten durch die Masten und nun hatten wir sicherlich noch größere Sorgenfalten auf der Stirn. Cornelia und ich haben uns fast eine Stunde beratschlagt, wie wir vorgehen sollen, alles zum Verlegen soweit möglich vorbereitet und schließlich die Motoren gestartet. Der große Vorteil eines Katamarans sind die weit auseinander liegenden Motoren, die ein wirklich hervorragendes Drehverhalten  ermöglichen, das haben wir ausgenutzt. Erst beim Ablegen, indem wir die zuvor unter Zug stehenden Leinen nach und nach durch Motorunterstützung entlastet und gelöst haben, um dann am vorgesehenen neuen Liegeplatz den Kat langsam rückwärts fahrend gegen die vorherrschende Windrichtung zu dirigieren. Alles ging nach Plan!

Hier gehört der Bösewicht hin

Für den Nachmittag haben wir einen kleinenAusflug in das sieben Kilometer entfernte 5000 Seelendorf Villaputzu geplant. Leider gibt es keinen örtlichen Bus, das Taxi ist mit 15 Euro für die Strecke zu teuer und bei meinem Fahrrad habe ich bei der Vorderradmontage die dünne Stahlachse zu fest angezogen und abgebrochen. Da hilft nur – wie in jüngeren Tagen – den Daumen in den Wind zu halten und trampend zu versuchen, das Ziel zu erreichen. Das ging viel besser als gedacht und kurze Zeit später saßen wir in einem Ford Fiesta, der von seinem Fahrer so pilotiert wurde, als gelte es ein Formel-1-Rennen zu gewinnen.

Die schöne, aber leider geschlossene Kirche steht in der Ortsmitte

Wenige Minuten später standen wir vorm Fahrradgeschäft in Villaputzu, dessen Ortsname wir schon spaßeshalber mit “Villaputzig” übersetzten, weil alle Geschäfte geschlossen waren und irgendwie alles wie ausgestorben wirkte. Trotzdem hat der Ort einiges zu bieten, es gibt ein Feuchtgebiet mit grünem hohen Schilf, einen schönen ruhigen und gut gepflegten Dorfplatz vorm Rathaus und die Kirche erschien, zumindest von außen, weil verschlossen, sehr einladend.

Punkt 16 Uhr ging der Fahrradladen auf, der zudem ein gesamtes Bauhaussortiment in klein beherbergte. Kurz darauf hatte die junge Signora triumphierend die passende Fahrradnarbe für 2,80 Euro aus dem Ersatzteilsortiment heraus gekramt. Habe ich schon mal erwähnt das ich diese südlichen Handwerkermärkte liebe, wenn nicht, dann tue ich es hiermit!

Grün ist das Land

Für den Supermarkt war es noch ein bisschen früh, der öffnet erst um 17 Uhr und so sind wir dann rein in eine Kneipe, auf ein Bier. Dort lief laute gute Rockmusik aus vergangenen Zeiten mit entsprechenden Videos. Der nahegelegene Metzger verkaufte uns heimisch-sardisches Rinderfilet zum Hammerpreis von 24 Euro/KG und nach einer kleinen Einkaufsrunde im recht kleinen Dorfsupermarkt ging es zurück zum Boot. Erst per Pedes und dann hielten wir abermals den Daumen in den Wind, keine 5 Minuten später saßen wir bei der Signora im komfortablem Mercedes-Bus und wurden bis in den Hafen kutschiert.

Beim abendlichen Lotus-Grillen schwärmte Cornelia eindringlich, “wie zart ist das denn” und meinte nicht etwa meine Streicheleinheiten, sondern das überaus leckere Rinderfilet. Was für ein Klasse-Tag – genauso klasse, wie das ganze Szenario hier – im Hintergrund die Berge, dazwischen kleine Dörfer, im Süden endlos langer Strand, dazu das Meer – Sardinien ist echt schön!

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Hightech in Tunesien 

so klein und will über den Atlantik…

Nachdem wir vor ein paar Tagen die Baliwerft in Haouaria angeschaut haben, hat uns der superfreundliche Hafenmeister von Bizerte gestern auf eine nahegelegene Werft mitgenommen, die sich seit ein paar Jahren u.a. auf die Fertigung von Yachten spezialisiert, die aus dem leichten Werkstoff Karbon hergestellt werden. Wir waren gespannt. Denn das Karbonmaterial wird mit verschiedenen Harzen in den jeweiligen Formen in großen Öfen auf bis zu 100 Grad erhitzt, oder wie der Fachmann sagt, gebacken. Dabei hatten wir das große Glück, eine kleine Regattayacht, die für einen deutschen Schauspieler im Bau war, in Augenschein zu nehmen.

… und sooo leicht

Der kleine Renner, der beim berühmten Minitransat starten soll, wiegt mit seinen 6,50 Metern Länge gerade mal 230 Kilo, natürlich ohne. Mast, Segel und sonstiger Ausrüstung, die an Bord gehört.Der Minirenner hat zudem einen heutzutage üblichen und typischen Rundbug und soll außerdem mit Foils ausgestattet werden.

Die Werft bietet zu attraktiven Preisen, alle möglichen Arbeiten rund ums Schiff an. Ein moderner 270-Tonnen-Kran, der bis zu zwölf Meter breite Schiffe aus dem Wasser heben kann, steht zur Verfügung, eine Preisanfrage für alle interessierten Eigner lohnt, deshalb hier die Kontaktdaten.

Für uns war die Zeit in Tunesien etwas ganz besonderes – weder Cornelia noch ich, waren vorher in einem nordafrikanischen Land gewesen. Wir haben soviel gesehen und soviel erlebt, dass wir garnicht alles in unserem Blog wiedergeben können, ohne tagelang die Computertastatur zu traktieren. Tunesien hat uns in seinen Bann gezogen – die Städte, die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen, die wir getroffen haben, das wuselige Leben in den Straßen und Gassen der Orte.

Tunesien ist schön

Bizerte, selbst ist mit seinem Hafen, der Altstadt und den Märkten ein lohnenswerten Ziel, ganz gleich, ob man es vom Wasser oder vom Land her entdecken möchte. Unserer besonderer Dank geht an den unbekannten jungen Vater, der uns zusammen mit seiner kleinen Tochter, auf seinem Motorroller, nach einer endlosen Suchaktion, sicher und ganz selbstverständlich ans Ziel geführt hat, wir danken dem Hafenmeister und seinem engagierten Team, die wirklich alles getan haben, um unseren Aufenthalt zu einem ganz besonderen Erlebnis zu machen, wir danken dem freundlichen Herrn, der uns ohne Eigeninteresse und ungefragt, den Weg zum Restaurant erklärt hat.

Und für alle Nachahmer, Nachsegler und andere Interessierte gibt es hier die vollständigen Kontaktdaten der Marina Bizerte.

Diesen Beitrag möchten wir daher gerne mit den Worten beenden, die der italienische Werftchef in Bizerte gewält hat, der seit 2003 permanent in Tunesien lebt und arbeitet: „Wer einmal in Tunesien war, den zieht das Land in seinen Bann und lässt es nie mehr los.”

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Bye bye Tunesien

Freitag, 5. Mai 2017, Baro 1009, sonnig diesig, warm, Wind NO 13-15 Knoten

Bizerte 11:25 (tunesischer Zeit) – Porto Corallo 6.5. 10:00, ca. 140 sm
Nach all den Eindrücken des fremden Kontinents und nach einem abschließenden Besuch bei der nahe gelegenen Werft W-Magic, den der nette Hafenmeister Mourad Chamari organisiert hat, bekommen wir unsere Pässe wieder, die Polizisten gehen einmal durch unser Boot, auch in beide Rümpfe, und wir dürfen ablegen. Das gestaltet sich relativ schwierig, wir versuchen zuerst über die Vorleine zu drehen, Das geht gar nicht, über die Vorspring dreht es nur ein bisschen, ich gabe das Rad ab an Volker, und endlich dreht die Hexe aus dem Längsseitsplatz heraus, aber nicht genug, es ist relativ eng, bis Volker es kurz vor dem Ende des Hafenbeckens schafft, sie in die richtige Richtung zu drehen. Harald und Rolf sind angeradelt gekommen, um uns zu verabschieden und zu fotografieren, da bin ich gespannt auf die Bilder. Es war eine schöne Zeit mit Euch beiden, danke für alles!

Um 12:00 Uhr stehen Großsegel und Genua, Volker sitzt an der Pinne, wir kreuzen aus der Bucht heraus, mal sehen, wann der Wind weiter östlich dreht. 12:45 Uhr wenden wir, Kurs 317 Grad, der Wind nimmt ab auf 7-9 Knoten.
Am Nachmittag frischt der Wind auf, es sind wieder konstant 15 Knoten, bei einem wahren Windeinfallswinkel von 50-60 Grad und voller Besegelung läuft die Hexe locker über 8,5 Kknoten Speed. Wir kämpfen mit den lauten Geräuschen, die der Mast in den Wellen macht, ich nehme das mal auf, damit wir es Outremer zeigen können.

20:00 Uhk MESZ, Baro 1011, Wind NO 15-17 Knoten
Wir haben auf die Selbstwendefock gewechselt, seitdem läuft die Hexe viel ruhiger, kurz, als der scheinbare Wind über 22 Knoten ansteigt, überlegen wir, auch ein Reff ins Groß zu binden, aber mit der Fock läuft sie eigentlich stabil. Gut, dass wir das nicht gemacht haben, denn schon zehn Minuten später wird der Wind wieder weniger. Es ist total feucht, zum einen natürlich von der Spray der Wellen, aber auch durch die diesige Luft. Zum Abendessen kocht Volker uns Carbonara, das kommt immer gut und gibt Kraft für die Nacht.

22:00 Uhr, Baro 1013, Wind NO 17-20 Knoten
Jetzt reffen wir lieber doch das Groß, der scheinbare Wind bleibt beständig über 20 Knoten, so sind wir gut aufgestellt für die Nacht, wenn es nicht noch stärker weht.
Und natürlich weht es noch stärker, 23:30 ist der TWS bei über 24 Knoten, und die Hexe ist sooo schnell. Unangenehm ist vor allem das unruhige Meer, das Boot knallt immer wieder in die Wellen, es knarrt und scheppert. Wir binden Reff 3 ein, danach wird sie ein bisschen langsamer, aber der Wind weht inzwischen auch in Böen bis gut 27 Knoten.
Um 00:30 schläft der Wind ganz plötzlich ein, die Wellen natürlich noch nicht, ich warte zehn Minuten, dann wecke ich Volker: “Wir müssen ausreffen”. Das hilft leider nur kurz, dann wird der Wind zuerst ganz schwach, um danach auf die Nase zu drehen. Wir motoren mal wieder, aber gut, so kann wenigstens der Wassermacher laufen und wir verdünnen das schrecklich gechlorte Wasser aus Tunesien.
Um 03:30 piept es zweimal an meinem Ohr, ich hatte mich auf Geheiß des Skippers in die Steuerbordkabine gelegt, ich gehe hoch, um ihm zu sagen, dass meines Erachtens der Wassermacher gepiept hat, da frischt der Wind mal wieder auf 25 Knoten wahr auf, und wir reffen das Groß. Das geht gut so bis 05:00 Uhr, dann sind wir nur noch drei Meilen von der Küste weg, und wir zischen mit sechs Knoten drauf zu, ich wecke den Skipper, der sich gerade mal für eine halbe Stunde hingelegt hat, damit wir wenden können.

Samstag, 6. Mai 2017, Baro 1013, bedeckt, Wind NO 15-20 Knoten
An der Naturschutzinsel Isola Serpentara motoren wir noch vorbei, leider gibt es dort keine Ankerbucht, in der wir mal eine Pause einlegen könnten, nach Passieren der Insel wird gesegelt. Unser Etappenziel heißt Porto Corallo, ich hab auch schon angerufen, mein bestes Italienisch ausgepackt, und die Auskunft bekommen, dass es einen Liegeplatz für uns gibt. Un 10:00 Uhr morgens machen wir dort die Leinen fest, längsseits “all’inglese”, (auf englische Art) wie die Italiener es nennen, an einem großen Steg, putzen Boot, essen die Reste der Spaghetti carbonara und fallen todmüde ins Bett.

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Durchs wilde Tunesien…

Wir sind eingeladen, nein, d.h. eigentlich ist Harald eingeladen und Wirt dürfen mitfahren, das Werk in El Haouaria anzuschauen, in dem die französische Katamaranwerft Catana ihre Cruising-Line “Bali” baut. 100 km seien das zu fahren, kein Problem, höchstens anderthalb bis zwei Stunden. Haralds  Mitsegler Rolf schafft es, trotz widriger Umstände ein Leihauto zu ergattern, ganz neu ist es nicht, Beulen hat es auch ein paar, aber das scheint – wie schon in Portugal – niemanden wirklich zu interessieren. Der Tank ist leer, Sprit müssen wir erstmal kaufen, was davon am Abend übrig bleibt, ist bestimmt nicht für den nächsten Kunden.

Okay, aus den 100 km sind bei näherem Hinsehen 190 geworden, und auch mit zwei Stunden kommen wir nicht hin, aber egal, wann hat man schon mal die Gelegenheit, so durch ein völlig fremdes Land zu fahren?

Punkt neun Uhr starten wir an der Marina und sind nach wenigen Kilometern auf der Autobahn Richtung Tunis. Wie schon vom Meer aus gesehen, ist die Landschaft lieblich, hier oben im Norden sind es im wesentlichen Oliven- und Orangenplantagen sowie Schafherden, die das Bild bestimmen. Bei den Schafherden sind immer auch Schäfer mit Hunden. Manchmal laufen aber auch nur eine Kuh und drei Schafe und eine Ziege und ein paar Hühner über das Feld, das offensichtlich zu einem einstöckigen kleinen weißen Haus gehört.

Volker sagt: „Ich warte nur drauf, dass hier einer mit so nem Eselskarren vorbeikommt“, und richtig, kurz vor Tunis kommt nicht nur einer, sondern mehrere Typen mit Esels- oder Pferdekarren, auf denen irgendwelche landwirtschaftlichen Produkte transportiert werden.

Tunis ist eine Millionen-Metropole, trotzdem führt die Autobahn einfach hindurch, wir sehen rechts die protzigen Paläste der Banken, fahren über eine große Allee, einförmige sechsstöckige Wohnblocks wechseln mit fantasievollen Geschäftshäusern und, vor allem auf der Einfahrtsstraße mit großzügigen Wohnpalästen.

Nach Tunis geht die Fahrt weiter Mitt 110 Stundenkilometern über den „Transafrican Highway“ (klingt toll, oder?), bis wir diesen leider verlassen müssen, die letzten 100 km auf die deutlich kleineren Straßen mitten durch zahlreiche Ortschaften hindurch fahren. Das dauert zwar länger, ist aber in hohem Maße interessant. Als erstes werden wir mal von der Polizei angehalten, die wollen unsere Pässe sehen. Ob wir arabisch sprechen? Nein, das leider nicht, aber französisch. Auch gut, jetzt kommt der Chef, fragt, wohin wir unterwegs sind, wir zeigen es ihm auf unserer Karte, und er beschreibt uns den Weg für die nächsten drei Abbiegungen. Gut, damit haben sie die gute Tat für den Tag getan.

In einer der nächsten Ortschaften ist Markt, aber nicht irgendwo auf einem Platz, sondern beidseits der Hauptstraße, wir fahren ungefähr 20 cm an frischen Tomaten, Brot, lebenden Hühnern, rosafarbener Unterwäsche vorbei, nein, fahren natürlich nicht, sondern schleichen. Wir sind eben einfach in einer anderen Welt angekommen. Zwischen den Ortschaften endlose Felder, hier neben den Olivenbäumen auch viel Weizen, und immer wieder stehen am Straßenrand kleine Hütten, an denen irgendetwas verkauft wird: Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, und einiges, das wir nicht zuordnen können. Je weiter wir an die Spitze der Halbinsel kommen, desto mehr Weinbau gibt es, riesige Felder, wir erfahren später das der Mucadet von Kelibia eine besondere Spezialität ist.

Noch einmal werden wir von der Polizei angehalten, aber diesmal wollen sie nur die Autopapiere sehen, und ohne weitere Routenempfehlungen dürfen wir weiterfahren. Es ist schon nach zwölf Uhr mittags, bis wir bei der Werft ankommen, der oberste Chef von Catana und der Chef der tunesischen Fabrik erwarten uns schon, und laden uns zum Essen ein, denn jetzt haben auch die Arbeiter Pause, und sie wollen uns die Produktion lieber zeigen, wenn dort auch Menschen tätig sind.

Da sagen wir natürlich nicht nein, wir fahren ein paar Kilometer mit dem Auto bis zum Meer, und tauchen schon wieder in eine andere Welt ein. Ein von außen unscheinbares Restaurant öffnet sich auf eine große Terrasse mit einem schier unglaublichen Blick über die Bucht von El Haouaria. Auf dem Wasser fährt langsam ein Fischer mit seinem Schleppnetz vorbei, und wir werden verwöhnt mit den Köstlichkeiten des Meeres, Sepia, Pulpo, Krabben mit Oliven, sauer eingelegtem Gemüse und scharfer roter Harissa gibt es als Vorspeise mit Brot zum Dippen. Aber der Clou ist der Hauptgang: Seegrille, so was ähnliches wie eine Languste dazu Spaghetti, zum Hinknien lecker!

Interessant ist danach die Führung durch die Fertigung der Bali, in nur sieben Wochen fertigen sie hier die Bali 40, viele Frauen sind dabei, mit und ohne Kopftuch, und alle sind enorm gut drauf, sie lächeln strahlend, wenn man sie grüßt, die Stimmung scheint richtig gut zu sein, obwohl der Monatslohn im Vergleich zu europäischen Einkommen sehr niedrig ist.

Gegen 16 Uhr verabschieden wir uns mit vielen Dankesworten, wir wollen einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Damit wir nicht die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg nehmen müssen, fahren wir über Kelibia und Korea an der nordöstlichen Küste Richtung Hammamed, dem Seebad Tunesiens. In Kelibia möchte Harald den Hafen anschauen, so etwas haben wir noch nicht gesehen. Das ist ja schlimmer als der Friedhof der Kuscheltiere, was hier an verfallenden Booten herumliegt! Und überall Müll, Dreck und vor allem Plastik. Nicht nur hier am Hafen, in den Orten, dazwischen überall liegt Plastikmüll. Nur nicht entlang des Highway, dort sehen wir Menschen, die den Dreck einsammeln, damit es ordentlich aussieht. Aber die laufen auch zu Fuß einfach so über die Autobahn,

Nach dem Schock tuckern wir heim über zahlreiche Ortschaften, befahren nochmal den Transafrican Highway, um uns leider in Tunis in den Feierabendverkehrsstau zu stellen. Unsere Köpfe sind voller Bilder, das wird eine ganze Weile in Anspruch nehmen, diese Vielfalt zu verarbeiten.

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Ein neuer Kontinent

Sanft gewellte Hügel mit kleinen weißen Ortschaften

Um 11:00 Uhr sind wir in der Marina in Bizerte angekommen, nach drei Tagen auf See. Mit dem ersten Licht des Tages konnte man schon die Küste sehen, ich fand das sehr aufregend, Afrika liegt voraus, ein Kontinent, auf dem wir noch nie waren. Es war eine schöne Überfahrt (das Logbuch dazu gibt es demnächst unter der Rubrik „Logbücher“), und wir schauen auf die grünen Hügel im Norden von Tunis. Weiße Ortschaften liegen dazwischen, in der Ferne kann man die Stadt Bizerte sehen.

Wie vereinbart rufe ich den Hafenmeister an, er hat uns schon auf dem AIS verfolgt, sagt „Bienvenue“ und erwartet uns mit drei Jungs, die sofort an Bord springen, um die Moorings zu nehmen. Allerdings sind diese so voller Muscheln, dass Volker sagt, hier bleibe er nicht, das verkratzt ja das ganze Gelcoat! Ob wir uns längsseits hinlegen wollen, fragt der Hafenmeister, immer noch freundlich, „Oui, s’il vous plaît“, sagt Volker. Mit den Jungs fahren wir an den nächsten Steg, und legen dort an, alles ist wieder gut.

Sofort kommt auch die Immigration mit einem Polizisten in schussfester Weste, diese beiden sind ebenfalls sehr freundlich, heißen uns willkommen in ihrem Land, und wir füllen die zahlreichen Papiere aus. Eine Stunde später haben wir einen Stempel im Pass, und sind sozusagen angekommen.

Geschmückt für den 1. Mai

Auch hier ist der 1. Mai Feiertag, offensichtlich gibt es Aufmärsche oder Ähnliches in der Stadt, man hört nur skandierendes Singen. Und in regelmäßigen Abständen rufen die Muezzin von den Türmen der Gotteshäuser zum Gebet, hier gibt es viele davon, und so entsteht am Hafen eine schier unglaubliche Kakophonie!

Mit einem Eimer Farbe wäre diesem schönen Gebäude schon geholfen

Der alte Hafen

Am Nachmittag kommen Harald und Rolf mit ihrer Catana an, nachdem auch sie einklariert haben, gehen wir zu viert in die Stadt, und sind beeindruckt. Ob es am Feiertag liegt oder immer so ist, es sind unglaublich viele Menschen unterwegs, sitzen in den Cafés am alten Hafen, laufen mit uns durch die Straßen, eine unglaubliche Zahl von Katzen labt sich an den essbaren Abfällen.

Zwei Eimer Farbe braucht es hier schon

Überhaupt Abfälle! Überall fliegt Plastik herum, Müll liegt an allen Ecken und Kanten, da kann man noch nachbessern. Die Geschäfte haben geöffnet, und zahlreiche fliegende Händler bieten auf den Gassen ihre Waren feil.

Schuhe zum selber zusammensuchen

Das beste sind die fliegenden Schuhverkäufer, denn die haben einfach einen großen Haufen mit allen Arten von Schuhen, aber nicht etwa paarweise schön ausgelegt, sondern sozusagen zum Zusammensuchen.

Ladies Paradise

Es gibt zahlreiche Geschäfte mit orientalischen Frauenkleidern, ca. zwei Drittel der Frauen tragen Kopftuch und lange Röcke, die anderen sind westlich gekleidet, in Jeans und mit offenen Haaren.

Busy Streets

Offensichtlich gehen auch die Geschäfte an dem Feiertag ziemlich gut, erst nach langem Suchen finden wir einen Geldautomaten, der noch bestückt ist, die anderen waren alle schon leer gezogen. Am heutigen Abend essen wir bei uns an Bord, voller neuer Eindrücke.

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Eine Schwalbe

Die kleine Schwalbe mag sich nur ausruhen

macht noch keinen Sommer, sagt man so. Einen Tag segeln und fast ein ganzer Tag motoren liegt nun hinter uns und wir erreichen soeben die Südspitze Sardiniens. Die ersten 48 Stunden auf dem Mittelmeer sind gut verlaufen. Der erste Tag hat uns mit viel Wind einiges abgefordert, aber das ist ja genau das, was wir wollen. Die Hexe hat sich auch bei über 35 Knoten Wind gut betragen, klein gerefft ging es mit über 10 Knoten schnell voran. Unser Topspeed lag bei 17 Knoten.

Der Spatz hat einen Ruhepunkt gefunden

Seit ein paar Stunden haben wir eine kleine Schwalbe an Bord, gestern war sogar ein Spatz zu Besuch, 50 Seemeilen weit vom nächsten Land entfernt, und am Abend haben drei Schwalben kurz um unser Großsegel “Fangen” gespielt. Für die kleine Bordschwalbe machen wir jetzt einen Umweg und schippern ganz dicht unter die Küste, damit der Jungvogel ans sichere Ufer fliegen kann. Brot und bereit gestelltes Wasser nimmt sie nicht an.

Babyquallenschwärme schwimmen vorbei

So sehen die kleinen Biester aus, brennen aber noch nicht

Aber damit nicht genug der Tierwelt: Gestern Nachmittag hat uns zweimal kurz ein einsamer Delphin besucht, und seit gestern Mittag bis heute Morgen schwammen im Meer Abermillionen von Portugiere-Quallenbabies, hoffentlich haben die genügend natürliche Feinde!

Der Sommer ist hier im Süden Sardiniens angekommen, es ist schön warm, der Wind dabei sehr schwach. Im Moment wechseln wir zwischen Motor und Leichtwindsegel hin und her. Ab 5 Knoten Wind können wir segeln. Für heute Mittag ist Westwind um die 3 Beaufort vorhergesagt, das würde gut passen. Es sind noch 140 Seemeilen bis Bizerte in Tunesien, die Stimmung an Bord ist wieder super, Cornelia hat soeben ein großes Problem gelöst. Seit gestern haben die Lichtmaschinen der Motoren keinen Strom mehr ins 24-Volt-Bordnetz geladen, weil ich am Lademonitior was falsch eingestellt habe. Männer und Technik eben…

Jetzt versucht sie sich am Spannungswandler, weil der ebenfalls den Dienst standhaft verweigert, zuviel Elektronik für mich (Dabei lag es nur an den vorher ausgestellten 230-Volt-Sicherungen, das fiel dem Skipper beim Telefonieren ein).

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Wir sind los!

Freitag, 28.4.2017, Baro 1016, sonnig, eher kühl, Wind NW 5-6
LGM 08:00

Bei strahlendem Sonnenschein legen wir früh ab, der Wetterbericht ist gut, nordwestlicher Wind, bis heute Abend ausreichend stark. Zuerst ist die See ziemlich kabbelig, und die Hexe schankt ganz schön durch die Gegend, aber als der Wind zunimmt, wird sie stabiler, und wir fliegen mit ständig über 10, oft über 12 Knoten Speed übers Wasser.
Das hätte ich allerdings nicht gedacht, dass wir uns in Faserpelz, dicke Jacken, Segeljacken, warme Unterwäsche und Stiefel einhüllen müssen, Ende April im Mittelmeer, selbst bei achterlichem Wind ist es so kühl, dass man dazu auch noch Handschuhe braucht. Weiße Schaumkronen sind auf dem Meer und bald verlässt uns das Handynetz, deshalb hier der kurze Bericht. Wer will, kann uns ja über Marine Traffic verfolgen, die Hexe unter französischer Flagge.

10:35 wir gehen auf Kurs 144 Grad Richtung Südsardinien, Segelführung: ein Reff im Großsegel, die Genua drei Umdrehungen weggedreht. Der Wind ist genau achterlich, wir probieren die gereffte Genua auszubaumen, mit unserer alten Spischot. Der Hubschrauber der französischen Küstenwache fliegt ganz nah über uns hinweg, der wollte sicher mal schauen, was da für ein schönes Boot unterwegs ist.

12:15: Wir binden ein zweites Reff ins Großsegel, denn der Wind frischt immer weiter auf, die Genua ist auch gerefft, und wir düsen, düsen, düsen im Sauseschritt….

Volker meint, jetzt unbedingt mal den Watt and Sea-Generator ausprobieren zu wollen, dazu muss er ihn aber hinten am Backbordschwimmer befestigen, und wird kräftig geduscht. Es kommen immer wieder mal Wellen über die ersten Stufen der Plattformen.

Der Wind nimmt weiter zu, wir versuchen es mit einem dritten Reff, aber irgendwie sieht der Segelkopf nicht gut aus, und wir befürchten schon, da sei etwas gerissen. Also nehmen wir das Groß ganz herunter, scheitern aber dabei, es auf Vorwindkurs ordentlich einbinden zu können, und gehen gegen den Wind. Hui, jetzt wird es aber nass! Nun merkt man auch erstmal, wie hoch die Wellen sind, wenn ich versuche, die Hexe genau mit der Nase im Wind zu halten, und dabei die Wellen so auszusteuern, dass sie nicht über das ganze Boot brechen. Eine erwischt mich doch, ich schmecke das Salz auf den Lippen, und freue mich schon drauf, es aus denHaaren zu bürsten.

Jetzt, da das Großsegel geborgen ist, können wir sehen, dass alles in Ordnung ist, Glück gehabt, dann können wir ja weiter Richtung Tunesien, statt auf die Küste zu, oder nach Porquerolles! Wir rollen nur die Genua ein Stückchen raus, der Windmesser zeigt über 30 Knoten wahren Wind, so ist es deutlich ruhiger, und Volker bekommt endlich sein wohlverdientes Mittagessen. Vorher muss noch das Boot geputzt werden! “Die ist ja völlig versalzen”, klagt der Skipper, greift kurzerhand zum Schlauch und spritzt das Boot beim Segeln ab. Gut, dass wir gerade den Watermaker angestellt hatten, das ist ja Luxus!

Während wir noch so fröhlich vor uns hin wischen, kommen Delfine und spielen um den Bug, diesmal sind es ganz kleine, sie springen in den Wellen und tanzen um das Boot, dass es wieder die reine Freude ist. Volker spritzt ein wenig Süßwasser auf sie, das scheint sie aber nicht weiter zu beeindrucken.

18:00 42.29.515 N 005.21.315 O, Baro 1012, Wind 28-30 Knoten NW, sonnig, Wellen geschätzt 3-4 m hoch. Wenn diese Wellen zwischen den zwei Rümpfen hindurchlaufen, macht das Lärm im Boot, sie heben die Hexe an, und setzen sie wieder ab, im Surf geht das, nur mit der Genua, auf speedige 12 Knoten, um im Wellental auf 6-7 Knoten abzunehmen. Das Gute dabei ist, dass wir trocken im Salon sitzen, und durch die Fenster rundherum dem Spektakel der Wellen zuschauen.

Seit den beiden Frachtern vor Marseille haben wir auch kein Schiff mehr gesichtet, nur im Ais sehe ich die Fähre nach Calvi, die mit nur neun Knoten offensichtlich auch noch einen Umweg fährt, und hinter uns kommt der Frachter “Seaexpress” mit 13 Knoten.

21:00 Volker hat leckere Spaghetti Bolognese gekocht, wir essen ganz gesittet am Tisch, nur mit Antirutsch-Untersetzern für Töpfe und Teller, weil die Wellen immer mal ganz unvorherzusehende Schiffsbewegungen auslösen.

22:45 Ich lege mich für eine Weile zum Schlafen in die Kajüte, nicht ohne vorher die Anzeigegeräte auf Nachtmodus umzustellen, und für Volker eine Folge von “Auf Achse” in den DVD-Player einzulegen. Auch in unserer Kabine habe ich ein Tochterinstrument, das stelle ich auf den “Rot-Schwarz-Modus” um, sieht gut aus und blendet gar nicht beim Schlafen, man kann aber – in einer kurzen Wachpause – geschwind mal draufschauen, ob alles in Ordnung ist.

01:45 Ich wache von einem durchdringendem Gepiepe auf, springe aus dem Bett, laufe zu Volker in den Salon, die Bilgenpumpe im Steuerbordmotorraum ist angesprungen. Das mögen wir aber gar nicht! Die Wellen sind nicht mehr ganz so hoch wie vorhin, als das komplette Cockpit überflutet war von achterlich einsteigendem Meerwasser, also traut sich Volker, den Motorraum zu öffnen, dann ein Schrei: “Beim Ruderlager steht alles voll Wasser, Salzwasser!”

“Nein!”, denke ich, und “Das ist nicht wahr!”, sagt Volker. Mit Küchengeräten wie Kaffeebecher, Tupperkanne und Glas wird geschöpft, so gut es geht, anschließend mit dem geschenktem Zewa in Massen getrocknet, 02:45 ist die Motorbilge soweit trocken, das Vorsegel mal wieder geschiftet, jetzt kann Volker eine Runde schlafen gehen.

Samstag, 29. 4.2017, Baro 1014, sonnig, Wind  NW 12-15 Knoten, abnehmend 4-8, auf See

08:00 Die Motorbilge steuerbord wird zum zweiten Mal gelenzt, Volker holt einen großen Eimer voll Seewasser heraus und macht mit Zewa alles trocken. Die achterlich anlaufenden Wellen lecken schon mal an der zweiten Stufe, aber höher kommen sie jetzt glücklicherweise nicht mehr.

08:20 Das Großsegel wird im zweiten Reff gesetzt, mit der beinahe vollständig ausgerollten Genua segelt die Hexe ruhig und stetig dahin. nach dem Frühstück reffen wir komplett aus, leider ist der Wind jetzt nur noch schwach und wir motoren ein bisschen, und ein bisschen mehr. Der Skipper geht schlafen, und ich stelle plötzlich fest, dass der Steuerbordmotor die Batterien nicht lädt, deshalb war auch die Dusche nur lauwarm!

Mit Trial and Error finden wir heraus, dass beide Motoren die Bordbatterien nicht laden. Jetzt geht die Sucherei los: Welches Gerät ist genau dafür zuständig? Kann ich über den PC-Anschluss im Mastervolt-System den Fehler erkennen? Wir wälzen Handbücher, versuchen es am PC, am Shunt, endlich finde ich eine Fehlermeldung am Mastercharger, aber leider nicht den entsprechenden Fehlercode, und eigentlich sind wir mit der ganzen Fragestellung überfordert. Volker meint, wir könnten doch einfach mal die Batterien abklemmen, vorher den Watt and Sea und die Solarpanele ausschalten und dann mal sehen, was passiert. Ich bin ein bisschen skeptisch, weil ich mir sofort vorstelle, dass wir ohne Bordstrom die ganze Nacht von Hand steuern müssten, und das draußen, dabei ist es gestern Nacht doch empfindlich kalt gewesen, und. Ich war froh, dass der Autopilot brav seinen Dienst getan hat, während ich nur alle  10-12 Minuten mal einen Rundumblick in die sternenklare, aber sehr einsame Nacht geworfen habe.

20:00 Uhr, das Barometer ist leicht gefallen auf 1012, auch der Sonnenuntergang ist nicht so klar wie gestern, vielleicht bekommen wir morgen schlechtes Wetter, ich bin eher für “hoffentlich nicht”. Wir können segeln, es sind 8-9 Knoten Wind, der Genaker steht, passend für die Küste in den italienischen Farben.

Es ist kein schlechtes Wetter gekommen, aber leider hat der Wind ab 21 Uhr mal wieder abgenommen, und wir sind durch die Nacht motort. Zum Abendessen gab es die Reste von gestern, bei Spaghetti Bolognese kocht Volker immer Portionen für vier gute Esser, oder für zwei Tage. Danach wieder abwechselnd Wachen, ohne feindliche Boote, ein einsames Stück Mittelmeer. Nur die Tierwelt kommt uns besuchen, wie der Skipper im Blogbeitrag “Eine Schwalbe” so schön beschrieben hat.

Sonntag, 30. April 2017, Baro 1014, sonnig, Wind NW zwischen 6 und 12 Knoten, auf See

Bei Sonnenaufgang ist schon Land zu sehen, die südlichen Zipfel von Sardinien grüßen den Morgen.  Begonnen haben wir den Tag mit der Suche nach dem Fehler, warum die Batterie von den Motoren nicht geladen wird. Schließlich waren sie die ganze Nacht an, und trotzdem lädt nur der Watt and Sea. ich hole alle Handbücher heraus, die irgendwie etwas mit dem Ladegerät zu tun haben, versuche zu verstehen, wovon die reden, das klappt auch nach ein bisschen Einlesens, Volker probiert es mehr mit der angewandten Technik. Durch gemeinsame Überlegungen finden wir in den Handbüchern des Mastervoltsystems einen Hinweis, dass der Fehler auftreten kann, wenn die Konfiguration des Chargemaster im Bussystem nicht gesperrt ist. Gut, das ist einfach, ich klinke meinen PC am Kartentisch in das Bussystem ein, und sperre die Konfiguration. Perfekt! Die Batterien zeigen eine Ladespannung von über 25 Ampere an! Da fällt uns jetzt aber ein Stein vom Herzen, gut dass er nicht real war, der hätte glatt den Rumpf des Bootes durchschlagen. Das bedeutet nämlich, dass wir weiter segeln können nach Tunesien, und nicht hier in S. Pietro in die Marina bleiben, oder gar zurück nach LGM segeln müssen!

Später segeln  wir durch den Canale di San Pietro, bezaubernd, ich glaube, wir müssen noch einmal hierher zurückkommen. Unter Genaker geht es aus der Straße des heiligen Peters raus, Kurs 142 Grad Richtung Tunesien. Es ist strahlender Sonnenschein, zum Feierabend kommen uns auch wieder die Delphine besuchen.

Der Tag war wunderschön, das Segeln hervorragend, Wind immer so um 10 Knoten von raumschots, das Meer flach, Frühstück mit Rührei im Cockpit, Abendessen mit gegrillter Entenbrust und Cevapcici sowie Caprese ebenfalls im Cockpit, aber die Nacht wird aufregend!

Im AIS sieht man schon am Abend so viele Boote, an bestimmten Stellen bilden sich richtige Straßen, das wird nicht so eine gemütliche Nacht wie die letzte! Immer wieder piept der Alarm, dass sich ein feindliches Boot in drei Meilen Entfernung befindet. Und einmal kommt uns die Puffy so nahe, dass ich Volker aus dem Schlaf klopfe, weil ich uns schon komplett von ihr untergetaucht sehe, Schreck lass nach. Wieso die plötzlich so nah war, obwohl sie uns in 500 Meter Entfernung passieren sollte, weiß ich im Nachhinein auch nicht mehr zu sagen, aber das war Adrenalin pur.

Montag, 1. Mai 2017, Baro 1015, sonnig, Wind N 6-10 Knoten, auf See

Afrika, da vorne ist wirklich der afrikanische Kontinent! Jahrelang haben wir unseren Kindern, wenn sie uns gefragt haben, wohin wir denn heute segeln, gesagt: „Nach Afrika“. Und wie lange wir wohl brauchen? „Stiebie Stundie“, was soviel hieß wie „Keine Ahnung, wenn wir da sind, wissen wir’s“. Und genauso sind wir jetzt nach Afrika gesegelt, wir wussten ja vorher auch nicht, wie lange wir wohl brauchen würden. Um 10:00 Uhr machen wir die Leinen fest in Bizerte, der freundliche Hafenmeister empfängt uns mit drei Jungs.

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Trocken gelegt,

die Navigationstischdecke für weltweite Fahrt

ist nun unsere Motorbilge und beim heutigen kurzen Probeschlag in der Bucht von LGM ist absolut kein Wassertropfen nachgelaufen. Wir sind sehr froh, dass wir jetzt ein trockenes Schiff haben. Wo genau das Wasser im Ruderabteil überhaupt herkam, lässt sich im Nachhinein garnicht sagen. Man muss  nicht jedes Rätsel ergründen, Hauptsache, das Schiff ist dicht, egal ob Süß- oder Salzwasser.

Zudem kam heute der neue Laderegler für unseren Hydrogenerator, der über eine drehende Schraube im Wasser bei Vorwärtsfahrt Energie für unser Bordstromnetz erzeugt. Je schneller wir segeln, umso mehr Energie wird in unser  24-Volt-System eingespeist. Heute beim Testsegeln lieferte der Hydrogenerator bei 8,5 Knoten Fahrt vielversprechende 10 Ampere oder umgerechnet gut 240 Watt Leistung. Zu dem Thema Energiegewinnung an Bord gibt es bald mehr Details.

Die Capitania prüft gerade die Wetterlage, während ich nur noch segeln will. Endlich raus, egal woher der Wind weht und beinahe egal wie stark, Hauptsache segeln, Meilen schrubben, mit unserem neuen Kat. Und dabei noch mehr Erfahrung sammeln, das Boot kennen lernen und ihm vertrauen. Beziehungsaufbau geht nicht nur zwischen Menschen, es geht für mich auch mit einem schönen flotten Schiff.

das nächtliche Schaltpanel

Am Anfang ist alles neu und fremd, die Vertrautheit und die Kenntnis fehlt noch, die wir bei unserer Dehler mit jeder gesegelten Meile mehr erlangt haben. Obwohl, ganz fremd ist uns unser Kat natürlich nicht. Dazu haben wir jetzt schon zuviel Zeit mit ihm verbracht. Ich bin mittlerweile in jedem erreichbaren Winkel rumgekrabbelt, kenne die ganzen verschiedenfarbigen Leinen und muss nicht mehr nachdenken, wofür beispielsweise die dunkelblaue oder die gelbschwarze ist. Alle Schalter am Schaltpanel sind vertraut, und Geräusche an Bord werden gleich erkannt. Wir sind also hoffentlich auf einem guten Weg, hin zu einer langen tragfähigen Beziehung mit unserer HEXE. Jetzt muss die Lady liefern und zeigen, was in ihr steckt.

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Das war’s noch nicht

Wasser in der Bilge, sehr unbeliebt

Seit ein paar Tagen haben wir leider ein paar Sanitärprobleme mit unserem Katamaran. Ständig steht irgendwo im Eignerrumpf Wasser, Süßwasser wohlgemerkt. Nach jedem kleinen Segeltörn, wenn das Boot von den Wellen ein bisschen durchgeschüttelt wird, ist es in drei Bilgenabteilungen nass. Zudem leckt auch der Heißwasserboiler aus dem Überdruckventil und sorgt für Wasseransammlungen in der Motorbilge. Das Problem mit dem Überdruckventil wird schnell gelöst, indem es gegen ein neues ausgetauscht wird.

Wassertank, ausgebaut

Schwieriger ist es mit dem Wasser in der Bilge. Die Techniker von Outremer machen sich ihre Gedanken, probieren verschiedene Lösungsansätze aus, zunächst jedoch leider ohne den gewünschten Erfolg. Es kommt immer wieder Wasser nach und wir befürchten zunächst, dass der Wassertank einen Riss hat, was leider schon mal vorkommen kann. Gestern kam Malik, dem Chef des Sanitärteams, der rettende Gedanke. Kurzerhand wird der Wassertank ausgebaut und genau darunter befindet sich in einem abgetrennten Abteil viel Wasser. Das stand dort unerkannt seit dem Missgeschick mit der fehlenden Tankdichtung, und immer, wenn das Schiff sich bewegt hat, ist ein klein bisschen von dem Wasser übergeschwappt und weiter vorne im Boot zum Vorschein gekommen. Wir haben uns sehr gefreut, dass für dieses Problem nun eine Lösung gefunden war.

Heute morgen sind wir dann mit viel Elan aus den Federn gestiegen und haben das Schiff und uns für die Reise nach Tunesien vorbereitet. Die Wettervorhersage versprach für die nächsten Tage Wind aus der richtigen Richtung, der uns nach Nordafrika schieben sollte. Um 10 Uhr sind wir bei Flaute aufs offene Meer motort, Kurs Südost. Bei einem Kontrollblick in den Motorraum sah ich dann durch einen engen Spalt hinter dem Motor Wasser stehen. Ein kleiner geschmacklicher Kontrolltest ergab keine Klarheit, ob es sich um Süß- oder Salzwasser handelt. Die nächste Entscheidung war schnell gefallen, wir sind nach LGM zurückgekehrt.

Auch den herbeigeeilten Outremer-Technikern war nicht klar, woher das Wasser kommt. Um es jedoch zu entfernen, musste erstmal ein acht Zentimeter großes Inspektionsloch ausgeschnitten werden. Bis morgen werden wir die Angelegenheit im Auge behalten, um dann eventuell weitere Entscheidungen zu treffen.

Der Eingangsbereich ist schon schön gestaltet

Mit Patrick von der Pastis sind wir, um uns vom Wasserthema abzulenken, nachmittags in eine riesig große Wein- und Spezialitätenhandlung (http://www.maisondesvins-lespiguette.com) gefahren, die Produkte nahezu aller regionalen Weingüter und lokale Leckereien zum Verkauf anbietet.

Rosé-Weine aus dem Hérault

Wir haben noch nie ein dermaßen großes Weinsortiment gesehen, vom Wein für 3,50 Euro je Flasche bis zu einigen hundert Euro teuren Weinen wurde alles angeboten. Ein Paradies für Weinliebhaber und Gourmets…

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